Begegnung vom 26.05.2010
mit Antje Bitterlich


Viele Freunde kamen, um Antje Bitterlich bekannt als „Zerbinetta“, „Gilda“, „Königin der Nacht“ oder „Gretel“ zu hören und wurden nicht enttäuscht. Die Begegnung mit Antje Bitterlich, Koloratur-Sopranistin am Nationaltheater, begann fulminant: Mit dem “Alleluja“ aus Mozarts Motette „Exsultate, jubilate“ sorgte sie für den ersten brausenden Beifall an diesem Abend, am Klavier begleitet von Günter Albers, Kapellmeister am Nationaltheater.

Im Gespräch mit dem Operndramaturgen Anselm Dalferth, der mit einer sympathischen Interviewführung durch den Abend leitete, lernten wir viel über Antje Bitterlich kennen: ihre Liebe zu Mozart und Strauss, die positive Wechselwirkung zwischen ihr und dem Publikum, die Verbindung von Technik und eigenen Emotionen, der Ratschlag ihres ersten Lehrers „Du musst Dich auf der Bühne zuhause fühlen“. Wie ist sie zur Musik gekommen? Mit neun Jahren kam sie in den Kinderchor. Ihr Musiklehrer in der 10. Klasse entdeckte und förderte ihr musikalisches Talent, war ebenso wie die (Lehrer-)Eltern Vorbild für das Studium auf Lehramt mit den Fächern Schulmusik und Germanistik. Und endlich mit 23 Jahren begann sie ihr Gesangsstudium an der Folkwang Hochschule, dort fiel ihr außergewöhnlicher Stimmumfang auf, und schon während ihres Studiums wurde sie als lyrische Koloratursopranistin an das Schleswig-Holsteinische Landestheater engagiert. Sie blieb dort fünf lehrreiche Jahre, doch mit drei Hauptbühnen waren es auch anstrengende Jahre mit viel Zeit im Bus. Dann folgten drei Jahre als freischaffende Künstlerin mit Gastspielen an vielen Häusern, bevor Friedemann Layer sie während der Ruhr Triennale 2007 bei einer aus ihrer Sicht fast perfekten Inszenierung von Willy Decker – Frank Martins „Le vin herbé“ - zum Vorsingen nach Mannheim einlud.

Und so kam sie nach Mannheim – Zerbinetta sollte sie vorsingen und Zerbinetta in „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss wurde ihre erste große Rolle in Mannheim. Heute lebt die gebürtige Essenerin Antje Bitterlich bei Köln, ist mit einem Musiklehrer verheiratet, den sie schon früh im NRW-Landesjugendchor kennen gelernt hat. Sie pendelt gerne, fühlt sich wohl in den zwei Welten: so kann sie überall ihr bestes geben. Sie ist ein begeisterter Verfechter von gutem Regietheater, das sie als „Unterschied zwischen darstellen und da stehen“ definiert - der Regisseur Willy Decker ist ihr Vorbild.

Sie ist tief besorgt über den drohenden Niedergang der einzigartigen flächendeckenden Theaterlandschaft in Deutschland, sieht mit Entsetzen den Untergang des Opernbetriebs in Schleswig-Holstein, empfindet das Publikum dort eher als gleichgültig freundlich und nicht so differenziert emotional wie in Mannheim.

Doch dann steht sie auf, präsentiert eine Stimmgabel, führt einen überdimensionalen Rucksack vor, zaubert eine Tuba daraus und spielt – man höre und staune – ein bisschen Bach, ein bisschen Mozart und das richtig gut ... kein Wunder: Ihr Mann kommt aus einer Blechbläser-Familie.

Im übrigen kommt das „mündige“ Mannheimer Publikum an diesem Abend auf seine Kosten. Antje Bitterlich zeigt ihr großes musikalisches Talent an einer Reihe von Beispielen: Robert Schumanns „Gretchen vor dem Bild der Mater dolorosa“ aus „Szenen aus Goethes Faust“; W.A. Mozarts „Der Hölle Rachen“ aus „Die Zauberflöte“ und zum Abschluss folgt Richard Strauss „Amor“. Der Abend endet, so wie er begann, mit brausendem Applaus!

Preise
Eintritt zu Begegnungen
10,- €

Für F&F Mitglieder Eintritt
frei !

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Begegnung vom 26.05.2010 mit Antje Bitterlich


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