Begegnung vom 08.12.2010
mit Cilli Drexel und Ralf Dittrich





Im eingeschneiten Reiss-Engelhorn-Museum saßen Cilli Drexel und Ralf Dittrich den  Freunden und Förderern des Nationaltheaters bei einer der beliebten „Begegnungen mit ….“ gegenüber – Regisseurin die eine, Schauspieler der andere. Moderator Ingoh Brux musste die beiden Gäste nicht lange vorstellen. Cilli Drexel, die seit zwei Jahren Hausregisseurin am Nationaltheater ist, hat soeben einen hochgelobten „Menschenfeind“ abgeliefert, und Ralf Dittrich brillierte in seinen fünf Mannheimer Jahren schon in vielen Rollen.
Wie wird man Regisseur?  Cilli Drexel hat in Hamburg Theaterregie studiert, dort auch Tschechows „Möve“ inszeniert - und schon kam der Ruf nach Mannheim  Sie ist in einem Theaterfamilie aufgewachsen, in der beide Eltern Schauspieler waren und sind, als Kind lief sie schon durch die Bühnengassen. Sie versuchte sich autodidaktisch als Schauspielerin, “aber in diesem Beruf bin ich gescheitert“ – ohne Schauspielschule geht das nicht gut, resümiert sie heute. Der Perspektivewechsel brachte sie auf die andere Seite des Theaters – und diesmal wurde studiert. In Mannheim hat sie in ihren beiden Jahren abwechselnd moderne Autoren und Klassiker inszeniert, auf Reto Fingers „Norma“ folgte Amphitryon von Kleist, jetzt kommt nach Moliere die „Supernova“ von Philipp Löhle. Sie mag diesen Wechsel des Genres, sie will auch nicht explizit Tragödie oder explizit Komödie machen, sie sucht die Widersprüchlichkeiten. „Das Leben ist doch auch eine Mischung von Beidem“,. sagt sie. Die Regie dürfe auch dem Risiko nicht ausweichen- auch wenn dies einmal zum Scheitern einer Inszenierung führen könnte, meinte Cilli Drexel nach einer Publikumsfrage zum abgesetzten Mannheimer „Fiesco“. „Nur wer etwas wagt, gewinnt.“

Ralf Dittrich, der schon so viele Rollen auf der Mannheimer Bühne markant verkörpert hat, wiederholte seine bekannte Vita : Aufgewachsen in Ost-Berlin, Studium am gleichen  Platz, erstes Engagement in Gera, und dann gleich an die großen Berliner Bühnen – damals, als der Osten noch einen Feind hatte und man im Theater aussprechen durfte, was man auf der Straße verschwieg. Er spielte am Berliner Ensemble, beinahe am dann doch geschlossenen Schiller-Theater, arbeitete mit großen Regisseuren wie Frank Castorf und Leander Haußmann, dann als frei schaffender Künstler an vielen Orten zwischen Wien und Bochum. Eigentlich wollte er freier Mann bleiben. Doch dann überredete ihn der Mannheimer Schauspieldirektor Burkhard Kosminski, nach Mannheim zu kommen. Er trat in fast allen Mannheimer Inszenierungen von Theresia Walser auf, er kann etwas anfangen mit ihrer (Kunst-)Sprache. Er spielte und spielt auch in Fernsehfilmen, doch „meine Liebe gehört dem Theater“.


Preise
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