Begegnung vom 18.07.2007
mit Frank van Hove


Es war ein höchst ungewöhnlicher Weg, der den Bassist Frank van Hove schließlich auf die Bühne des Mannheimer Nationaltheaters geführt hat. Sabine Schweitzer, die künstlerische Betriebsdirektorin des Theaters, entlockte ihm bei der jüngsten „Begegnung“ der Freunde und Förderer des Nationaltheaters mit geschickten Fragen die einzelnen Stationen seiner Laufbahn. Ein „Identitätensammler“ sei er, meinte van Hove. Geboren wurde der Rheinländer in Bonn, wo er ein humanistisches Gymnasium mit katholischem Hintergrund besuchte. Im Knabenchor der Schule lernte er die großen Chorwerke kennen, da wurde nach Herzenslust gesungen, „da wurde in Herz und Kopf etwas gepflanzt“, was ihn sein Leben lang begleitete. Der Besuch einer „Tosca“ weckte das Interesse an der Oper. Der Musiklehrer erkannte die Größe dieser Stimme. Doch der junge van Hove, von der Atmosphäre der Schule geprägt, entschied sich für ein Studium der Theologie und Philosophie und dafür, das Klosterleben kennen zu lernen. Er legte in einem katholischen Orden das Mönchsgelübde auf Zeit ab. Doch auch während der dreieinhalb Mönchsjahre gab es die Musik: Frater Frank spielte Orgel, gründete einen Klosterchor und entwarf so etwas wie einen „Sacro-Pop“, geistliche Musik mit Schlagzeug : „Ich wollte Junge, ich wollte die Leute in der Kirche lebendig bekommen“. Das parallele Studium unter den Augen von Hans Küng schloss van Hove mit einer Diplomarbeit über den Begriff der Erlösung in der Theologie der Befreiung ab – ein Thema, das ihn unverändert begleitet.
Mit dem Studium und der langen Beschäftigung mit der Metaphysik war auch ein Lebensabschnitt abgeschlossen. Was jetzt ? fragte sich der 26jährige Theologe. Was treibt mich? Wo bin ich mir am nächsten? Und er beantwortete sich die Frage selbst: Im Singen. Er wurde Sänger, Opernsänger, erarbeitete die notwendigen Voraussetzungen mit Privatlehrern. Um diese aufwändige Form eines Studiums zu finanzieren, war ihm keine Tätigkeit zu abwegig. Er war Nachtwächter, verdingte sich in einem Improvisationstheater, machte mit, spielte, lernte spielen. Die vier Jahre in der „Bonner Springmaus“ - damals ein Novum der deutschen Theaterszene - gestalteten sich zur großen Chance. Das Düsseldorfer „Kommödchen“ versuchte ihn abzuwerben – doch Frank van Hove wollte singen. „Ich wusste, dass ich in Düsseldorf das nicht finden würde, was ich in einem Gurnemanz fand“. Auf das erste Engagement in Stralsund folgten Dessau und Braunschweig und seit der Spielzeit 2005/2006 nun Mannheim. Das Mannheimer Publikum kennt ihn inzwischen in vielen Rollen, als Ochs auf Lerchenau im „Rosenkavalier“, als Gurnemanz in der legendären Karfreitags-Inszenierung des „Parsifal“. Was muss ein Sänger haben? wurde van Hove gefragt. Stimme - Technik - stabile Gesundheit - stabile Psyche – „und das alles kann er in Mannheim ausbilden“, schmunzelte van Hove. Er schätzt am Nationaltheater die Möglichkeit, „die Flügel ausspreizen zu können und zu müssen“. Als Wunschrollen nach dem Gurnemanz nennt er den König Marke in „Tristan und Isolde“, den Franz von Assissi, den Hans Sachs.
Über welche prachtvolle Stimme von Hove gebietet, erlebten die Zuhörer im Anna Reiss Saal am Monolog des Marke und an den Schubert-Liedern, die van Hove ihnen schenkte, am Flügel meisterlich begleitet von Barbara Baun, Dozentin an der Musikhochschule und Spezialistin im Fach Liedbegleitung. hof.

Ansprechpartner
Richard Dietmann
Ruf: 0621-734721



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