Begegnung vom 24.10.2007 mit Friedemann Layer
Er fand ein anderes Theater vor als das, das er vor knapp zwanzig Jahren verlassen hatte. Friedemann Layer, der für zwei Jahre verpflichtete neue Generalmusikdirektor des Nationaltheaters, zog vor den „Freunden und Förderern des Nationaltheaters Mannheim“ eine erschreckende Bilanz. Zwar sei vieles, wofür seinerzeit am Theater gekämpft worden sei, jetzt selbstverständlich vorhanden. Aber es wachse sich zur Lüge aus, wenn Mannheim mit einem fast zur Hälfte reduzierten Ensemble noch das große Theater sehen und hören wolle. Das sei mit diesem zahlenmäßig geschwächten Ensemble nicht mehr zu haben. Als er Mannheim 1990 nach dreijähriger GMD-Tätigkeit verließ, habe man für die großen Werke noch zwei alternierende Sänger gehabt. Jetzt brauche man teure auswärtige Gäste, wenn ein Künstler erkrankt sei. Manche Stücke könne man überhaupt nicht mehr spielen, weil man die Künstler dafür nicht mehr habe.
Was hat ihn trotz dieser Bedingungen bewogen, dennoch für eine Übergangszeit nach Mannheim zu kommen? Nun, er habe die Beziehung zum Orchester wieder aufbauen können, auch in vorangegangenen Konzerten, sagte Layer. Er schätze dieses Orchester. Der Respekt vor den Orchestermusikern - jeder von ihnen ein hoch spezialisierter Künstler - sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit als Dirigent, bekannte Layer in dieser jüngsten Begegnung des Vereins, moderiert von Operndirektor Professor Dr. Klaus Peter Kehr.
Layer war in den letzten zehn Jahren als musikalischer Direktor an der Oper von Montpellier tätig. Davor hatte der gebürtige Wiener – natürlich einst auch Wiener Sängerknabe – an der Musikakademie der österreichischen Hauptstadt studiert und war mehrere Jahre Korrepetitor bei den Salzburger Festspielen gewesen. Dort arbeitete er mit Karajan und Böhm als Dirigenten, mit Günter Rennert und Ponelle als Regisseuren, mit vielen großen Sängern. Layer war Gastdirigent an vielen bedeutenden Opernhäusern, auch an der Dresdner Semper-Oper. Er kam einst von der Oper, aber er hat nun vor allem ein riesiges sinfonisches Repertoire. „Der Oper ist leichter nahe zu kommen als der Sinfonie mit ihrer tiefen Substanz.“ Er erlebte viele Entwicklungen und Veränderungen in seiner Welt, er erlebte Dirigenten „die optisch viel Eindruck machen, aber musikalisch nichts bringen“, er verfolgte die Steigerung der technischen Qualität, die Gier nach Perfektion. In vielen Theatern trete der künstlerische Anspruch zurück hinter der Forderung, dass die Vorstellung einfach nur funktionieren müsse. Aber die Kunst erhebe den Anspruch, dass man sich mit ihr auseinandersetze. Was hält Friedemann Layer vom Regietheater ? „Ein blöder Begriff“, erwiderte Layer, „es muss gut sein, und es muss aus dem Werk heraus entwickelt sein, und das gilt ebenso für das traditionelle Theater“.
Über die Mannheimer Pläne des neuen GMD erfuhr man leider nichts. 
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