Begegnung vom 19.12.2007
Chefmaskenbildner Harald Kluthe


Wenige Tage vor Weihnachten, eine grassierende Erkältungswelle – auch diese Umstände hielten die Freunde und Förderer nicht davon ab, in erfreulich großer Zahl zur letzten Begegnung des Jahres 2007 zu kommen. Sie wurden mit einem außerordentlich unterhaltenden und informativen Abend belohnt.

Ulrich Mokrusch, Stellvertreter der Generalintendantin, als sympathischer und gut informierter Moderator bereitete die Bühne für den Chefmaskenbildner, der sehr eloquent und ausgewogen sowohl die positiven Seite wie auch die Probleme seines Berufes darstellte. Harald Kluthe räumte zuerst mit dem Vorurteil auf, dass eine Friseurausbildung Vorbedingung für den Beruf sei. Maskenbildner ist heute ein staatlich anerkannter Beruf mit dualer Ausbildung, der vor allem von Frauen ergriffen wird.

Harald Kluthe selbst begann seine Ausbildung unter Anleitung seines Vaters am Theater in Hagen, wo sein Vater als Chefmaskenbildner tätig war. Diese nicht unproblematische Konstellation führte erfreulicherweise aber letztendlich zu einem guten Verhältnis von Vater und Sohn. In weiteren Stationen (Saarbrücken, Thalia Theater Hamburg, Bielefeld, Freiburg) konnte Harald Kluthe sowohl seinen Kenntnisstand mit dem Standard andere Kollegen vergleichen, wie auch, teilweise im Selbststudium, seine Kenntnisse vervollkommnen. Einige Zeit wirkte er als Nachfolger seines Vaters in Hagen, seit 6 Jahren ist er Leiter in Mannheim und Vorgesetzter von 17 Mitarbeitern. Die Zuhörer erfuhren, dass die Tätigkeit des Schminkens, die der Laie mit diesem Beruf assoziiert, nur etwa 20 % der Arbeitszeit ausfüllt. Zeitlich aufwendiger sind die Vorbereitungen, wie zum Beispiel das Herstellen von Perücken und Masken, was teilweise, trotz technischer Fortschritte, einige Tage – oder wochenlange Arbeit bedeutet.

Beispiele aus dieser Arbeit wurden den Freunden eindrucksvoll demonstriert. Höhepunkt der Demonstration war der lebensecht modellierte, blutüberströmte Kopf des Jochanaan aus Salome, ein Werk aus der Hand unseres Gastes. Weitere mögliche Veränderungen der Künstler durch Einsetzen von Kontaktlinsen oder durch die Verwendung von Masken zeigten die Vielfalt der kreativen Möglichkeiten der Maskenbildnerei. Wie sich die Beziehung zum Gegenüber verändern lässt, demonstrierte Harald Kluthe eindrucksvoll durch das Tragen einer Maske mit unsympathischem Gesichtsausdruck, die aber nach seinen Aussagen bei öffentlichen Auftritten deutlich mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung hervorruft als die freundlicheren Varianten.

Deutlich wurde an dem Abend, dass die Maskenbildnerei durch den im wahrsten Sinne des Wortes „hautnahen“ Kontakt mit den Künstlern besondere Sensibilität und Einfühlungsvermögen erfordert. Harald Kluthe schilderte plastisch, wie sich die Künstler unter seinen Händen in die Person verwandeln oder einleben, die sie kurze Zeit später auf der Bühne darstellen. „Ich möchte die Leute verändern“ ist sein Credo – die begeisterten Zuschauer des Abends waren überzeugt davon, dass das Nationaltheater Mannheim mit Harald Kluthe den richtigen Mann am richtigen Platz gefunden hat.

Preise
Eintritt zu Begegnungen
10,- €

Für F&F Mitglieder Eintritt
frei !

Jetzt Mitglied werden









Begegnung vom 19.12.2007
Chefmaskenbildner Harald Kluthe




Social Media Agentur







HomeKontakteImpressum