Begegnung vom 23.01.2008 mit Lars Møller und Boris Grappe
Diesen Abend werden die zahlreichen Besucher der Begegnung mit Lars Møller und Boris Grappe so schnell nicht vergessen. Die zwei neu engagierten Baritone wurden von der Gesprächsleiterin Sabine Schweitzer klug an der langen Leine gelassen. Sie unterhielten den Saal einerseits mit ernsthaften und selbstkritischen Analysen ihrer Arbeit, stimulierten sich aber gegenseitig zu amüsanten und witzigen Aussagen. Selten ist bei einer Begegnung so viel gelacht worden wie an diesem Abend.
Boris Grappe schilderte sich anekdotenreich als einen typischen Spätberufenen, sein Weg zum Operngesang führte ihn über ein Instrumentalstudium zu einer mehrjährigen Tätigkeit in einer Pop-Band. Er brach diese Karriere ab und durchlief ein dreijähriges Gesangsstudium in Lyon, ein Stipendium führte ihn an das Konservatorium in Wien. Nach mehrjähriger freier Tätigkeit bedeutet Mannheim sein erstes Festengagement. Lars Møller begann eine Ausbildung zum Konzertgitarristen und wechselte dann an die Opernschule in Kopenhagen, von dort erfolgte das Engagement nach Mannheim. Faszinierend waren die unterschiedlichen Temperamente der beiden Protagonisten.
Boris Grappe ist ein extrovertierter, nach seinen Angaben „narzistischer“ Mensch, der sich stets seiner Wirkung bewusst ist und den Kontakt mit dem Publikum aktiv sucht. Bewundernswert dabei seine Mimik und sein pantomimischen Fähigkeiten. Lars Møller entspricht eher dem Typus des ruhigen Nordländers, nach seiner Aussagen achtet er während des Spiels überhaupt nicht auf das Publikum. Da beide Sänger in identischen Rollen eingesetzt sind, wird es interessant sein, in der nächsten Zeit die unterschiedlichen Gestaltungen einer Rolle durch zwei unterschiedliche Temperamente zu beobachten. Beide Sänger äußerten sich positiv über das Arbeitsklima am Haus und die Unterstützung durch die älteren Kollegen wie zum Beispiel Thomas Berau. Anhand von Liedbeispielen waren die guten Sprachkenntnis der beiden Sänger zu bewundern. Lars Møller erklärte dies selbstkritisch mit den Worten: „Bitte entschuldigen Sie mein Deutsch, es ist mein Einziges.“ In den Vorträgen wurde auch deutlich, dass sich beide Sänger intensiv mit dem Sinn der Texte und der Musik auseinandersetzen. Michael Wendeberg war bei den musikalischen Beiträgen der von den Sängern ausgewählte und geschätzte Begleiter.
Höhepunkt war als „ Weltpremiere“ die Darbietung der Champagnerarie aus Don Giovanni.
Von Sabine Schweitzer auf ihre Erwartungen in Mannheim angesprochen, äußerte Boris Grappe den Wunsch, die Mannheim Theaterbesucher näher kennen zu lernen, deren Wärme und Entgegenkommen ihm schon jetzt sehr eindrucksvoll sind. Lars Møller erwartet in Mannheim eine organische Weiterentwicklung seiner künstlerischen Persönlichkeit. Am Ende der Veranstaltung waren die Freunde und Fördere überzeugt, dass das Ensemble mit den beiden Künstler sowohl menschlich wie künstlerisch dazu gewonnen hat.