Begegnung vom 14.02.2007 Manfred Scholz zu Gast bei den Freunden und Förderern des Nationaltheaters
Einen hochinteressanten Blick hinter die Kulissen ließ Manfred Scholz die Freunde und Förderer des Nationaltheaters bei der jüngsten „Begegnung mit ...“ tun. Denn Manfred Scholz ist als Leiter des Kostümwesens des Nationaltheaters nicht nur der Herr über knapp 1 Million Kostümteile, als da sind: Textilien, Schuhe, Hüte, Lederteile und Accessoires. Er ist auch der Chef von 40 Mitarbeitern in Schneiderei, Färberei, Kostümmalerei, Schuhmacherei, Hutmacherei, Gewandmeisterei. Und da die Damen- und Herrenschneider die Kostüme nicht nur nähen, sondern im Abenddienst die Künstler auch ankleiden, sparte Manfred Scholz nicht mit Anekdötchen. Er kennt die Stärken und die Schwächen seiner Künstler, weiß, welche Dame eine unüberwindliche Pelz-Allergie hat, welcher Sänger keinesfalls in Kniebundhosen auftreten kann, welcher Gast nur im eigenen Carmen-Kostüm singen will, das aber leider in Wien liegt, wer in den 50 Jahre alten Lederwams des Mannheimer Parsifal passt und wer nicht. Denn auch wenn die legendäre Mannheimer Parsifal-Inszenierung dieses historische Alter hat – die Kostüme, die 2007 getragen werden, müssen genauso aussehen wie bei der einstigen Premiere. „ Finden Sie mal einen Stoff, er genau so aussieht wie damals, und nicht kratzt und beißt !“ rief der Kostümchef aus. „Gehen Sie mal als Mann in die Dessous-Abteilung eines großen Kaufhauses und fragen Sie nach einem Negligee, das wir für die „Minna“ brauchen – wie Sie da angeguckt werden !“ Denn nicht alles, was auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu sehen ist, wird in der Schneiderei genäht. „Manchmal ist der Kauf billiger“, räumt Scholz ein, der die Platin-Karte des Textil-Discounters Adler besitzt, im Internet nach Stoff-Restposten sucht oder auch mal US-Militärbestände plündert.
Manfred Scholz, ein waschechter Kurpfälzer aus Heddesheim und ein eloquenter dazu, hat einst in einem Mannheimer Maßatelier für Herrenmode die Schneiderei erlernt, sich noch während der Lehrzeit dreimal beim Nationaltheater um eine Anstellung beworben, und schließlich nach acht Jahren (!) die erste Antwort darauf erhalten: „Sie können sofort anfangen.“ Er fing anno 1980 sofort an- „und das war das Schönste, was mir passieren konnte – aber als erstes haben wir die Knopflöcher genäht für die Polizistenuniformen im „Barbier“, eine Arbeit wie im Gefängnis…“
Befragt von Moderator Ulrich Mokrusch, dem Stellvertreter der Generalintendantin, schilderte Scholz den Theaterfreunden die Entstehung, ja, die Entwicklung eines Kostüms parallel zur Regiearbeit, die Zusammenarbeit mit dem Kostümbildner, die erste Anprobe mit dem manchmal auch entsetzten Aufschrei eines Künstlers: “Das kann ich nicht anziehen !“ Auch die Kostümschneider kennen das Mitfiebern, das Triumphieren, manchmal auch das Mitleiden bei der Premiere. Und auch für sie gilt: Nichts ist unmöglich. Da wurde ein Salome-Kostüm geschneidert für die Sängerin mit Kleidergröße 36, und dann kommt kurz vor dem Festlichen Opernabend ein Gast mit Größe 48 – „dann muss man neu nähen, und das auch noch sehr schnell, soviel Saum kann man bei Salome nicht drin lassen, das ist ja durchsichtiger Stoff …“ Selten wurde bei einer „Begegnung“ soviel gelacht wie an diesem Abend mit Manfred Scholz. 
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