Pressestimmen MANNHEIMER MOZARTSOMMER 2016


BILANZ DES MANNHEIMER MOZARTSOMMERS 2016
16. – 24. Juli 2016

Der diesjährige Mozartsommer endete am 24. Juli nach neun erfolgreichen Tagen mit dem Open-Air-Konzert Schloss in Flammen in Schwetzingen. Mit insgesamt 17.217 Besuchern erreichte das Festival einen neuen Besucherrekord (2014: 14.907) mit vielen (fast allen) ausverkauften Vorstellungen und einem zufriedenen Publikum.

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SCHLOSS IN FLAMMEN
Open-Air-Gala, 24.07.2016 im Schlosspark
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Moderation: Chako Habekost
Pyrotechnik: Renzo Cargnelutti

SCHLOSS IN FLAMMEN
SCHLOSS IN FLAMMEN
SCHLOSS IN FLAMMEN
SCHLOSS IN FLAMMEN

"Staunende Begeisterung" werde das Publikum erfassen, heißt es vom Veranstalter. Er hat dafür viel investiert: rekordverdächtig lange Funk- und Kabelstrecken, dazu Böller und Raketen mit einem Kaliber bis 200 Millimeter. Nicht allein ein Höhenfeuerwerk soll abgefackelt werden, sondern der gesamte Schlosskomplex in Schwetzingen eine "totale Illumination" erleben. Schließlich hat der mittlerweile schon traditionelle Abschluss des vom Nationaltheater Mannheim zelebrierten Mozartsommers einen Groß-Event-würdigen Namen: "Schloss in Flammen". An die 5000 Besucher lockt es zu dem Open-air-Konzert.“

„Doch musikalisch geht es dabei um die gute, alte Klassik. Und die muss sich immer erst mal einpegeln im Hinblick auf eine Veranstaltung, bei der die Musiker und Sänger aus dem Nationaltheater ungewohnterweise Mikrofone an und um sich haben. Kleine Anlaufschwierigkeiten gibt es, Raymond Ayers kommt mit seiner Arie aus dem Mozart-"Figaro", obgleich es nicht an kultivierter Stimmkraft fehlt, zu leise rüber.
Das liegt an der Mikrofonplatzierung, die bei Ayers' zweitem Auftritt - diesmal singt er Donizetti - korrigiert ist. Die Probleme mit der Tontechnik nehmen also nicht überhand und äußern sich im Hinblick aufs Orchester meist nur darin, dass die Forte-Stellen manchmal etwas blechern klingen.“
„Dirigent ist Joseph Trafton, Noch-Kapellmeister am Nationaltheater. Eine seiner letzten Amtshandlungen ist sein Schwetzinger Debüt. Es glückt ihm gut, weil Trafton nicht bloß, wie von ihm gewohnt, mit Verve und Schmiss agiert, sondern auch Zwischentöne unterbringt. Und manchmal gar der Technik einen künstlerischen Mehrwert abringt, hauptsächlich im zweiten Teil des Abends, der von Mozart wegführt und beim Italienischen Capriccio von Tschaikowsky endet, mit gewaltigen Fanfaren zu Beginn.
Hier schafft es Trafton, die Verstärker-Elektronik zum Geschmacksverstärker musikalischer Effekte aufzupeppen. Und bei Verdi, in der dunklen Alten-Männer-Szene mit dem König und dem Inquisitor aus "Don Carlo", in der ein Kontrafagott den orchestralen Satz noch mehr verdüstert, schafft er einen suggestiven Klangraum, dem man Verdis Ambitionen wirklich anhört. Auch die beiden Sänger Sung Ha und Thomas Jesatko werden ihnen absolut gerecht.
Es gibt an diesem Abend ohnehin fast keinen Ausfall, als Ensemble macht das Nationaltheater eine ziemlich prächtige Figur. Mit ein paar Highlights obendrauf, für die auch Roy Cornelius Smith zu sorgen weiß. Er ist so etwas wie der Schmerzensmann vom Dienst, ob nun als Canio in Leoncavallos "Pagliacci" oder als Éléazar in Halévys "La Juive". Die letztgenannte Oper war am Nationaltheater ein Saisonknüller - und eben nicht nur wegen der Regie Peter Konwitschnys.
Roy Cornelius Smith zeigt in der Monolog-Arie "Rachel, quand du Seigneur" einen zerstörten Menschen, blickt in einen Abgrund von Shakespeare'schen Dimensionen. Das ist großes Open-air-Gefühlskino. In Schwetzingen sind Edna Prochnik (als vibrierend intensive Carmen) und Cornelia Ptassek (als nicht nur die Kunst liebende Tosca) gleichfalls dazu fähig. Während Estelle Kruger ihrer "Zauberflöten"-Arie feinen Schliff und Schimmer gibt, auch Gast-Tenor Lothar Odinius setzt als Mozarts Titus auf weich abgefederte Stilistik.“
„Eher etwas derber gibt sich Stammgast "Chako" Habekost, der Moderator ist zwar laut Programmheft mittlerweile promoviert - zum "Mozartliebhaber" - , lässt sich das allerdings nicht immer anmerken: Er redet kaum über Musik, stemmt dafür aber mindestens ein halbes Comedy-Programm. Mit allen Themen, die einem Berufs-Kurpfälzer so am Herzen liegen, und mit seiner Ode an die Sprache der Region, die man als "Blattschuss in das Knie des Hochdeutschen" verstehen kann.“
„Nach diesem rustikalen Pointen-Feuerwerk fehlt nur noch das der Pyrotechniker. Die Leuchtraketen fliegen wie von Stalin-Orgeln abgeschossen, Feuerräder kreisen neben meterhohen Nebelkerzen. Alles nach den Regularien eines "partiturgerechten Abfeuerns" - damit Tschaikowskys Italienisches Capriccio möglichst wenig Schaden nehme. Und dann kommt noch Elgars erster Marsch aus "Pomp and Circumstance" - der nach dem Brexit wohl den allerletzten Rest des alten Empires bewahren wird.“
© Mannheimer Morgen, Dienstag, 26.07.2016

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MOZART REQUIEM
SIEBEN KLANGRÄUME, 21.07.2016 im Dom zu Speyer
Chorwerk Ruhr und Ensemble Resonanz

Chorwerk Ruhr ©Foto: Malinowski
Chorwerk Ruhr ©Foto: Malinowski

„Wenn es einen Gott gäbe, er würde sich freuen über einen solchen Abend. Nicht, weil Bachs Motette "Komm, Jesu komm" von tiefem Glauben an ihn zeugt und Mozarts Requiem-Fragmente ohnehin unter die Haut gehen. Nicht, weil der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas diese Fragmente mit "Sieben Klangräumen" sozusagen aufgeschüttet hat. Und auch nicht, weil das Chorwerk Ruhr mit dem Ensemble Resonanz all das mit zwei bemerkenswerten Werken von György Ligeti einrahmen und uns mit dem letzten, dem Wunder "Lux aeterna" für 16 Stimmen a cappella, in andere Sphären schweben lassen.“
„Wenn es einen Gott gäbe, er würde sich freuen über einen solchen Abend. Nicht, weil Bachs Motette "Komm, Jesu komm" von tiefem Glauben an ihn zeugt und Mozarts Requiem-Fragmente ohnehin unter die Haut gehen. Nicht, weil der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas diese Fragmente mit "Sieben Klangräumen" sozusagen aufgeschüttet hat. Und auch nicht, weil das Chorwerk Ruhr mit dem Ensemble Resonanz all das mit zwei bemerkenswerten Werken von György Ligeti einrahmen und uns mit dem letzten, dem Wunder "Lux aeterna" für 16 Stimmen a cappella, in andere Sphären schweben lassen.“
„Nein, der Grund für die Freude Gottes wäre: Die Zeit steht still. Das Mittelschiff des Doms zu Speyer ist für die 100 Minuten, die dieses Konzert im Rahmen des Mannheimer Mozartsommers dauert, ein Ort, der dem blinden Rausch von Hast, Hektik und Aktionismus die Stirn bietet und Stille und Einkehr entgegensetzt. Tatsächlich hat man, wenn Ligetis letzte f-g-Nonen-Reibung aus "Lux aeterna" leise ausklingt, das Gefühl, sie verweise in die Ewigkeit, als gäbe es kein Altern, als habe man soeben eine Wiedergeburt erfahren.“
„Das Chorwerk Ruhr und das Ensemble Resonanz unter Florian Helgath bekommen weitgehend sogar den überdimensionierten Hall des Speyerer Doms in den Griff - vor allem mit den langsamen Werken freilich, die, mit einer leichten Sopran-Alt-Dominanz, besonders gut gelingen. Es ist eine weitgehend strukturarme Musik, die in einer selten gehörten Klarheit und Demut erklingt, und wie Haas' Klangräume in die Mozart'sche Realität hineinbrechen oder auch fast metamorph ineinander übergehen - es ist ein Wunder.“
© Mannheimer Morgen, Samstag, 23.07.2016

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... AUF MOZARTS SPUREN, 22.07.2016, Rokokotheater
NILS MÖNKEMEYER, BRATSCHE
WILLIAM YOUN, HAMMERKLAVIER

... AUF MOZARTS SPUREN, 22.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
... AUF MOZARTS SPUREN, 22.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
... AUF MOZARTS SPUREN, 22.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
... AUF MOZARTS SPUREN, 22.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Im Anschluss an das Konzert fand eine Weinprobe
mit Spitzenweingütern aus der Region und
Live-Musik von AmaDeusFive statt.


„Sie sind schier unglaublich, also zweifelsfrei von Mozart: die Sonaten, die der Neun- bis Elfjährige komponiert hat. Selig-selbstvergessen spielen sie mit neuesten Errungenschaften und Effekten.
Der Bratschist Nils Mönkemeyer ist in Schwetzingen "Auf Mozarts Spuren", geht im Rokokotheater mit dem Pianisten William Youn dieser Magie des Anfangs nach. Probate Instrumente sind vorhanden: Youn spielt einen Hammerflügel, dessen Bässe eher milde schimmern als metallen donnern und der im Diskant zu zarten Harfentönen fähig ist. Verglichen damit wirkt jeder moderne Steinway wie ein dicker, schwarzer Gleichmacher, ein SUV unter den Flügeln. In der nicht mehr Mozarts Frühwerk zugehörigen Es-Dur-Klaviersonate aus dem Jahre 1774 öffnet uns der Pianist, vor allem im Adagio, auf dem alten Instrument ein Zeitfenster. Die Welt dahinter wirkt verlockender als die von heute.
Zeit ist übrigens ein gutes Stichwort: Auch Nils Mönkemeyer handhabt diesen Faktor ausgesprochen frei, das Spiel des Bratschers gibt sich ungemein gelöst, kantabel und spontan. Ist immer auf der Suche nach dem idealen "Volkston", nicht allein bei Mozart, sondern auch im Hauptwerk des Programms: Schuberts Sonate für den "Arpeggione".
Selbst vor zeitgenössischer Musik muss man an diesem Abend keine Angst haben. "Hommage à Mozart" heißt Konstantia Gourzis Stück, das zwar ganz anders, aber doch vertraut klingt, tonsprachlich in Richtung Balkan abbiegt und zwischen zwei Stimmungen changiert: elegisch -und verstärkt elegisch.
© Mannheimer Morgen, Dienstag, 26.07.2016

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WA : 19.07.2016 Rokokotheater
MITRIDATE, RE DI PONTO
Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky
Inszenierung: Nicolas Brieger

MITRIDATE, RE DI PONTO, WA 19.07.2016
MITRIDATE, RE DI PONTO, WA 19.07.2016
MITRIDATE, RE DI PONTO, WA 19.07.2016
MITRIDATE, RE DI PONTO, WA 19.07.2016

Bühne: Raimund Bauer
Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer
Dramaturgie: Elena Garcia Fernandez, Klaus-Peter Kehr


"Wenn der Schmerz nur töten könnte!", stöhnt eine der Hauptbeteiligten. Und könnte er das wirklich, würde kaum jemand vom ganzen Bühnenpersonal das Ende dieser Opernaufführung erleben. Mord - oder doch lieber Selbstmord?, heißt die Frage. Mozarts frühe "ernste" Oper "Mitridate" führt uns in die Krisenzone rund ums Schwarze Meer, wo schon zu Römer-Zeiten Krieg und Chaos walteten.
Ein überlebensgroßes Abbild des Tyrannen Mitridate ziert in Schwetzingen den Bühnenhintergrund des Rokokotheaters. Hinter diesem Abbild steht das nächste und das übernächste - zählebig ist der Tyrann, das war schon immer so. Der Sarg im Vordergrund, der seinen Tod verspricht, ist leer.
Eine Politisierung, Aktualisierung des Geschehens wäre hier ein Leichtes. Aber Regisseur Nicolas Brieger legt auf derlei keinen Wert, mit ziemlich ungerührtem Forscherblick folgt er den fehlgeleiteten Gefühlen der Figuren, die im Zentrum aller Staatsaktionen wie an unsichtbaren Fäden hängen - und bisweilen zappeln. Neben Mitridate ist Aspasia die Zentralgestalt: als die Verlobte des Tyrannen, die von seinen beiden Söhnen ebenfalls begehrt wird.“
„Mozart, bei der Niederschrift der Oper 14 Jahre alt(!), hat ihr auch in gesanglicher Beziehung eine Menge aufgebürdet, ein Verzweiflungsausbruch jagt den nächsten. Astrid Kessler gibt in Schwetzingen die - manchmal blutverschmierte - Drama-Queen, die auf die Achterbahn der Emotionen steigt und Stimmschönheit nicht als ihr oberstes Gebot betrachtet.
Aber zwischen ihr und dem geliebten "guten" Sohn des Mitridate, Sifare, wird auch ein überaus harmonisches Duell der Ziertöne veranstaltet, also Gesangskultur vermittelt. Und es gibt auch diese Liebesszene beider - mit einem nur leicht verschleierten Naturhorn im Orchestergraben -, die zugleich eine Verzichtserklärung ist und die vor lauter Schönheit gar nicht enden mag. Und wenn sie nicht gestorben sind, verzichten sie noch heute.
Müssen sie am Ende dieser Oper aber gar nicht. Ihre Umschwünge sind zahlreich - und das Happy End (damals noch "lieto fine") wirkt besonders unglaubwürdig. Bereits damals glaubte das kein Mensch. Obgleich Mirko Roschkowski Mitridates unberechenbares Wesen eines halb gebrochenen und halb brutal verschlagenen Tyrannen glaubwürdig vermittelt, in der Stimme gleißend und wie unter Dauerdruck, wenn nicht wie unter Drogen.
Und tatsächlich: Einmal zieht er eine Linie weißes Pulver durch die Nase. Dem "guten" Sohn schenkt Mary-Ellen-Nesi klare, unforcierte Höhen. Nur der "böse", den der Librettist Vittorio Amadeo Cigna-Santi gegenüber allen Vorlagen zum echten und prinzipientreuen Revoluzzer aufgewertet hat, zeigt einen Unterton von Larmoyanz: Sein Darsteller Clint van der Linde ist ein Counter. Aber diese Wiederaufnahme ist unterm Strich sehr ordentlich besetzt, die junge Vera-Lotte Böcker als Ismene ragt dabei sogar ein Stück heraus.“
© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 21.07.2016

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FOA 17.07.2016, Opernhaus
BEJUN MEHTA und die AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK BERLIN

FOA 17.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA 17.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA 17.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA 17.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

››Außerdem ist Bejun Mehta, wie sein Konzert im Nationaltheater zeigt, ein Sympathieträger, der den mit vielen Bravo-Rufen durchsetzten Schlussbeifall auf das Orchester ablenkt. Die Akademie für Alte Musik Berlin unter Leitung von Bernhard Forck versteht sich auf ein dialogisches Musizieren mit dem Sänger, das in hochherziger Intensität aufleuchtet und einen ebenso geschliffenen wie zupackenden Eindruck hinterlässt. […]  Aus der Körperspannung heraus wächst packende Bühnenpräsenz, die etwa das weite Spektrum bei Gluck dokumentiert. Während ›Pensa a serbarmi‹ die kunstvolle Schlichtheit der Gesangsphrase auslotet, so wird Mehta in ›Se il fulmin sospendi‹ geradezu explodieren mit feurigem Temperament. Ach Gott, wie schön, dass der Hörer hingerissen sein darf […]. Mit knapp 30 Instrumentalisten wartet die vielfach ausgezeichnete Akademie für Alte Musik Berlin auf. Mit Kompositionen von Mozart, Johann Christian Bach und Johann Adolph Hasse besteht sie den Härtetest, auch ohne den exzellenten Solisten Mehta sehr gut wahrgenommen zu werden.‹‹ (Mannheimer Morgen, 19. Juli 2016)

››Die Musiker schaffen es, gemeinsam mit Countertenor Bejun Mehta, den Saal in einem Klangstrom treiben zu lassen, einen wunderbaren Drive zu entwickeln. Bei Christoph Willibald Glucks Arie ›Se il fulmine sospendi‹ aus der Oper ›Ezio‹ etwa. Ezio fleht beim Kaiser um Milde. Und Mehta packt dieses intensive Fühlen und Hoffen in eine große Vielfalt an Stimmgestalten. Liebliche Bewegungen in der Höhe, Kraft in den tiefen Tönen. Er atmet mit dem Orchester, das genau auf ihn reagiert. Diese Stücke sind es, die das Konzert auszeichnen.  […] Alle zusammen laufen sie in der zweiten Konzerthälfte zu Höchstform auf, während die ersten Stücke des Abends, ja, eben einfach schön waren. […] Das Publikum ist begeistert.‹‹
(Die Rheinpfalz, 19. Juli 2016)

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MOZART - IMPRESSIONEN im SCHWETZINGER SCHLOSSPARK

POSAUNENCHOR am 17.07.2016
POSAUNENCHOR am 17.07.2016
KINDERCHOR am 17.07.2016
KINDERCHOR am 17.07.2016

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DON GIOVANNI. LETZTE PARTY, 19.07.2016, Schauspielhaus
Gastspiel des Thalia Theaters Hamburg
Regie: Antú Romero Nunes

DON GIOVANNI. LETZTE PARTY, 19.07.2016 ©Foto: Armin Smailovic
DON GIOVANNI. LETZTE PARTY, 19.07.2016 ©Foto: Armin Smailovic
DON GIOVANNI. LETZTE PARTY, 19.07.2016 ©Foto: Armin Smailovic
DON GIOVANNI. LETZTE PARTY, 19.07.2016 ©Foto: Armin Smailovic
DON GIOVANNI. LETZTE PARTY, 19.07.2016 ©Foto: Armin Smailovic
DON GIOVANNI. LETZTE PARTY, 19.07.2016 ©Foto: Armin Smailovic

››Die beim Mannheimer Mozartsommer gastierende Produktion ist in mehrfacher Hinsicht wundersam, […]. Einerseits haben wir also noch nie einen so witzigen ›Don Giovanni‹ auf der Opernbühne gesehen. Andererseits haben wir noch nie einen so tragischen ›Don Giovanni‹ auf der Opernbühne gesehen. […]Das ist toll. Das sind rund 170 Minuten faszinierendes Theater auf einer äußerst ästhetischen Bühne mit drei kleiner werdenden Lichtkreisen (Florian Lösche) und fast ohne Längen, mit als Songs verkappten Arien, die von einer verdammt guten Frauenband live gespielt werden. Es wird gesungen, gesprochen, gelacht, animiert, getanzt und ansatzweise Sex simuliert. Die Jugend jubelt – und lernt nebenbei die Oper aller Opern als trashiges Theater kennen, das uns alle etwas angeht, ohne dass dabei nur an der Oberfläche gekratzt würde. Das Thalia Theater verfügt über Spitzenschauspieler. Sebastian Zimmlers Don Giovanni, Mirco Kreibichs Leporello und all die Damen – großartiges Theater, ein Umgang mit einem klassischen Stoff, wie man sich das öfter wünscht. So jedenfalls wird Theater unsterblich.‹‹
(Mannheimer Morgen, 21. Juli 2016)

››Don Giovannis letzte Party, inszeniert von Antú Romero Nunes, ist ein ebenso witziger, wie bisweilen verspielt absurder Theaterabend, der zugleich interaktiv mit dem Publikum spielt. Letztlich: ein großer Spaß. Mozart hätte das gefallen.‹‹
(Die Rheinpfalz, 21. Juli 2016)

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Wolfgang Amadeus Mozart
ZAIDE, Premiere 17.07.2016, Minerva-Tempel
Musikalische Leitung: Lorenzo di Toro

ZAIDE, Premiere 17.07.2016, Minerva-Tempel ©Foto: Hans Jörg Michel
ZAIDE, Premiere 17.07.2016, Minerva-Tempel ©Foto: Hans Jörg Michel
ZAIDE, Premiere 17.07.2016, Minerva-Tempel ©Foto: Hans Jörg Michel
ZAIDE, Premiere 17.07.2016, Minerva-Tempel ©Foto: Hans Jörg Michel
ZAIDE, Premiere 17.07.2016, Minerva-Tempel ©Foto: Hans Jörg Michel
ZAIDE, Premiere 17.07.2016, Minerva-Tempel ©Foto: Hans Jörg Michel

Arrangements für den Schwetzinger Schlossgarten: Fredrik Zeller
Inszenierung. Jakob Seidl
Bühne und Kostüme: Charlotte Werkmeister
Dramaturgie: Dorothea Krimm


››Tamara Banjesevi
 erklomm zu Beginn mit Mühe, später leichter und gelenkiger in den Koloraturen die Höhen der titelgebenden Partie. Tenor Andreas Hermann wusste als Gomatz, der in der Gruppe gegen die alles bestimmende Gewalt des Anführers rebelliert, die vielen Schattierungen seiner Stimme voll zu nutzen. […] Kernig trug Raymond Ayers seinen Bass als Allazim bei. Die reizvollen Kostüme von Charlotte Werkmeister gaben dem Ganzen eine Hauch von Unbestimmtheit zwischen Vorgestern und Übermorgen.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 19. Juli 2016)

››Oper unter freiem Himmel zu singen, bedeutet erschwerte Bedingungen. Mit denen kam der makellose, strahlkräftige Sopran von Tamara Banjesevic als Zaide am besten zurecht, Raymond Ayers als Solimans ›bester Mann‹ Allazim stellte der Aufführung einen wohltönend-runden Bariton zur Verfügung‹‹ (Mannheimer Morgen, 20. Juli 2016)

››Gesungen In der aparten Umgebung des Minerva-Tempels legte Matthias Seidl eine temporeich bewegte Inszenierung vor. Charlotte Werkmeisters optisch ansprechende Ausstattung setzte auf Gegenwartskostüme mit Anspielungen auf die Mozartzeit, die auch dem Kammerensemble und seinem zuverlässigen Dirigenten Lorenzo Di Toro verordnet wurden. […] In der Titelrolle profilierte sich Tamara Banjesevi
 als authentische Mozart-Sängerin von seltener Musikalität, expressiver Präsenz und erlesener Sopranqualität. ‹‹
(Die Rheinpfalz, 20. Juli 2016)

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Wolfgang Amadeus Mozart
IDOMENEO, Premiere A 16.07.2016, Opernhaus
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung: Ingo Kerkhof

IDOMENEO, Premiere A 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
IDOMENEO, Premiere A 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
IDOMENEO, Premiere A 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
IDOMENEO, Premiere A 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
IDOMENEO, Premiere A 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
IDOMENEO, Premiere A 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Inge Medert
Licht: Sebastian Alphons
Dramaturgie: Elena Garcia Fernandez
Chor: Francesco Damiani


››Mirko Roschkowski ist die stämmige Vaterfigur mit zerfetzter Seele, führt seinen kräftigen Tenor mit expressivem Elan und muss den Koloraturen kaum etwas schuldig bleiben. Die Elettra ist Mozarts Horror-Heroine, deren vokaler Höhensturz fast Richard Wagners Kundry vorwegnimmt. Als finale Furie, von Furien gehetzt, imponierte Cornelia Ptassek. Ob ihre sanfte G-Dur-Arie Verstellung oder Gefühl bezeugt, gehört zu den unauflöslichen Doppeldeutigkeiten Mozarts.  Idamante ist in Mannheim nicht als Hosenrolle besetzt worden, sondern durch einen Tenor, dessen Farbe besser zu Ilias Sopran passt. Hier dient die männliche Stimme von Juhan Tralla überzeugend dem Kontrast zur fabelhaften Eunju Kwon. Für den Arbace konnte James Elliott viel vokale Beweglichkeit einsetzen. ‹‹
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juli 2016)

››Die Utopie hat zwei Namen: Idamante und Ilia. Doch ob und wann sie kommt, bleibt in dieser Inszenierung letztlich offen. Darin genau auch liegt ihre Stärke, sie bietet Interpretationsmöglichkeiten an, zwingt aber keine Deutungsmuster auf. […] Ungetrübte Freude hat man […] mit den Sängern. Das beginnt mit einem großartigen Mirko Roschkowski in der Titelpartie. Er bringt alles mit, lyrische Qualitäten wie quasi-heldenhafte Spitzentöne, dazu das notwendige Durchhaltevermögen für diese neben dem Mitridate schwierigste Tenorpartie, die Mozart geschrieben hat. Cornelia Ptassek beweist als Elettra, dass man die berüchtigte Arie Nummer 29a im Finale durchaus sauber singen kann, trotz aller darstellerischen Verausgabung.‹‹
(Die Rheinpfalz, 18. Juli 2016)

››Kerkhof gelingt es, mit fokussierter Personenführung, Auf- und Abtritte (auch des Chors) perfekt zu organisieren. Intensive Bühnenmomente mit Dialogszenen oder einem Idomeneo in der Sinnkrise – von der omnipräsenten Unbekannten (Giorgia Cappello) gespiegelt – wechseln sich geschickt mit Volksszenen ab, in denen der überragende Chor von Francesco Damiani (samt Solisten Amelie Petrich, Susanne Scheffel, Bertram Paul Kleiner und Chi Kyung Kim) durch perfekt austarierte Chorsätze begeistert. […] Mirko Roschkowski (Idomeneo) hat im Piano starke Momente. Wenn er die beseelten, zerbrechlichen Zwischentöne sucht und charakterisiert, dann ist das toll. […] Brillant ist Eunju Kwons Ilia. Elegant. Leicht bis in die Höhe. Schlicht, sauber und beseelt geführt, wenn es in schnellere Artikulationen und Noten hineingeht. Großartig. Auch Cornelia Ptassek hat einen großen Abend: Ihre Elektra erinnert an ihre besten (Mozart)-Zeiten. Ihr Schmelz: unvergleichlich. Ihr Furor: unter die Haut gehend. Vokaler Höhepunkt: das wunderschöne Quartett ›Andrò ramingo e solo‹ in Akt III. ‹‹
(Mannheimer Morgen, 18. Juli 2016)

››Mit strahlend klarer Sopranstimme besingt Eunju Kwon die zwischen der Trauer um ihre verlorene Familie und der Liebe zu Idamante hin- und hergerissene Ilia. […] Cornelia Ptassek hat in diesem Moment des Absturzes Elettras in eine innere Hölle ihren ganz großen Auftritt, den sie furios singt und spielt. […]Dan Ettinger macht mit dem Orchester des Nationaltheaters die inneren wie äußeren Stürme hörbar. Ilias lyrische Linien werden von den Musikern ebenso geschmeidig getragen wie Idomeneos Seelenqualen.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 18. Juli 2016)

››Ettinger gestaltet die überreiche Partitur nicht nur nuanciert, er unterstreicht auch, was für ein großer Musikdramatiker Mozart schon in dieser Oper ist. Die Krone des Mozart-Gesangs gehört an diesem Abend Eunju Kwon mit ihrem ungemein flexiblen, ausdrucksstarken, in der Höhe leuchtenden Sopran, die Ilia in ihrer zwischen Schmerz und hoffnungsloser Liebe schwankend verkörpert. Mirko Roschkowski steigert sich als Idomeneo mit weichem, aber dennoch zum dramatischen Ausdruck fähigen Tenor, er gibt der Verzweiflung des Königs sehr nuancierte Gestalt. Cornelia Ptassek verleiht Elettra bis hin zur ihrem furiosem, die Grenzen des Klangschönen hinter sich lassenden Rachegesang prägnante Konturen. ‹‹
(Darmstädter Echo, 18. Juli 2016)

››Die weißen Gesichter der festivalwürdigen Sängerinnen und Sänger sowie des ausgezeichnet kompakt auftretenden Chores erinnern noch an einstige Maskierungen. Ansonsten setzt Kerkhof klar auf normale Menschen in erheblicher Seelenpein. […]Recht imposant gleichwohl an sich die Darstellerinnen: Eunju Kwon als hingebungsvolle, dabei durchaus ihr Wohlbefinden im Blick behaltende Ilia mit quecksilbrig feinsinniger, zugleich durchschlagender Stimme; und Cornelia Ptassek als komplizierte und deprimierte Elettra mit hochdramatischem Sopran. […]Beschwingtheit, Straffheit, Akkuratesse strahlt das Dirigat von Dan Ettinger aus, der – hier ganz bei Kerkhof – eine nicht historisierende, sondern zeitlose, auch gegenwärtige Musik hören lässt.‹‹
(Frankfurter Rundschau, 20. Juli 2016)

››Die Brechung der Opernkonvention durch die Regie zeigt, dass sich die Deutungshoheit auch an zeitbedingten Umständen messen lassen muss. Dem folgt auch der scheidende Generalmusikdirektor Dan Ettinger, der mit dem glänzend spielenden Nationaltheater-Orchester Akzente setzt und wie mit einer Blaupause die seelischen Regungen der Figuren durchzeichnet. […] Gesungen wird überwiegend prächtig. Die Verzweiflungsarie von Cornelia Ptassek als verzweifelter Elettra, die von Idamante lassen muss, gehört zu den Glanzpunkten des Abends. Sehr schön auch Eunju Kwon in der anspruchsvollen Partie der Prinzessin Ilia, denn sie singt mit vielen Ausdrucksfacetten das seelische Hin und Her dieser Figur. Die Titelpartie ist bei Mirko Roschkowski gut aufgehoben, in Stimme und Spiel spiegeln sich die möglicherweise pathologischen Züge des Idomeneo. Sohnemann Idamante hat in Juhan Tralla einen ausgezeichneten Heldentenor, während James Elliott den Königs-Vertrauten Arbace mit suggestiven Zügen ausstattet. David Lee hat abgründige Nuancen für den Oberpriester parat, und ganz ausgezeichnet singt der Chor unter Bühnen-Leitung von Francesco Damiani […].‹‹
(theater:pur.net, Juli 2016)

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ERÖFFNUNGSKONZERT, 16.07.2016, 11.00 Uhr, Opernhaus, Unteres Foyer

ERÖFFNUNGSKONZERT MOZARTSOMMER, 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
ERÖFFNUNGSKONZERT MOZARTSOMMER, 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
ERÖFFNUNGSKONZERT MOZARTSOMMER, 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
ERÖFFNUNGSKONZERT MOZARTSOMMER, 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
ERÖFFNUNGSKONZERT MOZARTSOMMER, 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
ERÖFFNUNGSKONZERT MOZARTSOMMER, 16.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Unter der Ägide von Klaus-Peter Kehr sind am NTM vielbeachtete Uraufführungen u.a. von Salvatore Sciarrino, Adriana Hölzsky, Lucia Ronchetti und Bernard Lang entstanden. Für das Eröffnungskonzert haben sich diese Komponisten mit verschiedensten Aspekten aus Mozarts Oeuvre beschäftigt und neue Stücke geschrieben. Im Wechsel mit diesen Uraufführungen präsentiert das Eröffnungskonzert Werke, die Mozart in Mannheim komponierte, und schlägt so einen Bogen von der „alten“ zur „neuen“ Mannheimer Schule.
(NTM, 16.07.2016)
 
››Mit seiner mutmaßlich letzten dramaturgischen Arbeit in Mannheim gelang ihm [Klaus-Peter Kehr] nun freilich das Kunststück, dem eignen Anspruch gerecht zu werden und doch das Publikum zu entzücken. […] Die Stimmung bei den munter herumhopsenden und –wippenden Musikfreunden war sogleich mehr als fröhlich. […] Viel bejubelter Höhepunkt war Lucia Ronchettis Drammaturgia für Sprecher, Sopran und Streichquartett über Mozarts pubertäre Schwärmerei für Aloysia Weber, hinreißend gespielt und gesungen von Mathias Lodd, Vera-Lotte Böcker und dem Kallias-Quartett.‹‹
(Mannheimer Morgen, 18. Juli 2016)

›› Sciarrino hielt sich dabei am engsten an Mozart mit Kadenzen zu dessen in kurfürstlichem Auftrag geschriebenen Konzerten für Flöte und seinem ersten Violinkonzert. Sie sind sehr stilvoll, elegant und kommen vor allem den Charakteristiken des Instruments weitestgehend entgegen. Was diesmal durch die außerordentlich virtuose, tonschöne und mitreißend schwungvolle Aufführung von Konzertmeisterin Olga Pogorelova besonders eindringlich zur Geltung kam. […].
Mozarts schwärmerisch verzückte Bewunderung und Leidenschaft für die junge Primadonna, seine Hoffnungen und tiefe Enttäuschung wurden durch Elena Garcia-Fernandez’ Text und Ronchettis Musik facettenreich und mit augenzwinkernder Ironie nachgezeichnet, wobei die Übergänge zwischen der Tonsprache Mozarts und jener der Gegenwart von Ronchettis virtuoser kompositorischer Handschrift zeugten. […].
In ›Figaros Arie‹ von Adriana Hölszky trafen sich Fernost und West bei Klängen der japanischen Wölbbrettzither Koto und des Akkordeons. Wobei die ungewöhnliche Konstellation von der Komponistin sehr elegant gehandhabt wurde.‹‹
(Die Rheinpfalz, 18. Juli 2016)

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IM GESPRÄCH Sopranistin EUNJU KWON und Tenor MIRKO ROSCHKOWSKI mit © Waltraud Brunst, Mannheimer Morgen, 14.07.2016, O-Ton

„Im Rahmen des Mannheimer Mozartsommers sind die Hauptrollen Idomeneo und Ilia in Mozarts Opera Seria "Idomeneo" mit zwei fabelhaften jungen Sängern, dem Tenor Mirko Roschkowski und der Sopranistin Eunju Kwon, besetzt. Wir haben die Gelegenheit genutzt, während der Probenarbeit mit ihnen zu sprechen.

Eine Mozartstimme - also instrumental geführt, vibratoarm - zu besitzen, gilt immer noch als hohes Lob. Empfinden Sie das auch so?
Eunju Kwon: Es ist immer ein Riesenkompliment.
Mirko Roschkowski: Man nimmt den lyrischen Stimmcharakter ja auch mit in andere Rollen. Ich habe hier am NTM ein paar Mal als Don José gastiert, und da hat mich Dan Ettinger immer ganz fein, ganz lyrisch begleitet.

Apropos Erweiterung des Rollenspektrums - in welche Richtung sollen Ihre Stimmen denn "reifen"?
Kwon: Ich möchte mich im lyrischen Fach weiterentwickeln. Liu singe ich ja schon, dazu kommen hoffentlich bald Mimì und Micaela und irgendwann "La Traviata".
Roschkowski: Ich bin ja schon ein bisschen länger im Geschäft und singe neben den elf Mozartrollen, die ich im Repertoire habe, besonders gern das französische Fach, in Wien demnächst die Traumpartie Hoffmann. Der erste Lohengrin ist in Planung, später soll der Stolzing dazukommen.

Herr Roschkowski, Sie haben ein abgeschlossenes Studium der Sonderpädagogik absolviert. Kommt Ihnen das im Opernalltag zugute?
Roschkowski (lacht): Aber sicher. Im Umgang und in der Zusammenarbeit mit Künstlern ist es natürlich sehr vorteilhaft, wenn man über die wichtigsten Voraussetzungen für den damals angestrebten Beruf verfügt, wenn man also überaus verständnisvoll und sehr geduldig mit seinen Mitmenschen umgeht.

Frau Kwon, nach ersten Studien in Ihrer südkoreanischen Heimat haben Sie in Mannheim bei Rudolf Piernay weiterstudiert. Angesichts der immensen Erfolge der Piernay'schen Talentschmiede - können Sie uns vielleicht da das eine oder andere Geheimnis verraten?
Kwon: Ach, Geheimnisse würde ich das gar nicht nennen. Er hat sehr gute Ohren. Er versteht unheimlich viel von Stimmen und weiß genau, worauf es ankommt. Beim Einsingen beispielsweise und bei der Stimmbildung macht er viele Variationen. Er kann auch den Klavierbegleitern gute Ratschläge geben.
Wenn man sich sorgfältig eingesungen hat, kommt das jeder Vorstellung zugute.

Haben Sie Vorbilder?
Roschkowski: Gegenfrage - kennen Sie einen Tenor, der da nicht Fritz Wunderlich nennt? An seinen Aufnahmen kommt doch niemand vorbei, und im Mozart- wie im Oratorienfach schon mal gar nicht. Ist es nicht unglaublich, dass sich daran auch 50 Jahre nach seinem Tod nicht das Mindeste geändert hat? Es war ja nicht nur die technische Perfektion, sondern auch der Schmelz, der Ausdruck, die Stilsicherheit und diese Natürlichkeit! Wenn man Probleme mit irgendeiner Arie hat, hilft es manchmal, einfach die Wunderlich-Aufnahme zu hören - dann wird man frei.

Gibt es andere?
Roschkowski: Ja, Nicolai Gedda, der auf hohem Niveau all das gesungen hat, was ich auch singe oder singen werde. Ich habe übrigens immer sehr viel Kraft und Inspiration auch aus dem Ensemble um mich herum gezogen, erst recht aus einem so hochwertigen Ensemble wie dem Mannheimer.
Kwon: Das Idealbild eines lyrischen Soprans ist für mich immer noch Mirella Freni. Aber auch Ileana Cotrubas, auf deren Rollenporträts mich übrigens mein Lehrer Rudolf Piernay aufmerksam gemacht hat.

Frau Kwon, was bedeutet Ihnen der Petersen-Preis, der ja ausdrücklich für "herausragende künstlerische Nachwuchsleistungen" vergeben wird?
Kwon: Ach, das war einfach ein großes Kompliment und natürlich ein Ansporn für mich.

Wie sind Ihre Eindrücke von Kerkhofs "Idomeneo"-Inszenierung, wie gestalten Sie Ihre jeweilige Rolle?
Roschkowski: Ich fand den Probeneinstieg bei "Idomeneo" absolut perfekt. Wir haben uns erst sehr intensiv mit den Texten befasst; dann kam erst das Klavier dazu, später die Instrumente. Kerkhof hat uns bei der Interpretation recht viel Freiheit gelassen, aber die Basis war ja doch schon sehr stark. Ich habe übrigens noch ein spezielles Problem, weil ich parallel auch in "Mitridate" die Titelrolle singe. Manchmal überlege ich mir mitten in der Probe, ob ich jetzt gerade der König von Kreta oder von Porto bin.
Kwon: Es wurde ja schon viel vor Probenbeginn geklärt, auch was die Rollenporträts anging. Ich konnte mir meine Ilia jedenfalls schon vorstellen; die Rolle ist ja nicht einfach. Ilia hat ihre Familie im Krieg verloren und geht einen langen Weg. Sie muss lernen, ihre Feinde zu lieben.
Roschkowski: Dan Ettinger hat uns sehr früh bei der Probenarbeit begleitet. Einmal haben wir einen Durchlauf von A bis Z gemacht. Es ist schon toll, mit solch einem Dirigenten zu arbeiten.“


 

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IM GESPRÄCH der Regisseur INGO KERKHOF über seine Arbeit an Mozarts IDOMENEO (Premiere 16.07.2016) mit © Stefan M. Dettlinger, Mannheimer Morgen, 13.07.2016, O-Ton

„Herr Kerkhof, "Idomeneo" nimmt in den Opera Seria an Grausamkeit sicherlich eine Sonderrolle ein: Ein Vater, der unter dem Druck der Götter gezwungen ist, seinen Sohn zu opfern - wie übersetzen Sie so etwas plausibel in die Gegenwart?
Ingo Kerkhof: Ich frage mich: Was sind das für Götter, die fordern, den eigenen Sohn zu opfern. Diese Götter stehen ja für alles: Ideologien, Religionen, Glaube, Irrglaube. Das gibt es jeden Tag. Die meisten Selbstmordopfer derzeit sind Mitte 20. Es war doch schon immer so, dass die Kinder für die Ideologien der Eltern sterben. Deswegen: Man muss da nichts übersetzen. Auch heute opfern viele Väter ihre Söhne für eine Religion.

Wie das?
Kerkhof: Vielmehr hindern sie sie nicht daran, sich zu opfern, und die Religion oder Ideologie, für die sie sich opfern, ist die Väterideologie.

Dann sind wir jetzt im islamischen Fundamentalismus gelandet?
Kerkhof: Nein, mein Großvater ist ein gutes Beispiel. Der war im Krieg und hat sich für eine Ideologie geopfert.

Sie haben den Neuenfels-Skandal in Berlin sicher mitbekommen mit den Köpfen von Propheten und Göttern. Ist Ihnen das Religiöse an der Story gar nicht wichtig?
Kerkhof: Mozart hat hier ein Werk geschrieben, in dem er eine Aufklärungsutopie träumt. Er bezieht sich auf seine Zeit. Die Utopie ist, dass eine andere Art von Zusammenleben möglich ist, das nicht auf undurchschaubaren Gesetzen beruht, das nicht auf einem System beruht, in dem Angst notwendig ist und Kinder geopfert werden.

Ohne Fanatismus?
Kerkhof: Es ist nicht Neptun, der das Opfer der Kindestötung immer wieder einfordert, sondern der Oberpriester. Arbace, der Politiker, erkennt das und will Idomeneos Sohn außer Landes bringen, um ihn zu retten. Wie Arbace ausführt: Das Problem sind die Vertreter der Religion, das Volk, nicht die Götter.

Und am Ende sind es ja auch die Götter Neptun und Amor, die ein Einsehen haben...
Kerkhof: ... die Frage ist, was ist die Stimme, die das alles verkündet. Das soll ja die Stimme Gottes sein, ein Deus ex Machina, aber genau das ist die Utopie, denn die Idomeneo-Geschichten vor Mozart gehen alle schlecht aus. Mozart macht ein Happy End. Ob die Stimme ein Gott ist oder das Volk - das kann jeder für sich interpretieren. Aber sie sagt: Stopp, die Ideologie, die zwischen Freund und Feind stark unterscheidet, zwischen Pflicht und Ehrbarkeit, in der Gelübde befolgt werden müssen, die keiner nachvollziehen kann - wie wär's, wenn wir da mal einen Schnitt machen und was Anderes probieren, der jungen Generation eine Chance geben und sogar noch mehr: Wir verheiraten jetzt die Feinde?

Übertragen Sie denn diesen utopischen Gedanken ins Jetzt?
Kerkhof: Auf dem Theater kann ich nur schwer eine Utopie entwickeln. Das wird schnell platt. Ich habe hier eine Operninszenierung, und was wir machen, ist Gedächtnisarbeit. Und da kommen zwei Dinge zusammen: die Aufklärung und die Vater-Sohn-Beziehung Leopold-Wolfgang. Ist es Zufall, dass es das Werk ist, mit dem Mozart sich vom Vaterhaus trennt?

In der Heidelberger Nietzsche-Oper "Dionysos", die ja ein verästeltes Werk Wolfgang Rihms ist, suchen Sie nach Konkretion, nach Ort und Zeit. "Idomeneo" spielt auch im Sagenhaften. Verorten Sie die Story?
Kerkhof: Das ist ein bisschen anders. Rihm ist sehr vielschichtig. Das ist alles schwer zu verstehen. Wir haben versucht, das mit der Biografie von Nietzsche in Zusammenhang zu bringen. Wir wollten hier der Abstraktion des Klangs auch Inhalt beifügen. Bei Mozart gibt es dafür abstruse, unlogische Dinge. Wir wollen eine Fabel mit Menschen erzählen. Psychologisch realistisch kann man das nicht spielen. Und ganz abstrakt - da fehlt mir der Geruch, das, was mit uns Menschen passiert. Natürlich knirscht die Fabel an manchen Stellen. Aber das lassen wir dann auch zu.

Gibt es epische Zwischenebenen?
Kerkhof: Es gibt eine Figur, die es bei Mozart nicht gibt. Das ist schwer, wenn ich's sage, denn eigentlich soll jeder es sich selbst denken: also eine junge Frau, ob das der kleine Idomeneo ist, ein Narr, das schlechte Gewissen oder sein Alter Ego - jedenfalls begleitet sie Idomeneo.“


 

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