Pressestimmen Ballett Spielzeit 2013/2014


CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT
Premiere, 24.07.2014

Am 24. Juli feierte die Choreografische Werkstatt erfolgreich Premiere. Mit sieben Uraufführungen überzeugten die Ensemblemitglieder im ausverkauften Studio des Nationaltheaters Publikum und Presse. Wir freuen uns besonders, dass Maria Eugenia Fernández und Katherina Nakui, die das Ensemble verlassen, sich mit einer Choreografie verabschiedeten und viel Anerkennung für ihre Stücke bekommen haben.

Die Rheinpfalz beschreibt in ihrer überlegten und einfühlsamen Premierenkritik den unterschiedlichen Umgang der sieben vorgestellten Choreografien mit Stille, Musik, Geräuschen und Rhythmus, mit Licht und Schatten: „Entstanden ist ein dichter und intensiver Tanzabend in der intimen Raumsituation der Studiobühne“, lobt sie den gelungenen Saisonabschluss. Kevin O’Days Vorgabe an die Tänzer, den Tanz in den Mittelpunkt zu stellen und auf Ausstattung weitgehend zu verzichten, fiel auf fruchtbaren Boden: „Eine hochkonzentrierte Stimmung herrscht im Publikum, denn eine Bewegung kann hier mehr sagen als tausend Worte.“ Das Resümee der Rheinpfalz lautete:  „(..) ein sehr kurzweiliger und intensiver Abend. Der euphorische Applaus (…) war durchaus berechtigt.“

Die Rhein-Necker-Zeitung hebt die Choreografie von Luis Eduardo Sayago hervor, „ der auch in diesem Jahr wieder einen lässigen, fantasievollen Beitrag geleistet hat.“ Das Online-Musikmagazin regioactive nannte das Programm „mutig und experimentierfreudig“ und hob als „Höhepunkt des Abends“ die Choreografie „Sync“ von Zoulfia Choniiazowa und Davidson Jaconello hervor: „Choniiazowa und Jaconello finden für das Ringen der Menschen um Freiheit und Kontrolle, zwischen sozialen Regeln einerseits und individuellen Wünschen andererseits, zwischen Angst und Macht überzeugende, unmittelbare Ausdrucksweisen und geradezu zwingende Bewegungen. Als Zuschauer gerät man in einen Bann …“.
 
Der Mannheimer Morgen lobt in einer detaillierten Kritik insbesondere die Choreografie Luis Eduardo Sayagos, der mit vier Tänzern ohne Musik ein spannendes Stück gestaltet hat. Im Online-Fachmagazin lässt Kritikerin Isabelle von Neumann-Cosel die Geschichte der letzten zehn Jahre Choreografischen Werkstatt Revue passieren, bevor sie die Themenauswahl und Herangehensweise der einzelnen Choreografen würdigt.

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Das Interview: Maria Eugenia Fernández über ihren Abschied nach zehn Jahren im Kevin O’Day Ballett und ihren neuen Weg

©Mannheimer Morgen 06.08.2014, Nora Abdel Rahman

Vor zehn Jahren trifft Maria Eugenia Fernández früh morgens mit dem Zug am Mannheimer Hauptbahnhof ein. Der Vortanztermin beim Kevin O'Day Ballett liegt noch vor ihr. Auf dem Weg zum Nationaltheater kommt sie am Wasserturm vorbei und ist von der Stadt begeistert. Sie schafft den Sprung in die Compagnie und startet 2004 mit den "Goldberg-Variationen" in die Tanz-Saison am Nationaltheater Mannheim. Seither konnte man die Tänzerin in etlichen solistischen Rollen und in einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Stücke auf der Bühne sehen. Jetzt schloss sich nach einer Dekade der Kreis und Maria Eugenia Fernández kehrte mit der Wiederaufnahme der "Goldberg-Variationen" an ihren Anfang zurück und nimmt zugleich Abschied. Sie verlässt die Bühne und startet in ein neues und ganz anderes Leben. Dabei ist die Tänzerin völlig entspannt und blickt voller Freude und Gelassenheit in ihre Zukunft. Über ihre Berufung zur Tänzerin, ihre Pläne und ihr Leben in Mannheim spricht sie im Interview.

Frau Fernández, wie haben Sie in ihrer Heimat Venezuela zum Tanz gefunden?
Maria Eugenia Fernández: Sonntags gab es im Fernsehen immer eine Tanzsendung, die mich fasziniert hat und zu deren Bildern ich mich bewegt habe. Vom Ballettunterricht war ich anfangs aber gar nicht angetan. Weil mir meine Mutter gut zugeredet hat, habe ich durchgehalten und war dann begeistert. In Venezuela ist es jedoch üblich, nach der Schule zu studieren, also habe ich es mit Architektur probiert. Aber der Tanz hat mich nicht losgelassen, und ich habe weiter trainiert und das Studium heimlich aufgegeben. Für meine Eltern war das ein Schock. Erst mein Engagement beim Ballet Contemporáneo de Caracas - ein großes angesehenes Theater - hat sie dann richtig stolz auf mich gemacht. Später habe ich dann abends noch BWL studiert, aber die Prüfungstermine ließen sich nicht mit den Tanzproben vereinbaren, und ich musste das Vorhaben aufgeben.

Sie haben Engagements in Argentinien, Barcelona und St. Pölten gehabt. In Mannheim sind Sie jetzt seit zehn Jahren. Fühlen Sie sich hier heimisch?
Fernández: Anfangs habe ich immer von meinem Zuhause in Venezuela gesprochen. Irgendwann hat sich das umgekehrt und ich habe Mannheim als mein Zuhause bezeichnet. Venezuela hat sich sehr verändert, es ist gefährlich, dort zu leben, und ich sehe auch in der Zukunft keine Besserung für das Land. Meine Eltern besuchen mich inzwischen lieber hier oder wir treffen uns bei meiner Schwester, die in Miami lebt.

Tänzern sitzt das Alter immer im Nacken. Wann haben Sie die Entscheidung getroffen, ihre Bühnenkarriere zu beenden?
Fernández: Etwa drei Jahre hat dieser Prozess gedauert, bis mir klar war, wie ich mein weiteres Leben gestalten möchte. Ich spüre meinen Körper heute viel stärker und habe auch mehr mit Verletzungen zu tun. Es ist eben nicht mehr so wie im Alter von 19 oder 20 Jahren, wenn alles einfach und leicht ist. Deswegen möchte ich in Zukunft nicht mehr von meinem Körper abhängig sein - das kenne ich durch den Tanz gut genug.

Was haben Sie geplant? Wie geht es weiter?
Fernández: Ich werde International Business in einem dualen Studium beginnen und demnächst in Schwetzingen eine kaufmännische Lehre machen. Darauf freue ich mich sehr und bin dankbar, dass mir diese Möglichkeit gegeben ist.

Für die Choreographische Werkstatt haben Sie zum Saisonabschluss noch ein Stück geschaffen. Worum ging es?
Fernández: Ich habe für die Choreographie ein Gedicht gefunden, das auch gut zu meiner Lebenssituation passt. Es handelt von wichtigen Entscheidungen für das Leben und darum, den richtigen Moment dafür zu finden. Ich habe das Gedicht mit Tanz und Stimme umgesetzt.

Maria Eugenia Fernández stammt aus Caracas in Venezuela. Nach Engagements in Caracas, Buenos Aires, Barcelona, wo sie mit Cathérine Allard zusammenarbeitete, und St. Pölten und Wien kam sie 2004 nach Mannheim ans Nationaltheater. Das National Ballet of Canada engagierte sie 2008 für die Einstudierung von Dominique Dumais' "Skin Divers". Nach zehn Jahren beim Kevin O'Day Ballett am NTM beendet sie ihre Tanzkarriere.
Sie wird nun erneut in die Lehre gehen. Im Rahmen eines dualen Studiums (International Business) wird sie in Schwetzingen eine kaufmännische Ausbildung machen. rah/dms

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Kevin O’Day
KAMMERSPIEL (UA), Premiere 04.05.2014
Choreografie: Kevin O’Day
Musik (Auftragskomposition): John King
Ausstattung: Thomas Mika
Licht: Mark Stanley

KAMMERSPIEL (UA)<br />Premiere, 04.05.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel
KAMMERSPIEL (UA)Premiere, 04.05.2014© Foto: Hans Jörg Michel

Tanznetz, 8.5.2014
Kevin O’Day schöpft in Sachen Bewegungsphantasie wie üblich aus dem Vollen (…).
Nach der Pause (…)  gehört den Paaren die große Spielwiese, und da läuft auch Kevin O‘Day zu großer Form auf. Zwei Männer tanzen ein dramatisches Duo in Zeitlupe, genau in der Schwebe zwischen Kampf und Zärtlichkeit. Männer und Frauen finden sich, und verlieren sich wieder. Eine Gruppe von Männern trägt eine Tänzerin nicht nur auf den Händen, sondern mit ganzem Körpereinsatz, so dass sie nie den Boden berührt. In dramatischen langen Kleidern haben Zoulfia Choniiazowa und Julia Headley große Auftritte.
Wo elementare Gefühle der Abgrenzung und Integration der Einzelnen und der Gruppe ins Spiel kommen, zeigt sich Kevin O’Day’s choreografische Handschrift am überzeugendsten. Musiker und Tänzer – vom bewährten Lichtdesigner Mark Stanley ins rechte Licht getaucht – kommen einander zuletzt auch räumlich näher (…)  Großartig – der Meinung war auch das Premierenpublikum.

Mannheimer Morgen, 6.5. 2014
(…) sie beschwören ihren Zusammenhalt im Ensemble: Einer trägt den anderen. (...) Gleichwohl stellen sie ihre Vorzüge in den neoklassisch orientierten, komplizierten Hebungen und Duetten unter Beweis.“

Die Rheinpfalz, 06.05.2014
Mannheims Ballett-Intendant Kevin O’Day zeigt seine Choreographie Kammerspiel und verwandelt die Bühne in eine Spielstätte der Seele.
Unter den Tänzern haben sich nun nach 90 Minuten, in denen man sich gesucht und versucht, angezogen und wieder abgestoßen, sich begehrt und sich verweigert hat, die Paare gefunden. Bilder voller Intimität und Wärme gelingen da. Bilder voller Würde auch. Die Menschen stützen sich, gehen Hand in Hand, in Zeitlupe, tragen sich gegenseitig auf den Schultern.
Ein Kammerspiel der Liebe beginnt, in dem es letztlich doch auch nur diese beiden Antworten geben kann. Ein Ringen um Glück, zumindest um Erfüllung. Paare umgarnen sich, verführen sich, verstoßen sich, lehnen sich ab. Der Bühnenraum wird zum Seelenraum, der mal schreitend, mal sich windend, mal energisch zupackend ausgeschritten wird. Bis zum versöhnlichen Ende. Bis zum Abschied.“

Rhein-Neckar-Zeitung, 08.05.2014
Denn Kevin O’Day und John King hauchen nicht nur der Kammermusik (mit einem Streichquartett als deren Inbegriff) neues Leben ein, sondern haben sich auch konzeptionell zur Interaktion zwischen Musik und Tanz einiges einfallen lassen. (…) Großartig.

Darmstädter Echo, 06.05.2014
Das Ballett des Mannheimer Nationaltheaters wirkt umso ausdrucksstärker, je abstrakter die Choreografie ausfällt. Das macht den Abend Kammerspiel so sehenswert.
Die Tänzer sind in einer großen Theatermaschinerie auf der Suche nach der Freiheit des Ausdrucks.
Seine Truppe ist mit 16 Tänzern und 2 Gästen nicht groß, doch fähig Besonderes zu vollbringen. Dabei gelingt der Compagnie, wenn sie keine Figuren bebildern oder Geschichten nachstellen muss, die eindrucksvollsten Auftritte.
Man fühlt sich als Zuschauer wie im Innern eines hypernervösen Computergehirns, während die Musiker auf der Bühne mal Blues, mal Barock anklingen lassen, die Streicher mal scheinbar richtungslos Geräusche erzeugen, dann geballt attackieren.
Nach der Pause ist die Bühne offener, scheint der dirigierende Duck vom Tanz genommen, dafür blühen nun die großen Gesten, wird der Ausdruck inniger, gar pathetisch, wird die Bewegung bisweilen fast zur lebenden Skulptur. So entfaltet die Compagnie des Nationaltheaters expressiv und energetisch zugleich eine enorme Bandbreite an Ausdrucksformen.

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Dominique Dumais
TRACING ISADORA (UA), 28.02.2014
Ein Tanzfonds Erbe Projekt
Choreografie: Dominique Dumais
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Ausstattung: Tatyana van Walsum
Licht: Bonnie Beecher

TRACING ISADORA (UA)<br />Premiere, 28.02.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel
TRACING ISADORA (UA)Premiere, 28.02.2014© Foto: Hans Jörg Michel

Dem holprigen Start folgten bereits drei gut besuchte Vorstellungen von Tracing Isadora, fast alle erwarteten regionalen und überregionalen Kritiken sind inzwischen erschienen.

In der Frankfurter Rundschau erschien ein wunderbares Resümee der Kritikerin Sylvia Staude: „Der Abend setzt sympathisch auf die Kraft der Mannheimer Tänzerinnen und Tänzer, mit je persönlichem Ausdruck zu fesseln – wie es Duncan zu ihrer Zeit ja offenbar tat. Wie Fächer um farbigen Fächer breitet „Tracing Isadora“ Bewegungsnuancen aus. Und zeigt dabei ein schönes Menschenbild, nein, viele schöne Menschenbilder. Es ist ein Abend, der in weiten Bögen atmet.“

In der 3sat Sendung Kulturzeit hob Kritiker Ottmar Gendera die Ensembleszenen hervor und spricht von einer „richtig guten Choreografie, die auch dem Anspruch Isadora Duncans, einen befreienden Tanz auf die Bühne zu zaubern, gerecht wird. Da, wo Dominique Dumais ihre Tänzer als Gruppe inszeniert, hat der Ballettabend seine choreografischen Höhepunkte.“

Heike Marx zeigt sich in der Rheinpfalz vor allem von den Solopartien des ersten Akts überzeugt: „In Bewegungsablauf, Expressivität und Raumgestaltung sind die Solos wie Fenster in eine jeweils einmalige Seele.“ Insgesamt nennt sie Tracing Isadora „ein opulentes Augenerlebnis von Bewegung, Licht und Farben in drei Stunden. Es steckt enorm viel Wollen und Schaffensenergie darin.“

Für das Web-Magazin regioactive.de berichtet Tanja Binder über das „ebenso anspruchsvolle wie faszinierende Ballett“ von Dominique Dumais: „Hinreißend sind die atmosphärisch dichten Tableaus, die Dominique Dumais zu kreieren versteht.“ Zusammenfassend stellt die Kritikerin fest: „Anspruchsvoll, aber faszinierend“.

Viele Kritiker heben die stimmige Musikauswahl, die Qualität der Musik und das gelungene Zusammenspiel von Musik und Tanz hervor. So schreibt Klaus Trapp für das Darmstädter Echo: „Musikalischer Höhepunkt ist Mahlers Adagietto in Originalbesetzung, dessen vom Orchester nachdrücklich erfasstes inniges Sehnen durch das vom Solo bis zum Tutti anwachsende Ballettensemble fantasievoll beantwortet wird.“

Ein „Megaprojekt zu Ehren eines Tanzstars“ nennt Isabelle von Neumann-Cosel in der Rhein-Neckar-Zeitung den neuen Tanzabend und hebt Joseph Trafton hervor, „der am Pult des Nationaltheater-Orchesters die anspruchsvoll besetzten Stücke zu einem spannenden Klangteppich weben ließ.“

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Pressestimmen Impromptu A look at Mary Wigman Stuttgart

Stuttgarter Zeitung, 20.09.2013:
“In Dumais’ Choreografie fügen sich kraftvolle, nicht auf Gefälligkeit zielende Klänge zu den Bewegungsmustern der Tänzer.“
„Sinnfällig – und sinnlich – setzt Dominique Dumais die Worte Wigmans um. […] Die Tanzenden machen Wigmans Gedanken auf wunderbar geschmeidige, einfallsreiche und lebendige Weise anschaulich – was das Publikum im Theaterhaus begeisterte.“

Schwäbisches Tagblatt, 19.09.2013:
„Mit gebotener Ehrerbietung improvisierend nähern sich die Ensemblemitglieder durchaus eigenständig, aus dem heutigen Fundus schöpfend, der Tanzpionierin, die in den 1950er-Jahren drei Inszenierungen in Mannheim abgeliefert hatte.“
„Das alles hat erfreulich wenig von historischer Denkmalpflege, von Beweihräucherung. Selbst die Anlehnung an Wigmans berühmten Hexentanz zitiert ihn nicht einfach nur, sondern lässt etwas Neues daraus entstehen. Mary Wigmans Enkel: verinnerlicht, ausdrucksstark in sich hineinhorchend – und wie Irrwische über die Bühne fegend. Wie die Pionierin verlassen sich die Mannheimer auf die suggestive rhythmische Dynamik, die hier der exzellente Schlagwerker Erwin Ditzner beisteuert.“


Pressestimmen Impromptu A look at Mary Wigman Mannheim

Mannheimer Morgen, 19.12.2013:

„Malthe Clemens, Dávid Kristóf und Tyrel Larson verschmelzen ihre solistischen Episoden mit virtuosen Techniken des zeitgenössischen Tanzes. Die Percussion-Dialoge des Ludwigshafener Jazz-Schlagzeugers Erwin Ditzners inspirieren die Tanzdarbietung durch aufpeitschenden Rhythmus und Meditation.
Die Tänzerinnen bauen Zitate in ihre Bewegungsstudien ein: Zoulfia Choniiazowa zum Beispiel hat sich den Hexentanz von Mary Wigman vorgenommen und variiert den Moment, in dem sie die Knie mit den Händen kraftvoll auseinanderspreizt. Julia Headley lässt in Phasen des Anspannens und Entspannens ihr lautes Atmen hören und das Fallen ihres Körpers.“

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Robert Glumbeck
CASANOVA (UA), Premiere 19.10.2013
Choreografie: Robert Glumbeck
Musik: W.A. Mozart / Davidson Jaconello
Bühne, Kostüme, Projektion: Jürgen Kirner
Licht: Damian Chmielarz

Mannheimer Morgen, 21.Oktober 2013:
Zwei Glanzrollen erwachsen aus dieser Schicksalstrennung. Zoulfia Choniiazowa wälzt als unnahbare Mutter den klammernden Jungen von sich ab und nimmt später die befremdlichen Züge einer Heiligen an, denn ihr Sohn sieht in ihr eine über seinen Schultern schwebende Göttin oder Gottesmutter. Tyrel Larson, vom Publikum lauthals bejubelt, durchwandert als Casanova zahllose Stadien enttäuschter Liebe, lähmender Abkapselung und schneller Vergreisung.
[…] starke, hochkonzentrierte Bilder einer traurigen Liebhaber-Gestalt, die sich hier und da scheu ins Abseits verdrückt oder aber mit einem gehörigen Quantum Pathos befrachtet wird, vom Menschsein weit entfernt ist.

Rheinneckarzeitung, 21.Oktober 2013:
Im Finale des am Nationaltheater Mannheim uraufgeführten Balletts "Casanova" scheint der alternde Frauenheld in der Flut seiner Erinnerungen unterzugehen.
... Dem Wahnsinn nahe, zuckt und tobt der in Venedigs berüchtigten Bleikammern eingekerkerte Casanova. Eine Glanzleistung von Tyrel Larson, der in dieser Szene die Welt des Tanzes hinter sich lässt und allein durch intensive Körpersprache die Qual des Gefangenen spürbar macht. Oder der schwierige Abschied von der Mutter.
... Doch die Mutter, von Zoulfia Choniiazowa elegant und distanziert gezeichnet, verlässt ihn. So, wie Casanova später seine Geliebten verlassen wird. Glumbek und die Tänzer des Mannheimer Nationaltheaters gestalten dieses Kindheitserlebnis als Schlüsselmoment in Casanovas Leben.
... Später wird die Mutter noch einmal zurückkehren. Es ist der intimste Pas de deux dieses Balletts. Das Ende hat etwas Tragisches. Vergeblich kämpft der alt gewordene Verführer gegen seinen jungen, modernen, coolen Nachfolger an. Casanova bleibt allein mit seinen Erinnerungen.
... Es ist ein temporeicher, sinnlicher Abend. Zu Sätzen aus verschiedenen Klavierkonzerten Mozarts und einigen stimmungsvollen elektronischen Stücken des Ensemblemitglieds Davidson Jaconello gibt der fulminant tanzende Tyrel Larson einen sehr präsenten Titelhelden.

Die Rheinpfalz, 21. Oktober 2013:
Am Ende lässt Glumbek seinen Casanova nicht nur eine Bilanz ziehen, in der er zerrissen, hadernd, strauchelnd zu Boden geht. Er beseitigt ihn im letzten Bild auch noch durch einen neuen Frauenhelden-Typus: Don Juan. Das tragische Ende eines Lebens, das mehr als eine Baustelle war.
... Die Compagnie tanzt diese Weltfahrt mit Kraft, Tempo, Spannung und Akkuratesse in den Ensembleszenen. Herausragend verleiht Tyrel Larson den inneren Konflikten, den Qualen Casanovas Gestalt.
... Ein Abend also, der gleich einem großen Spannungsbogen in die Abgründe eines Exzentrikers führt. Prädikat: sehenswert.

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TANZ TROMMEL (UA)

Premiere am 14. September 2013
Ensembleprojekt von Schnawwl und Kevin O’Day Ballett NTM

ab 6 Jahren


"[...] Es gelingt ihr [Regisseurin Andrea Gronemeyer], das Publikum magisch zu verzaubern. Als Regisseurin führt sie klug die verschiedenen Sprachen zusammen, formt eine Geschichte mit einem exakten Gefühl für Rhythmus und Poesie. Dabei lässt sie allen Mitwirkenden den Freiraum, den sie zur Entfaltung brauchen. Julie Pécard entwickelt als Tänzerin ihre eigene Choreographie, die, weil sie mit den Mitteln des Ausdruckstanzes arbeitet, ihre charismatische Persönlichkeit zum Vorschein bringt. Peter Hinz, der auf der Bühne eine ebensolche Aura ausstrahlt, hat als Spieler und Komponist ein exaktes Gefühl für die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten von Gefühlen. Und auch der von Christian Thurm geschaffene „Holzkisten“-Raum mit den vielen versteckten Schlaginstrumenten ist von überzeugender Poesie."
   Die Deutsche Bühne online, 16. September 2013


Kritik von Manfred Janke online: "Vom Glück und der wilden Freiheit des Tanzens"


 „[...] zum Spielzeitauftakt gelingt Großes. Eine höchst gelungene, launische Stunde für Kinder (und Erwachsene) ab sechs Jahren ist es geworden, womit Andrea Gronemeyer den seit dem Baby Tanz Fest eingeschlagenen Weg nun mit Ballettintendant Kevin O'Day weitergeht. [...] Spielfreude und finale biografische Einblicke sind ebenso inklusive wie Tanz, Musik, Slapstick, Travestie - und den frenetischen Applaus wert..“
    Mannheimer Morgen, 16. September 2013


 "Als Regisseurin hat Andrea Gronemeyer ihre [Julie Pécard und Peter Hinz] Begegnung theatralisch so eingängig aufgeschlüsselt und strukturiert, dass man alles erspürt, auch wenn man erst sechs Jahre alt ist.
   Die Rheinpfalz, 16. September 2013

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