Pressestimmen Ballett Spielzeit 2015/2016


FAREWELL, ABSCHIEDSVORSTELLUNG 26.07.2016

FAREWELL, ABSCHIEDSVORSTELLUNG 26.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FAREWELL, ABSCHIEDSVORSTELLUNG 26.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FAREWELL, ABSCHIEDSVORSTELLUNG 26.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FAREWELL, ABSCHIEDSVORSTELLUNG 26.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Das KEVIN O’DAY BALLETT verabschiedet sich von seinem Mannheimer Publikum mit einer sehr emotionalen FAREWELL Vorstellung, standing ovations und einem roten Teppich zum Studio Werkhaus, wo die Mannheimer BallettFans zum Abschied mit dem BallettTeam feiern.

„Frank Sinatras "My Way" spielt die Liveband zum Abschied. Am Bühnenrand des Opernhauses im Mannheimer Nationaltheater haben sich alle Mitwirkenden von "Farewell!" aufgestellt. Kevin O'Day (Bild) und Dominique Dumais umarmen und küssen ihr Künstlerteam. Mit jeder überreichten Rose tritt eine Tänzerin oder ein Tänzer kurz nach vorne, um den Applaus zu ernten. Es ist ein starker und überwältigender Applaus für alle, mit dem das Publikum, das sich in 14 Jahren mit dem Kevin O'Day Ballett vertraut gemacht hat, einen ganz persönlichen Abschiedsgruß entbietet.“

"Farewell!" zeigt in den vier Choreographien des Abends noch einmal die große Bandbreite und die Spezialitäten im Schaffen des choreographischen Duos. "Tracing Isadora" etwa von Dominique Dumais zeigt Bewegung wie eine Welle im ständigen Fluss, im Kommen und Gehen, Verebben und wieder Aufwallen. Dazu das Gespür von Dumais für Stoffe, Licht und Farben.
Es wurde immer auch geliebt, gelacht und geweint in den Tanzstücken des O'Day Balletts. "Chansons" von Dumais bringt diese Lebensbedürfnisse alle zusammen auf den Punkt. In den kurzen Episoden übersetzen die Tänzer bekannte Chansons und verdichten in der Bewegung ihre Lebenserkenntnisse. Mal bringt es das Publikum zum Lachen, mal berührt es einen zutiefst.
Auch O'Days "We will" kreist um das Spiel von Geben und Nehmen, um Annäherung und Ablehnung oder die Leichtigkeit des Seins. Und sein Stück "I'm with the band" setzt dazu noch eine weitere Qualität ins Zentrum: die Liebe zur Musik und den Spaß an Bewegung. Hier treffen musikalische Experimentierfreude auf Bewegungsrausch. Dass dieses Verhältnis - Live-Musik in Kombination mit Tanz - einen besonderen Genuss bereitet, haben Kevin O'Day und Dominique Dumais immer wieder in ihren Stücken bewiesen.“

„Die Tanzschaffenden haben sich in "Farewell" seit der Premiere im Februar mit ihrem Abschied auseinandergesetzt. Doch die andere Seite, jene, die das Publikum einnimmt, das zuhört und betrachtet, muss den Abschied anders wahrgenommen haben. Denn das umfangreiche Programm für die 14. Spielzeit des Kevin O'Day Balletts hielt sechs Wiederaufnahmen und vier Premieren für das Publikum parat. Ein tanzreiches Jahr hat den Abschied nicht nur versüßt, sondern auch in vielen Vorstellungen für den Moment aufgehoben. Mit "Farewell" jedoch rückt das scheidende Choreographen-Paar, Kevin O'Day und Dominique Dumais, den Abschied und den Jubel ins Rampenlicht. Ja, es war ihr Weg.“
Von unserer Mitarbeiterin Nora Abdel Rahman
© Mannheimer Morgen, Samstag, 30.07.2016


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CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT 2016
Premiere 08.07.2016

CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT 2016, Premiere 08.07.2016 ©Foto: Christian Kleiner
CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT 2016, Premiere 08.07.2016 ©Foto: Christian Kleiner
CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT 2016, Premiere 08.07.2016 ©Foto: Christian Kleiner
CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT 2016, Premiere 08.07.2016 ©Foto: Christian Kleiner
CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT 2016, Premiere 08.07.2016 ©Foto: Christian Kleiner
CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT 2016, Premiere 08.07.2016 ©Foto: Christian Kleiner

MÄNNERQUARTETT – Hitomi Kuhara
MARIA, THE POET – Zoulfia Choniiazowa
YOU Y YO – Jamal Rashann Callender
EXPERIENCE – Hugo Mercier
ECLECTIC – Dávid Kristóf
180° - Brian McNeal
REGAINING SURFACE – Michael Bronczkowski
SOME YEARS – Tyrel Larson


Einmal pro Spielzeit bieten Kevin O’Day und Dominique Dumais ihrem Ensemble die Möglichkeit, die Seiten zu wechseln und sich als Choreografen auszuprobieren. So sind einige Tänzer dem Mannheimer Publikum bereits als Choreografen bekannt. Dieser Abend dient in erster Linie dazu, den Ensemblemitgliedern die Chance zu geben, ihrer eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen und eine neue Form der Verantwortung zu erproben. Er öffnet Türen für neue Wege der Originalität und steckt oftmals voller Überraschungen. So wurden zum Beispiel Luis Eduardo Sayago und Brian McNeal aufgrund ihrer Arbeit in der Choreografischen Werkstatt von Kevin O’Day beauftragt, ein Stück für den regulären Spielplan zu kreieren. Davidson Jaconello hatte bereits in verschiedenen Stücken seine musikalische Begabung verwirklichenkönnen, was zu einem Auftrag in Robert Glumbeks Casanova führte. Es ist ein Ballettabend mit mehreren kleinen Uraufführungen und ein Format, in dem viele bedeutende Choreografenkarrieren ihren Anfang nahmen.

Die Tänzer sind „in Kevin O’Days ‚creative company‘ alle Individualisten“
„Die letzte Werkstatt im Studio Werkhaus ist in eine Atmosphäre von melancholischer Rückschau getaucht“
„Mit Charme und Komik setzt [Hugo Merciers Experience] Musik, Bewegung und Kostüme in gelungene Harmonie“
„von intensiver Anmutung“
„herzergreifend und cool ist das Selbstportrait von Brian McNeal 180 Grad“
Die Rheinpfalz, 11.07.2016

„eine vom Publikum hochgeschätzte Sparte“
„eine Gelegenheit, die Tänzer-Persönlichkeiten noch einmal von nah zu sehen in ihrer ganzen Expressivität und Individualität“
Regaining Surface von Michael Bronczkowski: „bewegungssprachlich ziemlich originell[…]“
„dieses sympathische Ensemble“
Frankfurter Rundschau, 12.07.2016

„beseelte Sprache des Körpers“
„mit einer bunt gemischten Sammlung aus kurzen Geschichten, die wie in den Raum skizziert erscheinen, fällt der Gang in die Sommerpause leichter“
„spannende Bewegungsbilder“
„bald lyrisch, bald kraftvoll“
Mannheimer Morgen, 11.07.2016

„Die Selbstverständlichkeit, das Vertrauen, die Freundschaft – das sind Qualitäten, die nur in einem auf Kontinuität gegründeten Ensemble entwickelt werden können.“
„Das Publikum machte ‚seinen‘ TänzerInnen im intimen Werkhaus-Rahmen den Abschied schwer.“
Tanznetz.de/Rhein-Neckar-Zeitung, 11.07.2016


 

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Dr. Ralf Klöter wechselt zur Spielzeit 2017/2018 an die Hamburgische Staatsoper

Der Geschäftsführende Intendant am Nationaltheater Mannheim (NTM), Dr. Ralf Klöter, wird zur Spielzeit 2017/2018 die Position des Geschäftsführenden Direktors an der Hamburgischen Staatsoper übernehmen. „Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Herr Klöter für weitere fünf Jahre hier an zentraler Position am Nationaltheater gewirkt hätte, gratuliere ihm aber zu seiner Berufung nach Hamburg. Der Wechsel an die Hamburgische Staatsoper ist auch eine Wertschätzung für das NTM“, betont Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz. Klöter war seit November 2011 am Nationaltheater erfolgreich tätig, zunächst als Kaufmännischer Direktor und seit März 2013 dann als Geschäftsführender Intendant und erster Eigenbetriebsleiter.

Kulturbürgermeister Michael Grötsch dankt dem gebürtigen Wuppertaler mit beruflichen Stationen in Nürnberg und Kiel für sein Engagement beim Aufbau des neuen Leitungsmodells am Nationaltheater Mannheim: „Durch seine vertrauensvolle Mitwirkung an der Neukonzeption der Führungsaufgaben des Hauses konnte die spezifisch Mannheimer Variante des Mehrintendanten-Modells auf eine solide und nachhaltig funktionsfähige Basis gestellt werden. Ich hätte gerne die Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Klöter fortgesetzt, habe aber großes Verständnis für diesen Karrieresprung.“

„Das NTM ist ein Haus, das einen auch nach heutigem Maßstab effizienten Theaterbetrieb ermöglicht und durch seine architektonische Eleganz und Schönheit zu faszinieren weiß“, so Klöter. Bevor er das NTM zum Ende der Spielzeit 2016/17 verlässt, werden seine Arbeitsschwerpunkte die weitere Planung und Vorbereitung der Generalsanierung sowie das 60jährige Jubiläum des Theaters am Goetheplatz sein. Im Rahmen von „Hausbesuchen“ gibt er ab Herbst 2016 interessierten Besucherinnen und Besuchern Einblick in diese Themen.

Pressemitteilung des Nationaltheaters vom 28.06.2016


 

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STEPHAN THOSS, Tanzchef ab der Spielzeit 2016/17 im Gespräch mit Ralf-Carl Langhals, Mannheimer Morgen 13.05.2016, O-Ton

Stephan Thoss ©Foto: M. Rinderspacher
Stephan Thoss ©Foto: M. Rinderspacher

„Mit großer Begeisterung spricht der 51-jährige Dresdner über seine Pläne für und in Mannheim. Und die hat er zum Beispiel für das Tanzhaus in Käfertal, das er - mit leuchtenden Augen- zur Begegnungsstätte für Tänzer und Publikum machen will. Man brauche das Gebäude auf dem Alstomgelände allein schon weiterhin für einen parallelen Probenbetrieb, erklärt er. Mit einigen Veränderungen im Eingangsbereich, dem Zuschauerraum und der Beleuchtung möchte er hier aber mit "Open-Door-Veranstaltungen" Mannheims Tanzfreunden die Türen weiter aufhalten als bisher.
Neben den Aufführungen im Opern- und Schauspielhaus sei in Käfertal der Ort, der unmittelbare Nähe und "andere Formate mit spontanerem, abenteuerlicherem, ja auch improvisatorischem Charakter" zulasse. Projekte mit Hip-Hop oder Mannheims freier Tanzszene, aber auch mit Gästen von außerhalb seien hier ausdrücklich erwünscht, sprudelt Thoss weiter. Bei seinen baulichen Aufwertungsplänen für das Tanzhaus hofft er auf Rückenwind durch die Ersatzspielstättendiskussion, die durch die Sanierung des Nationaltheaters bald ansteht.

Immerhin zwei Tänzerpositionen mehr als bisher, also 16 statt 14, gilt es derzeit am Nationaltheater zu besetzen. In Wiesbaden standen ihm 24, in Hannover anfangs gar 33, später 30 Tänzer zur Verfügung, erklärt er auf Nachfrage. Eine Stellenbeschränkung gebe es hier zwar nicht, aber man müsse eben schauen, wie es wirtschaftlich im Ballettetat verrechnet werden könne. Besonnen will er es zunächst einmal mit zwei Tänzern mehr versuchen. Dass es nur je zwei Tänzerinnen (Zoulfia Choniiazowa, Julia Headley) und Tänzer (Dávid Kristóf, Jamal Rashann Callender) des scheidenden Kevin O'Day Balletts in seine neue Compagnie geschafft haben, begründet er damit, dass auch einige nicht zum Vortanztermin gekommen seien, da sie sich ohnehin mit dem Abschied von Kevin O'Day beruflich neu orientieren wollen. Eine überwiegende Hannoveraner, Kieler oder Wiesbadener Compagnie wird aber nicht entstehen, bewusst habe er ganz offen Ausschau gehalten.

Seinen Premierenreigen eröffnet er als Anschluss an Kevin O'Days Shakespeare-Reihe im 400. Todesjahr des englischen Dramatikers mit dessen "Sommernachtstraum". Zu sehen ist die Großproduktion im Opernhaus als Handlungsballett nach Libretto - zu zeitgenössischer Musik und in Thoss' eigener Choreographie. Schon bald holt er dann Gastchoreographen ins Haus, deren Arbeiten "hier in Mannheim mit Mannheimer Tänzern und für Mannheim entstehen".
Überhaupt sei ein zügiger Aufbau eines Repertoires seine Kern- und Herkulesaufgabe für die nächste Spielzeit. Bewältigen will er sie, indem er mit den neuen Tänzern etwa seine Werke "Bolero" oder "Nightbook" erarbeitet und zusammen mit anderen choreographischen Beiträgen in mehrteiligen Abenden ("New Steps", "Gesicht der Nacht", "Hello Surprise") vorstellt.
Auch spartenübergreifend mit Schauspiel oder Gesang zu arbeiten, findet der Surrealismus- und vor allem René-Magritte-Fan "äußerst spannend". Bleibt noch zu klären, wie die Truppe denn nun künftig heißen wolle - "Thoss-Dance oder so kam nicht in Frage, es geht nicht um mich, sondern um die Mannheimer Compagnie, folglich heißen wir schlicht: NTM Tanz".“

BALLETT: WER KOMMT: Stephan Thoss (Intendant und Chefchoreograph), Johannes Grube (stellv. Intendant und Betriebsdirektor). Tänzer: Lorenzo Angelini, Joris Bergmanns, Silvia Cassatta, Chiara Dal Bargo, Juan Ferré Gómez, David Lukas Hemm, Helga Kristin Ingolfsdottir, Vitek Korinek, Ayumi Sagawa, Alexandra Chloé Samion, Emma Kate Tilson, Tenald Zace.

BALLETT: WER GEHT: Kevin O'Day (Intendant), Dominique Dumais (Stellv. Intendantin), Tänzer: Michael Bronczkowski, Nadège Cotta, Maggie Forgerson, Veronika Kornová-Cardizarro, Hitomi Kuhara, Tyrel Larson, Brian McNeal, Hugo Mercier, Katherina Nakui, Huy Tien Tran, Agata Zajac.


 

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NAKED (UA), Premiere 29.04.2016
Tanzstück von Dominique Dumais

NAKED (UA), Premiere 29.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
NAKED (UA), Premiere 29.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
NAKED (UA), Premiere 29.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
NAKED (UA), Premiere 29.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
NAKED (UA), Premiere 29.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
NAKED (UA), Premiere 29.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Choreografie: Dominique Dumais in Zusammenarbeit mit Michael Bronczkowski, Jamal Rashann Callender, Zoulfia Choniiazowa, Nadège Cotta, Maggie Forgeron, Julia Headley, Veronika Kornová-Cardizzaro, Dávid Kristóf, Hitomi Kuhara, Tyrel Larson, Brian McNeal, Hugo Mercier, Katherina Nakui, Huy Tien Tran, Agata Zajac
Musik: Julia Kent
Bühne und Kostüme: Tatyana van Walsum
Licht: Bonnie Beecher


NAKED ist Dominique Dumais’ letzte Choreografie am Nationaltheater Mannheim, bevor das Kevin O’Day Ballett NTM zum Ende der Spielzeit aufgelöst wird. Mit diesem Stück beschließt die stellvertretende Ballettintendantin in Mannheim ihre dem Tanz gewidmete Trilogie und setzt einen Schlusspunkt unter ihr 14-jähriges Schaffen als Hauschoreografin.


NAKED steht für das Bloßlegen der Bewegung bis unter die Haut. Es geht um die Überzeugungskraft von Tanz, der Gesetzmäßigkeiten der Anatomie reflektiert und das Potential dieser Strukturen ausgestaltet. Es geht darum, die Durchlässigkeit zwischen Innen und Außen auszuloten und den Austausch zwischen Menschen in vielschichtigen Begegnungen tänzerisch zu erkunden. Zentraler Bezugspunkt ist die Haut als die allumfassende Struktur, die sowohl trennt als auch verbindet, die schützt und offenlegt, die große Gesten und kleinste Regungen umfasst und dabei das Gefühl und den Blick anspricht.


Die 14 Tänzerinnen und Tänzer des Mannheimer Ensembles werden auf der Bühne live begleitet von der New Yorker Cellistin und Komponistin Julia Kent, die aus dem rau-warmen Klang ihres Cellos mit Elektronik und gefundenen Klängen einen eigenen sinnlichen Kosmos entstehen lässt. Ausgestattet wird NAKED von der niederländischen Bühnen- und Kostümbildnerin Tatyana van Walsum sowie der kanadischen Lichtdesignerin Bonnie Beecher.


Seit 2012 haben sich Dominique Dumais und das Mannheimer Ensemble in ein langfristiges und intensives Rechercheprojekt begeben. Von der unbändigen Freude, die das Tanzen bedeutet, bis hin zu anatomischen Studien reichen die Experimentierfelder, die ausgelotet werden. Mit  R.A.W. (2012), PURE (2014) und NAKED entstanden drei Ensemblestücke mit Live-Musik, die den Tanz trägt, motiviert und fordert.


NAKED ist Thema: Das SWR-Fernsehen hatte die Generalprobe gefilmt und in einem Beitrag in der Landesschau am Premierentag als „womöglich einer der gelungensten Choreografien Deutschlands“ in dieser Spielzeit gewürdigt.
Link zur Landesschau: http://swrmediathek.de/player.htm?show=85b02e30-0e2a-11e6-be5d-0026b975e0ea 

Der Kultursender 3sat greift nun auf das gedrehte Material zurück, um NAKED als Programmtipp in der Sendung Kulturzeit anzukündigen. Der Beitrag mit neuer Anmoderation aus der 3sat-Redaktion ist für den 3. Mai 2016 geplant. Kulturzeit wird immer um 19.20 Uhr ausgestrahlt und am folgenden Tag um 6 Uhr und um 9 Uhr wiederholt.


Einige Kritiken in Zeitungen und im Internet sind bereits erschienen und sind durchweg positiv. Auf regioactive.de beschreibt Tanja Binder den „Publikumsliebling“ NAKED und nimmt auf Dominique Dumais‘ Gesamtwerk Bezug: „Optisch einnehmende und überaus ausdrucksstarke Tableaus zu inszenieren ist eines der großen Talente von Dominique Dumais“ lobt sie die „mutige Choreografin, […] die keine Scheu hat, hohe Ansprüche zu formulieren“.


Isabelle von Neumann-Cosel bezeichnet auf tanznetz.de die choreografische Entwicklung von Dominique Dumais als „eines der herausragenden Ergebnisse dieser Ära.“ Über das Stück schreibt sie: „Viele intensive Begegnungen zwischen den überaus gut aufeinander eingespielten individuell so verschiedenartigen Mitgliedern des Mannheimer Ensembles lässt Dominique Dumais geschehen und lenkte den Blick wieder und wieder auf das Fließen von Bewegungsenergie – immer anders, immer auf eine starke Mitte gegründet. […] Siebzig Minuten Tanz, 15 Minuten Beifall.“


Im Mannheimer Morgen resümiert Ralf-Carl Langhals den Abend als vielleicht größte  Arbeit der Choreografin. „Im Ganzen legt Dumais ihr Verständnis von Tanz offen, lässt anatomische und kinetische Studien Ballett werden. Dass dieser intellektuelle Ansatz auf der Bühne keineswegs unsinnlich oder spröde werden muss, ist die größte choreographische Leistung der scheidenden Hauschoreographin, die mit reduzierten Mitteln einen packenden Abend zeigt.“


In der Rheinpfalz nennt Antje Landmann den Ballettabend „zutiefst menschlich“ und beschreibt Dumais‘ Bewegungsmaterial als „manchmal rätselhaft, manchmal spielerisch, manchmal erschütternd, aber immer geschickt auf einen Höhepunkt hin strukturiert. Darauf kann man sich verlassen, auch wenn sie vom anderen Extrem ausgeht und zwischendurch Stille und Stillstand zulässt.“


INTERVIEW mit Dominique Dumais im Mannheimer Morgen, 29.04.2016 und Nora Abdel Rahman (Original-Ton)


„Es herrscht Abschiedsstimmung beim Kevin O'Day Ballett am Nationaltheater Mannheim. Aber obwohl die Choreographin Dominique Dumais die Arbeit am letzten Stück mit ihren Tänzern und Tänzerinnen als "herzzerreißend" empfindet, bekundet sie mit offenem Blick, sich nicht in Sentimentalitäten zu verstricken. Ihr souveränes Auftreten und ihre professionelle Arbeitsweise lässt sich die Frankokanadierin trotz dieser schwierigen Situation nicht nehmen. Im Gespräch mit dieser Zeitung blickt die scheidende stellvertretende Ballettintendantin zurück auf ihre 14 Schaffensjahre in Mannheim. Sie erläutert ihre Arbeitsweise und sie offenbart ihre Empfindungen zum Abschied.


Frau Dumais, seit 2002 schaffen Sie Bühnenwerke für das Mannheimer Nationaltheater. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Dominique Dumais: Ich blicke auf eine unglaublich reiche Zeit. Dafür bin ich überaus dankbar. Mit all den Möglichkeiten, die das Theater bietet, habe ich vor allem kontinuierlich Stücke erarbeiten können. Das ist ein Geschenk.


Gab es auch harte Zeiten?

Dumais: Die Kontinuität erfordert auch enorme Kraft.


Sie haben mit "Naked" eine Trilogie vollendet und damit einen ganz eigenen Werk-Corpus geschaffen. Sehen Sie das auch so?

Dumais: Ja, aber ich habe mich auch gefragt, ob sich hier wirklich der Kreis zu einem Thema schließt. Ich denke mit "R.A.W.", "Pure" und "Naked" habe ich Voraussetzungen geschaffen für eine Basis, um bestimmte Qualitäten zu entwickeln. Mir geht es dabei um die Prioritäten, was ich einerseits unter Tanz verstehe - und was er andererseits als Kunstform bedeutet. Letztlich hört diese Form der Arbeitsweise nicht einfach mit einem Stück auf.


Worin genau besteht diese Basis?

Dumais: Mich interessiert die Anatomie des Körpers und wie er in Bewegung funktioniert. Um dieses Verhältnis genauer zu studieren, hilft mir die Axis-Syllabus-Methode von Frey Faust. Damit habe ich mein Wissen über den menschlichen Körper vertiefen können und mir ein eigenes Werkzeug als Grundlage für meine Stücke erarbeitet. Zusammen mit den Tänzern erforsche ich das Material, mit dem wir Kunst machen.


Wie fühlen sich ihre Tänzer und Tänzerinnen mit dieser Arbeitsweise?

Dumais: Sie lieben es, mehr zu entdecken und etwas Authentisches auszudrücken. Und ich sehe mich auch selbst in der Verantwortung, ihnen dafür Instrumente zu geben.


Was ist die Essenz des aktuellen Werks "Naked" im Verhältnis zu den Vorgängerstücken "R.A.W" und "PURE"?

Dumais: In "Naked" blicken wir hinter die Fassaden. Die Bewegungen, wie auch die Musik von Julia Kent, sind ohne Schnörkel und Effekte. Es geht unter die Haut, sie soll durchlässig werden. Ich platziere das Stück heute in die Mitte der Trilogie, nicht an ihr Ende. 2012 hatte ich noch keine Reihenfolge im Sinn. "PURE" macht den Anfang, es ist durch sein Bühnenkonzept näher am Zuschauer. Und "R.A.W." steht mit der ganzen Tiefe des Raumes für die große Explosion.


Wie empfinden Sie den Abschied nach so vielen Schaffensjahren mit dem Ensemble? Einige Tänzer und Tänzerinnen sind ebenso viele Jahre wie Sie dabei.

Dumais: Es bricht einem das Herz.“


Dominique Dumais und ihr Tanzstück „Naked“

Die Frankokanadierin absolvierte ihre tänzerische Ausbildung an der National Ballet School in Toronto. Danach war sie Solistin beim National Ballet of Canada. Ab 1988 arbeitete sie als freie Choreographin. Seit 2002 ist sie am Nationaltheater tätig, zuletzt als stellvertretende Ballettintendantin

Ihr Stück "Naked" handelt vom Dialog zwischen Menschen in allen möglichen Lebenslagen. Es ist das Abschiedsstück der Dominique Dumais am Nationaltheater. "Naked" schließt die mit "R.A.W" (2012) begonnene und mit "PURE" (2014) fortgesetzte Tanz-Trilogie vollständig.

Die Uraufführung von "Naked" findet am 29.04.2016 im Schauspielhaus statt. 

Weitere Termine: 7. und 14. Mai, 15., 21. und 28. Juni sowie an weiteren Tagen. Kartentelefon: 0621 16 80 150, www.nationaltheater-mannheim.de 

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Zum Buch: Farewell! Kevin O'Day Ballett.
Mit einem Vorwort von Ralf-Carl Langhans, einer Prämierenchronologie, Zitaten von Tänzern, Kurzbiografien von Wegbegleitern sowie zahlreichen Abbildungen, Verlag Waldkirch, Mannheim. 120 Seiten, €10

Mannheimer Morgen 02.03.2016, Nora Abdel Rahman - Originalton -

„Ein Text zum Abschied für das Kevin O'Day Ballett vom Nationaltheater ist ein seltsam schwieriges Unternehmen für eine Kritikerin. Vielleicht weil alle Perspektiven, die im Verlauf von Jahren gesammelt wurden, ins Gewicht fallen sollten. Eben nicht nur die einzelnen Stücke - sie haben berührt und irritiert, haben an- und aufgeregt, Einspruch provoziert und doch immer wieder fasziniert. Doch die vielen Eindrücke aus den Tanzwerken von Kevin O'Day und Dominique Dumais, die mit Musikern, Lichtkünstlern und Kostümbildnern intensiv zu kooperieren wissen, bilden noch nicht das Ganze.

Für die Schreibende vervollständigen auch die Gespräche mit den Künstlern das Gesamtbild einer Kompanie. Etwa das Interview mit Luis Eduardo Sayago, der seine Tänzerlaufbahn im vergangenen Jahr beendete, um sich neue berufliche Ziele zu stecken. Begeistert hat er von seinen starken Rollen aus Kevin O'Days Shakespeare-Stücken erzählt, dem Mercutio in "Romeo und Julia" (2011) oder der Figur des Jago aus "Othello" (2013). Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat ihm die auf Selbstständigkeit zielende Arbeitsweise O'Days gegeben. Und der Arbeit an "Woolf" (2009), "Rilke" (2012) oder "Pure" (2014) von Dumais verdankt er sein vertieftes Wissen über das Wesen der Bewegung.
Hinter den beiden Choreographen O'Day und Dumais lassen sich großzügige und an der tanzenden Persönlichkeit interessierte Vermittler und Bewegungsforscher erahnen. Ihr Ensemble leiten sie mit Tänzern und Tänzerinnen, die in ihren Werken als individuelle Solisten erscheinen. Bald sind sie die eigenwilligen Charaktere aus der Geschichte über die Malerkünstlerin "Frida Kahlo" (2010), bald die schillernd wankelmütigen Leinwandfiguren in "Film Noir" (2010). Nicht minder stark stellen die abstrakten Werke des Choreographen-Duos jene solistischen Qualitäten des Ensembles heraus: Etwa in "Pure" (2014), wenn die Tänzer im Halbrund stehen und einer nach der anderen im eigenen Stil sich dem spanisch anmutenden Rhythmus verschreibt.

Zur Erinnerung an all das versammelt ein Band mit dem Titel "Farewell! Kevin O'Day Ballett" vor allem Fotografien von den Choreographen, Tänzern, Musikern, Komponisten, Licht-Designern und Bühnenbildnern. Kombiniert mit Texten und Aussprüchen aller am Schaffen Beteiligten rundet sich das Bild. Was aber darin unweigerlich fehlen muss, weil kein Buch davon erzählen kann, ist uns noch im Ohr: der tosende Applaus des Mannheimer Publikums.“


 

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FAREWELL! Premiere 06.02.2016
Abschiedsgruß von Kevin O’Day
und Dominique Dumais
Tracing Isadora / We will ... /
Chansons / I’m with the band

FAREWELL! Premiere 06.02.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FAREWELL! Premiere 06.02.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FAREWELL! Premiere 06.02.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FAREWELL! Premiere 06.02.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FAREWELL! Premiere 06.02.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FAREWELL! Premiere 06.02.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Choreografie (Tracing Isadora): Dominique Dumais
Musikalische Leitung (Tracing Isadora): Joseph Trafton
Bühne, Kostüme und Video (Tracing Isadora): Tatyana van Walsum       
Licht (Tracing Isadora): Bonnie Beecher
Choreografie (We will ...): Kevin O’Day
Licht (We will ...): Bonnie Beecher
Kostüme (We will ...): Angelo Alberto
Choreografie (Chansons): Dominique Dumais
Sound Design und Mixing (Chansons): DJ Mahmut
Ausstattung (Chansons): Jean-Marc Puissant
Licht (Chansons): Bonie Beecher
Choreografie (I'm with the band): Kevin O’Day
Musik (I'm with the band): John King
Ausstattung (I'm with the band): Thomas Mika
Licht (I'm with the the band): Mark Stanley

Am 6. Februar kam Farewell! vor ausverkauftem Haus und mit langem Applaus zur Premiere.
 
Nicht nur das Publikum, auch die Presse zeigt sich begeistert und würdigt insbesondere die Darsteller. So schreibt Ralf-Carl Langhals im Mannheimer Morgen: „Das Solo von Zoulfia Choniiazowa ist berührender und wirkmächtiger als Mahlers Seelenmusik. (…) weil diese tragende Solistin Dumais‘, Duncans und Mahlers Gefühlstiefe verstanden hat und zu Bewegung werden lässt.“
 
Über das leise Duett „We will…“, für das uns auch aus dem Publikum viele Komplimente erreicht haben, schreibt Isabel von Neumann-Cosel in der Rhein-Neckar-Zeitung: „Hier, beim Choreographieren von zutiefst menschlichen Gefühlen, ist Kevin O’Day vielleicht in seinem besten Element.“

Für Die Rheinpfalz bringt Antje Landmann ihre Begeisterung auf den Punkt: „Mehr davon! Wir haben uns noch nicht sattgesehen.“ Und für die Stuttgarter Zeitung resümierte Petra Mosbacher-Dix: „Für Kritiker vereinen O’Day und Dumais in idealer Weise mehrere Tanzwelten, harte und weiche Linien, Abstraktion und Narration. (….) Jenseits aller Geschmackssachen zeigt indes „Farewell!“, wie viel künstlerisches Potenzial Mannheim verlassen wird.“

Im Online-Fachmagazin tanznetz.de lobt der Tänzer und Choreograf Günter Pick in seinem Blog den Individualismus und die Vielseitigkeit der Tänzer: „Jeder der Tänzer ist wie im Schauspiel ein unverwechselbares Individuum (….). die Company sah so aus, als fühle sie sich in diesem Bewegungsidiom, der Mutter allen modernen Tanzes, wohl.“
 
 
Der BILDBAND FAREWELL! ist eine Hommage an die Solistinnen und Solisten des Kevin O’Day Ballett NTM und an die Theaterfotografen Hans Jörg Michel und Christian Kleiner. Beide stehen für eine außergewöhnlich intensive Theaterfotografie, die der räumlichen Komposition wie den Emotionen gleichermaßen gerecht wird.
 
Hans Jörg Michel ist seit vielen Jahren einer der profiliertesten Theaterfotografen in Deutschland. Er arbeitet neben seiner Tätigkeit als Hausfotograf am Nationaltheater auch als freier Fotograf für das Schauspielhaus Düsseldorf, die Staatsoper Hamburg, das Opernhaus Zürich und viele andere. Christian Kleiner ist seit 2008 sein Mitarbeiter und hat zahlreiche Ballette im Probenprozess und auf der Bühne dokumentiert.
 
Jeder der Darsteller des Ensembles wird in mehreren Fotos von der Bühne oder aus Proben gewürdigt und kommt in einem kurzen Text selbst zu Wort. Auch Musiker und Komponisten, Bühnen- und Kostümbildner, sowie Lichtdesigner geben Einblicke in ihre Zusammenarbeit mit dem Kevin O’Day-Ballett.
 
Der Bildband Farewell! erscheint im Waldkirch-Verlag und ist im Nationaltheater und im Buchhandel für 10,- EUR erhältlich. Er erscheint anstelle eines Programmhefts zur gleichnamigen Ballettpremiere. Gleichzeitig gibt es seit der Preview das T-Shirt zur Farewell!


INTERVIEW MIT KEVIN O’DAY –
ein Gespräch mit Ralf-Carl Langhals
Mannheimer Morgen, 06.02.2016 im Originalton


Am heutigen Samstag steht im Opernhaus eine ungewöhnliche Premiere an. Kevin O'Day und Dominique Dumais zeigen mit "Farewell!" einen neuaufgelegten Zusammenschnitt existierender Choreographien, die für Mannheim entstanden. Zeit für ein Gespräch über 14 Jahre am Nationaltheater...

Mister O'Day, in Ankündigungen zu "Farewell!" vermeiden Sie tunlichst den Begriff "Best of". Was ist die Intention des vierteiligen Abends mit Ausschnitten verschiedener Produktionen?
Kevin O'Day: "Best of", das ist genau der richtige Begriff und passt gut zu unserem Verständnis einer sich immer weiter entwickelnden Live-Kunst. Und in der Tat geht es bei "Farewell!" darum, genau dies mit frischen Impulsen und immer wieder aufs Neue zu feiern. Und uns bei unserem Publikum noch einmal in einem sorgfältig zusammengestellten Programm zu bedanken. Es geht um unsere Geschichte hier, um Erfahrungen aus der Vergangenheit und darum, wo wir heute stehen.

Wie kamen Sie zu der Auswahl für "Farewell!"?
Kevin O'Day: Es war eine sehr schwere Auswahl und wir haben so vieles dabei berücksichtigt: Die verschiedenen Genres, in denen wir gearbeitet haben, und die verschiedenen Musikstile. Und wir wollten das Orchester unbedingt dabei haben, denn mit ihm haben wir viele interessante Projekte verwirklichen können. Dasselbe gilt für die Freie Musikszene, mit der wir und auch John King eng verbunden sind. Es ging uns darum, die einzelnen Solistinnen und Solisten des Ensembles herauszustellen - und nicht zuletzt mussten wir technische Gegebenheiten berücksichtigen.

Zuletzt kehrten Sie mit "Alpha - Omega" musikalisch und ästhetisch wieder zu Ihren Anfängen zurück, die sich hier anfangs nur schwer durchsetzten. Wie kam es zu den publikumsfreundlicheren Handlungsballetten?
Kevin O'Day: Ich wollte die Sparte erhalten. Nur ein Teil meiner Absichten für Mannheim sind einer bestimmten Ästhetik verpflichtet. Es gibt auch künstlerische Ideale, die flexibel sind und die sich anderen Themen öffnen können. So konnten wir ganz andere Zuschauer erreichen.

Sie setzen aber dazu wieder Kontraste. Zwischendurch tanzten sie in "Full bloom" und "Vier Jahreszeiten" mit reiferen Kollegen auch wieder selbst, wie kam es dazu?
Kevin O'Day: Das war anfangs eher eine kapriziöse Idee, die aus Kanada an mich herangetragen wurde und für die sich auch Luches Huddleston Jr. und Robert Glumbek schnell begeisterten. Aus dem großen Zuspruch für diese Produktionen entwickelte sich die Idee, hier eine Art Senior Dance Company oder auch ein altersübergreifendes Ensemble zu entwickeln, etwa über unser Freie-Szene-Projekt "Freiraum" oder im Verbund mit der "Tanzszene BW".

Warum hier?
Kevin O'Day: Weil Baden-Württemberg und besonders unsere Region auch ungeheuer tanzstark ist, auch was die Präsenz freier Tänzer angeht. Es gibt hier ein hohes Tanzpotenzial. Das hätte ich gerne weiterentwickelt. Aber dazu wird es jetzt leider nicht mehr kommen.

Gehen Sie im Zorn?
Kevin O'Day: Nein, das nicht, aber mit Bedauern. Politik und Kulturverantwortliche schauen auf Geld, Zahlen, kalkulierbare Arbeitsverträge, Unkosten ... das ist völlig in Ordnung. Das Problem ist eine permanente Rechtfertigungspflicht, für jeden Betrag, jede Zuschauerzahl. Was man völlig außer acht lässt, ist das, was darüber hinaus entsteht, für das Nationaltheater, für Mannheim und die Region - und ebenfalls sehr wichtig ist: die Verknüpfung von Freier Szene und Stadttheater, ein generell gesteigertes Tanzinteresse, ein internationales Renommee ... All das lässt sich nicht gleich in Zahlen ausdrücken.

Sie misstrauen dem deutschen Stadttheatersystem?
Kevin O'Day: Das nicht. Ich habe seine Vorteile kennen- und schätzengelernt. Dass ich ein Tanzlabor mit Ruhe und Kontinuität aufbauen konnte, ist ein Vorteil dieses Systems. Was ich aber nicht verstehe: Wenn man die Rechenschaftspflicht ernst nimmt, kann es doch eigentlich nicht sein, dass man die Ergebnisse solch kontinuierlicher Arbeiten mit Intendanzende einfach fallenlässt und wieder bei Null anfängt, also nicht nur in Mannheim, sondern generell.

Wie meinen Sie das?
Kevin O'Day: In anderen Ländern zeigt man entstandene Arbeiten dann in anderen Städten, kooperiert national mit lokal entstandenen Strukturen. In Deutschland ist das nicht so, dort wird eine bestehende Truppe komplett aufgelöst, das Repertoire, Bühnenbilder etc. einfach gelöscht und vernichtet. Für mich ist das gleichbedeutend mit Steuergeldverbrennung - hierüber wird aber keine Rechenschaft von der Politik abgelegt, die sonst jeden Parkschein nachgewiesen haben will.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Stadt?
Kevin O'Day: Wir haben in Beziehung zur Stadt gearbeitet, haben unsere Aktivitäten strukturell in Mannheim eingebunden, Ressourcen genutzt und Verknüpfungen hergestellt. Die Vision von Oberbürgermeister Kurz, einen internationalen Boden zu schaffen, habe ich sehr ernst genommen. Ich fühlte mich verantwortlich, für die Compagnie, die Kollegen am Haus, das Nationaltheater an sich - und auch für die Menschen, die kamen, um uns tanzen zu sehen. Das war entscheidend für mich und ein großer Teil meines und Dominique Dumais' Ziels hier. Meine Arbeit hier ist längst nicht fertig.

Und darüber hinaus?
Kevin O'Day: Sind wir Mannheimer geworden.

Zur Person Kevin O’Day
Am 8. Juli 1962 in Phoenix, Arizona, geboren, begann Kevin O'Day seine Ausbildung 1980 an der Joffrey Ballet School in New York. Bis 1991 war er Solist im American Ballet Theatre.
Nach einem Jahr beim Ballett Frankfurt tanzte er 1992 bis 1995 in Mikhail Baryshnikovs White Oak Dance Project und war ständiger Gast beim New York City Ballet. 1998 gründete er mit Komponist John King sein Ensemble: O'Day Dances.
Seit 2002/2003 ist er Direktor des Nationaltheater Balletts, heute "Kevin O'Day Ballett NTM". Seit 2013 ist er dessen Intendant. Ende der Spielzeit 2015/16 wird er das Theater verlassen und das Ensemble aufgelöst.
Zur Premiere erscheint unter dem Titel "Farewell!" ein Erinnerungsbildband des Kevin O'Day Balletts mit Fotos Hans Jörg Michel und Christian Kleiner im Waldkirch-Verlag.


 

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Begegnung vom 16.12.2015
mit dem KEVIN O’DAY BALLETT NTM

Dass die letzte Begegnung mit dem Kevin O’Day Ballett eine emotionale werden würde, war zu erwarten – wie ergreifend sie tatsächlich wurde, beweist, welchen Rang diese Company in Mannheim besitzt. Denn unserer Einladung ins Tanzhaus Käfertal waren viele Freunde und Gäste gefolgt, die ihr geliebtes Ballett noch ein letztes Mal in dieser sehr privaten Atmosphäre erleben wollten. Da standen die 14 Tänzer in einer langen Reihe vor uns – es waren sehr ergreifende Momente - und entführten uns in altbekannte Stücke wie „Chansons“, „I’m with the Band“, „Isadora“ und vielen weiteren bekannten Werken der letzten Jahre.
Kevin O’Day und Dominique Dumais stellten dann die einzelnen Tänzer zusammen mit der Ballettmanagerin Eva Wagner vor. Fünf neue Tänzer gehören seit dieser Spielzeit zum Team. Kevin erläuterte seine Idee, Entwicklung und Arbeit zu „Farewell“. Mit diesem Abschiedsstück für Mannheim möchte er noch einmal die Vielfalt seiner Arbeiten in den letzten Jahren an einem Abend auf die Bühne bringen. Dominique zeigte einen Ausschnitt aus der Probenarbeit. Dem Publikum wurde schnell klar, wie viel Detailarbeit in jeder einzelnen Szene steckt. Die Tänzer, die mit der letzten Spielzeit ausgeschieden sind, arbeiten nun mit bei der Einarbeitung der alten Stücke für die neuen Tänzer. Wir dürfen gespannt sein auf das große Abschiedswerk, dass am 7. Februar Premiere im Opernhaus feiert.

Aus den Reihen des Publikums kamen anerkennende Worte für Kevin, Dominique und das gesamte Team. Das Ballett-treue Publikum ist dankbar, noch einmal eine Vielzahl der Repertoire-Stücke des Balletts in dieser Spielzeit zu erleben, bevor dann alles endgültig abgespielt ist. Auf die Frage, wie viele Tänzer in Mannheim bleiben, hörten wir, dass nur 3 Tänzer von Stefan Thoss, dem Ballettchef ab 2016/17 übernommen werden.
Direkt zu Anfang der Begegnung verletzte sich einer der neuen Tänzer, zum Glück saß der Physiotherapeut des Teams im Zuschauerraum und konnte helfen. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass er doch noch in die Ambulanz gefahren wurde.

Prof. Weizel wies in seinen Dankesworten darauf hin, dass Kevin O‘Day fast 15 Jahre das Bild des Balletts in Mannheim geprägt hat, über einen guten Rückhalt im Publikum verfügt und viele Freunde in der Stadt zurücklässt. Zum Abschluss gab es viele Gespräche mit den Tänzern und den sehr zahlreich erschienenen Freunden und Gästen bei einem kleinen Imbiss.

So war es ein Beginn des Abschiedsnehmens bei der Begegnung mit den Freunden. Viele „feuchte Augen“ standen unter uns. Ein herzliches Dankeschön an Kevin O’Day, Dominique Dumais und ihr großartiges Team für viele großartige Vorstellungen!


 

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ALPHA – OMEGA (UA), Premiere 06.11.2015
Ballett von Kevin O’Day
Choreografie: Kevin O’Day

ALPHA – OMEGA (UA), Premiere 06.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
ALPHA – OMEGA (UA), Premiere 06.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
ALPHA – OMEGA (UA), Premiere 06.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
ALPHA – OMEGA (UA), Premiere 06.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
ALPHA – OMEGA (UA), Premiere 06.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
ALPHA – OMEGA (UA), Premiere 06.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel

Musik : Auftragskomposition: John King
Ausstattung: Thomas Mike
Licht: Mark Stanley
Fotoarbeiten: Peter Schlör

Vieregg Blog 9.11.15

„In satter Ausleuchtung ohne Aufdringlichkeit bekommt alles eine hohe Brillianz. Die Fotomotive von Peter Schlör in Videoprojektion geraten so dominant in den Fokus des Zuschauers und bilden Kulisse für das Tanzgeschehen.“
„Die Zuschauer erwartet eine riesige Bühne mit Tiefe, Helligkeit wie bei Vollmond und ein bühnenbreiter Brunnen.“
„Ein wirklich großartiges letztes Stück des Kevin O’Day Balletts, überzeugend, ästhetisch, spannend, mit fesselnder Musik in einem ungewöhnlichen Bühnenbild. Absolute Begeisterung bei den Premierengästen.“

Rhein-Neckar-Zeitung, 9.11.15
„[…] zwei golden gewandete Tänzerinnen wiegen sich scheinbar mühe- und endlos. Eine der beiden ist Zoulfia Choniiazowa, […] die […] an diesem Abend eine Portion Extra-Energie auf die Bühne bringt.“
„Der Beifall am Ende galt mehr als nur diesem Theaterabend – er galt einem Ballettchef, der in Mannheim tatsächlich heimisch geworden ist.“
„John King […] mixte für das Stück beherzt Vergangenheit und Zukunft.“

Die Rheinpfalz, 9.11.15
„Die Bewegungen sind fließend, erkundend, grenzüberschreitend, überraschend. Die 13 Tänzer wirken wie eine starke Gemeinschaft, werden bisweilen scheinbar zu einem Körper. Und doch sind sie stets auch Individuen, die nicht zu bändigen sein wollen[…]“
„ein Erlebnis für alle Sinne“
„[…] eine würdige Abschiedsarbeit, die einen Aufbruch zu Neuem verspricht.“
„Die Tänzer wirken befreit, zuversichtlich, planschen verspielt im Wasserbassin. Es wird nass in der ersten Reihe, es wird gelöst gelacht, begeistert applaudiert. Ein Abschied muss nicht traurig sein.“
„magisch“
„betörende Musik“

Mannheimer Morgen, 9.11.15
„wahrlich fulminantes Abschiedsgeschenk“
„Man kann hier nach den Sternen greifen, da die […] Premiere nicht nur handwerkliches Können und dramaturgische Intelligenz unter Beweis stellt - allein schon das wäre Anlass zur Zufriedenheit-, nein, der Abend besitzt darüber hinaus noch Seele, die höchste Tugend des Tanzes.“
 „bis ins kleinste Detail durchdacht und durchdrungen“
„Und immer gibt es neue Verquickungen und innere Stimmigkeiten zu entdecken, was den Mehrfachbesuch des Abends empfiehlst.“
„von Anke-Christine Kober exzellent vorbereiteten Chor“
„Hier zeigt O’Day seine atemberaubenden Bilder.“
„tänzerisch höchst anspruchsvoll“

Rhein Neckar Blog, 9.11.15
„ein großartiges Tanzstück“
„Choreograph Kevin O’Day läuft mitten durch das Spektakel hindurch, als sei er ein ganz gewöhnlicher Besucher.“
„Tänzer, Kinderchor, Bühnenbild, Streichquartett, Lichtdesign und vieles mehr bilden ein stimmiges Gesamtbild.“
„Bereits das Happening im Foyer […] verspricht Großes. Kevin O’Days neues Stück wird den hohen Erwartungen an diesem Abend mehr als gerecht.“

Stuttgarter Zeitung, 10.11.15
„Kevin O’Day […] ist bekannt für seine intellektuell ausgeklügelten, zugleich sehr sinnlichen Produktionen.“
„ästhetisch-abstrakten Reflexion über Anfang und Ende“
„Im extrem dynamischen, rhythmusfixierten Zusammenspiel der dreizehn Tänzerinnen und Tänzer mit dem Kinderchor des Nationaltheaters und dem auf vier Musiker reduzierten Streichorchester entstehen und zerfallen in oft rasantem Tempo neue Bilder und Eindrücke.“
„Tanz in perfekt komponierter, harmonischer Logik.“

Darmstädter Echo 11.11.15
„Liebliche Stimmen begegnen dem bisweilen schroffen Klang von Cello, Bratsche und Violine. Elektronisch verfremdet, entsteht immer wieder ein maschinell rumpelnder Nachhall der Musik. Im Zusammenklang mit dem Chor, dessen Stimmen sich ätherisch auftürmen, findet aber auch das Quartett zu geschmeidigem Spiel. Der Höhepunkt sind zwei Soli von Antonia Schuchardt, die mit betörendem Soul in der Stimme den Kosmos in Koloraturen leuchten lässt.“
„ein Weihefest des Tanzes“
„Eliots Mystizismus und O’Days Wehmut vereinigen sich feierlich im Pathos. Die Mannheimer Compagnie kann so etwas zeigen, ohne dass es sentimental verklebt.“

Frankfurter Rundschau, 13.11.15
„[…] geradezu zwanglos teil sich von dort das Ensemble auf, driftet in Duos und Soli, strömt wieder auf die Bühne in einem organische anmutenden Fluss Es geht um Impression. Die Bewegung ist stetig, weich, hat kaum Ecken. Und im Verbund mit der Musik schafft sie ein melancholisches, zart dunkles Stück, das vom zeitunterworfenen Menschen berichtet.“
„Als schwebendes Geflecht aus einzeltönen sind die Kinderstimmen überwiegend eingesetzt, aber wie die Tänzer finden auch sie sich immer wieder zusammen.“

Stuttgarter Nachrichten, 16.11.15
„In goldenen Roben geben Zoulfia Choniiazowa und Julia Headley dem Zauber jeden Anfangs Form.“
„[…] dramaturgisch klug konzipiert und von dieser Offenheit, mit der Kevin O’Day von Beginn an die Neugierde seines Publikums heiß zu halten wusste.“
„jenseitig schönem Gesang“
„Der Applaus des Mannheimer Publikums lässt keinen Zweifel: Es wird Kevin O’Day vermissen“

Tanznetz.de, 16.11.15
„Das hört sich mal ätherisch an, wenn die Kinderstimmen chromatische Töne oder simple Akkorde halten, programmatisch, wenn schlichte, von Eliot inspirierte Texte gesungen werden, oder unterhaltsam, wenn eine jugendliche Solistin ohne Fehl und Tadel Ausflüge in die Welt von Gospel und Spiritual unternimmt.“

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