Pressestimmen Oper Spielzeit 2014/2015


SCHLOSS IN FLAMMEN
Festliche Operngala
im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses, 19.07.2015
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier

SCHLOSS IN FLAMMEN, 19.07.2015, ©Foto: Markus Prosswitz
SCHLOSS IN FLAMMEN, 19.07.2015, ©Foto: Markus Prosswitz
SCHLOSS IN FLAMMEN, 19.07.2015, ©Foto: Markus Prosswitz
SCHLOSS IN FLAMMEN, 19.07.2015, ©Foto: Markus Prosswitz

Moderation: Christian (Chako) Habekost
Feuerwerk: Renzo Cargnelutti

„Der Mann heißt Joachim Goltz, träumt schon (fast) sein Leben lang davon, im Ensemble des Nationaltheaters zu singen, tut es nun auch und dies extrem gut […]. Vor allem aber kann er seinen Bariton wendig, farbenfroh und mit einer ordentlichen Prise Humor durch die Strauß'schen Noten navigieren - kein Auge bleibt trocken. […]
Noch weniger macht man falsch, wenn man an diesem illustren Ort im Ehrenhof des kurfürstlichen Schlosses die Moderation "dem Chako" überträgt […].
Noch mehrmals flattert die "Fledermaus" vorbei: Mezzo Heike Wessels tritt als Prinz Orlofsky mit "Ich lade gern mir Gäste ein" ins Rampenlicht, Koloratursoubrette Vera-Lotte Böcker spottet "Mein Herr Marquis" und Astrid Kessler brilliert mit dem Csárdás "Klänge der Heimat". […]
Tenorissimo Martin Muehle singt mit unwiderstehlichem Schmelz "Treu sein, das liegt mir nicht" aus "Eine Nacht in Venedig" und eben Bariton und Berufsmannheimer Goltz. Bariton Raymond Ayers überreicht wohlklingend "Dunkelrote Rosen" aus Carl Millöckers "Gasparone" […].
Keine einzelnen Glanzpunkte, sondern ein Hochplateau großer Stimmen ist die Operngala […].
Die Szene der mordlüsternen Lady "La luce langue" aus Verdis "Macbeth" beweist, wie prächtig Heike Wessels der Wechsel ins hochdramatische Sopranfach gelungen ist. Nach dem instrumentalen Intermezzo aus Mascagnis "Cavalleria rusticana" zwei weitere Vokal-Juwelen. Astrid Kessler gestaltet die eminent schwierige Arie "Ebben ne andro lontano" aus "La Wally" mit schönen Piano-Effekten, und Martin Muehle lässt zumindest die Frauenherzen mit der neapolitanischen Kanzone "Core'ngrato" dahinschmelzen. […]
Absoluter Höhepunkt und so unvermeidlich wie die "Pomp and Circumstance"-Zugabe ist freilich das Feuerwerk Renzo Cargneluttis und Thomas Fischers. Es kracht, blitzt und donnert in allen erdenklichen Nuancen und Farben - Ahs und Ohs der 3000 glücklichen Besucher inklusive.“
(Mannheimer Morgen, 21. Juli 2015)

„Der Ehrenhof war jedenfalls beinahe bis zum letzten Platz besetzt; die Zuhörerzahl hätte schätzungsweise für wenigstens zwei volle Häuser im Nationaltheater genügt, und die Stimmung war prächtig. […]
Wie gewohnt erwies er sich auch diesmal als äußerst gewandter, origineller Entertainer. Einige seiner bizarren Aperçus waren ausgesprochen geistreich, wobei er großherzig Komplimente an alle Mitwirkenden verteilte und die Zuhörer unablässig zum Beifall ermunterte. […]
Den Aufführungen lässt sich durchweg ansehnlicher Standard bescheinigen. Unter der feurigen und eleganten Leitung des zum Ende der kommenden Spielzeit (wie auch Generalmusikdirektor Ettinger) scheidenden ersten Kapellmeisters Alois Seidlmeier spielte das Nationaltheater-Orchester konzentriert und mit intensivem Nachdruck.
Bei den sängerischen Beiträgen seien Sung Has musikalisch und stimmlich beeindruckende Interpretation von König Philipps Monolog aus Verdis „Don Carlos“, Vera-Lotte Böckers bravouröser Ziergesang (Arditti und Adele aus der „Fledermaus“), Martin Muehles prachtvolle Tenorstimme („Eine Nacht in Venedig“ und „Core ’ngrato“) und Raymon Ayers' eleganter Vortrag von Figaros Auftrittskavatine aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ besonders hervorgehoben. […]“
(Die Rheinpfalz, 21. Juli 2015)

„Die Operette gilt als die kleine Schwester der Oper und wird musikalisch vollkommen zu Unrecht als „leichte Muse“ unterschätzt. Dabei ist gerade für dieses Fach und all seine Facetten höchstes Können erforderlich. Dazu noch das vielstimmige Orchester, das die Bühne in einen gigantischen Klangkörper verwandelte. All dies konnten die Besucher des Konzertes „Schloss in Flammen“ am Sonntagabend im Ehrenhof des Mannheimer Barockschlosses erleben. […]“ (Lampertheimer Zeitung, 21. Juli 2015)


 

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DER FERNE KLANG
Premiere B 12.07.2015

DER FERNE KLANG, ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG Premiere B 12.07.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG, ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG Premiere B 12.07.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG, ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG Premiere B 12.07.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel

„Das "alte Weib" war bei Marie-Belle Sandis in guten Händen, auch wenn ihr vielleicht eine Prise Dämonie fehlte. Andreas Hermann als Chevalier und Zweifelhaftes Individuum trumpfte mit schneidend-hellem Tenor auf. […]“ (Mannheimer Morgen, 14. Juli 2015)

„[Astrid Weber] eine Sängerin mit sonorem, obertonreichem, sicher ansprechendem Sopran, der sich hier auch gegen die Klanggewalt des Orchesters problemlos durchzusetzen vermochte. Für die zarten, introvertiert versunkenen Passagen ihrer Rolle hatte Weber feine Piano-Töne. […]
Ihr Rollendebüt gab Marie-Belle Sandis in der Partie der Kupplerin, die Grete zur Prostitution verführt. Sie tat es stimmlich überlegen, mit viel darstellerischem Nachdruck. Einwandfrei sang im zweiten Akt Andreas Hermann das Lied des Chevalier im venezianischen Etablissement. […] In diesem Bild ergänzte außerdem Ludovica Bello zuverlässig das Quartett der Amüsierdamen. […]“
(Die Rheinpfalz, 15. Juli 2015)


 

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Franz Schreker
DER FERNE KLANG Premiere A 10.07.2015
Musikalische Leitung: Dan Ettinger / Alois Seidlmeier
Inszenierung: Tatjana Gürbaca

DER FERNE KLANG, ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG Premiere A 10.07.2015  ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG, ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG Premiere A 10.07.2015  ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG, ©Foto: Hans Jörg Michel
DER FERNE KLANG Premiere A 10.07.2015  ©Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Marc Weeger
Kostüme: Silke Willrett
Licht: Christian Wurmbach
Video: Thilo David Heins
Dramaturgie: Merle Fahrholz
Chor: Anton Tremmel


Tatjana Gürbacas Raumdramaturgie und Personenführung ist atemberaubend intensiv, da stimmt jedes winzigste Detail. Für die Mannheimer Schreker-Produktion lohnt sich wirklich auch eine sehr weite Anreise. Dieser "Ferne Klang" ist schlicht Weltklasse! 

(Deutschlandfunk, 11. Juli 2015)

„Schrekers Phantasmagorie des „fernen Klangs“ läuft auf eine dialektische Unmöglichkeit hinaus: Geht es doch um nichts Geringeres als um die Projektion der sinnlichen Erscheinung des Ungreifbaren – eine paradoxe Situation für jeden Dirigenten und sein Orchester. In Mannheim ist Dan Ettinger diesem Dilemma nicht erlegen, sondern wahrt die Balance zwischen mitunter recht kräftig plastisch gestaltenreicher Vielschichtigkeit der stilistisch durchaus heterogenen Partitur und dem, zumal am Schluss, magischen Fluidum der Titel-Verheißung. Die Eigenheiten von Schrekers Musik kommen jedenfalls suggestiv zur Geltung. […]
Michael Baba singt die schwere Fritz-Partie mit kräftigem Tenor und relativ direkt. […] Cornelia Ptassek beeindruckt als Grete mit sehr variablem Spiel, aber auch intensiv geführtem Sopran. Ansonsten exzellierte das Mannheimer Ensemble, zumal ausschließlich in Rollendebüts. Das Nationaltheater hat sich mit mutigen Novitäten, auch Raritäten und musikalisch wie szenisch elaborierten Aufführungen vorzüglich positioniert.“ 
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juli 2015)

„ Ein Höhepunkt der Saison: Dan Ettinger dirigiert am Nationaltheater Mannheim die Premiere von Franz Schrekers Oper „Der ferne Klang“ mit gleißendem Klangsinn.“
 „Zumal es (das Stück „Der ferne Klang“) musikalisch den Hörer auf mitreißende Weise mitnimmt, von Akt zu Akt inspirierter und klanglich reicher wird, ein Geniewurf.“
„Der 2006 scheidende Generalmusikdirektor Dan Ettinger und das fabelhaft disponierte Orchester – die Holzbläser flirren, kreiseln und spannen süße Kantilenen auf, dass es eine Wonne ist.“
„Eine sinnliche, wunderbare singende Leseart, leuchtend, immer diszipliniert deutlich im Orchestersatz, zugleich den emotional rauschenden Aufschwung bedienend.“
„Alle der mehr als zwanzig Partien sind aus dem Ensemble besetzt – mal wieder eine starke Leistung des Nationaltheaters und seines Opernintendanten Klaus-Peter Kehr, dessen Spielplan einer der interessantesten im deutschen Südwesten bleibt.“
(Stuttgarter Zeitung, 14. Juli 2015)

„Michael Baba lässt mit expressivem, dramatischem Tenor den Drang des sich in innerer Unruhe nach der Erfüllung seiner Aufgabe verzehrenden Künstlers, mit dem allerdings seine rücksichtslose Exzentrik Hand in Hand geht, neben der intelligent und überzeugend agierenden Cornelia Ptassek lebendig werden. […]
[Tatjana Gürbacas] Inszenierung, in der nur wenige poppige Elemente der Szenerie gelegentlich aufgesetzt wirken, passt punktgenau in die musikalischen Strukturen. Die lassen Dan Ettinger und das flexibel agierende Orchester des Nationaltheaters Mannheim in furiosen, ungemein farbig ausschattierten Klangwelten lebendig werden, in denen Realität und Rausch sich begegnen, so dass auf der Mannheimer Bühne ein atmosphärisch dichtes, mitreißendes Gesamtkunstwerk entsteht.“ 
(Die Deutsche Bühne, 13. Juli 2015)


„Ettinger kostet mit einem phasenweise fulminant ja entfesselt aufspielenden Orchester jede Phrase dieser gleichermaßen überkomplexen wie süffig spätromantischen Musik aus. Er taucht den Pinsel ganz tief ein in den Eimer mit den strahlendsten Orchesterfarben. […] (Die Rheinpfalz, 13. Juli 2015)
„Herausragend aus dem Sängerensemble war Cornelia Ptassek, die eine hochintensive Grete gab, von ätherischem Pianogesang bis zu den glühenden Leidenschaften und großen Visionen faszinierend ausgesungen. Der Tenor Michael Baba stimmte große Hymnik an mit seinem warm klingenden Organ […]. Einen warmen balsamischen Bariton ließ Sebastian Pilgrim (Wirt, Rudolf) strömen, schmachtende Ariosi brachte Juhan Tralla gewitzt spielfreudig zum Tönen. Raymond Ayers, Bartosz Urbanowicz und Edna Prochnik, sowie viele weitere Mitwirkende, Chor und Extrachor des Nationaltheaters garantierten einen spannenden Opernabend.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 13. Juli 2015)

„ [Tatjana Gürbacas] entrümpelt die Bühne (Marc Weeger), macht ein (Traum-)Theater auf dem Theater und konzentriert sich auf (Freud'sche) Analyse in psychologischen Räumen. Und Personenführung. […]
Unter Ettinger schüttet das gigantisch besetzte NTO unendlich Farbe aus, der "schmutzige" (Ettinger) Klang gelingt erstklassig, transparent - und mitunter auch erregend. […]“. 
(Mannheimer Morgen, 13. Juli 2015)

Fazit: Herzliche Gratulation an die Opernleitung und alle Beteiligten für diese in jeder Beziehung so überaus gelungene, preisverdächtige Aufführung, die hoffentlich noch viele Reprisen erleben wird und einen ganz famosen Beitrag zur derzeit zu beobachtenden Schreker-Renaissance darstellt! Ein Extralob geht an die schon oft bewährte Tatjana Gürbaca, die in Zukunft hoffentlich öfters den Weg nach Mannheim finden wird.“ 
(Der Opernfreund, 13. Juli 2015)

Diese Premiere überzeugte mit ihrer außerordentlichen musikalischen Qualität, die sich in der herausragenden gesanglichen Leistung der Protagonisten und der ausgezeichneten (…) Orchesterbegleitung zeigte. […]“ 
(bachtrack, 12. Juli 2015)

„Fast scheint es, dass man in dieser Morgenstimmung die glühenden Wangen Gretes sehen kann, so feinsinnig spielt Cornelia Ptassek […].
„Im zweiten Akt herrscht das komponierte Chaos“, sagte Generalmusikdirektor Dan Ettinger in einem Gespräch im Programmheft. Aber das Chaos war wohlgeordnet und es tönte und rauschte aus dem Orchestergraben. Wahre Klangwogen durchströmen den Raum, aber immer hat Ettinger am Pult die Kontrolle im Graben und auf der Bühne und er führt auch Michael Baba als Fritz zu einer exzellenten Leistung. […]
[Tatjana Gürbaca] meisterte die Herausforderung, eine ehemals erfolgreiche, dann lange Jahre in Vergessenheit geratene Oper aus der Zeit der Jahrhundertwende modern und zeitgemäß auf die Bühne zu bringen und zu verdeutlichen, dass die Geschichte auch heute noch nichts von ihrer Aktualität verloren hat. […]“
(Schifferstadter Tagblatt, 14. Juli 2015)

„[Schrekers Musik] wird im Nationaltheater Mannheim unter der Leitung von GMD Dan Ettinger exzellent und opulent serviert. Intensive Klangsinnlichkeit, genaues Hineinhören in die farbenreiche und punktuell psychologisierende Instrumentierung sowie passgenaue Dynamik sind wirkliche Pluspunkte. […]
Die stilisiert karge Bühne von Marc Weeger und die passenden Kostüme von Silke Willrett fokussieren den Blick auf die feine Figurenzeichnung. Die Videoeinspielungen – unter anderem von einer zarten jungen Liebe auf dem Blumenfeld – hat Thilo David Heins nicht konträr, sondern akkumulierend eingesetzt. Richtig gut. […]“
(Opernnetz.de, 15. Juli 2015)

„Für die hohe musikalische Qualität des Opernabends sorgten vor allem das Orchester des Nationaltheaters Mannheim unter der Leitung von Dan Ettinger, dem es immer wieder gelang, einen wahren Klangrausch zu erzeugen, und die Sopranistin Cornelia Ptassek als Grete. Sie schaffte es, ihre schwierige Rolle mit höchstmöglichem Einsatz stimmlich zu bewältigen und überzeugte auch schauspielerisch in jeder Szene. […]“
(Online Merker, 17. Juli 2015)

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Die Regisseurin Tatjana Gürbaca im Gespräch mit Stefan M. Dettlinger
Das Original-Interview im MM, 08.07.2015

Tatjana Gürbaca, ©Foto: Hans Jörg Michel
Tatjana Gürbaca, ©Foto: Hans Jörg Michel

„Eigentlich, so sagt sie gleich zu Beginn, könne man bei diesem Wetter ja nur ins Wasser springen. Tatjana Gürbaca, 41, ganz in Schwarz, lächelt. Sie lächelt sogar viel, bedenkt man, dass sie genauso unter den knapp 40 Grad Celsius leidet wie alle anderen in diesem Backofen namens Mannheim. Dort arbeitet die Regisseurin des Jahres 2013 derzeit an Schrekers Oper "Der ferne Klang". Am Nationaltheater - nett und gut gelaunt entwickelt sich ein lockeres Gespräch.

Frau Gürbaca, Sie waren "Regisseurin des Jahres 2013". Ist das ein Fluch oder ein Segen, wenn Sie in ein Haus wie das Nationaltheater kommen und Regie führen?
Tatjana Gürbaca: Den Druck macht man sich ja immer selber. Gut, die Latte liegt noch ein Stück höher. Man freut sich natürlich über die Auszeichnung, aber man ist ja immer nur so gut wie das, was man gerade macht. Es geht immer weiter. Ich brenne für ein Stück oder für die Menschen, die das umsetzen. Dann macht es mir Spaß und ich gebe alles.

Nun haben Sie ein selten gespieltes Werk. "Die Zeit" nannte Ihre Regien einmal "gedankliche "Schnitzeljagden". Denken Sie bei unbekannten Werken: Da muss ich möglichst nah an der Vorlage bleiben?

Gürbaca: Ich habe nie das Gefühl, weit weg zu inszenieren. Ich bin auch niemand, der irgendwelche Gedanken von außen über das Werk drüberstülpt. Ich will zum Kern eines Stücks durchdringen. Und das Stück sollte sich dem Zuschauer auch immer ohne Programmheft erklären. Auch der, der ein Werk noch nicht kennt, soll die Chance haben, zu verstehen, was passiert.

Sie sind also immer werktreu . . .
Gürbaca: . . . ja, ich überlege mir nie, was könnte ich mit dieser "Bohème" anstellen? Die lass ich mal im Krankenhaus spielen. Ich frage mich vielmehr:
Was ist daran spezifisch? Hat das mit uns heute zu tun? Warum will ich das erzählen?

Es geht in der Oper um den Komponisten Fritz, der mit seiner Suche nach etwas Neuem scheitert. Eine Deutung ist ja: Das Kunstwerk kann nur im Scheitern seine aufs Künftige gerichtete Kraft entfalten. Spielt das bei Ihnen eine Rolle?

Gürbaca: Eine ganz wichtige! Es ist nicht nur die Geschichte von Fritz. Lustigerweise teilt ja Grete die Suche nach etwas, was außerhalb von ihr liegt, und hat diesen Willen, sich an etwas Unbekanntes wegzugeben. Das Werk erzählt auf wunderbare Weise, dass uns diese Eigenschaft zu eigen ist, dass wir uns Marken im Nichts setzen (lacht). Utopien, Visionen - die treiben uns voran.

Fritz verspricht sich Glück, Ruhm, künstlerische Meisterschaft und auch erotische Liebeserfüllung . . .

Gürbaca: . . . ja, das ist vor allem am Anfang so, da ist Fritz ein Homo Ökonomicus. Und Grete, um die die ersten zweieinhalb Akte kreisen, ist ganz anders. Sie hat Eros, sie gibt sich ganz diesem Fremden hin, sie opfert sich für Fritz, um zu ihm zu kommen. Sie fühlt, dass da noch was kommen wird, sie hört es im Rauschen der Bäume, sie hat eine Ahnung von einer anderen Sphäre. Beide werden von einer inneren Vision angetrieben.

Indem sie Dirne wird, begibt sie sich aber auch in Fremdherrschaft . . .

Gürbaca: Jein! Schreker holt Wagner auf den Erdboden. Der Anfang ist wie das Ende von "Walküre": Dort wartet die von Feuer eingeschlossene Brünnhilde auf den Geliebten, hier die von ihrer spießigen Familie eingeschlossene Grete. Ihr Leben als Kurtisane danach bedeutet für sie Befreiung. Überhaupt ist das eine Zukunftsgesellschaft. Jeder tut, was er will, regieren tut das Geld. Es herrscht die große Leichtigkeit, aber wie Brecht sagte: Aber etwas fehlt!

Wenn Sie sagen, Sie gehen vom Werk aus, dann behalten Sie doch sicherlich auch Zeit und Ort bei?

Gürbaca: (lacht) Das ist ja eine tricky Frage. Ähm, insofern nicht ganz, als für mich das innere Erleben der Figuren im Vordergrund steht. Also wir haben einen wandelbaren Ort, der den Zuschauer vielleicht erst mal aufs Glatteis führt, weil er vorgibt, etwas zu sein, dann aber mehr und mehr der Seelenraum Gretes wird. Dieser Seelenraum wandelt sich dann im dritten Akt nochmals zu einem Objekt, auf das man nur noch von außen gucken kann. Mehr verrate ich nicht.

Wie relevant ist das Werk von 1912 in unserer Zeit?
Gürbaca: Na ja, in dem Thema, dass wir Menschen Visionen brauchen und Dinge, die uns erfüllen. Wir sollten nicht meinen, dass wir diese Dinge in den schnellen Surrogaten finden können. Vermeintliche Freiheit, Ruhm und Geld - das genügt nicht.

Wenn es über das Materielle hinaus geht, dann könnte es in die metaphysische Richtung, in die politische , soziale oder moralische . . .
Gürbaca: Natürlich. Genau. Man kann das auch auf viele Ebenen übertragen. Das ist vielleicht auch nichts, was so im Privaten steckenbleiben muss. Wenn ich etwa auf Europa blicke jetzt gerade, dann würde ich mir auch eine Politik wünschen, die mehr von Visionen getragen ist und nicht nur von wirtschaftlich-pragmatischen Überlegungen. Aber im "Fernen Klang" sind diese Werte natürlich erst einmal Liebe und Kunst. Das will ich nicht ersetzen.“ (dms)


 

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JANICE DIXON AND THE BEAUTY OF TWO WORLDS
29.06.2015 im Opernhaus

„Die Jazzstandards singt sie nicht mit großer Opernstimme, wie die meisten ihrer Kolleginnen dies tun, sondern sie hat eine stillvolle Jazzstimme, und in diesem Genre war sie zu Hause. Da war sie locker und aufgeräumt, gab sie den Musicalsongs und Standards schönste vokale Rundung und warme Farbe. […]
Eine treffliche Begleitband hatte sie vereint mit Olaf Polziehn (Klavier), Mini Schulz (Kontrabass), und Meinhard Obi Jenne (Drums), die wunderbar harmonierten und mit Tempomodifikationen innerhalb der Songs schönstes Leben hineinbrachten. […]
Gefühle ließ Janice Dixon schweben in den Balladen, mit warmer Glut gesungen. Zu flott swingender, kräftig zündender Begleitung sang sie weitere Songs und dabei konnte schon mal große, erdige Bluesexpression ihrem Organ kraftvoll entströmen, und mit einer guten Portion Gospellust durchmischt aufröhren.“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 3. Juli 2015)

„Ein ungewöhnliches Wagnis, aber dann ein großer Abend! […]
Ja, es ist noch alles da, was wir an dieser Stimme so liebten: das substanzreiche Piano, das goldschimmernde Höhenregister, die weiten Legatobögen, der warme Volkston auch bei Schumann und Brahms. Hinreißend die von Dixon und dem kongenialen Ulrich Eisenlohr gestalteten Strauss-Lieder "Ruhe, meine Seele", "Morgen" und "Zueignung". […]
Mehr und mehr fühlten sich die Zuhörer in einen sehr angesagten, sehr teuren Jazz-Club mitten in Manhattan versetzt. Ein immer stärkerer Applaus-Tsunami nach jedem Solo, nach Dixons lockeren Moderationen - und eine Menge herrlicher Musik. Kurt Weills "September-Song" und "Somewhere Over The Rainbow" sind inniger, beseelter, herzzerreißender kaum vorstellbar. […]“ (Mannheimer Morgen, 1. Juli 2015)


 

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FOA : LE NOZZE DI FIGARO, 28.06.2015
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Gäste: Amanda Majeski, Roman Trekel, Erwin Schrott

LE NOZZE DI FIGARO, FOA 28.06.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel
LE NOZZE DI FIGARO, FOA 28.06.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel

„Nein, dies hat mit einem Festlichen Opernabend nichts mehr zu tun. Hier ist nicht der Opernabend festlich. Der Opernabend selbst wird zum Fest, zum Fest der Musik, zum Fest der Stimmen, was nun - zumal in Mannheim - dazu führen muss, dass die Menschen im Auditorium des Opernhauses am Goetheplatz am Ende Kopf stehen. […]
Tamara Banjesevic, die den Rang "vielversprechend" spätestens jetzt ablegt und sich für höhere Aufgaben empfiehlt. Eine quirlige, spritzige und witzige Susanna verkörpert sie, eine, die mit Kultur, Leichtigkeit, Seele und - natürlich - Sex-Appeal agiert und singt, aber in der duftend im Dreiertakt schwingenden Arie "Deh, vieni, von tardar" (als Gräfin verkleidet) unsere Herzen vor allem mit Einfachheit berührt. Schnörkellos, natürlich und gerade wie eine Kerze sind ihre unverdorbenen lyrischen Soprantöne, man könnte sagen: up to date, so, wie Mozart heute (entspannt historisch informiert) eben gemacht wird. […]
Es beginnt mit GMD Dan Ettingers Mozart-Klang, der intensiv ist, fein ausgelotet und echt musikantisch, aber eben rückwärtsgewandt groß und - an eine andere Ära erinnernd - sinfonisch üppig.
Und es endet bei den Gästen Trekel, Schrott und Majeski. Alle drei haben wirklich feine Stimmen. Vor allem Trekels Kavalierbariton passt gut zu Mozart und versprüht jenen edlen Schimmer Seriosität, den ein Graf Almaviva braucht. […]
Erwin Schrott. In der Titelpartie zieht er alle Register eines Spielbasses - vom Winseln über gepresstes Wüten bis hin zum frei herausgesungenen offenen Strahl, dem es an Obertönen besonders im Forte nicht mangelt. […]
Insgesamt ist aber auch das Team der Star: Marie-Belle Sandis (Marcellina), Sung-Heon Ha (Bartolo), Raphael Wittmer (Don Curzio), Magnus Piontek (Gärtner), Ji Yoon (Barbarina), Ludovica Bello (Cherubino), vor allem aber auch der immer wieder unschlagbar witzige und gut klingende Uwe Eikötter als Basilio machen den festlichen Opernabend zum wahren Fest.“
(Mannheimer Morgen, 30. Juni 2015)


 

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Trailer "Esame di mezzanotte" von Lucia Ronchetti (Musik) und Ermanno Cavazzoni (Text)



Franz Schubert
SCHWANENGESANG, Premiere 07.06.2015, Kulturhaus Käfertal
Szenische Aufführung
Musikalische Leitung Am Klavier: Phillipp Vandré
Inszenierung: Dorian Dreher

SCHWANENGESANG, Premiere 07.06.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel
SCHWANENGESANG, Premiere 07.06.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel
SCHWANENGESANG, Premiere 07.06.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel
SCHWANENGESANG, Premiere 07.06.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel

Bühne und Kostüme: Martin Kukulies
Dramaturgie: Elena Garcia-Fernandez / Dr. Dorothea Krimm
Mit Thomas Berau und Eva Desoi


 „Traum, Wirklichkeit und Wahn fließen zusammen, und in diesem Punkt ist die Regie schon nahe dran an Schuberts vormärzlichen Gefühlswelten, denen sich Thomas Berau stilistisch einwandfrei, präzise artikuliert und mit klarer Vorstellung von Struktur und Inhalt widmet. […]
Die sehr gelungene Ausstattung von Martin Kukulies unterstreicht den experimentellen Charakter der Veranstaltung: Schwarz ausgeschlagener Spielort, Scheinwerfer, Spiegel, Projektoren, Vorhänge, hinten eine Vitrine mit Gläsern: das Atelier des Fotografen-Künstlers erscheint als eine (Vor-)Hölle des Lebens.“ (Die Rheinpfalz, 9. Juni 2015)

„Ohne Zweifel eignet sich auch der "Schwanengesang" (…) zur szenischen Anreicherung. Zumal dann, wenn sie so sensibel und poetisch umgesetzt wird wie in Mannheim.
 [Die] Frau an seiner Seite verkörpert Eva Desoi in einer stummen Rolle mit vielen Facetten. (…) Die junge Frau (…) spielt diesen Part ausgezeichnet. In ihr spiegelt sich die Gefühlswelt dieses Wanderers zwischen Wähnen und Wirklichkeit, der am Ende seiner Reise ins Ich wieder am Ausgangspunkt anlangt; ihr Spiel auch mit den Waffen einer Frau hat beseelte Grundierung. […]
Sängerisch verfügt Thomas Berau über starke Ausdrucksmöglichkeiten und Farben (…). Die Stabilität seiner Stimme steht außer Frage, und ihm gelingt auch der Spagat von starker Darstellung zur kongruenten Liedgestaltung. […]“ (Mannheimer Morgen, 9. Juni 2015)

„Ruhig und unprätentiös, mit wenig Vibrato und unvergleichlich ausdrucksvoll bot Berau diese pastorale Szenerie dar, in der die Liebesbotschaft an die ferne Geliebte gesandt wird. […]
Mit seinen hochdramatischen Tremoli im Klavier und der Unruhe in der Stimmlinie, die Berau gesanglich und schauspielerisch hervorragend darstellte, wurde Aufenthalt, jenes Gedicht, das den Schmerz an den Naturgewalten verbildlicht, zum Sinnbild des Kontrollverlusts. […]
Die Wahrnehmung blieb bis zuletzt unzuverlässig zwischen Realität und Phantasie, unterstrichen von einer vieldeutigen, hochinteressanten Inszenierung, die von der dezenten Klavierbegleitung Vandrés und der hervorragenden gesanglichen und schauspielerischen Qualität Beraus lebte und getragen wurde.“
(bachtrack, 8. Juni 2015)

„Dreher verlässt sich in seiner Inszenierung ganz auf die drei Menschen, die für eine Stunde und 15 Minuten die nüchterne Bühne des Kulturhauses Käfertal in das Schlachtfeld einer entgleisenden Beziehung verwandeln. Philipp Vandré gibt vom Flügel an der Seite entscheidende musikalische Impulse.
Thomas Berau singt mit Ausdruck und Gestaltungskraft von Abschied, Schmerz, und Liebesleid. […]
Wie in "Blow Up" verschwimmt die Grenze zwischen dunklen Fantasien und Realität, ein gelungenes Finale.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 10. Juni 2015)

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Lucia Ronchetti (Musik) / Ermanno Cavazonni (Text)
ESAME DI MEZZANOTTE (UA), Premiere 29.05.2015
Musikalische Leitung: Johannes Kalitzke
Inszenierung, Bühne, Kostüme, Video- und Lichtkonzeption: Achim Freyer

DI MEZZANOTTE (UA), Premiere 29.05.2015, ©Foto: Christian Kleiner
DI MEZZANOTTE (UA), Premiere 29.05.2015, ©Foto: Christian Kleiner
DI MEZZANOTTE (UA), Premiere 29.05.2015, ©Foto: Christian Kleiner
DI MEZZANOTTE (UA), Premiere 29.05.2015, ©Foto: Christian Kleiner
DI MEZZANOTTE (UA), Premiere 29.05.2015, ©Foto: Christian Kleiner
DI MEZZANOTTE (UA), Premiere 29.05.2015, ©Foto: Christian Kleiner

Mitarbeit Regie: Jakob Matthias Seidl
Mitarbeit Bühne und Kostüme: Moritz Nitsche
Licht: Sebastian Alphons
Video: Benjamin Jantzen / Thilo David Heins
Dramaturgie: Elena Garcia-Fernandez
Chor: Anton Tremmel / Francesco Damiani
Kinderchor: Anke-Christine Kober


„Esame di mezzanotte ist ein Theater der Klänge, Farben und Bilder – eine richtige Oper, deren einzelne Szenen fast wie Nummern mit einem je eigenen Tonfall, der in einer charakteristischen Instrumentalbesetzung oder Gesangsdeklamation bestehen kann, klar gegeneinander abgesetzt sind. […]
Mannheim hat in den letzten Jahren mit mehreren spektakulären Uraufführungen einen Wagemut bewiesen, der so manches größere, renommierte Opernhaus auf die Plätze verweist.“
(Stuttgarter Zeitung, 2. Juni 2015)

„Obwohl das Werk Chor, Stimmen und Vokalensemble vorschreibt, zudem ein Orchester mit umfangreichem Schlagwerk und Klavier, verzichtet Ronchetti auf Bombast. Vielfach entwirft sie reduzierte Klanginstallationen, was unter der Leitung von Johannes Kalitzke von allen Beteiligten überaus feinsinnig verlebendigt wurde. […]“
(Neue Zürcher Zeitung, 3. Juni 2015)

„Hervorzuheben sind neben dem Countertenor Matthew Shaw als Giro der profunde Bass Magnus Piontek als Rasorio, die klangschön alle Klippen der Partitur meisternde Sopranistin Vera-Lotte Böcker als Iris und der spielerisch wie sängerisch agile Philipp Alexander Mehr als aberwitzige Griechisch-Lehrerin. […]“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Juni 2015)

 „Chor und Orchester des Nationaltheaters haben sich unter der Leitung von Johannes Kalitzke großartig auf die Musik der am Ende gefeierten Komponistin eingestellt und bereichern die Uraufführung mit ihrer längst erfreulich hohen Expertise für Gegenwartsmusik.“
(Wiesbadener Kurier, 1. Juni 2015)

„Lucia Ronchettis Vertonung ist selbst ein Gebilde wie eine Bibliothek, ein mehrdimensionaler und geradezu enzyklopädischer Ereignisraum aus Zitaten, Formen und Verweisen, mit dicht gewirkten Teppichen, dramatischen Drohgebärden, gebrochenen Pathosgesten und perkussiv strukturierten Flächen. […]
Dem Sängerensemble und den Musikern wird in gesangs- und spieltechnischer Hinsicht allerlei abverlangt, und was man in Mannheim zu hören bekommt, ist von außerordentlicher Prägnanz und Qualität. Große Oper. […]“
(Frankfurter Rundschau, 1. Juni 2015)

„Auch diese Ronchetti-Partitur entwickelt mal wieder ordentlich theatrale Zündkraft. Der Name der Komponistin steht für Klänge, die an sich schon Theater sind! Und dafür wird sie in Deutschland geschätzt. […]
Die Handlung bebildert Freyer äußerst phantasievoll, das kann man gar nicht anders  sagen. Sogar märchenhaft. Überall zündet eine Idee. […]
Lucia Ronchettis erste große Partitur [bleibt] erstaunlich transparent. Sehr leicht. Ein flüchtiger Traum eben! Aber ein absolut abwechslungsreicher Traum, der zweieinhalb Stunden nicht an Spannung verliert! […]“
(Die Deutsche Bühne, 1. Juni 2015)
 
„Eine höchst aufwändige Produktion leistet sich hier das Nationaltheater, doch der permanent parlierende Text und die ausdifferenzierte Musik lohnen die Anstrengung, zumal mit Johannes Kalitzke ein Spezialist am Pult steht, der Um- und Übersicht bewahrt und mit verschieden platzierten Chören, Orchester und Instrumentalsolisten präzise umgeht. Auch darstellerisch wird den Protagonisten allerhand abverlangt. Da gefallen neben erwähntem Matthew Shaw vor allem auch Bassist Magnus Piontek als Bibliotheksdirektor in Zirkuschef-Montur, sowie Christoph Wittmann, Reuben Willcox, Ziad Nehme, Vera Lotte Böcker, Philipp Alexander Mehr und Daniela Tessmann, die alle ihr individuelles Profil ausleben. Chor und Kinderchor sind exzellent. […]“
(Opernnetz, Juni 2015)

„Überwiegend junge Sänger wirken mit, und der ätherische Sopran von Vera-Lotte Böcker als Bibliothekarin Iris fasziniert nicht weniger als Magnus Piontek, der mit seinem Bass den komisch (oder furchterregend) wichtigtuerischen Chef des Instituts gibt. […]
Eine besonders wichtige Funktion erfüllt der Chor, den Anton Tremmel und Francesco Damiani nicht nur räumlich ungemein flexibel halten müssen. Er gibt dieser Bibliothek erst eine Stimme. Über allem thront der exzellente Kinderchor (Leitung: Anke-Christine Kober), der die Unschuld herrenloser Bücher transzendiert. […]“
(Mannheimer Morgen, 1. Juni 2015)

„Das berauschende Mittel zeigt schon während der Aufführung seine Wirkung: mehr davon! […]
So zum Beispiel wenn Natale (Ziad Nehme), einer der Bibliotheksbesucher, in seiner liebestrunkenen Schlaflosigkeit ein sternengleich glitzerndes Ding (…) liebkost. Das ist Poesie. Lyrik in Bühnenbild-Form. Dazu spielt Oboistin Daniela Tessmann berückende Melodien. […]
Die Sänger meistern die hohen Anforderungen bestens. Allen voran Matthew Shaw in der Hauptrolle des Giro Lamenti, der (…) sein Auf und Ab an Gefühlen in ein Auf und Ab der Stimme umsetzt. […]
Für Lachen sorgt Philipp Alexander Mehr in seiner toll gespielten Rolle der transgendernden Griechischlehrerin. Markus Piontek gibt den selbstbewussten Bibliotheksdirektor, der mit tönendem Opern-Bass die Bedeutung der Bücher predigt. […]“ 
(Die Rheinpfalz, 1. Juni 2015)

„[D]ie Szene pendelt zwischen Poesie, Magie, Traum und Burleske ebenso wie die Musik. Es sind faszinierende Klänge, die Lucia Ronchetti für dieses große Auftragswerk des Nationaltheaters schrieb. Eine feine Musik, die ebenso sinnlich wie geistreich daherkommt. […]
Magische Klänge findet die Komponistin immer wieder. Darunter Chorharmonien, die sich wie ein Echo um Sologesänge legen. Unerhörte Töne in traumhaften Registerkombinationen gibt es ebenso vom Orchester. Eine große Offenheit und Freiheit bestimmt diese Tonsprache. […]
Die extremen Vokaltechniken meistern die Solisten bravourös. […]
Eines der ganz wichtigen Werke des neuen Musiktheaters ist „Esame di mezzanotte“ heute schon.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 1. Juni 2015)

„Und die Mannheimer mögen Achim Freyer. Sie zeigten ihm dies nach der Uraufführung von „Esame di mezzanotte“ am Freitagabend im Opernhaus durch einen starken, nicht nur freundlich meinenden, sondern durch einen von der Aufführung überzeugten Applaus und sie dankten ihm für ein zweistündiges, opulentes Mahl, das wie nicht anders zu erwarten, ein durchweg surrealistisches Gesamtkonzept aus Musik, Gesang, Darstellung und Bühnenbild war. […]
 Eine komisch fantastische oder fantastisch komische Oper, die Johannes Kalitzke am Pult exzellent führte und das Orchester zu einem fulminanten Klangkörper werden ließ. Da passte sich der Chor, der mit im Orchestergraben sang, unter Leitung von Anton Tremmel und Francesco Damiani hervorragend an und besonders viel Applaus erhielt der Kinderchor unter Leitung von Anke-Christine Kober. […]
[E]in Ensemble, das zu hohen Leistungen herausgefordert war und diese Herausforderungen in den 16 szenisch dargestellten Handlungssträngen glänzend bestand. […]“
(Schifferstadter Tagblatt, 2. Juni 2015)

„Freyer arbeitet äußerst geschickt mit Video- und Lichtwirkungen, um den unwirklich-bedrohlichen Bibliotheksraum entstehen zu lassen. […]“
(Badische Zeitung, 5. Juni 2015)

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Interview: Achim Freyer, Uraufführungsregisseur von „Esame di mezzanotte, im Gespräch mit Hans-Günter Fischer
Das Original-Interview im MM, 28.05.2015

Er spricht sehr leise. Es ist fast zu fürchten, nach dem Interview nichts auf Band zu haben. Wenn es in den Proben - was natürlich nur selten vorkommt - etwas lauter werden muss, sind dafür seine Assistenten zuständig. Der 81 Jahre alte Achim Freyer, Regisseur des Wagner-Jubiläums-"Rings" am Nationaltheater, ist aber nicht bloß im Standardrepertoire erprobt, er übernimmt auch immer wieder Erst- und Uraufführungen. Lucia Ronchettis "Esame di mezzanotte" ("Mitternachtsabiturprüfung") ist die bislang jüngste einer langen Reihe, die von Komponisten wie Mauricio Kagel oder Helmut Lachenmann bis Unsuk Chin reicht.

Muss man sich als Regisseur mit unverwechselbarem Personalstil in einer Uraufführung mehr zurücknehmen als bei Standardwerken?
Achim Freyer: Ja, in diesem Fall versuche ich so weit zurückzutreten, dass zunächst einmal die konzertante Dimension des Stücks erlebbar ist. Darüber schwebt dann noch eine Art Traumvision der Hauptfigur. Man schläft ja oft mit Prüfungsängsten ein, wir alle kennen das und haben 40 Jahre später noch vom Abitur geträumt. Es geht in diesem Stück indessen auch um die Verrottung und Veruntreuung der Bibliotheken, wo Bücher verfaulen oder, aber auch verbrannt werden. Das kennen wir schon aus dem 20. Jahrhundert.

Aber heutzutage ist es kaum mehr nötig. . .
Freyer: Das ist leider richtig, aber die Verluste durch die neuen digitalen Möglichkeiten haben ihre Tragik. Weil das Buch eine Kultur hat - schon durch das Format der Seiten und ihrer Typographie: Wie hat man einst darum gekämpft, dass sie den Inhalt eines Buches passend verkörpern! Heute kann man sich in Einheitsschrift alles herunterladen.

Das ist ein Thema, das den Regisseur zu kräftigen Metaphern inspirieren könnte. . .
Freyer: Viele meiner Uraufführungen waren derart erfolgreich, dass es niemand wagte, diese Stücke noch einmal zu machen. Das ist ärgerlich - weil sie dann zu sehr meine Handschrift tragen. Es sind häufig Stücke, die verdienen, aufgeführt zu werden, etwa Lachenmanns "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern". Aber wir sind eben alle noch Romantiker - "Romantik" dient als Flucht vor der Maschine und vor allem, was wir sonst in Gang setzen. Aber wir müssten diese Dinge aufhalten.

Geht es in "Esame di mezzanotte" einzig um den Niedergang der Welt der Bücher?
Freyer: Es geht auch um diesen den ungeheuren Leistungsdruck in unserer Gesellschaft. Selbst, wenn ich eine neue Inszenierung mache, gibt es ihn. Bisweilen ist er auch befördernd, doch Ronchettis Oper zeigt das Lähmende daran, die Unfreiheit. Der Druck ist eine Fessel, die einen auf einen Weg zwingt, den man gar nicht gehen will. In meinem Nationaltheater-"Siegfried" habe ich das ebenfalls erzählt. Das Angenehme des Ronchetti-Stücks ist, dass es nie den Zeigefinger hebt, sondern die Mittel des Humors und der Groteske nutzt.

Italien als das Herkunftsland Ronchettis und des Librettisten Cavazzoni müsste für Sie ohnehin ein sehr spezielles Land sein, oder?
Freyer: Schon alleine deswegen, weil ich als DDR-Bürger auf einer Gastspielreise mit der Volksbühne hier erstmals in den Westen kam. Florenz, Turin, Genua und Mailand waren die Stationen. Erstmals hörte ich die Menschen angstfrei lauthals diskutieren, über Politik oder Kultur. Das kannte ich damals noch in der DDR nicht, wir hatten in der DDR höchstens geflüstert, und noch heute spreche ich recht leise, wie Sie schon bemerkt haben...

Das laute Diskutieren gab es damals, in den frühen 1970ern, als Brandt regierte, aber auch in Deutschland...
Freyer: Ja, doch dann kam Kohl. Und ich zog nach Italien, hielt es dort jedoch nicht durch - weil es im Winter kalt und feucht war, jedenfalls in der Toskana, auf 600 Metern Höhe. Das ist dann fast kälter als in Deutschland. Nur die Heizung funktionierte damals viel schlechter.

Funktioniert die Gattung Oper, die Sie schon so lange Zeit begleiten, heute noch?
Freyer: Ich glaube, dass der große Ansatz "Oper" - antikes Theater als Sprachrohr zu nutzen, um sich an das Publikum zu wenden - dringend nötig ist. In Fernsehen und Film wird alles kleiner, auch die Themen schrumpfen. Das Theater ist dagegen etwas Künstliches und Großes, es ist Sprache, nicht Natur. Die Oper hat das ebenfalls für sich entdeckt. Und das muss wiederkommen, finde ich. Die Oper hat auch etwas Kollektives, ganz im Gegensatz zur Malerei, wo ich allein arbeite.

Sogar hier in Mannheim?
Freyer: Ja, der Skizzenblock ist stets dabei. Die Villengegend hier und draußen die Fabriken - diese Stadt ist schon interessant und spannend.

Zu Achim Freyer
Achim Freyers Laufbahn fing am (damals Ost-) Berliner Ensemble an - als Bertolt Brecht noch lebte. Als Kostüm- und Bühnenbildner arbeitete er für Regisseure wie Ruth Berghaus und Benno Besson. Nachdem er sich auf einer Gastspielreise in den Westen abgesetzt hatte, begann er, selbst zu inszenieren. Freyer schuf sich eine eigene Theaterwelt, in der Puppen- und Maskenspiel häufig viel Raum einnimmt. Nicht nur mit seiner Trilogie der Philip-Glass-Opern "Satyagraha", "Echnaton" und "Einstein on the Beach" in Stuttgart schrieb er Aufführungsgeschichte. Freyer ist auch Kunstmaler/Maler. HGF


 

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Die italienische Komponistin Lucia Ronchetti im Gespräch mit Stefan M. Dettlinger

Lucia Ronchetti, ©Foto: Stefano Corso
Lucia Ronchetti, ©Foto: Stefano Corso

Das Original-Interview im MM, 20.05.2015

Ein Interview mit Lucia Ronchetti könnte ausarten und in eine ganze Sturzflut musikalischer und philosophischer Fachbegriffe münden. Es arbeitet ständig in ihr. Sie versucht, die Welt der klingenden Kunst zu analysieren und sich selbst dort einen Platz zu suchen. Gerade arbeitet sie am Nationaltheater Mannheim an einer Oper: "Esame di Mezzanotte". Es geht um einen Bibliothekar, der stellvertretend für die italienische Bürokratie steht - ein Gespräch.

Frau Ronchetti, wie geht es denn der zeitgenössischen Musik?
Lucia Ronchetti: Sie ist in einer fantastischen Phase. Sie erforscht neue Räume und Schichten. Auf dem Gebiet der detailreich notierten Musik, die auch ich mache, suchen viele nach neuen Formen fürs Musiktheater und die absolute Musik. Die Freiheit, die uns der Untergang der Imperative der Neuen Musik gegeben hat, und die Offenheit von Produzenten gegenüber Neuer Musik schaffen einen fruchtbaren Lebensraum - trotz der globalen Krise.
Das klingt sehr hoffnungsvoll. Glauben Sie, dass die Hörer das genauso sehen?
Ronchetti: Die Hörer werden heute unfreiwillig mit Musik bombardiert - ohne Möglichkeit, sich zu verteidigen. Aufgrund dieser "Klangverschmutzung" trifft jeder, der einen Konzertsaal betritt, heute eine bewusste Entscheidung. Er weiß also besser als jemals zuvor, worauf er sich einlässt. Aus dieser Sicht ist die Moderne kein aggressives Angebot mehr. Und raffinierte Komponisten wie Kaija Saariaho, Salvatore Sciarrino oder Gérard Grisey haben fantastische und komplexe Stücke geschrieben und damit ein großes leidenschaftliches Publikum erreicht, wenn auch nicht ganz so groß wie von Bands wie Radiohead oder Anathema, aber doch genug, um die Berliner Philharmonie vollzukriegen.
Es gibt auch Versuche, die Konzertform als Media-Event zu denken . . .
Ronchetti: Ich glaube nicht, dass wir das brauchen. Neue Formen des Musiktheaters und die Dramatisierung auf der Bühne sind wichtige Bereiche kompositorischer Entwicklung mit einer speziellen, einzigartigen Tradition. Wir brauchen keine Angst zu haben und sollten das Konzert oder die Oper nicht in "Touristen-Ereignisse" umwandeln.
Die meisten denken ja, aktuelle Musik sei zu komplex, schräg und unverständlich - etwas, das die Moderne sicherlich sehr stark geprägt hat. Lässt Ihre Musik, die wir ja vom Mannheimer "Neumond" kennen, die Moderne hinter sich?
Ronchetti: Jedes Projekt ist ein Unikum. Man kann es nicht kategorisieren. Ich habe es versucht, Genrefacetten in meinem Werk zu schaffen. "Neumond" war durch die Arbeit mit Kristo Sagor und Anselm Dalferth geprägt. Aber die Ironie, die Tendenz, Grenzen zwischen vergangener und heutiger Musik aufzubrechen, sind bei mir eher Zeichen dafür, dass ich von Luciano Berio, Sylvano Bussotti und Salvatore Sciarrino herkomme und wie sie mit der vollkommen aufgeklärten Freiheit umgehe.
In welche Richtung geht dann "Esame di mezzanotte", ein Werk, in dem es allem Anschein nach eher weniger um eine narrative oder dramatische Handlung geht, sondern um psychologische Zustände?
Ronchetti: Es ist eine traditionelle Oper mit Komik, mein erster Versuch, die italienische Operntradition zu überdenken. Die nächtliche Bibliothek ist ein komplexer Ort, superbürokratisch und phantasmagorisch zugleich. Charaktere wie die beiden Assistenten des Bibliothekars sind von Fellinis "The Clowns" inspiriert, aber auch von Leoncavallos "Pagliacci" oder den beiden Assistenten von K. in Kafkas "Schloss". In der dramaturgischen Konzeption des Librettos von Ermanno Cavazzoni ist auch die Bibliothek selbst ein komplexer Organismus, ein herausgerissener Teil eines Ganzen einer endenden Kultur. Aber die Personen sind konkret und mit verzweifelter Persönlichkeit - wie in der Commedia dell'Arte.
Das ist doch nicht etwa zeitgenössische Oper, bei der man lachen darf?
Ronchetti: Ich mag das italienische Wort "sorridere", also lächeln, eine Art inneres Lachen, das nicht zur physischen Explosion kommt und doch dasselbe bedeutet. "Esame di mezzanotte" ist ein tragikomisches Porträt der italienischen Bürokratiemaschine, gesehen als lethargisches, aber unbesiegbares Tier. Das Chaos fortschrittlicher Abteilungen, von Sammlungen und Archiven ist aber ein komfortabler Ort für italienische Staatsangestellte.
So sehen Sie in dieser Art Sozialkritik auch eine Legitimation als Künstlerin in der Gesellschaft?
Ronchetti: Soziale oder politische Kritik kann nicht durch Oper ausgeübt werden. In "Esame di mezzanotte" will ich keine Sozialkritik üben. Ich will vielmehr satirisch die italienische Bürokratie darstellen. Seit einigen Jahren suche ich nach einer neuen Art Musiktheater, um eine Balance zu finden zwischen sozialer Reportage und chorischem Musik-Fresko, was ich mit der sozialen Situation der Interpreten und dem Ort der Aufführung verbinde - wie in "3e32 Naugrafragio di terra", eine chorische Oper, in der 90 Laiensänger von L'Aquila das Erdbeben von 2009 darstellen und die Stadt zerstören. Wir haben das in der Basilica von Collemaggio aufgeführt. Künftig möchte ich probieren, aus der Chormesse eine Art Opern-Doku zu machen.

Ronchetti und „Esame“ im NTM
Die Komponistin: Lucia Ronchetti wurde 1963 in Rom geboren, studierte Komposition an der Accademia di Santa Cecilia und Philosophie an der Universität in ihrer Heimatstadt und darf als Vielschreiberin betrachtet werden. Ronchetti erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Bis 2015 entsteht für die Dresdner Semperoper ein Musiktheater: "Contrascena, Sub-Plot, Mise en abyme". In Mannheim stellte sie 2011 auch die Oper "Neumond" für junge Menschen vor.
Info: Opens external link in new windowwww.luciaronchetti.com

Die Uraufführung: 29.5. (Premiere), 7./11./17./20. Juni und 17. Juli.
Musikalische Leitung: Johannes Kalitzke
Inszenierung, Bühne und Kostüme: Achim Freyer

Mit Matthew Shaw (Giro Lamenti), Sebastian Pilgrim / Magnus Piontek (Rasorio), Christoph Wittmann (Fischietti) u.a.


 

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Wolfgang Amadeus Mozart
LE NOZZE DI FIGARO (WA), 02.05.2015
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung nach: Johannes Schaaf

„Astrid Kessler und Nikola Diskic, die das gräfliche Paar Almaviva verkörperten, erwiesen sich von der ersten Note an als Idealbesetzungen, beide mit psychologisch ausgefeiltem, intelligentem Spiel und perfekt geführten Mozart-Stimmen. Ihnen ebenbürtig: Iris Kupkes unverkrampft-natürliche und hinreißend singende Susanna. Dieses Edel-Trio wurde völlig zu Recht nach den großen Arien und beim Schlussapplaus frenetisch gefeiert. […]
 […] Um die vier Hauptfiguren rankte sich ein prächtiges Ensemble, bei dem nicht nur die vom Hammerklavier (Lorenzo di Toro) begleiteten Rezitative wie am Schnürchen liefen. Ludovica Bello (Cherubino), Marie-Belle Sandis (Marcellina), Sung-Heon Ha (Bartolo), Uwe Eikötter (Basilio), Raphael Wittmer (Don Curzio), Magnus Piontek (Antonio) und Ji Yoon (Barbarina) erfreuten allesamt durch ihre scharf charakterisierten Rollenporträts. Sie wurden ebenso wie Dirigent Joseph Trafton und das bestens disponierte Nationaltheaterorchester für ihre leichtfüßige, spritzige Mozart-Interpretation mit anhaltendem Beifall belohnt. In dieser Besetzung hat ‚Le nozze di Figaro‘ jedenfalls beste Aussichten, wieder zu einem Glanzpunkt des Opernrepertoires zu werden.“
(Mannheimer Morgen, 06. Mai 2015)


 

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Richard Wagner
DIE WALKÜRE (WA), 26.04.2015
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung, Bühne, Kostüme, Lichtkonzept: Achim Freyer

„Dan Ettinger […] hat mit dem Orchester hörbar gearbeitet, so dass eine wirklich schöne, gepflegt zu genießende Walküre aus dem Graben ertönte. Ganz homogen und klug aufgebaut kam schon das Gewitter-Vorspiel, danach rührendste elegisch kammermusikalische Begleitungen der dramatischen Wälsungenepisode, dämonisch verminderte Akkorde bei der Wallhall-Replik und ein gut abgestimmter Wallkürenritt […].
 […] Das alles höchst engagiert und meisterhaft gespielt vom Nationaltheaterorchester.
(Der Neue Merker, Mai 2015)


 

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LA DAMNATION DE FAUST
Premiere B 24.04.2015

LA DAMNATION DE FAUST, Premiere B 24.04.2015 © Foto:
LA DAMNATION DE FAUST, Premiere B 24.04.2015 © Foto:
LA DAMNATION DE FAUST, Premiere B 24.04.2015 © Foto:
LA DAMNATION DE FAUST, Premiere B 24.04.2015 © Foto:

„Die Titelrolle vertrat in der B-Premiere der belgische Tenor Yves Saelens. Der Gastsänger nahm zunächst durch seine einwandfrei geführte, in allen Registern ausgeglichene Stimme für sich ein. Diese ist hell getönt, geschmeidig, von vorwiegend lyrischer Prägung, gebietet über Strahlglanz in der ohne Anstrengung ansprechenden Höhe und über genügend Durchschlagskraft […]. Kultivierte Musikalität, stilvoller Vortrag und restlose Identifikation mit der Bühnengestalt sprachen zusätzlich für Saelens.
Fausts teuflischer Gegenspieler Mephistopheles […] war diesmal Thomas Jetsako, ein sehr überlegener, stimmgewaltiger Bassbariton und gewandter Schauspieler. Er stellte eine facettenreiche, die Szene großzügig beherrschende Figur auf die Bühne.
Mit ansprechendem Mezzosopranklang und makelloser Gesanglinie gab Dorottya Láng […] eine anrührende Marguerite ab […]
[…] Musikfreunden sei ‚Berlioz´ Hauptwerk‘ (Verdi) wärmstens empfohlen. Es handelt sich um große Musik.“
(Die Rheinpfalz, 29. April 2015)

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RUDIJ BERGMANN
FILM-DOKUMENTATION
„MAKING OF“ WALKÜRE
Vorführung 19.04.2015 im Opernhaus

Ein VORWORT von RUDIJ BERGMANN

In drei Minuten, meine Damen und Herren, liebe Freunde, kann ich uneingeschränkt den Dank an alle Sponsoren teilen. Und diesen Dank will ich auf alle erweitern, die irgendwo, an allen Ecken und Enden, in diesem Haus  zum Entstehen des Films beigetragen haben.

In drei Minuten kann ich Ihnen erzählen, dass der Film ein etwa vierstündiges Ganzes ist und dass sich dieses in vier abgeschlossene Teile gliedert, die auch alleine funktionieren werden …hoffe ich.

Vom Ganzen und seinen Teilen können Sie alles erwarten, nur zweierlei nicht:  Es gibt keine Heiligen-Verehrung und es gibt auch keine Demaskierungen. Denn solche unpassenden Dinge, solche uncoolen Sachen unterliegen einem allzu schnellen Verfallsdatum: Der Film zum RING ist so angelegt, dass er kein Verfallsdatum hat, obzwar er hergestellt ist mit den flüchtigen Mitteln des Digital.
Die Aktualität des Film besteht darin, dass er keine hat: also, dass seine Aktualität eine ständige ist.

Das bedeutet, dass er so frisch sein muss, dass man jederzeit sagen kann, „Ach, so also, entstand damals, also sagen wir mal vor 100 Jahren, der Mannheimer Ring“.

Allerdings ein solcher Film braucht die Zeit der Reife.

In drei Minuten ist nochmals festzuhalten, der Film meint nicht das RING-Ergebnis, obzwar auch das ab und an aufblitzt, sondern dessen WERDEN.Es  geht also nicht um den Glanz des Fertigen, sondern darum, wie es zu diesem Glanze kam.

In drei Minuten kann ich auch erwähnen, dass viel und oft die Frage gestellt wurde, wann denn nun endlich der Film fertig sei. Diese Frage hat mich bei meinem filmischen RING-Kampf nicht selten gestört und manchmal  genervt. Aber letztlich ist diese Frage ein Beweis für das von mir immer behauptete dauerhafte Interesse an diesem Projekt.

Egal nun wie ehrenwert die Motive der Fragesteller gewesen sein mögen.

Substanzieller  indessen ist die Frage, die im gestrigen MM der Autor Jörg-Peter Klotz an die filmische Dramaturgie des Walküre-Teils stellte, die ihn offensichtlich überzeugt hat -  ich meine die zentrale Frage, ob eine solche Dramaturgie vier Filmstunden erfolgreich überdauert.

Um eben nicht auf der verführerischen Bananenschale der immer gleichen Methodik auszurutschen, habe ich versucht  jedem der vier RING-Film-Teile eine eigene Dramaturgie zu geben – und deswegen habe ich z.B. den Teil über das Werden der Walküre, obzwar er fertig war, dreimal mehr oder weniger komplett verändert: Und das war in keinem Finanzplan und keinem Zeitplan jemals vorgesehen!
Die drei Minuten oder etwas mehr sind nun um – und jetzt kommt der Film.


Zwei Jahre lang hat Filmemacher Rudij Bergmann die Arbeit an Richard Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" begleitet. Zwei Jahre hat es nun auch gedauert, bis etwas von seinem mit Spannung erwarteten Film zu sehen sein wird. Am Sonntag, 19. April, 11 Uhr, präsentiert das Nationaltheater die Dokumentation zum Neuen Mannheimer Ring – Teil 2 : DIE WALKÜRE in einer Matinee.

Die 4-teilige Box (€25) erscheint zum Ende der Spielzeit im Handel. Vorbestellungen werden ab sofort im Theater entgegen genommen.

„Zumindest die 68 Minuten, die unserer Redaktion vorliegen, erwecken den Eindruck, dass sich der immense Aufwand gelohnt haben könnte. Denn der Untertitel "eine filmische Begegnung" ist gut gewählt: Bergmann filmt (teilweise mit dem iPhone und dem damit verbundenen Mut zum wackelig-körnigen Bild) und interviewt die Beteiligten der Produktion von Regisseur Achim Freyer bis hin zu Vertretern der Bühnentechnik. Und das oft mitten in Aktion oder im erstaunlich vertraut wirkenden Zwiegespräch. Dass Bergmann sich dabei gern in den Weg stellt, stört und den Betrieb aufhält, ficht seine Gesprächspartner scheinbar nicht sonderlich an.
Obwohl jeweils nur wenige Sätze fallen, entsteht Nähe und Offenheit - egal, ob Ludmila Slepneva sich als Walküre unterfordert fühlt, Solo-Cellist Fritjof von Gagern zugibt, vor Lampenfieber zu zittern, Maskenbildnerin Sabine Bialy-Koczera fehlenden kreativen Spielraum leicht bedauert ("Freyer ist Freyer. Da kann man nichts Anderes machen") oder "Siegmund" Endrik Wottrich zu Beginn sichtlich an den Vorstellungen des Regisseurs für seine Rolle zweifelt. So bringt Bergmann dem Zuschauer Mannheims Musiktheaterschaffende nahe - und aus den Einzelbegegnungen entsteht ein dichtes, facettenreiches Gesamtbild, das über die "Ring"-Produktion hinausreicht.“
© Mannheimer Morgen, 18.04.2015 Jörg-Peter Klotz


 

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ARNOLD-PETERSEN-PREISVERLEIHUNG 18.04.2015
Preisträgerin 2014 : EUNJU KWON
im Anschluss an L’ELISIR D’AMORE
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung: Andrea Schwalbach

ARNOLD-PETERSEN-PREISVERLEIHUNG 18.04.2015<br />© Foto: CL-privat<br />
ARNOLD-PETERSEN-PREISVERLEIHUNG 18.04.2015© Foto: CL-privat
ARNOLD-PETERSEN-PREISVERLEIHUNG 18.04.2015<br />© Foto: CL-privat<br />
ARNOLD-PETERSEN-PREISVERLEIHUNG 18.04.2015© Foto: CL-privat

Kein Zweifel - das Libretto zu Donizettis "L'elisir d'amore" ist ein Witz: Die schöne, reiche und kluge Adina liebt den Dorftrottel Nemorino, noch ehe er seinen Onkel beerbt. Andrea Schwalbachs augenzwinkernde Inszenierung bedient kräftig alle Klischees, ob es um die rothaarigen Dorfbewohner (Inzucht?), die unzivilisierte Soldatenhorde, Quacksalber Dulcamara oder den naiven Nemorino geht. Seit 2004 sorgt die Opera buffa im NTM für Amüsement.

Es wurde an diesem Abend hervorragend gesungen. Allen voran Eunju Kwon als Adina mit perfekt geführtem, stets beseeltem Sopran, Juhan Tralla als Nemorino in einer seiner besten Rollen, der prächtige Bariton Raymond Ayers als schneidiger Belcore und der gut aufgelegte Bass Bartosz Urbanowicz als Dulcamare. Sogar die winzige Rolle der Gianetta war mit Tamara Banjesevic luxuriös besetzt. Joseph Trafton steuerte Ensemble, Chor und Orchester sicher durch die gepfefferte Partitur.

Die Zuhörer blieben nach langem Beifall, um der Verleihung des Arnold-Petersen-Preises, den die Roland-Ernst-Stiftung "für herausragende künstlerische Nachwuchsleistungen" Eunju Kwon verliehen hatte, beizuwohnen. Nach dem Grußwort von Opernintendant Kehr hielt Jurysprecher Horst-Dieter Schiele die Laudatio und verlas aus dem Urkundentext die Gründe für die Verleihung an die "überdurchschnittlich begabte" junge Sängerin. Eunju Kwon bedankte sich tief bewegt bei der Stiftung, ihrem Lehrer Rudolf Piernay, dem Opernensemble und ihrem treuen Publikum.
©Mannheimer Morgen 20.04.2014 Waltraud Brunst


 

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Hector Berlioz
LA DAMNATION DE FAUST, Premiere A 17.04.2015
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Vasily Barkhatov

LA DAMNATION DE FAUST<br />Premiere A 17.04.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA DAMNATION DE FAUSTPremiere A 17.04.2015© Foto: Hans Jörg Michel
LA DAMNATION DE FAUST<br />Premiere A 17.04.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA DAMNATION DE FAUSTPremiere A 17.04.2015© Foto: Hans Jörg Michel
LA DAMNATION DE FAUST<br />Premiere A 17.04.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA DAMNATION DE FAUSTPremiere A 17.04.2015© Foto: Hans Jörg Michel
LA DAMNATION DE FAUST<br />Premiere A 17.04.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA DAMNATION DE FAUSTPremiere A 17.04.2015© Foto: Hans Jörg Michel
LA DAMNATION DE FAUST<br />Premiere A 17.04.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA DAMNATION DE FAUSTPremiere A 17.04.2015© Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Zinovy Margolin
Kostüme: Maria Daniliva / Elena Chava
Licht: Ralph Schanz
Dramaturgie: Merle Fahrholz
Chor: Anton Tremmel


„Vom ersten Ton an beginnt Barkhatov mit seiner Parallelerzählung: Lebende Bilder auf einer Bühne auf der Bühne (Zinovy Margolin) zeigen das begabte Kind Faust am Sarg der Mutter, gegängelt, aber auch gefördert vom Vater, übel schikaniert beim Militärdienst (dass alles überhaupt tschechowhaft russisch wirkt, hängt auch mit den schönen Kostümen von Maria Danilova und Eleni Chava zusammen). Faust ist kein geborener, aber ein gemachter Außenseiter. […]
Alois Seidlmeier am Pult zeigt sich aufgeschlossen für das Offene, Ungereimte, Unorthodoxe dieser Oper. Geglättet wird nicht.
Die Solisten sind ausgezeichnet (und ja ganz wenige, wie man angesichts der mit Statisten immens belebten Bühne erst beim Verbeugen wieder begreift). […]
Karsten Mewes ist ein souveräner Mephisto, sonor, aber nicht schwerfällig. Mit unverschämtem, sehr menschlichem Lächeln dürfte er auch der Typ sein, den man sich merken wird.
Marie-Belle Sandis’ Gretchen ist umwerfend, als es darauf ankommt: In Berlioz’ großartigen Vertonungen des „Königs in Thule“ und von „Mein Ruh’ ist hin“.“ (Frankfurter Rundschau, 20. April 2015)

„Der Bilderreichtum und die Personenführung zeigen höchste Professionalität, das darstellerische Vermögen der Sänger auch […].
Sängerisch kann (…) der auch darstellerisch großartige Martin Muehle als Faust mit leicht ansprechendem, kraftvoll-höhensicherem Tenor überzeugen […]“ (Darmstädter Echo, 21. April 2015)

„(…) Martin Muehles Faust überzeugt restlos. Wie er inmitten von herumhängenden Baumstämmen seine "Beschwörung der Natur" aufbaut, im düsteren und diabolischen cis-Moll allmählich an Dramatik und Höhe ansteigt bis hinauf zum herzzerreißenden "Sehnen einer Seele, die lechzet nach dem Glück, das sie floh", wo Muehle locker und frei zum hohen "a" hinaufsteigt und uns mit fabelhafter Phrasierung und edel glänzendem Tenortimbre direkt unter die Haut singt - toll, man will danach eigentlich nur noch Muehle hören. […]
Die kleine ,Götterdämmerung' "Dans le ciel" mit der glitzernden Harfe, Marguerites Apotheose und dem Sopransolo etwa ist wunderschön. […]“ (Mannheimer Morgen, 20. April 2015)

„Dies schaffte allenfalls Martin Muehle als Faust, der diese höllisch schwere Partie nicht nur kräftemäßig durchstand, sondern seiner Stimme dabei auch stets lyrischen Glanz verlieh. Durchaus ansprechend auch die Marguerite von Marie-Belle Sandis […].
Regisseur Vasily Barkhatov erzählt im sehr variablen Bühnenbild von Zinovy Margolin und in Kostümen von Maria Danilova und Eleni Chava, die aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen könnten, zwei Parallel-Geschichten auf unterschiedlichen Zeitebenen. […]“
(Die Rheinpfalz, 20. April 2015)

„Während schon Komponist H.Berlioz sein Libretto, für das er französische Mitarbeiter hatte, mit Fausts Ende stark verändert hat, hat nun Regisseur Vasily Barkhatov seine eigene besondere Sichtweise auf den Handlungsverlauf gelegt und eine dabei genuin theatralische Handschrift erkennen lassen. […]
Die gediegenen Kostüme sind auch an der fiktiv ausgewählten Handlungszeit inspiriert, auch für Statisterie und den einwandfrei singenden Chor (E.:Anton Tremmel), sie stammen von Maria Danilova und Eleni Chava. […]
Eindrücklich erklingt, neben den filigranen Chorpassagen der finale Höllenritt, der auch im Orchester angemessen bombastisch aufbereitet wird. […]
Das Sopransolo, das in der Höllenfahrt Gretchens Rettung verheißt, übernimmt schönstimmig Estelle Kruger. Den Brander singt mit großem Organ Sung Ha.
Karsten Mewes ist als Mefisto von eindrücklicher Präsenz in seinem markant gezeichneten Anzug. Seine Stimme hat den geforderten Umfang, und enorme Stimmpotenz geht einher damit. Die Marguerite der Marie-Belle Sandis kann mit ihrem hellen warmen bis mütterlichem Mezzo-Sopranton überzeugen, wobei sie aber auch die zerrissene Person gut mimt. Der alte Faust wird einzigartig auch in der Regieintention von Martin Muehle verkörpert. Stimmlich hat er einen voluminösen wohlklingenden, nie grellen Tenor aufzubieten, der bis in höchste Lage gut durchgebildet erscheint, und der auch von einem sehr originellen eigenen Timbre kündigt.“ (Der neue Merker online, April 2015)
 
„Martin Muehle gelingt als Faust eine darstellerisch fabelhafte Leistung, sein stabiler Heldentenor hat Farbe und stabile Höhe […].
In der Charakterrolle des Mephisto-Méphistophélès setzt Karsten Mewes seinen heldisch veranlagten Bariton ganz in den Dienst einer erdrückenden Vater-Lehrer-Aufseher-Figur, beängstigend intensiv, Faust kann sich nicht wehren. Marie-Belle Sandis hat einen formschönen Mezzo für die Margarethe-Marguerite anzubieten […].
Alois Seidlmeier und das Nationaltheater-Orchester musizieren mit intensivem Ausdruck und schwungvollen Akzenten. […]“
(Opernnetz.de, 23. April 2015)


 

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Ein Gespräch mit Martin Muehle zu
DAMNATION DE FAUST mit Hans-Günter Fischer
Mannheimer Morgen 16.04.2015

LA DAMNATION DE FAUST<br />Premiere A 17.04.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA DAMNATION DE FAUSTPremiere A 17.04.2015© Foto: Hans Jörg Michel

Also, spannend wird das ganz bestimmt, was Vasily Barkhatov, ein Regietalent aus Russland, aus "La damnation de Faust" von Hector Berlioz am Mannheimer Nationaltheater macht. Es sieht so aus, als wolle er die Welt von Goethe mit dem (Vatermonster-) Kosmos Kafkas kurzschließen. Was ein gewagter, doch in diesem Fall nicht völlig abwegiger Einfall ist. Die Zeit zur adäquaten Umsetzung wird freilich knapp. Der Sänger Martin Muehle, der die Titelrolle singen wird, wirkt leicht besorgt. Er ist ein Mann mit Feingefühl, der alte Tonaufnahmen liebt und im Theater einen letzten Zufluchtsort der Schönheit sehen möchte. Mit den Eigenmächtigkeiten des Regietheaters hat er manchmal seine Schwierigkeiten, wie er im Gespräch erklärt.

Herr Muehle, Berlioz' "La damnation de Faust" - ist das schon wieder so ein Stück, in dem man fast lieber der Bösewicht wäre? Also der Bariton? Mephisto?
Martin Muehle:
(lacht) Mephisto ist natürlich stets die beste Rolle. Sogar in der Oper von Gounod. Doch Faust ist musikalisch auch sehr schön. Und Berlioz' Vertonung ist einfach fantastisch: so modern, als ob sie nach Gounod entstanden wäre. Vorher kannte ich sie überhaupt nicht, weil ich immer dachte, dass das nur ein Oratorium sei. Ich war zunächst mal überrascht, als mir die Intendanz die Rolle antrug. Aber die Musik ist wunderbar, auch wenn sie in der neuen Nationaltheater-Inszenierung ziemlich anstrengt: Faust muss nämlich immer auf der Bühne bleiben.

Klingt nach einem eigenwilligen Regiekonzept...
Muehle:
Ja, die Geschichte spielt sich nur im Kopf von Faust ab, und Mephisto ist in dieser Lesart die Figur des Vaters, der schon tot ist, aber noch einmal zurückkommt. Und der Faust wird auch nicht wieder jung, wie man vielleicht erwarten könnte - und wie es bei Goethe ist. Die überlieferte Geschichte wurde also leicht "getwistet", aus Mephisto wird der Geist des Vaters. Eines strengen Vaters, der Faust oft erniedrigt und gequält hat.

Also fast ein Vater-Monster, wie man es bei Kafka antrifft?
Muehle:
Ja, genau, soweit ich weiß, wird im Programmheft auch Kafkas "Brief an den Vater" abgedruckt. Und Margarete ist nicht mehr Fausts Liebe, sondern seine Krankenschwester. Sie passt auf den alten Mann auf, dessen Zuneigung natürlich nicht erwidert wird. Die Welt des Stückes sieht hier also völlig anders aus. Mephisto bleibt im Übrigen wie Faust, der bis zuletzt im Kinderwunsch verfangen bleibt, dem Vater zu gefallen, ihm gerecht zu werden, ständig auf der Bühne.

Faust ist demnach keineswegs ein Dandy...
Muehle:
Nein. Auch kein Gelehrter. Er ist nur ein alter Mann in einer kleinen Wohnung, eingeschlossen in seinen Erinnerungen. Ein im Grunde armer Mann.

Doch jetzt einmal zu Ihnen als Tenor: Sie durften sich noch von Gesangsstilisten wie Alfredo Kraus oder Carlo Bergonzi unterrichten lassen. Solche Sänger kann es heutzutage nicht mehr geben, oder?
Muehle:
Im Moment sieht es so aus. Es gibt da einen Boom mit Stars, die viel zu jung sind. Aber dafür schön. Sie werden früh gepusht, während Bergonzi oder Kraus Jahrzehnte Zeit hatten, um sich zu etablieren. Das hat viele Gründe, und ich muss jetzt allgemein werden: Auch die komplette Macht der Regisseure, die oft wenig von Musik verstehen, spielt da eine Rolle. Viele wollen nur schockieren. Für die Sängerstimmen haben sie kein großes Interesse - aber so viel Macht, dass selbst die Direktionen der Theater nichts dagegen tun können. Es gibt zum Beispiel Regisseure, die mich schon gezwungen haben, außerhalb der Bühne aufzutreten und zu singen. Das ist schon akustisch-klanglich äußerst fragwürdig.

Auch wenn man es rein szenisch zu begründen wüsste?
Muehle:
Szenisch kann man immer irgendwas begründen. Doch es gibt ein Limit: Die Musik darf nicht zu sehr darunter leiden. Leider haben wir als Sänger häufig nicht genug Courage. Wir sorgen uns um unser Einkommen, unsere Stellen. Wir sind mitverantwortlich. Aber nur Stars wie Kaufmann und Netrebko können echte Statements abgeben - wenn sie mal Nein sagen zu einem Regisseur. Wir sterblichen, "normalen" Sänger können so was nicht.

Martin Muehle
Martin Muehle wurde in Porto Alegre, Brasilien geboren.
Ersten Unterricht erhielt er in Montevideo, Uruguay. Dann ging er nach Europa, an die Lübecker Musikhochschule. Auch Carlo Bergonzi und Alfredo Kraus bildeten ihn aus.
Er sang schon an der Opéra Bastille, Paris, der Oper Leipzig und der Amazonas-Oper in Manaus (Letzteres in einer Wagner-Inszenierung Christoph Schlingensiefs). Sein Schwerpunkt liegt bei Verdi und Puccini und den italienischen Paraderollen. Wagners Lohengrin wird er im nächsten Jahr erstmals singen.
Seit 2013 ist er am Mannheimer Nationaltheater festes Mitglied im Ensemble und in dieser Spielzeit als Don José in "Carmen" und Kalaf in "Turandot" zu hören.

Premiere von "La damnation de Faust" 17. 04.2015,19.30
Weitere Termine: 24. und 28. April, 7. und 14. Mai, 10. und 21. Juni
Karten: 0621/16 80 150. HGF


 

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Festlicher Opernabend, 11.04.2015
DIE KUNST DES ÜBERGANGS
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

DIE KUNST DES ÜBERGANGS<br />FOA, 11.04.2015<br />© Foto: <br />
DIE KUNST DES ÜBERGANGSFOA, 11.04.2015© Foto:
DIE KUNST DES ÜBERGANGS<br />FOA, 11.04.2015<br />© Foto: <br />
DIE KUNST DES ÜBERGANGSFOA, 11.04.2015© Foto:
DIE KUNST DES ÜBERGANGS<br />FOA, 11.04.2015<br />© Foto: <br />
DIE KUNST DES ÜBERGANGSFOA, 11.04.2015© Foto:

Solisten: Petra Maria Schnitzer (Sopran) und
Peter Seiffert (Tenor)
1. Teil: Wagner
2. Teil: Operetten


„Als Generalmusikdirektor Dan Ettinger zum Auftakt mit der Ouvertüre zu "Tannhäuser" die Flammen der Begeisterung im Nationaltheater-Orchester entzündete, da war zu spüren, wie sehr auch die Damen und Herren des Orchesters nach den Musikdramen ihres Helden lechzen. […]
Peter Seifferts Ruf als Heldentenor von Weltrang ist ja durchaus bekannt. Aber was dieses inzwischen 61-jährige bayrische Mannsbild an tenoralem Schmelz, Höhenstrahlkraft, perfekter Textausdeutung und überwältigender Bühnenpräsenz bot, das war eine jener seltenen Sternstunden, die wohl ewig im kollektiven Gedächtnis bleiben. […]
Reicher Beifall, vor allem nach dem "blühenden Wälsungenblut" Ovationen, wie sie Mannheim für Wagner-Sternstunden bereitzuhalten pflegt. […]
Mit "Märchentraum der Liebe" (Seiffert) und "Meine Lippen, sie küssen so heiß" (Schnitzer) brillierten die Gaststars jeweils solistisch. Mit der Wiederholung des Walzerlieds "Tanzen möcht' ich" aus Emmerich Kálmáns "Csárdásfürstin" bedankten sich die Künstler für den frenetischen Applaus.“
(Mannheimer Morgen, 13. April 2015)


 

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Richard Wagner
PARSIFAL, WA 03.04.2015
132. Vorstellung nach der Premiere 14.04.1957
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung nach Hans Schüler

Bühne: Paul Walter
Kostüme: Gerda Schulte
Licht: Alfred Pape
Chor: Anton Tremmel

Zur Info: Die 134. Vorstellung findet am 04.06.2015 statt und dann erst wieder am Karfreitag 2016.


„Grund zum Klatschen gibt es am Nationaltheater Mannheim, wo die 132.Vorstellung von Hans Schülers Inszenierung aus dem Jahre 1957 auf dem Programm stand, immer. Die atmosphärischen Bilder, erzeugt durch theaterhistorisch bedeutende Glasdiapositive (die überarbeitet gehören), sind als älteste, durchgängig gespielte Wagner-Inszenierung der Welt Applaus, langfristige Vorbestellung und lange Anreise wert.
Vor ausverkauftem Haus leitete Alois Seidlmeier das Nationaltheaterorchester und Anton Tremmels exzellente Chöre (…) auf hohem Niveau. […]
Als große Spieler mit stimmlicher Seniorität und guter Diktion erwarben sich John In Eichen (Gurnemanz) und Thomas Berau (Amfortas) die Sympathie des Publikums. […]“
(Mannheimer Morgen, 7. April 2015)

„Stets ist der „Parsifal“ (…) wieder ein Magnet für Zuschauer aus dem In- und Ausland. […]
Die Inszenierung des damaligen Intendanten Hans Schüler aus dem Eröffnungsjahr des Nationaltheaters am Goetheplatz hat sogar dort einen guten Ruf, wo Richard Wagners künstlerischer Herzschlag besonders laut vernehmbar ist  – in Bayreuth. […]
Großes Lob kommt ebenso vom quasi weltweit obersten Wagnerianer, von Thomas Krakow. „Das ist ganz große Oper, ganz große Klasse tief bewegend“, schwärmt der Präsident des Richard-Wagner-Verbands International noch ganz im Bann der fesselnden, weihevollen Gralsszene des ersten Akts.
Die Mannheimer Inszenierung sei ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man nach dem Zweiten Weltkrieg Wagner inszeniert, ja entrümpelt habe, aber eben immer noch modern: „Es ist Wieland Wagners Stil nicht gegen den Strich gebürstet, kein Widerspruch von Tradition und Moderne, sondern heute noch gültig“, lobt Krakow. […]“
(Sonntag Aktuell, 5. April 2015)

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Pressemitteilung Mannheimer Morgen, 28.03.2015
STIPENDIATEN FÜR BAYREUTH 2015

Der Richard-Wagner-Verband Mannheim sendet auch in 2015 Stipendiaten nach Bayreuth. Es sind die Sopranistinnen Vera-Lotte Böcker (Opernensemble NTM) und Nataliya Popova (MuHo Mannheim) sowie die Opern-Dramaturgin Elena Garcia-Fernandez (NTM) und der Tenor Ziad Nehme (Opernensemble NTM).


 

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FOA, 29.03.2015
Richard Strauss
SALOME
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Gabriele Rech

SALOME<br />FOA, 29.03.2015<br />Gabriele Schnaut, Michael Baba, Manuela Uhl<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
SALOMEFOA, 29.03.2015Gabriele Schnaut, Michael Baba, Manuela Uhl© Foto: Hans Jörg Michel
SALOME<br />FOA, 29.03.2015<br />Manuele Uhl un der Kopf des Jochanaan<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
SALOMEFOA, 29.03.2015Manuele Uhl un der Kopf des Jochanaan© Foto: Hans Jörg Michel

Salome: Manuela Uhl
Jochanaan: Martin Gantner
Herodias: Gabriele Schnaut

Noch immer […] beeindruckt die schlichte Gratwanderung zwischen eiskalter Machtzentrale und Fantasie zu lassender Abstraktion, noch immer fährt die Schluss-, Schlüsselszene und Liebesszene zwischen Salome und dem bluttriefenden Kopf des Jochanaan durch Mark und Bein. Zumal in der Darstellung von Manuela Uhl, die sowohl den sich steigernden Wahnsinn der Salome als auch deren Sexappeal dramatisch und hinreißend zuzuspitzen weiß. Auch sängerisch: Trotz der Rücksichtslosigkeit von Strauss´ Notenköpfen gelingen ihr inmitten der dramatischen Zuspitzung plötzlich wundersam lyrische Luxus-Momente, zarte Pianos und spannungsgeladene Phrasierung. Mitunter leicht und leuchtend singt sie, beseelt und (fast) immer ohne totale Hysterie.
… an dem die Mannheimerin Gabriele Schnaut die wenigen Passagen, die sie als Herodes´ Frau Herodias zu singen hat, mit gewohnt rundem und mächtigen Timbre ausstattet. Und dass die immerhin schon 64-jährige immer noch locker mithalten kann, merkt man an den aufflackernden Blitzen ihres Mezzo-Soprans.
Martin Gantners Jochanaan passt sich da genauso gut ein wie der Herodes von Hauskraft Michael Baba. Der eine, Gantner, vermag der Urgewalt des Propheten mit Stimmschönheit zu vereinen, der andere, Baba, lässt den Tetrarchen Herodes in hochdramatischem Ton Omnipotenz ausstrahlen. Das fügt sich gut. Bei allen anderen sticht Tenor Ziad Nehme heraus. Als 1. Jude beeindruckt der aktuelle Wagner-Stipendiat mit gesundet Kraft und edlen Klangfarben. Eine Stimme, die Freude und Hoffnung macht.
(Mannheimer Morgen, 31. März 2015)


 

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NACHTRAG SPIELZEIT 2012/13
Oleg Bryjak
FOA, 16.03.2013

Oleg Bryjak, FOA, 16.03.2013, Giacomo Rossini, BARBIERE DI SIVIGLIA<br />© Foto: Besetzungsplan<br />
Oleg Bryjak, FOA, 16.03.2013, Giacomo Rossini, BARBIERE DI SIVIGLIA© Foto: Besetzungsplan

In Gedenken an Oleg Bryjak, der bei dem Flugzeugabsturz am 24.03.2015 zu Tode kam. Er ist den Mannheimer Opernfreunden bestens in Erinnerung nicht nur als Bartolo sondern auch als Alberich in der Abschiedsvorstellung von Wolfgang Neumann als Siegfried in GÖTTERDÄMMERUNG am 30.07.2010.


Giacomo Rossini
BARBIERE DI SIVIGLIA
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Monique Wagemaker
mit Gästen Silvia Tro Santafé, Barry Banks,
Oleg Bryjak und Roberto Scandiuzzi


... Nikola Diskic veredelt den Festlichen Opernabend dank seines begeisternden Figaros. ... Sein Bariton regiert kernig, ernst, voluminös über die herrlichen Turbulenzen im Hause des Doktor Bartolo. ... Er überlässt das drollige Komödianten-Treiben den Spaßvögeln Barry Banks und Oleg Bryjak. Barry Banks erhebt den Grafen Almaviva zu einem Meister der Verkleidung und Verstellung ... je nach Bedarf ruft der Tenor seine reichen dynamischen Schattierungen vom gezierten Säuseln bis zum trompetenhaften Spektakel ab. Oleg Bryjak geht auf diesen Ulk vergnügt ein und erweitert die Bartolo-Partie durch seine Erfahrungen als stimmlich und körperlich wuchtiger Falstaff. Die Figur des vertrottelten Basilio scheint dem einst hoch geschätzten Verdi-Sänger Roberto Scandiuzzi weniger zu liegen. ... Auf die Bewegungssprache der Commedia dell’arte, die Monique Wagemakers’ Regie herbeizitierte, stellt sich Silvia Tro Santafé bestens ein. ... Den Widerstreit zwischen der kindlichen Gestik und ihrem Süffigen, sinnlich funkelnden Mezzosopran akzeptiert man gerne.
Alois Seidlmeier kann am Orchesterpult die maßvollen Extravaganzen der Gäste perfekt mit dem kammermusikalischen Schliff vereinbaren und mit dem präzise geordneten Chaos, in das auch Eunju Kwon, Bryan Boyce und der Herrenchor verstrickt sind.
Mannheimer Morgen, 18.03.2013

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ALCESTE, Kritik Opernwelt, April 2015

ALCESTE, Kritik Opernwelt, April 2015<br />© Foto: opernwelt<br />
ALCESTE, Kritik Opernwelt, April 2015© Foto: opernwelt

„Hilsdorf traut dem gipsernen Ideal nicht. Er hält sich in seiner atmosphärisch dichten, das Zeitkolorit bis in die farbenprächtigen Kostüme Renate Schmitzers bewahrenden Sicht eng an Glucks so faszinierend wie gefährlich eintönige Musik, bricht deren Strenge aber mit dem Seziermesser der Psychologie auf.  […]
Cornelia Ptassek – zunächst im schwarzen, dann im feuerroten Kostüm – spielt [ihre Rolle] mit großer körperlicher Eindringlichkeit und Präsenz. […]
Entscheidend für den nachhaltigen Eindruck des Abends, den man eigentlich mehrmals sehen müsste, war neben Hilsdorfs strenger, auf alle Mätzchen und Pseudoaktualisierungen verzichtender Personenführung das energische und doch nuancierte Spiel des Mannheimer Orchesters unter dem souverän den Gluck-Ton beherrschenden Gastdirigenten Rubén Dubrovsky. […]


 

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Stück: Cordula Däuper und Johannes Müller
Musik: Cole Porter
Arrangements: William Ward Murta
WAKE UP AND DREAM – EIN COLE-PORTER SONGBOOK (UA)
Revue, Premiere 14.03.2015
Musikalische Leitung: Christiaan Crans/Lorenzo di Toro

WAKE UP AND DREAM – EIN COLE-PORTER SONGBOOK (UA)<br />Revue, Premiere 14.03.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
WAKE UP AND DREAM – EIN COLE-PORTER SONGBOOK (UA)Revue, Premiere 14.03.2015© Foto: Hans Jörg Michel
WAKE UP AND DREAM – EIN COLE-PORTER SONGBOOK (UA)<br />Revue, Premiere 14.03.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
WAKE UP AND DREAM – EIN COLE-PORTER SONGBOOK (UA)Revue, Premiere 14.03.2015© Foto: Hans Jörg Michel
WAKE UP AND DREAM – EIN COLE-PORTER SONGBOOK (UA)<br />Revue, Premiere 14.03.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
WAKE UP AND DREAM – EIN COLE-PORTER SONGBOOK (UA)Revue, Premiere 14.03.2015© Foto: Hans Jörg Michel

Choreografie: Götz Hellriegel
Bühne: Ralph Zeger
Kostüme: Julia Kurzweg
Sounddesign: Manuel Poell
Video: Thilo David Heins
Dramaturgie: Dr. Dorothea Krimm / Johannes Müller


 „Temporeich und schwungvoll, flott und dynamisch ist diese Darstellung der Jugendjahre, trefflich gesungen und getanzt und begleitet von einer mächtig swingenden kleinen Bigband, die von Christiaan Crans am Klavier geleitet wird. […] Für turbulente Tänze, Show, Eleganz und glitzernden Glamour gab es viel Szenenapplaus. […]
(Die Rheinpfalz, 16. März 2015)

„Vielleicht ist es ja bezeichnend für diesen Abend von Regisseurin Cordula Däuper und Dramaturg Johannes Müller, dass der Blick oft auf die inneren Abgründe fällt und seelisch tief blicken lässt. Das ist für ein Musical eher genreuntypisch. Insofern überrascht Däuper das Publikum mit ungewöhnlichem Ernst und Tragik […].
(Cordula Däuper) zieht dabei alle Karten, die das Musical bietet: Neben Tanz, Spiel und Gesang kommen in dieser Art Dokumentationsmusiktheater auch akrobatische, variété- und zirkusartige Elemente zum Einsatz, und dass Däuper Figuren führen kann, wissen wir spätestens seit Februar 2014, da hatte ihre köstliche "Liebe zu drei Orangen" Premiere. […]
[D]as Publikum hat seinen Spaß. Das liegt natürlich auch am starken musikalischen Material, an unschlagbaren Porter-Songs wie "Experiment", "I Love Paris", "You're The Top", "Love For Sale" oder "Anything Goes" (…). Auch die zehnköpfige Band um Pianist Christiaan Crans spielt brillant. Die Tempowechsel gelingen. Die Arrangements sind knackig und auf den Punkt. Der Sound stark. Exzellent. […]
Die chorischen Passagen (…) sind super gesetzt und gesungen. Was am Ende bleibt, ist neben viel Beifall für eine insgesamt gelungene Produktion die Bewunderung für die Darsteller. Es gibt da diese Momente, da denkt man tatsächlich: Gibt es etwas, was die nicht können?“
(Mannheimer Morgen, 16. März 2015)

 

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Giuseppe Verdi
OTELLO, Wiederaufnahme 01.03.2015
Musikalische Leitung: Giacomo Sagripanti a.G.

OTELLO<br />Wiederaufnahme 01.03.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
OTELLOWiederaufnahme 01.03.2015© Foto: Hans Jörg Michel

Die Wiederaufnahme Otello beeindruckte durch ein hochkonzentriertes Zusammenspiel von Ensemble, Chor und Orchester unter der musikalischen Leitung von Giacomo Sagripanti. Das Publikum dankte mit langem Applaus.


 

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ALCESTE, B Premiere, 28.02.2015

ALCESTE<br />B Premiere, 28.02.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
ALCESTEB Premiere, 28.02.2015© Foto: Hans Jörg Michel
ALCESTE<br />B Premiere, 28.02.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
ALCESTEB Premiere, 28.02.2015© Foto: Hans Jörg Michel

„(…) Galina Shesterneva singt die "Alceste" mit hochdramatischem Flair, um die Zerrissenheit einer Frau zwischen Liebe, gemeinter politischer Notwendigkeit und Ausweglosigkeit auszuleben. […]
Als Gatte Admète bringt Michael Baba einen stabilen Heldentenor mit eher baritonal gefärbtem Timbre ein. Stark in der Ausstrahlung, denn die Gebrochenheit dieser Figur wird durch Präsenz von Körperlichkeit kaschiert. […]
Sung Ha als Gott der Unterwelt lässt seinen Bass sehr präsent strömen; Nikola Diskic bringt als Apollon viel Intensität ein, Bartosz Urbanowicz schenkt dem Oberpriester dunkle Kraft, Magnus Piontek dem Orakel bedrohliche Nähe. David Lee als Evandre hat tenorale Charakterfärbung, die Thessalierin Eunju Kwon und Herold Thomas Jesatko sind immer ein Plus.“    (Mannheimer Morgen, 4. März 2015)


 

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Christoph Willibald Gluck
ALCESTE, A Premiere, 21.02.2015
Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky
Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf

ALCESTE<br />A Premiere, 21.02.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
ALCESTEA Premiere, 21.02.2015© Foto: Hans Jörg Michel
ALCESTE<br />A Premiere, 21.02.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
ALCESTEA Premiere, 21.02.2015© Foto: Hans Jörg Michel
ALCESTE<br />A Premiere, 21.02.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
ALCESTEA Premiere, 21.02.2015© Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Dieter Richter
Kostüme: Renate Schmitzer
Licht: Nicole Berry
Dramaturgie: Merle Fahrholz
Chor: Anton Tremmel


Cornelia Ptassek ist eine wunderbar elegische, dabei sportlich straffe Darstellerin, eine Frau von schnellster Entschlossenheit und auch sehr dauerhaft bei beweglicher, geradezu herzlich warmer Stimme. […]
„Dirigent Rubén Dubrovsky und Regisseur Dietrich Hilsdorf […]  setzen am Nationaltheater über weite Strecken auf guten, staubfreien Geschmack. Obwohl die Musik von geradezu meditativer Ruhe und Gelassenheit ist, allerdings vom hier stark und breit geforderten Mannheimer Ensemble auch exquisit dargeboten wird. […] (Frankfurter Rundschau, 24. Februar 2015)
„Hilsdorf den Fokus deutlich auf Alceste, die von Cornelia Ptassek, von Stimme, Figur und Ausstrahlung ein Trumpf am Haus, weniger als Tragödin, sondern als ihrer staatstragenden Bedeutung bewusste Frau gespielt wird. Und hervorragend gesungen, denn ihr Sopran hat enormes Strahlen in der Höhe und eine große Palette an Farben. […]
Die Bühnengestaltung von Dieter Richter und die zeitbezogenen Kostüme von Renate Schmitzer illustrieren die düstere Atmosphäre ausgezeichnet. Oft mit Feuer führt Spezialist Rubén Dubrovsky das sehr gute Nationaltheater-Orchester durch eine Partitur, in der Gluck seine Stilmittel erweitert.“
(www.opernnetz.de, 22. Februar 2015)

„Den Oberpriester Apollons gibt Thomas Berau mit klangprächtig voluminösem Bariton, und als Höfling Evandre kommt auch der Tenor Raphael Wittmer vor. Als Thessalierin lässt Eunju Kwon ihren hübschen Sopran erklingen. […]
Den Admète gibt Andreas Hermann als lyrischer Tenor völlig rollendeckend, sowohl in der optimistischen Phase nach seiner Genesung als auch nachdem er den Entschluss Alcestes gewärtigt hat und in große Depression verfällt, ihr zur Unterwelt folgt. Der im Timbre lieblich plastische Gesang ist immer elegant und sonor geführt. […]“
(Online Merker, 22. Februar 2015)

Rubén Dubrovsky erreicht mit dem Orchester des Nationaltheaters eine sensible, differenzierte Wiedergabe. Klangvoll und spielfreudig agiert der Chor, der das Leiden des Herrscherpaares verfolgt.
(Rhein-Neckar-Zeitung, 24. Februar 2015)

„Da ist Hilsdorfs Konzentration auf die Psychologie der Protagonisten und auf die Geometrie von Macht und Verzweiflung, da ist der ästhetisch ansprechende Filmrealismus mit beeindruckend kräftiger Bildsprache und einer Kostümopulenz (Renate Schmitzer) wie im historischen Film.
Und da ist nicht zuletzt die Leistung von Chor, Orchester und Solisten, die unter der exzellenten Leitung Rubén Dubrovskys Glucks musikalische Textdramatisierung mit historisch informierter Stringenz, Eleganz und Schönheit zum Klingen bringen. […]
 (Der Tenor Andreas Herrmann) gehört mit seiner typisch französischen Farbe zur großen Überraschung des Abends. Sein Admète ist (fast) einwandfrei, der Registerausgleich gelingt ihm so gut wie überhaupt die Beseelung von Wort und Ton (…).
Thomas Berau gelingt als Oberpriester der Spagat zwischen vordergründig gutartig und hinterlistig nicht nur mimisch, sondern auch stimmlich (…), und Raymond Ayers Apollon bleibt immerhin noch so imposant wie Raphael Wittmer (Evandre) und Eunju Kwon (Thessalierin).“
(Mannheimer Morgen, 23. Februar 2015)

„Mit seiner jüngsten Musiktheater-Produktion hat das Mannheimer Nationaltheater ein eindrucksvolles Plädoyer für den Komponisten Christoph Willibald Gluck gehalten. […]
(Rubén Dubrovsky) gelingt am Pult eines zum Teil auf historischen Instrumenten agierenden Nationaltheater-Orchesters ganz Erstaunliches: Gluck nämlich, dieser Glücksfall für die Musikwissenschaftler mit seiner theoretisch unterfütterten Opernreform an der Nahtstelle zwischen Barock und Klassik, dem in den musiktheatralischen Praxis eine gewisse Sprödigkeit nachgesagt wird, klingt so spannend, wie man das von der Barockoper des 18. Jahrhunderts kennt – und kommt zugleich ohne deren gleisnerisches Klanglametta aus. […]
(Die Rheinpfalz, 23. Februar 2015)

So erzählt Hilsdorf, gestützt auf die dunkel-prachtvollen Kostüme von Renate Schmitzer, wie in einem Kostümfilm mit Tiefgang die Geschichte reich an Assoziationen und mit abgründigem Humor. […]
Musikalisch gestützt wird das alles prächtig vom Orchester des Nationaltheaters, das im erhöhten Graben und unter der Leitung des ebenfalls in Mannheim debütierenden Dirigenten Rubén Dubrovsky Glucks Partitur präzise, sinnlich und farblich weit gespreizt unterlegt.“
(Allgemeine Zeitung Mainz, 23. Februar 2015)


 

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1. LIEDERABEND in der Montagehalle, 18.01.2015
mit Nikola Diskić und Alexander Fleischer, Klavier

„Auch wenn Nikola Diskić, seit 2011 fest im NTM-Ensemble, bisher mit Lob und Ehre (Arnold-Petersen-Preis) überhäuft wurde, so gehörte doch Mut dazu, mit einem solch anspruchsvollen Balladen- und Liederabend zu debütieren. […]
Diskić singt das ganze Programm auswendig, und es ist des Staunens kein Ende über die totale Verschmelzung von Text und Musik, die gestalterische Intensität seines genuin lyrischen, modulationsfähigen Baritons. […]
Schließlich widmeten sich der Sänger und sein kongenialer Klavierpartner mit edlem Pathos den Balladen von Carl Loewe um Vatermond und Mutterfluch, deren schaurigste („Edward“ und „Herr Oluf“) das Blut in den Adern gefrieren ließen.
Diskićs Charakterisierungskunst und Fleischers pianistische Brillanz machten auch die Schlussnummer, Schuberts populäre „Erlkönig“-Ballade, zu einem effektvollen Höhepunkt. […]
Nach der ungewohnt martialischen  Heine-Vertonung „Die beiden Grenadiere“ von Schumann gab’s noch eine vokal wie instrumental höchst virtuose Glanznummer von Aleksander Vujić „Die da oben“.“
(Mannheimer Morgen, 21. Januar 2015)


 

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3. KAMMERMUSIKMATINEE, 18.01.2015
„LUPOT Streichquartett“

Violine 1: Andrei Rosianu
Violine 2: Susanne Phieler
Viola: Stephanie Phieler
Violincello: Friedrich Martin Voigt


„Quartettgründer Andrei Rosianu, erster Konzertmeister im Nationaltheater-Orchester, hat eine ideale Besetzung gefunden mit seinen beiden Orchesterkolleginnen Susanne Phieler (zweite Violine) und Stefanie Phieler (Bratsche) sowie dem Cellisten Friedrich Martin Voigt von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Das sind vier passionierte Musiker, die neben dem orchestralen Alltag viel Lust auf Kammermusik haben. […]
Herrlich warme Farben eröffneten die Mittelstimmen, was besonders in den geheimnisvollen Pianissimi zur Wirkung kam. Wunderbar ausgekostete dynamische Wechsel gab es da genauso wie erlesene Schattierungen. Hier war nichts überzeichnet, nichts forciert, durchweg herrschte heitere Gelassenheit. […]
Große Reife im Klang und Ausdruck prägte hier das Spiel, hörte man wunderbar ausgekostete Lyrik und schönste Feinabstimmung in allen Verläufen. […]
Große kammermusikalische Kunst, die noch viel erhoffen lässt.“     (Die Rheinpfalz, 20. Januar 2015)


 

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Gaetano Donizetti
L’ELISIR D’AMORE, FOA 10.01.2015
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung: Andrea Schwalbach

L’ELISIR D’AMORE<br />Lucy Crowe mit Nikola Diskić, Tamara Banjesević und Chor<br />FOA 10.01.2015<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
L’ELISIR D’AMORELucy Crowe mit Nikola Diskić, Tamara Banjesević und ChorFOA 10.01.2015© Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Tobias Dinslage
Kostüme: Anne Neuser
Licht: Alexander Alber
Chor: Anton Tremmel

Mit Lucy Crowe (adina), Roberto de Candia (Dulcamara) und Giuseppe Filianoti (Nemorino)

„Das Publikum feiert, und sogar Mannheims Opernrufer meldet sich wieder schmetternd zu Wort und schreit von hinten (aus dem Italienischen und sinngemäß übersetzt): „Ihr ward alle fantastisch!“ Damit meint er vor allem die zwei NTM- und drei Gastsolisten sowie Joseph Trafton am Pult des Nationaltheaterorchesters. […]
Schon von der „Tristan“-Erzählung an überzeugt die spielfreudige, englische Koloratursopranistin als verführerische Erzählerin mit kultivierter Stimmführung und einem überaus perfekten Registerausgleich. […]
Wie immer halten die Hauskräfte mit den Stars (…) locker mit. […]
Die Musik schnurrt unfallfrei, gut koordiniert und gepflegt durch die 120 Minuten. Trafton entwickelt sich gut als NTM-Kapellmeister. Noch so eine frohe Botschaft.“ (Mannheimer Morgen, 12. Januar 2015)


 

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Richard Strauss
SALOME, WA 03.01.2015
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Gabriele Rech

Bühne und Kostüme: Sandra Meurer
Licht: Andreas Rehfeld
Dramaturgie: Christiane Plank-Baldauf


„Diese gelungene Produktion hat in den neun Jahren ihres Bestehens nichts an Kraft und Eindringlichkeit verloren, auch wenn szenisch in der Zwischenzeit einige Änderungen vorgenommen wurden. […]
Frau Rech hat aus dem biblischen Geschehen kein Ausstattungsstück gemacht, sondern in diesem kargen Ambiente eine psychologische Studie auf die Bühne gebracht. Nicht auf die äußere Handlung legt sie den Focus, sondern auf die innere. […]
[Alois Seidlmeier] gelang zusammen mit dem bestens disponierten Orchester ein dichtes, eindringliches Gemisch von dramatischen Klangballungen und kammermusikalischem Feinschliff gepaart mit einer vorzüglichen Transparenz und einem immensen Farbenreichtum. […]
Gesanglich war es in erster Linie Cornelia Ptassek, die den Abend zu einem Ereignis werden ließ. Für die junge Sängerin kam die Salome genau zur rechten Zeit. Schon von ihrem schlanken, grazilen äußeren Erscheinungsbild und dem intensiven Spiel her entsprach sie der jüdäischen Prinzessin voll und ganz. […]
[Cornelia Ptassek] setzte ihren klangvollen, hervorragend fokussierten und ausdrucksstarken jugendlich-dramatischen Sopran frisch und differenziert ein, ohne dabei je an vokale Grenzen zu stoßen. (…) Von dieser erstklassigen Sängerin, der man zu ihrem glanzvollen Rollendebüt in einer der schwierigsten Partien des dramatischen Sopranfachs nur gratulieren kann, ist wohl noch viel zu erwarten. […]
Stimmlich wurde [Thomas Berau] seiner anspruchsvollen Partie weniger mit heldenbaritonalen Mitteln Herr, sondern mit ausgemachter lyrischer Eleganz und Prägnanz seines gut durchgebildeten, sonoren Baritons. […]
Erstklassig war Michael Baba, der den Herodes weit entfernt von allem maskigen Charaktergehabe mit ausgesprochen voll und rund tönendem, baritonal timbrierten Tenorklang versah und auch ansprechend spielte. Gut gefiel Edna Prochnik, die sich in der Rolle der Herodias seit der letzten Wiederaufnahme weiterentwickelt hat. […]
Fazit: Ein sehens- und hörenswerter Abend, dessen Besuch durchaus empfohlen werden kann.“
(Der Opernfreund, 4. Januar 2015)


 

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Johann Strauss
DIE FLEDERMAUS, WA 27.12.2014
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung nach: Friedrich Meyer-Oertel

DIE FLEDERMAUS<br />WA 27.12.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DIE FLEDERMAUSWA 27.12.2014© Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Wolf Wanninger
Kostüme: Reinhard Heinrich
Licht: Heinz Schott
Chor: Anton Tremmel


„Dann also der heftig beklatschte Auftritt des Generalmusikdirektors Alois Seidlmeier, der am Pult des glänzend aufgelegten Nationaltheaterorchesters mit der geistreichen Ouvertüre sogleich ein Brillantfeuerwerk zündete.
Und schon im ersten turbulenten Akt war abzusehen, dass da eine Traumbesetzung sang und agierte. […]
Ein Aufschrei der Begeisterung als sich der Vorhang zu Prinz Orlofskys prachtvollem Ballsaal öffnete. […]
In den festspielwürdigen Schlussapplaus wurden zu Recht Dirigent und Orchester und der spielfreudige Chor mit einbezogen.“    (Mannheimer Morgen, 29. Dezember 2014)

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Franz Lehár
DIE LUSTIGE WITWE, B
Premiere, 18.12.2014

DIE LUSTIGE WITWE<br />B Premiere 18.12.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DIE LUSTIGE WITWEB Premiere 18.12.2014© Foto: Hans Jörg Michel

„Da ist tatsächlich ein Regisseur, Renato Zanella, der die Operette ernst nimmt, die Partitur, das Libretto, die Choreographie und die großen Gefühle. Der den großen Stimmen Raum zur Entfaltung lässt und die slawische Folklore des Zwergstaats Pontevedro liebevoll karikiert. (…) So herrschte denn auch bei der B-Premiere von Franz Lehárs „Lustiger Witwe“ eitel Freude im fast ausverkauften Opernhaus. […]

So reüssierte der unverschämt junge Sebastian Pilgrim mit saftigem Bass als stattlicher Gesandter Mirko Zeta. Als seine fast verführte Gattin Valencienne brillierte Thérèse Wincent, vor allem als kapriziöse Amateur-Grisette. […]
Joseph Trafton am Pult des bestens aufgelegten Orchesters brachte die einfallsreiche Partitur mit den gemütvollen Liedern, dem frechen Grisetten-Chanson und den herrlichen Walzern zum Glitzern und Leuchten.

Das Publikum spendete reichlich Szenenapplaus und feierte die Künstler nach dem Happy End lange und herzlich.“    (Mannheimer Morgen, 20. Dezember 2014)


 

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Franz Lehár
DIE LUSTIGE WITWE, A Premiere, 13.12.2014
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung und Choreografie: Renato Zanella

DIE LUSTIGE WITWE<br />A Premiere 13.12.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DIE LUSTIGE WITWEA Premiere 13.12.2014© Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Esther Walz
Licht: Ralph Schanz
Dramaturgie: Klaus-Peter Kehr / Marco Misgaiski
Chor: Anton Tremmel


„Wie also bebildert man das Lebensgefühl des Operettenpersonals? Zuerst einmal muss die passende Ausstattung her. Die hat das Ausstatterduo Esther Walz (Kostüme) und Dirk Becker(Bühnenbild) zuverlässig geliefert: zeittypisches Kostüm in delikat aufeinander abgestimmten Farben, ein einfaches, auf die Drehbühne gesetztes Bühnenbild, das mit dem Abtransport des verpfändeten Botschaftsmobiliars beginnt und viel Platz lässt für Chor und Tanz […]
Aber wie fein und entschlossen zugleich singt und spielt Astrid Kessler – zusammen mit der jugendlich frischen, als falsche Grisette umwerfende Vera-Lotte Böcker (Valencienne) ein Lichtblick im Premieren-Ensemble. […]     (Darmstädter Echo, 15. Dezember 2014)

Elegantes Fin-de-Siècle-Flair fängt das Bühnenbild von Dirk Becker ebenso ein wie die prächtigen, farbenfrohen Kostüme von Esther Walz. […]
Mondäne Eleganz bestimmt das Tableau im zweiten Akt, und der spielt im Palast der schwerreichen Witwe, wo spiegelblanke Marmorböden, ausladenden, geraffte Vorhänge herrschaftliche Pracht vermitteln. Auf alle Überladenheit hat der Regisseur Renato Zanella ebenso verzichtet wie auf Modernisierungen. Das hat alles Stil und Klasse, besticht durch noble Szenerien. […]
Viel Spaß kommt hinein, nicht zuletzt durch den Erzkomödiant Uwe Schönbeck als Diener Njegus. Tänzerisch beschwingte Gesangsnummern gibt es reichlich und auch diese choreografierte Zanella sehr amüsant. […]
Astrid Kessler als lustige Witwe Hanna Glawary ließ ihren Sopran luxuriös leuchten, gab dem Vilja-Lied schönste Betörung mit samtigem Timbre und sublimen Tönen. Raymond Ayers war darstellerisch sicher ein Prachtbursche, der den Grafen Danilo mit virilem Lebemann-Charme ausstattete. […]
Einen wunderbar blühenden, schmiegsamen und lyrischen Tenor ließ Andreas Hermann als Rosillon hören. Nicht minder bestechend war die leiblich-lyrische Leichtigkeit, womit Vera-Lotte Böcker mit fein getöntem Sopran die Valencienne sang. Und so geriet deren Duett „Komm in den kleinen Pavillon“ zu einem Höhepunkt dieser Aufführung, nicht zuletzt auch dadurch, dass dies von einem wunderbar innigen Geigensolo versüßt wurde. […]
Thomas Jesatko gab dem gelackmeierten Baron Zeta komödiantische Laune und gutes sängerisches Profil.
Unter der Leitung von Joseph Trafton musizierte das Orchester des Nationaltheaters einen Lehár, der so süffig und edel, ja luxuriös tönte, als würde der „Rosenkavalier“ musiziert.“    (Rhein-Neckar-Zeitung, 15. Dezember 2014)

Zunächst einmal wurde viel Zeit und Mühe in die Kostüme investiert, die aussehen, als könnten sie bei der Uraufführung im Theater an der Wien dabei gewesen sein. Auch die Bühne deutet zumindest im zweiten Akt historische Authentizität an. […]
Und im Graben sorgt Joseph Trafton am Pult des Nationaltheaterorchesters für Brillanz ebenso wie für Walzerseligkeit, für sehnsuchtsvolle Kantilenen ebenso wie für mitreißende Cancan-Rhythmen. […]
Die Ensembleleistung passt in das positive Bild: Angefangen mit einer von Astrid Kessler mit großer Stilsicherheit und wunderschöner Stimme gesungenen Hanna Glawari und einer zauberhaften Vera-Lotte Böcker als Valencienne.
Wunderbar auch, Thomas Jesatko einmal weit entfernt von Wagners und Strauss’ Klangwelten auf einer Operettenbühne als Baron Zeta zu erleben. Raymond Ayers scheint die Rolle des Danilo fast auf den Leib geschrieben: Er ist der unwiderstehliche Schwerenöter ebenso wie der unter seiner Sprachlosigkeit leidende Empfindsame, der einfach nicht über seinen Macho-Schatten springen kann. Dann hätten wir noch die glutvollen Spitzentöne von Andreas Hermann als Camille. Und als Faktotum sorgt Uwe Schönbeck in der Rolle des Njegus für die meisten Lacher des Abends.
Wer also gut gemachte Unterhaltung ohne Oberflächlichkeit sucht, der kann sich diese „Lustige Witwe“ gerne ansehen.“     (Die Rheinpfalz, 15. Dezember2014)


 

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FOA, 05.12.2014
Georges Bizet
CARMEN
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung: Gabriele Rech
Carmen: Anita Rachvelishvili
Don José: Yonghoon Lee

CARMEN<br />FOA 05.12.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
CARMENFOA 05.12.2014© Foto: Hans Jörg Michel und FuF
© Foto: CL<br />

„Jedenfalls bringt [Anita Rachvelishvili] das Publikum im Nationaltheater (…) ganz schön in Wallung. Jeder ihrer Einzelauftritte endet im Bravo-Sturm. (…) Aber die Stimme hat Dynamik-Spielräume, nach unten wie nach oben. Und Schattierungen, die zwischen säuselnden Lyrismen und gewalttätigen, kehligen Befehlstönen in herben Mezzo-Tiefen das gesamte Spektrum abdecken. […]

Stimmlich freilich hält [Yonghoon Lee] Stand – edel verblendetes Tenor-Metall macht’s möglich. Auch die „Blumen-Arie“ mit ihrem sich ins Ätherische verflüchtigenden Schluss meistert er bravourös. Für seine inneren – und äußeren – Verletzungen heimst er genauso viele Ovationen ein wie Rachvelishvili für ihren Vollweib-Einsatz. […]

(…) Ludovica Bello (Mercédès) und, mehr noch, Tamara Banjesevic (Frasquita) bringen eine Menge Eleganz und Glanz ins Schmugglercamp. […]
Der Opernchor spielt sehr effektvoll mit der dritten Dimension, dem Klangraum. Das Orchester ebenfalls. […]“    (Mannheimer Morgen, 8. Dezember 2014)

Keine Frage, die für Elisabeth Kulman kurzfristig eingesprungene georgische Mezzosopranistin ist eine erstklassige Carmen. Ihr dunkel getöntes, fülliges Organ verfügt über außerordentliche Durchschlagskraft, ist von exquisiter Klangqualität und verströmte dementsprechend beglückenden sonoren Wohllaut. Zudem setzte Rachvelishvili ihr kostbares Instrument eminent musikalisch und differenziert ein: Ihre Zwischenfarben, Akzentuierungen und Ausdrucksnuancen signalisierten hoch entwickelte vokale Kultur. Und an zündendem Temperament und leidenschaftlichen Tönen blieb sie der Gestalt der wilden, unzähmbaren Zigeunerin, ihrem unbändigen Freiheitsdrang, nichts schuldig. […]

Beeindruckende vokale und musikalische Präsenz ließ sich auch Yonghoon Lee vorbehaltlos bescheinigen. Mit ihrem metallischen Glanz, ihrem Tonvolumen in der Mittellage und ihren leicht ansprechenden, hell leuchtenden Spitzentönen entspricht die Stimme des koreanischen Sängers ohne Einschränkung dem Typ des dramatischen Tenors italienischer Prägung. […]

Jorge Lagunes gab seinerseits einen stimmgewaltigen Escamillo an. Vorzüglich Tamara Banjesevic und Ludovica Bello (Frasquita und Mercedes) sowie Lars Möller (Dancairo).“    (Die Rheinpfalz, 9. Dezember 2014)

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Joseph Haydn
DIE JAHRESZEITEN
Konzertante Aufführung
mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Chor: Anton Tremmel
A Premiere 28.11.2014: Estelle Kruger, Juhan Tralla, Thomas Berau

DIE JAHRESZEITEN<br />A-Premiere 28.11.2014<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
DIE JAHRESZEITENA-Premiere 28.11.2014© Foto: Christian Kleiner

Während in den kommenden Wochen erneut die Flut an Bachs Weihnachtsoratorien über uns hereinbrechen wird, zeigten Chor, Orchester und Solisten des Nationaltheaters, wie lohnenswert auch weniger prominente Oratorien sein können. […]
Herausgekommen ist ein hörenswertes Werk in einer engagierten Umsetzung unter der Leitung von Dan Ettinger. […]
[Dan Ettinger] gegenüber steht das große Gesangsensemble aus Chor und Extrachor. Wenn bei „Sie steigt herauf, die Sonne“ erst der Solo-Sopran, dann Tenor und Bass mit aufsteigender Linie ansetzen, gibt der Chor dieser Passage einen herrlich triumphierenden Gipfel zu. […]
Die drei Solisten waren aus dem hauseigenen Ensemble besetzt. Dabei trat vor allem Tenor Juhan Tralla als Bauer Lukas hervor, der einen stabilen, kräftigen Ton sang. Klar und dennoch ausdrucksstark, zum Beispiel als er das Leiden unter der sommerlichen Hitze darstellte. […]
Jeder besingt seine eigene Lebenswelt zwischen Landarbeit und Naturschilderung. Dennoch gelang es Kruger, Tralla und Berau, klanglich ineinandergreifend zusammen zu kommen. […]     (Die Rheinpfalz, 1. Dezember 2014)

„Die Spezialeffekte reizt Dan Ettinger mit seinen Nationaltheater-Musikern fast bis zum Anschlag aus. Das Blech darf manchmal ungefiltert rummsen, in der Jagdsequenz im Herbst röhren die Hörner herrlich unbekümmert. Fast noch schöner aber sind die ruhigen, sinnenden Momente, pastorale Sommer-Stimmungen bei Holzbläsern und gut geführten Streichern oder die erstarrte Welt der Winternebel. […]
 [Thomas Berau] überzeugt nicht weniger als Estelle Kruger, die selbst Haydns problematische Reminiszenzen an die Gattung Singspiel halb vergessen macht. […]“    (Mannheimer Morgen, 1. Dezember 2014)


„Geschickt lotet Ettinger mit dem Orchester des Nationaltheaters den Farbenreichtum der Komposition aus. […] Mit sicherem Zugriff bringen Ettinger und das Orchester die Klangmalerei des Stückes zur Geltung. […]
Chor und Extrachor des Nationaltheaters präsentieren sich bestens einstudiert. Die Chorfugen werden zügig und klangvoll gesungen. Lebhaft agiert der Chor in der Rolle des Landvolkes. […]
Die Solisten gehen ihren Part mit gebührender Ernsthaftigkeit an. Estelle Krugers heller, beweglicher Sopran ist perfekt geeignet, um die Jugend und gute Laune der Hanne zu vermitteln. Engagiert setzt Tenor Juhan Tralla deutlich Akzente in der Partie des Bauers Lukas. Durch kultivierte Stimmführung zeichnet sich Bariton Thomas Berau als Hannes Vater Simon aus. Ihm gelang es, elegant die Arie „Schon eilet froh der Ackermann“ zu singen, die durch den betont volksnahen Tonfall schnell ins Leiernde abgleiten kann. […]
Haydns „Jahreszeiten bieten in der Wiedergabe des Nationaltheaters Mannheim einen musikalisch reizvollen Nostalgietrip in ein Landleben, das es so nie gegeben hat.“   (Rhein-Neckar-Zeitung, 6. Dezember 2014)



B Premiere 30.11.2014: Eunju Kwon, Andreas Hermann, Thomas Jesatko

Presse folgt

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FOA, 15.11.2014
Giuseppe Verdi
FALSTAFF
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung: Christof Nel
Bühne: Roland Aeschlimann

Mit Albert Dohmen als Falstaff und Véronique Gens als Alice

„Genauso – man könnte es rationalistisch nennen – spielt der 58-Jährige den alten Ritter: ohne Mätzchen, mit gesund gealtertem Bassbariton, markiger Höhe und der Lust am feinen (Falsett-) Ton […]
Die für ihre barocke Stilsicherheit gerühmte Sopranistin macht das Beste draus und erfreut als Alice Ford mit fülliger Rundung und brillantem Parlando. […]
[…] Das übrige Ensemble musste hinter den prominenten Gästen in so gut wie keiner Position verstecken. Schon gar nicht Eunju Know atemberaubend schön und tiefschürfende Nanetta, Evelyn Krahes sopranbassige Quickly, Juhan Trallas gestandener Fenton oder Nikola Diskićs jugendfrischer Ford, dessen „Duett“ mit Albert Dohmen im tönenden Kontrast der Generationen zu einer der spannendsten Szenen des Abends geriet.
Dan Ettinger und das bestens aufgelegte Nationaltheaterorchester tauchten das Ganze in ein quirliges Bad aus sängerfreundlichen, effektreichen und glanglich überwiegend erlesenen Zusätzen.“  (Mannheimer Morgen, 25. November 2014)


 

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Alfredo Catalani
LA WALLY, B-Premiere 31.10.2014

LA WALLY<br />B-Premiere 31.10.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA WALLYB-Premiere 31.10.2014© Foto: Hans Jörg Michel

„Die Mannheimer Erstaufführung (…) dürfte in Tilman Knabes kräftig gegen den Strich gebürsteter Inszenierung durchaus den vielgelobten „mutigen Spielplan“ schmücken. „
„Die Titelrolle singt Galina Shesterneva mit Puccini-gestählten Stimmbändern und die „Ebben“-Arie, das Herzstück der Oper, mit tiefer Empfindung. Ihren emanzipatorischen Weg geht sie kompromisslos und leidenschaftlich. Martin Muehle als Hagenbach prunkt nicht nur mit dem schieren Edelmetall seines edlen Spintotenors; ihn umgibt auch die Aura des geborenen Verführers.“
„Die abstruse Geschichte einer missglückten Emanzipation wird (…) bestens illustriert durch die Partitur, die Alois Seidlmeier sehr differenziert darbot, am schönsten vielleicht die irreale Traummusik im dritten Akt. Starker Applaus.“ (Mannheimer Morgen, 3. November 2014)

„Galina Shesterneva ist diesmal ohne jeglichen Vorbehalt eine Glanzleistung zu bescheinigen. Ihr klangvolles Organ verströmte beglückenden Wohllaut, formte emphatisch ausladende, weit phrasierte, expressive Melodiebögen und entsprach weitestgehend der Charakteristik des dramatischen italienischen Soprans, wenn man will, der Verdi-Puccini-Heroine. Geführt wurde die kostbare Stimme durchweg einwandfrei, geschmeidig, klang in allen Registern ausgeglichen und beeindruckte durch Strahlglanz im mühelos ansprechenden Spitzenregister. Vor allem aber gestaltete Shesterneva ihre Partie und agierte mit dem dramatischen Aplomb der singenden Tragödin von Format: Ihre Identifikation mit der Rolle war bedingungslos. Zur Seite stand ihr Martin Muehle. Dessen metallisch leuchtende Stimme weckte Erinnerungen an historische Tenormonumente wie Franco Corelli und Mario Del Monaco. Dem deutsch-brasilianischen Sänger schien die Partie des Hagenbach direkt in die Kehle geschrieben.“
(Die Rheinpfalz, 4. November 2014)


 

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Alfredo Catalani
LA WALLY, A-Premiere 24.10.2014
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Tilman Knabe
Bühne: Johann Jörg
Kostüme: Kathi Maurer
Licht: Bernard Häusermann

LA WALLY<br />A-Premiere 24.10.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA WALLYA-Premiere 24.10.2014© Foto: Hans Jörg Michel

Dramaturgie: Elene Garcia-Fernandez/Anselm Dalferth
Chor: Anton Tremmel


„Aber so, wie Knabe ein aufklärerisches Ansinnen hat, hat das Werk ein emanzipatorisches. Und wie in „Lohengrin“ und „La Fanciulla del West“ erweist er sich erneut als exzellenter Storyteller, der mit filmischen Realismus und akribischer Personenführung keine Sekunde Langweile entstehen lässt.“
„Sängerisch überzeugen im Grunde Ludmila Slepneva mit einer fabelhaften darstellerischen und einer beseelten stimmlichen Leistung […], Sung Ha als herrischer Stromminger sowie Tamara Banjesevic als sich stets wandelnder Walter mit warmem leichtem Ton.“
„Ein bewegter, bewegender und inszenatorisch starker Auftakt in die Opernsaison, ein Abend, der uns einiges in Sachen Frau vor Augen führt.“ (Mannheimer Morgen, 27. Oktober 2014)

Die Mannheimer „Wally“ gehört zu den besseren Arbeiten Knabes. Und in diesem Fall bekommen wir mit der von Johann Jörg (Bühne) und Katrin Maurer (Kostüme) eingerichteten Inszenierung auch noch einen Kurs bundesrepublikanischer Geschichte geliefert, der sich an einen ganz genau definierten Zeitstrahl orientiert.“
„In Mannheim macht das der Erste Kapellmeister Alois Seidlmeier am Pult eines hochkonzentriert agierenden Nationaltheater-Orchesters ganz fantastisch. Gerade der zweite Akt zeigt dann den musikhistorischen Rang, den man Catalani zugestehen muss.“
„In der Titelpartie agiert Ludmila Slepneva mit großartigem darstellerischem Talent, aber auch mit einer den ganz unterschiedlichen Facetten der Partie zwischen rotziger Göre und verzweifelt Liebender gewachsenen Stimme. Auch Roy Cornelius Smith als Hagenbach stellt sich erfolgreich den Anforderungen dieser anspruchsvollen Tenorpartie. Neben dem Chor müssen noch Sung Ha als Stromminger, Jorge Lagunes als Gellner und die großartige Tamara Banjesevic als Walter erwähnt werden.“
„Nein, ein biederer Heimatfilm wird aus „La Wally“ am Nationaltheater nicht gemacht, dafür aber messerscharf sezierte deutsche Realität von den späten sechziger Jahren bis heute geboten. Regisseur Tilman Knabe hat eine spannende Inszenierung von Alfredo Catalanis Oper vorgelegt (Bühne: Johann Jörg, Kostüme: Kathi Maurer).“
(Die Rheinpfalz, 27. Oktober 2014)

„Ludmila Slepneva in der Titelrolle gab dieser Frau große Präsenz durch alle vier Akte hindurch, verlieh ihrem großen Hit “Ebben? Ne andrò lontana“ schönste lyrische Schmiegsamkeit, steigerte sich in ihre Visionen, Enttäuschungen, in kämpferische Entschlossenheit, immer stimmstark und intensiv singend. Roy Cornelius Smith brachte belcantistischen Schmelz in die Partie des Hagenbach […]. Jorge Lagunes als Gellner hinterließ beste Eindrücke mit seinem elegant tönenden Kavalierbariton, verströmte wohlklingende Lyrik ebenso wie kraftvolle Klangpracht.
Sung Ha ließ als Vater Stromminger einen Prachtbass hören. Tamara Banjesevic sang mit feinem Sopran den kiffenden Freak Walter, Evelyn Krahe gefiel als Afra und Bartosz Urbanowicz war ein schriller Animateur (Pedone). Mit dem famosen Nationaltheater-Orchester ließ Alois Seidmeier am Pult deutlich werden, dass dieses dramma lirico von Catalani herrliche Musik (und längst nicht nur einen Hit) zu bieten hat. Den Puccini-nahen Tonfall fing das Orchester in edlem Kolorit ein und blieb auch an Verve nichts schuldig. Großartig sang der von Anton Tremmel einstudierte Chor des Nationaltheaters. […]
(Rhein-Neckar-Zeitung, 27. Oktober 2014)

„Ludmila Slepneva ist eine in den Höhen wuchtige (…) begnadete Wally, deren mittlere und warm timbrierte tiefe Lagen umso vorteilhafter zu gutieren sind. (…) Roy Cornelius Smith, als Rocker-Brutalo eine völlig stimmige Figur, singt entsprechend zupackend und kann eben auch mit der Kehle zuschlagen.“ (Deutschlandradio, 24. Oktober 2014)
„Auch das Bühnenbild von Johann Jörg und die Kostüme von Kathi Maurer vermitteln starke Bilder, gerade dann, wenn Angst, Einsamkeit und Verzweiflung mit wenigen Mitteln dargestellt werden.“
„Ludmila Slepneva verkörpert die Titelfigur außergewöhnlich intensiv und beleuchtet mit ihrer berühmten Arie Ebben? Ne andrò lontana facettenreich und voll schmerzvollem Leuchten ihre existenziell gefährdete Befindlichkeit. Ihre Kunst prägt den Premierenabend.“
„Alois Seidlmeier setzt mit seinem Dirigat auf griffige, akzentreiche Effizienz, das Nationaltheaterorchester macht prächtig mit. Der Chor unter Leitung von Anton Tremmel und Statisterie in bühnenfüllender Präsenz fügen sich stimmig ein.“ (Opernnetz.de, 24. Oktober 2014)

„Die Regie Tilman Knabes legt besonderen Wert auf die Episodenhaftigkeit des Werks und beleuchtet damit die Lebensabschnitte der Protagonistin Wally. Es wird betont, dass zwischen den ersten drei Akten jeweils 15 Jahre liegen und zwischen dem 3. und 4. Akt nochmal neun Jahre, was im Publikum Heiterkeit hervorruft. (…) Dieses Konzept geht schlüssig auf, und Johann Jörg baut dazu die für die Protagonisten und Chöre gut bespielbare Ambiente, die auch der Breite der NMT-Bühne, darin vergleichbar nur der des  Großen Festspielhauses in Salzburg, Rechnung tragen. (…) Die Kostüme dazu von Kathi Maurer sind intelligent und stimmig.“
(Online Merker, 24. Oktober 2014)

„Hier erreicht Ludmila Slepneva,(…) eine Intensität, dass man ihr an den Lippen hängt. Sie muss sich Olivero angehört haben, so bannend formt sie Silben und glitzernd klare Gesangsbögen, so fein ziseliert sie aus dem Wort-Gestammle einen ekstatischen Aufschrei.“
(Operalounge, November 2014)


 

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GLORIA! Eröffnungskonzert am 20.09.2014
Konzert mit Werken von Vivaldi, Puccini und Poulenc
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

„Das macht […] noch einen guten Abend, bei dem Chor und Extrachor von Direktor Anton Tremmel weitgehend homogen klingen. Dass Ettinger, Orchester und Chor den respektlosen und humoristischen bis sarkastischen Ton von Poulencs „Gloria“ treffen (und Sopranistin Estelle Kruger verzaubert uns dabei mit einem mysteriösen „Domine Deus“ bei dem ihre Stimme locker und luftig zum hohen a'' entschwebt) – es gehört zu den Wundern dieses Abends. Wobei eines nicht vergessen werden darf: Evelyn Krahes Altsolo und vor allem Tamara Banjesevics und Eunju Knows Duett in Vivaldis „Laudamus te“. Wie aus einem Guss klingt das – man könnte ewig zuhören, wenn die beiden singen. Ein vielversprechender Auftakt in die neue Spielzeit.“    (Mannheimer Morgen, 22. September 2014)
 
„Am Nationaltheater erfuhren die drei Stücke durchweg anspruchsvolle Aufführungen. Ettinger, der bei Vivaldi auch die Continuo-Cembalostimme übernahm, disponierte umsichtig, zeigte sich immer um Differenzierung bemüht. Er setzte dabei auf bewegliche Dynamik mit sensiblen, von den Beteiligten reaktionsschnell ausgeführten Tonabstufungen.
 So stand bei Puccini die Wiedergabe ganz im Zeichen von Ausdrucksintensität, Spannung, Kontrastreichtum, und Poulencs bizarre Klanggesten und augenzwinkernd geistreiche Einfälle erhielten prägnantes Profil. Auch bei mehrstimmigen Satzgebilden blieb der Klang durchsichtig.
 Uneingeschränkte Anerkennung gebührt dem von Anton Tremmel einstudierten Chor, dessen wunderbar abgerundeter Klang schlicht beglückte. Überzeugende Eindrücke auch bei den Solisten: Bei Vivaldi wartete Eunju Kwon mit erlesenen Soprantönen auf, ganz besonders bei der delikaten Pastorale des Domine Deus. Auch hätte man sich im Laudamus Te den Zwiegesang mit Tamara Banjesevic kaum eleganter vorstellen können. Sehr kultiviert und mit feiner Detailsensibilität trugen die Altistin Evelyn Krahe bei Vivaldi und die Sopranistin Estelle Kruger bei Poulenc ihre Partien vor. Überzeugende Leistungen auch von den neuen Ensemblemitgliedern, Tenor Andreas Hermann und Bariton Joachim Goltz.“    (Die Rheinpfalz, 23. September 2014)


 

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