Pressestimmen Oper Spielzeit 2015/2016


FOA 17.07.2016, Opernhaus
BEJUN MEHTA und die AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK BERLIN

FOA 17.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA 17.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA 17.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA 17.07.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

››Außerdem ist Bejun Mehta, wie sein Konzert im Nationaltheater zeigt, ein Sympathieträger, der den mit vielen Bravo-Rufen durchsetzten Schlussbeifall auf das Orchester ablenkt. Die Akademie für Alte Musik Berlin unter Leitung von Bernhard Forck versteht sich auf ein dialogisches Musizieren mit dem Sänger, das in hochherziger Intensität aufleuchtet und einen ebenso geschliffenen wie zupackenden Eindruck hinterlässt. […]  Aus der Körperspannung heraus wächst packende Bühnenpräsenz, die etwa das weite Spektrum bei Gluck dokumentiert. Während ›Pensa a serbarmi‹ die kunstvolle Schlichtheit der Gesangsphrase auslotet, so wird Mehta in ›Se il fulmin sospendi‹ geradezu explodieren mit feurigem Temperament. Ach Gott, wie schön, dass der Hörer hingerissen sein darf […]. Mit knapp 30 Instrumentalisten wartet die vielfach ausgezeichnete Akademie für Alte Musik Berlin auf. Mit Kompositionen von Mozart, Johann Christian Bach und Johann Adolph Hasse besteht sie den Härtetest, auch ohne den exzellenten Solisten Mehta sehr gut wahrgenommen zu werden.‹‹ (Mannheimer Morgen, 19. Juli 2016)

››Die Musiker schaffen es, gemeinsam mit Countertenor Bejun Mehta, den Saal in einem Klangstrom treiben zu lassen, einen wunderbaren Drive zu entwickeln. Bei Christoph Willibald Glucks Arie ›Se il fulmine sospendi‹ aus der Oper ›Ezio‹ etwa. Ezio fleht beim Kaiser um Milde. Und Mehta packt dieses intensive Fühlen und Hoffen in eine große Vielfalt an Stimmgestalten. Liebliche Bewegungen in der Höhe, Kraft in den tiefen Tönen. Er atmet mit dem Orchester, das genau auf ihn reagiert. Diese Stücke sind es, die das Konzert auszeichnen.  […] Alle zusammen laufen sie in der zweiten Konzerthälfte zu Höchstform auf, während die ersten Stücke des Abends, ja, eben einfach schön waren. […] Das Publikum ist begeistert.‹‹
(Die Rheinpfalz, 19. Juli 2016)

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Stiftung Nationaltheater: Dr. Georg Müller übernimmt den Vorsitz in Nachfolge auf Dr. Marcus Kremer

© Bericht im MM vom 13.07.2016, Peter W. Ragge, O-Ton

„Der Mozartsommer, der am Samstag beginnt - er wäre ohne sie undenkbar: die Stiftung Nationaltheater. "Wir wollen besondere Dinge ermöglichen, damit das Haus überregional wahrgenommen wird", beschreibt Georg Müller die Aufgabe der Stiftung. Der MVV-Vorstandschef hat jetzt, als Nachfolger von Marcus Kremer, den Vorsitz dieser Stiftung übernommen.“





(...) „Die Arena, die Kunsthalle und die Reiss-Engelhorn-Museen und eben das Nationaltheater - für Müller sind das "auch die Ankerpunkte, die von Mannheim überregional beachtet werden. Wenn hier etwas Besonderes läuft, nimmt man das woanders wahr, das macht die Region attraktiv", weiß Müller. Das wiederum sei wichtig im Wettbewerb der Regionen untereinander, ob um Investoren oder Fachkräfte.“
„Das ist für ihn der "ganz rationale Grund", warum sich die Wirtschaft generell und die von ihm geführte MVV Energie AG für Kultur generell und das Nationaltheater engagieren. So ist die MVV schon seit Beginn an Förderer der Jungen Oper, hat sie überhaupt erst möglich gemacht. Aber auch persönlich ist Müller ein großer Freund von Kunst und Kultur. Rund zehn bis zwölf Abende im Jahr schafft er es ins Nationaltheater, zu Premieren ebenso wie spontan zu Repertoirevorstellungen. (...)
„Bislang stand Marcus Kremer an der Spitze der Stiftung Nationaltheater. Der frühere Vorstandschef der Mannheimer Versicherung führt aber inzwischen die Krankenversicherungssparte des Mannheimer-Mutterkonzerns Continentale in Dortmund. Als sich nun die Frage stellte, wer seine Aufgabe übernimmt, war Müller gerne bereit - aus beruflicher wie persönlicher Überzeugung. "Das Nationaltheater ist für Mannheim ein wichtiger Leuchtturm, und als Teil der Stadtgesellschaft sollte man sich dafür engagieren, dass das so bleibt", meint er. Dabei spannt er einen großen historischen Bogen. Als Kurfürst Carl Theodor 1777 sein bayerisches Erbe antreten, der Hof Mannheim verlassen musste, beließ er das Nationaltheater in der Stadt - und überantwortete es der Bürgerschaft. "Wir sind ein bürgerschaftliches Theater, das merkt man schon am Anspruch der Leute, mitzureden, das bedingt manchmal ein Spannungsverhältnis, aber erzeugt auch hohe Bereitschaft, sich zu engagieren, sich einzubringen", so Müller. Das bedeute freilich nicht, dass Stadt und Land nicht in der Pflicht seien, den Betrieb zu ermöglichen.“
„Die Stiftung Nationaltheater will dies bewusst nicht. "Wir zahlen nichts für den laufenden Betrieb", stellt Müller klar. Wer sich für eine Zustiftung für die Stiftung entscheide oder ihr seinen Nachlass vermache, lege - anders als mit einer einmaligen Spende - ein langfristiges Fundament für große Kunst. Der Stiftung gehe es allein darum, aus ihren Erträgen besondere Projekte zu fördern, die entweder dem künstlerischen Nachwuchs neue Perspektiven eröffnen oder der überregionalen Wahrnehmung des Hauses dienen. Daher unterstützte die Stiftung die "Golem"-Uraufführung, daher ermöglicht sie im November das Festival zum zehnjährigen Bestehen der Jungen Oper und den am Samstag beginnenden Mozartsommer.“

DIE STIFTUNG
„Die "Stiftung Nationaltheater" wurde 2001 mit Startkapital vom Verein "Freunde und Förderer des Nationaltheaters" gegründet.
Inzwischen zählt der Kreis der Stifter 31 Privatpersonen und 17 Firmen, die auf der Stiftertafel im Foyer aufgeführt sind und in Programmheften genannt werden. Sie brachten bisher 1,6 Millionen Euro auf. Ausgeschüttet wird stets nur, was das Kapital an Zinsen abwirft - nur für Projekte, die über den normalen Spielbetrieb hinausgehen.
Infos unter www.stiftung-nationaltheater-mannheim.de
Den Vorstand bilden Georg Müller, Vorstandschef der MVV Energie AG, und als Stellvertreter Rechtsanwalt Christof Hettich.“


 

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Dr. Ralf Klöter wechselt zur Spielzeit 2017/2018 an die Hamburgische Staatsoper

Der Geschäftsführende Intendant am Nationaltheater Mannheim (NTM), Dr. Ralf Klöter, wird zur Spielzeit 2017/2018 die Position des Geschäftsführenden Direktors an der Hamburgischen Staatsoper übernehmen. „Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Herr Klöter für weitere fünf Jahre hier an zentraler Position am Nationaltheater gewirkt hätte, gratuliere ihm aber zu seiner Berufung nach Hamburg. Der Wechsel an die Hamburgische Staatsoper ist auch eine Wertschätzung für das NTM“, betont Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz. Klöter war seit November 2011 am Nationaltheater erfolgreich tätig, zunächst als Kaufmännischer Direktor und seit März 2013 dann als Geschäftsführender Intendant und erster Eigenbetriebsleiter.

Kulturbürgermeister Michael Grötsch dankt dem gebürtigen Wuppertaler mit beruflichen Stationen in Nürnberg und Kiel für sein Engagement beim Aufbau des neuen Leitungsmodells am Nationaltheater Mannheim: „Durch seine vertrauensvolle Mitwirkung an der Neukonzeption der Führungsaufgaben des Hauses konnte die spezifisch Mannheimer Variante des Mehrintendanten-Modells auf eine solide und nachhaltig funktionsfähige Basis gestellt werden. Ich hätte gerne die Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Klöter fortgesetzt, habe aber großes Verständnis für diesen Karrieresprung.“

„Das NTM ist ein Haus, das einen auch nach heutigem Maßstab effizienten Theaterbetrieb ermöglicht und durch seine architektonische Eleganz und Schönheit zu faszinieren weiß“, so Klöter. Bevor er das NTM zum Ende der Spielzeit 2016/17 verlässt, werden seine Arbeitsschwerpunkte die weitere Planung und Vorbereitung der Generalsanierung sowie das 60jährige Jubiläum des Theaters am Goetheplatz sein. Im Rahmen von „Hausbesuchen“ gibt er ab Herbst 2016 interessierten Besucherinnen und Besuchern Einblick in diese Themen.

Pressemitteilung des Nationaltheaters vom 28.06.2016


 

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EHRENTITEL „KAMMERSÄNGER“ an THOMAS JESATKO
Verleihung am 21.06.2016
im Anschluss an die Vorstellung DAS RHEINGOLD

Thomas Jesatko ©Foto: Hans Jörg Michel
Thomas Jesatko ©Foto: Hans Jörg Michel

Aufgrund seiner außerordentlichen Leistung ist das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unter Ministerin Theresia Bauer dem Vorschlag der Stadt Mannheim und der Opernintendanz des NTM gefolgt und verleiht Thomas Jesatko den Ehrentitel Kammersänger. Am Dienstag, 21. Juni 2016 überreicht Staatssekretärin Petra Olschowski im Anschluss an die Vorstellung DAS RHEINGOLD von Richard Wagner dem Bassbariton die Urkunde auf der Bühne des Nationaltheaters. Thomas Jesatko wird an dem Abend als Wotan zu hören sein. Zur Ernennung von Thomas Jesatko erklärte die Kunstministerin des Landes, Theresia Bauer: Als langjähriges Ensemblemitglied ist Thomas Jesatko mit seinem herausragenden  künstlerischen Wirken ein Garant für die bundesweit wahrgenommenen Spitzenleistungen des Nationaltheaters im Opernbereich. Dies würdigt das Land Baden-Württemberg mit seiner Auszeichnung als Kammersänger.


 

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KAMMERSÄNGER THOMAS JESATKO ©Foto: Lys Y Seng
KAMMERSÄNGER THOMAS JESATKO ©Foto: Lys Y Seng
KAMMERSÄNGER THOMAS JESATKO ©Foto: Lys Y Seng
KAMMERSÄNGER THOMAS JESATKO ©Foto: Lys Y Seng

Grußworte der Stadt Mannheim, Bürgermeister M. Grötsch
Verleihung Titel Kammersänger an Herrn Jesatko im Original

„Lieber Herr Jesatko,
sehr verehrte Frau Staatssekretärin Olschowski,
sehr geehrter Herr Professor Kehr,
sehr geehrte  Damen und Herren,

In der Musikstadt Mannheim hat die Pflege von Richard Wagners Musik seit langem große Tradition und das Nationaltheater Mannheim hat mit dem Mannheimer Ring gerade wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass es bis heute zu den bedeutendsten Wagnerbühnen der Opernwelt gehört.  
Diese Bedeutung ist dabei insbesondere Zurückzuführen auf Chor und Orchester des Nationaltheaters und natürlich auf die Sängerinnen und Sänger, die diese großartigen Werke jeden Abend neu für das Publikum erfahrbar machen.
In den vergangenen Jahren haben Sie, lieber Herr Jesatko, maßgeblich daran mitgewirkt, dass dieser Wagner-Schwerpunkt am Nationaltheater Mannheim zu einer besonderen Blüte kommen konnte und ich möchte Ihnen im Namen des Oberbürgermeisters und des gesamten Gemeinderats der Stadt Mannheim zu der großen Auszeichnung, die Sie heute Abend erhalten, herzlich gratulieren.
Dass Sie, liebe Frau Staatssekretärin Olschowski heute ins Mannheimer Nationaltheater gekommen sind, um den Titel des Kammersängers an Herrn Jesatko zu verleihen, freut mich ganz außerordentlich und ich möchte Sie, liebe Frau Staatssekretärin, auch im Namen der Stadt sehr herzlich willkommen heißen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Die reiche Karriere von Thomas Jesatko und die Bedeutung, die die Stadt Mannheim dieser wichtigen Auszeichnung zumisst, ließe sicher eine raumgreifende Rede vor der eigentlichen Laudatio zu. Da der Abend jedoch schon ein wenig fortgeschritten ist und ich der Frau Staatssekretärin auch nicht vorgreifen möchte, gestatten Sie mir nur ein paar wenige Anmerkungen, wie ich den Sänger Thomas Jesatko in den vergangenen Jahren erleben durfte:
Ohne Zweifel ist Thomas Jesatko einer der herausragenden Sänger des Mannheimer Ensembles. Er gehört zu den Sängern mit großem, internationalem Renommee, die dem Nationaltheater über viele Jahre hinweg die Treue gehalten haben und damit zu den wichtigsten kulturellen Botschaftern Mannheims und der Metropolregion.
Auf der Bühne erlebt man ihn dabei nie als Einzelkämpfer, sondern stets als Teil des Ensembles und als starken Vertreter des Ensemblegedankens und damit als Grundpfeiler eines großen und abwechslungsreichen Repertoires an diesem Hause. Thomas Jesatko war in dieser Spielzeit neben dem Ring u.a. als Pentheus in Henzes Bassariden, als Herold in Glucks Alceste, als Bartolo im Barbier von Sevilla und als Baron Mirko Zeta in der Lustigen Witwe zu erleben. Diese bemerkenswerte Mischung reicht von archaischem Ernst über tragische Zerrissenheit bis hin zu grandioser Komik, und das bei einer musikgeschichtlichen Spannbreite von 150 Jahren, über die er einen wunderbaren Bogen spannte.
Darüber hinaus ist Thomas Jesatko jederzeit bereit, sein Wissen zu teilen und weiterzugeben. Er stellte sein hohes Maß an Flexibilität und Offenheit z. B. bei einem pädagogischen Abend zu Wagners Ring an der Universität Mannheim eindrucksvoll unter Beweis. Hier sang er nicht nur Wotan, sondern auch Alberich und noch dazu den Riesen Fafner – alles in derselben Szene, und mit einer wunderbaren gestalterischen und sehr humorvollen Differenzierung zwischen den drei Partien. Großartig!

Lieber Herr Jesatko,
Im Namen der Stadt Mannheim und auch ganz persönlich möchte ich Ihnen für Ihr großes Engagement und Ihren leidenschaftlichen Einsatz danken und gratuliere Ihnen von Herzen.“


 

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MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KUNST
Rede von Staatssekretärin Petra Olschowski

Rheingold ©Foto: CL
Rheingold ©Foto: CL

zur Verleihung des Ehrentitels „Kammersänger“ an
Herrn Thomas Jesatko
am 21.6.2016 im Nationaltheater Mannheim


Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Prof. Kehr,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Grötsch,
liebe Freunde, Förderer und Gäste des Nationaltheaters,
liebe Helen Heberer,
sehr geehrte Frau Prof.in Kämper,
liebes Publikum,
und ganz besonders herzlich begrüße ich natürlich Sie,
sehr geehrter Herr Jesatko,

„Das Älteste, echteste und schönste Organ der Musik, das Organ, dem unsere Musik allein ihr Dasein verdankt, ist die menschliche Stimme“.
So hat es Richard Wagner gesehen und so haben wir es heute erlebt, sehr geehrter Herr Jesatko, bei ihrem eindrucksvollen Auftritt als Wotan im Dialog mit dem großartigen Ensemble und einem wunderbaren Orchester.
Ich bedanke mich herzlich bei Ihnen und allen Mitwirkenden für die inspirierende Rheingold-Vorstellung. Und auch ich möchte dem Mannheimer Publikum ganz herzlich danken. Schön dass Sie, meine Damen und Herren, noch ein wenig bei uns bleiben - zu Ehren von Ihnen, lieber Herr Jesatko.

Anders als die Rheintöchter habe ich keinen zauberhaften Schatz im Gepäck. Deren Schatz, allerdings, hat die Welt der Götter, Riesen und Nibelungen - wie wir gesehen haben - in eine ganz schöne Unruhe versetzt. Dafür bringe ich den ehrenvollen Titel eines Kammersängers mit.

Und ich kann Ihnen versprechen, dass dieser Titel nicht mit des „Fluches Kraft“ belegt ist, die Wotan im „Rheingold“ gerade so schmerzlich erfahren musste. Und Sie müssen seinetwegen auch nicht auf die Liebe verzichten. Heute ist wirklich ein Grund zu feiern, ohne dass „Sorg und Furcht den Sinn fesseln.“

Es ist eine schöne Tradition, herausragende Künstlerpersönlichkeiten, die zum Stammensemble eines Theaters gehören, mit dem Titel Kammersänger zu ehren. Wir wollen damit hervorragende Verdienste um das Theater öffentlich würdigen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wirft man einen Blick auf die baden-württembergische Theaterszene, so kann man ohne Zweifel feststellen: Das Nationaltheater Mannheim spielt eine entscheidende Rolle und steht gut da - trotz nicht gerade einfacher finanzieller Rahmenbedingungen. Dies zeigen die Auslastungszahlen ebenso wie die jüngsten Auszeichnungen und der Widerhall in der Presse.

Das Nationaltheater nimmt nicht nur hier im Land, sondern auch darüber hinaus einen künstlerisch bedeutenden Rang ein und wird von seinem Publikum sehr geschätzt. Dafür möchte ich dem gesamten Intendantenteam, aber auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Dank und Anerkennung aussprechen.

Der Erfolg und das Renomée des Nationaltheaters hängen in hohem Maße auch damit zusammen, dass hier profilierte Künstlerinnen und Künstler aller Sparten mitwirken. Diese sorgen nicht nur für so manchen spannenden künstlerischen Prozess, sondern auch für ein Stück Kontinuität. Das ist wichtig für die Verwurzelung eines solchen Hauses in Stadt und Region und für die emotionale Bindung des Publikums an sein Theater.

Aber ohne die nötige Unterstützung können sich künstlerische Ideen nicht zu Prozessen entwickeln, die wir als Publikum dann, sei es als Tanz, Theater oder Oper erleben können. Deshalb ist es ein zentrales Anliegen der Landesregierung, Kunst und Kultur zu stärken und die notwendigen Freiräume zu schaffen. Deshalb haben wir 2015 die Grundfinanzierung des Nationaltheaters um 2 Mio. Euro erhöht.

Aber kommen wir zur der Ehrung, die heute im Mittelpunkt steht. Ich möchte noch einmal Richard Wagner zitieren, der einmal gesagt hat:
„Die Verleihung eines Ordens hat nicht den Sinn, die normale Tüchtigkeit (eines Beamten) zu belohnen, sondern das was in seinen Leistungen die notwendigen Anforderungen des Nützlichkeitsgesetzes überbietet, zur Anerkennung für sich und andere zu bringen“.

Dies gilt nicht weniger für die Verleihung von Ehrentiteln an herausragende Künstlerpersönlichkeiten im Land. Die Hürden liegen hier hoch, die letzten Auszeichnungen an Sänger des Nationaltheaters wurden in den Jahren 1996 und 1999 vergeben.

Dass Sie, lieber Herr Jesatko, diese Ehrung verdienen, darüber gab es in Mannheim keine Zweifel. Bei der Landesregierung auch nicht – weshalb Frau Ministerin Theresia Bauer dem Antrag der Stadt Mannheim sofort und gerne zugestimmt hat. Ihre Vita und ihr Engagement sind einfach überzeugend!

Es ist kein Zufall, dass Sie gerade heute Abend den Titel „Kammersänger“ erhalten – nach Ihrem Auftritt als Wotan in Richard Wagners Rheingold. Denn Richard Wagner nimmt in Ihrem Schaffen einen ganz besonderen Platz ein, Sie haben im Laufe Ihrer Karriere alle großen Fachpartien dieses Komponisten gesungen. Und Ihr Weg hat Sie direkt in das Herz der Wagnerpflege geführt – zu den Bayreuther Festspielen.

Doch Wagner ist nur eine Facette Ihrer beachtlichen Sängerlaufbahn. Sie wirkten seit den 1980er Jahren an verschiedenen Theatern – zuerst in Darmstadt, dann in Osnabrück - und seit 1997 am Nationaltheater Mannheim. Von hier aus sind Sie zu renommierten Festivals und an die großen Opernhäuser eingeladen worden - beispielsweise nach Zürich, Madrid und Kopenhagen.

Doch ihre theatrale Heimat haben Sie niemals aufgeben. Sie sind dem Kern dessen, was die deutsche Theaterlandschaft ausmacht, treu geblieben – den Stadttheatern mit ihrer Repertoirepflege und ihrer kontinuierlichen Ensemblearbeit. Hier haben Sie es nicht verschmäht, auch in kleinen Rollen zu brillieren oder sich in ganz neuen Partien auszuprobieren.

Und hier, in Mannheim, sind Sie seit Jahren eine feste Stütze für das Ensemble, ein Ansprechpartner und Vorbild für jüngere Kollegen und ein Mensch, dem das faire Miteinander im Theaterbetrieb sehr am Herzen liegt.

Nicht zuletzt zeigt sich das in Ihrer Tätigkeit als Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg der GDBA, der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. In dieser Funktion haben Sie sehr dazu beigetragen, dass Theater nicht nur künstlerische Betriebe sind, sondern die Gemeinschaft und die Solidarität pflegen.

Auch außerhalb des Theaters treten Sie für Ihr Metier leidenschaftlich ein. In Gesprächen mit jugendlichen und erwachsenen Besucherinnen und Besuchern erläutern Sie Opernhintergründe oder erzählen aus Ihrem Sängerleben.

Und da gibt es einiges zu berichten. Zum Beispiel vom „Freischütz“. Einer Oper, die immer wieder Theatergeschichte schreibt - auch dieses Haus wurde 1957 mit Webers Werk eröffnet.

Sie haben die Partie des Casper in 12 verschiedenen Inszenierungen gesungen, unter anderem in derjenigen von Ruth Berghaus in Zürich. Immer wieder haben Sie sich auf neue Sichtweisen und Interpretationen eingelassen. Musikalisch und szenisch. Immer wieder haben Sie das Publikum damit begeistert.

Und diesen Enthusiasmus auch jenseits der Bühne weitergegeben – indem Sie in Gesprächen gelebte Theatergeschichte für das Publikum erfahrbar machten.

Der Wotan, lieber Herr Jesatko, den Sie auf der Bühne so hervorragend interpretieren – ist Ihnen im wahren Leben fremd. Sie sind kein Mensch der Machtspiele, die zu Lasten anderer ausgetragen werden. Mit Ihnen gibt es kein willkürliches Brechen von Gesetzen und Verträgen. Keine eigensüchtigen Machenschaften im Untergrund.

Stattdessen stehen Sie auf, hinter und vor der Bühne für das ein, was Ihr berufliches - und vermutlich auch Ihr privates Leben - prägt: Das Musiktheater. Dafür danken wir Ihnen! Ich darf Ihnen jetzt die Urkunde über die Ernennung zum Kammersänger verlesen und überreichen.


 

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Die Dankesrede von KS THOMAS JESATKO
zum Abschluss der Preisverleihung im Original

„Lieber Herr Kehr,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Grötsch,
sehr geehrte Frau Staatssekretärin Olschowski,

Danke!
Sie mögen an der einen oder anderen Stelle etwas übertrieben haben, aber um ehrlich zu sein: es gibt Schlimmeres, sich anhören zu müssen.

Ich war und bin dankbar für die Möglichkeit, mich hier auszuprobieren, ich kam ja nicht in diesem Zustand an das Haus, dieser ist nicht nur, aber in großen Teilen in Mannheim gewachsen. Ich habe mich immer oder doch meistens getragen gefühlt von den Hausleitungen, dem Betriebsbüro, von den Kapellmeistern und Korrepetitoren, den Regisseuren und Regieassistenten, der Technik, dem Orchester, meinen großartigen Ensemblekollegen und nicht zuletzt eigentlich von der ganzen immer interessierten Mannheimer Stadtgesellschaft.
Und das empfinde ich schon als etwas ganz besonderes, dafür ganz herzlichen Dank!
Herzlichen Dank auch meiner Frau, einer großen Musikerin, meiner Familie und meinen Freunden, die mit viel Verständnis und Interesse mich begleitet haben und noch begleiten.

Und nicht zuletzt Dank meinen verstorbenen Lehrern Hans-Georg Gitschel, früher Kapellmeister am Haus und Bernhard Lang, dem ehemaligen Studienleiter. Wir haben viel, vor allem Wagner, miteinander geochst.
Meine Lehrer Werner Dörmann, Kurt Widmer, Holger Klembt und Kirsten Schötteldreier sind wie viele Freunde und Verwandte extra von weit her angereist, herzlichen Dank für Euren Eifer und Eure Geduld mit mir.

Und das eigentlich Großartigste für mich ist, dass so viele Mannheimer Freunde gekommen sind, Freunde, die wir in den Jahren hier gewinnen konnten, und Freunde sind doch der größte Schatz, die größte Auszeichnung, die man bekommen kann.
Ich hoffe sehr, dass die Stadt mit der notwendigerweise vermehrten Unterstützung der Staatsregierung die Grundlage für unser künstlerisches Tun hier weiter ermöglicht und unterstützt, dass Sie, verehrtes Publikum, davon etwas für ihr Leben mitnehmen können und - dass ich hier nicht der einzige Kammersänger in diesem Jahrtausend bleibe.

Danke, danke Mannheim!“


 

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Thomas Jesatko im Gespräch mit Kulturchef Stefan M. Dettlinger.

KAMMERSÄNGER THOMAS JESATKO ©Foto: Rinderspacher
KAMMERSÄNGER THOMAS JESATKO ©Foto: Rinderspacher

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 15.06.2016, Original-Ton

„Ob als allgegenwärtig über die Bühne geisternder Zauber-Wotan in Achim Freyers "Ring" oder als aberwitziger Doktor Bartolo in Monique Wagemakers Sicht auf Rossinis "Barbier" - Thomas Jesatko hinterlässt immer zwingende Eindrücke. Darstellerisch. Und stimmlich sowieso. Er singt seit vielen Jahren am Nationaltheater, gastiert in Bayreuth und anderswo. Kein Wunder also, dass der gebürtige Franke jetzt vom Land zum Kammersänger geadelt wird, was er "wunderbar" nennt - ein Gespräch.

Herr Jesatko, Gratulation. Sie bekommen diesen wunderbar höfischen, aber doch auch antiquierten Titel Kammersänger. Wie fühlt sich das an?
Thomas Jesatko: Wunderbar! Gut, Kammer-Sänger impliziert für einen Sänger, der sich doch sehr bei Wagner und Ähnlichen zu Hause fühlt, eine arge Verkleinerung. Eine Kammer im heutigen Sprachgebrauch ist doch eher überschaubar und auch mit einem sehr eingeschränkten Organ völlig ausreichend zu beschallen. Da ich ja Geschichtslehrer werden wollte, ist mir aber die Herkunft des Begriffs durchaus geläufig, und obwohl ich keinerlei Monarchie-zurückheischende Gefühle verspüre, freue ich mich sehr und fühle mich geehrt. Was wäre die zeitgemäße Titel-Alternative: Stadt- oder Staatssänger? Dann schon lieber der gute alte KS, also Kammersänger.

Bei Ihnen würde ja Meistersinger gut passen ...
Jesatko: Stimmt, zumal ich als Nürnberger ja in der Lage wäre, den Sachs quasi in Originalsprache zu singen. Andererseits klingt das vielleicht zu hochtrabend, und die Abkürzung würde an eine Krankheit erinnern.

Als junger Sänger bekommt man den Titel ja nicht. Andererseits gehören sie auch nicht zum alten Eisen. Sie sind ja in Mannheim quasi fest zementiert, haben in Bayreuth gesungen und gastieren an vielen Häusern in Europa. Wovon träumt der Kammersänger noch?
Jesatko: Eigentlich lebe ich schon jenseits meiner Träume. Ich habe so viele Rollen singen dürfen, von denen ich am Beginn meiner Karriere nicht geträumt habe: Wagner und dieses ganze Fach. Das war ein Haufen Arbeit. So wäre es für mich großartig, das Erlernte möglichst oft mit möglichst guten Musikern aufführen zu dürfen, gerne gelegentlich auch an anderen prominenten Häusern. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich mich Neuem verschließe. Aber wo der Weg noch hinführt, weiß nur der liebe Gott.

Gibt es noch eine Partie, die Sie unbedingt noch singen möchten?
Jesatko: Naja, vielleicht den Abul Hassan Ali Ebn Bekar, den "Barbier von Bagdad", obwohl der eher von reinen Bässen gesungen wird. Eine wunderbare, sehr skurrile Rolle. Leider war dieser Oper trotz exzellenter Interpreten kein Erfolg beschieden.

Ein Stück des Romantikers Peter Cornelius, das fast nie gespielt wird, auch heute nicht, wo es - im Zuge eines Deutschland, das den Islam als Teil von sich erklärt hat - vielleicht sogar als Integrationskitt funktionieren könnte. Warum begegnet man dem Werk nicht?
Jesatko: Deutsche komische Oper scheint ja allgemein schwierig auf die Bühne zu bringen zu sein, und diese ganz besonders. Dabei werden darin die damaligen Kompositionsgepflogenheiten herrlich durch den Kakao gezogen. Im deutschen Film "kann" man schon länger wieder Komödie, ich hoffe, in der Oper auch bald. Man muss Spielopern sehr ernst nehmen und darf sie nicht veralbern, sonst werden sie lächerlich, flach, nichtssagend und verlieren an Doppelbödigkeit, echtem Witz und Skurrilität. Und welche Bühnenfigur wäre skurriler als Abul Hassan Ali Ebn Bekar? Wunderbare Melodien, witziger Text, kurze Spieldauer - die Oper könnte auf eine sehr humorvolle Weise kulturübergreifend im besten Sinne sein. Warum sie nicht gespielt wird, ich weiß es nicht.

Vielleicht weil das Lustige andere Gattungen übernehmen? Comedy? Kabarett? Fernsehen? In der Oper, so hat man bisweilen den Eindruck, ist der unterhaltende Aspekt ohnehin verpönt...
Jesatko: Das ist halt richtig schwer, anscheinend kann oder traut es sich kaum jemand. Aber ich hoffe, das wird wieder. Die Oper darf das jedenfalls nicht nur anderen überlassen, und gute Unterhaltung, die alle Schichten und möglichst noch alle Altersgruppen anspricht, scheint mir doch die Krönung aller Kunst.

Das dürften die meisten lebenden Komponisten ganz anders sehen...
Jesatko: Ja, schade! Wir müssen versuchen, auch integrativ in der Gesellschaft zu wirken. Positive Geschichten erzählen, natürlich die Leute zum Nachdenken bringen, aber eben auch zum Lachen. Ich finde es ganz fatal, dass sich unsere politische Gemeinschaft immer weiter aufdröselt in Partikulargruppen und -interessen, oft getrieben von negativen, ja, depressiven Haltungen. Dass die politischen Ränder erstarken, ist das Letzte, was wir brauchen. Unser Leben ist unglaublich fragil und täglich gefährdet - aber es kann doch auch lustig, komisch im weitesten Sinne und wunderbar sein und besteht nicht nur aus Tragödien oder Krimis. Natürlich: Es endet immer in der Tragödie des Todes, aber es wäre doch die größte Tragödie, würden wir ein herzliches Lachen verlernen.“

Zur Person:
Thomas Jesatko seit 1997 Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim. Aufgrund außerordentlicher Leistungen ist das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unter Ministerin Theresia Bauer dem Vorschlag der Stadt Mannheim und der Opernintendanz gefolgt und verleiht ihm den Ehrentitel Kammersänger. Im Anschluss an die Vorstellung DAS RHEINGOLD, in der Thomas Jesatko als Wotan zu erleben ist, überreicht Staatssekretärin Petra Olschowski die Urkunde auf der Opernbühne.
"Als langjähriges Ensemblemitglied ist Thomas Jesatko mit seinem herausragenden künstlerischen Wirken ein Garant für die bundesweit wahrgenommenen Spitzenleistungen des Nationaltheaters im Opernbereich. Dies würdigt das Land Baden-Württemberg mit seiner Auszeichnung als Kammersänger."


 

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Richard Wagner
WA GÖTTERDÄMMERUNG, 18.06.2016
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung/Bühne/Kostüme/Lichtkonzept: Achim Freyer

WA GÖTTERDÄMMERUNG, 18.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
WA GÖTTERDÄMMERUNG, 18.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

››Mit einer fulminanten Aufführung wurde nun der erste ›Ring‹ zu Ende geschmiedet. Wenn es je berechtigt war, das komplette Orchester zum Schlussapplaus auf die Bühne zu holen, dann an diesem Abend. Denn ungeachtet der ausnahmslos brillanten Vokalsolisten stellte die Orchesterleistung, ohne den mindesten Spannungsabfall über fünfeinhalb Stunden, alles in den Schatten. Dan Ettinger gelang ein grandioser Spannungsbogen, rauschhaft bei den orchestralen Höhepunkten (Trauermarsch), kammermusikalisch transparent im silbrigen Streicherglanz des Finales, dazu makellose Siegfriedrufe und ein bedingungsloser Ausdruckwillen an allen Pulten – bravissimo! Und ein Ensemble, bei dem schon in der auffallend spannungsreichen Nornenszene (Prochnik, Faylenbogen, Kessler) die Weichen für erfüllten Wagner-Gesang gestellt wurden. Bewundernswert auch, wie sich die Protagonisten in die stilisierte Gestik von Achim Freyers detailverliebter Regie hineingefunden haben. Die gewohnt stimmprächtigen und szenisch ausgefeilten Rollenporträts von Jürgen Müller (Siegfried), Cornelia Ptassek (Gutrune), Thomas Berau (Gunther), Karsten Mewes (Alberich) und Edna Prochnik (Waltraute) wurden noch überstrahlt von Sebastian Pilgrim, der als wahrlich grimmer Hagen glänzend debütierte, und von der furiosen Gast-Brünnhilde der Rebecca Teem, deren fulminanten Schlussgesang man so rasch nicht vergessen wird. Ohne Fehl auch die Rheintöchter (Göres, Markina, Faylenbogen) und die gewaltigen Mannenchöre. Ein großer Abend!‹‹ (Mannheimer Morgen, 21. Juni 2016)

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Richard Wagner
WA SIEGFRIED, 05.06.2016
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung/Bühne/Kostüme/Lichtkonzept: Achim Freyer

WA SIEGFRIED, 05.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
WA SIEGFRIED, 05.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

››Aber diese Brünnhilde ist nicht zum Fürchten, denn Heike Wessels, überzeugt mit ihrem Brünnhilde-Debüt. Ihre Stimme hat souveräne Durchschlagskraft, sie glüht und vibriert, kann locken und mit Keuschheit kokettieren. […] Dunkel die Prochnik-Erda, hinterhältig der Eikötter-Mime, wunderschön die geschmeidig-heldenbaritonale Ausstrahlung des Jesatko-Wanderers; der Bitterlich-Waldvogel lockt und zwitschert, Fafner hat in Sung-Heon Ha einen mächtigen Exegeten und Alberich erhält von Karsten Mewes einen zwiespältig-schillernden Charakter. Das Dirigat von Dan Ettinger wirkt noch intensiver, als ob sich Impulsivität, Durchdringung und überlegene Wagner-Sicht mit Hilfe eines aufregend guten Nationaltheater-Orchesters aufs Beste zusammenfügten. Die Siegfried-Sicht des Bühnenmagiers Achim Freyer zwischen Deutungshoheit und Ironie einschließlich der vielfältigen Accessoires kennt in Mannheim nur noch Freunde.‹‹
(Mannheimer Morgen, 7. Juni 2016)


 

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LIEDERABEND in der
Montagehalle, 27.05.2016
mit Eunju Kwon, Raymond Ayers, Charles Chorda-Sanz und Robin Phillips

„Den Liederabend mit Schubert und Debussy-Schwerpunkt bestreiten der Bariton Raymond Ayers und die Sopranistin Eunju Kwon. Butterweich legt sich Kwons klarer Sopran über Phillips’ Klavierbegleitung, sie glänzt in allen Spielarten der ‚Ariettes oubliées‘, Debussys sinnlicher Vertonung von Versen Paul Verlaines; ob zart in ‚C’est l’extase‘ oder flott und verspielt in ‚Chevaux de bois‘. Als Kontrast zu Schuberts in sich gekehrtem ‚Nachtstück‘ sticht ‚Die Allmacht‘ als brachial euphorischer Höhepunkt des Abends hervor; Schubert besingt darin Jehova, den Herrn. Über donnernden Klavierakkorden legt Eunju Kwon dramatische Inbrunst an den Tag. […] Ayers tönt seinen schlanken Bariton in Debussys Zyklus ‚Le promenoir des deux amants‘ behutsam ab, um ihn in Schuberts ‚Aufenthalt‘ aufbrausen zu lassen. Und in den ‚Three Songs‘, in denen Samuel Barber Lyrik von James Joyce in Töne setzt, schraubt sich Ayers zum Schluss in dramatische Sphären empor.
(Mannheimer Morgen, 31. Mai 2016)


 

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Richard Wagner
WA DIE WALKÜRE, 26.05.2016
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung, Bühne, Kostüme: Achim Freyer

„Dafür wieder einmal ein musikalisches Hochamt ohnegleichen. Ein spürbar lustvoll agierender Dan Ettinger, ein Orchester in Bestform – stellvertretend sei das betörende Englischhorn im dritten Akt gepriesen -, ein Walküren-Oktett aus der ersten Solistinnen-Liga und sechs Rollenvertreter, die jede Staatsoper mit Kusshand verpflichten würde. Galina Shesternevas (Brünnhilde) […] behauptete […] sich im letzten Akt auch neben Heike Wessels’ überwältigender Sieglinde und Thomas Jesatkos großartigem Wotan, der auch den Selbstzweifelndes Gottes bezwingenden Ausdruck verlieh. […] Edna Prochnik brachte die herrscherliche Attitüde der Göttergattin Fricka eindrucksvoll über die Rampe. Michael Baba verfügt als Siegmund über die nötige Durchschlagskraft, […]. Sung Ha gab mit seines Basses Grundgewalt dem finsteren Hunding starke Kontur. Nachdem ‚Wotans Abschied und Feuerzauber‘, herrlich gesungen von Jesatko, in Streicher- und Harfenkaskaden verhallt war, löste sich die Spannung in einem ‚Bravissimi‘-Schrei. Lange Ovationen für Sänger, Statisterie und das auf der Bühne mit Dan Ettinger versammelte Orchester.“
(Mannheimer Morgen, 28. Mai 2016)


 

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FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Gäste: Angela Brower und Lawrence Brownlee

FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016 ©Foto: NTM
FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016 ©Foto: NTM
FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
FOA : IL BARBIERE DI SIVIGLIA, 15.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

„... Gioacchino Rossinis Komische Oper nach Beaumarchais in Monique Wagemakers geistreicher Inszenierung (ist) seit gut fünf Jahren ein Belcanto-Juwel im Spielplan. Dreh- und Angelpunkt ist dann, ob sich die illustren Gäste in Windeseile akustisch wie optisch ins gewachsene Ensemble integrieren können. Mezzosopran Angela Brower (Rosina) wurde 2008 von der Hochschule weg an die Bayerische Staatsoper engagiert, wo sie längst erstes Fach bis zu ihrer Traumrolle Charlotte ("Werther") singt. Um Lawrence Brownlee als Graf Almaviva reißen sich weltweit die ersten Häuser, und seit er in seiner Auftrittsarie "Ecco ridente in cielo" mit lyrischem Schmelz und mühelosen Spitzentönen die Morgenröte besang, wissen wir auch, warum. ... Bei einem "tenore di grazia" von solcher Qualität zählen andere Vorzüge: Agilität, Koloraturengewandtheit und die Fähigkeit, sich in den teuflisch schwierigen und rasend schnellen Ensembles zu behaupten. Da begegneten sich die bezaubernde Rosina und ihr angebeteter Almaviva alias Lindoro mit den ausnahmslos fantastischen Mannheimer Rollenvertretern auf Augenhöhe. So könnte Nikola Diskics prachtstimmiger Figaro an jedem Opernhaus der Welt reüssieren. Und während man ihm die 'geläufige Gurgel' zutraut, erstaunt sie uns immer wieder bei den Herren des dunklen Stimmfachs. Thomas Jesatko (Bartolo) und Sung Ha (Basilio), beide ungewohnt komödiantisch, brillierten in Koloraturgirlanden und flinkem italienischem Parlando. Zudem bewies Jesatko in seinem urkomischen Falsett-Arioso "Quando mi sei vicina", dass er notfalls auch als Countertenor seine Laugenbrötchen verdienen könnte. In ihrer Nebenrolle als Dienerin Berta räumte Tamara Banjesevic mit ihrer Ariette "Il vecchiotto cerca moglie" fast genauso viel Applaus ab wie Rosina zuvor nach ihrer brillant gesungenen Bravour-Arie "Una voce poco fa". Ein Lob auch dem von Aki Schmitt betreuten Herrenchor.
Mit der elegant musizierten Ouvertüre stellte Joseph Trafton die Weichen für eine mustergültige Orchesterleistung, Hammerklavier und Gitarre inklusive.“
(Mannheimer Morgen, 17.05.2016)


 

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Pressekonferenz zum Opernspielplan 2016/17
Stefan M. Dettlinger im MM 13.05.2016, O-Ton

„Er wolle, sagt Mannheims designierter Opernintendant Albrecht Puhlmann bei einer überaus unterhaltsamen Pressekonferenz, den Zauber, der allem Anfang innewohne, über die nächsten fünf Jahre beibehalten. Dafür bringt der Mann aus Bad Segeberg nicht nur ein höchst anspruchsvolles Premierenprogramm mit nach Mannheim und setzt 17 Wiederaufnahmen an ("Elektra", "Parsifal", "Tosca", "Barbier" und "My Fair Lady" sind darunter). Er schafft auch frischen Wind mit neuen Formaten.
So werden die geliebten Night Moves von Thomas Siffling mit der Kammermusik und den Liederabenden zum Musiksalon fusionieren, dem stilistisch noch Weltmusik und Pop addiert werden. Das neue Format soll auch zur Diskussion anregen (Siffling übernimmt weiterhin das Jazzprogramm). Es ist die Lust zu spüren, mit Menschen in Kontakt zu treten. Dazu passt auch das internationale Festival Happy New Ears (20.-27.11.16), mit dem die Junge Oper ihr zehnjähriges Bestehen feiern wird.
Dass die Festlichen Opernabende weiterlaufen, dürfte viele erfreuen. Mit der wunderbaren Annette Dasch (Elsa), dem exzellenten Sängerdarsteller Wolfgang Koch (Telramund) oder Michael Volle (Scarpia) und Johan Botha (Radames) treibt Puhlmann den Promi- und Qualitätsfaktor fast noch eine Spur nach oben (wenn alles so kommt wie geplant).
Auch, dass man Geburtstage nicht mehr fahrlässig verschläft, ist positiv: Um den Sechzigsten von Hans Schülers "Parsifal"-Inszenierung wird am 8./9. April 2017 gleich ein kleines Jubiläumsprogramm gestrickt, und selbst der Sechzigste des riesigen Theaterbaus von Architekt Gerhard Weber wird gefeiert (13.2.17). Die immer dringlicher werdende Sanierung indes ist längst nicht in trockenen Tüchern (Bürgermeister Michael Grötsch: "Da muss noch mehr vom Land kommen.")
In der Jungen Oper ist mal wieder eine durchkomponierte Oper ("Romeo und Zeliha") zu sehen, die tangiert wird von der mobilen Klassenzimmer-Untersuchung "Lauschangriff" und "Schlüpfen" für Babys.
Für Zauber ist im Prinzip also gesorgt. Aber wie immer beim Theater: Klug ist man erst hinterher.“


 

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IN DER OPER : WER GEHT – WER KOMMT

WER GEHT: Klaus-Peter Kehr (Intendant), Dan Ettinger (GMD), Lutz Wengler (Stellv. Intendant), Alois Seidlmeier (Stellv. GMD), die Sänger Michael Baba, Tamara Banjesevic, Karsten Mewes, Ziad Nehme, Edna Prochnik, Cornelia Ptassek, Galina Shesterneva (weiter a. G.), Ludmila Slepneva (weiter a. G.), Roy Cornelius Smith (weiter a. G.), Sebastian Pilgrim, Juhan Tralla.

WER KOMMT: Albrecht Puhlmann (Intendant), Alexander Soddy (GMD), Marwin Wendt (Stellv. Intendant), Benjamin Reiners (Stellv. GMD, 1. Kapellmeister), Matthew Toogood und Wolfgang Wengenroth (2. Kapellmeister), Dani Juris (Chordirektor), Eves Abdulla (Bariton), Miriam Clark (Sopran), Christopher Diffey (Tenor), Will Hartmann (Tenor), Nikola Hillebrand (Sopran), Philipp Alexander Mehr (Bass).
MM, 13.05.2016


 

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ALEXANDER SODDY, der neue GMD ab der Spielzeit 2016/17

Alexander Soddy ©Foto: Christian Kleiner
Alexander Soddy ©Foto: Christian Kleiner

„Das Orchester schwärmt von Mannheims neuem Generalmusikdirektor Alexander Soddy. Der Mann wurde von den Musikern mit 95-prozentiger Zustimmung gewählt. Das ist selten - und spricht für den 1982 geborenen Dirigenten aus Oxford. Offenbar verbindet Soddy Charme mit großer musikalischer Kompetenz, sprich: Er ist ein akribisch Probender, der dem Orchester genau anzeigt und sagt, was er will. Das kann der Klangkultur jetzt nur gut tun, nachdem mit Dan Ettinger eher ein "Abend-Dirigent" da war, dessen Qualität vor allem im Heraufbeschwören magischer Momente im Konzert bestand.
Wie Ettinger kommt auch Soddy vom Singen. Er studierte an der Royal Academy of Music Dirigieren und Gesang. Im Anschluss folgte ein Studium der Musikwissenschaft und Analyse in Cambridge. Direkt danach wurde er 2004 Korrepetitor und Dirigent am National Opera Studio in London. 2005 wurde er Korrepetitor an der Hamburgischen Staatsoper. In der Saison 2008/09 debütierte er in Hamburg mit Mozarts "Zauberflöte" und erntete damit einen ersten großen Erfolg.
Von 2010 bis 2012 war Soddy Kapellmeister in Hamburg. 2013/14 wurde er Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt. Im September beerbt er Dan Ettinger. Sein Vertrag läuft bis 2021. In der ersten Saison wird er rund 50 Abende dirigieren.“
Mannheimer Morgen, 13.05.2016, Stefan M. Dettlinger


 

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ALBRECHT PUHLMANN, Mannheims Opernintendant ab der Spielzeit 2016/17, im Gespräch mit Stefan M. Dettlinger
Mannheimer Morgen, 13.05.2016 im O-Ton

Albrecht Puhlmann ©Foto: Christian Kleiner
Albrecht Puhlmann ©Foto: Christian Kleiner

„Herr Puhlmann, Odysseus, dessen Story sie Monteverdi erzählen lassen, sehnt sich nach Heimat. Auch die Mannheimer haben Sehnsucht nach Heimat, und die heißt Mozart, Verdi, Wagner, Strauss. Mit "Aida" machen Sie nur einen Heimatgaranten als Premiere. Grasen Sie die Repertoireränder ab?
Albrecht Puhlmann: Diese Sehnsucht soll ja in den nächsten Jahren erfüllt werden. Gleichzeitig bin ich aber überzeugt, dass es auch eine Sehnsucht nach dem scheinbar Unbekannten gibt. Und da stößt man dann unversehens auf ganz herrliche heimische Dinge, wie es die Meisterwerke von Monteverdi, Schumann oder auch Weills "Mahagonny" darstellen. Da ist man dann mitten drin in den wunderbaren Geschichten, wie sie nur die Oper erfahrbar machen kann - und nicht mehr am Rand.

Was verbirgt sich hinter "La Reine"?
Puhlmann: Ich bin kein großer Freund konzertanter Opernaufführungen, wohl aber davon, Musik zu theatralisieren. So entstand die Idee, mit der großen Sängerdarstellerin Angela Denoke, Regisseur Thomas Bischoff und drei Schauspielern einen Abend über die schwarze, nächtliche Seite der Romantik zu machen. Berlioz und Wagners traumhaft schöne Orchesterliedzyklen "Les nuits d'été" und "Wesendonck-Lieder" werden verschränkt, theatralisiert...

An anderer Stelle arbeiten Sie mit Tanz. Ist das die auch von der Politik gewünschte spartenübergreifende Arbeit? Oder die Zukunft neuen musikalischen Theaters gar?
Puhlmann: Uns vier Intendanten eint auch der Wunsch nach künstlerischer Zusammenarbeit - und mit Burkhard Kosminskis Schauspiel gibt es die in Ansätzen auch schon bei der Schimmelpfennig-Uraufführung. An anderer Stelle mit dem Schauspiel und auch mit dem Tanz von Stephan Thoss. Das könnte ein neues musikalisches Theater werden.

Normalerweise würde ich jetzt denken: Sie glauben nur im Crossover der Gattungen an die Zukunft zeitgenössischer Oper, also nicht mehr an neue funktionierende Werke - aber da ist ja doch die Uraufführung von Chaya Czernowin...
Puhlmann: ...niemand zweifelt an der Zukünftigkeit der Oper an sich. Wir müssen die grandiosen Geschichten für jede Generation neu erzählen. Dafür gibt es nur ein Kriterium: Qualität. Auftrag ist mir dabei die Aufführung neuester Opernwerke bei großer stilistischer Offenheit. Wir haben eine 400-jährige Operngeschichte als Reservoir. Daraus kann sich jede Generation neu der Gattung versichern, sie befragen, versinnlichen und ihre Lebendigkeit beweisen.

Trotzdem könnten Sie das Haus schließen, würden Sie auch nur ein Viertel des Repertoires mit Werken nach 1926, dem Uraufführungsjahr von "Turandot", bestreiten...
Puhlmann: Die Geschichte der Oper ist ja längst zur Geschichte ihrer Interpretationen geworden. Und dass sie ihr Momentum hinter sich hat, ist klar. Aber das gilt für fast jede Kunstform, ob Sinfonik, Roman oder Bildende Kunst. Trotzdem müssen wir die Grenzen erweitern und immer wieder überprüfen, was heutige Musik uns sagen kann, was lebt.

Sie gelten als Entdecker Calixto Bieitos als Opernregisseur. In Hannover haben Sie viel mit ihm gemacht, und auch in Stuttgart. Warum fehlt er jetzt?
Puhlmann: Der fehlt, weil er an allzu vielen in-und ausländischen Opernhäusern eben nicht fehlen darf. Aber: Wir haben uns für Mannheim in den kommenden Jahren für einige sehr schöne Stücke verabredet.

Czernowins Oper "Unendliches Jetzt" inszeniert ja Luk Perceval. Es geht um Krieg, ums Nachhause-Kommen und mehr. Wird der Abend einen erzählerischen Bogen haben, wird Privates und Öffentliches verhandelt? Oder handelt es sich auch hier wieder um postdramatisches Theater und seine Kunst der Andeutung und Zersplitterung?
Puhlmann: Das ist das zentrale Stück der Saison, um das die anderen wie Planeten kreisen. Warum? Czernowin und Perceval haben sich zusammengetan, um auf der Grundlage von Percevals Requiem "Front" der Ur-Katastrophe des Ersten Weltkriegs zu gedenken. Außerdem will der Abend alles ins Universelle, Existentielle weiten. Also: keine Zersplitterung, aber auch kein narratives Musiktheater, sondern existenzielles Statement. Pathetisch ausgedrückt: Den besten Dramen geht es um die Suche nach Wahrheit und die Frage, wer wir sind, was wir sind, warum wir sind. Das verstehe ich unter Schillers Diktum der Bühne als moralischer Anstalt. Die Kriegsheimkehrer Radames, Herkules und Odysseus sehe ich in diesem Licht eines "unendlichen Jetzt".

War das jetzt der Rote Faden Ihrer ersten Saison? Sehnsucht nach friedlichem Zuhause, Heimweh, Heimkehren?
Puhlmann: Das könnte man so sagen - auch wenn diese Heimkehr entweder Sehnsucht bleibt - oder grausam scheitert...“


 

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FOA : DIE LUSTIGE WITWE, 22.04.2016
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Gäste: Noémi Nadelmann und Michael Volle

Noémi Nadelmann ©Foto: NTM
Noémi Nadelmann ©Foto: NTM
Michael Volle ©Foto: NTM
Michael Volle ©Foto: NTM

››Auch als arbeitsscheuer pontevedrinischer Diplomat in Paris stellt der Bayreuther Beckmesser ein überaus pralles Mannsbild auf die zu große Bühne: mit herrliche flutendem Prachtbariton, einer opulenten Höhe, mal tenoral offen, mal eher gedunkelt-abgestützt und einer sagenhaften Bühnenpräsenz, wobei allein schon die große Eifersuchtsszene am Ende des zweiten Akts eine sängerdarstellerische Glanzleistung markierte. […] Keinerlei Abstriche waren derweil beim ›niederen‹ Paar Valencienne-Camille (Vera-Lotte Böcker und Andreas Hermann) zu machen, großformatig zog einmal mehr Thomas Jesatko als Baron Zeta die Strippen […].  Und Joseph Trafton am Pult hielt den Ladenordentlich zusammen und bevorzugte wiederrum einen weich-federnden mehr als den spritzig –brillanten Lehár-Sound.‹‹ (Mannheimer Morgen, 25. April 2016)


››Michael Volle, als ›Anfänger‹ einst ans Nationaltheater verpflichtet, längst auf internationalen Bahnen kreisend, hat vokal und darstellerisch alles, was einer braucht, um den abgehalfterten Hallodri Danilo über die Rampe zu bringen. […] Michael Volles dominanter Vollblut-Danilo kam, nicht zum Nachteil des kaum wieder zu erkennenden Abends, eben aus ganz anderen Inszenierungen. Für die für Petra Maria Schnitzer eingesprungene Noémi Nadelmann als Hanna Glawari muss das gleiche gelten. […] Aber wen störte dies schon an der vom Orchester unter Joseph Trafton straff durchgezogenen Abendunterhaltung, bei der das Haus-Ensemble wacker mithielt, Thomas Jesatko dem leicht depperten Gesandten Profil, Vera-Lotte Böcker seiner Frau Valencienne zweideutig-schillernden Reiz gab und Andreas Hermann als ihr Verehrer Rosillon so tenorschön tönte, als sänge er gerade den Fenton. Jubel am Ende.‹‹ (Die Rheinpfalz, 26. April 2016)


 

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Bernhard Lang (Musik) / Peter Missotten (Video-Libretto)
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016
Musiktheater in 22 Kapiteln
Komposition: Bernhard Lang
Musikalische Leitung: Joseph Trafton

DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER GOLEM (UA), Premiere 16.04.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Inszenierung, Bühne, Licht: Peter Missotten
Video: Peter Missotten / Casper Wortmann
Kostüme: Lotte Milder
Dramaturgie: Dr. Merle Fahrholz
Chor: Francesco Damiani / Aki Schmitt


››Langs Musik entspricht in ihrer geradezu einheitlichen Vielgesichtigkeit der nicht auf lineare Narration gerichteten Dramaturgie von Meyrink wie Missotten. Insofern war es ein im besten Sinne kaleidoskopischer Abend, verwirrend, aber plastisch, zudem szenisch virtuos im Ineinander von Bildschirm- und Personen-Perspektiven-Wechsel. Und ein eindrucksvolles Zeugnis für die konzeptionelle wie praktische Leistungskraft der Mannheimer Oper. Innerhalb des fabelhaften Ensembles sei Raymond Ayers in der Schlüsselfigur des Athanasius Pernath hervorgehoben. Langs schwierige Partitur wurde unter der Leitung von Joseph Trafton suggestiv umgesetzt. ‹‹
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. April 2016)

››Ganz wunderbar offensichtlich agiert […]der Chor, ein Hauptakteur. […]
Raymond Ayers gibt Athanasius Pernath eine variable Stimme: immer gut artikuliert, oft fragend, auch mal mit einem verzweifelten ›Ich will nicht! ‹. Der Wechsel zwischen Beinahe-Gesprochenem und melodischen Elementen gelingt dem Ensemble-Mitglied des Nationaltheaters sehr gut. Ebenso überzeugend: Alin Deleanu in der Doppelrolle Charousek/Wassertrum. Er spielt Vater und Sohn in einem, zeigt dies changierend zwischen tiefer Lage und Kopfstimme und ist schauspielerisch stark. Steven Schescharegs Hillel gelingt seriös-wissend mit vollem Klang. Joseph Trafton führt das Orchester durch eine, wenn auch für zeitgenössische Musik überraschend eingängige, so trotzdem komplexe Partitur mit ständigen Taktwechseln. Ebenso irreal wie das Hin und Her zwischen Beschleunigung und Ruhe wirken die von Lotte Milder gestalteten Kostüme mit viel Schwarz und aus der Zeit gefallener Eleganz. Wir schauen gerne hin; wie auch auf einzelne Impressionen, die verzaubern […]. Es ist eine Aufführung, auch für Menschen, die sonst nicht in die Oper gehen. Weil sie eine herrliche Un-Oper ist.‹‹
(Die Rheinpfalz, 18. April 2016)

››Es gehört zu den Stärken dieser Neuproduktion von Lang sowie Video-Regisseur Peter Missotten, dass sie uns mit Fragen entlässt, uns gewissermaßen auffordert, intellektuell tätig zu werden, Fragen nach dem Sein, nach Mensch und Maschine, nach unbegründeten Gründen von Angst zu stellen. Missotten schafft einen fantastischen Bühnenraum mit zwei psychologischen Räumen und viel Videoeinspielern. […] Der Altus Alin Deleanu (Charousek / Wassertrum) gehört […] zu den auffälligsten und expressivsten Sängern des Abends, zusammen mit Astrid Kessler, die als dramatisch angelegte Angelina einen der beiden erotischen Anziehungspunkte für Pernath darstellt […]‹‹
(Mannheimer Morgen, 18. April 2016)

››Raymond Ayers in der Partie des Athanasius Pernath führt ein sehr geschlossenes, auf hohem Niveau agierendes Ensemble an. Joseph Trafton sorgt am Pult des Mannheimer Opernorchesters für die nötige Straffheit und Transparenz und auch Lockerheit. Denn das ist das tatsächlich Neue, Ungewöhnliche an Langs ›Golem‹, es gibt organisch fließende Passagen und sogar mehrfach Humor und Komik.‹‹
(Deutschlandfunk, 17. April 2016)

››Ein treffliches Sänger-Ensemble ist hier beteiligt, gesungen wurde mikrofonverstärkt, was dem Ganzen eine klanglich eigene Note gab. Eine starke Leistung des überragenden Countertenors Alin Deleanu in der Doppelpartie des Charousek/Wassertrum, der hochintensiv in weiten Intervallsprüngen und mit virtuosen Techniken in der Countertenor-Lage als auch in baritonaler Lage sang. Raymond Ayers als Pernath, Astrid Kessler mit schillerndem Koloraturen, Marie-Belle Sandis (Mirjam), Steven Scheschareg und viele weitere Sänger sowie der vortrefflich singende Nationaltheater-Chor machen diese Produktion zu einem musikalischen Treffer. Unter der präzisen Leitung von Joseph Trafton musizierte das Orchester des Nationaltheaters Mannheim eindrucksvoll.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 19. April 2016)

››Symbolbehaftet-assoziativ geht das Schicksals-Traumspiel über die Bühne, was auch Langs Musik wiederspiegelt, die in Mannheim von den neun Sängersolisten und dem Chor und Orchester des Nationaltheaters unter Dirigent Joseph Trafton packend souverän umgesetzt wird.‹‹
(SWR2, 18. April 2016)

››Die Schlagzeuger des Orchesters machen ihre Sache großartig, und überhaupt sorgt der Dirigent Joseph Trafton insgesamt nicht nur für eine klare Darstellung von Langs charakterisierenden Klangfarben, sondern auch für eine gute Koordination selbst der rhythmischen und metrisch ziemlich vertrackten Passagen.‹‹
(Stuttgarter Zeitung, 19. April 2016)

››Das Nationaltheater Mannheim zeigte mit der Uraufführung von Der Golem ein Musiktheater, das begeistern kann. […]Eine wunderbare Partie gestaltete der junge Altus Alin Deleanu (Charousek/Wassertrum) mit klarem Ton und beeindruckenden Wechseln von Kopf-, Brust- und Sprechstimme; […].Für reizvolle Auftritte sorgte zwischendurch Astrid Kessler in der Rolle der Angelina, eine der beiden Frauenrollen, […]ebenso genial wie witzig sang Raphael Wittmer in der der Dreifachbesetzung von Zwack, Wenzel und Schaffranek, und es war die Stringenz, mit der alle Sänger ihre Rollen umsetzten, die das Opernerlebnis so eingängig machte. […] Besonders bemerkenswert war dabei das Schlagzeug, das in dieser komplexen Komposition äußerst präzise den Ton angab. Zwischen den großen, jazzigen Rhythmuseinheiten tauchen jedoch auch ab und zu zarte Streichermelodien auf, die im Kontrast eine feine, sensible Wirkung erzielen. […]Es war schön, unter den zeitgenössischen Opern auch einmal eine sehr moderne Oper zu sehen, die nicht auf groteske Tonfolgen setzt, sondern mit ihrer stark rhythmischen Prägung gar eingängig ist und dadurch eine starke Sogwirkung entwickelt: Ganz so, wie im Roman und auf der Bühne spirituelle, traumhafte und mystische Realitäten ineinander verschoben werden, durchlebte man als Zuhörer die Oper wie in einem rauschhaften Fluss.‹‹
(bachtrack.de, 18. April 2016)

››Die Musik von Bernhard Lang entwickelt in ihrer starken Rhythmik und den vielen Wiederholungen auf kleinstem Raum Sogwirkung. Sie hält den mäandernden Abend zusammen. Und berührt auch emotional in ihrer Mischung aus Einfachheit und Komplexität, aus Vertrautem und Verfremdetem, aus lyrischen Inseln und motorischen Energiefeldern, die eine große Dynamik entfalten. […] Joseph Trafton dirigiert diese häufig aus ungeraden Takten bestehenden Loops und komplexen Rhythmen so selbstverständlich, als hätte er nie etwas anderes getan. Auch das Orchester des Nationaltheaters Mannheim groovt sich ohne Reibungsverluste ein in diese musikalische Welt der Patterns, Wiederholungen und feinen Klangdifferenzierungen. Die sieben Schlagzeuger leisten Präzisionsarbeit. Es ist der ständig variierte Rhythmus, der diesem schillernden Abend Struktur gibt. […]Im ausgezeichneten Solistenensemble gebührt dem zwischen Kopfregister und Bruststimme spielend wechselnden Altus Alin Deleanu, der als Charousek/Wassertrum höchste Präsenz entfaltet, die Krone. Aber auch Astrid Keller (Angelina/Kellnerin) mit ihrem vielschichtigen Sopran, Raphael Wittmer (Zwack/Wenzel/Schaffranek) mit seinem hellen, ganz leichten Tenor und der Bariton Steven Scheschareg (Hillel/Double Athansius Pernath) setzen musikalische Akzente. Die Solisten haben großen Anteil daran, dass man sich einlassen kann auf diesen faszinierenden Abend, der trotz seiner Komplexität eine Leichtigkeit entfaltet, die man im zeitgenössischen Musiktheater nur selten findet.‹‹
(Die deutsche Bühne.de, 17. April 2016)


››Es ist ein rätselhafter Opernabend. Und er ist ein Glücksfall unter den aktuellen Opern-Novitäten. Zu verdanken ist der dem für seine experimentellen Ambitionen bekannten Linzer Komponisten Bernhard Lang (59). Und dem flämischen Videokünstler Peter Missotten (53). [… ] Was Graben, Chor und Protagonisten produzieren, gibt sich alsbald als ein Personalstil zu erkennen, der durch die zelebrierten Wiederholungsschleifen bestimmter Sequenzen oder Worte zwar das Artifizielle ausstellt, aber mit seinem Anschmiegen an den Rhythmus der Sprache zugleich eine Sinnlichkeit entfaltet, die sich immer wieder in die Opulenz des vollen Orchesterklangs, des pointierten Rhythmus, des oratorischen Chorsingsangs und einer geschmeidigen vokalen Eloquenz aufschwingt. Dabei sind die ganzen 80 Minuten abwechslungsreich und langweilen nie mit ausgeklügelter Selbstbezogenheit.  […]Doch nicht unbedingt jeder Hakenschlag des äußeren Geschehens der Collage aus zweiundzwanzig Kapiteln erschließt sich dem schnell gebannten Zuhörer völlig. Muss auch nicht. Denn was man hört, sieht, ahnt, assoziiert kommt als Ganzes an. […]In dieser Welt zwischen Wahn und Wirklichkeit ist das gar nicht so wichtig. Die offene Frage nach uns selbst als Gesamtkunstwerk - in dieser Form macht das Lust auf mehr.‹‹
(Wiener Zeitung, 21. April 2016)

››Für den Erfolg der Uraufführung maßgeblich ist der Dirigent Joseph Tafron. Unter seiner Anleitung musiziert das Orchester des Nationaltheaters Mannheim auf hohem Niveau, outen sich einzelne Instrumentalisten als brillante Solisten, bilden sie im Zusammenspiel einen sehr durchsichtigen Klang. Dadurch wirkt die Komposition zur Inszenierung sehr stringent. Wer das Verwirrende der Szenerie akzeptiert, entdeckt den Neutöner Lang als expressiven wie empathischen Klangzeichner.‹‹
(opernetz.de, 25. April 2016)


Was Langs Theater der Wiederholungen über Missottens faszinierende Wahnwelten hinaus spannend macht, ist die Musik. Lang ist ein Nomade des Klangs, der zwischen dem amerikanischen Minimalismus und der postseriellen europäischen Avantgarde seinen eigenen Stil gefunden hat. Er kennt keine Berührungsängste mit Rap und Techno, mixt rhythmische Patterns mit Jazz-Improvisationen, arbeitet mit Live-Elektronik und experimentiert mit der Mikrotonalität. Dennoch erschöpfen sich die Endlosschleifen seiner Loops nicht in platter Repetition, sondern setzen einen dialektischen Prozess von Wiederholung und Differenz in Gang, der das scheinbar Gleiche stets anders klingen lässt. Die Musik wird selbst zum obsessiven Theater. [.] Von diesen schmutzigen Klängen geht eine verstörende Faszination aus, der man als Zuschauer umso schneller erliegt, als Joseph Trafton Solisten, Chor und Orchester des Nationaltheaters Mannheim mit sicherer Hand durch die oft kniffligen rhythmischen Klippen wie durch die Untiefen der Liegeakkorde und Schlagzeugkaskaden lotst.<< ("Opernwelt", Juni 2016)


 

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Richard Wagner
WA Parsifal, Karfreitag 25.03.2016
2. und letzte Vorstellung i.d.Sp.
Christi Himmelfahrt 05.05.2016

„Ja, der Mannheimer Karfreitags-"Parsifal" ist auch nach 59 Jahren noch immer etwas Besonderes und von einem Festlichen Opernabend kaum zu unterscheiden. Der Andrang zum Theaterparkplatz war überregional, ja international. Und nicht nur die kopfstarken Delegationen der Schweizer und französischen Richard-Wagner-Verbände konstatierten, dass hier noch alte Wagner-Traditionen gepflegt werden“ ... “Mannheimer Tradition ist wiederum, dass auch Wagners Musikdramen mit hauseigenen Kräften besetzt werden, plötzliche Erkrankungen ausgenommen.“
„Die Einspringerin Katharina von Bülow durfte sich gleich dreifach bewähren, als weiblicher Knappe, Stimme vom Himmel und Blumenmädchen. Für den erkrankten Michael Baba war der international im Heldenfach gefeierte Frank van Aken engagiert, der nicht alle Erwartungen erfüllte.“
„Immer wieder erstaunlich, wie sensibel das Mannheimer Publikum Beifall und Bravorufe dosiert. So feierte es besonders herzlich John in Eichen, der die Riesenrolle des Gurnemanz souverän meisterte, Gram und Selbstzweifel glaubhaft machte, ohne ins Biedermännische abzugleiten. Auch Thomas Berau als expressiv leidender, todkranker Amfortas und vor allem Joachim Goltz als hintergründiger Klingsor ernteten lautstarke Anerkennung.“
„Dass die Zustimmung zu Edna Prochniks rätselhafter "Höllenrose" Kundry etwas gedämpfter ausfiel, war wohl den ... Spitzentönen geschuldet, die halt nicht jeder Mezzosopran ungestraft ansteuert. Ein reiner Ohrenschmaus waren die aus vokalen Hochkarätern rekrutierten Blumenmädchen (Kessler, Kruger, Markina, Böcker, Bello, von Bülow), die mächtigen Unisono-Gesänge der Gralsritter und die unsichtbaren Frauenchöre sowie der greise Titurel des Sebastian Pilgrim. Alois Seidlmeier und das Nationaltheaterorchester absolvierten die gewaltige Partitur mehr als respektabel ...“
Mannheimer Morgen 29.03.2016, Waltraud Brunst

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LIEDERABEND in der Montagehalle, 19.03.2016
mit Nikola Diskić
Klavier Marcello Amaral

„Ein zielstrebiger junger Mann ist der Arnold-Petersen-Preisträger Nikola Diskić fürwahr. Neben seiner vielversprechenden Opernkarriere baut er sich konsequent ein ambitioniertes Liedrepertoire auf, mit dem er in der kühlen Atmosphäre der Montagehalle sein treues Publikum zu begeistern vermochte. (...) dass der lyrische Bariton all das in reichem Maße besitzt, was einen erstklassigen Liedinterpreten ausmacht: eine ausgesprochen schön klingende Stimme mit perfekt verblendeten Registern, keinerlei Höhen- oder Tiefenprobleme, dazu eine in allen Sprachen makellose Phrasierung.
(...) Die fünf ums Wandern kreisenden Schubert-Lieder offenbarten die tiefe Empfindsamkeit des Sängers, fernab von jeglicher Sentimentalität, und die innige, wortlose Übereinstimmung mit dem fabelhaften Klavierpartner Marcelo Amaral, der eine große stilistische Bandbreite demonstrierte.
Interessant die Begegnung mit dem englischen Spätromantiker Gerald Finzi und dessen Liedzyklus "Let us garlands bring" nach Shakespeare, dessen melancholischer Grundstimmung Diskić sensibel nachspürte. In bekanntere Gefilde führten die fünf Rückert-Lieder Gustav Mahlers, bei denen der Sänger von "Ich atmet einen linden Duft" bis zum expressiven "Um Mitternacht" eine Fülle dynamischer Nuancen durchlief.
Zum Ausklang dann noch französischer Impressionismus mit drei Chansons von Henri Duparc, federleichten bukolischen Stimmungsbildern. Für den reichen, mit Bravorufen gewürzten Applaus dankten die Künstler mit Peter Tschaikowskys Vertonung des Goethe-Textes "Nur wer die Sehnsucht kennt", natürlich auf Russisch. Einhelliges Urteil: ein großartiger Abend.“
©Mannheimer Morgen, 22.03.2016, Waltraud Brunst


 

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Sergei Prokofjew
DER SPIELER, Premiere B 04.03.2016
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Tilman Knabe

DER SPIELER, Premiere B 04.03.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER SPIELER, Premiere B 04.03.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

››So gibt Zurub Zurabishvilli […]einen – stimmlich überzeugenden – Alexej, dessen Spielsucht und Untergangslust beängstigend wirken. Die Polina von Ludmila Slepneva ist von zynischer Kälte. Ludovica Bello agiert [...] sehr souverän in der Rolle der Blanche, die sich gegen entsprechende Bezahlung für SM-Spielchen zur Verfügung stellt. Neu besetzt sind der General (Marek Gasztecki), die Babuschka (Julia Faylenbogen) und der Marquis (David Lee). Alle drei bewältigen die zum Teil sehr sperrigen Partien absolut überzeugend, wobei vor allem Julia Faylenbogen, die man in Ludwigshafen als Erda in der ›Ring‹-Produktion kennengelernt hat, einen starken Eindruck hinterlässt
(Die Rheinpfalz, 8. März 2016)

››Musikalisch großartig‹‹
››Für die musikalische Seite der Mannheimer Premiere ohnehin, zumal Tenor Zurab Zurabishvili in der Titelpartie des Spielers Alexej Großartiges leistet. […] Zurabishvili beglaubigt die schwankenden Seelenzustände Alexejs vokal uneingeschränkt; der Bass Sebastian Pilgrim findet als ausgedienter General zu treffend matterer Präsenz. Als höchst reizvolle Erscheinung der Blanche, Angehimmelte des Generals, ist Ludovica Bello ebenso sicher besetzt wie Edna Prochniks Babuschka, die dämonisches Weiß trägt und treffend abgedunkelt singt (Kostüme: Kathi Maurer). […] Die Szenenwechsel zwischen Privatem und Casino bleiben auf der Einheitsbühne unsichtbar, deren Nebel eine akustische Vertiefung durch das Orchester des Nationaltheaters erfahren. Denn Mannheims exzellenter erster Kapellmeister Alois Seidlmeier arbeitet Prokofjews scharf geschnittene Motivik so präzise heraus, dass dieser ›Spieler‹ auch musikalisch tief unter die Haut geht.‹‹
(Wiesbadener Kurier, 9. März 2016)


 

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Rückblick auf die Kulturpolitik der grün-roten Landesregierung aus Mannheimer Sicht, Mannheimer Morgen 09.03.2016, Peter W. Ragge

„ ... Mit den Kürzungsplänen bei der Musikhochschule hat die grün-rote Landesregierung Mannheim einen kräftigen Schrecken eingejagt, beim Nationaltheater nicht erfüllte Hoffnungen geweckt. ... eine Bilanz in wenigen Stichpunkten ... Generell: Mannheim leidet darunter, dass es keine komplett dem Land gehörende, von ihm allein finanzierte Kultureinrichtung gibt - kein Staatstheater, kein Landesmuseum. ...

Nationaltheater Die grün-rote Regierung hatte enorme Hoffnung geweckt. In der Koalitionsvereinbarung stand nicht nur die Zusage, Tariferhöhungen auszugleichen. Es hieß auch: "Wir wollen die Mehrspartenhäuser in Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe sowie die Orchester in ihrem künstlerischen Wirken bestärken und unterstützen. Wir wollen mit den Städten eine verlässliche Partnerschaft für die Kommunaltheater eingehen. Dazu wollen wir eine langfristige Zielvereinbarung über das Verhältnis von kommunalem Zuschuss und Landeszuschuss erreichen." Doch die Zielvereinbarung gibt es nicht, die von Landespolitikern propagierte Gleichstellung des Nationaltheaters mit den Staatstheatern Stuttgart und Karlsruhe auch nicht. Die bekommen 50 Prozent ihres Etats vom Land, Mannheim hoffte auf wenigstens 40 Prozent, derzeit kommen um die 30 Prozent. Aber als erster Erfolg wurde in Mannheim gewertet, dass das Land seinen Anteil um rund zwei Millionen, von 14 Millionen in 2014 auf 16,3 Millionen in 2015 und 16,6 in 2016 erhöhte. Noch hofft Mannheim auf einen Sanierungszuschuss. ...

Musikhochschule Im Sommer 2013 wurde die Musikhochschule von der Ankündigung der Stuttgarter Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) überrascht, in Mannheim die gesamte klassische Musikausbildung und damit über 500 Studienplätze streichen zu wollen. Nur Jazz sollte bleiben, als Ausgleich die Popakademie unter das Dach der Musikhochschule kommen. Es gab einen Aufschrei von Studenten, Stadtspitze, Wirtschaft und zahlreichen Vertretern des Kulturlebens, eine große Protestwelle mit rund 100 000 Unterschriften. Nach langer Debatte kam im Oktober 2015 die Kehrtwende. Die Musikhochschule wurde gerettet, gar um das Landeszentrum Dirigieren ergänzt. Der damit noch dringender gewordene Probe- und Konzertsaal ist aber, obwohl seit 1996 beschlossen, weiter auf die lange Bank geschoben. Nur in Bremen und Mannheim hat die Musikhochschule keinen eigenen Saal. ...“


 

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Klaus-Peter Kehr und Albrecht Puhlmann zum Tod von Nikolaus Harnoncourt (06.12.1929 – 05.03.2016), Mannheimer Morgen, 07.03.2016, Stefan M. Dettlinger

Klaus-Peter Kehr, aktueller Mannheimer Opernintendant: "Nikolaus Harnoncourt hat uns als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Pioniere des historisch informierten Musizierens die Welt der Alten Musik erschlossen. Mit dem von ihm geprägten Begriff der Klangrede hat er die existenzielle Bedeutung der Artikulation in den Fokus gerückt. Sein Satz, dass es keinen Grund gebe, mit modernen Instrumenten falsch zu artikulieren, hat seine Erkenntnisse auch für moderne Orchester geöffnet. Er wird einen herausragenden Platz in der Musikgeschichte haben."

Albrecht Puhlmann, ab 2016/17 Opernintendant am Nationaltheater Mannheim: "Harnoncourt war für meinen persönlichen musikalischen Kosmos die alles prägende Gestalt. Er hat mir als jungen musikinteressierten Menschen den bis dahin ,stillen' Kontinent von Bach und Monteverdi erschlossen. Es ist kein Zufall, dass Monteverdi uns in den nächsten Jahren in Mannheim beschäftigen wird - ganz im Geist der Harnoncourtschen Vergegenwärtigungen."


 

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Sergei Prokofjew
DER SPIELER, Premiere A 27.02.2016
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Tilman Knabe

DER SPIELER, Premiere A 27.02.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER SPIELER, Premiere A 27.02.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Johann Jörg
Kostüme: Kathi Maurer
Licht: Bernard Häusermann
Dramaturgie: Elena Garcia-Fernandez


››Der Regisseur Tilman Knabe hat schon etliche Opern am Mannheimer Nationaltheater spannend und bisweilen kontrovers inszeniert. Auch für diesen Stoff findet er passende bildliche Mittel. […] Idiomatisch und stilischer wurde in russischer Originalsprache gesungen. Zurab Zurabishvili gab dem Spieler Alexej darstellerisch und stimmlich glühende Leidenschaft, mit kraftvoll strahlendem, Tenor. Ludmila Slepneva als Polina ließ ihre Partie zwischen Arroganz, Sehnsucht und Hysterie schillern, lief im Schlussakt zu großer Form auf mit klangstark leuchtendem Sopran. Als General machte Sebastian Pilgrim beste Figur mit prächtigem, würzigem Bass. Vortrefflich besetzt waren die weiteren Partien: Nikola Diski
 (Mr. Astley), Ludovica Bello (Blanche), Ziad Nehme (Marquis) und Christoph Wittmann, Stephan Somburg sowie Eun Young Kim in weiteren kleinen Rollen hatten besten Anteil an dieser anregenden Neuproduktion. Das trefflich aufspielende Nationaltheater-Orchester unter Leitung von Alois Seidlmeier gab der Partitur all die bissige Schärfe, den burlesken Humor und auch den feinen Witz, der hier gefordert ist. ‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 29. Februar 2016)

››Tilman Knabe legt bei seiner mittlerweile schon fünften Arbeit für die Oper am Goetheplatz wieder eine handwerklich ausgereifte Regie vor. […] NTM-Neuling Zurab Zurabishvili […] ist ein alles in allem hell und heldisch strahlender Spieler Alexej, dem die wenigen lyrischen Zwischentöne genauso gelingen wie der Ausgleich beim Registerwechsel. Erneut ist Ludmila Slepneva Knabes Traumbesetzung, und es ist schon verrückt, dass Slepneva gelingt, Polina an der Grenze von begehrter, überlegener Frau und innerer Zerbrochenheit anzulegen – sie ist am Ende die, die sich treu bleibt und fertig ist, Neues zu beginnen. Das klingt […] gut, sieht gut aus und ist insgesamt umwerfend. Sebastian Pilgrim röhrt, wie es sich gehört, fast operettenhaft mit vielen Ober- und Zwischentönen, während Edna Prochnik mit ihrem Auftritt als Babuschka den Vogel abschießt: Spielerisch und gesanglich gelingt ihr eine vollkommen überzeichnete komische Alte, die Leben in die sonst so graue Bude bringt.‹‹
(Mannheimer Morgen, 29. Februar 2016)

››Hauslehrer Alexej, der Spieler, wird von Zurab Zurabishvili mit großem, heldischem Tenor bis hin zur Revoluzzerpose gestemmt und gespielt, wenn er verzweifelt statt Pulsaderschnitt zur Kalaschnikow greift und vom Rang rechts und links agitatorische Stoffbahnen enthüllt werden: Nieder mit den Banken; gegen Tierversuche. Lange zuvor hatte der bankrotte General, dem Sebastian Pilgrim einen durchschlagkräftigen Bass und knorrige Ausstrahlung leiht, auf den Tod der Erbtante gehofft. […] Edna Prochnik profiliert sie grandios, schillernd und facettenreich in Spiel und Gesang. Sie verspielt ein Vermögen und schert sich nicht darum, ob die Verwandten endgültig ruiniert sein werden. […] Ludmila Slepneva legt die Polina sehr differenziert an. Kann sie lieben, oder aus Verstörung heraus nur zerstören? Der Sängerin glückt eine wunderbare Studie. Lottergirl Blanche wird von Ludovica Bello mit lasziver, geldgieriger Geste ausgelebt. Wenn sie es Männern besorgt hat, muss eine muslimisch schwarz gekleidete Putzfrau die Säfte aufwischen. Auch das ein deutliches Bild der Knabe-Gesellschaftskritik. Dass ein Haus dieser Qualität auch alle anderen Positionen sehr gut besetzt, versteht sich von selbst.
Tilman Knabe hat mit seiner fünften Inszenierung in Mannheim das Publikum überzeugt, weil auch die satirischen Elemente nicht zu kurz kommen. Ob drastisch oder Parodie, eine innere Stimmigkeit trägt den fulminanten Abend.‹‹ (Theaterpur.net, 29. Februar 2016)

››Den großen Publikumserfolg dieser Produktion geht nicht zuletzt auf die grandiose Leistung des NT Orchesters zurück, denn schließlich erwies sich Alois Seidlmeier als kompetenter Sachverwalter der Partitur, fächert er doch die farbenreiche Musik genau auf ohne auch die witzigen Details zu vergessen. Der Dirigent setzt mit dem hervorragend disponierten Orchester Akzente, beleuchtet sehnsuchtsvollen Kolorit zu rhythmisch pulsierenden Streichern und schrillen Sarkasmus zu tief grollenden Posaunen  gleichermaßen. In dezenter Lautstärke formte Seidlmeier vehement aggressive Blechtöne und ließ die Holzbläser in farblich vielfältiger Bandbreite erstrahlen.
Von derart prächtiger instrumentaler Qualität unterlegt stürzen sich die Sänger mit Verve auf ihre vortrefflichen Interpretationen, die mit Recht als mitreißend bezeichnet werden dürfen. […] Mit Bravorufen, minutenlangem Applaus feierte das Publikum besonders Slepneva, Prochnik, Zurabishvili, Pilgrim sowie Seidlmeier und das Orchester. In Folge stellte Tilman Knabe im NT seine Fähigkeiten als ausgezeichneter Regisseur […] unter Beweis.‹‹
(Der neue Merker, 27. Februar 2016)
 
››Ein Opernabend mit wilden Ideen, viel Tempo und großer Musikalität: Morbide Trostlosigkeit kann auch unterhaltsam sein.‹‹
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. März 2016)


 

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LIEDERABEND in der MONTAGEHALLE, 17.02.2016
mit MARIA MARKINA und BARTOSZ URBANOWICZ
begleitet am Klavier von ROBIN PHILIPPS

© Mannheimer Morgen, 20.02.2016, Waltraud Brunst
„Da bereiten drei Sänger einen "Liederabend im Werkhaus des Nationaltheaters Mannheim anlässlich der Prokofjew-Premiere "Der Spieler" akribisch vor (in russischer Sprache, versteht sich), und dann erkrankt der Tenor am Vortag. Ein Horrorszenario gewiss, ...“
„Die moderierende Dramaturgin Dorothea Krimm informierte die treuen Besucher darüber, dass der stark geforderte Pianist Robin Phillips stellvertretender Studienleiter und Mitbegründer der Liederabendreihe in der Werkhaus-Montagehalle sei. Die Mezzosopranistin Maria Markina habe dankenswerterweise sechs weitere Lieder von Prokofjew-Zeitgenossen ins Programm genommen, die der Pianist sozusagen über Nacht vorbereitet habe.
Umso bemerkenswerter, dass die überwältigende Bühnenpräsenz der erstaunlichen Maria Markina und Robin Philipps' Souveränitat die erschwerten Bedingungen ganz und gar vergessen ließen. Der Abend begann mit drei Liedern von Modest Mussorgski, der zwar zwei Generationen älter war als Prokofjew, an dem aber, so Krimm, auch die jungen Wilden des beginnenden 20. Jahrhunderts "nicht vorbei kamen". Maria Markina schafft es locker, den Abend fast allein zu tragen. Ihr üppiger Mezzo kennt weder Höhen- noch Tiefenprobleme. Stilistisch wird sie den melancholischen Liedern Mussorgskis ebenso gerecht wie dem geradezu kabarettistischen Anspruch der "Vier Zeitungsannoncen" von Alexander Mossolow wie den drei so unterschiedlichen Satiren von Dmitri Schostakowitsch und den anspruchsvollen Liedern von Nikolai A. Roslawez und Prokofjew.
Das männliche Element verkörperte schließlich der polnische Bassbariton Bartosz Urbanowicz, der mit profundem Bassregister und imponierender Ausdrucksvielfalt die populären "Lieder und Tänze des Todes" von Mussorgski sang.
Starker Beifall des leider überschaubaren Publikums für die drei Künstler.“


 

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Luigi Cherubini
MEDÉE, WA 24.01.2016
Dirigent: Rossen Gergov
Inszenierung und Ausstattung: Achim Freyer
Licht: Andreas Rehfeld
Dramaturgie: Klaus-Peter Kehr
Chor: Aki Schmitt

Luigi Cherubini: MEDÈE - WA 24.01.2016 - Inszenierung, Kostüme und Bühnenbild ACHIM FREYER
Luigi Cherubini: MEDÈE - WA 24.01.2016 - Inszenierung, Kostüme und Bühnenbild ACHIM FREYER
Luigi Cherubini: MEDÈE - WA 24.01.2016 - Inszenierung, Kostüme und Bühnenbild ACHIM FREYER
Luigi Cherubini: MEDÈE - WA 24.01.2016 - Inszenierung, Kostüme und Bühnenbild ACHIM FREYER

Zur Zeit sind die Kostüme im unteren Foyer ausgestellt. Achim Freyer wurde 2006 von den Fachkritikern der Zeitschrift Opernwelt zum „Kostümbildner des Jahres“ ernannt.

Es gibt nur noch drei Vorstellungen:
Do 11.02.2016, 19.30 – 22.15
Mi  02.03.2016, 19.30 – 22.15
Fr  18.03.2016, 19.30 – 22.15


Zur Erinnerung: zwei Pressestimmen zur Premiere 31.03.2006)
››Achim Freyer, der Luigi Cherubinis 1797 uraufgeführte, heute aber nur selten gespielte Oper „Médée“ nun am Nationaltheater Mannheim zeigt, lässt solchen Momenten eine autonome und totale Strahlungskraft, weil er alles, was den Atem der Worte, Klänge und Gefühle zerstören könnte, auf ein Minimum reduziert. Dass diese radikale Reduktion das Dilemma der Oper, das Abwägen zwischen Hass und Liebe, direkt über dem Publikum ausschüttet, ist eine der Sensationen dieses Abends: […]. Jede Note, jede Figur, jedes Motiv und Thema hat Schliff und eine intensive, aber nicht übertriebene Beseeltheit, die freilich im krassen Gegensatz zum Bühnengeschehen steht. Aber von solchen Kontrasten lebt diese minimalistische Maximal-Inszenierung, die statt auf die äußeren Bewegungen der Körper und Dinge auf die inneren setzt, Psychen befragt, Spannungen hervorkitzelt und Stimmen zum Klingen bringt‹‹
(Mannheimer Morgen, 3. April 2006)
››Immer wieder eine erstaunliche Erfahrung die plastische, sprechende, klar konturierte Musik Cherubinis mit ihren Beethoven-nahen Attacken, ihrem revolutionsmusikalischen Schwung, auch ihren subtilen instrumentalen Farbkombinationen. […] Das ebenso seltene wie berühmte Werk trifft am Nationaltheater auf beste Theaterluft und wird vom Publikum begeistert angenommen.‹‹
(Frankfurter Rundschau, 13. April 2006)

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Fromental Halévy
LA JUIVE, Premiere B, 12.01.2016
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Peter Konwitschny

LA JUIVE, Premiere B, 12.01.2016, ©Foto: Hans-Jörg Michel
LA JUIVE, Premiere B, 12.01.2016, ©Foto: Hans-Jörg Michel

››Titeldarstellerin – und zwar eine ganz erstklassige – war diesmal Ludmila Slepneva. Ihr klangvoller, in allen Registern ausgeglichener und mühelos ansprechender, in der Höhe hell strahlender Sopran entspricht ohne Einschränkung dem Typus der romantischen Opernheroine italienisch-französischer Prägung. Der strömende Wohllaut dieser über lyrische Wärme und dramatische Gewalt gleichermaßen gebietenden Stimme wirkte bestechend. Zudem beeindruckte Slepnevas mit letzter Intensität gezeichnetes Rollenporträt der unglücklichen Rachel, des Opfers von religiösem Fanatismus und Fremdenhass, durch konzessionslose Identifikation mit der Bühnengestalt. Leidenschaftliche Hingabe, tiefe Trauer und Todessehnsucht der von ihrem Verführer betrogenen Liebenden, wie andererseits auch der unbeugsame Wille der unerschrockenen Kämpferin fanden diesmal eindringliche Umsetzung.
Ebenfalls mit gestalterischem Nachdruck sang Roy Cornelius Smith die Partie des durch Rassenverfolgung und erlittenes Unrecht zutiefst verletzten Juden Éléazar. […] Umsichtig, überlegen und auf Differenzierung bedacht koordinierte Dirigent Alois Seidlmeier das musikalische Geschehen.‹‹
(Die Rheinpfalz, 15. Januar 2016)

››Grund zur Freude gab es jetzt aber noch mehr. Das Orchester unter Alois Seidlmeier spielte wesentlich konzentrierter und schliff Halévys Klänge schärfer und kontrastreicher zu der Chor von Francesco Damiani […] wirkte noch präsenter und besser mit dem Orchestergraben verkettet […]. Und zum Schluss: Estelle Krugers Prinzessin Eudoxie: ein Traum. Insgesamt ein Abend, den man sehen muss. Unbedingt hingehen!‹‹
(Mannheimer Morgen, 14. Januar 2016)

››Zweifellos hat das NT mit dieser ›Juive‹ einen musikalischen Trumpf im Repertoire und daran hat ganz speziell neben den teils großartigen Sängern, Alois Seidelmeier am Pult einen gewichtigen Anteil. Der Dirigent verlieh der Partitur eine gewisse Tiefenschärfe, Spannung, dramatischen Impetus, das Werk erklang effektvoll, farbig als exzellente Grand Opéra. Vortrefflich diszipliniert folgte das Orchester des NT in federnder Rhythmik den Anweisungen des stellvertretenden GMD´s. Die Partitur erblühte unter seiner Stabführung feinnervig mit Esprit, das Instrumentarium spielte großformatig auftrumpfend, doch nie zu laut während der dramatischen Kontraste und wahrte stets den innigen, transparenten Klang  der  lyrischen Passagen. Großartig präsentierte sich der von Francesco Damiani bestens vorbereitete Chor des NT in klanglicher Formation und leistete zudem Hervorragendes in punkto anspruchsvoller Bewegungsregie. Rollenkonform, vokal sehr ansprechend glänzte Astrid Kessler in der Verkörperung der Titelpartie. Ihr Sopran war der hohen Tessitura souverän gewachsen, zeichnete sich durch Leichtigkeit in der Tongebung, einem Reichtum an dynamischen Nuancen aus. […] Ganz anders hingegen verleiht Ludmila Slepneva der Rachel eine mädchenhafte Ausstrahlung, […] ihr Timbre ist weich, fraulich, lyrisch. Selbst zur dramatischen Attacke mit dem enormen Höhenpotenzial verliert der Sopran nicht an Schönheit und Wohlklang. Eine absolute Glanzleistung – Bravo!‹‹
(der neue merker.eu, 13. Januar 2016)

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Fromental Halévy
LA JUIVE, Premiere A, 10.01.2016
Eine Koproduktion des Nationaltheaters Mannheim mit dem Kunsthuis Opera Vlaanderen (Belgien)
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Peter Konwitschny

LA JUIVE, Premiere A, 10.01.2016, ©Foto: Hans-Jörg Michel
LA JUIVE, Premiere A, 10.01.2016, ©Foto: Hans-Jörg Michel

Bühne und Kostüme: Johannes Leiacker
Licht: Manfred Voss
Konzeptionelle Mitarbeit und Dramaturgie: Bettina Bartz
Produktionsdramaturgie Antwerpen/Gent: Luc Joosten
Dramaturgische Betreuung Mannheim: Dr. Merle Fahrholz
Chor: Francesco Damiani


››Zu sehen sind dabei keine Ideenträger, keine Kopfgeburten, sondern in ihr Schicksal und ineinander verschlungene Menschen. Spektakulär ist die Rachel von Astrid Kessler, frei und drucklos die maximal geforderte Stimme, leicht und behände ihr Spiel. Konwitschny zeigt sie als Persönlichkeit aus unseren Tagen, auf unserer Seite. […] Ein Meisterstück der Regie das Ende. Die auf Deutsch eingefügten Chorsänger-Ausrufe, „Los jetzt“, „Schluss mit den Juden“ – nur diese beiden, nicht mal laut, nur ein Stolpern des Fortgangs –, sind die richtige Grundlage, um den Wohlklang zum Judenmord als das zu verstehen, was er ist (Wohlklang zum Judenmord). Dann noch einmal die inzwischen entsetzlichen blauen Hände. Dann ein Dunkel, wie es auf der Bühne nicht alltäglich ist. Schließlich ein Beifall, der beweist, dass die große französische Oper quicklebendig ist und von Verdi- und Wagner-Hörern aus dem Stand verstanden wird, sobald sie eine Chance bekommt.‹‹
(Frankfurter Rundschau, 12. Januar 2016) 

››Die ›Grand operá‹ braucht große Stimmen: In Mannheim hat man sie. Die Sopranistin Astrid Kessler (Rachel) und Estelle Kruger (Eudoxie) bieten sämtliche Glanzpunkte, wobei die Erste messerscharfe Stahlkraft entfaltet und die Zweite geschmeidig und lyrisch artikuliert. Überm Bett des Geliebten und auch im Kerker, wenn sie sich gegenseitig die Farbe von den Händen waschen, geben sie in karger Kulisse wirklich große Oper. Das muss man hören. […] Der Mannheimer Joachim Goltz gab dem Bürgermeister ein würdiges sängerisches Profil. Der Chor (Einstudierung Francesco Damiani) sang homogen und rhythmisch schlagkräftig.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 12. Januar 2016)

››Die Duette Estelle Krugers (Eudoxie) und Astrid Kesslers (Rachel) gehören zu den Höhepunkten dieses Abends. Krugers spielerisch-lyrisches Timbre und Kesslers jugendliche Dramatik vereinen sich zum tadellosen Wohlklang, und beide spielen ihre Rollen aufopferungsvoll – besonders Kessler geht als Rachel an die Grenze zwischen Darstellung und Realität, und die Schönheit ihrer ausgeglichenen Gefärbten Register und ihrer Phrasierung ist betörend. […] Sung Has Brgni ist natürlich einwandfrei, von tiefsten Tiefen bis in die Bassoberetage […]. Ebenso überzeugend Joachim Goltz‘ Ruggiero.‹‹
(Mannheimer Morgen, 12. Januar 2016)

››Konwitschny holt mit Hilfe solcher Verfremdungseffekte die Szene und die Musik immer wieder ganz nah an uns heran. Der schicke Opernabend ist dann natürlich im Eimer, aber vielleicht springt ja wenigstens das Hirn an. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Auch in Halévys Oper. Aber dann, im spektakulären Finale vor einer riesigen Kirchenfenster-Rosette (Bühne und Kostüme: Johannes Leiacker) stirbt sie tatsächlich. Die Versöhnungsversuche zwischen Christen und Juden sind endgültig gescheitert. Der fanatisierte Mob hat gesiegt. Ein nicht nur in dieser Szene großartig agierender Chor triumphiert in einem zynischen Jubelgesang […]. Diese musikalische Qualität wurde auch von einem hervorragenden Ensemble bestätigt, aus dem sicherlich Astrid Kessler herausragt. Aber eben auch Juhan Trulla als Leopold, Zurab Zurabishvilli in der Rolle des Eleazar sowie Sung Ha als Kardinal Brogni und Estelle Kruger als Prinzessin Eudoxie bestätigen das überaus hohe sängerische Niveau einer Aufführung, deren heimliche Hauptfigur jedoch der Chor des Nationaltheaters war.‹‹
(Die Rheinpfalz, 12. Januar 2016)

››Die Konzentration auf die sechs Hauptfiguren tut Halevys 1835 uraufgeführter Oper gut. Trotzdem lassen sich Dirigent Alois Seidlmeier und Regisseur Peter Konwitschny Zeit, die Charaktere zu entwickeln und die vielen lyrischen Ruhepunkte der Oper zur Geltung kommen zu lassen. Die Laboranordnung wird mit Leben gefüllt. […] Joachim Goltz ist als Konstanzer Bürgermeister Ruggiero mit seinem kernigen Bariton ein gefährlicher Stimmungsmacher. Estelle Kruger zeigt als Prinzessin Eudoxie viele Facetten und versöhnt sich in einer bezaubernden Szene mit ihrer Rivalin Rachel. […] Kesslers hochexpressiver Gesang und ihre darstellerische Präsenz gehen unter die Haut. Auch Rahels Radikalisierung nimmt man ihr ab, wenn sie sich dem Volk im dritten Akt als Selbstmordattentäterin zeigt.‹‹
(Die deutsche Bühne, 12. Januar 2016)

››Hier stimmte einfach alles. Musik, Inszenierung und gesangliche Leistungen fügten sich zu einer phantastischen Symbiose zusammen, die das zahlreich erschienene Publikum stark in seinen Bann zog und am Ende zu einem überaus herzlichen Schlussapplaus animierte, in den sich überhaupt keine Missfallenskundgebungen mischten.
Wer diese sensationelle Aufführung gesehen hat, wird sie garantiert nicht so schnell wieder vergessen. Die Spannungskurve war an diesem überaus gelungenen Abend ganz hoch angesetzt. […] Peter Konwitschny, der zum ersten Mal in Mannheim am Regiepult Platz genommen hatte, entkleidete das Werk aller Ingredienzien einer Grande Opéra und machte daraus ein eindringliches Kammerspiel auf höchstem Niveau.‹‹
(Der Opernfreund, 12. Januar 2016)

››Alle Beteiligten spielen mit höchster und zum Teil beklemmender Intensität […]. Die kongenialen Bühnenbilder des […] Johannes Leiacker, das Licht von Manfred Voss und nicht zuletzt die bewährte Dramaturgie von Bettina Bartz tragen diese Produktion hervorragend mit. Die Rachel der Astrid Kessler ist auf der Bühne das Ereignis des Abends. Nicht nur wird sie stimmlich der Rolle mehr als gerecht, vielmehr überzeugt Kessler auch in intensivstem Spiel, mit dem sie die Wechselbäder der Emotionen als in vielfacher Hinsicht verratene Frau durchleidet. […] Eindrucksvoll das Duett mit Estelle Kruger als Princesse Eudoxie, in dem die beiden Frauen für einige utopische Momente im vierten Akt ihre politischen und gesellschaftlichen Zwänge vergessen […] Kruger zeichnet die Entwicklung einer zunächst recht unbedarften, gefallsüchtigen jungen Frau zu einer durch Leiden wachsenden Persönlichkeit. Sie vermag stimmlich und darstellerisch ebenfalls voll zu überzeugen. […] Sung Ha als störrischer Cardinal Brogni überzeugt durch darstellerisch und gesanglich außerordentliches Engagement und machte die Zweifel und Nöte eines im Konflikt zwischen Politik und seiner vermissten Tochter stehenden Vaters deutlich. Leopold des Juhan Tralla und der Ruggiero von Joachim Goltz rundeten das sehr gute Ensemble ab.‹‹ (Opernnetz, 12. Januar 2016)

››Damit ein derartiger Ansatz glücken kann, bedarf es erstklassiger musikalischer Kräfte. Und Mannheim hat sie – fast ausnahmslos im eigenen Ensemble. An erster Stelle sind Chor und Orchester zu nennen, von Alois Seidlmeier so enthusiastisch wie differenziert angeleitet. Stets erscheint der Klang gestaffelt und transparent. Delikat werden die vielen Farben und Effekte musiziert, elastisch die mitreißenden Melodien hingestellt. Dazu erfreut der oft individualistisch inszenierte Chor durch große Spielfreude. Mit wächsern leuchtenden, gestochenen Koloraturen stellt Estelle Kruger ihre Kaisertochter auf das gleiche Niveau wie Astrid Kesslers grandiose Rachel. Joachim Goltz stattet seinen Polittrottel mit stählernen Baritonhöhen aus, Sung Ha den strahlenden Kardinal mit klangschönem lyrischen Bass […], und Juhan Trallas gibt dem Leopold qualligen Charme und große musikalische Eloquenz mit. Eine absolut mitreißende Aufführung.‹‹
(concerti, 12. Januar 2016)

››In den Solopartien gefällt Astrid Kessler als Rachel mit jugendlicher Ausstrahlung und tollem Sopran zwischen inniger Aura und großen, dramatischen Ausbrüchen ausgezeichnet; Zurab Zurabishvili schenkt dem Goldschmied Éléazar unbeugsame Härte und einen charakterstarken Heldentenor […]. Witzig legt Estelle Kruger die betrogene Christenfrau Eudoxie mit hellen Koloraturen als liebessüchtige Naive an […]. Juhan Tralla stellt für diesen unsicheren, unentschlossenen Herrn einen gut austarierten Tenor bereit. […]. Komplettiert wird das Solistenensemble von Joachim Goltz als kerniger Stadt-Präfekt. […]  Insgesamt ist sich das Premierenpublikum in Mannheim darin einig, eine bedeutsame, musikalisch grandiose Produktion erlebt zu haben.‹‹ (theater:pur.net, 12. Januar 2016)

››Mehrfach lässt Konwitschny das komödiantisch angereicherte Groteske in blutigen Ernst umschlagen. Diese Aufbereitung von ›La Juive‹ gehört zu seinen besten Arbeiten.
Am Gelingen hat Alois Seidlmeier nicht geringen Anteil. Sicher führt er das gut disponierte Orchester durch die Wechselfälle der Musik, lässt das Anrührende der differenzierten Instrumentalfarben ebenso zur Geltung kommen wie den vormärzlichen Furor. Für ergreifende Momente sorgt nicht nur der singuläre Sound der Englischhörner, sondern insbesondere auch Zurab Zurabishvili in der grandiosen Partie des vom Schicksal überschwer geprüften Vaters.‹‹
(Neue Zeitschrift für Musik, 12. Januar 2016)

››Peter Konwitschnys Schritte zurück sind eine erhellende Wohltat. Sie zeigen, dass nichts nur das ist, was es zu sein scheint.[…] Das macht auch das Orchester des Nationaltheaters Mannheim deutlich, das, […] unter Alois Seidlmeiers Leitung das Leichte wie das Schwere stilgerecht und oft sehr klangschön aufbereitet. Die epische Distanz zum musikdramatischen Objekt bewirkt außerdem, dass dessen Stoff vielseitiger, vielschichtiger, diskursiver, also schlichtweg: heutiger wirkt.‹‹ (Stuttgarter Nachrichten, 12. Januar 2016)

››Beeindruckend war die Arie des Kardinals Brogni, dem unwissentlich leiblichen Vaters der eigentlich christlich geborenen Rachel. Im typischen schlichten französischen Arienstil erbat Sung Ha als Brogni mit tiefem, klarem Bass zu den Klängen von Hörnern und Harfen Gnade für die beiden Juden. […] Im vierten Akt brillierten ebenfalls die beiden weiblichen Hauptrollen, als sie sich in einem bewegenden Duett aus Liebe dazu entschlossen, Léopold vor der Verurteilung zum Tode zu retten. Von einem dramatischen Wechselgesang, in dem Eudoxie Rachel zu Nachsicht überredete hin zu einem lieblichen Duett in Terzen entwickelte sich ihr kraftvoller, von stimmlicher Schönheit und interpretatorischer Präzision geleiteter Gesang.‹‹
(bachtrack.de, 11. Januar 2016)

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PETER KONWITSCHNY
„Mensch, Mensch, Mensch!“
Oper als Zentrum der Gegenwart

PETER KONWITSCHNY
PETER KONWITSCHNY

Ein Vormittag mit Peter Konwitschny, 10.01.2016

››Konwitschny ist ein Wahrheitssucher, das wurde an diesem Morgen deutlich. […] Konwitschny fühlt sich einzig der Botschaft eines Werkes verpflichtet und nichts anderem, ergänzte Bettina Bartz, die Dramaturgin und ständige Mitarbeiterin des Regisseurs: das sei wichtiger, als die Regieanweisungen der Komponisten zu befolgen. ›Unsere Arbeit erschöpft sich nicht in der Herstellung von Schönheit‹, pflichtete ihr Konwitschny bei, ›die Ethik ist wichtiger als die Ästhetik‹.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 13. Januar 2016 und Die Rheinpfalz, 12. Januar 2016)

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FOA 03.01.2016
LA BOHÈME
Musikalische Leitung: Peter Tilling
Gast: Marina Rebeka (Mimi)
Gast: Wookyung Kim (Rudolfo)

LA BOHÈME, FOA 03.01.2016, ©Foto: CL
LA BOHÈME, FOA 03.01.2016, ©Foto: CL
LA BOHÈME, FOA 03.01.2016, ©Foto: CL
LA BOHÈME, FOA 03.01.2016, ©Foto: CL

››Wookyung Kim, der an der Staatsoper in Dresden groß geworden ist, kann stimmlich aus dem Vollen schöpfen, diesbezüglich müsste er sich vor Joseph Calleja keineswegs verstecken. […] Mimì wird – erstmals – von Marina Rebeka gesungen, und die Lettin, neben Kim der zweite Gast des Abends, wächst in ihre Rolle gut hinein. […] Ihr Gegenbild Musetta, die Kokette mit dem guten Herzen, ist mit Eunju Kwon zwar hausintern, aber brillant besetzt: […]. Das ist die Spitzenleistung aus dem Hausensemble, das mit viel Ensemblegeist agiert (und dabei auch die Gäste mitnimmt).‹‹
(Mannheimer Morgen, 5.1.2016)

››Auf jeden Fall aber ist über einen Abend der großen Stimmen zu berichten. Marina Rebeka sang hingebungsvoll, ließ es an Identifikation mit der Bühnengestalt keineswegs fehlen, hatte in den beiden letzten Akten anrührende Momente. Sie verfügt über ein sehr klangvolles, hell leuchtendes, außerordentlich obertonreiches Organ. […] Über mangelnde Klanggewalt konnte auch bei Wookyung Kims Rodolfo nicht geklagt werden. Seine Stimme erschien sehr kompakt, kraftvoll und verströmte tenoralen Strahlglanz. Auch er wartete stellenweise mit feinen Pianonuancen auf, die Forte-Töne lieferte er indes zu direkt, zu geradeheraus. […]Vorzügliche Leistungen zeigten die hauseigenen Mannheimer Sänger, allen voran Eunju Kwon, eine in jeder Hinsicht überragende Musetta. Jorge Lagunes gab einen stimmgewaltigen, spielfreudigen Marcello ab, während sich Joachim Goltz und Bartosz Urbanowicz als exzellente Besetzungen für den Schaunard und den Colline profilierten.
Dirigent Peter Tilling disponierte überlegen, sehr energisch und impulsiv. Er setzte auf überaus zügige Abläufe, auf vitales, kontrastfreudiges Musizieren und betont dramatischen Duktus. Besonders in der zweiten Hälfte des Abends wusste er delikate Akzente zu setzen durch sensible Abstufungen.‹‹
(Die Rheinpfalz, 5.1.2016)

››Zwei Gäste hatte man für das Protagonistenpaar, und beide machten dem festlichen Anspruch des Abends alle Ehre. Wookyung Kim war in jeder Hinsicht ein idealer Rodolfo. Der koreanische Tenor, der an der Staatsoper in Dresden seine klasse entwickelte, hat beste Anlagen für diese Partie in seiner Stimme, imponierte mit reichen farben und schönem Lyrik-Schmelz und ebenso wie mit glühender Klangpracht und Volumen in den kraftvollen Aufschwüngen. Die lettische Sopranistin Marina rebeka sang die Mimì immer sehr natürlich und klangvoll. […] In bester Verfassung präsentierten sich auch die hauseigenen Kräfte. […] Unter der Leitung von Peter Tilling musizierte das Nationaltheater-Orchester mit gutem Gespür für Stimmungen und Farben.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 7. Januar 2016)

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NEUJAHRSKONZERT, 01.01.2016
Dirigent: Rossen Gergov
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 9 D-Moll

››Vielmehr sucht er als ein Dirigent, der oft mit zeitgenössischer Musik umgeht, die vielen zukunftsweisenden Aspekte dieser Partitur neu freizulegen. […] Gergov hat dafür ein feines Ohr. Ohne die Tempi ungebührlich zu verschleppen, dirigiert er später das Adagio mit dem Gestus eines wehmütigen Lauschens, den intimen Chor der Streicher sehr behutsam an die Hand nehmend. ‹‹
(Mannheimer Morgen, 4.1.2016)

››Gespielt und gesungen wurde unter der dynamischen Stabführung des jungen bulgarischen Maestros stets konzentriert, mit vitalem Zugriff und zwingendem Nachdruck. Intensität der Klangrede war dabei durchweg groß geschrieben. Gergov setzte auf straffe Abläufe und groß angelegte Spannungslinien. Den Notentext las er sehr aufmerksam, präparierte Feinheiten gezielt heraus, hob Nebenstimmen prägnant hervor. Besonders eindrucksvoll wirkte der subtil musizierte Piano-Anfang des langsamen Satzes. Diesen legte Gergov ausgesprochen flüssig an, wobei im D-Dur-Zwischensatz der dichte, kernige Ton der zweiten Violinen und Bratschen aufmerken ließ. […]
Durch großangelegte Architektur, Ausdrucksgewalt und klare Disposition der Fugen und Fugati imponierte das Finale. Die exorbitanten Anforderungen an die Vokalpartien bewältigten der von Francesco Damiani disziplinierte sonore Chor und das Soloquartett überaus beachtlich. Besonders gefiel Cornelia Ptasseks feiner Sopran-Beitrag; markante Akzente wusste Bassist Thomas Jesatko zu setzen;‹‹
(Die Rheinpfalz, 4.1.2016)

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Mannheimer Bürgerbühne
DAS MANNHEIMER GERÄUSCHSORCHESTER #2
22.12.2016 im Unteren Foyer

DAS MANNHEIMER GERÄUSCHSORCHESTER #2, 22.12.2016
DAS MANNHEIMER GERÄUSCHSORCHESTER #2, 22.12.2016
DAS MANNHEIMER GERÄUSCHSORCHESTER #2, 22.12.2016
DAS MANNHEIMER GERÄUSCHSORCHESTER #2, 22.12.2016

››Aber keine Angst: An diesem Abend hört man keine Avantgarde-Musik. Es dominiert – bei allem schönen, „künstlerischen“ Ernst und Ehrgeiz – bürgerlicher Spieltrieb. […] Rasend schnell und voller virtuoser Unrast irrlichtert der Nationaltheatertänzer Luis Eduardo Sayago durch die Szenerie. Der Abend insgesamt, der die fünf Workshopbausteine recht locker aneinanderfügt, dauert nur eine knappe Stunde. Endet  aber rituell und feierlich mit Röhrenglocken, ehe alles in die dunkle Stille eintaucht, die auch schon der Ausgangspunkt gewesen war. ‹‹
(Mannheimer Morgen, 22. Dezember 2015)

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KINDERCHORKONZERT, 20.12.2016
Musikalische Leitung: Anke-Christine Kober
Klavierbegleitung: Charlotte Sabiel

KINDERCHORKONZERT, 20.12.2016
KINDERCHORKONZERT, 20.12.2016

››Mal abwechselnd und mal in Kombinationen bestreiten die jungen Sängerinnnen und Sänger ein großartig einstudiertes, ebenso vielfältiges wie herzerwärmendes Weihnachtskonzert mit einer bunten Mischung aus Klassikern und weniger bekannten Stücken. […] In den Kinderchören singen auch die Kleinsten kräftig und sind mit sichtbarer Freude bei der Sache, […]. Viel verdienten Beifall gibt es am Ende für alle Beteiligten – besonders herzlich bejubeln die Kinder selbst ihre Dirigentin Anke-Christine Kober sowie die Pianistin Charlotte  Sabiel.‹‹
(Mannheimer Morgen, 21. Dezember 2015)

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Junge Talente: ANTONIA SCHUCHARDT
Solistin im Kinderchor des Mannheimer Nationaltheaters

ANTONIA SCHUCHARDT ©Foto: Müller
ANTONIA SCHUCHARDT ©Foto: Müller

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 23.12.2015, Redaktionsmitglied Birgit Müller
Ein Interview im Originalton:

„Es gibt Dinge, in denen unterscheidet sich Antonia Schuchardt so gar nicht von anderen Menschen: Etwa, wenn sie mit dem Milchschaum auf ihrer heißen Schokolade spielt. Oder dem Impuls folgt, unter der Dusche zu singen. "Manchmal singe ich auch bei den Hausaufgaben", sagt sie und lacht. Doch genau dann, wenn die 16-Jährige zu singen beginnt, ist sie so gar nicht mehr wie alle anderen: Ihr Talent und ihre Leidenschaft haben ihr bereits beeindruckende Erfolge eingebracht.
"Ich kann mir mein Leben ohne Musik gar nicht vorstellen", sagt die Tochter zweier Musiker. "Durch meine Eltern habe ich zu Hause natürlich schon viel mitgekriegt." Bereits mit fünf Jahren begann sie, Blockflöte zu spielen, sang im Kinderchor der Melanchthon-Gemeinde in Mannheim, und Klavier sie, seit sie sieben Jahre alt ist.
"Mit elf war ich dann das erste Mal bei einer Probe des Kinderchors im Nationaltheater", erinnert sie sich und strahlt. "Das hat mich fasziniert. Da wusste ich: Hier gehöre ich hin. Das will ich machen."
Zunächst war die Mannheimerin als Chormitglied an Operninszenierungen beteiligt, etwa bei "Hänsel und Gretel", "Carmen" und "La Bohème". In der Spielzeit 2012/2013 bekam sie dann ihre erste Opernrolle - als Flora, in Brittens "The Turn Of The Screw". "Die Premiere war eines meiner besten Erlebnisse überhaupt", berichtet sie. Es folgte die Rolle als eine der "Drei Weisen" in "Der Rosenkavalier" am Nationaltheater in der darauffolgenden Spielzeit. Aktuell singt Antonia den Solopart im Ballett "Alpha - Omega".
Ganz nebenbei erzählt sie dann von ihrer Teilnahme beim bundesweiten Wettbewerb "Jugend musiziert" 2014: "Ich kam als Solosängerin auf den dritten Platz", sagt sie. Das habe ihr die Pforte zu Meisterkursen geöffnet. "So kam ich zum Beispiel in einen Schnupperkurs an der Musikhochschule in Lübeck." Denn dass sie nach dem Abitur, das im nächsten Schuljahr ansteht, Musik studieren möchte, ist für Antonia eine sichere Sache. "Das war schon immer klar", sagt sie mit großen Augen und lacht.
Schon heute investiert die Schülerin sehr viel Zeit in ihr Talent: Neben den regelmäßigen Chorproben im Nationaltheater nimmt sie Musiktheorie-Unterricht, spielt in einem Blockflötenensemble. "Das ist kein negativer Stress", sagt sie. "Es fällt mir leicht und macht mir viel Spaß, meine Zuhörer mitzunehmen."

Oder ihre Mitschüler mit ihrer Leidenschaft anzustecken: Motiviert durch ihre Musiklehrerin am Mannheimer Ursulinen-Gymnasium, absolvierte sie die Musikmentorenausbildung des Landes Baden-Württemberg. Nun kann sie offiziell einen Chor leiten.
"Danach gründete ich ein Ensemble. ,Volume' heißen wir und sind ziemlich cool", findet die 16-Jährige. 25 Mitschüler singen mit. Ihr Repertoire: A-cappella-Stücke, sowohl Klassiker wie auch aktuelle Titel.
Ihren letzten Auftritt hatten "Volume" Anfang Dezember auf dem Benefizkonzert der Schule zugunsten der Flüchtlingshilfe. "Das hab ich gemeinsam mit einem Mitschüler organisiert", erklärt sie. "Wir wurden von unseren Lehrern und der Schulleitung unterstützt." So kamen 2000 Euro zusammen.
Als ob alles einfach passiere, weil es gar nicht anders ginge. Ohne Anstrengung und ausschließlich gespeist von ganz viel Herzblut. Völlig ruhig und sehr unaufgeregt. So klingt es, wenn Antonia von den außergewöhnlichen Stationen ihrer noch jungen Musikerkarriere erzählt.
Dankbar sei sie für die Unterstützung, die sie von vielen Seiten bekomme, etwa durch das Musikernetzwerk Amadé, das Nationaltheater, ihre Schule und natürlich durch ihre Eltern. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Musik für mich irgendwann mal aufhört", sagt sie entschlossen.

Antonia Schuchardt
Antonia Schuchardt wurde 1999 in Mannheim geboren. Die Tochter zweier Musiker entdeckte schon früh ihre Leidenschaft für die Musik: Mit fünf Jahren spielte sie bereits Blockflöte, sang im Kinderchor der Melanchthon-Gemeinde, nimmt seit ihrem siebten Lebensjahr Klavierunterricht.
Seit fünf Jahren singt sie im Kinderchor des Nationaltheaters Mannheim. Ihre erste Opernrolle hatte sie in der Spielzeit 2012/2013 in Brittens "Turn Of The Screw" als Flora.
Derzeit singt sie im Ballett "Alpha -Omega" den Solo-Part. Nächste Vorstellungen: 2. und 16.1. 2016 (beide Termine ausverkauft) und am 20.2. (Karten: 0621/1680 150).
2014 wurde sie als Solistin (Sopran) Dritte beim bundesweiten Wettbewerb "Jugend musiziert".

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Gioachino Rossini
TANCREDI, Premiere B 08.12.2015
Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky
Inszenierung: Cordula Däuper

››Bei der B-Premiere von Rossinis ›Tancredi‹ am Mannheimer Nationaltheater brillierten zwei neue Hauptdarstellerinnen: Marie-Belle Sandis in der Titelpartie und Eunju Kwon als Amenaide. Julia Faylenbogen übernahm die Nebenrolle ihrer Vertrauten Isaura und tat dies zuverlässig. […]
Als authentische Tragödin profilierte sich Sandis dann beim atemlos stockenden, rezitierenden Gesang, den gegen Ende gleichsam im Nichts zu verschwinden scheinenden Pianissimo-Tönen der Sterbeszene. Außerdem beeindruckte sie durch geläufige Koloraturen. […] Als Virtuosin des Belcanto-Ziergesangs setzte auch Eunju Kwon als Amenaide Akzente. Sie nahm restlos für sich ein durch die Bravour und Eleganz, mit der sie die hoch artifiziellen Passagen ihrer Partie meisterte, und noch mehr durch den Feinschliff und die expressive Qualität ihres Vortrags.
Die junge koreanische Sängerin formte feine, beseelte Melodielinien von anrührend subtiler Schönheit und beeindruckte dabei durch seltene Fähigkeit zum Differenzieren. Mit ihr und Tamara Banješevi
, die in der ersten Premiere auf der Bühne stand, ist das leichte lyrische Sopranfach am Nationaltheater optimal besetzt. Und damit ist noch nicht alles gesagt: Mit der Arie des Roggero signalisierte Ji Yoon, Studierende an der Mannheimer Musikhochschule (auch sie aus Korea), mehr als interessante künstlerische Perspektiven.‹‹
(Die Rheinpfalz, 11. Dezember 2015)

››Eunju Kwon, diese bestens veranlagte junge Sopranistin, gefällt außerordentlich. Zu ihrer jugendlich-liebenswerten Ausstrahlung gesellt sich eine koloratursichere Stimme, die zwischen hingebungsvollem Zauber und schmerzlichem Ausbruch viele Nuancen einbringt. Und an Stimmartistik verlangt Rossini seinen Sängern wirklich viel ab.
[…] Ein Glanzpunkt ist das Dirigat von Rubén Dubrovsky, der das Nationaltheater-Orchester mit Mut zur Attacke und sensibler Sängerführung zur mitreißenden Darstellung führt, assistiert vom äußerst präsenten Männerchor, den Francesco Damiani einstudiert hat.‹‹
(Opernnetz, 10. Dezember 2015)


 

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Gioachino Rossini
TANCREDI, Premiere A 04.12.2015
Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky
Inszenierung: Cordula Däuper

TANCREDI, Premiere A  04.12.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
TANCREDI, Premiere A  04.12.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
TANCREDI, Premiere A 04.12.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
TANCREDI, Premiere A  04.12.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel

Bühne: Ralph Zeger
Kostüme: Sophie du Vinage
Licht: Damian Chmielarz
Dramaturgie: Merle Fahrholz, Mark Schachtsiek
Chor: Francesco Damiani

››Dieses rund fünfminütige Finale darf als Höhepunkt dieser Rossini-Premiere am Nationaltheater gelten. Es ist so ungewöhnlich und überraschend wie auch fantastisch und tief bewegend. Wir gehen vollkommen auf in den Psychologien der beiden Protagonisten. Tamara Banješevi
 (Amenaide) und Maria Markina (Tancredi), aber auch die Sänger und das Orchester unter dem famosen Rubén Dubrovsky am Pult singen und spielen so intensiv und weltenfern, dass die Zeit zum Stillstand kommt. […]
Sie [Tamara Banješevi
] macht den ›Tancredi‹ von Rossini zu einer ›Amenaide‹. Sie ist Dreh- und Angelpunkt. Musikalisch. Psychologisch. Sängerisch. Sie spielt und singt, nein, sie ist diese schier durchsichtige, tragische Figur, die an den eigenen Ansprüchen untergeht, fulminant und aufopfernd. Ihre große c-Moll-Szene samt Cavatina (No, che il morir…), Oboen- und Englischhorn-Solo machen das Orchester und sie zu einem Ort der Beseeltheit, in dem Tiefe, Schönheit und Eleganz musikalisch fusionieren.‹‹
(Mannheimer Morgen, 7. Dezember 2015)

››Stilkenntnis und –empfinden bestimmt die musikalische Einstudierung von Rubén Dubrovsky am Pult des Nationaltheaterorchesters. Der Dirigent […] sorgt für einen klaren und trockenen klang ohne Vibrato. Auch der Einsatz der teilweise solistischen Bläserstimmen ist gelungen. Dubrovsky setzt lebendige Akzente, betont aber auch sehr schön die lyrischen Momente der Partitur.‹‹
(Die Rheinpfalz, 7. Dezember 2015)

››Das Gefühlsleben der Figuren zeichnet die Regisseurin behutsam, am bewegendsten zu Beginn des Zweiten Akts und in der Schlussszene […]. Es sind die eindrucksvollsten Momente. Die Regie beweist sich hier als besonders stark und bildhaft […].
Die Sopranistin Tamara Banješević glänzt stimmlich in allen Facetten dieses stark emotionalen Charakters, der romantische Züge trägt. Maria Markina überzeugt als Tancredi mit sonorer Tiefe und geschmeidigen Höhen: Ihre Duette sind pures Belcanto-Gold. […]Sung Ha als Orbazzano, Katharina von Bülows Isaura und Ji Yoon als Roggiero  komplettieren das Ensemble mit glänzenden Einzelleistungen.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 8. Dezember 2015)
 
››Ruben Dubrovsky läßt die Orchestermusiker den vielfältigen Melodienzauber mit leichtem Schlag und ohne Taktstock lustbetont aufspielen und gibt auch den Sängern eine sichere Basis. […]
Die zweite Hosenrolle des Roggiero gibt Ji Yoon mit einer etwas kleinen lyrischen Stimme, die sie aber in der Arie 2. Akt allerliebst einsetzen kann. Den Chor stellt in dieser Premiere der Coro Isabella Malibran (Einstud: F.Damiani und Aki Schmitt), bei dem schlagkräftige Männerstimmen hervorstechen. Die Isaura gibt der Mezzo Katharina von Bülow mit kurzem rollengerechtem Schöngesang. Orbazzano singt mit schmetterndem Schwarzbaß (wie auch seine Uniform) Sung Ha. Der Argirio in weißem Designeranzug wird von Filippo Adami mit süffigem und flexibel gestaltendem Tenor gesungen. Tamara Banjesevic ist Amenaide und singt mit einem etwas ‚cool‘  timbriertem Sopran die Rolle, die sie szenisch wunderbar darstellt. Ihr hehrer Ritter ist die in der Hosenrolle gut seine Zweifel ausagierende Maria Markina, auch wie die anderen Solisten außer Adami in ihrem Rollendebut. Die russische Sängerin verfügt über einen sinnlichen und gleichzeitig kristallin timbrierten Mezzosopran[…].‹‹
(Der Neue Merker Online, 9. Dezember 2015)


 

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FOA 28.11.2015
TURANDOT
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Gast: Maria Guleghina (Turandot)
Gast: José Cura (Calaf)

TURANDOT, FOA 28.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
TURANDOT, FOA 28.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel

››Trotzdem erlebt die NTM-Oper einen guten Abend. Und das liegt zum einen an Ettinger, der Chöre und Orchester ordnet, anpeitscht und mal wieder zu Dezibel-Rekorden hochwuchtet. Und zum anderen auch an Astrid Kessler, die der Sklavin Liù eine ganz andere Farbe schenkt als einst Cornelia Ptassek mit ihren wunderbar glockenreinen Tönen.[…] Und die Minister Ping, Pang, Pong (Raymond Ayers, Raphael Wittmer, Juhan Tralla) harmonieren wieder genauso bestens wie der sonnenbebrillte Pyjama-Kaiser von Mario Brell oder all die anderen überzeugen.‹‹ Ein volles Haus, ein begeistertes Publikum ...
(Mannheimer Morgen, 30. November 2015)


 

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FOA 08.11.2015
LA DAMNATION DE FAUST
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Gast: Klaus Florian Vogt (Faust)

LA DAMNATION DE FAUST, FOA 08.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
LA DAMNATION DE FAUST, FOA 08.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel

››Alois Seidlmeier dirigiert das sehr präsente Nationaltheaterorchester umsichtig und akzentuiert; neben dem Gaststar singt die ausgezeichnete Premierenbesetzung mit Marie-Belle Sandis (Marguerite), Karsten Mewes (Méphistotélès) und John in Eichen (Brander), der Chor ist wie immer […] gut in Form.‹‹
(Mannheimer Morgen, 10. November 2015)

››Der Sänger glänzte mit außergewöhnlichen subtilen, mitunter hauchzarten Zwischentönen, raffinierten Klangabstufungen, […] die er auch in der hohen und der Übergangslage geschmeidig einzusetzen verstand. […]Seine optimalen vokalen Voraussetzungen nutzte Vogt ebenso intelligent wie musikalisch. Er sang und spielte den Faust, bei bedingungsloser Identifikation mit der Bühnengestalt, mit leidenschaftlicher Hingabe, lyrischer Wärme, unverstellt dramatischen Akzenten, äußerst differenziert und stilvoll. Fazit: Auf der Bühne des Nationaltheaters agierte diesmal ein Sänger-Darsteller von Format. Das größte Kompliment, das seiner Partnerin, dem Mannheimer Ensemble-Mitglied Marie-Belle Sandis, gemacht werden kann, ist, dass sie sich mit Vogt auf Augenhöhe bewegte. Was hiermit geschieht. Ihre makellos geführte, klangvolle Mezzosopran-Stimme hatte anrührend verinnerlichte Wendungen, wahre Herztöne für die Margarethe.‹‹
(Die Rheinpfalz, 14. November 2015)

››Mit schönster Leichtigkeit brachte er die Kantilenen des reflektierenden und träumenden Faust zum Blühen, sang höhensicher, ließ Farben strömen. Sein weicher Schmelz klingt in der Tat wunderschön in all seinen Schattierungen und Feinheiten.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 26. November 2015)


 

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OPERETTENGALA „DIE GANZE WELT IST HIMMELBLAU“
Premiere A 15.11.2015, Premiere B 22.11.2015
Ein Abend voller Lügen, Witz und Seligkeit
Musikalische Leitung: Markus Huber (a.G.)
Konzept und Moderation: Michael Quast (a.G.)

OPERETTENGALA „DIE GANZE WELT IST HIMMELBLAU“, Premiere A 15.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
OPERETTENGALA „DIE GANZE WELT IST HIMMELBLAU“, Premiere A 15.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
OPERETTENGALA „DIE GANZE WELT IST HIMMELBLAU“, Premiere A 15.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
OPERETTENGALA „DIE GANZE WELT IST HIMMELBLAU“, Premiere A 15.11.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel

››Die kapriziöse Katharina Göres zog als tief verschleierte Kapitänswitwe (›Pariser Leben‹), sämtliche Ironie-Register, machte aber auch in der ›Csárdás-Fürstin‹ und im Fliegenduett eine glänzende Figur. Der Abräumer war aber Joachim Goltz, den Quast zu Recht einem ›Monnemer Hätzensbrescher‹ nannte. Goltz schickte sich an, in Rekordzeit zum Publikumsliebling zu werden. ‹‹ (Mannheimer Morgen, 17. November 2015)


››An satirischen Spitzen mangelt es den Offenbach-Operetten nie und die gute Tradition, aktuelle Anspielungen ins Couplet zu bringen, ließ sich auch Quast selber nicht nehmen, der das Couplet des Prinzen von Arkadien (aus ›Orpheus in der Unterwelt‹) sang und die Geldverschiebungs-Lust großer Vereine aufs Korn nahm. Ansonsten sangen Mannheimer Ensemblemitglieder in Begleitung des Nationaltheater-Orchesters, und alle machten ihre Sache ausnehmend gut.
Die Mezzosopranistin Ludovica Bello brachte halbseiden-verruchten Charmes in das Rondeau der Metella (aus Offenbachs ›Pariser Leben‹, Tenor Ziad Nehme sang mit klangvoll schmiegsamer Stimme ein aufgewecktes Couplet aus der gleichen Operette. Auch im Duett als komisches Paar sorgten die beiden für reichliches Vergnügen. ‹‹ (Die Rheinpfalz, 17. November 2015)


›› Die Wiener Operette nahm weiten Raum ein, und dafür hatte das unter der Leitung von Markus Huber geschmeidig aufspielende Nationaltheater-Orchester besten Draht: in gefühlvoll und genüsslich ausgekosteter Lyrik ebenso wie im schmissig Vitalen. Mondäne Coolness und dunkle Glut vereinte Sopranistin Astrid Kessler, und ein kernig dunkles Pracht-Timbre ließ der Tenor Tilmann Unger hören, der mit Astrid Kessler das Paradepaar für das edel Tönende abgab.‹‹ (Rhein-Neckar-Zeitung, 18. November 2015)


 

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Pressemitteilung des Nationaltheaters Mannheim, 09.11.2015

ALEXANDER SODDY WIRD GENERALMUSIKDIREKTOR AM NATIONALTHEATER MANNHEIM

Alexander Soddy, derzeit Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt, wird ab der Spielzeit 2016/2017 neuer Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim und tritt somit die Nachfolge des scheidenden GMD Dan Ettinger an. Bei einer Pressekonferenz am heutigen Montag, 9. November stellte Albrecht Puhlmann, designierter Opernintendant am NTM, den neuen Generalmusikdirektor zusammen mit Michael Grötsch, Bürgermeister für Wirtschaft, Arbeit, Soziales und Kultur, vor. Direkt vor Ort unterzeichneten Michael Grötsch, Albrecht Puhlmann und Alexander Soddy den neuen Vertrag, mit dem der künftige GMD dem Nationaltheater und seinem Publikum bis mindestens 2022 erhalten bleibt.

„Ich bin überzeugt, dass Alexander Soddy ein Gewinn für das Opernhaus unserer Stadt ist. Soddy konnte im Auswahlverfahren nicht nur die Entscheidungsträger überzeugen; nicht zuletzt gab auch die große Zustimmung des Orchesters den Ausschlag, dass er sich gegen alle weiteren, hochqualifizierten Mitbewerber durchsetzen konnte. Ich freue mich sehr, dass wir Alexander Soddy als Generalmusikdirektor für fünf Jahre verpflichten konnten“, betont Kulturbürgermeister Michael Grötsch.

„Mit Alexander Soddy haben wir einen GMD gefunden, der die Notwendigkeit von Ensemble und Repertoire künstlerisch lebt. Ich bin glücklich, dass wir für mindestens fünf Jahre gemeinsam die künstlerischen Geschicke der Oper am Nationaltheater Mannheim werden prägen können“, so Albrecht Puhlmann, designierter Opernintendant am NTM.

Alexander Soddy wurde in Oxford geboren und absolvierte in seiner Heimatstadt zuerst eine Ausbildung als Chorsänger am Magdalen College. Zudem studierte er an der Royal Academy of Music Dirigieren und Gesang und war ein Klavierschüler von Michael Dussek. Im Anschluss studierte er Musikwissenschaft und Analyse an der Cambridge University mit einem Chorstipendium vom Selwyn College. Nach Abschluss des Studiums 2004 wurde er direkt als Korrepetitor und Dirigent an das National Opera Studio in London engagiert. In dieser Zeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Preise.
Im Oktober 2005 wurde er als Korrepetitor an die Hamburgische Staatsoper engagiert und wurde schnell 1. musikalischer Assistent der Generalmusikdirektorin Simone Young, sehr bald auch mit Dirigierverpflichtung sowohl an der Hamburgischen Staatsoper als auch bei den Hamburger Philharmonikern.
Von 2008 bis 2010 leitete Alexander Soddy im Internationalen Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper die Produktionen von Cavallis La Calisto, zeitgenössische Opern von Christian Jost und John Tavener und Rameaus Les Indes Galantes.
In der Saison 2008/2009 debütierte er an der Staatsoper Hamburg mit Mozarts Die Zauberflöte und erntete damit einen ersten großen Erfolg. Es folgten in der Saison 2009/2010 die musikalische Leitung der Opern L'elisir d'amore, Hänsel und Gretel, Barbiere di Siviglia und erneut Die Zauberflöte.
Von 2010 bis 2012 war er in Hamburg als Kapellmeister engagiert und dirigierte u.a. La Boheme, Rigoletto, Don Giovanni, Bliss, La Traviata und Lucia di Lammermoor. Zudem gab Alexander Soddy mit Mozarts Die Zauberflöte sein Debüt sowohl an der Bayerischen Staatsoper München als auch an der Staatsoper Berlin. In der darauf folgenden Saison debütierte er an der Royal Swedish Opera Stockholm mit La Bohème.
In der Spielzeit 2012/2013 stellte er sich dem Publikum am Stadttheater Klagenfurt mit den Neuproduktionen von Webers Der Freischütz sowie mit Mozarts Idomeneo vor. Als Gast an der Staatsoper Hamburg dirigierte er Die Fledermaus, Don Giovanni und Gounods Faust. In der Neuproduktion des Ring des Nibelungen in Bayreuth 2013 bis 2015 übernahm er dazu die musikalische Studienleitung an der Seite von Kirill Petrenko.
Ab der Spielzeit 2013/2014 trat er die Position des Chefdirigenten am Stadttheater Klagenfurt an und leitete mit größtem persönlichen Erfolg die Neuproduktionen Rosenkavalier und Macbeth. In derselben Spielzeit gastierte er an der Staatsoper Hamburg mit einer Neuproduktion von Bizets Carmen. Danach folgte in Klagenfurt noch eine Produktion von Prokofievs Die Liebe zu den drei Orangen.
2014/2015 gab Alexander Soddy mit La Cenerentola sein Debüt an der Oper Frankfurt. In Klagenfurt leitete er die Premieren Fledermaus, Cavalleria / Pagliacci und Les Dialogues des Carmelites.
In der laufenden Spielzeit kehrte Alexander Soddy mit Webers Der Freischütz und Die Zauberflöte an die Staatsoper Berlin und an die Königliche Oper Stockholm mit Madama Butterfly zurück. An der Oper Köln wird Alexander Soddy das erste Mal mit La Cenerentola auftreten. Weitere Debüts in der kommenden Spielzeit sind neben einer Rückkehr an die Bayerische Staatsoper auch an der Staatsoper Wien und der Semperoper in Dresden geplant.

„Meine Entscheidung, nach Mannheim zu kommen, ist eine sehr leichte gewesen. Das Nationaltheater Mannheim ist ein Haus mit unbestreitbarer Tradition, bedeutenden Vorgängern – ein Kunstinstitut, das nicht nur in der Vergangenheit lebt, sondern die Tradition und das Erbe immer wieder aufs Neue erfindet und weiterträgt. In Albrecht Puhlmann und seinem Team traf ich auf Theatermenschen, mit denen es vom ersten Gespräch an ein selbstverständliches Übereinstimmen in den wesentlichen Fragen gab. In diesem Sinne kann ich es kaum erwarten, dass die Arbeit, und vor allem das Musizieren, hier richtig losgeht!“, so Alexander Soddy.

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Hans Werner Henze
DIE BASSARIDEN, Premiere B 25.10.2015
Musikalische Leitung: Rossen Gergov
Inszenierung Frank: Frank Hilbrich

DIE BASSARIDEN, Premiere A 23.10.2015, B 25.10.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel
DIE BASSARIDEN, Premiere A 23.10.2015, B 25.10.2015 ©Foto: Hans-Jörg Michel

Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Gabriele Rupprecht
Video: Sami Bill
Licht: Christian Wurmbach
Dramaturgie: Elena Garcia-Fernandez
Chor: Nils Schweckendiek



B-Premiere am 25. Oktober 2015
„Die Sänger des Abends beeindrucken durchweg mit stimmlicher wie darstellerischer Präsenz. Thomas Jesatko gibt den Pentheus mit warmem Bariton als zerrissene, anfänglich stolzierende, doch zunehmend am eigenen Verstand (ver)zweifelnde Figur. […] Roy Cornelius Smith füllt die Rolle als Pentheus’ Gegenspieler (oder eben innerem Gegenstück) mit kräftigem, höhensicherem Tenor und nuancierter Wahnsinnsmimik aus. Szene wie das erste Aufeinandertreffen der beiden sind kammerspielartige Höhepunkte des Abends.“ (Mannheimer Morgen, 28. Oktober 2015)

„Auch die neue Truppe hat ohne Einschränkung überzeugt. […] Faylenbogen glänzte mit der pastosen Fülle und dem feinen Timbre ihres makellos geführten Mezzosoprans und durch den Nuancenreichtum ihrer Ausdruckspalette. […] Sängerisch ohne Fehl und Tadel gestalteten Eunju Kwon (Autonoe) und Marie-Belle Sandis die beiden anderen weiblichen Rollen. Kwon gefiel zudem durch vokale Eleganz, Sandis durch dramatische Akzentuierungen. […] Und auch diesmal war der von Nils Schweckendiek einstudierte Chor des Nationaltheaters ein bewunderungswürdiger Protagonist dieser Inszenierung.“
(Die Rheinpfalz, 28. Oktober 2015)

„ein genialer Einfall, die entfesselten Triebwünsche zugleich sichtbar zu machen und im Ungreifbaren zu belassen. […] Obwohl Hilbrich das Geschehen im Heute ansiedelt, verzichtet er auf jede plakative, vordergründige Aktualisierung, nicht allerdings auf die untergründig gesellschaftliche Bedeutung des Konflikts zwischen Repression und Revolte.“
(Opernwelt, November 2015)

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Hans Werner Henze
DIE BASSARIDEN, Premiere A 23.10.2015
Musikalische Leitung: Rossen Gergov
Inszenierung Frank: Frank Hilbrich

DIE BASSARIDEN, Premiere A 23.10.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE BASSARIDEN, Premiere A 23.10.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Gabriele Rupprecht
Video: Sami Bill
Licht: Christian Wurmbach
Dramaturgie: Elena Garcia-Fernandez
Chor: Nils Schweckendiek


„Trotz großartiger Massenszenen, mit einem Chor, der sich zu bewegen versteht (listig mit ein paar Statisten angereichert) und hervorragend eingestimmt wurde (von Nils Schweckendiek), ist die Führung der beiden Antagonisten noch trefflicher: […] Karsten Mewes ist der strenge, nüchtern autokratische Pentheus, Roy Cornelius Smith sein frecheres, rundlicheres, ihm aber doch schrecklich ähnliches Pendant. Beide singen dazu, als wäre das eine Richard-Strauss-Oper, wie die musikalische Seite auch vom Orchester unter Leitung von Rossen Gergov nicht schonend, sondern opulent und das Sinnliche betonend abgehandelt wird. Schrecken und Schönheit, ekstatisches Kollektiv und lyrische Überwältigung unter starkem Harfeneinsatz kommen in Ton und Bild zur Geltung. […]Dass das bei Euripides wichtige Erdbeben hier nur ein heftiges Rütteln an Bücherregalen ist, dass nach der Zerfetzung des entdeckten Pentheus seine Überreste in schneeweißen Einkaufstüten stecken und ein Minimum an Theaterblut zum Einsatz kommt, tut der Dramatik keinen Abbruch. Die Bilder übertrumpfen und überwältigen nicht die Musik, sondern greifen sogar ihren manchmal fast banalen, schönen, aber auch flüchtigen Anteil klug auf.“
(Frankfurter Rundschau, 26. Oktober 2015)

 „Das Opernhaus des Jahres macht seinem Titel alle Ehre, Gastdirigent Rossen Gergov macht mit dem gigantisch besetzten Orchester samt Chor einen brillant explodierenden Expressivsound, der Henzes narrative Musik plastisch zum Ausdruck bringt, der Chor singt (und spielt!) exzellent, und dann sind da die Solisten. Neben der überragenden Heike Wessels überzeugt das Paar Roy Cornelius Smith (Dionysos) und Karsten Mewes (Pentheus) […]. Natürlich überzeugen Sebastian Pilgrims grimmig knarzender Bass als auch Thomas Beraus kerniger Bariton als rigider Hauptmann. […]Besser hätte Intendant Klaus-Peter Kehrs letzte Saison kaum starten können.“
(Mannheimer Morgen, 26. Oktober 2015)

„Wuchtig, zugleich luzide und traumschön agieren Chor und Orchester des Nationaltheaters Mannheim unter Leitung von Rossen Gergov. Für alle Solisten dieses Premierenabends, ohne Ausnahme, jeder und jede für sich hervorragend, gilt, dass sie Rollendebüts singen. Die „Bassariden“ gehören nun einmal nicht zum alltäglichen Repertoire. Kollektive Glanzleistungen wie diese wachsen nur auf dem Kompost gut geführter Stadttheater.“
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Oktober 2015)

 „die wahren Orgien gibt es an diesem Abend ohnehin nur für die Ohren – dank eines unter der Leitung von Rossen Gergov phasenweise wie entfesselt aufspielenden Nationaltheater-orchesters. Dieses hatte zudem im Chor des Theaters einen absolut ebenbürtigen Partner auf der Bühne. […]
Karsten Mewes macht aus dem König Thebens einen verzweifelt um Wahrheit und Gewissheit ringenden Menschen, der jedoch ohne jede Chance gegen den mephistophelisch bösen Dionysos von Roy Cornelius Smith ist. Beide bewältigen ihre Partien auch stimmlich mit Bravour, was für das gesamte Ensemble gilt“ (Die Rheinpfalz, 26. Oktober 2015)

„Die Choristen meistern ihren sängerischen Part in bewundernswerter Weise und engagieren sich in den orgiastischen Partys des Dionysos […]. Ebenso gab Sebastian Pilgrim der Rolle des Kadmos mit profundem, sicherem Bass starkes Gewicht. Heike Wessels als Pentheus Mutter und Edna Prochnik als Beroe glänzten mit farbintensivem Intermezzo.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 26. Oktober 2015)

 „Karsten Mewes ist ein zwischen Selbstgewissheit und Zweifel ringender, konditionsstarker Pentheus und Roy Cornelius Smith sein stimmlich strahlendes, verführendes Quasi-Spiegelbild als Dionysos. Aber auch um die beiden herum herrschen der angemessene vokale Luxus, den Henzes Gesangpartien brauchen, um dem flutenden Orchester standzuhalten. Da vertreten Edna Prochnik als stets besorgte und hellsichtige Amme Beroe, Heike Wessels als Agaue sowie Vera-Lotte Böcker als deren Schwester Autonoe den weiblichen Part der Protagonisten ebenso überzeugend wie der stimmgewaltige Sebastian Pilgrim den alten Kadmos, Raphael Wittmer den blinden Seher Teiresias und Thomas Berau den Hauptmann der Wache den Part der übrigen Männerstimmen höchst überzeugend. Unter der Leitung von Rossen Gergov schließlich läuft auch das Orchester des Nationaltheaters Mannheim zur Höchstform auf.“
(neue musikzeitung, 26. Oktober 2016)

„So bleibt schließlich die recht klangschöne Erinnerung an Pentheus, der für seine Bemühung um vollständige Einhaltung des staatlichen Rechtsprinzips und der Grenzen des Ordentlichen sein Leben lassen muss. Karsten Mewes verleiht mit seinem distinguierten Bariton dieser vermutlich zu allen Zeiten ungeliebten und letzten Endes vergeblichen Bemühung erheblichen Nachdruck.“ (Deutschlandfunk, 26. Oktober 2015)

„Die von Volker Thiele gefertigte Bühne, eine weitläufige Bibliothek, und die Kostüme von Gabriele Rupprecht verlegen das Geschehen ins Heute. Das macht durchaus zeitlosen Sinn. Gewaltsam eindringlich werden die riesigen Chorszenen gestaltet; Hass, Grausamkeit und Opferverlangen finden in der Maßlosigkeit der beiden Kontrahenten ihre Verkörperung: Pentheus, den Karsten Mewes mit beweglicher Baritonstimme singt, mag sich selbst für einen Aufklärer halten, der den antiquierten Götterglauben bekämpft, dafür aber neue Tabus und Ideologien errichtet; Dionysos, vom Heldentenor Roy Cornelius Smith mit abgründiger Präsenz gespielt und gesungen, will Theben auslöschen – es gibt nur einen Kult, und den verkörpert er mit seinen Vasallen und Vasallinnen. Überzeugend Sebastian Pilgrim als Ex-König Kadmos, Rafael Wittmer in der Rolle des blinden Sehers Teiresias und Thomas Berau als Hauptmann, der dem jeweiligen Herrn dient. Auch die Frauenfiguren sind nahezu ideal besetzt: Heike Wessels mit dramatischem Furor als Pentheus-Mutter Agaue, Edna Prochnik mit ihrem schön geformten Mezzo als Amme Beroe, und Vera-Lotte Böcker als jugendliche Autonoe. […] Überragend der von Niels Schweckendiek einstudierte Chor, dem Henze  grandiose Szenen zukomponiert hat; griffig, attraktiv und jederzeit zu knalligen Akzenten bereit das Nationaltheater-Orchester unter dem Gastdirigenten Rossen Gergov, ein Musiker, der keine Probleme mit Henzes Partitur zu haben scheint.“
(Opernnetz.de, 26. Oktober 2015)

„Ihre Klänge, Henzes Mahler-Ton und den süffigen spätromantischen Überschwang seiner exzellent instrumentierten Partitur kann man aber genießen – in Mannheim auch dank Rossen Gergov, der am Pult für Sinnlichkeit und Struktur sorgt, und dank starker Sänger wie Karsten Mewes als stimmlich wie darstellerisch strahlend-wendiger Pentheus, Sebastian Pilgrim als stimmschöner, profunder Kadmos und Heike Wessels als lustvolle und leidende Agaue.“ (Stuttgarter Nachrichten, 26. Oktober 2015)

„Frank Hilbrichs stringente Regie überzeugte ebenso wie die hochklassigen musikalischen Leistungen des Ensembles. […] Die Regie findet immer wieder ausdrucksstarke Bilder für eine von Psychosen und Ängsten geplagte Gesellschaft, die ihr Heil im Exzess und Rausch sucht. […] Darstellerisch wie musikalisch leistet der von Nils Schweckendiek einstudierte Chor des Nationaltheaters Hervorragendes, ebenso wie das hochklassige Ensemble.“ (Darmstädter Echo, 28. Oktober 2015)

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Das Opernwelt Jahrbuch 2015
Ein Angebot an die Mannheimer Theaterfreunde

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Eine Zusammenfassung der Pressestimmen zur zweifachen Auszeichnung der Mannheimer Oper

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Oper des Nationaltheaters Mannheim erhält zweifache Auszeichnung
30. September 2015

Die Fachzeitschrift  »Opernwelt« zeichnet das Nationaltheater Mannheim in diesem Jahr doppelt aus: die Oper wurde zum ersten Mal zum Opernhaus des Jahres gekürt. Die Uraufführung von Lucia Ronchettis Esame di mezzanotte wurde zur Uraufführung des Jahres gewählt. 

Grund zur großen Freude am Nationaltheater Mannheim: die Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Opernwelt würdigt die Oper mit zwei der höchsten Auszeichnungen. Nach dem 2. Platz in der Kategorie Opernhaus des Jahres 2013 verliehen die 50 unabhängigen Fachjournalisten aus Europa und den USA der Oper in Mannheim in diesem Jahr den
1. Platz. 
„Den Titel Opernhaus des Jahres teilen sich in diesem Jahr die Oper Frankfurt und das Nationaltheater Mannheim. Es werden damit zwei Häuser gewürdigt, die sich durch eine von ihren Intendanten Bernd Loebe und Klaus-Peter Kehr über Jahre hin konsequent gepflegte Ensemblekultur sowie eine Spielplangestaltung zwischen Tradition und Innovation auszeichnen, bei der die Entwicklung der hauseigenen Kräfte im Mittelpunkt steht“, heißt es in der Pressemitteilung von „Opernwelt“.

Der Titel Uraufführung des Jahres ging an Lucia Ronchettis Esame di mezzanotte. Das Auftragswerk des Nationaltheaters in der Regie von Achim Freyer wurde im Mai 2015 in Mannheim uraufgeführt.
„Kein Zufall, dass auch die Uraufführung des Jahres aus einem Opernhaus des Jahres kommt: die Groteske Esame di mezzanote der italienischen Komponistin Lucia Ronchetti. Ein hochintelligentes, spielerisches, witziges Stück über ein brandaktuelles Thema – die Angst (und die Gefahr), dass wir unser kulturelles Gedächtnis verlieren. Ein Abend, der am Mannheimer Nationaltheater auf Anhieb zündete. Der Mentor im Hintergrund: Klaus-Peter Kehr. Er begleitet das Projekt von den ersten Ideen bis zur Bühnenreife“, schreibt Albrecht Thiemann in „Opernwelt“.

„Wir freuen uns sehr über die Bestätigung, die die Mannheimer Oper und alle, die sie möglich machen, durch diese Auszeichnungen erfahren. Einmal mehr wird durch sie die herausgehobene Stellung des Mannheimer Nationaltheaters in der deutschen Theaterlandschaft deutlich“, so Opernintendant Prof. Dr. Klaus-Peter Kehr und Operndirektor Lutz Wengler.

„Diese Auszeichnungen dokumentieren, was für einen erfolgreichen Weg unser Theater eingeschlagen hat. Sie unterstreichen, dass die Mannheimer Oper nicht nur regionale Bedeutung, sondern als Haus mit nationaler Ausstrahlung auch für das Land Baden-Württemberg hat“, betont Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz.

Bereits in den vergangenen beiden Jahren erhielten Der Idiot von Mieczyslaw Weinberg (2013 ) und Adriana Hölszkys Oper Böse Geister  (2014) am Nationaltheater Mannheim die Auszeichnung Uraufführung des Jahres. Der Opernchor wurde 2014 zum Opernchor des Jahres gewählt.   

Das Nationaltheater Mannheim, Eigenbetrieb der Stadt Mannheim, wird gefördert durch die Stadt Mannheim und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

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Loriot/Richard Wagner
DER RING AN EINEM ABEND
Eröffnungskonzert 20.09.2015
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier

DER RING AN EINEM ABEND, Eröffnungskonzert 20.09.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER RING AN EINEM ABEND, Eröffnungskonzert 20.09.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel

„Besonders im Liebesduett von Brünnhilde und Siegfried „Erwache, Brünnhilde“ bricht sich nicht nur „ein gesunder Eros Bahn“ (Loriot), sondern auch ein gesunder Wagnerklang. Und bei Ex-NTMler Stefan Vinke, einem der Wagner Tenöre überhaupt, fühlt sich der Held wohl. […] Er hat auch ein betörendes Piano, das sich bestens mit dem immer noch runden Ton von Heike Wessels vereint, und wenn die beiden sich orgiastisch in ihre Liebe hineinsteigern und von „leuchtender Liebe“ zu „lachendem Tod“ und dem gemeinsam gesungenen hohen C (c´´) emporschrauben, dann bleibt kein Wagnerauge trocken. Großartig sind sie, die beiden.“
(Mannheimer Morgen, 22.09.2015)

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