Pressestimmen Oper Spielzeit 2010/2011


Wolfgang Amadeus Mozart
Die Zauberflöte, B-Premiere 13.7.2011
Inszenierung: Joachim Schlömer
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

Die Zauberflöte<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Die Zauberflöte© Foto: Hans Jörg Michel

Iris Kupke, Anne-Theresa Møller, Heike Wessels (Die drei Damen) dagegen bilden dank einem abgerundeten Gesamtklang eine geschlossene Einheit. Zwar haben Julius Lehmann, Tristan Bosbach, Maximilian Mader (Die drei Knaben) mit kleinen Intonationsproblemen zu kämpfen, singen sich im Ganzen jedoch großartig durch ihre Auftritte. Wahrlich sternflammend war die Darbietung Antje Bitterlichs als Königin der Nacht. Anfangs merkt man ihr die große Nervosität an, allerdings völlig unbegründet. Der Klang ihrer glasklaren Stimme kennt kein raumfüllendes Fortissimo, sie rauscht aber ohne große Zwischenfälle durch alle Höhen ihrer Partie. Marina Ivanova ist das Bindeglied dieses Abends. Als Pamina wechselt sie am häufigsten ihre Gesangspartner. Mit bewundernswerter Anpassungsfähigkeit gestaltet sie im Duett mit Lars Møller (Papageno) liebevolle Melodielinien, in Taminos Nähe reagiert sie schnell und nutzt ihr volles Stimmvolumen. […]
Joachim Schlömer ist es gelungen, Körperlichkeit und Musikalität eng miteinander zu verbinden. Die Regie hinterfragt auch die Schwachstellen des Werkes. Vor dem ersten Finale lässt Papageno verlauten: Drei Knaben hätten uns leiten sollen, aber wir haben keine gesehen. Ein Anachronismus, der zum Nachdenken anregt. Ein philosophisches Bühnenbild rundet den Abend ab und der Applaus ließ nichts zu wünschen übrig.     (Operapoint, 15.07.2011)

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Wolfgang Amadeus Mozart
Die Zauberflöte, Premiere 8.7.2011
Inszenierung: Joachim Schlömer
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

Die Zauberflöte<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Die Zauberflöte© Foto: Hans Jörg Michel

„Eine Meisterleistung erbrachte GMD Dan Ettinger am Pult. Zusammen mit dem hervorragend disponierten Orchester wartete er mit einer äußerst packenden Interpretation auf. […] Cornelia Ptassek brachte alle Vorzüge eines bestens sitzenden jugendlich-dramatischen Soprans in die Rolle der Pamina ein. Mit gut fokussierter, höhensicherer Stimme schleuderte Antje Bitterlich die blitzenden Koloraturen der Königin der Nacht in den Raum. Ein sowohl stimmlich als auch darstellerisch sehr versierter Papageno war Lars Møller. Mit kräftigem Bass gab Runi Brattaberg dem Sarastro Autorität.“   Allgemeine Zeitung Mainz, 12. Juli 2011


Musikalisch hatte die Premiere große Lichtblicke, wofür an vorderster Front Maximilian Schmitt, der Darsteller des Tamino zuständig war. Ein hochbegabter junger Tenor der Extraklasse, der seine Arien in wunderbar weich und warm tönender, herrlich biegsamer Lyrik gestaltete. […] Großen Schwung und Klangkraft brachte der Chor des Nationaltheaters in die Aufführung. GMD Dan Ettinger dirigierte einen erregenden, impulsstarken Mozart, der vom trefflich aufspielenden Nationaltheater-Orchester gleichfalls wunderbar differenziert umgesetzt wurde. Einhelliger Jubel am Ende. (Rhein-Neckar-Zeitung, 11. Juli 2011)
Diese Neuproduktion von Mozarts Singspiel Die Zauberflöte besticht durch ihre großartige musikalische Präsentation. Denn Dan Ettinger, der beim Publikum sehr beliebte GMD und bislang sicherlich kein Klangflüsterer, „zaubert“ hier mit dem Nationaltheater-Orchester. Natürlich auch mit Biss und Präzision, aber viel auffälliger sind weich und elegant ausbalancierte Tempi, sowie eine agogische Differenziertheit und ein wunderbar pulsierender Atem, der diesen Premierenabend musikalisch herausragen ließ. Von dieser überlegenen Mozart-Sicht des Dirigenten profitierte vor allem Cornelia Ptassek als Pamina, deren jugendlich-dramatische Sopranstimme sich in Mannheim schon bei Wagner bewährte, hier aber in attraktiver Ausstrahlung die in dieser Partie erwartbare lyrische Geschmeidigkeit deutlich erweiterte: Zu großer sängerischer Gestaltung, die einhergeht mit einer Frische der Erscheinung, die ideal zur Pamina passt.    Opernnetz, 11. Juli 2011

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Superflumina, Premiere 20.05.2011

Superflumina, Premiere 20.05.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Superflumina, Premiere 20.05.2011© Foto: Hans Jörg Michel

Sciarrinos „Obdachlose“ als eine Schwester von Verdis Violetta Valéry: Faszinierend, wie hier Menschenschicksale aus scheinbar weit auseinanderliegenden Zeiten in unsere psychische Nähe gerückt werden. Diese spürbare Bedrängung, ja Erschütterung unseres doch so unerschütterlichen Selbstbewusstseins wurde in der Mannheimer Uraufführung noch intensiviert durch die überlegene Gestaltungskraft der Sopranistin Anna Radziejewska. Eine grandiose Studie der Verlorenheit, die eindringlich zeigte, wie ein Mensch durch äußeren existentiellen Druck langsam seelisch zerstört wird – bis hin zur Auflösung seiner Identität.
Sciarrinos Fähigkeit, mit seiner Musik gleichsam ins Innere seiner Figuren vorzustoßen, sie schmerzhaft zu durchleuchten, ihre wahren psychischen Dispositionen aufzuzeigen, hat in „Superflumina“ noch einmal eine gesteigerte Sublimierung und kompositorische Dringlichkeit erreicht. Nicht zuletzt auch durch eine überzeugende szenische, vokale und orchestrale Darstellung, die dem Leistungsstandard der Mannheimer Oper das beste Zeugnis ausstellt (Dirigent: Tito Ceccherini, Inszenierung: Andrea Schwalbach).   Frankfurter Allgemeine, 26.05.2011
 
Man muss nur eine paar Takte hören und ist sofort wieder gebannt von der Suggestivkraft, die der Musik Salvatore Sciarrinos innewohnt und der ganzen Rätselhaftigkeit seines Komponierens: Wie schafft es dieser italienische Komponist, mit wenigen zarten Klängen eine so starke musikdramatische Wirkung zu erzielen? Sciarrino erzählt, indem er alles Äußerliche verschweigt. Er knipst in seinen Opern das Licht im Theater aus und fasst in Töne, was in der Dunkelheit nur schemenhaft zu erkennen ist – Celloseufzer wie von einem kranken Tier, ein Aufschrei mit zugehaltenem Mund von der gestopften Posaune, gehauchte Flötentöne und geriebene Metallgeräusche, die wie knirschende Gedanken ihre Schleifen ziehen. Sciarrino setzt ein riesiges Orchester in den Operngraben und lässt doch immer nur wenige Instrumente zugleich spielen. Das verleiht seiner Musik eine enorme Raumtiefe, in der manches ganz nah und präsent erklingt und anderes aus unbestimmbarer Ferne herüberwispert. Im Zentrum seiner stets nur mit wenigen Rollen besetzten Opern stehen immer Frauen – hoch empfindsame, somnambul visionierende Hysterikerinnen, deren Stimmen wir Seismografen funktionieren: Über lange Passagen hinweg schlagen sie nur schwach aus, um urplötzlich ihrer inneren Erregung in verdichteten, expressiv gezackten Linien Ausdruck zu verleihen. […]
Eine erschütternde Verlassenheitsklage stimmt sie an (von Anna Radzijewska grandios gesungen), die den großen Lamentogesängen von Claudio Monteverdi bis Luigi Nono in nichts nachsteht.   Die Zeit, 26.05.2011


Andrea Schwalbachs uneitle und dabei überaus wirkungssichere Inszenierung gibt Anna Radziejewskas Ausdrucksvermögen einen klar konturierten Rahmen, in dem sich ihre beharrliche Irrealität mit großer Präsenz entfaltet. Manchmal wird dem Klangraum der Musik eine choreografische Zeichenebene (Thomas McManus) beigefügt. Anne Neusers Bühne, ein abstrahiertes Bahnhofsinterieur mit Säulen und Bewegungsdiagonale, unterstützt die räumliche Ambivalenz, ermöglicht gleichermaßen bedrängende Enge wie bedrohliche Weite und entrückt manchmal den ganzen Raum mit flirrenden, fraktalen Projektionen, in die die Realität in Gestalt eines Polizisten (Artur Janda) oder eines jungen Mannes (Thomas Lichtenecker) eindringt. […] Tito Ceccherini am Pult des Orchesters der Mannheimer Oper kann offenbar auf eine fruchtbare Probenarbeit für diese komplizierte Partitur zurückblicken und sich auf das Orchester verlassen. Timing und Dynamik sind perfekt ausgearbeitet, Farben zurückhaltend eingesetzt.   Frankfurter Rundschau, 23.5.2011

Melismenreich und mit vielen Punktierungen, oft auf nur einem Ton mäandert der Gesangspart der identitätslosen Protagonistin in variierten Wiederholungen dahin. Und doch entsteht eine facettenreiche Innenspannung, gepaart mit einer sehnsuchtsvoll südländischen, ja belcantistischen Klanganmutung. Anna adziejewska seiltänzelt sich mit rößter Sicherheit und feinfühliger Tonbalance
durch diese monströse Partie, die - nicht nur wegen dem zerfetzen Ballettröckchen unter dem grauen Parka – auch immer wieder an eine alt gewordene, sozial geschädigte Colombina aus der Commedia dell’arte erinnert. Tito Ceccherini dirigiert diesen, von extremen Einzelstimmen geprägten, aber sich auch kurzzeitig zu scharfen Tutti-Ballungen ausweitenden Einakter mit klugem Gespür für Klangwirkungen, die sich nie in den Vordergrund drängen und diesem Stück doch einen unverwechselbaren Sciarrino-Stempel aufdrücken. Andrea Schwalbach inszeniert in Anne Neusers leerer Bühne zweckdienlich, ohne jedes Regie-Tamtam. Am Anfang schält sich die Frau aus einem Haufen ihr Gesicht abwendender Paare und Passanten, am Ende scheint sie mit dem
Einkaufswagen und den alten Kleidern im Vordergrund zu verschmelzen, während hinten die Statisten eines neuen Arbeitstages vorbeihasten.   Die Welt, 23.05.2011

Besonders die Protagonistin, die einfach La donna heißt, lässt immer wieder im typischen Vokalstil Sciarrionos um die ariosen Auftakte eine Art Mini-Parlando perlen. Egal, ob sie nun über so banale Dinge wir das Schlafen, das Essen oder über Insekten singt oder Bibeltexte zitiert. Dieser vokale Soung, in den sich die famose Anna Radziejewska mit virtuoser Leichtigkeit immer wieder fallen lässt, geht in den hundert Minuten so ins Ohr, dass man alsbald beginnt, die Welt und die Menschen aus der ver-rückten Perspektive dieser Frau wahrzunehmen. […]
Salvatore Siciarrions neuer Einakter verströmt bei aller Prägnanz im Detail als Ganzes einen sinnlich flirrenden, atmosphärischen Zauber. Mit einem traumschönen Blick hinter eine herbe Wirklichkeit, ohne dass die angemessene szenische Realisierung den Sozialkitsch schrammt. In Mannheim war also eine große, ja großartige Nachtmusik zu erleben, die ein kleines Licht der Kunst in die Dunkelheit der Welt bringt. Was will man mehr.   Kultiversum, 24.05. 2011

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Amilcare Ponchielli
La Gioconda (konzertant), Premiere 08.05.2011
Musikalische Leitung: Attilio Tomasello

La Gioconda (konzertant), Premiere 08.05.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
La Gioconda (konzertant), Premiere 08.05.2011© Foto: Hans Jörg Michel

Attilio Tomasello dirigierte eine Partitur, die die Dramatik klangmächtig zuspitzte und das venezianische Lokalkolorit in den schönsten Farben ausmalte. Sorgfältig brachte der 1. Kapellmeister die schönen abendlichen Naturstimmungen der Lagunenszenerie, den elegant und schwungvoll durchtanzten „Tanz der Stunden“ zum Klingen.
Vor 19 Jahren gab es am Nationaltheater eine Inszenierung der Ponchielli-Oper, jetzt aber konnte man den musikalischen Reichtum dieses früh-veristischen Werkes uneingeschränkt genießen. Und daran hatte auch der von Tilmann Michael einstudierte, prächtige Chor des Nationaltheaters reichen Anteil.
Das Solisten-Ensemble des Nationaltheaters ließ auch ohne Szene packend klar werden, um was es hier geht: Ludmilla Slepneva war eine Gioconda, die beharrliche Intensität entwickelte, um den von ihr geliebten Enzo zu gewinnen. […]
Ihre Rivalin um die Gunst Enzos war Laura, großartig gesungen von Monika Bohinec. Die junge slowenische Mezzosopranistin beeindruckte nachhaltig mit kräftig durchstrahltem, attraktiv gefärbtem Organ, klar fokussiert in allen Lagen, schön leuchtend in der Höhe.   Rhein-Neckar-Zeitung, 10. Mai 2011

„La Gioconda“ ist eine Sängeroper, sie steht und fällt mit den Solisten. In Mannheim zeigte sich das Damenterzett den Ansprüchen uneingeschränkt gewachsen. Ludmila Slepneva bewältigte die exorbitanten Ansprüche der Titelpartie souverän, mit tadellos geführtem Sopran, leidenschaftlichen Akzenten und beseelten Zwischentönen: eine Glanzleistung. In der Rolle der Laura brachte Monika Bohinec ihre Prachtstimme von hellem metallischem Glanz zu voller Entfaltung und nahm durch dramatische Präsenz zusätzlich für sich ein, während Edna Prochnik durchweg kultiviert sang.    Die Rheinpfalz, 10. Mai 2011

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Richard Wagner
Lohengrin, Premiere 03.04.2011
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung: Tilman Knabe

Lohengrin, Premiere 03.04.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Lohengrin, Premiere 03.04.2011© Foto: Hans Jörg Michel

Lohengrin Kritik Mannheimer Morgen:

War das ein Wechselbad der Gefühle am Wochenende im Nationaltheater! Zuerst hypnotisiert uns der eine Skandalregisseur, indem er mit einem Schauspiel in heute ungewöhnlicher Weise zum Kern des Werks vordringt; Calixto Bieito kann es mit Lorcas „Bernarda“ offenbar auch mit den guten, alten Mitteln. Und dann kommt der nächste und entfernt sich mit Wagners „Lohengrin“ so weit vom geglaubten Kern des Werks, dass man das Ergebnis auch so nennen könnte: „Wagners Lohengrin“ von Tilman Knabe.
Beide liefern eine Farbe, die zum Spektrum heutiger Theaterarbeit gehört und gehören muss. Doch Knabe trifft mit seiner radikal aktualisierenden „Lohengrin“-Modifikation auf all die Hardliner unter den Opern- und Wagner-Jüngern, jene, die immer Werktreue fordern und am Ende ein Buh-Gewitter veranstalten, wie wir es in der Generalintendanz von Regula Gerber noch nicht erlebt haben.

Die heutige Mediendemokratie
Der Skandal ist perfekt, es laufen die Diskussionen, ob man dies so machen kann, sollte oder darf. Dies immerhin ist schon einmal positiv zu sehen. Krise ist schließlich fruchtbar und der Abend, das muss gesagt werden, nicht eine Sekunde langweilig, im Gegenteil: auf- und anregend sowie fesselnd, wenn auch immer wieder leider von der Musik ablenkend. Was Knabe sich erlaubt, indem er „Lohengrin“ in unserer Mediendemokratie zeigt, in der Schein alles und Sein nichts ist, geht freilich vielen zu weit, obwohl brillante Ideen aufblitzen. Schon im Vorspiel zertrümmert er das Werk und zeigt, dass Lohengrin mitnichten der von Parsifal gesandte Sohn und Ritter ist, sondern ein politischer Häftling, dem der Heerrufer des Königs brutal einen Deal anbietet: Wenn er als Elsas Streiter im Parlament (Bühne: Johann Jörg) antritt, Telramund besiegt (mit Gift) und Elsa zur Macht verhilft, soll er frei sein. Lohengrin unterschreibt und alles, was nun passiert, ist die verlogene, von Medien treudumm begleitete Inszenierung dieser Inthronisierung. Der Fall Guttenberg lässt grüßen. Knabe also glaubt nicht an Wunder, sondern an die Lüge dahinter. Er tut, als inszeniere er „Lohengrin“, doch eigentlich inszeniert er Gegenwart. Viele Provokationen (etwa im Vorspiel von Akt 3 – der Heerrufer schiebt im Klo zum Hochzeitsmarsch noch kurz eine Nummer mit Elsa) sind ihm dabei genauso Mittel wie akustische Störmanöver; so werden schon das A-Dur Vorspiel sowie die ersten Szenen von ständigem Klatschen, Zwischenrufen und Gelächter zerstört – aber dies doch sicherlich gewollt. Halligalli allüberall.

Denn der Regisseur will natürlich nicht nur zeigen, von welch oberflächlich glänzenden, innen aber verlogenen, macht- und sexsüchtigen Menschen ohne Moral wir regiert werden. Er hält auch uns den Spiegel vor, sind die Reflexe der Grafen, Edlen und Soldaten doch genau die unserer lauten Republik, wenn wieder einmal einem öffentlichen Menschen der saubere Anzug ausgezogen und der Dreckskerl darunter sichtbar wird. Ja, Realität ist hier ganz nah und die Kunst als Ort subtiler Fantasieregung ganz weit weg, und trotzdem: Dass Knabe durchhält und bis zum Ende dabei bleibt, dass Elsa Gottfried ermordet hat, Lohengrin ein vom LKA gesuchter Aktivist ist und es final zur überraschenden Wendung kommt (der Heerrufer übernimmt per Militärputsch die Macht) – es ehrt ihn, auch wenn einiges nur mit (blitzsauber gedrechseltem) Biegen und Brechen geht und die Gralserzählung absolut frei von Sinn bleibt. Ein Wagner für Wagnerhasser also? Nicht unbedingt, zumal sich musikalisch (fast) alles auf hohem Niveau bewegt. Dan Ettinger flicht mit dem starken Orchester und brillanten Chor ein dichtes, feinnerviges Klangnetz, das elektrisiert und immer wieder intensiv explodiert. Gesungen
wird gut: István Kovácsházis Lohengrin strahlt im Forte frei und feist, im Piano deckelt er manchmal eine Spur zu sehr. Cornelia Ptasseks Wagnergesang entwickelt sich. Als sich in Allüren verstehende Elsa geht sie darstellerisch voll auf, tonlich ist vor allem die hohe Lage überzeugend, die Diktion hat sich seit ihrer Eva deutlich verbessert. Auch Karsten Mewes’ Telramund gelingt, und so, wie die Geschichte erzählt wird, braucht es auch nicht mehr Diabolik. Judith Némeths Ortrud kommt solide über die Rampe, in der Höhe gerät sie gegen Ende etwas spitz. Schade. Und wenn man bei Thomas Berau das anfänglich überdimensionierte Vibrato wegnimmt, bleibt kein überragender, aber ein guter Heerrufer. Dass er alle Fäden in der Hand hält und die gesamte Presse dirigiert, müsste indes auch stimmlich deutlicher werden. Rúni Brattabergs Heinrich klingt in der Höhe angestrengt und intonatorisch unsicher, in der Tiefe ohne Kern. Eine ziemlich indiskutable Leistung. Fazit: ein Abend, den man hassen darf, der aber trotzdem einen wichtigen, mutigen Akt darstellt. Wagner verträgt und überlebt das.   Mannheimer Morgen, 5.4.2011 Stefan M. Dettlinger


Prof. Dr. Hans Raffée Leserbrief an den MM vom 24.April 2011 zum Download.

Tilman Knabe inszeniert ein deftiges, derbes Totaltheater, dessen Stilmittel immer exakt zur Musik passen, die Chöre sind exzellent geführt, alle Solisten stürzen sich mit Verve in ihre Rollen. […] Uneingeschränkt bejubelt werden Orchester, Chor und Sänger. Dan Ettinger dirigiert mit großer Lust am Schroffen, Lauten, Knalligen und lieferte damit den adäquaten Sound zur Szene. Cornelia Ptassek sang eine zwischen Jungmädchencharme und Furie hin und her gerissene Elsa, Rúni Brattaberg überzeugte als König Heinrich, Karsten Mewes gab einen soliden Telramund. Judith Németh holte wieder einmal alles – und noch etwas mehr – aus ihrer Ortrud-Partie heraus, Thomas Berau war als Herrrufer stimmlich wie szenisch überragend.   Wiener Zeitung, 5. April 2011

Allen voran ist István Kovácsházi als Lohengrin zu nennen, der mit schlankem, strahlendem Heldentenor den Kraftakt seiner Rolle mit Bravour meistert. Ihm als Partnerin ebenbürtig zur Seite gestellt ist Cornelia Ptassek (Elsa), die scheinbar mühelos in den Höhen brilliert, in den tieferen Lagen allerdings an Substanz verliert. Als intrigantes Gegenpaar agieren ebenfalls überzeugend, und in harmonischem Zusammenspiel Karsten Mewes (Telramund), mit kernig-expressivem Bariton, und Judith Németh (Ortrud), mit ihrem großen dramatischen Potential. […]
Großartig ist die Leistung Dan Ettingers, der es versteht dem Orchester sphärisch-entrückte, ebenso wie profunde Klänge zu entlocken, mit sicherem Gespür für Spannung und dramatische Bögen. Ein besonderes Lob gilt den Bläsern des Orchsters, die intonationssicher und sauber aufspielen.   Operapoint, 5.  April 2011

Ein Mythos wird aufgebaut: Diese Inszenierungsregel stellt sich Tilmann Knabe in Mannheim selbst und folgt ihr konsequent. Die Presse hat in Knabes Inszenierung eine wichtige Rolle, die Protagonisten sprechen mehr in die Kamera als zum Publikum. Knabe inszeniert das alles fein durch, und es gelingen ihm viele erhellende Momente. Wer hat sich noch nicht gefragt, warum der Brautchor im Brautgemach singt? Knabe versteht ihn als eine Medieninszenierung.
Man wundert sich immer wieder, wie präzise Knabe Wagner umsetzt. Die Sache passt zum Text und lässt plötzlich seine Musik neu klingen. Der Komponist hat gerade am Lohengrin nicht mit dem Zuckerstreuer gespart. Das süße Melos, der Geigenschmelz – plötzlich fragt man sich, ob man diese Musik nicht immer falsch gehört hat – sind das letztlich nicht verkitschte, lügnerische Töne?   Rhein-Neckar-Zeitung, 5. April 2011

Der Mannheimer „Lohengrin“ ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Vor allem wegen der brachial umgesetzten Konsequenz, mit der Knabe den machtpolitischen Kern der Schwanenrittergeschichte gegen das Wunder- und Traumhochzeitsbrimborium in Stellung bringt, ohne dabei die Musik zu verraten. […] alles in allem hat man lange keinen so spannenden Politthriller auf der Opernbühne gesehen.   Kultiversum, 4. April 2011

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Pjotr Iljitsch Tschaikowski
Eugen Onegin, Premiere 12.02.2011
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung: Regula Gerber

Eugen Onegin, Premiere 12.02.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Eugen Onegin, Premiere 12.02.2011© Foto: Hans Jörg Michel

Premiere A (12.02.2011)

Am Nationaltheater Mannheim erlebt nun dieser sattsam bekannte Repertoire-Renner eine ausgezeichnete Sichtung, die mit Klischee-Bildern aufräumt und eine hohe Schule der Empfindsamkeit sowohl musikalisch als auch in der Zeichnung der Personen vorstellt. […] Mit Dan Ettinger steht ein charismatischer Dirigent am Pult des Nationaltheaterorchesters, der gleich in der Ouvertüre deutlich macht, wie viel an delikatem Innenleben er der Partitur entlocken will und wie sehr er der Handlung dramatische Musikakzente beigeben will. Im pulsierenden Strom der Musik bleiben am Premierenabend keine Wünsche unerfüllt, denn die Krisenhaftigkeit der Emotionen wird konsequent im Klang gespielt. Tadellos das – junge – Solistenensemble in Darstellung und Gesang. Sie „sind“ die Menschen, die sie verkörpern sollen.   Opernnetz.de 15. Februar 2011

Die Qualität von Tschaikowskys Musik, die der Mannheimer GMD mit Delikatesse zelebriert, ist indes eine andere, primär lyrische. Kein aufgekratztes Gegen-den-Strich-Bürsten, wie das Dan Ettinger sonst liebt, sondern sauberes Melos, zarter Rubate, schöne Farben von Streichern, Horn, Oboe, Flöte und all den anderen solistisch oder in Gruppen hervortretenden Instrumenten. […] Gesungen wird (auf Russisch) durchweg bemerkenswert, und bei der Premiere gab es keinen einzigen stimmlichen Abrutscher im rundherum hohen Niveau des Ensembles. Neben den erwähnten Hauptrollen sind auch Heike Wessels’ Larina, Niina Keitels Olga, der Saretzki von Martin Busen, Pavel Shmulevichs Fürst Gremin oder die Amme der Emma Sarkisyan sängerisch formidable. Auch der Chor (Einstudierung: Tilman Michael) zeigt sich stimmlich wie sprachlich bestens instruiert. So tritt die Musik an diesem Abend besonders hervor – und das ist ja in der Oper allemal kein Fehler.   Rhein-Neckar-Zeitung vom 14. Februar 2011

Nach „Jenufa“, „Macbeth“ und „Turandot“ hat Generalintendantin Regula Gerber mit Tschaikowskys „Eugen Onegin“ ihre vierte Opernregie am Mannheimer Nationaltheater präsentiert. Es ist ihre beste Arbeit im Musiktheater. Die Premiere am Samstagabend wurde auch zu einem Fest der wunderbaren Stimmen. […] Die Lenski-Arie vor dem Duell ist ebenso ein Höhepunkt wie die Briefszene im ersten Akt. Maximilian Schmitt als Lenski und Ira Bertmann als Tatjana werden vom Publikum gefiert (wie auch Pavel Shmulevich als Gremin). Die Präsenz von Lars Møller in der Titelpartie ist ein Ereignis, dem auch leichtere stimmliche Unsicherheiten nichts anhaben können.   Die Rheinpfalz vom 14. Februar 2011

Die Generalintendantin legt mit ihrer Sicht aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ ihre bis dato konzentrierteste Regiearbeit vor. […] Die Regie geht aber nicht nur klug mit dem Chor um, der immer wieder große, brillante Szenen hat (Tilman Michael), aber im Nu unmerklich in Bühnenzwischenwelten verschwindet. Sie beleuchtet vor allem wie unter einem Brennglas das Psycho(parallelo)gramm der vier Protagonisten, deren Gefühle und Vorstellungen vom Leben, Liebe und Heil in Einzelhaft bleiben. […] Sängerisch ist der Abend auf sehr hohem Niveau. Herausstechend Maximilian Schmitt als Lenski, der in der Todesahnungsarie mit seelischer Tiefe, warm strahlendem Tenortimbre und emphatischer Phrasierung zu Tränen rührt.   Mannheimer Morgen vom 14. Februar 2011

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Wiederaufnahme, 23.01.2011
Rosenkavalier
Musikalische Leitung: Alois Seidelmeier
Inszenierung: Olivier Tambosi

Rosenkavalierm Wiederaufnahme 23.01.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Rosenkavalierm Wiederaufnahme 23.01.2011© Foto: Hans Jörg Michel

Vor fast 14 Jahren trieb Olivier Tambosi dem „Rosenkavalier“ von Strauss mit den Texten von Hugo von Hofmannsthal die Rokoko-Idylle aus. In Rekordzeit gewöhnte sich das Publikum an die kluge Inszenierung in Frank Philipp Schlößmanns farbenintensiver Ausstattung, die von Claudia Plaßwich Jahr für Jahr liebevoll aufpoliert wird. Auch diesmal sorgte die Wiederaufnahme im ausverkauften Mannheimer Opernhaus für Begeisterung. […] Es wurde wunderbar gesungen an diesem Abend. Rollendebütantin Cornelia Ptassek hat sich die liebende und schließlich entsagende Feldmarschallin zu eigen gemacht, mit Zwischentönen und Bühnenpräsenz. Koloraturstar Antje Bitterlich reüssiert im lyrischen Fach als reizende Sophie. Marie-Belle Sandis ist mit wohlgerundetem Mezzo immer wieder ein hinreißender Octavian, der seine weibliche Tarnrolle als Trampel Mariandl auskostet. wer hätte je erwartet, dass Rúni Brattaberg von den Färöerinseln den Ochs auf Lerchenau mit solch authentischem Wiener Schmäh ausstattet? Des Rätsels Lösung: er hat ihn an der Met mit dem Urwiener Otto Schenk minutiös einstudiert. Und des Basses Grundgewalt steht ihm bis in abgründige Tiefen zu Gebote. […] Alois Seidlmeier und das bestens aufgelegte Nationaltheater-Orchester lieferten einen differenzierten Klangrausch.  Mannheimer Morgen, 26.01.2011, WB

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Festlicher Opernabend 16.01.2011
Carmen
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Mit Sonia Ganassi, Fiorenza Cedolins und Lucio Gallo

Der Mann der Stunde ist und bleibt hier István Kovácsházi. Wer für Bizets "Carmen" einen solchen Ensemble-Don José zu bieten hat, braucht im Grunde nicht mit internationalen Gästen aufzuwarten. So musste man auch nicht unbedingt trauern, als einem am Eingang des Nationaltheaters jenes Zettelchen in die Hände flog, auf dem stand, der Tenor Marco Berti, der als José vorgesehen war, sei kurzfristig erkrankt. Zudem ließe sich als symptomatisch bezeichnen, dass dieser Festliche Opernabend am Ende als ordentliche Repertoirevorstellung im Gedächtnis abgespeichert werden kann, sprich: Das NT-Ensemble ist derzeit so gut aufgestellt, dass es mit den Gästen, der Carmen Sonia Ganassis, der Micaëla Fiorenza Cedolins' oder dem Escamillo Lucio Gallos, locker mithalten kann.
[…]
Wie bei der Premiere 2009 begeisterte das homogene Zigeunerquintett mit Katharina Göres (Frasquita), Niina Keitel (Mercédès), Lars Möller (Dancaïre), Uwe Eikötter (Remendado) und Carmen. Über allem strahlte aber er: Kovácsházi, mit sanftem Strahl, mit zauberhaftem messa di voce. Er, GMD Dan Ettinger und das vorwiegend brillant spielende Orchester erhielten am Ende auch den meisten Beifall. Zusammengefasst: Es wäre auch ohne Gäste nicht weniger "festlich" gewesen.   Mannheimer Morgen 18.01.2011, Stefan M. Dettlinger

Sie (Fiorenza Cedolins als Micaela) und Sonia Ganassi erwiesen sich als fraglos versierte und kultivierte Belcantistinnen von verfeinerter Musikalität und ausgeprägtem stilistischem Gefühl. Beide nahmen besonders durch elegante Zwischentöne und delikate Piano-Schattierungen für sich ein.
[…]
Kein Wunsch offen blieb dagegen bei István Kovácsházis Don José. Zu erlesener Stimmqualität, tenoralem Strahlglanz und unanfechtbarer Stimmbildung gesellten sich Feinschliff und Eleganz der Linienführung, eine außerordentlich weit gefächerte Farbenskala und ein beeindruckendes Maß an gestalterischer Fantasie, dramatischer Ausdrucksgewalt und darstellerischer Präsenz. Sehr geschlossenen Eindruck hinterließen die restliche Besetzung und der von Tillman Michael einstudierte Chor.
[…]  Rheinpfalz 20.01.2011, Gabor Halasz

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Festlicher Opernabend 12.12.2010
Tosca
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Mit Michèle Crider, Lado Ataneli und Walter Fraccaro

Einen Moment lang ertappen wir uns beim Denken, es sei so einfach, diese großen Momente im Nationaltheater Mannheim hervorzubringen. Es brauche doch nur drei exzellente Sänger, einen emotionalen Dirigenten wie Dan Ettinger und ein Orchester, das dessen Anweisungen emphatisch ausführe. Fertig ist der perfekte Opernkrimi mit Giacomo Puccinis „Tosca“ […] Michéle Crider ist aber auch eine Tosca am Start, die mit leuchtender Farbpracht, emhatischem Ton und einer beseelten Gestaltung sofort zu überzeugen weiß.[…] Ihr steht in perfektem Kontrast ein Polizeichef Scarpia gegenüber, dessen Stimme so viel kernige und obertonreiche Substanz verstrahlt, dass er gar nicht mehr viel tun muss, um so böse und eisig zu wirken und also zur Hassfigur zu werden.[…]    Mannheimer Morgen 14.12.2010

 

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Auszeichnung:
Katharina Göres erhält Arnold-Petersen-Preis 2010
11.12.2010

Sopranistin Katharina Göres erhält für herausragende künstlerische Nachwuchsleistungen im Ensemble des Nationaltheaters Mannheim den Arnold-Petersen-Preis 2010. Dies gibt als Sprecher der Jury des Arnold-Petersen-Preises der ehemalige "Mannheimer Morgen" - Chefredakteur Horst-Dieter Schiele bekannt.

Der Preis, den die gebürtige Berlinerin am 11.12.2010 im Anschluss an die B-Premiere von „il barbiere di Siviglia“ im Opernhaus erhalten soll, wird seit 1992 von der Roland-Ernst-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Eingerichtet wurde er zu Ehren des langjährigen ehemaligen Generalintendanten des Nationaltheaters, Arnold Petersen, der bei der Verleihung auch persönlich anwesend sein wird.

Verleihung am 11. Dezember im Anschluss an „Il barbiere di Siviglia“

Katharina Göres studierte in ihrer Heimatstadt Berlin an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" bei Kammersängerin Carola Nossek, in der Meisterklasse von Kammersängerin Julia Varady und der Liedklasse von Wolfram Rieger. Die Sopranistin war außerdem Stipendiatin in Meisterkursen von Dietrich Fischer- Dieskau, Irwin Gage und Willy Decker. Die 18. Petersen-Preisträgerin schloss ihr Studium mit Auszeichnung im Juli 2007 ab. Direkt nach Ihrem Examen wurde sie an das Nationaltheater verpflichtet, wo sie bereits eine Vielzahl von Rollen übernahm, unter anderen Despina ("Cosí fan tutte"), Zerlina ("Don Giovanni"), Karolka ("Jenufa"), Nella ("Gianni Schicchi") oder den Hirten in Wagners "Tannhäuser". Zuletzt konnte man sie als Musetta ("La Bohème"), Sophie ("Werther") und Eliza ("My fair Lady") erleben. In der aktuellen Produktion "Il barbiere di Siviglia" wird sie die Rolle der Rosina übernehmen. red annheimer Morgen, 4. November 2010

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Gioacchino Rossini
Il Barbiere di Siviglia, Premiere 03.12.2010
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Monique Wagemakers

Il Barbiere di Siviglia, Premiere 03.12.2010
Il Barbiere di Siviglia, Premiere 03.12.2010

Premiere A (03.12.2010)

Stimmig – Zu einem beeindruckenden Opernereignis geriet die Premiere […] Der gewaltige Schulapplaus, in den sich kein einziger Buhruf mischte, hatte seine volle Berechtigung. Sowohl die Szene als auch die musikalische und gesangliche Leistungen waren überaus ansprechend. […] Die Regisseurin wartete mit sehr deutlichen Charakterisierungen der Gestalten auf, die sie trefflich zu führen verstand. In der Tat war ihre Personenregie ganz grandios. […] Insgesamt eine sehr vergnügliche Produktion, bei der an keiner Stelle Langeweile aufkam. […] Hervorragend waren die gesanglichen Leistungen. Alle Sänger sangen mit vorbildlicher Körperstütze, was wieder einmal belegt, über welch ein phantastisches Ensemble das Nationaltheater Mannheim doch verfügt!   Der Opernfreund 06.12.2010
 
[…] Insgesamt also sehr gute Sänger – Darsteller  für die für die italienische gesungene Neuproduktion. Auge und Ohr sind immer lebhaft beschäftigt.   Die Rheinpfalz 06.12.2010
 
[…] Das Publikum amüsiert sich prächtig und spendet nachher herzlich Applaus für alle Beteiligten. […] Der von Tilman Michael einstudierte Herrenchor des Nationaltheaters sang prächtig und bewegte sich in der Choreografie der Regisseurin mit Grazie.   Rhein- Neckar- Zeitung 06.12.2010
 
[…] Heftig applaudiert wird im Auditorium, wenn Rossinis olympisch prickelnde Musikmotorik zum Stillstand kommt und der Vorhang fällt. Sänger, Chor, Orchester und Dirigent Alois Seidlmeier werden frenetisch mit Bravi gefeiert: und das kommt nicht nur oft vor, sondern ist auch gerechtfertigt. Doch wie lange ist es her, das nicht ein Einziger Buh ruft, wenn die Regisseurin samt Team an den Tatort, ergo auf die Bretter, zurückkehrt, die einst die Welt bedeuteten! […] Alois Seidlmeier spielt das  mit dem NT- Orchester und –Chor  sensationell uhrwerkartig und legt den Abend von der leise und fein ziselierten Ouvertüre bis zum Liebesfinale als große Emotionscrescendo an. Homogene Streicher, in den schnellen Repetitionspassagen messerscharfe Holzbläser, aufblitzendes Blech – das klingt weit weg von allen Rossini – Schubladen und nah an absoluter Perfektion. Und auch die Sänger meistern die äußerst schwierige Partien gut. Da ist natürlich Rosina, der Marie – Belle Sandis einen wunderbaren ton verleiht. Ihre große Stimmbeweglichkeit zeigt sie in der bekannten Kavantine […]   Mannheimer Morgen 06.12.2010

Premiere B (11.12.2010)

Also den Preis hat sie verdient denken wir an diesem Abend, sie hat ihn verdient als Darstellerin plastischer Protagonisten – und als Sängerin sowieso. Katharina Göres feiert bei der zweiten Premiere des Rossini´schen „Barbieres“ von Monique Wagemakers ein gelungenes Rollendebüt als Rosina. […] So verleiht Göres auch der berühmten Cavatina zwei grundfarben. das Leichte Spitze und Freche der typischen Soubrette und Göres singt die schwierigen Koloraturen mit fixer Mühelosigkeit und angebracht klarem Non legato und dann das eher Körperlich Lyrische, wenn mit wärmeren Nuancen (scheinbar) innerste Regungen beschrieben werden.[…] obwohl Alois Seidlmeier mit Orchester und Herrenchor wieder ausgezeichnete Feinarbeit in Sachen Klang und Thermenanalyse erledigt. […] Eine insgesamt prächtige Vorstellung dem feierlichen Rahmen der Preisverleihung würdig.    Mannheimer Morgen 13.12.2010

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Freundschaftskonzert, 28.11.2010
Mannheim – Haifa
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

Festlicher hätte man Mannheims jüngste Städtepartnerschaft kaum begehen können als mit einer Benefiz–Operngala zu Gunsten der Haifa–Foundation im Nationaltheater. […]
[…] Dann hatte die Musik das Wort, die leicht gekürzte Reprise jener formidablen Operngala, mit der die Spielzeit so prachtvoll eröffnet worden war. Angesichts in– und ausländischer Gäste war der Stolz der Mannheimer auf „ihr“ Opernhaus an diesem, Abend mit Händen zu greifen. […]    Mannheimer Morgen 30. November 2011

[…] Der in Israel geborene Generalmusikdirektor am Nationaltheater, führte temperamentvoll durch die Arienwelt, trieb sein Orchester von Bernstein, zu Verdi, Rossini, Mozart und über Tschaikowski zurück zu Verdi. […]    Rhein-Neckar-Zeitung, 30. November 2011

[…] Der tobende Applaus des Publikums ließ keinen Zweifel am Erfolg des Abends, und auch für die Haifa–Foundation dürften die Kassen bei fast ausverkauftem Haus ordentlich geklingelt haben.    Die Rheinpfalz 02.12.2010


Mini-Festival-Puccini
Madama Butterfly
Wiederaufnahme 20.11.2010
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

Theaterwirksam, effektvoll, dramaturgisch aufschlussreich: Ettinger durchforstet die Partitur mit Akribie und Feuer auf die Bruchstelle hin, an denen sich schwelgerische Sinfonik und dünnhäutige Kammermusik schneiden und die in amerikanische Nationalhymne als Ziel aller Sehnsüchte hart neben der starren, brutalen Exotik steht. Diese Gedankenfetzen scheinen das Chaos in Butterflys Empfindungen wiederzuspiegeln und fügen sich doch zum klangsinnlichen Ereignis. Mannheimer Morgen, 22.11.2010

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Mini-Festival-Puccini
La Bohème
Wiederaufnahme 14.11.2010
Musikalische Leitung: Dan Ettinger



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Mini-Festival-Puccini
Turandot
Wiederaufnahme 13.11.2010
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

Hier haben wir es wirklich mit einem Magier am Dirigentenpult zu tun. […]
Ungeheuer wuchtig und machtvoll klangen die dramatischen Passagen, wunderbar getragen und intensiv, dabei sehr gefühlvoll die breiten lyrischen Kantilenen. Mit einem Höchstmaß an Intensität und Ausdrucksstärke lotete er Puccinis letzte, von Franco Alfano vollendete Oper aus, dirigierte durchweg sehr feurig und spannungsvoll. An manchen Stellen verschlug es einem schier den Atem, so gewaltig und eruptiv bahnten sich die Klangmassen ihren Weg. Hervorragend wie Ettinger die große musikalische Linie bediente, dabei aber Einzelne nicht aus dem Auge verlor und zudem mit einer Vielfalt von Farben aufwartete. […]
Das war eine ganz große Leistung, die noch lange in Erinnerung bleiben wird!  Der Opernfreund, 13.11.2010

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Festlicher Opernabend 30.10.2010
Roberto Devereux (Oper konzertant)
von Gaetano Donizetti
Musikalische Leitung: Andriy Yurkevych

Roberto Devereux (Oper konzertant), <br />Festlicher Opernabend 30.10.2010
Roberto Devereux (Oper konzertant), Festlicher Opernabend 30.10.2010

"Sie sang wie eine junge Göttin, intonierte bis in die höchsten Höhen ausgesprochen fulminant, gleichzeitig aber auch sehr differenziert und mit vielfältigen Nuancen. Absolut phantastisch ist ihre Pianokultur, von der manch andere große Kollegin nur träumen kann. Frau Gruberovas Fähigkeit, Töne zu crescendieren und von einem strahlenden Forte dann wieder auf ein hauchzartes Pianissimo zurückzuführen, ohne dabei an Klangqualität einzubüßen, ist absolute Weltklasse und zeugt von einer perfekten Beherrschung des Gesangsapparates."
"Darüber hinaus verfügt sie auch über eine hervorragende schauspielerische Ader. Ihre äußerst emotionale Gestaltung der Rolle hätte jeder szenischen Produktion zur Ehre gereicht. Als Einzige des aufgebotenen Ensembles gänzlich ohne Noten singend, verstand sie es trefflich, der zwischen Liebe und Eifersucht hin und her pendelnden englischen Königin ein Höchstmaß an Leben einzuhauchen. Da wurde die gesamte Gefühlsskala nachhaltig ausgelotet und vor den Augen des begeisterten Publikums ausgebreitet. Die donnernden Ovationen und die Standing Ovations für diese begnadete Sängerin waren nur allzu berechtigt. Hoffentlich wird Frau Gruberova auch zukünftig oft in Mannheim auftreten."
"Andriy Yurkevych am Pult erwies sich als Meister in Sachen Belcanto. Mit großer Stilsicherheit und Einfühlungsvermögen führte er das hervorragend disponierte Orchester durch den Abend, wobei er sowohl mit ausladender Dramatik als auch mit herrlichen, emotional angehauchten Kantilenen aufwartete." Der Operfreund, 30.10.2010
 
"Minutenlanger tosender Beifall, Bravo-Rufe, Edita-Sprechchöre - das Mannheimer Publikum feierte seine Gast-Königin Edita Gruberova, die als Elisabetta in Gaetano Donizettis "Roberto Devereux" imponierend beides beherrschte: das mächtige England und die ihr wohlgesonnenen Zuhörer im Opernhaus. Doch was sich da an Begeisterung entlud, galt zu Recht nicht nur ihr, sondern auch den Ensemble-Mitgliedern des Nationaltheaters, die gemeinsam mit dem fabelhaft musizierenden Orchester unter Andriy Yurkevych und dem prächtig agierenden Chor (Leitung: Tilman Michael) nachdrücklich dafür sorgten, dass dieser Opernabend wirklich zu einem festlichen Ereignis geriet."
"Zugleich erstaunt und beglückt es, über welch modulierendes Spektrum an dramatischen Farben sie souverän verfügt und wie sie bei aller Entschiedenheit im Zorn der Intensität ihres raumfüllenden Gesangs hin und wieder eine fast mädchenhaft anmutende Zartheit beimischt. Wunderbar! Dass Musik stets dann greift (und ergreift), wenn sie über Stimmungen ferne, unsagbare Bilder der Seele beschwört, die sich manchmal hoffnungsvoll über höllischen Abgründen bewegen, das wissen auch die Sänger des Nationaltheaters. Und so bewältigt Marie-Belle Sandis die Partie der Sara nicht nur mit bestechend sicherer vokaler und stilistischer Kompetenz, sondern fügt zu den sensibel eingefärbten Gesten ihrer scheuen Weltsicht die ohnmächtige Zärtlichkeit einer Verlorenen." Mannheimer Morgen, 02.11.2010

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Carsten Gerlitz/Katja Wolff
Come together on Abbey Road
Premiere 29.10.2010
Musikalische Leitung: Michael Cook
Inszenierung: Katja Wolff

Come together on Abbey Road, <br />Premiere 29.10.2010
Come together on Abbey Road, Premiere 29.10.2010

"Der berühmte Zebrastreifen, über den die vier Beatles auf dem Cover ihres letzten gemeinsamen aufgenommenen Albums im Gänsemarsch laufen, strahlt als grelle Lichtinstallation auf einem asphaltartigen Boden-Quadrat. Es ist eine angenehm puristische Kulisse für das gänzlich unpuristische Songspektakel, das sich anderthalb Stunden darauf abspielen wird [...]"   Darmstädter Echo, 5.11.2010


"Das Album "Abbey Road" ist heute eine Legende, dass die Regisseurin Katja Wolff für das Mannheimer Nationaltheater auf die Bühne gebracht hat. Und das auf grandiose Weise. Die Premiere des Stücks Come together on Abbey Road war ein wahres Freudenfest."
"Der Liederabend war so mitreißend und anrührend, dass man die raffinierten Details der Inszenierung nicht auf Anhieb entdeckte. Die neun Sänger wurden häufig vom strahlenden Zebrastreifen angezogen und festgehalten. [...] Die acht hervorragenden Musiker und den Dirigenten Michael Cook sollte man umarmen."  Die Rheinpfalz 02.11.2010
 
 
"Bei solchen Überraschungen gibt es Szenenapplaus, den sich vor allem das einfallsreiche Bühnenbild von Jan Freese mit gut dosierten Knalleffekten verdient - etwa als bei "Here Comes The Sun" die Sonne engelshaft am Bühnenhimmel aufgeht."  Mannheimer Morgen 02.11.2010

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Auszeichnung: Nationaltheater-Ehrenmitglied und Kammersänger Franz Mazura wird mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland am 24.10.2010 im Schauspielhaus geehrt.

Franz Mazura wird am 24.10.2010 im Schauspielhaus mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland geehrt
Franz Mazura wird am 24.10.2010 im Schauspielhaus mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland geehrt

„Ich war nie nur Sänger“

Von Redaktionsmitglied Ralf-Carl Langhals, Mannheimer Morgen 23.10.2010

Er arbeitete mit Regisseuren wie Peter Stein, Bohumil Herlischka, Wolfgang Wagner, Harry Kupfer, Otto Schenk oder Patrice Chéreau. Wenn er sang, standen am Pult Karl Böhm, Simon Rattle, Daniel Barenboim, Horst Stein, Hans Wallat, James  Levine, George Solti oder Pierre Boulez. Morgen wird der „Sänger-Schauspieler“ Franz Mazura, so eine 2004 zu seinem 80. Geburtstag herausgegebene Festschrift, für sein kulturelles Wirken in einer Feierstunde im Schauspielhaus des Nationaltheaters mit dem  Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland  ausgezeichnet. Zeit für ein Gespräch.

Herr Mazura, seit 1980 sind Sie Kammersänger, seit 1990 Ehrenmitglied des Nationaltheaters, seit 2004 Träger der Staufer-Medaille des Landes. Morgen wartet gar ein Bundesverdienstkreuz 1. Klasse auf Sie. Kommen Sie vor lauter staatstragender Größe morgens noch durch die Schlafzimmertür?
Franz Mazura: Ja, es klappt ganz gut, man wird ja im Alter zunehmend kleiner. Ich weiß gar nicht, wie man zu einer solch großen Auszeichnung kommt, die einen natürlich mit Stolz erfüllt. Vielleicht weil ich trotz meiner internationalen Auftritte und Verpflichtungen meinem Haus und der Region treu geblieben bin.
Und den Namen Nationaltheater Mannheim in die musikalische Welt getragen haben . . .
Mazura: Und das Jubellied sang ich von Buenos Aires bis New York aus voller Überzeugung. Die Atmosphäre in der Stadt und vor allem am Theater war wunderbar. Zu einem tollen Repertoire und einem großartigen Publikum kam eine Großzügigkeit gegenüber den Künstlern, die nahezu einmalig ist. Gastspiele und Auslandsverpflichtungen hatten Vorrang vor der Hauspflicht, so konnten international tätige Sänger wie Jean Cox, Hannelore Bode, Georg Völker und auch ich am Nationaltheater gehalten werden. OB Hans Reschke besuchte die Mannheimer Künstler sogar jährlich bei den Bayreuther Festspielen. Da konnte man Angebote aus Berlin, Hamburg oder München getrost ausschlagen.

In Samuel Becketts Schauspiel „Das letzte Band“ (NT 2003) spulen Sie als Krapp Bänder und Erinnerungen ab. Gibt eine solche Ehrung Anlass, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen?
Mazura: Ganz sicher. Vor allem, wenn man wie ich nach der Kriegsgefangenschaft
mit Null anfing. Rückblickend bin ich in heutiger Terminologie also ein „Selfmademan“, auch wenn ich immer Glück hatte. Da erinnert man sich sehr bewusst an prägende Erlebnisse, Weggefährten und Lehrer. An viele, die mich gefordert und gefördert haben. Gillis van Rappard etwa, dem ich das verdanke, was mir später als Bühnenpräsenz bescheinigt wurde. Von ihm lernte ich, wie man probiert, wie man etwas ausdrückt, wie man eine Partie von innen her auffasst.
Sie sind vielseitig begabt und aktiv, singen, spielen, zeichnen, fotografieren. Warum haben Sie sich letztlich für den Gesang entschieden?
Mazura: Die Entscheidung gegen den geplanten Ingenieursberuf war schnell getroffen. Zwischen Schauspiel und Singen war sie schwieriger, aber letztlich gab das schnelle Vorankommen bei der – mit 26 Jahren spät begonnenen – Gesangsausbildung den Ausschlag. Und ich sah, dass es toll ist, die Schauspielbegabung mit in die Oper zu übertragen.

„König Lear“ waren Sie sowohl am Schauspiel Stuttgart (1990) als auch in Aribert Reimanns Oper (NT 1981). Was gab Ihnen mehr?
Mazura: Mit Jürgen Bosse und Friedrich Meyer-Oertel waren beide Produktionen fantastisch. Ein Libretto beschneidet freilich sehr viele Äste einer Figur. Oper ist, wenn es um literarische Stoffe geht, quasi zwangsläufig plakativer.

Lear war nach 35 Jahren wieder Ihre erste Schauspielrolle . . .
Mazura: Es war mutig von beiden Seiten, diese Hauptrolle in einem hervorragenden Ensemble anzunehmen. Auch das Memorieren fiel mir ohne die unterstützende musikalische Abfolge zunächst schwer. Aber nach vier Tagen war ich aufgenommen, als ob ich ewig dabei gewesen wäre. Und die Arbeit mit Bosse und den Kollegen war großartig.

Sie werden stets respektvoll der„Sänger-Schauspieler“ genannt,
was zeichnet ihn aus?
Mazura: Ich war nie nur Sänger. Der Ton muss für mich vor allem wahrhaftig sein. Was nützt der perfekte Ton, wenn er kein persönlicher ist, wenn er nicht ausdrückt, was er ausdrücken soll?

Sie blicken auf 60 Bühnenjahre, was hat sich verändert?
Mazura: Der Regie wird heute zu viel Raum gegeben. Es fehlen Regisseure, die Vertrauen in die Darsteller haben. Früher war die musikalische Vorbereitung intensiver, wurde durchaus auch zu einem frühen Stadium im Einzelgespräch vom GMD begleitet und es gab mehr Ensembleproben. Da kam niemand mit dem Klavierauszug auf die Bühnenprobe. In Mannheim etwa sitzt man heute durch die Dezentralisierung der Probebühnen nicht mehr so häufig mit Musikern, Technikern und Schauspielern an einem Tisch. Man sprach mehr mit Kollegen, der Zusammenhalt, das „Wir-Gefühl“ war stärker, das spürte man dann auch bei der Aufführung.

Im April standen Sie in „Lulu“ als Schigolch auf der Bühne der Mailänder Scala und der Wiener Festwochen, im November sind Sie in Paris in „Ariadne auf Naxos“ zu sehen.
Was hält Sie so fit?
Mazura: Zu jeder Probe zu gehen, als ob es die erste wäre und dort mit jungen Leuten arbeiten. Außerdem habe ich immer versucht, jedes Jahr ein bis zwei neue Stücke zu lernen. Ich freue mich, Neues anzufangen und höre nie auf zu lernen.

Kammersänger Franz Mazura

  • Der 1924 in Salzburg geborene Opernsänger machte vor allem als seriöser Bass und im deutschen Heldenbaritonfach eine Weltkarriere.
  • Von 1964 bis 1987 gehörte er zum Ensemble des Nationaltheaters, 1980 bis 2002 sang er an der Metropolitan Opera New York, 1960 und 1970 bei den Salzburger Festspielen und von 1971 bis 1995 in Bayreuth. Daneben sang er unter anderem in Paris, Buenos Aires, San Francisco, Rom, Genf, Wien, London, Los Angeles, Brüssel, Berlin . . .
  • Zu seinen Bühnenpartnern gehören unter vielen anderen: Hannelore Bode, Jean Cox, Georg Völker, Anneliese Rothenberger, Placido Domingo, Hans Hotter, Astrid Schirmer, René Kollo, Bernd Weikl, Hans Korte, Gabriela Badura, Helga Grimme, Julia Migenes, Deborah Polaski, Waltraud Meier, Gabriele Schnaut, Wolfgang Neumann, Birgit Nilsson, Jessie Norman, John Vickers, Kiri Te Kanawa, Cesare Siiepi, Anja Silja, Leonie Rysanek, Teresa Stratas, Christine Schäfer.
  • Am Sonntag, 24. Oktober, wird ihm um 11 Uhr in einer Feierstunde im Schauspielhaus des Nationaltheaters das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. rcl


Liebevoller Respekt für einen Weltstar

Von Redaktionsmitglied Peter W. Ragge, Mannheimer Morgen 25.10.2010

Als das rot emaillierte Kreuz an sein Jackett gesteckt wird, stehen alle Gäste im  Schauspielhaus auf, erheben sich voller Respekt von ihren Plätzen: Franz Mazura, der in Mannheim noch immer fest verwurzelte Weltstar, hat das Bundesverdienstkreuz 1.Klasse erhalten – im Auftrag des Bundespräsidenten überreicht von Kultus-Staatssekretär Georg Wacker gestern im Nationaltheater.  „Ich bin einfach überwältigt“ – so die erste, völlig gerührte Reaktion des Kammersängers auf die hohe Auszeichnung. Dass sie ihm im Nationaltheater überreicht wurde, freute ihn besonders: „Es ist immer noch mein Haus“, sagte der 1924 in Österreich geborene Künstler stolz, und Mannheim sei zu seiner Heimat geworden. Überall auf der Welt habe er „davon geschwärmt“. Genau darauf verwies auch der Staatssekretär. Mazura sei nicht nur ein „Künstler auf höchstem Niveau“ und „Vorbild an gesellschaftlichem Engagement“, sondern über Jahrzehnte hinweg „ein Botschafter unseres Landes“ gewesen.
Treue zur Heimat
Auch wenn Deutschland in der Diktatur schlechte Erfahrungen mit staatlichen Auszeichnungen gemacht habe, brauche die Demokratie doch solche Zeichen öffentlicher Anerkennung für überdurchschnittlich engagierte Bürger, meinte Wacker.  Mazura sei solch ein Beispiel.  Einerseits herausragender Künstler, sei er aber „nie nur ein reisender Superstar“, sondern seiner Heimat weiter verbunden und Mentor vieler junger Künstler gewesen – und „ein bescheidener Mensch geblieben“.  Seine Menschlichkeit, seine Treue zur Heimat – das zog sich durch viele weitere Reden an diesem von den Künstlern Thomas Berau, Wolfgang Neumann, Silke Schwarz und Mitgliedern des Orchesters umrahmten Vormittag. Dabei äußerte sich Generalintendantin Regula Gerber stolz und froh, die Ehrung ausrichten zu dürfen: „Ein Bühnenmensch durch und durch muss doch auf der Bühne stehen!“, meinte sie –üblich ist nämlich, den Orden in der Heimatgemeinde zu überreichen.  Bei Mazura ist dies, seit über 46 Jahren, Neckarhausen. Bürgermeister Roland Marsch von der Gemeinde Edingen-Neckarhausen kam aber gerne nach Mannheim: „Wir sind stolz, dass sie bei uns wohnen“, so Marsch: „Mazura ist auf den Bühnen der Welt zu Hause, aber bei uns ist er zu Hause“, bekräftigte Marsch.  Zuvor hatte schon Generalintendantin Geber die Anfänge der Karriere in Mannheim wie auch die weltweiten Erfolge Revue passieren lassen.  Ohne Mazura, der das Bühnengeschehen über Jahrzehnte „wie kaum ein anderer geprägt“ habe, wäre das Nationaltheater „viel ärmer“, würdigte sie, dass der Sänger „Weltklasse erreicht und doch immer wieder zurückgekommen“ sei.
Karikaturist und Fotograf
„Wir als Stadt schätzen uns glücklich, einen Künstler dieses Ranges bei uns zu haben“, beglückwünschte der Kulturbürgermeister Michael Grötsch Mazura. Er verkörpere die große Wagner-Tradition des Hauses wie auch seinen guten Ruf als Talentschmiede.  „Aber auch in der großen weiten Welt blieb er im Herzen Mannheim stets verbunden, trug den Namen unserer Stadt hinaus, ist ein Künstler zum Anfassen geblieben und ist als Österreicher ein echter Kurpfälzer geworden“, zollte Grötsch ihm hohe Anerkennung.  Auf eine deutlich weniger bekannte Seite Mazuras ging Dr. Hans-Jürgen Buderer von den Reiss-Engelhorn-Museen ein. Er charakterisierte ihn als „kritisch beobachtenden, liebevoll ironischen Zeichner und Karikaturisten“ sowie sensiblen Fotografen.  Das gehe weit über eine reine Freizeitbeschäftigung hinaus, sondern habe ebenso unbestreitbar künstlerische Qualität, betonte er.  Liebevoll-herzlich im Namen des Freundeskreises gratulierte schließlich Gerda Lambrecht dem Star, der so gar keine Starallüren habe: „Was du als Freund und Mensch im Leben gemacht hast, übersteigt noch deine Lebensleistung als Künstler!“ – sagte sie und erhielt den meisten Beifall.

Der Verdienstorden

  • Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wurde von Bundespräsident Heuss 1951 als höchste Anerkennung des Staates gestiftet – in acht verschiedenen Stufen.
  • Meist werden die Verdienstmedaille oder das Verdienstkreuz am Bande, umgangssprachlich „Bundesverdienstkreuz“, vergeben.
  • Die dritte, weitaus seltener (2010 erst zwölfmal) vergebene Stufe ist das „Verdienstkreuz 1. Klasse“. Das gibt es nur, wenn „die Verdienste nach ihrer Art und ihrem sachlichen Gewicht, ihrer allgemeinen Wirksamkeit und Bedeutung sowie nach ihrer Dauer herausragend sind“ (so die Ausführungsbestimmungen). pwr

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Jacques Offenbach
Les Contes d’Hoffmann, Premiere 02.10.2010
Muisikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Christof Nel

Les Contes d’Hoffmann, Premiere 02.10.2010
Les Contes d’Hoffmann, Premiere 02.10.2010

Ungleiches Duell um einen Wechselbalg

Die Opernhäuser in Frankfurt und Mannheim zeigen „Hoffmanns Erzählungen“
Jacques Offenbachs Oper „Les Contes d’Hoffmann“ ist ein Schmerzenskind des Repertoires – allerdings ein ziemlich lebendiges. Was angesichts der Werkgeschichte denn doch verwundert: Der Komponist starb 1880 noch vor der Uraufführung; statt einer endgültigen Partitur gibt es lediglich eine Handvoll widersprüchlicher Probenfassungen, und um das Übel noch schlimmer zu machen, hat sich in den 130 Jahren seither ein halbes Dutzend Bearbeiter an Aufführungsversionen des Fragments versucht. Diese spiegeln stets den jeweils herrschenden Zeitgeist und die Einstellung gegenüber Offenbach wider, der – gerade in Deutschland – lange als Meister der allzu leichten Muse verkannt, ja verschrieen war.
Dass „Hoffmanns Erzählungen“ eine der farbigsten und phantasievollsten Opern überhaupt ist, steht indes längst außer Frage. Was wird da nicht alles aufgeboten: eine koloraturenträllernde Automatenpuppe, die plötzlich echtes Leben gewinnt; eine Sängerin, die an ihrem Gesang zugrunde geht; eine Kurtisane vor venezianischer Traumkulisse, die ihren Freiern Schatten und Spiegelbild stibitzt. Am Wochenende versuchten sich gleich zwei deutsche Bühnen an diesem erzromantischen Opernkaleidoskop: In Frankfurt nahmen sich der Sänger und Regisseur Dale Duesing sowie der langjährige Kapellmeister Roland Böer des Werkes an; am Nationaltheater Mannheim gingen Christof Nel und der aus Coburg herübergewechselte stellvertretende GMD Alois Seidlmeier auf Phantasiereise.
Kaum unterschiedlicher konnten bereits die Fassungen sein, die beide Häuser wählten: Während man sich in Mannheim auf die textkritische Neuausgabe der Offenbach-Experten Jean-Christophe Keck und Michael Kaye stützte und konsequent alle Fremdzutaten – einschließlich „Diamantenarie“, „Septett“ und Dichter-Apotheose – eliminierte, wählte man in Frankfurt die Vervollständigung von Fritz Oeser, der den „Hoffmann“ noch 1976 mit aller Gewalt zu einer durchkomponierten Grand Opéra aufmotzen wollte. Das klingt dann wahlweise nach Verdi oder Meyerbeer und leider noch öfter nach spätem Wagner, aber nur selten nach dem spritzig-ironischen Tonfall des originalen Offenbach. Wenn dieser Wechselbalg dann auch noch, wie in Frankfurt, durch Streichungen auf leicht konsumierbare drei Stunden zusammengekürzt wird, entsteht ein philologisches und stilistisches Unding, das einem führenden Opernhaus wie Frankfurt wahrlich keine Ehre macht.
In Mannheim ist man da wesentlich weiter, und Christof Nel nutzt den fragmentarischen Charakter des authentischen Materials auch ungleich klüger für eine offene Dramaturgie, die gerade in den Brüchen und Sprüngen im Handlungsablauf das Zukunftsweisende von Offenbachs Entwurf herausstellt.

Denn die raffinierten Verschachtelungen der Erzählebenen in Jules Barbiers Libretto und das ständige Auf und Ab der Stilhöhen in der Musik, die virtuos zwischen frechem Couplet, Melodram und großer Arie wechselt, haben tatsächlich weniger mit der geschlossenen Ästhetik Wagnerscher Musikdramatik zu tun als mit Vorahnungen von Mahler, Weill und der literarischen Moderne um 1900.
Von solchem Perspektivenreichtum will Dale Duesing wenig wissen. Wo Nel mit Freud-Blick das Unbewusste, Ängste und Abgründe der Figuren erfasst und in teilweise verstörende Bilder kleidet, inszeniert Duesing lediglich die glitzernde Oberfläche des Stücks – schön bunt und teuer schaut das aus (Bühne: Boris Kudlička), funktioniert auch handwerklich weitgehend reibungsfrei – hat aber mit der doppelbödigen Welt des echten E. T. A. Hoffmann, dieses nachtschwärzesten aller deutschen Romantiker, wenig tiefere Berührung.
Erstaunlicherweise färbt die so gegensätzliche Herangehensweise der beiden Inszenierungen auch aufs Musikalische ab: Alfred Kim in Frankfurt ist ein vor allem in der Höhe auftrumpfender Hoffmann-Darsteller, aber trotz ungelenken Dauertorkelns alles andere als eine glaubhafte Verkörperung des versoffenen Dichtergenies. István Kovácsházi in Mannheim legt es dagegen auf totale Identifikation mit der Rolle an und behält diese Intensität – auch stimmlich – den ganzen, hier gut vierstündigen Abend über bei.
Brenda Rae, die Frankfurter Olympia, bleibt eine – allerdings phänomenale – Singdrossel; Antje Bitterlich macht die Puppe zu einem Wesen aus Fleisch und Blut. Sylvia Hamvasi rettet in Frankfurt als Einspringerin die Premiere; wie man als Antonia innig berührt, zeigt wiederum ihre Mannheimer Kollegin, Iris Kupke. Die dortige Giulietta, Monika Bohinec, trifft genau den Ton zwischen Flatterhaftigkeit und Verruchtheit; die hiesige ist eine geheimnislose Lebedame und obendrein mit Claudia Mahnke falsch, nämlich zu schwer besetzt. Die dramaturgisch so wichtige Doppelrolle von Niklaus und Muse hat man in Frankfurt grotesk verstümmelt; Edna Prochnik offenbart in Mannheim, welche Schätze da geopfert wurden. Sängerisch gleichermaßen blass bleiben die Bösewichter – Thomas Berau formt in Mannheim aus Coppélius & Co. zumindest einen Charakter. Auch das übrige Ensemble und der Hauschor klingen hier deutlich engagierter.
Das Frankfurter Orchester, von der Kritikerzunft gerade wieder zum besten gekürt, ist dem Mannheimer klanglich überlegen, spielt aber ebenfalls alles andere als tadellos. Hier rächt sich einmal mehr, dass sich die Generalmusikdirektoren beider Häuser – wie leider andernorts auch – nicht überwinden konnten, selbst Hand anzulegen und „Hoffmanns Erzählungen“ zu dem zu machen, was sie sein können: eine Perle und Zierde jedes Opernspielplans.  FAZ 08. Oktober 2010


Seelenbaustelle ohne Zauber


Es gibt diese Abende im Theater, da sitzen wir und hören und sehen, sehen und hören und sitzen, und irgendwann, wenn wir viel gesessen, viel gehört und viel gesehen haben, überkommt uns in einem Anflug arger Angst das Gefühl, wir täten bei all dem Sitzen, Hören und Sehen vor allem eines: Warten - warten auf ein magisches Moment, auf eine Öffnung, die uns aus dieser Welt hinausführt in eine andere, fantastische. Dieser anderen Welt wegen lieben wir doch die Kunst. Sie kidnappt unsere Fantasie und spielt mit ihr. Doch wenn dieses Warte-Gefühl sich einstellt, ist es schon zu spät. Dann bleibt uns nur noch: sitzen, sehen, hören.
Offenbachs Werk "Hoffmanns Erzählungen", eine "phantastische Oper", wäre doch per se das Stück, das uns packt und entführt. Der Protagonist, eine Ableitung des romantischen Universalfantasten, Karikaturisten, Komponisten, Schriftstellers und Kapellmeisters E.T.A. Hoffmann, will genau das: In Luthers Weinkeller erzählt er seinen Saufkumpanen drei surreale (und tödliche) Liebesabenteuer und will sie (und uns) in den beschriebenen magischen Zustand versetzen. Christof Nel aber, der das Werk nun mit Martina Jochem (szenische Analyse), Sebastian Hannak (Bühne) und Margit Koppendorfer (Kostüme) auf die Bühne des Nationaltheaters Mannheim gebracht hat, sperrt sich gegen solchen Zauber.
In Konzept verrannt
Fast scheint es, als habe man sich dramaturgisch in ein interessantes, aber allzu intellektuelles und theoretisches Konzept verrannt, wo das nicht fertiggestellte Werk genauso nackt als fragmentarischer Steinbruch dargestellt wird wie Hoffmanns erdachte Welt. Doch den Theaterabend trägt das nicht, da helfen auch die wie aufgesetzt wirkenden Dialoge per Mikrofon nicht, die wohl dämonisch wirken sollen.
Zerbrochene weiße Wände, Spiegel und Bilder sowie Löcher im Boden deuten Gefahr an. Wir haben verstanden: Diese andere, vom Tode beherrschte Welt dahinter malträtiert die Fantasie Hoffmanns, der sich in die Kunst des Schreibens und Musizierens flüchtet, und sie könnte freilich auch uns jederzeit erreichen. Gespielt wird drei Stunden lang auf einem kleinen, keilförmigen Bühnenabschnitt, weil die reale Welt ja den kleinsten Teil unseres Bewusstseins ausmacht. Freud lässt grüßen. Zwar hat Nel sichtlich viel mit den Agierenden gearbeitet (auch wenn die Arbeit bei den jeweils nicht Agierenden handwerkliche Schwächen aufweist), doch die optisch wenig reizvolle Zersplitterung und Dekonstruktion des Werks (ohne Dapertuttos "Scintille diamant") greift nicht. Zudem knistert es nicht. Die beschworene "Belle nuit, ô nuit d'amour" verkommt zur klischeehaften Anti-Stimmung, die der Chor in Feinripp-Unterwäsche somnambul begleitet. Erotik ist hier weit weg, Nüchternheit ganz nah. So weit die schlechten Nachrichten.
Es gibt aber genauso viele gute, musikalische. Dazu gehört das Debüt des neuen 1. Kapellmeisters Alois Seidlmeier, der das Nationaltheaterorchester zwar bisweilen etwas langsam, aber mit ungeheuer viel Feeling für Klangfarben und Rhythmus durch die Partitur navigiert, und darüber ein äußerst guter Sängerbegleiter zu sein scheint (die einzige, wirklich aus dem Ruder laufende Passage ist dem unnötigen Stampfen des bestens disponierten Chores geschuldet). Natürlich glänzt István Kovácsházi als Hoffmann. Wie immer strahlt er mühelos heldisch in der Höhe, hat aber auch Sinn für die Zwischentöne im Pianobereich, wo er die fast schizophrene Persönlichkeit klanglich zum Ausdruck bringt. Sensationell ist der Auftritt von Antje Bitterlich, die als Olympia in der Arie "Les oiseaux dans la charmille" sowohl Kostproben ihrer unendlichen Höhe (bis hinauf in die stratosphärischen Höhen des dreigestrichenen "b", das gar nicht in der Partitur steht) als auch ihrer Wendigkeit gibt. Was für ein Talent!
Warten auf bessere Tage
Iris Kupkes gepflegte und dramatischer angelegte Antonia sowie Monika Bohinecs leidenschaftlich flammende Giulietta komplettieren die drei Frauenbilder, die normalerweise meist von einer Sängerin gesungen werden, weil sie als Modifizierungen der realen Person Stella (Barbara von Münchhausen) interpretiert werden. Auch Thomas Berau, der alle Bösewichte verkörpert, läuft zu Hochform auf. Das Dämonische, Bissige und Fiese entlockt er seinem Bassbariton mit brillant schimmernden Obertönen. Etwas blass dagegen bleibt Edna Prochnik (La Muse/Nicklausse). Ihre Stimme ist klar und schön, elektrisiert aber nicht. Heike Wessels, David Lee, Radu Cojocariu, Johan Weigel, Uwe Eikötter (toll charakterisiert), Johannes Wimmer und Kevin Dickmann runden die großartige Ensembleleistung ab. Da können wir nur hören, sehen, staunen - und warten auf bessere Tage, die den eher blassen Regieauftakt vergessen lassen. Viele Buhs!    Mannheimer Morgen, 4. Oktober 2010


 

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Eröffnungsgala
19.09.2010
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Mit 20 Solisten, Chor und Extrachor
sowie dem Orchester des Nationaltheaters

Eröffnungsgala, 19.09.2010
Eröffnungsgala, 19.09.2010

Endlich wird wieder gespielt am Nationaltheater Mannheim. Und wie! Am Wochenende startete das noch von Sanierungsplänen eingepackte Haus am Goetheplatz mit einer Eröffnungsgala in den "Fledermaus"-Kulissen und vor vollem Haus in die Saison. Mit 20 Solisten präsentierte sich dabei weit mehr als das halbe Ensemble, und um das Fazit dieses über dreistündigen und von Generalmusikdirektor (GMD) Dan Ettinger geleiteten Abends zu ziehen, benötigen wir gerade einmal drei Buchstaben und ein Ausrufungszeichen: Wow!
Unter Beweis wurde hier nicht nur gestellt, was wir seit einigen Jahren mit Freude beobachten: dass sich am Nationaltheater nämlich ein äußerst feines und leistungsfähiges Sänger-Ensemble gruppiert hat. Einmal mehr mussten wir auch feststellen, dass GMD Ettinger ein richtig guter Dirigent und Sängerbegleiter ist. Mit welcher Sensibilität er und das Nationaltheater-Orchester etwa Maximilian Schmitt bei seiner Darstellung der Lenski-Arie "Kuda, kuda vi udalilis" ("Eugen Onegin") begleitete, wie er jede kleine Gefühlsregung dieses von Sentimentalität, Todesahnung und erinnerter Liebe durchsetzten Stückes Musik im bestens aufgelegten Orchester zum zarten Beben brachte und auch im Tempo rubato eins zu eins mitging, war schon berührend. Überhaupt Schmitt: Was hat der Mann an Farbe und Gestaltungskraft, an Dynamik, Kultur und Passion zu bieten! Wahnsinn. ...
Katharina Göres bot eine in Stimme und Darstellung blitzsaubere Version von Lehárs Operettenklassiker "Meine Lippen, sie küssen so heiß" dar. Verführerisch - und so soll es ja sein - war hierbei nicht nur ihr Ton. Heike Wessels widmete sich der Szene "I am easily assimilated" aus Leonard Bernsteins "Candide" (ohne Chor), wo sie gekonnt zwischen Parlando- und Singstimme hin- und herpendelte und dabei auch noch gekonnt die Kastagnetten spielte. Antje Bitterlich hingegen liebt die hohen Sphären, vor allem, wenn die Töne darin charakterisiert und humorvoll herumschwirren wie in "Glitter and be gay" aus dem gleichen Werk (in der Höhe trieb es sie am Ende gar zum unfassbaren dreigestrichenen "As").
Die Tenöre beeindruckten nicht minder, und wenn wir nur Carlos Morenos "Nessun dorma" erwähnen, so hat das seinen Grund. Der Mann klingt wie eine Legende aus vergangener Zeit. Gesund. Schön. Kräftig. ...
Auch Juhan Tralla, Lars Möller und seine (hochschwangere) Frau Anne Theresa (früher Albrecht), Ludmila Slepneva, die mit Michail Agafonov die Szene "Che gelida manina ..." aus "La Bohème" sang, Marie-Belle Sandis ("Cenerentola"), Radu Cojocariu ("Figaro"), Jaco Venter und Galina Shesterneva ("Andrea Chénier"), Boris Grappe (Ambroise Thomas' "Hamlet"), Iris Kupke ("Traviata") Karsten Mewes ("Macbeth"), Mihail Mihaylov ("Onegin"), Cornelia Ptassek und der Chor ("Tannhäuser") zeigten sich in bester Singlaune.
Gesteigert wurde der Spaß nur noch durch einen anderen: Alle Frauen sangen ein verhackstücktes "Quando m'en vo" ("Bohème") - und Ettinger funkte als Marcello singend dazwischen. Ein Heidenspaß, der das Haus zum Toben brachte.   Mannheimer Morgen
21.09.2010


Tränen der Rührung nach einem Opernabend sind etwas ganz Besonderes. Das Mannheimer Gala- Publikum war vollauf begeistert.Generalmusikdirektor Dan Ettinger, der die Gala leitet, ist ein feinsinniger Begleiter, ein Stern unter Sternen, ein Star, der immerzu leuchtet […].  Rhein-Neckar-Zeitung 22.09.2010

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