Pressestimmen Oper Spielzeit 2011/2012


So war’s 2011/2012 am NTM
Kritische Betrachtung: Wir bilanzieren eine Saison voller Turbulenzen – Der künstlerische Ertrag wirkt durchwachsen

Spielzeit 2011/2012<br />
Spielzeit 2011/2012

Die Mannheimer Morgen Redaktionsmitglieder S. M. Dettlinger und R.-C. Langhals diskutieren die Spielzeit 2011/12.

Im Anfang war ein Aufreger: Die ehemalige Generalintendantin Regula Gerber hat die Corporate Identity des Nationaltheaters geändert. Das geliebte Haus hieß plötzlich NTM, das elegante und transparente Erscheinungsbild machte etwas Monumental-Buntem Platz. Mannheim war entsetzt! Weitgehend. Aber war die Entscheidung falsch? Aus heutiger Sicht kann man durchaus der Meinung sein: Nein! Denn bunter, menschlicher und lebendiger wirkt, was das Theater heute ausstrahlt. Überschattet wurde die Diskussion Mitte der Saison nur noch von Gerbers Krankheit und ihrem Rückzug - Dinge, die mit dem Theater ums Theater und nicht mit ihm selbst zu tun haben. Doch wie sah die Saison ästhetisch aus? Wir blicken zurück.

Musiktheater

Die Pannenstatistik ist so verheerend, da fällt es schwer, über Inhalte nachzudenken. Trotzdem: Nach einem Totalausfall ("Stiffelio"), Regisseurswechseln ("Temistocle", "Ring") und Abreisen ("Outcast", "Temistocle") bleibt ein umstrittenes, aber aufsehenerregendes "Ring"-Projekt von Achim Freyer. Unfallfrei verliefen außerdem zwei eingekaufte Produktionen: "Lucia" und "Avenue Q". Das ist viel zu wenig! Klaus-Peter Kehr schafft es weder, sich mit seiner Arbeit in die Herzen der Menschen zu spielen, noch für ästhetische Aufregung zu sorgen (wie zuletzt noch mit "Lohengrin"). Die Regie-Qualität ist zu schlecht, die Werkauswahl zu einseitig. Zudem: Mit "The Outcast" und "Temistocle" wurden zwei absolute und teure Repertoireleichen produziert. Zwar steht das Sängerensemble gut da, doch hat man den Eindruck, GMD Dan Ettinger bemühe sich zu wenig um die Spielkultur des Orchesters. Nur so lässt sich eine katastrophale Leistung wie in der "Rheingold"-Premiere erklären. Fazit: So geht es nicht weiter. Wir brauchen Publikumslieblinge, aufregendes Musiktheater und hohe musikalische Qualität.
Die neue Saison beginnt mit dem "Baby Tanz Fest" in der Alten Feuerwache am 12. September.
Die eigentliche Eröffnung ist aber am 16. September, wenn das Nationaltheater-Orchester (NTO) und Solisten um 19 Uhr im Opernhaus ihr Eröffnungskonzert mit Ouvertüren und Arien geben. Die Leitung hat nicht GMD Dan Ettinger, sondern der Kapellmeister im Dauereinsatz: Alois Seidlmeier. Dabei werden auch vier neue Sänger zu erleben sein.

Am 23. September ab 14 Uhr findet das traditionelle Theaterfest statt.
www.nationaltheater-mannheim.de

Kevin O'Day Ballett Mannheim

Der Tanz hat es geschafft in Mannheim - zehn Jahre hat es gedauert. Zeitgenössisch Eruptives aus der Hand des Amerikaners Kevin O'Day verstörte Mannheims Tanzpublikum anfangs. Man reagierte, steuerte aber zu stark in Richtung bilderreiche Publikumsnähe, bei Kritikern fiel gar das böse Wort Gefälligkeit. Doch nun hat man den Bogen raus: Als Folge einer Laborentwicklung stehen modernisierte Handlungsballette gleichwertig neben impulsiver Moderne und bildstark getanzten Biografien mit großem Zuspruch. Dominique Dumais' Choreographie "Rilke" ist eine echte Erfolgsgeschichte, die den Spagat zwischen Anspruch und Spielplantauglichkeit glänzend demonstriert. Auch der Ausbau der zunehmend beliebteren (und runderen) Choreographischen Werkstätte hat sich gelohnt: Das Format hat Kultcharakter entwickelt und eine echte Fangemeinde, die sich an kreativen Schnellschüssen und Wagemut erfreut. Das Geheimnis des Erfolges: Man hat das Eine getan ohne das Andere zu lassen - und sich entwickelt.

Schauspiel

Burkhard C. Kosminski ist es gelungen, ein Ensemble zu formen, das aller Ehren wert ist. Da steht das Jungtalent neben reifen Darstellern mit beeindruckender Vita. Alle Charakter- und Epochenfarben können besetzt werden. Leider hat Kosminski wieder kein Händchen für "klassische" Stoffe bewiesen. Einzig Ibsens "Nora" und Goethes "Iphigenie" kommen auf respektables, hausübliches Niveau, das aber von überregionaler Ausstrahlung nur träumen kann. Diese ersehnte sich Kosminski mit dem Amerika-Schwerpunkt, der als Flop gewertet werden darf. Wenn Tony-Kushner-Stücke zur deutschsprachigen Erstaufführung für Mannheim übrigbleiben, hat das seinen Grund. Mit dessen "IHo" konnte man deshalb nicht an den Erfolg "Osage County" anschließen. Auch mit den deutschen Hoffnungsträgern Sibylle Lewitscharoff und Dietmar Dath handelte man sich mehr Häme als Ruhm ein. Katastrophal ist das alles nicht, Theater lebt eben vom Versuch. Skandalöses ist in Mannheim ebenso selten wie Genialisches. Doch der Status quo ist ordentlich, wenngleich er nicht zu selbstbewussten Höhenflügen berechtigt.
Kinder- und Jugendtheater

Verwöhnt ist Mannheim vom Schnawwl - und umgekehrt. So modellhaft und vorbildlich das Haus unter Andrea Gronemeyer auch ist und soviel es alltäglich leistet - manchmal müsste man die Frage stellen, ob der Ehrgeiz nach Branchenwertschätzung nicht zu weit oben angesiedelt ist. Anspruch ist gut, Spaß aber auch nicht schlecht im Kindertheater. Internationaler Austausch bringt ebenfalls viel Ehre, aber weniger (renommierte) Ägypten-, Indien-, Brasilienprojekte bedeuteten mehr Spiel für Kinder der Region. Dennoch, so läuft der Hase eben im Jugendtheater, und Mannheim rangiert durch kontinuierliche und (fast zu "seriöse") Arbeit ganz weit oben in der Bundesliga.

Junge Oper

Ähnlich bei der Jungen Oper. Sie arbeitet gut, bringt bisweilen intellektuell trockengelegtes Musiktheater für Kinder und Jugendliche heraus ("Echt?"), hat aber auch richtige Knaller: "Neumond" von Lucia Ronchetti war einsamer Höhepunkt des Mozartsommers. Insgesamt: wichtige Arbeit bei der Heranführung junger Menschen ans (Musik-)Theater.

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Die Fledermaus, 26.07.2012
mit Verabschiedung von Oskar Pürgstaller nach 28-jähriger Zugehörigkeit zum Mannheimer Ensemble
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: nach Meyer-Oertel

Die Fledermaus<br />26.07.2012<br />© Foto: CL<br />
Die Fledermaus26.07.2012© Foto: CL

„Prächtiger Abschied für Pürgstaller
Von unserer Mitarbeiterin Waltraud Brunst
© Mannheimer Morgen, Samstag, 28.07.2012

"Ein Wunsch an unser einzigartiges Publikum: Besuchen Sie weiter das Haus, mischen Sie sich ein und sorgen Sie dafür, dass es Ihr Theater bleibt!" Also sprach der scheidende Spiel- und Charaktertenor Oskar Pürgstaller, nachdem ihm die Kollegen nach 28-jähriger Zugehörigkeit zum Ensemble des Nationaltheaters auf offener Bühne einen bewegenden Abschied bereitet hatten. Sie dankten ihm für seinen Einsatz "als Sänger, Kollege und Mensch", vor allem für sein langjähriges, furchtloses Engagement als Ensemblesprecher und Personalratsvorsitzender.

Die Übergänge von der überaus prächtigen "Fledermaus"-Saisonschluss-Aufführung zur Abschiedsfeier waren sozusagen fließend. In das ausführliche Verbeugungs-Defilée auf der Bühne mischten sich immer mehr Ensemblemitglieder in Zivil. Dirigent Alois Seidlmeier griff zum Akkordeon, und aus dem Orchestergraben tönten ungewohnte Schrammel-Klänge, die den Mammutchor auf der Bühne zu "Sag beim Abschied leise Servus" begleiteten. Thomas Berau übermittelte die guten Wünsche für die Kollegen, Lutz Wengler ausgesprochen herzlich für die Intendanz. Operndirektor Kehr listete die Glanzrollen des "Bühnentiers" von Knusperhexe bis Mime auf. Danach Pürgstallers Dank an alle, die ihn "auch in schweren Zeiten getragen und ertragen haben" und sein flammender Appell an das Publikum im ausverkauften Haus, Blumen, ein riesiges Bild ( Pürgstaller 'in action'), viele Umarmungen und ein paar heimliche Tränen.

Zuvor hatte das auffallend jugendliche Publikum schon reichlich Lachtränen vergossen. Die Situationskomik der pfiffigen Inszenierung aus dem Jahr 1978 zündet auch noch bei der 157. Vorstellung, zumal wenn sich das wagnergestählte Bühnenpersonal in solch sprühender Laune präsentiert wie an dem Abend, da der leichtsinnige Gabriel von Eisenstein (Lars Möller) und seine mondäne Gattin (Cornelia Ptassek) auf dem Fest des dekadenten Prinzen Orlofsky (Edna Prochnik) einer heiteren Verschwörung auf den Leim gehen. Glänzend die Herren Müller, Berau, Jesatko und Pürgstaller, umwerfend Uwe Schönbeck als Gefängnisaufseher Frosch und die hinreißende Katharina Göres als Stubenmädchen.“

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Festlicher Opernabend 21.07.2012
Gaetano Donizetti
LUCIA DI LAMMERMOOR
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Desirée Rancatore: Lucia
Ambrogio Maestri: Enrico Ashton
Celso Albelo: Edgardo di Ravenswood

LUCIA DI LAMMERMOOR<br />Festlicher Opernabend 21.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
LUCIA DI LAMMERMOORFestlicher Opernabend 21.07.2012© Foto: Christian Kleiner

„Es war ein Abend der großen und schönen Stimmen, für dessen reibungslosen musikalischen Ablauf Joseph Trafton am Dirigentenpult sorgte. Die Titelrolle in ‚Lucia di Lammermoor‘, Donizettis tragischem Drama über eine durch Verrat und Ränke zerstörte junge Liebe, das in Wahnsinn, Mord und Selbstmord endet, ist eine Primadonna-Partie par exellence. Désirée Rancatore präsentierte sie in der authentischen Manier der Virtuosin.
   Die aus Palermo stammende Sopranistin produzierte astreinen Belcanto, servierte mit Leichtigkeit sämtliche vokalen Akrobatenstücke, den brillanten Ziergesang, die halsbrecherischen Läufe und waghalsigen Höhenflüge. Ihre fein getönte, flexible Stimme von silbernem Glanz sprach in allen Registern mühelos an. Besonders nahm Rancatore durch ihre kultivierte Art, die Eleganz ihrer Phrasierung und sensible gestalterische Initiativen für sich ein. Dies vor allem in der Wahnsinnszene, in der sie sich als Tragödin von Rang profilierte.
Ihr zur Seite stand in der Rolle des Edgardo ein Vokalist ohne Fehl und Tadel: der junge Spanier Celso Albelo. Er gebietet über eine perfekt geführte hell strahlende Tenorstimme von seltener Tonqualität. Deren Umfang schein in der Höhe schier unbegrenzt; selbst das meist weggelassene stratosphärisch hohe Es wurde diesmal mit Stentorkraft in den Zuschauerraum gewuchtet. […]“
    „Mit Stentortönen wartete auch der Bariton Ambrogio Maestri, einer der unangefochten führenden Vertreter seines Fachs, großzügig auf. Seine mächtige, wunderbar abgerundete Stimme von erlesenem Timbre glich einem Naturereignis. Überdies gab er den Opernbösewicht sehr souverän und mit schurkischer Präsenz. Von den partiturfremden Spitzentönen der Aufführungstradition wurden von den Galagästen einige geliefert.“   Die Rheinpfalz, 24.7.12

 „Der Schlussbeifall für die drei Gäste zeugt von Begeisterung. Musikalisch steht die Aufführung auf hohem Niveau; unter der Leitung von Joseph Trafton zerlegen das Orchester und seine Solisten die Ereignisse in anrührende, packende oder ironisch-bittere Momente.“
     „Desirée Rancatores Lucia verkriecht sich in die Hülle einer scheuen, liebesbedürftigen Kindfrau. Das Timbre ihres Koloratursoprans beglaubigt den Rückzug in die Kindheit. Sein warmes Leuchten begleitet zunächst den verbotenen Weg in die Arme des Verlobten. Je höher sich die Stimme an den verspielten Notengirlanden entlang schwingt, desto jünger und frischer wirkt sie, selbst in den Szenen der Verzweiflung. Die Wahnsinns-Arie mit ihren Kadenzen, Trillern und dem sicher getroffenen hohen Es beschreibt das Glück, sich aus der Realität stehlen zu können. So stark beeinflussen Desirée Rancatores verhalten eingesetzte Mittel die Wahrnehmung: Plötzlich beschwört das zarte Glasharmonika-Spiel von Sascha Reck keine Gespenster herbei, sondern Himmelsklänge. Schauspielerisch beschränken sich ihre Partner auf das Notwendigste; dafür gehen sie verschwenderisch mit ihren Stimmkräften um. Besonders grandios stellt sich der Italiener Ambrogio Maestri in Positur, ein korpulenter Parade-Falstaff.
Letztlich kommt es nicht darauf an, wie Maestri als Enrico die Schwester verschachert – er lässt seinen großmächtigen Verdi-Bariton herrlich dahinströmen und verdient allein dafür Bewunderung.
Den Edgardo von Celso Albelo zeichnet ein Vorzug besonders aus: er passt sich mustergültig an Desirée Rancatore an, mit der zusammen er westliche und östliche Bühnen bereist.“
    „Radu Cojocariu jedoch verschafft sich als Raimondo eine Arie lang die ungeteilte Aufmerksamkeit für seinen watteweichen Priester-Bass.“   Mannheimer Morgen, 23.7.12

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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
SCHLOSS IN FLAMMEN

MANNHEIMER MOZARTSOMMER<br />01.07. – 08.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
MANNHEIMER MOZARTSOMMER01.07. – 08.07.2012© Foto: Christian Kleiner

Festliche Open-Air-Gala mit großem Synchronfeuerwerk
Schwetzinger Park, 08.07.2012
Yellow Concerts in Kooperation mit Nationaltheater Mannheim
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Moderation: Christian „Chako“ Habekost
Pyrotechnik: Renzo Cargnelutti
 
 „Zum Abschluss des Mannheimer Mozartsommers spielten Orchester und Solisten des Nationaltheaters Mannheim Werke von Mozart, Gioacchini Rossini, Camille Saint-Saens, Gaetano Donizetti und George Bizet, temperamentvoll dirigiert von Generalmusikdirektor Dan Ettinger.“
 „Ohne Frage, der Abend war ein Fest der Sinne und verzauberte in jeder Hinsicht. Der Garten wurde mit Einbruch der Dunkelheit zu einem romantischen Kerzenmeer und zu vorgerückter Stunde verabschiedete sich der Mozartsommer 2012 unter großem Applaus – voller Vorfreude auf den hoffentlich nächsten.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 10.07.12

 „Heike Wessels prunkt als Femme fatale Dalila – eine Stimme wie ein reifer, schwerer Wein.“
 „Belcanto und Französisches gab es im zweiten Teil und der war musikalisch auf bestem Niveau. Da verströmte Marie-Belle Sandis attraktive Mezzo-Farbe und federleichte Virtuosität in der Kavatine der Rosina, brachte Lars Møller beste Laune und stimmliche Pracht in sein ‚Largo al factotum‘ des Rossini-Figaro.
Farbenfülle und verführerisches Timbre aktivierte Heike Wessels für die Arie der Dalila bei Saint-Saëns, und auch das Orchester des Mannheimer Nationaltheaters breitete unter Führung seines GMD Dan Ettinger den reichen Boden dafür aus mit luxurierenden Farben und reichlich Klang-Parfüm. Seinen prachtvollen Tenor fuhr am Ende István Kovácsházi in schönster Lyrik aus als Don José, bevor das Feuerwerk zu Rossinis ‚Die diebische Elster‘ zündete.“   Mannheimer Morgen, 10.07.12

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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
KINDERCHORKONZERT

Opernhaus, 07.07.2012, 17.00
Musikalische Leitung: Anke-Christine Kober
Kinderchor des Nationaltheaters
 

 „Und so stellt sich ein neuer Hör-Eindruck ein, wenn 16 Mädchen die Partien der drei Knaben aus der ‚Zauberflöte‘ übernehmen oder wenn sich ein Knabensopran als Tamino behauptet. Wie so oft begeistern auch hier wieder Anke-Christine Kobers Einfälle, die ‚Stimmwechsler‘ voll ins Programm zu integrieren. Sie dürfen sich auf einem Sofa lümmeln und Haydns ‚Lob der Faulheit‘ singen.“
 
„Pralle Musizierfreude springt unmittelbar auf das Publikum über.“   Mannheimer Morgen, 10.07.12


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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
LA CLEMENZA DI TITO

MANNHEIMER MOZARTSOMMER<br />01.07. – 08.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
MANNHEIMER MOZARTSOMMER01.07. – 08.07.2012© Foto: Christian Kleiner

Wolfgang Amadeus Mozart
02.07./05.07./07.07.2012 Rokokotheater Schwetzingen
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung: Günter Krämer

 „Zwei neue Sänger waren in dem überragenden und harmonisch zusammenklingendem Vokalensemble zu hören: Mit großem Spielelan und warm im Timbre Cornelie Isenbürger als Servilia sowie der hauseigene Mannheimer Tenor Maximilian Schmitt als Titus. Letzterer nutzte dieses Rollendebüt, um die ganze Bandbreite seines schier endlosen stimmlichen Vermögens auf das Schönste zur Schau zu stellen. Leises Geflüster gelingt ihm eben so rein und klar wie gewaltig aufbrausende Partien, in denen aus dem Titus fast ein Siegfried wird.“
 „Schon von 2012 bekannt waren die übrigen Besetzungen: Kokett in der Stimme, locker, mühelos in den irrsinnigsten Kolloraturen der Sesto-Darsteller Valer Barna-Sabadus – eine wahre Nachtigall unter den Countertenören. Sein Kollege Yuriy Mynenko als Annio sang ebenfalls meisterhaft, leidenschaftlich und lyrisch. Marie-Belle Sandis verlieh der innerlich zerrütteten Vitellia packende Ausdruckskraft, besonders sprühend gestaltete sie die Rezitative. Daneben Frank van Hoves sonorer Bass und der Mannheimer Opernchor in Bestform, die das vokale Klangereignis abrundeten.
Dan Ettinger spitzte sich mit seinem gewohnt brillant und präzise musizierendem Orchester stark auf dynamische Effekte und Kontrastwirkungen. Bemerkenswert auch die musikalische Tongestaltung – mal kurz und stumpf, dann romantisch-schwelgerisch im Legato.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 05.07.12

 „Doch der Tenor [Maximilian Schmitt] zeigt […] seine Nuancierungskunst, vor allem in den ausgedehnten Sprechgesang-Passagen, wo er zwischen tonlos-bleich und donnernd-imperial eine enorme Spannweite beweist.
Das restliche Ensemble steht ihm allerdings kein bisschen nach. Die diabolische Verführerin Vitellia ist bei Marie-Belle Sandis dem Wahnsinn nahe.“
 „Hervorragend sind auch die Counter Valer Barna-Sabadus und Yuriy Mynenko als Sesto und Annio: Von Eunuchenhaftigkeit ist nichts zu spüren, alle beide singen sicher, frei und strahlend, dabei stets mit maskuliner Unterlage. Frank van Hove gibt den Prätorianer-Häuptling Publio so autoritativ, wie man es hier erwarten darf. Cornelie Isenbürger als Servilia schließlich ist so unanfechtbar wie ihre von Mozart in der kämpferischen Tonart D-Dur ausgewiesene Charakterstärke.“   Mannheimer Morgen, 04.07.12



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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
NEUMOND UA

MANNHEIMER MOZARTSOMMER<br />01.07. – 08.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
MANNHEIMER MOZARTSOMMER01.07. – 08.07.2012© Foto: Christian Kleiner

Lucia Ronchetti
Studio Werkhaus, 01.07.2012
Kammeroper für junges Publikum nach W.A. Mozarts Zauberflöte
Text von Kristo Sagor
Auftragswerk für die JUNGE OPER, Nationaltheater Mannheim
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung: Christian Pade
Bühne/Kostüme: Alexander Lintl

„Die junge Sopranistin Sophie Sauter gibt diese Muriel nicht nur mit großer Präsenz als aufgewecktes Gör, sie singt auch ihren hochanspruchsvollen Part mit traumhafter Leichtigkeit, Virtuosität und Tonreinheit.“
 „Die italienische Komponistin Lucia Ronchetti […] schrieb eine feine Musik, die neben ihrem eigenen Ton auch ein raffiniertes Spiel mit Mozart-Motiven aus der ‚Zauberflöte‘ treibt. Themen daraus verfremdet und abstrahiert sie in einem klugen Vexierspiel. Ihren eigenen Stil exponiert die Komponistin in einem sparsamen, lichten Stil, der sehr an Salvatore Sciarrino erinnert. Wie jener pflegt sie einen madrigalesken Gesangsstil mit Flüstergesängen in eng kreisenden Intervallen, geheimnisvolle Seufzertöne und glissandierendes Parlando. Unter Leitung von Kapellmeister Joseph Trafton musizierte das kleine Ensemble aus Mitgliedern des Nationaltheater-Orchesters überaus klangsinnlich, und auch die Darsteller sorgten zwischen Sprechen und Singen für einen spannenden Theaterabend.“
 „Regisseur Christian Pade gab dem Stück und seiner schnoddrigen Jugendsprache eine unaufgesetzte Leichtigkeit und Direktheit […].“   Rhein-Neckar-Zeitung, 04.07.12

 „Ronchetti geht musikalisch sehr klug vor. Wie sie ihre zeitgenössischen Klänge eines meist freien atonalen Satzes postmodern mit Zitaten aus Mozarts ‚Zauberflöte‘ spickt, ist genau so gekonnt und überzeugend wie der Spagat zwischen alltäglicher Sprech- und operaler Singstimme, die sie fordert und die besonders an den Übergängen vom einen zum anderen fasziniert.“
 „[…] eine rundum gelungene Inszenierung.“
 „Gesungen, gespielt und musiziert wird unter Leitung von Kapellmeister Joseph Trafton ziemlich fabelhaft. Sophie Sauter trifft als Muriel den richtigen Ton. Mit kräftigem und warm timbriertem Sopran überzeugt sie sängerisch wie auch mit natürlicher Sprechstimme. Antje Bitterlich ist als Mutter Magdalind so etwas wie die Königin der ‚Neumond‘-Nacht – es kommt vor, dass sie ihren Koloratursopran blitzartig mächtig und imponierend ausfährt – großartig.
Tenor Benedikt Nawrath als Jasper (sehr lyrisch und schöngeistig angelegt) sowie Schauspieler Benedikt Kauff als Frederick (schöner, etwas rüpelhafter Gegenpol dazu) überzeugen genauso wie das Stimmen-Trio von Georg Gädker, Magnus Piontek und Timo Schabel – und die Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters unter Trafton spielen energisch und akkurat auf. Eine rundum glückliche und sehr aufwendige Produktion über eine schwere Lebensphase.“   Mannheimer Morgen, 03.07.12

 „Die musikalische Umsetzung dieser Geschichte durch Lucia Ronchetti geriet brillant. Ihre Partitur für ein Kammerensemble und ein Vokalterzett im Hintergrund steht im Zeichen einer überaus kunstfertigen kompositorischen Handschrift. Sie enthält eine Vielzahl von Anspielungen auf Mozarts Harmonie- und Klangwelt, auch direkten Zitaten aus der ‚Zauberflöte‘, die ausgesprochen geistreich eingesetzt wurden. Für die Virtuosität der Komponistin sprechen besonders die Art, auf die sie mit den heterogenen Stilebenen jongliert, und ihre Übergänge. Lucia Ronchettis moderne Singspielvariante (mit vielen gesprochenen Dialogen) wurde fantasievoll, zum Teil mit augenzwinkernder Ironie entworfen.“
 „Den musikalischen Ablauf koordinierte Joseph Trafton kompetent, und Christian Pade steuerte eine dynamische, Personen und Situationen eindringlich charakterisierende Inszenierung bei. Eine sängerische und darstellerische Glanzleistung ist Sophie Sauter in der Hauptrolle der Muriel zu bescheinigen. Einwandfrei agierten Benedikt Nawrath (Jasper), Benedikt Kauff (Frederik), das Vokalterzett (Georg Gädker, Magnus-Cosmas Piontek, Timo Schabel) und das Instrumentalensemble.“   Die Rheinpfalz, 03.07.12



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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
ANRUFUNG DER NACHT

MANNHEIMER MOZARTSOMMER<br />01.07. – 08.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
MANNHEIMER MOZARTSOMMER01.07. – 08.07.2012© Foto: Christian Kleiner

04.07.2012
Abendliches Parkkonzert im Schwetzinger Schloss und Park
Musikalische Leitung: Christoph Wyneken
Badische Kammerphilharmonie und Gäste
 
„Mozart light plus Weinprobe: Für das abendliche Parkkonzert im Schwetzinger Schlossgarten hatten sich die Verantwortlichen des Mannheimer Mozartsommers genau das richtige Rezept ausgedacht. Und die Musiker machten ihre Sache ganz vorzüglich.“
 „[…] das an angenommene höfische Parkmusiken des Kurfürsten Carl Theodor erinnernde Konzert wurde seinem (dank Mozart anspruchsvollen) Unterhaltungswert mehr als nur gerecht. Zudem erklang zum tadellos gespielten Finale mit der ‚Kleinen Nachtmusik‘ ein zwar schrecklich populäres, aber qualitativ in der allerobersten Klasse angesiedeltes Stück.“   Die Rheinpfalz, 06.07.12

 „Das Schönste freilich sind die kaum bekannten Kanzonetten, etwa ‚Luci care, luci belle‘ für drei Sänger und Bassetthörner. Ganz schlicht, aber zum Seufzen schön. […] Schließlich gibt es noch  im Statuensaal die ‚Kleine Nachtmusik‘, die Säulenheilige der Serenaden-Gattung. Christoph Wyneken trägt Sorge, dass sie nicht geschändet wird: Ein schöner Abend, der mit einer opulenten Weinprobe – für die man wirklich festes Schuhwerk braucht – zu Ende geht.“   Mannheimer Morgen, 06.07.12

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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
IL FLAUTO MAGICO

MANNHEIMER MOZARTSOMMER<br />01.07. – 08.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
MANNHEIMER MOZARTSOMMER01.07. – 08.07.2012© Foto: Christian Kleiner

Gastspiel aus Rom, Schauspielhaus 03.07. und 05.07.2012
Secondo l’orchestra di Piazza Vittorio
Eine Crossover-Version von MozartsZauberflöte
Künstlerische und musikalische Leitung: Mario Tronco
 

 „Sehr fantasievolle Arrangements und wundersame Adaptionen gab es dabei zuhören, immer sehr frei nach Mozart, meist aber ganz abwegig. Stilecht war hier das wenigste in dieser Zauberflöten-Show, aber gerade das war der große Reiz. Da hörte man locker swingenden Bigband-Jazz neben sehr viel karibischen Rhythmen, Soca und Calypso, ein vielschichtiges und auch vielsprachiges Konglomerat, bei dem jeder Musiker in Mehrfachrollen zu erleben war.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 06.07.12

 „Mit dem Gastspiel von ‚Il flauto magico‘ auf der Schillerbühne landet das Nationaltheater Mannheim einen Volltreffer beim Publikum.“
 „ […] die Musiker und Sänger beherrschen ihr Handwerk unter der Leitung von Mario Tronco exzellent und hochvirtuos.“  Mannheimer Morgen, 05.07.12

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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
MOZART’S STRASSE

MANNHEIMER MOZARTSOMMER<br />01.07. – 08.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
MANNHEIMER MOZARTSOMMER01.07. – 08.07.2012© Foto: Christian Kleiner

01.07.2012, 15.00-18.00
Nationaltheater Mannheim – Mozartstrasse

 „Was gestern Nachmittag auf den rund 170 Metern von Mannheims Mozartstraße geschah, war eine Öffnung des Theaters hin zum Bürger in Reinform. Hunderte Menschen tummelten sich auf der Straße, in Hinterhöfen, im Hotel Mack und Werkhaus, wo eingangs – quasi als Startschuss – der Held des Festivals postmodern zertrümmert wurde.“
 
„[…] eine gelungene und wichtige (Er)Öffnungsaktion des NTM.“   Mannheimer Morgen, 02.07.12

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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
ASINGONE / WIEWEG

Video-Installation von Peter Missotten 
Schlossgarten Schwetzingen – Apollo Tempel
01.07. – 08.07.2012

„Anmutiger indessen eine Videoarbeit von Peter Missotten im Apollo-Tempel. Hände und Füße tasten über das Gewölbe, rote Folien machen den Fensterblick in den Park noch märchenhafter, zwei Liegefiguren sind auf den Stein projiziert, Wasser schimmert auf Wänden, dazu erklingen Fragmente aus Mozarts frühem Intermedium ‚Apollo und Hyacinth‘. Und im Foyer des Nationaltheaters mündet ein ‚Tränenfluss‘ in einen Tränensee: Zum Weinen schön.“   Die Rheinpfalz, 03.07.12

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MANNHEIMER MOZARTSOMMER
01.07. – 08.07.2012
ERÖFFNUNGSKONZERT, 01.07.2012,
Schwetzingen
Musikalische Leitung: Reinhard Goebel

MANNHEIMER MOZARTSOMMER<br />01.07. – 08.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
MANNHEIMER MOZARTSOMMER01.07. – 08.07.2012© Foto: Christian Kleiner

Violine: Mirijam Contzen
Sopran: Netta Or
Tenor: Szabolcs Brickner
Bayerische Kammerphilharmonie
 
„So machte man es sich auch zur Eröffnung des Mozartsommers im Schwetzinger Schloss zur Aufgabe, Werke des ‚jungen Bach‘ aufzuführen. Mit dem Dirigenten und Alte-Musik-Spezialisten Reinhard Goebel hatte man einen sehr stilsicheren Anwalt für diese Musik verpflichtet. Die Ouvertüre zu ‚Lucio Silla‘ etwa ist schon fast eine ausgewachsene, dreisätzige Sinfonie. Die Bayerische Kammerphilharmonie musizierte sie ebenso impuls- wie affektstark.
Die Sopranistin Netta Or ließ ihre klanglich und gestalterisch brillante Kunst in zwei Arien hören: Mozarts ‚Non so d’onde viene‘, sowie Johann Christian Bachs Kantate ‚La tempesta‘. Ein sehr frisch und fruchtig klingendes Organ mit einem rund leuchtenden Kern ließ sie dabei hören, sang blitzsauber bis in höchste Höhen. Hingebungsvolle Biegsamkeit legte sie ins lyrisch Ariose und die federleicht gestalteten Aufschwünge intensivierte Netta Or mit funkelnder Brillanz und virtuoser Attacke in den Koloraturen.
Sehr viel Freude bereitete auch die Geigerin Miriam Contzen als Solistin mit Mozarts D-Dur-Konzert, und die passte hervorragend zu Goebels musikalischen Vorstellungen. Musikantisch sehr beherzt ging die Geigerin ans Werk, brachte lustvolle Sinnlichkeit in ihren Part, offerierte einen Hedonismus der schönsten Sorte: irdisch kreatürlich und himmlisch zugleich. Die Vögel hörte man in ihrem Spiel ebenso singen wie die Engel im Himmel. Schönstes Vergnügen machte sie aus Mozarts Musik, schäumend und temperamentvoll lodernd im Finale.
Elastisch federnd und stiebend musizierte auch die Bayerische Kammerphilharmonie, die zum Abschluss noch mit Christian Cannabichs Sinfonie Nr. 72 B-Dur ein köstliches Juwel hören ließ. Vom Charakter her war es eine Sinfonia concertante, spielerisch und vergnüglich, in welcher die zwei Klarinetten immer wieder muntere Dialoge eingingen mit den Violinen, Fagotten oder den Hörnern. Ein gut gelaunter Spaß, mit dem nötigen Esprit und Humor umgesetzt.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 03.07.12

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Johann Christian Bach
TEMISTOCLE
Premiere im Rahmen des Mozartsommers 06.07.2012
Musikalische Leitung Reinhard Goebel

Inszenierung Joachim Schlömer


TEMISTOCLE<br />Premiere im Rahmen des Mozartsommers 06.07.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
TEMISTOCLEPremiere im Rahmen des Mozartsommers 06.07.2012© Foto: Christian Kleiner

Bühne Joachim Schlömer

Kostüme Falk Bauer

Dramaturgie Christiane Plank-Baldauf

Die Deutsche Bühne, Juli 2012:
 „Szabolcs Brickners Temistocle beeindruckte gleich eingangs mit der schon auf Mozarts ‚Clemenza di Tito‘ vorausweisenden Arie ‚Fosca nube‘. Alle übrigen Solisten klangen gut – überragt von Cornelia Ptassek als Temistocles Tochter Aspasia: ihre Klage des seelischen Elends zwischen Vater, Bruder, dem anreisenden geliebten griechischen Gesandten und den erotischen Attacken Xerxes‘ geriet zum emotionalen Höhepunkt des Abends. Das war auch das Verdienst von Dirigent Reinhard Goebel mit dem Mannheimer Orchester in Originalbesetzung. Er setzte nicht nur die emotionalen Werte der Arien reizvoll voneinander ab, sondern machte auch die damals innovativen Züge in Bachs Komposition hörbar[…].“
 
 Online Musik Magazin, Juli 2012:
 
„Szabolcs Brickner verfügt als Temistocle über einen kräftigen Tenor, der in den Höhen und bei den Koloraturen noch ein bisschen beweglicher werden könnte. Lars Møller überzeugt als sein Gegenspieler Serse mit markantem Bariton. Aufhorchen lässt Yuriy Mynenko als Lisimaco mit einem wunderbar leuchtenden Countertenor. Netta Or begeistert als Temistocles Sohn mit einem warmen Mezzo. Cornelia Ptassek meistert als Aspasia mit strahlendem Sopran die zahlreichen anspruchsvollen Koloraturen mit Bravour, und auch Iris Kupke stattet Rosanne [!] mit beweglichem Sopran aus, der bei den Koloraturen keine Wünsche offen lässt. Reinhard Goebel führt das Orchester des Nationaltheaters Mannheim mit sicherer Hand durch die Partitur, die in großen Teilen erkennen lässt, dass Bach musikalisch einen großen Einfluss auf Mozart genommen hat. […]
So gibt es am Ende großen und verdienten Applaus für die Sänger und das Orchester.“
 
Frankfurter Allgemeine, 10.07.12:
 
„Die aufklärerische Innigkeit dieser Versuchsanordnung können der kräftige Szabolcs Brickner in der Titelrolle, aber auch die dynamisch prächtige und leidenschaftliche Cornelia Ptassek als dessen Tochter Aspasia oder der virtuose Counter Yuriy Mynenko wundervoll evozieren. Hier singen Menschen um ihr Leben. Und wenn man das bedenkt und durchfühlt, fällt das Rokokopuppentheater in seiner vermeintlichen Niedlichkeit zusammen und offenbart echtes Drama.“
 
 Darmstädter Echo, 10.07.12:
 
„Achtbar bis ausgezeichnet indessen das mit zum Teil teuflisch schweren Arien befasste Ensemble: Szabolcs Brickner singt den Temistocle mit biegsamem Tenor, der Bariton Lars Møller ist ein achtbarer Serse, passgenau der Countertenor Yuriy Mynenko als Gesandter Athens. Als Kinder des Temistocle räumen die Soprane Cornelia Ptassek und Netta Or gründlich ab, im Mezzobereich bleibt Iris Kupke der megärenhaft ihren Status als Gattin Xerxes verteidigenden Rossane nichts schuldig.“
 
 Mannheimer Morgen, 09.07.12:
 
„Szabolcs Brickners Temistocle klingt schön, wohltimbriert und im Forte mit Substanz und Tiefe […].“
 „Lars Møller, der dem Xerxes immer wieder mit lautloser Lachgrimasse den Charme eines königlichen Spielers verleiht, setzt imposante Bariton-Akzente […].“
 „Quirlig, schnippisch und in jeder Hinsicht virtuos lässt sie [Iris Kupke] ihren Sopran durch die Bach’schen Gänge wehen – großartig.“
 „Cornelia Ptassek setzt als Temistocles Tochter Aspasia wie immer mit Beseeltheit Akzente. In ihrer b-Moll-Arie bringt sie mit ihrer Emotionalität Steine zum Weinen […].“
 „Der Counter Yuriy Mynenko als griechischer Bote Lisimaco bringt ein ähnliches Timbre und frappierende Virtuosität mit […].“
 
 Die Rheinpfalz, 09.07.12:
 
„Reinhard Goebel ist in dieser Musik so sehr zuhause wie wenige andere Dirigenten derzeit. Und er ist ein Glücksgriff des Nationaltheaters für den Mozartsommer 2012, keineswegs nur bei der Opernpremiere, sondern auch in Konzerten.“
 „Da Bach immer wieder einzelne Instrumente als obligate Begleiter einsetzt, können – von den Hörnern über die Oboe und das Fagott bis hin zu der Klarinettengruppe – die Musiker des Nationaltheaterorchesters ihr Können wie in einem Schaufenster unter Beweis stellen. Sie tun es mit größter Professionalität.
Nicht anders die Sänger, angeführt von Ensemblemitglied Cornelia Ptassek in der Rolle der Temistocle-Tochter Aspasia, gefolgt von einem famos singenden Szabolcs Brickner in der Titelpartie: Es gibt absolut keinen sängerischen Ausfall zu beklagen, alle Solisten fügen sich ganz wunderbar zu diesem Bachbild zusammen, von Lars Møller (Serse) über Netta Or (Neocle) bis hin zu Iris Kupke (Rossane) und Yuriy Mynenko (Lisimaco).“
 
 Frankfurter Rundschau, 09.07.12:
 „Und wie schon beim ‚Amadis‘ leitet Reinhard Goebel das Mannheimer Orchester, gespielt wird ‚historisch informiert‘ auf modernem Instrumentarium, schon in klassisch fließender Musizierweise, aber mit durchaus noch barocker Phrasierung. Eine fein akzentuierte Klangrede, die den Sängern eine sichere Heimstatt bildet.“
 „Mit Szabolcs Brickner hat man für die Mannheimer Neuaufnahme einen formidablen Temistocle gefunden, die Aspasia ist mit Cornelia Ptassek ebenso trefflich besetzt wie Neocle, der Sohn des Temistocle, mit der jungen Mezzosopranistin Netta Or.“

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Liedermatinee 17.06.2012
THOMAS BERAU
Klavierbegleitung
MORITZ EGGERT

Liedermatinee <br />17.06.2012<br />© Foto: CL<br />
Liedermatinee 17.06.2012© Foto: CL

„Geliebt wird selbstverständlich und glücklicherweise auch weiterhin“, so der Komponist und Pianist Moritz Eggert im Vorwort zu einer ungewöhnlichen Liedermatinee im NTM-Schauspielhaus. Die aparte Idee, den Zyklus ‚Neue Dichter Lieben’ von Eggert nach Texten zeitgenössischer Lyriker mit der ‚Dichterliebe’ von Robert Schumann zu verschränken und zäsurlos darzubieten, hätte freilich doppelt so viele Zuhörer verdient. Denn die Interpretation durch Thomas Berau und Moritz Eggert wurde dem romantischen Gestus wie den vielfältigen Anforderungen innovativer Tonsprache aufs Schönste gerecht.
Es war Moritz Eggert gelungen, für dieses ‚Projekt zur Jahrtausendwende’, das bei der Expo 2000 uraufgeführt wurde, die Elite zeitgenössischer Lyriker zu rekrutieren. So steuerten Franz Xaver Kroetz, Ursula Krechel, Ulla Hahn, Albert Ostermaier, Sarah Kirsch, Robert Gernhardt, Herbert Asmodi und Durs Grünbein heitere und tiefernste, absurde und ironische Texte bei, die Eggert geschickt zwischen die Heine-Verse des Schumann-Zyklus wob, wobei er subtil auf thematische Entsprechungen achtete. Helmut Kraussers ‚Sonett an die schreibfaule Brieffreundin’ (mit der hübschen Anfangsfloskel ‚Zu deinen Gunsten nehme ich an, du seist gestorben’) beispielsweise mündete konsequent in Heines ‚Ich grolle nicht’ und Ulla Hahns ‚Tote Liebe’.
Am Bösendorfer-Flügel brillierte Moritz Eggert, der die Schumann-Partituren subtil interpretierte und zu seinen eigenen Liedern noch allerlei Effekte beisteuerte. Er klampfte im Klavier-Eingeweide, klopfte und pfiff, keuchte und schnalzte. Thomas Berau führte seinen großvolumigen, schöntimbrierten lyrischen Bariton mühelos in Grenzregionen, zeigte sich überdies auch den intellektuellen und emotionalen Herausforderungen der beiden Zyklen stets gewachsen.
Als Zugabe spendierten die beiden Künstler den ‚Tiger’, eine Reminiszenz an den Zyklus ‚Krausseriana’, den Eggert 1999 seinem Freund Berau gewidmet hatte.    Mannheimer Morgen(WB)

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PRESSEMITTEILUNGEN VON OLGA NEUWIRTH UND NATIONALTHEATER MANNHEIM

Statement Olga Neuwirth (Berlin, 25.05.2012)
 
Da ich, wie ich glaube, eine professionelle Komponistin bin, die seit 25 Jahren in diesem Business international tätig bin, habe ich auch erwartet, daß meine Wünsche zumindest angehört werden und mir eine kooperative Zusammenarbeit ermöglicht wird. Darunter verstehe ich, dass ich gerade bei einer Uraufführung ein Mitspracherecht bzw. Mitüberlegen habe was Regisseur, Bühnenbild, Sänger, Chöre und Tontechnik betrifft, damit die Bedingungen für ein neues Musiktheater zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst werden können.
Ich wurde aber in die meisten Entscheidungen nicht eingebunden und auf Einwände und Vorschläge – auch während der Probenzeit – wurde nicht gehört bzw. ich wurde nie nur ein einziges Mal vom Regisseur gefragt, was wir uns bei THE OUTCAST gedacht haben. Die beiden Librettisten (Anna Mitgutsch und Barry Gifford) und ich, die dieses neue Musiktheater kreiert habe, wurden einfach mißachtet. Ich bin nicht nur empört über den Umgang mit Künstlern, sondern auch enttäuscht. Natürlich ist Oper eine gemeinsame Kunstform und ich möchte auch die Freiheit der Anderen nicht einschränken, da ich für jede Diskussion offen bin. Ich bin aber gegen die Missachtung und Entmachtung unseres Werkes. Stillschweigende Enteignung finde ich unmoralisch. Wir fühlen uns um unseren Beitrag betrogen.
Man hat unsere Ideen so lange verdreht, bis die Handlung und Aussage des Dramaturgen und des Regisseurs so über unsere gestülpt wurde, bis sie ihrer geistigen Augenhöhe entspricht, und das sehe ich als Falschmünzerei an. Das ist für mich die reine Verachtung des Schöpferischen.
Ich behaupte nicht, dass alle nicht fleißig und engagiert gearbeitet haben, aber besänftigen kann mich das kaum, versöhnen schon gar nicht.
Obwohl auf meine Bitten und Einwände so gut wie nie reagiert wurde, weiß ich aber, daß ich juristisch leider machtlos bin und daher sah ich keine andere Möglichkeit mehr, als mich nach der Generalprobe zurück zu ziehen.
 

PM des Nationaltheater Mannheim zu Olga Neuwirths
„The Outcast“ (Mannheim, 30. Mai 2012)

Uraufführungen sind die aufregendsten und alle herausfordernden Abenteuer in einem Opernhaus. Wollen sie auch theatralisch aufregend und erfolgreich sein, müssen sie ein von allen nicht nur von den KomponistInnen verantwortetes Kunstwerk sein. Gemeinsam mit allen beteiligten Künstlern wird das Werk  erst am Abend auf der Bühne zu Ende geschrieben. KomponistInnen sollten also ihr Werk den an der Uraufführung beteiligten Künstlern anvertrauen. Die Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit ist entscheidend. Selbstverständlich auch das gegenseitige Vertrauen, dass alle ihre Sache in Verantwortung dem Werk gegenüber gut machen. Weder KomponistInnen noch RegissuerInnen sind die einzigen Künstler am Werk. Musiktheatralische Arbeit ist gemeinschaftliche Arbeit und sollte unter keinerlei Diktat von jedweder Seite stehen, auch nicht von KomponistInnen. Die gegenseitige Achtung ist existentielle Voraussetzung für das Gelingen einer Uraufführung
Das Nationaltheater ist stolz auf ein großes Werk und eine szenisch und musikalisch gelungene Aufführung.
Die Abwesenheit der Komponistin bei der Premiere war schmerzlich, noch schmerzlicher ist, dass jetzt nur noch über ihre Abwesenheit gesprochen wird und nicht über ihr musikalisches Werk.

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Olga Neuwirth
THE OUTCAST, Premiere 25.05.2012
Auftragswerk des Nationaltheater Mannheim
Musikalische Leitung: Johannes Kalitzke
Inszenierung und Bühne: Michael Simon
Kostüme: Zana Bosnjak
Video: Lillevan
Chor: Tilman Michael

THE OUTCAST<br />Premiere 25.05.12<br />© Foto: Christian Kleiner
THE OUTCASTPremiere 25.05.12© Foto: Christian Kleiner

„Johannes Kalitzke am Pult von NTO, Chor und Kinderchor macht seine Sache sehr gut. Das Orchester spielt intensiv, tariert die zwischen zarter Intimität, Anklängen an die Beggar’s Opera und fast popmusikalischer Ästhetik changierende Musik gelungen aus und setzt, etwa mit irisierenden Klangflächen, Spannungshöhepunkte. Melville-Darsteller Skrzypiciel ist exzellent. Sein Englisch: scharf, verständlich. Sein Ausdruck: fulminant. Die Sänger: Trine Wilsberg Lunds Ishmaela (aus „Moby Dick“) klingt prächtig, im Kern substanziell, in den ungewöhnlichen Koloraturbahnen sicher. Steven Scheschareg als Kapitän Ahab überzeugt in Gänze, trifft er doch mit fast Wotan’scher Macht die Nuance zwischen Befehlshaber und sympathischem Seebären, und auch die Knabenpartie Pip ist mit Felix Kober bestens besetzt. Er und Mutter Anke-Christine Kobers Knabenchor meistern die bisweilen atonalen Melodien sehr gut. Großes Kompliment! Bryan Boyce (Stubb) klingt gewohnt obertonreich, und Countertenor Andrew Watts (Queequeg) sowie Tenor Benedikt Nawrath (Starbuck) gelingen ihre verschrobenen Rollenporträts ebenfalls gut. Wenn Georgette Dee als Schreiber Bartleby über die Bühne schwebt, weht ein Hauch Bettleroper durch das NTM. Wunderbar.“   Mannheimer Morgen, 29. Mai 2012
 

„Olga Neuwirths Partitur gebührt volle Anerkennung. Die klug konzipierte Avantgarde-Musik nimmt den Hörer durch seltenen Facettenreichtum und eine kunstfertige kompositorische Handschrift gefangen. Mehrschichtigkeit der musikalischen Vorgänge bei regelmäßiger Überlagerung diverser Ebenen ist prägend für den Stil der österreichischen Tonsetzerin. Was bei ‚The Outcast‘ schon bei der Dramaturgie und den Gattungen beginnt: Oper und Schauspiel, Gesang und Sprache wechseln sich ab und überschneiden sich ständig.“
   „Die maritimen Klangbilder sind allgegenwärtig in Neuwirths Musik mit ihren Wellenbewegungen, dem An- und Abschwellen des Tons, dem düsteren Grollen, den wuchtigen Schlägen im Orchester. Dessen Part wird dabei in fein ausgehörten Übergängen mit elektronischen Klängen kombiniert.“
   „Der mit Männerstimmen besetzten ‚realen‘ Sphäre auf dem Walfangschiff stehen die ‚fantastischen‘ hellen Frequenzen von Ishmaelas hohem Sopran, einem Countertenor, einem Knabensopran und dem Knabenchor gegenüber. Neuwirth jongliert brillant mit Raumklangwirkungen und unterschiedlichen Stilebenen: von Avantgarde-Tönen bis zu Knabenchor-Sätzen.“
   „Unter Johannes Kalitzkes Stabführung erlebte die Partitur eine einleuchtende Wiedergabe. Regisseur Michael Simon, auch für das Bühnenbild zuständig, steuerte eine temporeiche Inszenierung, ein hochtechnisiertes Spektakel mit aparten Bildern bei. Videoprojektionen kommentierten und illustrierten die Handlung, zeigten stürmische und ruhige Meeresbilder. Aufschriften auf Zwischenwänden zitierten Texte aus dem Stück.“   Die Rheinpfalz, 29. Mai 2012


„Olga Neuwirths hoch komplexes, vielschichtiges Musiktheater bezieht alle medialen Möglichkeiten mit ein. Die Trägerin des Heidelberger Künstlerinnenpreises (2008)  und des Großen Österreichischen Staatspreises (2010)  ist darüber hinaus eine besessene musikalische Handwerkerin, die nichts dem Zufall überlässt. Unter der kompetenten Leitung von Johannes Kalitzke garantierte dies eine technisch und musikalisch reibungslos verlaufende Premiere.
Neben den anspruchsvollen Solistenpartien und der reichen Elektronik sind ein viel beanspruchter Männer- und vor allem ein Knabenchor die Hauptakteure dieses Werkes, das so ganz in der Tradition der Meerstücke Benjamin Brittens steht. Tilman Michael sowie Anke-Christine Kober und Francesco Damiani studierten diese Ensembles bestens ein, und so wurden die als Popeyes ausstaffierten großen und kleinen Seeleute (Kostüme: Zana Bosnjak) mit dem stärksten Schlussbeifall bedacht. Die Kinder-Solopartie des Kajütenjungen Pip sang Felix Kober mit hinreißender Selbstsicherheit und sängerischem Können.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 29. Mai 2012

„Olga Neuwirth schafft  mit von Synthesizer und Orchester (Leitung: Johannes Kalitzke) produzierten Klangflächen eine spannungsgeladene Atmosphäre, in der Anton Skrzypiciels Worte Raum gewinnen. Die Österreicherin mischt die akustischen Instrumentalfarben mit den synthetischen so raffiniert, das man deren Ursprung nicht mehr erfassen kann. Der Klangteppich kann wie eine Meeresoberfläche beruhigend wirken oder verstörend, er kann Assoziationen freisetzen, Hoffnung entstehen lassen und Ängste schüren. Olga Neuwirths Musik ist hell und metallisch.“   Badische Zeitung, 30.5.12

 
„Neuwirths kompositorische Qualitäten bewahrheiten sich in der Balance aus relativer Einheit des Gesamteindrucks und aufgefächertem Personalstil, nicht auf eine längst fiktive Avantgarde-Homogenität fixiert. Schon die Kino-Affinität hat ihr Ohr geweitet für Jazz- und Rock-Momente; nicht zuletzt die elektronische Sample-Technik sorgt für heterogene Materialien wie Blickwinkel. Da kann sie Wellenbewegungen evozieren, mit absinkender Chromatik den Untergang, über Lautsprecher Raumklang gewinnen und mit mikrotonalen Streicherwelten Irrealität erzeugen. Der Komponist und Dirigent Johannes Kalitzke holte aus dem Mannheimer Hausorchester – keinem Spezial-Ensemble für neue Musik – eine Fülle differenzierter, intensiver Klangereignisse hervor: musikalisch eine herausragende Produktion.“   Frankfurter Allgemeine, 30.5.12

 
„Es wurde schließlich auch gesungen: besonders schön von Trine Wilsberg Lund, die als Ishmaela – so heißt Melvilles Ich-Erzähler Ishmael bei Frau Neuwirth – mit einem berückenden, glasklaren Sopran aufwartete. Außerdem beeindruckte die Selbstverständlichkeit, mit der Felix Kober als Kajütenjunge seinen Knabensopran einsetzte.
Neuwirth hatte einen aufwendigen Apparat aufgeboten. Neben der Komposition für Solisten, Orchester, Chor, Knabenchor und Statisterie hatte sie auch noch elektronische Zuspiele verfertigt und eingesetzt. Dass diese Musik so klar, so präzise und so überzeugend beim Publikum ankam, lag vor allem an Johannes Kalitzke, dem Dirigenten des Abends, der völlig souverän im Orchestergraben agierte und nebenbei noch Zeit fand, beruhigend auf den Knabenchor einzuwirken.“   Die Welt, 1.6.12

 
„Neuwirths durch elektronische Zuspielungen angereicherte Musik gleicht einem ozeanischen Strom vom schönen und schrecklichen Brausen des Meeres.“   Darmstädter Echo, 5.6.12

 
„Für die Vielschichtigkeit der literarischen Bezüge ist Zana Bosnjak zuständig, die dem popeyehaft aufgeplusterten Männerchor und dem in gleicher Größe besetzten Knabenchor freche Pullover stricken ließ und die Figuren in signalgrelle Kostüme steckt.“
 
„Vom ersten Rauschen des Meeres bis zur Begegnung der Überlebenden Ishmaela mit dem alten Melville, dem der Librettist Barry Gifford berührende Zeilen geschrieben hat, lässt Olga Neuwirth den Hörer nicht los. Wie in einem Thriller zieht sie die Drehungen der Schraube sachte an. Dabei geben diese Seebilder, die an die ‚Sea Interludes‘ aus ‚Peter Grimes‘ von Benjamin Britten denken lassen, nicht als illusionistische Klangkulisse durch. Die explodierenden Schreie des Schlagwerks, die obsessiven Orchesterflächen und in großen Wellen fließenden Streicher, die Zutaten von Tamburin, Tomtom, Akkordeon, Triangel, die crescendierenden Orgelpunkte und der Einsatz von E-Gitarre und Synthesizer ergeben orchestrale Sturmszenen (Dirigent: Johannes Kalitzke) von suggestiver Wucht.
Dazu die vokalen Kostbarkeiten der sich gegenüberstehenden Knaben- und Männerchöre, das psalmodierende Singen bei der Predigt von Father Mapple (Peter Pearce), die baritonale Dezenz des Ahab (Steven Scheschareg), die wellenden Koloraturhöhen der Ishmaela (Trine Wilsberg Lund) im Duett mit dem countertenoralen Queequeg (Andrew Watts) und die virtuos verschränkten Ensembles. Alles in allem eine gnadenlos wuchtige und lyrisch schmelzende Musik, die in der Dichte der Handlungsstränge als Plädoyer für Old Melvilles Wunsch steht, ‚What I want is absolute freedom, complete autonomy für [!] my art‘.“    Badische neueste Nachrichten, 6.6.12

 
„Deklamiert zu den sanfteren oder heftigeren Wellen der Orchesterinstrumente wird in nordamerikanischem Englisch, in dem im Übrigen auch gesungen wird: mit elegisch-vorzüglichem Sopran von Trine Wilsberg Lund, recht anrührend von einem eigens gegründeten Knabenchor. Dem quirligen Rudel zehn- bis zwölfjähriger Jungs, die sich immer wieder zu einer an ein Schiff erinnernden Formation sammelten, war die Aufregung einer ersten Premiere ein wenig anzumerken.
Doch machten
sie ihre Sache im Sinn der theatralischen Wirkung wirklich gut.“   neue musikzeitung, Juni 2012

 

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Festlicher Operabend 12.05.2012
Gaetano Donizetti
L’elisir d’amore (Der Liebestrank)
Mit Olga Peretyatko (Adina), Dmitry Korchak (Nemorino)
und Carlo Esquivel (Dulcamara)
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

Festlicher Operabend <br />12.05.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel
Festlicher Operabend 12.05.2012© Foto: Hans Jörg Michel

[…] Das Orchester greift einerseits zu knalligen Farben, tröstet andererseits die verwirrten Liebesleute mit tief empfundenen Streicheleinheiten und erzählt eindringlich, dass der Kummer des verlachten, betrogenen Nemorino sehr ernst zu nehmen ist. Dmitry Korchak bringt darstellerisch einen armen und naiven Schlucker auf die Bühne; sein jugendliches, etwas angerautes Timbre und seine leicht ansprechende Höhe decken sich jederzeit mit der Partie. Beeindruckende Sopranstimme Olga Peretyatko bleibt der wetterwendischen Adina keine Nuance schuldig. Spielfreudig und sprunghaft, wie diese reiche Dame eben ist, durchläuft die Stimme hochnäsige oder reuevolle Phasen und findet immer elastische Übergänge, die Aufschluss über den beträchtlichen Umfang des schlanken Soprans geben.[…] Ein Sonderapplaus wünscht Mannheims Generalmusikdirektor Dan Ettinger gute Besserung, der trotz schlimmen Infekts die Vorstellung grandios durchsteht.    (Mannheimer Morgen, 14. Mai 2012)
 
 […] Korchak fügte sich perfekt in das harmlos besonnte Bühnenbiedermeier der Inszenierung von Andrea Schwalbach ein und gab den liebenswert barmenden Liebhaber und glücklichen Narren, der am Ende die zickende Schöne gewinnt, wozu die Aufsteigerin Olga Peretyatko angereist war. Es war eine glückliche Wahl. Der in Petersburg geborene hohe Sopran weiß, wie man sich vorteilhaft auf der Bühne bewegt. Olga Peretyatko singt auch noch gut, ist kontrolliert bis in die Fingerspitzen, verfügt über eine stahlharte Höhe, liefert tadellose Koloraturen ab und versteht es, die wechselnden Seelenzustände der Adina in preziöser Feinarbeit aufzudröseln.
Es war ein Abend der knapp über Dreißigjährigen, also der noch jungen Sänger, eingeschlossen den nicht angekündigten Überraschungsgast Carlos Esquivel vom Stadttheater Bern. Er ist ein fast balsamisch singender Bariton, der den Quacksalber Dulcamara in sehr sympathische Zonen schubste und sich als geradezu prädestiniert für die Bellini-Donizetti-Rossini-Schiene erwies. Fast unvorstellbar, dass dieser mit beachtlichem Potential aufwartende Sänger schon als Fasolt im „Rheingold” auf der Bühne gestanden hat. […]    (Die Rheinpfalz, 15. Mai 2012)

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Opernwelt, Mai 2012
Wagners Die Walküre in der Regie von Achim Freyer im Vergleich mit der Bayrischen Staatsoper

Die Fachzeitschrift Opernwelt hat sich in ihrer Mai-Ausgabe umfassend der Inszenierung der Walküre am Nationaltheater Mannheim in der Regie von Achim Freyer gewidmet und einen Vergleich mit Andreas Kriegenburgs Inszenierung an der Bayrischen Staatsoper vollzogen, „zwischen der Welten liegen“, so die Zeitschrift.
Für Freyer schließe die Zeitlosigkeit von Wagners Welt als mythische Vorstufe unseres Seins jegliche Aktualisierung und Psychologisierung aus. Er setze den Anfang vom Ende voraus, aber nicht als utopische Dimension, sondern als Zurückerinnern in die Zukunft. Freyers Naivität sei hoch reflektiert und dialektisch verfremdet. Sie fasziniere. In Mannheime erlebe man abgründiges Zeichentheater.
Achim Freyer hat wie in Das Rheingold auch in Die Walküre als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner sowie Lichtgestalter agiert. Dies gebe der Fantasiewelt visionäre Geschlossenheit. Das Spiel, das Achim Freyer anstößt, verlange hellwache Zuschauer. „Dies ist kein Ring für Kultur-Touristen, sondern einer für Fortgeschrittene“, heißt es in der Fachzeitschrift.
Musikalisch habe Die Walküre unter der musikalischen Leitung von Dan Ettinger einen schlanken Klang. Ettinger schlage vor allem im ersten Akt langsame Tempi an und setze im Verlauf auf drängende Dramatik. Ettinger verstehe, selbst poetisch herausgehobenen Details (wie die warmen Farben von Celli oder Holzbläsern) in musikalische Zusammenhänge einzubetten.
Das Nationaltheater Mannheim kann den Ring, der 2013 im Zyklus gezeigt wird, weitgehend aus dem eigenen Ensemble besetzen. Dies zahle sich insbesondere bei den blendend aufeinander abgestimmten Walküren aus. Von den Solopartien wurde insbesondere Heike Wessel hervorgehoben, „die mit ihrem umjubelten Sieglinde-Debüt zugleich einen gelungenen Wechsel vom Mezzo- ins jugendlich-dramatische Sopranfach vollzog“.
 

BITTE VORMERKEN:
27. Mai um 17.00 Uhr, Opernhaus Die Walküre
2. Juni, 19.30 Uhr, Opernhaus Das Rheingold
1. Dezember 2012, Opernhaus Premiere Siegfried
22. März 2013, Opernhaus Premiere Götterdämmerung

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Liedermatinee 29.04.2012
MARIE-BELLE SANDIS
Klavierbegleitung
HÉLÈNE LUCAS

mit Liedern von Georges Bizet, Henri Duparc und Claude Debussy

Die Mezzosopranistin Marie-Belle Sandis gibt eine starke Beziehung zu den Texten von Baudelaire zu erkennen und zu Debussys Vertonungen, die auf klangliche wie auf sprachliche Reize bauen. [...] Das Publikum bekommt die Möglichkeit zu studieren, wie respektvoll französische Komponisten der Dichtkunst und insbesondere ihrer Sprache begegnen. Als Französin zeigt auch die Interpretin tiefe Ehrfurcht. ; [...] So kann diese Stimme die Leichtigkeit der Lieder von Bizet erfassen, das Hoffnungslose bei Henri Duparc oder die heitere Melancholie des Claude Debussy, der Tod und Leben wie enge Verwandte zum Klingen bringt. Sein Lied „Der Tod der Liebenden" wird als Zugabe wiederholt. Die Pianistin Hélène Lucas wächst weit über die Rolle der Begleiterin hinaus und beteiligt das Klavier im Sinne der Komponisten an der intensiven Textdeutung.    (Mannheimer Morgen, 3. Mai 2012)

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Robert Lopez / Jeff Marx
Avenue Q, Premiere 19.04.2012
Musikalische Leitung: Christiaans Crans
Inszenierung: Dominik Flaschka
Bühne: Simone Baumberger
Kostüme: Kathrin Kündig
Puppen: Rick Lyon
Choreografie: JoNAThan Huor

Avenue Q<br />Premiere 19.04.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Avenue QPremiere 19.04.2012© Foto: Hans Jörg Michel

In Zusammenarbeit mit dem Theater St. Gallen und BB Promotion

Es ist ein Musical über Lebensträume, Selbstbestimmung und Integration.    (Wiesbadener Kurier, 21.4.12)
 

Was haben die „Muppet Show“ und „Avenue Q“ gemeinsam? Den Ideenreichtum, die Überraschungsmomente, die treuherzigen Zwischentöne – und das vor allem: die höchst professionell erzeugte Magie der Komik mit kabarettistischem Einschlag.    (Mannheimer Morgen, 21.4.12)
 

Dieser Solitär vom Broadway hat das Zeug zum Publikumsmagneten. Solch ein Stimmungsmacher lockt Besucher über die Theaterschwelle, die sonst um die Oper einen großen Bogen machen.    (Mannheimer Morgen, 21.4.12)
 

Wie sie ihre Puppen beleben – grandios. Sie können wirklich alles: Stimmen verfremden, perfekt tanzen, wunderbar singen in allen Lagen.    (Die Rheinpfalz, 21.4.12)
 

Die Schauspieler verschmelzen quasi mit den Puppen zu einem umwerfenden Gesamteindruck. In dieser Form hat es das noch nie gegeben.    (Wormser Zeitung, 23.4.12)
 

Frivol, frech, fröhlich fies, fürchterlich komisch, ein Musical, das man zum Pflichtprogramm für evangelikale Republikaner, politisch überkorrekte Liberale, vertrocknete Gleichstellungsbeauftragte, angstgesteuerte Klemmschwestern sowie alle machen möchte, die die Jugend hinter sich und das Erwachsensein noch vor sich haben.    (www.opernnetz.de, 21.4.12)
 

Die doppelten Akteure. Die mit ihrer Verdopplung umzugehen wissen, als seien sie gelernte Bauchredner. Körper und Puppe verschmelzen zu einer Haltung und Bewegung.    (www.opernnetz.de, 21.4.12)
 

Eine Co-Produktion mit dem Theater St. Gallen, die für jeden Musicalfan im Allgemeinen, Freunde des Anstoßes und des moderat Anstößigen im Besonderen ein Muss ist.    (www.opernnetz.de, 21.4.12)

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Richard Wagner
Parsifal, Premiere 14.04.1957
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Hans Schlüter
Bühne: Paul Walter
Kostüme: Gerda Schulte
Chor: Tilman Michael

Parsifal<br />Premiere 14.04.1957<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
ParsifalPremiere 14.04.1957© Foto: Hans Jörg Michel

MUSIKTHEATER: Wie jedes Jahr ging am Karfreitag im NTM Wagners „Parsifal“ über die Bühne – zum 125. Mal
Viel Begeisterung im Opernmuseum
Von unserem Redaktionsmitglied Stefan M. Dettlinger

Am Ende dieses alljährlichen Abends im Mannheimer Opernmuseum mit "Parsifal" herrscht Karfreitagsbegeisterung. Malerisch, modern, multimedial ging Wagners monumentales Bühnenweihfestspiel erneut über die Bühne, und das Phänomen des 1957 von Hans Schüler erdachten Abends bleibt bestehen: Obwohl man der Produktion ansieht, dass sie aus längst vergangenen - Neubayreuther - Zeiten stammt, behält sie in ihrer reduzierten und aufs Wichtigste konzentrierten Form einen modernen und irgendwie auch aktuellen Touch.

Es war ein alles in allem guter Abend. Orchester und Tilman Michaels Chor unter dem Ersten Kapellmeister Alois Seidlmeier spielten fast unfallfrei auf und schufen mit beseeltem Nachdruck große Spannungen für die langen Phrasen des Werks, dessen klangliche Schwierigkeit ja gerade auch in der Langsamkeit und Länge besteht. Auch Gäste hatte man eingeladen. Nicht Istvan Kovácsházi übernahm die Titelpartie, sondern Torsten Kerl, ein Bochumer Rudolf-Steiner-Schüler, der sich international mit schweren Tenorpartien einen Namen gemacht hat und mit seinen Kräften klug haushielt. Wohl deshalb ließ er sein typisches und angenehmes Heldentenortimbre erst im dritten Aufzug so richtig schimmern, wenn er von Klingsors untergegangenem Zauberschloss als Erlöser in den heiligen Wald zurückkehrt. Davor klang er etwas eng, nasal und, ja, gedimmt. Alles in allem aber ein ordentlicher Abend für ihn.
Elena Zhidkova von der Deutschen Oper Berlin hingegen begeisterte weit mehr. Ihre Kundry hatte einfach alles: Leid, Verführung und am Ende Demut. All dies verkörperte Zhidkova mit einer ausdrucksvollen Tiefe, einer sensationell abgerundeten und kultiviert geführten Mittellage und sicheren Spitzentönen. Es geht aber noch besser und überzeugender: Frank van Hoves präzise artikulierter Gurnemanz oder Thomas Jesatkos changierend charakterisierter Dämon Klingsor trugen zu einem beglückenden Opernabend genauso bei wie Thomas Beraus mächtig leidender Amfortas, Martina Bohinecs Altsolo oder die verführerischen Blumenmädchen (Ivanova, Ptassek, Möller, Kupke, Göres, Sandis).
Freilich ist das immer wieder schön. Schülers "Parsifal" lockte nun zum 125. Mal Mannheim und die Welt ins ausverkaufte Opernhaus. Ein Fest für Aug und Ohr. Aber dass diese Inszenierung lebendig bleibt, ist auch ein Verdienst des Publikums, das ungebrochen begeistert ist - alle Jahre wieder. Zehn Minuten lang.
© Mannheimer Morgen, Dienstag, 10.04.2012

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Richard Wagner
Die Walküre, Premiere A 25.03.12, B 01.04.12
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung, Bühne, Kostüme: Achim Freyer

Die Walküre<br />Premiere A 25.03.12<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Die WalkürePremiere A 25.03.12© Foto: Hans Jörg Michel

[…] Freyer erzählt die Kernhandlung präzise und seziert die Konflikte messerscharf. Zugleich reichert er das Geschehen mit Rückblenden, Symbole, Vorausblicke an. Gespielt wird hauptsächlich auf der Drehbühne, die Personen, diverse Objekte oder sogar lebende Hunde heranzoomt und wieder entfernt. Auf Raum füllende Video sieht man Sterne, aber es gibt auch ganz kurze Filmclips, die zum Rheingold zurückführen oder die unmittelbare Vorgeschichte der Walküre zeigen. Alles scheint hier mit allem in Verbindung zu stehen und die Konstellationen der Figuren werden mal ins Kosmische, mal auch ins Kosmische erweitert. […]
[…]Sämtliche Kostüme sind, wie immer bei Freyer, aufwändig gestaltet und stilisiert, die Personenregie arbeitet mit Gesten und Bewegungen, die an asiatische Theaterformen erinnern. Es gibt kaum Sichtkontakt, Hände und Arme werden energisch-energetisch geführt. Alles in allem ist dieser Abend ein Theaterwunder….[…]
[…] Am Pult stand Dan Ettinger, […]. Man hört einen schroffen, aggressiven Wagner mit extremen Blechausbrüchen und jubelnden Streichern – ein interessanter Kontrast zur Szene.   (NMZ online, 30. März 2012)

Star des abends ist eindeutig Karsten Mewes, der als Wotan nicht nur über eine herausragende Präsenz verfügt, sondern auch klug gestaltet, vor allem die beiden großen Dialoge des zweiten Akts, und dabei mit sehr guter Textverständlichkeit und sprachlicher Prägnanz begeistert, …   (Stuttgarter Zeitung, 28. März 2012)

[…] Heike Wessels als Sieglinde gleichermaßen wie die Fricka von Edna Prochnik, ein doppeltes Rollendebüt, gebühren die Palme des Abends, schwer zu entscheiden, wer besser gefiel. Beide mir kultivierter voll tönender Stimme und wunderbarer Linienführung, ohne n der Höhe jegliche Anstrengung hören zulassen; perfektes opernglück mit Rückenschauern. […] Herrlich die Brünnhilde von Judith Nemeth und Manfred Hemm als Hunding im bunten Fuchskostüm, allesamt große Wagnerstimmen allerfeinster Klasse.   (Online Musik Magazin, 30. März 2012)

Die Walküren schleudern ihr Hojotoho mit gespenstischer Frauenpower über den Orchestergraben. In großer Form ist Heike Wessels, die ein beachtliches Rollendebüt als Sieglinde abliefert und auch in den exponierten Passagen ihren kultivierten Gesangsstil beibehält. Judith Nemeth überzeugt als durchschlagende Brünnhilde, Edna Prochnik als klug gestaltete Fricka. Karsten Mewes singt die Partie des Wotan mit schönem, strömenden Bassbariton, Manfred Hemm zeichnet den Hunding mit schwarzer Basskälte.“   (Badisches Tageblatt, 27. März 2012)

Ebenso wichtig wie die Klarheit des Augenblicks ist Freyer die freie Sicht aufs Ganze. Das stets Durcheinanderwirbeln der Figuren und Erzählstränge, die vielen Assoziationsnebenwege, all dies folgt einem stringenten Erzählduktus nicht nur innerhalb der einzelnen Ringteile, sondern über den jeweiligen Abend hinweg vom Rheingold-Vorspiel bis zum bitteren ende des brennenden Walhall. Das ist allerdings nicht ganz so einfach zu machen, dafür müssten entgegen der Originalpartitur einige Figuren des Rgheingold wieder auftauchen. Freyer unterläuft dieses Problem mit einm Augenzwinkern, indem er etwa Loge als rauchenden Geist in die Szenerie der Walküre spazieren lässt.   (Süddeutsche Zeitung, 29. März 2012)

…Freyer verweigert sich auch in Die Walküre dem konventionellen Erzähl- und Handlungstheater. Das Erzählen überlässt er einem guten Freund: Richard Wagner. […] Schon Wagner doppelt sich in Wort und Ton. Und Freyer schafft dieser Doppelung noch Spiegelbilder: Was so entsteht ist  ein Kosmos in dem sich Motive, Figuren und Fragestellungen wie in einer auf die Final-Katastrophe zusteuernden Spirale drehen. Faktisch: alles schwebt bunt beleuchtet über der Szenerie.  […] Eine schillernde Galaxie virulenter Ring-Materie.
[…] Freyer schafft die Zeit ab und führt eine Simultanität der Ereignisse ein, so etwas wie Paralleluniversen. Die Götterdämmerung hat auf der Drehbühne also längst begonnen.
… so wird man mit Freyer an die Substanz des Werkes vordringen und aus der repetitiven Zeitlupenhaftigkeit eine ungeheure Kraft ziehen, die der Verkümmerung des musikalischen Wahrnehmungsvermögens entgegenwirkt und Ohren öffnet für das, was GMD Dan Ettinger mit dem NT-Orchester im Graben anstellt: klare Artikulation, kammermusikalisches Ausdünnen, (meist) sängerfreundliches Abdimmen des Klangs.   (Mannheimer Morgen, 27. März 2012)

Ettinger ging gelegentlich bis an die Grenzen dessen, was Sänger leisten können, und auch das Nationaltheaterorchester wurde sehr gefordert. Es war detailliert einstudiert worden, klanglich präzise ausbalanciert und dynamisch bis ins feinste geschliffen.   (Rhein-Neckar-Zeitung, 27. März 2012)


B Premiere 01.04.12

Der Abend widerlegte die Premiere nicht. Achim Freyers "Diktatur der Bilder" wirkt beim Wiedersehen eher stärker als schwächer - das magisch Virulente daran, nämlich dass Freyer in fantastischen Bühnenansichten so etwas wie die Omnipräsenz aller bislang verhandelten "Ring"-Themen schafft, könnte als Gegenentwurf zum Stuttgarter "Jahrhundert-Ring" begriffen werden; in Klaus Zeheleins Wurf hatte kein Teil inszenatorisch etwas mit dem anderen zu tun - bei Freyer ist es exakt das Gegenteil.

Ein ganz anderer Wotan

Die Umbesetzung: Thomas Jesatko, der ja erst Ende Mai in die Partie hätte einsteigen sollen und nicht ideal vorbereitet war, präsentierte einen ganz anderen Wotan als Mewes. Weniger dämonisch, kernig und glitzernd, dafür menschlicher, stimmlich variabel und sehr expressiv. Die meisten Bravi erhielt am Ende aber erneut Heike Wessels für ihre Sieglinde. Nicht zu Unrecht wurde lange heftig applaudiert.    (Mannheimer Morgen, 3. April 2012)

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Pietro Mascagni / Ruggero Leoncavallo
Cavalleria rusticana / I Pagliacci
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
FOA, 23.02.2012
Mit: Maria Guleghina (Santuzza), Stuart Neill (Canio) und
Marina Ivanova (Nedda)

Cavalleria rusticana / I Pagliacci<br />FOA, 23.02.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Cavalleria rusticana / I PagliacciFOA, 23.02.2012© Foto: Hans Jörg Michel

Für die erkrankte Waltraud Meier hätte das Nationaltheater beim "Festlichen Opernabend" am Sonntag keinen besseren Ersatz finden können. Die berühmte Sopranistin - längst Gast auf allen großen Bühnen der Welt - lässt das Publikum jede Facette des Unglücks der Hauptrolle aus Pietro Mascagnis "Cavalleria rusticana" spüren.[…] Dabei schöpft sie alle dynamischen Möglichkeiten aus: Mitreißend und ohne jede Spur der Forcierung erschüttert ihr Forte den Saal, und selbst das zarte Piano überstrahlt scheinbar mühelos das von Alois Seidlmeier dirigierte Orchester.
[..]
Mit der Partie des Canio hat er nicht nur als grandioser Sänger mit einer profunden, farbenprächtigen Mittellage und atemberaubender Höhe einen imposanten Auftritt: Selbst im lächerlichen Bajazzo-Kostüm - weiß mit bauschigen Bommeln (Inszenierung: Roland Velte, szenische Leitung der Wiederaufnahme: Claudia Plaßwich) - macht der versierte Schauspieler den wütenden Hass seiner Figur beängstigend plastisch deutlich. Seine Nedda ist mit Marina Ivanova glänzend besetzt. Die wandlungsfähige Sopranistin singt und spielt ihre Partie mit enormer Hingabe gleichermaßen kokett, höhnisch, dramatisch und humorvoll. Ihr zur Seite steht Liebhaber Silvio, dessen schmeichelndes Werben Thomas Berau mit den vielfältigen Möglichkeiten einer äußerst beweglichen Baritonstimme veranschaulicht. Hingegen besticht Jorge Lagunes durch dunkle Färbung des tölpelhaften Tonios, während Benedikt Nawrath (Beppo) mit glasklarer Höhe brilliert. Einmal mehr präsentierte das Nationaltheater große italienische Oper auf höchstem Niveau.   (Mannheimer Morgen, 28. Februar 2012)

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Giuseppe Verdi
Messa da Requiem, Premiere 24.02.2012
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Chor: Tilman Michael
Mit: Ludmilla Slepneva. Edna Prochnik, István Kovácsházi
und Sung-Heon Ha

Messa da Requiem<br />Premiere 24.02.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Messa da RequiemPremiere 24.02.2012© Foto: Hans Jörg Michel

Die Produktion hatte Generalmusikdirektor Dan Ettinger zur Chefsache erklärt (für „Stiffelio” war sein Stellvertreter Alois Seidlmeier vorgesehen) und bestätigte am Pult eindrucksvoll seine außergewöhnlichen dirigentischen Fähigkeiten. So stand Intensität der Klangrede diesmal vom ersten bis zum letzten Ton groß geschrieben, die Wiedergabe im Zeichen einer kontinuierlichen Spannungslinie und zwingender atmosphärischer Dichte. Mit erschütterndem Nachdruck wurden die gewaltigen Tonvisionen des jüngsten Gerichts und das Drama des Menschen nachvollzogen, sein niedergeschlagenes Flehen, seine Ängste und Zweifel angesichts des Todes. Zudem setzte Ettinger mit raffinierten Farbtupfern die erlesenen Feinheiten von Verdis Instrumentierung um und erzielte Momente entrückter Schönheit durch hauchzarte Zwischentöne. So nahm den Zuhörer gleich der Anfang im zaghaft flüsternden Piano der Streicher und des Chors gefangen. Nicht zu vergessen die vielen plastischen Details der Phrasierung, die fein ausgehörten Übergänge, Ettingers ausladende Melodiebögen und sensible Lyrismen.    (Die Rheinpfalz, 27. Februar  2012)


Einerseits suggeriert der Abend Bilder aus Verdis Kirchen-, Tempel- oder Gebetsszenen, die seelische und gesellschaftliche Spannungen sichtbar machen. Andererseits ist die Aufführung ein Zeugnis großer Konzentration und innerer Geschlossenheit. Vom meditierenden Beginn bis zu den blitzenden Eruptionen findet Generalmusikdirektor Ettinger das rechte Maß, um dem Ernst und der Beklommenheit einer Totenmesse gerecht zu werden. [...]
Und der überwältigenden, feinfühligen Tragödin Ludmila Slepneva bleibt es danach überlassen, den Schlussgesang des Requiems mit tief empfundener Glaubensnot zu erfüllen. Auf diese Leidensszene des "Libera me" richtet Dan Ettinger offenbar seine Interpretation aus.Der von Tilman Michael vorbereitete Chor hält sich weit entfernt von schwergewichtiger Opernlast und reagiert wie das farbenreiche Orchester höchst flexibel auf die formbewusste Gestaltung des Dirigenten. Die Rossini-leichte Heiterkeit bekommt die Bedeutung einer kurzen Episode, in der Ettinger kurz die Zügel lockert. Ansonsten überwacht er hilfreich und beharrlich die Akzente eines jeden Auf- oder Abschwungs und eines jeden heiklen Übergangs zwischen den extremen Dynamik-Kontrasten.    (Mannheimer Morgen, 27. Februar 2012)

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Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 9 d-moll op.125
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

Neujahrskonzert 01.01.2012
Solisten: Ludmila Slepneva, Edna Prochnik, Jürgen Müller, Thomas Berau

Konzert am 02.02.2012
Solisten: Cornelia Ptassek, Edna Prochnik, Endrik Wottrich, Karsten Mewes


Bei seinem  Neujahrskonzert hat das Mannheimer Nationaltheater ein abendländisches Kulturmonument präsentiert: Beethovens neunte Sinfonie. Adel verpflichtet! Das Konzert wurde zur Chefsache erklärt, und unter Generalmusikdirektor Dan Ettingers impulsiver Leitung kam eine dem Werk adäquate, im voll besetzten Opernhaus umjubelte Aufführung zustande. [..]
Die Wiedergabe der Beethovenschen Neunten im Mannheimer  Neujahrskonzert überzeugte durch ihre überlegen disponierte, groß angelegte sinfonische Linie. Vom ersten bis zum letzten Takt spielte das Nationaltheater-Orchester angespannt, kompakt, mit entschlossenem Zugriff und in keinem Augenblick nachlassender Konzentration. Intensität der Klangrede war durchweg groß geschrieben. Mit explosivem Nachdruck wurden die großen Verdichtungen und erregenden Steigerungen des ersten Satzes nachvollzogen, und durch geballte sinfonische Klanggewalt nahmen die monumentalen Höhepunkte die Zuhörer gefangen   (Die Rheinpfalz, 3. Januar 2012)

Nun zünden die geschärften Akzente, strömt die Energie aus überwölbenden Bindungen, setzt Dan Ettinger harte Zäsuren und entfacht ein drängendes Legato. Es wird großartig musiziert. Die Holzbläser! Aber auch alle anderen Mitglieder des Orchesters steuern mehr als Hochachtbares bei, wenn es gilt, nach den vielen Anläufen, Umleitungen und Klangstaus endlich dort anzukommen, wohin der Verkündigungsmodus der Ergriffenheit Beethovens von Anfang an will: auf die Gipfel wuchtiger Erhabenheit im Finale.
Für diese hymnischen Höhenflüge ist der prächtig singende Chor des Nationaltheaters zuständig, ergänzt durch ein überaus bemerkenswertes Solisten-Quartett (Ludmila Slepneva, Edna Prochnik, Jürgen Müller und Thomas Berau).   (Mannheimer Morgen, 3. Januar 2012)

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FOA, 29.01.2012
Rossini / Verdi Gala
Mit Franco Vassallo
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier

Rossini / Verdi Gala<br />FOA, 29.01.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel
Rossini / Verdi GalaFOA, 29.01.2012© Foto: Hans Jörg Michel

Rhythmisches Klatschen, Standing Ovations: Auf den stürmischen Beifall im Opernhaus des Nationaltheaters antwortet der kurzfristig für seinen erkrankten Kollegen Leo Nucci eingesprungene Franco Vassallo sichtlich gerührt mit zwei Zugaben, darunter eine hinreißend gesungene Arie aus "Andrea Chénier" von Umberto Giordano. Hier, am Ende eines in vielerlei Hinsicht beglückenden Festlichen Opernabends, scheint er nochmals zu bündeln, womit er bereits zuvor das Publikum mehrfach zu heftigem Applaus angeregt hatte.
Eine Begeisterung, die offenkundig auch das Orchester und sein Dirigent teilten. Jedenfalls zeigte es sich unter der Leitung Alois Seidlmeiers von seiner besten Seite: Pointiert und hochempfindsam in der Begleitung, phrasierungsreich, genau, virtuos und klangbewusst in den Ouvertüren von Rossini und Verdi. Glänzend aufgelegt inszenierte das Orchester immer wieder brillante Wechselspiele zwischen Bläsern und Streichern, wenn es galt, das Dramatische oder beklemmend Unheimliche mancher Stimmungsbilder farbig zu beschwören.    (Mannheimer Morgen, 31. Januar 2012)

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Johann Christian Bach
AMADIS DES GAULES, WA 03.01.2012
Inszenierung: Nicolas Brieger
Musikalische Leitung: Michael Cook

Antje Bitterlich bewältigte die Koloraturen der 1. Coryphèe mit exzellenter Leichtigkeit, und der Chor (Leitung: Tilman Michael) verdient uneingeschränkte Bewunderung. Den hohen Anforderungen an seinen präzisen Klangsinn, seine darstellerische Beweglichkeit wird er ebenso bravourös gerecht wie dem erfolgreichen Bemühen, die eigene Ausdrucksdichte zu einem Zentrum der Aufführung werden zu lassen.    (Mannheimer Morgen, 5. Januar 2012)
 
Bei so einer kurzweiligen Inszenierung fehlt nur noch eine hochkarätige musikalische Umsetzung, um den Abend perfekt zu machen. Und auch in diesem Punkt werden die Erwartungen des Publikums in keiner Hinsicht enttäuscht. Das Orchester des Nationaltheaters Mannheim zaubert unter der Leitung von Michael Cool einen stets akkuraten Klang aus dem Graben, der in den sinfonischen Passagen und den Chorszenen stark an Glucks Reformopern erinnert, in den dramatischen Arien bereits Mozarts Königin der Nacht vorwegnimmt. Großes Lob gebührt in diesem Zusammenhang auch dem Chor, der unter der Leitung von   Tilmann Michael durch Homogenität und Durchschlagskraft begeistert.   (Online Musik Magazin, 5. Januar 2012)

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FOA, 16.12.2011
Turandot
Mit Lise Lindstrom (Turandot), Walter Fraccaro (Calaf)
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier

Turandot<br />FOA, 16.12.2011<br />© Foto: Christina Limbourg
TurandotFOA, 16.12.2011© Foto: Christina Limbourg

Die Mannheimer Inszenierung von Regula Gerber ist ein spannendes und bildhaftes Spektakel. Jedes Detail wird stets richtig inszeniert und bildlich wunderbar dargestellt. Auch der Chor, der immer wieder den Blutrausch des Volkes interpretiert und dabei die wunderschönen Lieder sang, hatte bei Regula Gerber einen hohen Stellenwert. Hierzu war zu bewundern, welches Talent und Können der Chorleiter Tilman Michael aus seinen Schützlingen hervorzauberte. [..]
[..] Bis dato hatte der Chor und Walter Fraccaro als Calaf das Publikum in absoluter Begeisterung gesungen. Lise Lindstrom spielte und sang Turandot in einer herausragenden Qualität. Solch eine geniale Partie sieht und hört man selten. Umso schöner, in einer perfekt ausbalancierten Inszenierung mit der richtigen Mischung der Akteure am Nationaltheater Mannheim genießen zu können. Das Finale der Oper war ein echter Augen- und Ohrenschmaus für jeden Opern- und Konzertliebhaber. Was da Franco Alfano aus der Oper von Puccini geschaffen hat, ist allererste Sahne.  (Delta News, 16.12.11)

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Gaetano Donizetti
Lucia di Lammermoor, Premiere A 09.12.11
in Kooperation mit dem Theater Dortmund
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung: Christian Pade

Lucia di Lammermoor<br />Premiere A 09.12.11<br />© Foto: Hans Jörg Michel
Lucia di LammermoorPremiere A 09.12.11© Foto: Hans Jörg Michel

... Jedenfalls hatte man sich Christina Rümann gesichert, die bei der Premiere dieser Produktion in Dortmund bereits gefeiert wurde - völlig zurecht, wie sie jetzt auch in Mannheim bewies. Ihre von einer Glasharmonika begleitete Wahnsinnsszene ist stimmlich wie darstellerisch ein Glücksfall - wie auch die musikalische Leitung durch Joseph Trafton (und der von Tilman Michael vorbereitete Chor). Trafton erweist sich als Schatzsucher in der Donizetti-Partitur und entdeckt dabei Details und Farben, die man bei aller Begeisterung für die Belcanto-Schönheit manchmal völlig überhört. Fast jede Arie bekommt dabei ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter.    Die Rheinpfalz, 12. Dezember 2011

Und was dann geschieht, ist überaus betörend. Christina Rümann singt zum Glasharmonikaspiel von Sascha Reckert jene Arie, die als Wahnsinnsarie in die Geschichte des Belcantogesangs eingegangen ist. Rümann, [..], entwickelt virtuose Lyrismen, phrasiert himmlisch und lässt in den warmen Höhen der Koloraturen keine Wünsche offen. Gemeinhin hört man diese Arie von Flöte begleitet. Die Version mit Glasharmonika ist wesentlich nebulöser und unpräziser, aber in dieser Unschärfe kommt der ganze Wahnsinn Lucias noch um so vieles deutlicher heraus, dass man sich keine andere Version mehr wünscht. [..] Chor und Orchester, die erstmals unter dem neuen jungen Kapellmeister Joseph Trafton durchaus feinsinnig und farbenreich spielen, müssen den Abend mit den Sängern gestalten und tun dies beachtlich gut koordiniert und bisweilen sogar packend; zumal die für die erkrankte A- und B-Besetzung Bitterlich/Kupke aus Dortmund eingesprungene "Lucia" Christina Rümann und Jorge Lagunes als ihr Bruder Enrico einen exzellenten Sängerabend bescheren.    Mannheimer Morgen, 12. Dezember 2011

Eine starke Leitung ist dem klangvoll sonor singenden Chor des Nationaltheaters ( Tilman Michael) zu bescheinigen. Unter Leitung von Kapellmeister Joseph Trafton musiziert das Mannheimer Nationaltheaterorchester mit Schwung und Biegsamkeit, Brio und sattem Melos.    Rhein Neckar Zeitung, 12. Dezember 2011


Lucia di Lammermoor Kritik zur Aufführung am 14.12.11
Beginnen wir mit dem Dirigenten Joseph Trafton, der im Orchestergraben für zügige Abläufe und eloquente Begleitung sorgte und loben wir den wach auf italienisch-romantischen Pfaden wandelten, von Tilman Michael wie immer auf den Punkt einstudierten Chor. [..] David Lee ist es hoch anzurechnen, dass er aus der von Donizetti recht stiefmütterlich behandelten Tenor-Partie des im Brautbett gemeuchelten Arturo Bucklaw einen Typen aus Fleisch und Blut machte. Und dass der ellenlange Sung-Heon Ha seinen profunden Bass zielsicher einsetzt und aus dem Erzieher Raimondo eine treffliche Charakterstudie macht, hatte man ja auch schon geahnt.   Die Rheinpfalz 17. Dezember


Lucia die Lammermoor Kritik zur Aufführung am 30.12.11
Es war dies nicht einmal die reguläre B-Premiere der am Nationaltheater Mannheim neu inszenierten "Lucia di Lammermoor", sondern vielmehr die  erste mit rein Mannheimer Besetzung - einer ziemlich idealen übrigens. Die sängerischen Leistungen waren an diesem Abend so hervorragend, dass ein Abglanz des Publikumsjubels sogar (im Falle des Erscheinens) auf das Regieteam gefallen wäre, das ja bekanntlich bei der A-Premiere so schmählich ignoriert worden war.
[..] der "italienischer Held" Michail Agafonov verkörperte den unseligen Grafen von Ravenswood mit solcher Emphase und selbst in der heiklen Chromatik des Finales ("bell'alma innamorata") mit solch edlem Timbre, dass die Bravo-Rufe kein Ende nahmen.
Außerordentlich auch die Leistungen der beiden Neuzugänge im Ensemble. Jorge Lagunes' kerniger Heldenbariton und seine Bühnenpräsenz machen ihn zu einer Idealbesetzung für den finsteren Enrico. Sung-Heon Ha war ein bassgewaltiger Pater Raimondo von alttestamentarischem Format. Einwandfrei die Besetzung der Nebenrollen.   Mannheimer Morgen, 2. Januar 2012

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Camille Saint-Saens
Samson et Dalila (Oper konzertant), Premiere 06.11.11
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Chor: Tilman Michael

Samson et Dalila (Oper konzertant)<br />Premiere 06.11.11<br />© Foto: Christian Kleiner
Samson et Dalila (Oper konzertant)Premiere 06.11.11© Foto: Christian Kleiner

Das Nationaltheater-Orchester unter Leitung von Alois Seidlmeier brachte Arabiens Düfte, die sinnlichen Orientalismen und verführerischen Tänze bezaubern zum Klingen. Entwarf dabei narkotisierende Farben in den weich intonierenden Holzbläsern, und nicht selten wurde dies im Tutti-Schwung hoch gesteigert zu orgiastisch schäumenden Tänzen wie im 4. Bild. Frisch und dynamisch musizierte das Orchester, ließ die Partitur in klarer Schönheit zu einnehmender Wirkung kommen. […]
… Für die Partie der Dalila hat man am Nationaltheater eine Sängerin, die diese Figur mit jeder Faser ihres Gefühls zu verkörpern weiß. Die Mezzosopranistin Heike Wessels hat ein ungewöhnlich schönes Organ, das ihre Darstellung zum Ereignis werden ließ. Warm und farbenreich, mit dunklem Samt in der Stimme ließ sie ihre schmiegsame Lyrik schönste Verführungskunst gewinnen.  Dabei gestaltete sie facettenreich, vom weich Geschwungenen bis zu großer dramatischer Glut. […]
… Eine große Leistung ist auch dem Chor und Extrachor des Nationaltheaters (Einstudierung: Tilman Michael) zu bescheinigen, der konturenstark und mit großer Stahlkraft sang.[..] Zusammen entwickelte der Chor eine große Dynamik und Schlagkraft, gipfelnd in mitreißenden orgiastischen Gesängen im Schlussakt.   Rhein Neckar Zeitung,  10. November 2011

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Richard Wagner
Das Rheingold, Premiere A 28.10.11
Inszenierung, Kostüme, Bühnenbild: Achim Freyer
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

Das Rheingold<br />Premiere A 28.10.11<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Das RheingoldPremiere A 28.10.11© Foto: Hans Jörg Michel

In den stärksten Momenten ereignet sich reine, berührende Theaterpoesie, der auch der Generalmusikdirektor Dan Ettinger mit seinem feinem und ebenso sängerfreundlichen wie sanglichen Dirigat zuarbeitet. Dan Ettinger dirigiert zurückhaltend und sehr klar. Vor allem Jürgen Müller (Loge), Karsten Mewes (Alberich) , Uwe Eikötter (Mime) und – […] – Thomas Jesatko als Wotan danken es ihm durch sehr gute sängerische Präsenz.   Stuttgarter Nachrichten, 2. November 2011

[…] Denn Freyer zaubert. Und er verzaubert - eine Kunst, die leider immer weniger Opernregisseuren eigen ist. Auf erstaunliche Weise kommt seine Ad-hoc-Produktion dabei einem Plan Wagners nahe, der ursprünglich von einem bloß temporären Festspielhaus am Ufer des deutschen Urstroms geträumt hatte; das wäre dann nach dem ersten „Ring“-Durchlauf in Flammen aufgegangen.[..]
Gleichwohl ist schon jetzt erkennbar: Freyer setzt auf eine vieldeutige, teils surreale, teils symbolisch überhöhte Bildersprache, die nicht in erster Linie eine Interpretation der Tetralogie im Fahrwasser des Regisseurtheaters verfolgt; sondern vielmehr deren unmittelbare, optisch überwältigende Realisation als genuines Spektakel und theatrum mundi.
[…]Namentlich der Wotan des leichtstimmigen, aber vorbildlich textnah gestaltenden Thomas Jesatko, die Erda von Simone Schröder und der unheimliche, weil doppelgesichtige Alberich von Karsten Mewes stehen für die hohe Qualität des Ensembles, das weitgehend ohne Gastsänger auskommt. Auch Jürgen Müller setzt als fünfarmiger, ununterbrochen phallische Zigarren schmauchender Feuergottprotz Loge schauspielerisch wie gesangliche Akzente.   FAZ, 31. Oktober 2011

Die Bildsprache des Malers, Regisseurs und – Philosophen – ist mächtig und originell genug, um erneut zu faszinieren. Und surreal. Natürlich entspricht Freyers Kunstauffassung, dieses vielleicht komplexeste Bühnenwerk aller Zeiten aus der Perspektive des Mythos zu begreifen. Aber ebenso gehört die gesellschaftspolitische – epische – Dimension zum Theater des Brecht- Schülers. Der Anspielungsreichtum seiner Mannheimer „Rheingold“ – Inszenierung, die so manche Grundstruktur der Bilderwelt an der Los Angeles Opera reflektiert oder zitiert, wäre Stoff für ganze Exegesen.  […] Langweilig dürfte es nicht werden. Denn Freyer ist ein Poet auf der Bühne. Wie er den Gegensatz zwischen hohler, skulpturaler Götterwelt und dem clownesken, viel menschlicheren und damit auch zynischeren Halbgott Loge (bemerkenswert in Diktion und Gestaltung: Jürgen Müller) konstruiert, wie er ganze Batterien von Scheinwerfern wie Kriegsgerät zu Donners Gewitter – Show auffahren lässt, verrät den großen Künstler.   Badische Zeitung, 2. November 2011

Thomas Jesatko gab mit hellem, gut fokussiertem und geradlinig geführtem Heldenbariton einen eindringlichen Wotan. Karsten Mewes brachte prägnantes Baritonmaterial für den Alberich mit. Als Loge wartete Jürgen Müller mit imposantem Tenor auf. Wunderbar ließ Simone Schröder als Erda ihren profunden, tiefgründigen Alt dahinfließen.
Der Star des Abends war eindeutig GMD Dan Ettinger, der das bestens disponierte Orchester in an Furtwängler gemahnenden erhabenen Breiten mit großer Vehemenz durch den Abend leitete. Sein beeindruckendes Dirigat zeichnete sich durch ein Höchstmaß an Dramatik und Ausdrucksintensität aus.    Allgemeine Zeitung Mainz, 31. Oktober 2011

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Liederabend mit Maximilian Schmitt
“Die schöne Müllerin“
Klavierbegleitung: Gerold Huber
10.10.2011

Die schöne Müllerin<br />Liederabend mit Maximilian Schmitt<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Die schöne Müllerin© Foto: Hans Jörg Michel

Denn seit Fritz Wunderlich war hierzulande, zumindest im Tenorfach, kein Sänger zu hören, dem all dies in solcher Fülle zu Gebote steht: die schiere Schönheit des perfekt geführten lyrischen Tenors, die glänzende Artikulation selbst im raschen Parlando, die Empfindungstiefe bei den Gratwanderungen zwischen jubelnder Emphase und tiefer Verzweiflung.
 
Maximilian Schmitt verfügt auch über die rare Gabe, die Naivität, die Naturliebe des jungen Müllerburschen ohne Sentimentalität darzustellen und dennoch die Verzweiflung des Verlassenen glaubhaft zu machen - am ergreifendsten wohl in "Trockne Blumen". Ein Glücksfall auch die künstlerische Symbiose mit dem wunderbaren Pianisten Gerold Huber, der zur internationalen Gilde großer Liedgestalter zählt und nicht nur die surrenden Räder und die rieselnden Bächlein sondern auch die tiefsten Emotionen sinnfällig macht. Für den enthusiastischen Applaus dankten die Künstler mit Franz Schuberts "Leise flehen meine Lieder".   Mannheimer Morgen, 12.10.2011

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