Pressestimmen Oper Spielzeit 2012/2013


Benjamin Britten
THE TURN OF THE SCREW, Premiere A, 12.07.2013
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung: Frank Hilbrich
Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Gabriele Rupprecht

THE TURN OF THE SCREW, Premiere A, 12.07.2013<br />
THE TURN OF THE SCREW, Premiere A, 12.07.2013

„In ‚The Turn of the Screw‘ kommt alles zusammen, was Britten an einem Opernstoff interessiert, was er von ihm fordert. Und Regisseur Hilbrich, ebenfalls Ring-gestählt, taucht tief ein in diese bis zum Ende immer undurchsichtigere Geschichte von Gegenwart und Vergangenheit, von Erwachsenenwelt und Kinderreich, von Führung und Verführung. Er spürt psychologische Linien auf, lässt sich dabei auch von der komplexen, teilweise auch wieder provokant-plakativen Musik leiten.“   (Die Süddeutsche, 15. Juli 2013)
 
„Hilbrich hält sich aus allem heraus, indem er alle Möglichkeiten in den 16 Szenen aufzeigt, und er tut dies hochvirtuos und äußerst ästhetisch mit einem Trick: Auf der vertikal viergeteilten Bühne zeigt er in vier psychologischen Räumen eine Koexistenz berechtigter Deutungen.“
 „Trotzdem entsteht ein musikalisch packender Abend. Dank Astrid Kessler, die aus der Gouvernante eine aufgeräumte Erscheinung macht, unter deren hübsch-attraktiver Hülle (Kostüme: Gabriele Rupprecht) das Grauen der Fantasie sein Unwesen treibt. Kesslers Stimme ist prädestiniert für die Partie: Ihr gelingt besonders in schimmernder Höhe die Gratwanderung zwischen allzu bestimmtem Ton und einer gewissen beseelten Zerbrechlichkeit, die die Labilität der Figur ausdrückt.
Und dann sind da die beiden Kinder: Jonatan Schuchardts Miles ist nicht weniger als sensationell. Seine Spielfreude, sein unschuldiger und sicherer Knabensopran sind so beeindruckend wie sein Tanzen und Imitieren des langen Klavierintermezzos. Seine Schwester Antonia steht dem in nichts nach. Sie bewegt sich elegant und souverän und singt schlicht – wunderschön. […]
Wer diesen gefeierten Abend erlebt, wird Britten danach anders sehen – und hören.“   (Mannheimer Morgen, 15. Juli 2013)
 
„Brittens Musik pendelt zwischen zauberhaften Stimmungen, bukolisch Entspanntem und Burleskem, wendet sich später ins gespannt Geisterhafte, in unheimliche Traumgespinste. Unter der Leitung von Joseph Trafton musiziert das Mannheimer Nationaltheaterorchester in Kammermusikbesetzung durchweg delikat, zeichnet aparte Stimmungen. Agile Holzbläser und Schlagzeuger, solistische Streicher und Harfe verbanden sich zu lichten, klangschönen Geweben.
Fabelhafte Leistungen erlebte man auch von sämtlichen Darstellern. Astrid Kessler sang die Gouvernante intensiv mit klarem Sopran. Kinderstimmen liebte Britten als engelhaft reine Farbe und beste Wahl war es, die zwei Kinder original zu besetzen: Jonatan Schuchardt sang den Knaben Miles und Antonia Schuchardt die Flora: beide mit wunderbarer Klarheit in den schwierigen Intervallen und mit trefflicher Spiellust ausgestattet. Uwe Eikötter als untoter Quint ließ sehnsüchtige Koloraturen ausschwingen, Marie-Belle Sandis gab mit klangvoll glühendem Mezzo die Haushälterin, Iris Kupke war Miss Jessel.“   (Rhein-Neckar-Zeitung, 15. Juli 2013)
 
 „Ein künstlerischer Volltreffer, sowohl von der Stückwahl als auch der Aufführungsqualität her. […]
Unter Joseph Traftons umsichtiger Stabführung spielten die Musiker des Nationaltheater-Orchesters konzentriert, sehr gepflegt und differenziert. Kammermusikalischer Feinschliff wurde durchweg groß geschrieben, auch expressiver Nachdruck, wenn es darauf ankam. Bei der szenischen Einrichtung der verrätselten Vorlage wartete Frank Hilbrich mit einem überaus klugen Kunstgriff auf. […]
Das Ergebnis jedenfalls war fesselndes, bewegendes, brillant inszeniertes Musik-Theater. Dazu leisteten auch die Akteure ihren wertvollen Beitrag: Astrid Kessler mit klangvollen Soprantönen und gestalterischer Intensität; Uwe Eikötter (Prolog und Quint) mit stilsicher geführtem Tenor; Marie-Belle Sandis (Mrs. Grose) mit zwingender sängerisch-darstellerischer Präsenz und Iris Kupke mit einwandfreier Gesanglinie. Ein begeistertes Sonderlob für ihre bravouröse Leitung gebührt schließlich den beiden Kinderdarstellern Jonatan und Antonia Schuchardt.“   (Die Rheinpfalz, 15. Juli 2013)
 

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FOA 23.06.2013
Giuseppe Verdi
OTELLO
mit Krassimira Stoyonova und Giovanni Meoni

Giuseppe Verdi<br />OTELLO<br />
Giuseppe VerdiOTELLO

- im Anschluss erhält Krassimira Stoyanova den Preis der Deutschen Schallplattenkritik für ihre CD „Slavic Opera Arias“ -

Große Stimmen, große Emotionen, großer Abend

Ein würdiger Abgesang der "Festlichen Opernabende" im Verdi-Jahr: ein von Dan Ettinger am Pult unter Hochspannung gehaltener "Otello". Sturm- und Feuerchor mit den von Tilman Michael perfekt vorbereiteten Chormassen bestimmen den furiosen Auftakt, bis mit dem spektakulären "Esultate"-Auftritt des siegreichen zypriotischen Statthalters Otello die großen Stimmen die Macht übernehmen. Roy Cornelius Smith ist ein urgewaltiger Otello, der von Leidenschaft, Jähzorn und Mordgelüsten bis zum Wahnsinn gepeinigt wird. Seine Ausbrüche und Spitzentöne beschallen schier den Luisenpark; Mezzavoce, gar Piano ist seine Sache nicht, käme aber einem differenzierteren Rollenbild doch sehr zugute.

Giovanni Meoni als Gast sang mit flexiblem Bariton einen Jago, der im aufrührerischen Trinklied, der infamen Traumerzählung und dem entlarvenden Credo keinen Hehl aus seinen bösen Absichten machte. Ein aalglatter Schuft, dem gleichwohl eine Prise Dämonie fehlte. Die Erfüllung aller Wünsche war hingegen die Desdemona der Krassimira Stoyanova. Die anmutige Bulgarin hat sich das Prädikat "Anti-Diva" dadurch verdient, dass sie den bunten Blättern keine Nahrung bietet, obwohl sie an allen großen Häusern Triumphe feiert. In Mannheim sang sie eine anrührende, stolze und innige Desdemona. Ihr Timbre ist betörend, ihr substanzreiches Pianissimo ("Lied von der Weide", "Ave Maria") ist unendlich schön.

Die dem Mannheimer Opernensemble angehörenden Mitstreiter Emilia (Katrin Wagner) und Cassio (Juhan Tralla), die Vertreter der Nebenrollen und die Statisterie machen durchweg gute Figur und fühlen sich in Chris Alexanders sehenswerter Inszenierung aus dem Jahr 1997 spürbar zu Hause. Das Nationaltheaterorchester und GMD Dan Ettinger bewiesen in jedem Takt, dass auch dieser Jahresjubilar zu ihrer Kernkompetenz zählt. Trompetenstaccati wie gestochen, herrliche Soli (Englischhorn, Cello), dramatische Ausbrüche und berückende Streicher-Pianos im letzten Akt - ein großer Abend!

Inmitten des herzlichen Schlussbeifalls übergab Matthias Hutzel an Krassimira Stoyanova den Preis der Deutschen Schallplattenkritik für ihre CD "Slavic Opera Arias". Das zitierte Urteil der Jury "wunderbares Timbre, perfekte Technik und unbestechliches Stilgefühl" bekräftigten die Zuhörer mit wahren Ovationen.
Mannheimer Morgen, 20.06.2013, WB

„Eine umjubelte Aufführung von Verdis „Otello“ hat die festlichen Opernabende dieser Saison am Mannheimer Nationaltheater beschlossen. Als Galagäste traten Krassimira Stoyanova und Giovanni Meoni, beide zur internationalen Sängerelite gehörend, in den Rollen der Desdemona und des Jago auf. Star des Abends war Krassimira Stoyanova. Sie verkörperte die Figur der Desdemona mit uneingeschränkter Hingabe. […]Nur in den seltensten Fällen ist Desdemonas Lied von der Weide und Ave Maria so beseelt und anrührend zu hören wie dieses Mal. Stoyanovas Herztöne, delikate Farbvaleurs, tieftraurige Akzentuierungen und ihre erlesene Pianissimo-Kultur standen im Zeichen großer Gesangs- und Vortragskunst. Optimale, einfühlsame Unterstützung fand sie dabei durch Dan Ettinger und das Nationaltheater-Orchester. […]“
Die Rheinpfalz, 27. Juni 2013

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FOA 20.05.2013
Pjotr Iljitsch Tschaikowski
EUGEN ONEGIN
mit Bo Skovhus und Pavol Breslik

„Recht unterschiedlich kann man die Titelfigur in Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ anlegen. […] In der Mannheimer Inszenierung von Regula Gerber am Nationaltheater indes gab ihm Bo Skovhus als prominenter Gast beim Festlichen Opernabend deutlich mefistofelische Züge. Mit wohlgetöntem, schmiegsamem Bariton brachte der dänische Starsänger reichlich dunkle Facetten in die Partie: ein dämonischer Jon Duan, insistierend und elegant. Feine, beseelte Lyrik und wunderbare Höhensicherheit gab Pavol Breslik dem Lenski , legte seine Partie im Übrigen sehr kämpferisch aggressiv an. Dritter in der Runde der Gäste war John In Eichen, der einen expressiven, wohlgetönten, sonor gepflegten Fürst Gremin sang. Und auch das hauseigene Ensemble präsentierte sich in festlicher Verfassung. Ira Bertman fesselte mit einer bedingungslos emotionalen Darstellung der Tatjana, mit glühendem Gesang, wunderschön leuchtenden Kantilenen, denen sie ebenso viel Geschmeidigkeit wie reiche Farbe und Intensität gab. […]“   (Rhein-Neckar-Zeitung, 25. Mai 2013)
 

„So lieben die Mannheimer ihre "Festlichen Opernabende", wenn die eingeflogenen Rollenvertreter halten, was ihre 'großen Namen' versprechen. Beim festlichen "Eugen Onegin" am Nationaltheater waren mit Bo Skovhus und Pavol Breslik für die männlichen Hauptrollen zwei Protagonisten angeheuert, die keine Wünsche offen ließen. […]Das Publikum […] feierte ausgiebig die illustren Gäste und Ira Bertman, auch die anrührende Amme der Emma Sarkisyan, und mit besonderer Herzlichkeit Chor und Orchester.“
(Mannheimer Morgen, 25. Mai 2013)

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Mieczyslaw Weinberg
DER IDIOT (UA), Premiere B 16.05.2013

„Das war ein ganz großer, in jeder Beziehung mitreißender Opernabend: Die posthume Uraufführung von Mieczyslaw Weinbergs bereits in den Jahren 1986/87 entstandener und auf einem Libretto von Alexander Medwedjew beruhender letzter Oper „Der Idiot“ am Nationaltheater Mannheim geriet zu einem sensationellen Erfolg für alle Beteiligte. […] Der Dirigent [Thomas Sanderling], der Weinberg noch persönlich gekannt hat, lotete das Werk mit größtmöglicher Emphase und Ausdrucksintensität aus, wobei er den etwas härteren Klängen dasselbe Gewicht beimaß wie schwelgerisch-emotionalen und auch recht melancholischen Passagen. Rhythmische Ausgefeiltheit und Transparenz waren weitere Grundpfeiler seiner sehr authentischen Interpretation. Sanderling ging an diesem gelungenen Abend voll in seiner Aufgabe auf und schuf für hoffentlich kommende Nachaufführungen an anderen Häusern einen musikalischen Standard, der nur schwer zu überbieten sein dürfte. […]

Fazit zum Schluss: Eine sensationelle, geradezu preisverdächtige neue Oper, die sich die Bezeichnung „Uraufführung des Jahres“ mehr als verdient hätte und deren Besuch dringendst empfohlen wird. Die Fahrt nach Mannheim lohnt sich!“   (Der Opernfreund, 19. Mai 2013)
 

„Fast befreiend, daß für ein so großes Werk in der Inszenierung (Regula Gerber) einmal die ganze Bühnenbreite und -tiefe des Theaters genutzt wird (Bb Stefan Mayer). […]Video-Projektionen und im Rücken der Szene sich öffnende Portale schaffen zusätzlich Atmosphäre. Die sehr elegantanten, teils ingeniösen Kostüme stammen von Falk Bauer.

In Kurzrollen reussieren Robert Schwarts/Messerschleifer, Katharina Göres/Warwa, Helga Arnold/Iwolgina, Gunter Möckel/Iwolgin, Tamara Banjesevic und Diana Matthess/ Alexandra und Adelaida Jepantschina. Ihre Mutter Prokofjewna wird von Elzbieta Ardam mit großem durchdringend akzentuiertem Mezzosopran gegeben. Ihr Mann Iwan, Alexander Vassiliev, ist ein echter russischer Baß mit prägnanter szenischer Präsenz. Uwe Eikötter steigert sich in die undurchsichtig gangsterhafte Rolle des Ganja mit seinem starken Tenor mit brachialer Kraft hinein. Lukjan Lebedjew schafft sich als eine Art Chronist und Botengänger ein gewisses Renomee, und Lars Möller macht in ihr mit einem schön diskursiven Bariton auf sich aufmerksam. Den Tozkij gibt mit markantem Baßbariton Bryan Boyce. Mit interessantem, gut geführtem Stimmmaterial singt Steven Scheschareg den zwischen Genie und Wahnsinn changierenden Baßbariton Parfjon Rogoschins. Und mit ganz edlem, immer bestens disponiertem lyrischem Tenor mit dramatischen Anklängen gestaltet Dimitry Golovnin die souveräne Zentralgestalt des ‘Idioten’ Myschkin. Seine Frauen wären einmal Cornelia Ptassek /Aglaja Jepantschina mit ihrem so klar markierendem und schönstimmig fließemdem Sopran (Weinberg hat sie mit einer edlen Leitlinie bedacht), und Ludmila Slepneva, eine wirklich russisch anmutende, ganz jung wirkende dunkle Schönheit, die mit ihrem runden volumenreichen Stimmklang und teils magischen Aufschwüngen die Figur der Natassja Filippowna ausschmückt. Ein großer daramatischer Verdi-Sopran!“   (Der Neue Merker, Mai 2013)

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Robert Schumann
SZENEN AUS GOETHES FAUST
Konzertante Aufführung, Premiere 15.05.2013
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Chor: Tilman Michael
Kinderchor: Anke-Christina Kober

SZENEN AUS GOETHES FAUST<br />Konzertante Aufführung, Premiere 15.05.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
SZENEN AUS GOETHES FAUSTKonzertante Aufführung, Premiere 15.05.2013© Foto: Hans Jörg Michel

[…]Für kontinuierliche Hochspannung des musikalischen Duktus stand der straff disponierende Joseph Trafton am Pult der Philharmonie Baden-Baden mit zündendem Temperament und ausladend energischer Dirigiergestik ein. Andererseits zeigte sich der junge amerikanische Maestro stets um Differenzierung bemüht, erreichte sensible Farbtönungen und Tonabstufungen und steuerte Höhepunkte mit Nachdruck an.


Im Ensemble glänzte Thomas Berau als Faust: ein hochintelligenter, eminent musikalischer und kultivierter lyrischer Bariton, der durch optimale Klangqualität, vorbildliche Linienführung, stets waches Detailgespür und verfeinertes stilistisches Empfinden begeisterte. Durch ihren klangvollen Sopran, gestalterische Präsenz und Feinschliff nahm Astrid Kessler als Gretchen für sich ein, und mit finsterer, bedrohlich dramatischer Bassgewalt wartete Marko Spehar als Mephisto auf. Einwandfrei das restliche Ensemble, vorzüglich der von Tilman Michael disziplinierte Nationaltheater-Chor und der durch Anne-Christine Kober einstudierte Kinderchor.  (Die Rheinpfalz, 17. Mai 2013)
 

[…] Der Chor von Tilmann Michel lässt förmlich „Hügel schwelgen“, wie es in der „Sonnenaufgangs“-Szene heißt. Er setzt auf Kraft und Masse. Deutlich beweglicher agiert der Kinderchor, was das Verdienst von Anke-Christine Kobers ist.

Im Zentrum aber steht der Faust von Thomas Berau, der aus seinem Part eine Charakterrolle macht. ;mit echter geistiger Durchdringung. „Hohl, gespensterhaft gedämpft“ klingt er in seiner Todesszene, ehe er im Jenseits, wo er nicht mehr Faust ist, endgültig den Ton der Überschau und Weisheit findet. Böse Geister müssen da recht blass bleiben, doch Marko Spehar steuert nicht allein mit unverkennbar mephistophelischer Frisur dagegen. Szabolcs Brickner ist ein schön entflammter Luftgeist Ariel (und später auch Pater Ecstaticus).  […]   (Mannheimer Morgen, 18. Mai 2013)

 
[…]Etwa 80 Sänger bildeten ebenso klangschön wie stimmgewaltig Chor  und Extra-Chor des Nationaltheater Mannheim, die  von Chordirektor Tilman Michael gut einstudiert waren; saubere Einsätze auch im piano sowie hier eine überzeugende Dynamik fielen besonders auf. Aus dem Chor traten als Chorsolisten die Ensemblegruppen hervor, die die Engel, Büßerinnen und den Sonnenaufgang verkörperten. Des Weiteren kam in der zweiten Abteilung noch der Kinderchor hinzu: über  vierzig Jungen und Mädchen waren aufgeboten, die - schön anzusehen – von beiden Seiten vor das Chorpodest schritten. Der von Anke-Christine Kober präparierte Chor (eine Auswahl aus 190 Kinderchoristen – so populär ist dieser Chor in Mannheim!) erzeugte einen ausgewogenen, homogenen Klang bei sauberer Intonation. […]   (Der Opernfreund, 18. Mai 2013)

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Mieczyslaw Weinberg
DER IDIOT (UA), Premiere A 09.05.2013
Musikalische Leitung: Thomas Sanderling
Inszenierung: Regula Gerber
Bühne: Stefan Mayer
Kostüme: Falk Bauer

DER IDIOT (UA)<br />Premiere A 09.05.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DER IDIOT (UA)Premiere A 09.05.2013© Foto: Hans Jörg Michel

Licht: Nicole Berry
Video: Thilo David Heins
Choreografische Mitarbeit: Luches Huddleston Jr.
Dramaturgie: Oliver Binder
Chor: Tilman Michael


Regula Gerber […] entwickelt in der Inszenierung dieses gewaltigen Werks unverkennbar Sympathie für den an Epilepsie leidenden Titelhelden. Dmitry Golovnin singt und spielt ihn bei der Premiere überwältigend. […]
Wie so viele slawische Stimmen ist auch sein Tenor im Kern markant, ein bisschen rau, was gut zu dem gebrochenen Protagonisten passt. Aber er kann auch lyrische Phrasen gestalten, etwa im Liebesduett mit Nastassja. Im dritten und vierten Akt nimmt seine Stimme in Mannheim fast existenzielle Züge an.“


„Entscheidenden Anteil daran, dass diese Oper überhaupt und so erfolgreich auf die Bühne gebracht wurde, hat der Dirigent Thomas Sanderling. Er ist schon seit Jahren ein Verfechter Weinbergs. Dessen musiktheatralische Qualitäten werden vor allem dank Sanderlings genialer Leitung offenkundig. Inspiriert von der ausdrucksstarken, großteils herben Tonsprache Dmitrij Schostakowitschs unterfüttert Weinberg seine Partitur mit einer klugen Leitmotivtechnik und einer ausgefeilten Instrumentierung, um so im Orchesterklang eine Spiegelung der psychologischen Verläufe zu erzielen. Das Orchester des Nationaltheaters realisiert das auf beeindruckend hohem Niveau und trotz Dauer und Anspruch ohne Substanzverlust. Dasselbe gilt für das Bühnenpersonal. Neben der Titelfigur sind es vor allem Ludmila Slepneva als metallisch timbrierte Nastassja und die lyrische Sopranistin Anne-Theresa Møller als ihre Gegenspielerin Aglaja, die aus einem exzellent singenden und spielenden Ensemble herausragen.“


(Stuttgarter Zeitung, 15. Mai 2013)


 


„Die Komposition ist von überwältigender Schönheit und Stringenz, episch und ironisch zugleich, melodiensatt, romantisch, meisterhaft instrumentiert. […] Das Orchester wuchs unter Leitung von Thomas Sanderling weit über sich hinaus. Die Sänger überboten einander an Intensität und Perfektion. Das Publikum saß wie gebannt, knapp vier Stunden lang, denn dieser ‚Idiot‘ hat beinahe Parsifal-Länge, auch der Jubel am Schluss wollte nicht enden.“


„Fürst Myschkin steht als Epileptiker und guter Mensch außerhalb der Gesellschaft. Er wird von Dmitry Golovnin mit einem hellblonden, trompetenstarken Tenor ausgestattet, der etwas Überirdisches hat: als könne diese Stimme, wie der Erlöser selbst, über Wasser wandeln. Die beiden Frauen, die ihn umwerben, liefern sich auch vokal ein Duell der Leidenschaften: Ludmila Slepneva ist eine lupenreine Nastassja, Anne-Theresa Møller eine warm timbrierte, dramatische Aglaja. Auch der Bass des ehrlichen Ganoven Rogoschin ist mit Steven Scheschareg glänzend besetzt, ebenso der intrigante Strippenzieher Lebedjew mit seinem frechen, von Jazzrhythmen angepieksten Loge-Tenor.“


(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Mai 2013)


 


„Regula Gerber, ehemalige NTM-Generalintendantin, hätte kein besseres Comeback als Regisseurin feiern können. Konzentriert erzählt sie die Story um Fürst Myschkin, beißt sich in die Psychologie des Protagonistenfünfecks hinein, und wenn uns diese Uraufführung von Mieczysław Weinbergs ‚Der Idiot‘ zwei Dinge lehrt, dann diese: Lustvoll erzählte Handlung funktioniert auf dem Theater immer noch. Und Weinbergs Werk lohnt die Entdeckung, wartet es doch mit faszinierenden Farben und Kopplungen auf und bietet ein sagenhaftes stilistisches Kompendium. Zehn Minuten frenetischen Beifall gibt es für diesen spannenden Abend um drei Männer und zwei Frauen und die Suche nach einem Ausweg. Ein großer Erfolg.“


„Gerber ändert das Dekor der zehn Szenen schnell und einfach über die sich drehende Bühne und einige Videoprojektionen (Thilo David Heins), die das Geschehen durch Doppelungen psychologisieren. Es entsteht ein fliegender Wechsel der Räume, ein episodisches Im-Nu-Theater von großer Wucht.“


„Ihre [Ludmila Slepnevas] Darstellung: überzeugend zwischen Lasterhaftigkeit und Tugend wankend. Ihr Gesang: warmtimbriert, kultiviert, farbenreich, beseelt, sexy, alles, was man braucht. Mit Myschkin steht ihr ein lyrisch gefärbter Tenor gegenüber. Dmitry Golovnin, der die Partie als Einspringer in vier Wochen (!) lernte, steht das stimmlich wunderbar durch. Sein Tenor glänzt wundersam, klingt lebendig, pulsierend und introvertiert unschuldig. […]
Auch die anderen Sänger sind wunderbar: Anne-Theresa Møllers Aglaja klingt betörend und am Rande des Wahnsinns angriffslustig, Steven Scheschareg verleiht Rogoschin eine substanzvolle Kraft, die hell leuchtet, Uwe Eikötter ist ein zwischen heldischem Strahlen und fiesem Charakterisieren irisierender Ganja, Bryan Boyce ein überzeugender Tozkij und Elzbieta Ardam eine fast überdimensionierte Jepantschina und Cornelia Ptassek eine ebensolche Alexandra. Auch Katharina Göres (Warja) und alle anderen liefern Hervorragendes ab.
Das Orchester sprudelt in solistischen Farben, drängt in großer Emphase oder betört durch sinnliche Kompaktheit – auch dank Thomas Sanderling. Dieser exzellente ‚Idiot‘ empfiehlt sich trotz mancher Länge als ‚Uraufführung des Jahres‘.“


(Mannheimer Morgen, 11. Mai 2013)


 


„Dmitry Golovnin verkörpert stimmlich und darstellerisch einen grandiosen Myschkin, aber er steht mit dieser Leistung nicht alleine. Das Ensemble begeistert durch die Bank, sei es Steven Scheschareg als Rogoschin, Anne-Theresa Møller als Aglaja, Lars Møller als Lebedjew, Elzbieta Ardam als deren Mutter Jelisaweta oder Uwe Eikötter als Ganja. Sie alle garantieren zusammen mit dem Orchester unter Thomas Sanderling einen eindrucksvollen Opernabend für das Nationaltheater.“


(Die Rheinpfalz, 11. Mai 2013)


 


„Eine wirkliche Entdeckung sowie eine höchst erfolgreiche Uraufführung. Die mit Pause vierstündige, tief bewegende und höchst eindrucksvolle Aufführung wurde umjubelt. Mannheim im Glück.“


„Regisseurin Regula Gerber, ehemalige Generalintendantin des Hauses, feiert mit ihrer psychologischen Kammerstudie ein verdientes Comeback auf der Nationaltheater-Bühne.
Im kargen Bühnenbild von Stefan Mayer setzt Gerber ein Karussell der Gefühle in Gang, das sich mit wenig Requisiten, dezenten Projektionen (Video: Thilo David Heins) und fast durchgehenden Drehbewegungen der Bühne wie ein Schraube immer tiefer in die Seelen der Protagonisten windet. Ludmila Slepnevas hoch dramatische Nastassja, Bryan Boyce als Tozkij, Anne-Theresa Møllers Aglaja und Lars Møllers Lebedjew sowie die kleineren Rollen geben dem hier wiederentdeckten Stück die Kontur eines bisher völlig übersehenen Meisterwerks.
Authentisch wird die Aufführung unter der musikalischen Leitung von Thomas Sanderling, der durch seinen Vater früh Kontakt zum Komponisten Weinberg hatte und sich als Dirigent für ihn einsetzte. Weinbergs Partitur klingt unter seiner Leitung präzise differenziert, nie dick, bisweilen kammermusikalisch ziseliert. Viele Instrumentalsolisten – allen voran die Holzbläser – haben wirkungsvolle Aufgaben. Das Nationaltheaterorchester meistert sie bewundernswert.“


(Rhein-Neckar-Zeitung, 11. Mai 2013)

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FOA 20.04.2013
Richard Wagner
Parsifal
mit Evelyn Herlitzius und Stephen Milling
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Hans Schüler
Bühne: Paul Walter
Kostüme: Gerda Schulte
Chor: Tilman Michael

Parsifal<br />FOA 20.04.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
ParsifalFOA 20.04.2013© Foto: Hans Jörg Michel

Mannheimer Morgen, 22.4.13:


„[…] [I]m Festlichen Opernabend kann von Gast-Stars meisterlicher Gesang erwartet werden. Den führt Stephen Milling als weiser Gurnemanz vor, wenn sein strömender, von sonorem Wohllaut getragener Bass keine Wünsche offen lässt.

In der Beifallsskala nahe kommt ihm Evelyn Herlitzius als Kundry, die alle Wandlungen zwischen Sünderin und Dienerin, Hexe und Verführerin mit intensiv geführter, Metall und Innigkeit auslotender Stimme darstellt. Ein sehr guter […] Parsifal ist Haus-Held István Kovácsházi; […] Gralskönig Amfortas ist bei Thomas Berau gut aufgehoben, ebenso Klingsor bei Karsten Mewes und Titurel bei Mihail Mihaylov.

Ensemble und Chor überzeugen, wie auch das Wagner-Orchester des Nationaltheaters. Alois Seidlmeier sorgt aus ruhigem Grundmaß heraus für differenzierte Klangbalance, und ein bisschen Pathos darf auch sein.“

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Jules Massenet
WERTHER mit JONAS KAUFMANN, 13.04.2013
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: David Mouchtar-Samorai

WERTHER mit JONAS KAUFMANN<br />FOA 13.04.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
WERTHER mit JONAS KAUFMANNFOA 13.04.2013© Foto: Hans Jörg Michel

Mannheimer Morgen, 15.4.13:

„Es ist nicht weniger als eine Sternstunde am NTM, denn so, wie Kaufmann den Werther in Mannheim singt, singt ihn derzeit weltweit wohl keiner: farbenprächtig, düster, strahlend, hochemotional, lyrisch, beseelt und mit einer dynamischen Palette, die vom zartesten, fast stimmlosen ‚sotto voce‘ (das bei ihm immer noch trägt) über ein fantastisches An- und Abschwellen im ‚messa di voce‘ bin hin zu hinreißenden dramatischen Spitzen etwa in der herzzerreißenden fis-Moll-Finsternis von ‚Pourquoi me réveiller‘ (Akt III) reicht, wo Kaufmann mühelos und elektrisierend aufs hohe ‚Ais‘ steigt und dort über dem Orchester-Fortissimo thront. […]

Kaufmann ist auch darstellerisch eine Pracht. Wie er sich in die 33. Vorstellung der von 2001 stammenden Inszenierung David Mouchtar-Samorais hineinspielt, wie er die katastrophale Symbiose aus zarten Empfindungen (zu Charlotte), leidenschaftlich-draufgängerischer Zerrüttung und tödlicher Zerstörung darstellt (und dies wohlgemerkt mit wenig Proben), ist sehr eindrucksvoll. […] Was wir hier und heute erleben, mit Massenets Musikalisierung von Goethes bahnbrechendem Briefroman, ist nicht nur Starkult und Götterverehrung. Es ist ganz einfach auch die Lebendigkeit kommunaler Kultur. Wer sieht, wie die Hauskraft Marie-Belle Sandis als Charlotte neben Kaufmann eine tadellose Vorstellung gibt, wer hört, wie sie in der Briefszene mit dem Verlesen des Werther-Briefes ‚le vous écris de ma petite chambre‘ vollkommen in die dunkle Welt von Werthers winterlicher Einsamkeit eintaucht […], der freut sich über die hohe Qualität im NTM-Ensemble und wird spätestens in der Sterbeszene den Tränen nah sein. Daneben klingt auch die Sophie Katharina Göres‘, die das NTM leider verlassen wird, edel. Eine so leichte, vibrierende, virtuose Stimme, die gleichzeitig so viel Anmut hat – schwer zu finden. Auch Thomas Berau (Albert) zeigt die schönsten Facetten seines Baritons: ein weiches, helles Timbre mit lyrischem Zauber, edel schimmernd und kultiviert.“

Die Rheinpfalz, 15.4.13:

„Jonas Kaufmann tut, was man von Weltstars erwartet: perfekt sein, wozu auch die Bühnenpräsenz gehört, das fast luxuriös selbstverständliche Spiel, und das Kreieren eines Typus, den man ihm auch glaubt. Die Stimme ist höchst vorteilhaft baritonal grundiert, hat die nötige (zudem mühelos) strahlende Höhe und ein wunderschönes Timbre, Farben, eine exzellente Technik und die Intelligenz, damit auf die richtige Weise umzugehen. Phänomenal, wie Kaufmann alles aus einem nun wirklich berückenden Piano heraus entwickelt, darin vom zunehmend beteiligten aufspielenden Nationaltheaterorchester unter Leitung von Alois Seidlmeier nicht behindert, sondern unterstützt. […]

Kaufmanns melancholisch verschatteter Werther ist wunderbar, nicht nur sein ‚Pourquoi me réveiller‘ zum Niederknien schön. Es war der Abend jener magischen Augenblicke, in denen einfach ‚alles stimmt‘, Fragen nach dem wie es anders sein könnte gegenstandslos werden und der bei Massenet immer heikle Spagat zwischen Geschmack und aufgeplusterter Emphase auf einmal keiner mehr ist. So und nicht anders kommen romanhaft unglaubhafte Charaktere glaubhaft auf die Bühne. […] Hochstimmung nach den einzelnen Akten, am Ende ein kollektiver Ausbruch, Blitzlichtgewitter und frenetisches Geschrei.“

Der Opernfreund, 14.4.13:

„Aber die Musik, die auf sicherem Abstand zu Kitsch und Süße gehalten wird, ist außerordentlich wirkungsvoll in ihrer Emotionalität und farbenreich durch die Instrumentation. Gerade in diesen beiden Punkten ließ Alois Seidlmeier, in Mannheim der Spezialist für italienische und französische Partituren, mit dem perfekt intonierenden Nationaltheater-Orchester keine Wünsche offen. Mit zarten Holzpassagen, viele auch solistisch dargebracht, romantisierenden Blechklängen in Wagnerscher Misch-Instrumentation und aufwallenden Tutti kam aus dem Graben das ideale Fundament für das emotionale Werk. […]

Hier kann Jonas Kaufmann […] allein schon sprachlich punkten. Unter allen Sängern des Abends klang sein Französisch mit einem Schuss Italianità am authentischsten, was durch seine sprichwörtliche Legato-Kultur begünstigt war. Kaufmanns baritonales Timbre wird durch einen kehligen Eindruck noch verstärkt; phänomenal seine Kraft im unteren und mittleren Bereich und wie seine Stimme auch bei den leisesten und feinsten Tönen anspricht, was gerade bei der Interpretation des Werther zur Perfektion gehört. Seine exzellenten strahlenden Höhen sind notorisch, und an diesem Abend kam dabei auch ein kleiner Schuss Schau dazu. […]

Marie-Belle Sandis buhlte mit der Titelrolle um die schönsten strahlenden Höhen. Aber auch in der Mittellage gefiel klanglich ihr betörender Mezzo. […] Ihren Auftritt im dritten Akt im Duett nach Werthers ‚Pourquoi me réveiller, ô souffle du printemps?‘ wurde zu einem Höhepunkt der Oper. Emotion pur – große Oper! […] Den Vogel schoss Katharina Göres als Sophie ab. Ihr beweglicher silbriger Sopran […] überzeugte ebenso wie ihr mädchenhaftes Auftreten in dieser Rolle und ihr ansprechendes Spiel. Thomas Berau, von ansehnlicher Erscheinung, verkörperte die Rolle des kalten erfolgreichen Albert mit bewährtem Bariton. […] Eine Luxusbesetzung für den Johann war Radu Cojocariu mit seinem geschmeidigen sonoren Bassbariton. […]

Natürlich bekam der Gastsänger das meiste ab, aber auch die Mannheimer Sänger und vor allem das Orchester unter Alois Seidlmeier wurden verdientermaßen gefeiert.“

Der Neue Merker online, 13.4.13:

„Es war frappierend zu erleben, wie Kaufmann sein herrlich timbriertes, heldisch baritonales Material zu zügeln versteht, obertonreiche Piani aus dem Stand in wohlklingende Spitzentöne transponiert, in technisch atemberaubender Selbstverständlichkeit, strahlende Töne wieder ins Piano ausklingen lässt. Kaufmann setzte mit seiner unvergleichlichen Stimme künstlerische Maßstäbe von höchstem Rang und entführte den Hörer in eine andere Welt des Gesangs. Zudem bot der mit viel Legatokultur gesegnete Ausnahme-Tenor eine Kombination aus gesangstechnischer Überlegenheit, vorbildlicher Pianokultur, musikalischer Phrasierung, nuancierter Textbehandlung, in Verbindung der bewegenden  Verkörperung der Rolle.

Kongenial konnte Marie-Belle Sandis mithalten, wohl inspiriert durch den genialen Partner, katapultierte sie ihren expressiven Mezzo in einen stimmlichen Furor von bestürzender Subjektivität, offenbarte zudem eine facettenreiche Charakterisierung der sich im Zwiespalt der Gefühle behafteten Charlotte. Mit verbindlicher Noblesse und reifem Bariton sang Thomas Berau den Albert, jungmädchenhafte Züge schenkte Katharina Göres in Optik und Stimme der Sophie, beweglich entfaltete sich der Kinderchor (Anke-Christine Kober) […].“Mannheimer Morgen, 15.4.13:

 „Es ist nicht weniger als eine Sternstunde am NTM, denn so, wie Kaufmann den Werther in Mannheim singt, singt ihn derzeit weltweit wohl keiner: farbenprächtig, düster, strahlend, hochemotional, lyrisch, beseelt und mit einer dynamischen Palette, die vom zartesten, fast stimmlosen ‚sotto voce‘ (das bei ihm immer noch trägt) über ein fantastisches An- und Abschwellen im ‚messa di voce‘ bin hin zu hinreißenden dramatischen Spitzen etwa in der herzzerreißenden fis-Moll-Finsternis von ‚Pourquoi me réveiller‘ (Akt III) reicht, wo Kaufmann mühelos und elektrisierend aufs hohe ‚Ais‘ steigt und dort über dem Orchester-Fortissimo thront. […]

Kaufmann ist auch darstellerisch eine Pracht. Wie er sich in die 33. Vorstellung der von 2001 stammenden Inszenierung David Mouchtar-Samorais hineinspielt, wie er die katastrophale Symbiose aus zarten Empfindungen (zu Charlotte), leidenschaftlich-draufgängerischer Zerrüttung und tödlicher Zerstörung darstellt (und dies wohlgemerkt mit wenig Proben), ist sehr eindrucksvoll. […] Was wir hier und heute erleben, mit Massenets Musikalisierung von Goethes bahnbrechendem Briefroman, ist nicht nur Starkult und Götterverehrung. Es ist ganz einfach auch die Lebendigkeit kommunaler Kultur. Wer sieht, wie die Hauskraft Marie-Belle Sandis als Charlotte neben Kaufmann eine tadellose Vorstellung gibt, wer hört, wie sie in der Briefszene mit dem Verlesen des Werther-Briefes ‚le vous écris de ma petite chambre‘ vollkommen in die dunkle Welt von Werthers winterlicher Einsamkeit eintaucht […], der freut sich über die hohe Qualität im NTM-Ensemble und wird spätestens in der Sterbeszene den Tränen nah sein. Daneben klingt auch die Sophie Katharina Göres‘, die das NTM leider verlassen wird, edel. Eine so leichte, vibrierende, virtuose Stimme, die gleichzeitig so viel Anmut hat – schwer zu finden. Auch Thomas Berau (Albert) zeigt die schönsten Facetten seines Baritons: ein weiches, helles Timbre mit lyrischem Zauber, edel schimmernd und kultiviert.“

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Richard Wagner
GÖTTERDÄMMERUNG
Premiere A 22.03.2013 und B 01.04.2013
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung/Bühne/Kostüme/Lichtkonzept: Achim Freyer
Konzeptionelle Mitarbeit Regie/Dramaturgie: Tilman Hecker

GÖTTERDÄMMERUNG<br />Premiere A 22.03.2013 und Premiere B 01.04.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
GÖTTERDÄMMERUNGPremiere A 22.03.2013 und Premiere B 01.04.2013© Foto: Hans Jörg Michel

Mitarbeit Regie: Sebastian Bauer
Mitarbeit Bühne und Kostüme: Petra Weikert
Licht: Sebastian Alphons
Chor: Tilman Michael
 


„Achim Freyers überbordend fantasievolle Ansammlung von Zeichen und Symbolen, die Mechanik der Bewegung und das Verschwinden der Gesichter und damit der Mimik hinter den aufgeschminkten oder aufgestülpten Masken geht seine eigenwillige Symbiose mit Wagners mythischer Welt ansonsten vor allem deshalb ein, weil er die dialektische Komplexität der Wotans- und Siegfriedstory und ihre musikalische Leitmotiv-Vernetzung mit der Komplexität seiner Bühnenwelt konfrontiert. Manchmal laufen diese beiden Universen einfach parallel nebeneinander. Da dreht sich die Bühne, da schweben die Symbole, da flimmern die zwischen Reklamewelt und atmosphärischer Weite changierenden Videos in ihrem Eigenleben vor sich hin, während der Graben und die Sänger die Geschichte um Siegfrieds Tod erzählen. Dann aber treffen sie sich glücklich. Wie in dem weiten, schwarzen Spiegelsaal, in dem die Gibichungen ihren Todestanz tanzen. Oder beim Trauermarsch, den Freyer in einem der schönsten Bilder ins Kosmische weitet. Hier stehen sich Siegfried und Brünnhilde Auge in Auge auf der sich drehenden Bühne gegenüber und trauern erstarrt, von Sternen umschwebt – wohl um die verlorene Welt.“ (Die Welt, 30. März 2013)



„Zu dieser musiktheatralen Sternstunde passte Dan Ettingers hervorragendes Dirigat, das durch viel Lautes und auch Grobes einen bewussten Kontrast zur Bühnenkälte darstellte. […] Hervorragend waren Christoph Stephingers Hagen sowie Thomas Jesatkos Alberich sowie die von Tilman Michael einstudierten Chöre. Mit diesem Ring spielt das Nationaltheater Mannheim in der ersten Wagner-Liga […].“ (Die deutsche Bühne, 23. März 2013)



„Hagen, der Abgründige, wird als abgewirtschafteter Zirkusdirektor-Buffo das Geschehen steuern, und Christoph Stephinger, dessen Karriere einst in Bielefeld startete, singt ihn mit runder Bass-Seriosität; das bronzen-glühende Timbre seiner Stimme und die saubere Zeichnung der Phrasen macht ihn zum Sänger-Star des Abends. […]
Nationaltheater-Niveau bieten natürlich der Bayreuth erfahrene Thomas Jesatko als Alberich, Freyer lässt ihn mit Hitlerbärtchen auftreten, und Thomas Berau als Gunther. Ausgezeichnet der dramatische Alt von Edna Prochnik als Waltraute und erste Norn; ihr zur Seite im Unheil-Schwarz die Nornen Andrea Szántó und Iris Kupke; nett anzuschauen die Revuegirls mit Zylinder Katharina Göres, Viola Zimmermann und Andrea Szántó, die als Woglinde, Wellgunde und Floßhilde um den ominösen Ring girren. Der riesige Chor mit Direktor Tilman Michael nimmt die große Klang-Geste von Dan Ettinger überzeugend auf.“ (Opernnetz, 25. März 2013)



„Dass Text und Musik in Freyers Langsamkeitstheater aber intensiv erlebt werden, ist klar. Und das NTO unter GMD Dan Ettinger hat seit ‚Rheingold‘ eine starke Entwicklung hingelegt. Ettinger organisiert und spannt den Bogen der Entfaltung gut. Die Tempoübergänge sind homogen, teils wirkt der Klang entschlackt und straff. Das ist toll. Besonders die Streicher betören (etwa im Zwischenspiel von Aufzug I, Szene 2/3). […]
Sensationell gut ist hingegen die Waltraute (und 2. Norn) Edna Prochniks. Glänzendes Timbre, messerscharfe Diktion, Legato- und Ausdruckskultur. Wagnergesang 1. Güte.
Der Alberich von Thomas Jesatko hat die gewohnte Mixtur aus edlem Kolorit und wunderbar bissiger Diktion, bei der jedes Wort Gewicht hat. Thomas Berau findet genau die Gunther-Farbe zwischen lyrisch und heldisch, und auch Cornelia Ptasseks Gutrune geht daneben in Ordnung. Die große Überraschung: Christoph Stephingers Hagen. Er hat teils Weltklasse-Töne zu bieten, fällt aber immer wieder ab. Mit seiner exzellenten Mittellage, die er im Forte jäh ausfährt, können weder Höhe noch Pianokultur mithalten. Dennoch eindrucksvoll! Und die Nornen? Prochnik, Andrea Szántó und Iris Kupke singen hier ebenso kultiviert wie die Rheintöchter Marina Ivanova, Viola Zimmermann und Szántó. Das NTM-Ensemble also steht gut da – und macht […] Hoffnung auf Mai. Da kommt der ‚Ring‘ erstmals zyklisch.“ (Mannheimer Morgen, 25. März 2013)



„Freyers Zugriff auf Wagners Hauptwerk bleibt ein faszinierend rätselhafter, auch in der ‚Götterdämmerung‘. Während der Regisseur in ‚Siegfried‘ noch eine Geschichte erzählte, kehrt er mit dem Ende der Tetralogie zu den Anfängen des ‚Rheingolds‘ zurück. Aus der Göttermaschine ist eine Menschheitsmaschine geworden. […]
Musikalisch gibt es Momente von großartiger Schönheit: die Chorszene im zweiten, der Trauermarsch im dritten Aufzug beispielsweise gelingen schlichtweg überwältigend. Dan Ettingers Wagner klingt jetzt so, wie man das auch erwartet hat: Großes Kino für die Ohren, Emphase pur […]. Mit mitreißendem Enthusiasmus steuert das Nationaltheaterorchester auf Augenblicke höchster Expressivität zu. Diese werden in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit ausgestellt.“ (Die Rheinpfalz, 25. März 2013)



„Insgesamt war der Wagner-Klang des Nationaltheaterorchesters ausgereift und nuanciert, ein rundes Ganzes von Soli und Tutti, eine bunte Palette aus erdfarbenen Streichern, sternfunkelndem Holz und höllisch-glühendem Blech […].
Hojotoho: Der Mannheimer ‚Ring‘ ist geschmiedet, aber als offene Spirale nach oben, und sein Kultstatus garantiert. Zukunft, wir kommen!“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 25. März 2013, Matthias Roth)



„Wagners ‚Ring‘, den er [Achim Freyer] 2011 mit ‚Rheingold‘ am Nationaltheater Mannheim begonnen hatte und den er nun mit einer fulminanten ‚Götterdämmerung‘ vollendete, ist ein inszenatorisches Großereignis von zeitloser Magie.
Der Opern-Novize Frank Castorf wird sich im Sommer in Bayreuth anstrengen müssen, um ein ähnliches Niveau erreichen zu können. Patrice Chéreau, Götz Friedrich und Harry Kupfer hießen die großen regieführenden ‚Ring‘-Kämpfer der vergangenen Jahrzehnte. Gut möglich, dass man Achim Freyers Namen bald in einem Atemzug mit ihnen nennen wird. Auch Mannheims GMD Dan Ettinger hat sich der Riesenaufgabe mit Bravour gestellt. Durch sein intellektuelles Dirigat klingt das Pathetische poetisch und das Wuchtige weise. Die Wagnerianer kommen in diesem Jahr an Mannheim nicht vorbei.“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 25. März 2013, Volker Oesterreich, Kommentar)



„Freyer ist nach wie vor einer der zeichenwirksamsten und theaterverspieltesten Regisseure. Auch für seinen Mannheimer ‚Ring‘ verfolgt er ein gesamtkunstartiges Konzept aus Licht, Farbenfreude und großflächiger Zeichensprache, aus Figurenzauber und einer Poesie, die gleichzeitig Verfremdung ist und Vertrautheit, unmittelbare Ansprache und maximale Deutungshülle.“ (Süddeutsche Zeitung, 26. März 2013)



„Beeindruckend war Thomas Jesatko als kernig-präsenter Alberich, der stimmlich alle das Fürchten lehrte. Ebenfalls auf Weltklasseniveau Edna Prochnik als sehr differenziert gestaltende Waltraute. Phasenweise galt das auch für Christoph Stephinger, dessen Hagen über eine fulminante Mittellage mit riesiger Farbpalette verfügt.“ (Stuttgarter Zeitung, 26. März 2013)



„Es sind diese kleinen Tricks und Zauberkunststücke, die Achim Freyers ‚Ring‘, vor allem auch dessen letzten Abend, eine fast tänzelnde, beschwingte Leichtigkeit verleihen. Dazu gehört auch, dass sich am Rhein der Hofstaat ständig walzend durch die Szene bewegt, Gunther und Siegfried ihr Blutsbrüderschaft mit roten Fetzelchen bezeugen, die wie lange Schleifen an ihren weißen Gewändern hängen, Siegfried ein Rad und Purzelbaum schlagendes Kerlchen bleibt, Gunther die überwältigte Brünnhilde wie ein aufblasbares Sexspielzeug zur Hochzeit schleppt, während sich die singende Brünnhilde wie eine zweite Person abgespalten hat, und dass es dem fast 80-jährigen und vor Fantasie übersprudelnden Theatermagier nochmals gelingt, Wagners inkommensurable Herausforderung an das Welttheater wie ein hingekritzeltes Spiel erscheinen zu lassen. […]
So wie Freyer souverän mit Spiel und Motiven jongliert, verdichtet auch Dan Ettinger den musikalischen Fluss und zeigte in Siegfrieds Rheinfahrt und im Trauermarsch, aber auch in den dramatischen Szenen des zweiten Aktes, den Freyer wie ein konzertierendes Nebeneinander arrangierte, dass sich das Orchester des Nationaltheaters immer noch auf seine Wagner-Tradition berufen kann.“ (Badische Neueste Nachrichten, 26. März 2013)



„Jedes Feuerwerk muss einmal ein Ende haben. Selbst der explosive Bilderreigen, den der Regisseur Achim Freyer während der vergangenen anderthalb Jahre am Nationaltheater Mannheim abgebrannt hat. Mit der Premiere von ‚Götterdämmerung‘ schloss sich dort jetzt der Bilderkreis – vollendet ist ein ‚Ring‘-Projekt von eigenem Reiz, das fraglos noch für Gesprächsstoff sorgen wird, wenn der Wagner-Wahn des Jubiläumsjahrs 2013 längst abgeklungen ist. Denn Freyer versteht sich auf eine Kunst, die selten geworden ist im heutigen Musiktheater: Er kann zaubern – mit Menschen, mit Maschinen. Wie aus einem großen magischen Zylinder holt Freyer unablässig Poetisches, Skurriles, Bedeutungsvolles aus der Tiefe des Bühnenrundes – Einfälle, die sich verdichten zu immer neuen Bildern, und wir sitzen da, oft mit aufgerissenen Augen wie Kinder im Zirkus, irritiert manchmal auch, dann wieder unwillkürlich lächelnd vor Verwunderung über die höhere Stimmigkeit dieser Zeichenpracht.“ (Frankfurter Allgemeine, 27. März 2013)



„Mit Christoph Stephinger hat Mannheim einen sehr guten Hagen gefunden. Stimmlich wie darstellerisch nahm man ihm sein kontrolliert intrigantes Verhalten ab. Sein Baß war mal schmeichlerisch weich und rund, mal schneidend kühl. Nur selten zeigten einige technische Wackler, wie anspruchsvoll auch diese Partie ist. Thomas Berau (Gunther) und Cornelia Ptassek (Gutrune), besaßen stimmliche Durchschlagskraft, wirkten zeitweise aber etwas blaß. Edna Prochnik (Waltraute) zog den Hörer in den Bann. Sie beherrschte alle Lagen der Partie und konnte so das verzweifelte Flehen der Walküre gut gesanglich und schauspielerisch darstellen. Auch das Mannheimer Orchester unter Dan Ettinger erspielte sich den frenetischen Applaus des Publikums. Gerade der erste Aufzug klang schön transparent und klar, sehr symphonisch traten einzelne Orchestergruppen gegen- und miteinander an. Gut war auch das Zusammenspiel mit den Sängern, die nie übertönt wurden.“ (Operapoint, 2. April 2013)

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Charity Konzert, 08.02.2013
Rotary Club Mannheim-Brücke
MIT SPECIAL GUESTS
Moderation: Thomas Siffling

Charity Konzert<br />08.02.2013<br />© Foto:Hans Jörg Michel
Charity Konzert08.02.2013© Foto:Hans Jörg Michel

„Das gute alte ‚Spiel ohne Grenzen‘ stand offensichtlich Pate, als Jazz-Trompeter Thomas Siffling für seine Freunde vom Rotary Club Mannheim-Brücke den Benefizabend ‚Special Guests I‘ im Mannheimer Nationaltheater (NTM) konzipierte. Auf jeden Fall gibt es im restlos ausverkauften Opernhause serienweise Brückenschläge über musikalische Genregrenzen – und das nicht nur, weil Sifflings hochkarätige Gäste theoretisch alle erdenklichen Stile von Oper, Klassik, Jazz, Soul, Blues, Gospel, Pop und Schlager abdecken. Praktisch flaniert dann jeder Künstler auch noch auf fremden Terrain – besser hätte man das Rotarier-Motto 2013 ‚Integration‘ zu Gunsten der multikulturellen Kinderprojekte Aufwind und Weltsprache Musik nicht auf die Bühne bringen können. […]

Aber schon der Auftritt von Janice Dixon, langjähriges Mitglied des NTM-Opernensembles sowie profilierte Jazz- und Blues-Interpretin, passt per se schon perfekt ins programmatische Profil. Sie interpretiert den Michel-Legrand-Standard ‚The Summer knows‘ zunächst im Stil des großen US-Gala-Entertainments, zeigt dann aber enorme Sensibilität, wenn ihre Stimme sich die Melodie zwar kraftvoll aneignet, sich aber auch warm, fast zärtlich, um sie schmiegt wie ein weicher Wintermantel, den die letzte Zeile nahelegt: ‚It’s time do dress for fall‘ (es ist Zeit, sich herbstlich zu kleiden). Ihr energetisches ‚Stormy Monday‘ kurz vor Schluss gehört zu den Glanzlichtern.

Auch Marc Marshall ist so ein Grenzgänger. Klassisch ausgebildet, rückt ihn allein der Name seines Vaters Tony Marshall in die Nähe des Schlagers – eine Gratwanderung, die er als Teil des Duos Marshall & Alexander höchst erfolgreich gemeistert hat. Mit den Kicks ‚n Sticks im Rücken agiert er bei seiner Belafonte-Hommage ‚A Song For Harry‘ mit opernhafter Intensität […] und enormem Körpereinsatz. Den steigert er noch bei der Eagles-Nummer ‚Take It To The Limit‘, mit der der Baden-Badener den Abend effektvoll beschließt.

Aber davor genießt das sachkundige Publikum noch enorme Virtuosität – zunächst beim eigens für den Klarinettisten Wolfgang Meyer komponierten Duett ‚Two Of A Wooden Kind‘ von Saxofonist Peter Lehel, bei dem das Duo beweist, welche Vielfalt in ihren beiden Holzblasinstrumenten steckt: von mozarteskem Tirilieren, elegantem Schlängeln bis zur Selbstbehauptung im James-Bond-tauglichen Thriller-Soundtrack, den die Big Band entgegensetzt. Viel Applaus.

Noch etwas mehr erhalten die NTM Protagonisten: zunächst Vorzeigesopranistin Cornelia Ptassek im schwarzen Flamenco-Kleid, die beim Brecht/Weill-Stück ‚Nanna’s Lied‘ auch Sprechgesangqualitäten demonstriert – begleitet wird sie auch bei ‚Youkali‘ vom Thomas Duis am Flügel, der den an der Hand verletzten GMD Dan Ettinger kongenial vertritt. Die erste Hälfte beenden sechs Tänzer des Kevin O’Day Balletts, mit drei eindrucksvollen Kostproben aus Dominique Dumais‘ Choreografie ‚Chansons‘. Zuvor hat ein gesundheitlich leicht angeschlagener Xavier Naidoo zwar ein Minütchen gebraucht, um in Chris Perschkes extrem reizvolles Big-Band-Arrangement seines Hits ‚Dieser Weg‘ zu finden, dann erlebt ihn das NTM-Publikum aber in seiner normalen Hochform. Auch seine Mannheim-Hymne ‚ich brauche dich‘ gewinnt, wenn sie swingt. Danach verabschiedet sich der Popstar Richtung Bett, und Thomas Siffling zeigt bei seinem anspruchsvollen Frühwerk ‚Soft Wind‘ eindrucksvoll, dass er nicht nur moderieren kann.

Das ist die Ouvertüre für den absoluten Höhepunkt: Mit unfassbarere Leichtigkeit, technischer Brillanz, dem nötigen Blues und viel Humor bringen die beiden ARD-Wettbewerbspreisträger Duis und Trompeter Reinhold Friedrich Gershwins ‚Rhapsody in Blue‘ zum Schweben und den Saal zum Toben. Wieder einmal hat ein Benefizabend die Leistungskraft der Musikstadt Mannheim ins Scheinwerferlicht gestellt – dieses Mal auch in all seiner Vielfalt. Bleibt zu hoffen, dass dem leisen Versprechen im Programmtitel ‚Special Guests I‘ möglichst bald Teil 2, 3 und so weiter folgen.“   Sonntag aktuell, 11.2.13



„‘Ein wundervoller Abend‘ – so schwärmte nicht allein die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kamp-Karrenbauer. […] ‚Ein wirklich sehr gutes Konzert‘, gab sie die Stimmung des mit rhythmischen Applaus endenden Abends ebenso gut wieder, wie der Erste Bürgermeister Christian Specht, der das ‚wirklich super Programm‘ lobte. ‚Es lockte auch viel Publikum an, das sonst nicht in Theater geht‘, fiel nicht nur ihm auf.

Von einem ‚ganz starken Signal, das von diesem ausverkauften Haus ausgeht‘ sprach der kommissarische Generalintendant Lutz Wengler. Er dankte besonders dem Jazzmusiker Thomas Siffling. Er hatte die Idee zu dem Benefizkonzert, er überzeugte seine Freunde beim Rotary Club Mannheim-Brücke, dem er angehört, es zu organisieren – und Siffling gewann die vielen namhaften Künstler (wir berichteten bereits in ‚Sonntag aktuell‘), deren Auftritte er äußerst charmant-galant und kundig moderierte. […]

‚Die große Resonanz zeugt vom guten Musikgeschmack und von der großen Bereitschaft der Menschen, zu helfen‘, freute sich Gerhard Stegmann, Präsident des Rotary Club Clubs Mannheim-Brücke, über die voll besetzten Reihen. Der Rotary Club wolle mit seinem sozialen Engagement ‚einen Beitrag leisten, die Welt freundlicher, friedvoller und schöner zu gestalten‘, so Stegmann.

Für diese ‚besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements und der sozialen Verantwortung‘ bedankte sich Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz bei dem Club wie auch bei Initiator Siffling und den Musikern. Durch den in dieser Form bisher einzigartigen Abend werde die große musikalische Tradition Mannheims ‚auf wunderbare Weise lebendig‘. Zugleich diene er einem wichtigen Ziel – der sozialen Integration. Das von den ‚Söhnen Mannheims‘ initiierte Projekt ‚Aufwind‘ in der Neckarstadt-West helfe Kindern nicht nur mit Geld, sondern unterstütze auch bei Hausaufgaben und Freizeitgestaltung und damit ‚bei der gesellschaftlichen Teilhabe schlechthin‘. Dem diene ebenso das neue geplante Projekt ‚Weltsprache Musik‘ des Nationaltheaters. ‚Es zeigt, dass sich das Theater öffnet und Kindern dabei helfen will, sich kulturelle Werte anzueignen‘, lobte der Oberbürgermeister.“   Mannheimer Morgen, 11.2.13

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Johann Strauss
DIE FLEDERMAUS, 11.02.2013
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Friedrich Meyer-Oertel
Bühne: Wolf Wanninger
Kostüme: Reinhard Heinrich
Chor: Tilman Michael

DIE FLEDERMAUS<br />, 11.02.2013<br />© Foto:NT<br />
DIE FLEDERMAUS, 11.02.2013© Foto:NT


Am Rosenmontag wurde der 44. Bloomaulorden, die höchste Mannheimer bürgerschaftliche Auszeichnung, an den Physiotherapeuten und Ex-Prinzen Christian Ziegler überreicht. Die Laudatio hielt Bülent Ceylan, der 43. Ordensträger, mit – wie konnte man es anders erwarten – einer humorvollen Büttenrede. 


Das Auswahlkomitee, Bert Siegelmann, Prof. Dr. Achim Wezel und Prof. Dr. Markus Haas, haben wieder einmal bewiesen, dass sie ein gutes Gefühl für die richtigen Bloomaulwürdenträger haben.


Das Publikum war begeistert vom 43. und 44. Bloomaul!

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Giuseppe Verdi
DON CARLO, Premiere B, 09.02.2013


„Herzogs überzeugende Mixtur aus Historie und Moderne – hier Renaissance-Kostüme und spanisches Hofzeremoniell für Filippo, Elisabetta und Carlo, dort das leidende ‚Volk‘ und die Militärs im 20. Jahrhundert verortet – überdeckt nie den zentralen Vater-Sohn-Konflikt und die politischen wie privaten Turbulenzen.

István Kovácsházi befreite sich rasch aus seiner Anfangsnervosität und gestaltete einen bei allem Furor erfreulich lyrischen Titelhelden. Ergreifend schön sein Schlussduett mit Elisabetta, der Ludmila Slepneva hoheitliche Aura, Herzenswärme und berückenden Sopranglanz verlieh. Edna Prochnik stattete ihre intrigante Rivalin Prinzessin Eboli mit profundem Altregister und verzehrender Leidenschaft aus.

Neu im Ensemble ist der junge Bassist Marko Špehar als Philipp II., und was für ein Sängerdarsteller wächst da heran! Es gab an diesem Abend (neben den großen, ausnahmslos hervorragend gestalteten Arien) ein paar Dialogszenen, deren Intensität das Publikum in atemlose Spannung versetzte. Da war zum einen Philipps Machtkampf mit dem Großinquisitor (wiederum grandios: Thomas Jesatko), zum anderen seine Auseinandersetzung mit dem glühenden Freiheitskämpfer Marquis von Posa (vokal wie darstellerisch in Hochform: Thomas Berau).

Die durchweg guten Vertreter der Nebenrollen, Chor, Extrachor, Statisterie und das Orchester des Nationaltheaters unter Alois Seidlmeiers souveräner Leitung hatten gewichtigen Anteil an einem großen Verdi-Abend und am reichen Schlussapplaus. Viele berechtigte Bravo-Rufe bei den ‚Einzel-Vorhängen‘.“   Mannheimer Morgen, 11.2.13

  

„Titeldarsteller István Kovácsházi erwies sich als optimale Besetzung. Er nahm zunächst durch den Wohllaut seiner hell leuchtenden, tadellos geführten Tenorstimme für sich ein, die in allen Registern ebenmäßig klang und bei den stets leicht ansprechenden Spitzentönen metallischen Strahlglanz entfaltete. Ein absolut souveräner Vokalist also. Darüber hinaus imponierte Kovácsházi aber ganz besonders durch seine Fähigkeit zum Differenzieren, durch die Ausdrucksgewalt seiner Artikulation, Akzentuierung und Farbgebung und nicht zuletzt seine schauspielerische Präsenz. Kurz, die Figur des unglücklichen spanischen Infanten erhielt in seiner Darstellung unverwechselbar scharfes Profil. Eine vorzügliche, leidenschaftlich singende und agierende Partnerin hatte Kovácsházi in Ludmila Slepneva als Elisabeth von Valois. Wärme und Intensität ihrer ausladenden Melodielinien und expressiven Gesten wirkten überaus eindringlich. […] In der Rolle ihres königlichen Gemahls Philipp II. zeigte Marko Špehar seinerseits eine solide Leistung mit einwandfrei geführtem Bass. […]

Rodrigo, Marquis von Posa, war diesmal Thomas Berau, ein vornehmer, außerordentlich sensibler Stilist und ebenfalls überlegener Vokalist. Seine exquisiten Phrasierungskünste und Nuancierungen zeugten von höchst verfeinerter Musikalität. Dieser Rodrigo war ein (nicht einmal sehr entfernter) Verwandter von Wagners Wolfram von Eschenbach aus ‚Tannhäuser‘.

Spannung und dramatischer Impuls wurden auch von Edna Prochnik als Eboli groß geschrieben. […] Wie schon in der ersten Premiere gab Thomas Jesatko den Großinquisitor an sich ausgezeichnet, die Partie verlangt aber nach einem tiefen Bass statt nach einem Heldenbariton. Zuverlässig waren Radu Cojocariu (Mönch) und Iris Kupke (Stimme).

Mit Elan und sicherer Hand koordinierte Dirigent Alois Seidlmeier das musikalische Geschehen.“   Die Rheinpfalz, 11.2.13

 

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Giuseppe Verdi
DON CARLO, Premiere A, 02.02.2013
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Jens-Daniel Herzog
Bühne: Mathis Neidhardt
Kostüme: Mathis Neidhardt, Verena Polkowski

DON CARLO<br />Premiere A 02.02.2013<br />© Foto:Hans Jörg Michel<br />
DON CARLOPremiere A 02.02.2013© Foto:Hans Jörg Michel


„Mit Bravour bringen die Sänger all die melodramatisch bewegten und bewegenden Duette, Terzette, Quartette herüber, die Glanzpunkte in Verdis vor Ideen funkelndem Spätwerk. Wie Rodrigo, Freund Carlo und die verschmähte Prinzessin Eboli in ihrem Dreier ihre Leidenschaft, Verzweiflung und Mordlust hinaussingen, alles zugleich und mit Inbrunst, schön zugespitzt mit dramatischen Orchestertutti – das hört man in solcher Eindringlichkeit nicht alle Tage. Zumal Sänger und Orchestermusiker sich glänzend verstehen.

Hier die nötige Transparenz zu wahren, ist schon ein Kunststück. Das gelingt dem Hausdirigenten Alois Seidlmeier meisterlich. Mit Schmiss und Witz und dem passenden Funken Ironie kommen die Folklore-Zitate herüber, mit denen Verdi seine Spanien-Fantasie ausschmückt. Einfühlsam die zarten Momente, in denen Oboe, Harfe und leise Streicher den schönen Zwiegesang der Liebenden stützen, zerrissen zwischen Pflicht und Leidenschaft, Politik und Privatem. Schön dämonisch grummeln die Tuben, Pauken und Posaunen, wenn die Inquisition naht. Das ist Leitmotivik, wie man sie von Verdis deutschem Kollegen kennt, bloß eben weniger breit ausgewalzt – ein Esprit, den die Mannheimer munter ausspielen.
Neben dem Orchester und dem glänzend aufgelegten Chor (Leitung: Tilman Michael) begeistern auch die Hauptakteure das Publikum. Herausragend singen neben Jorge Lagunes auch Heike Wessels, die der rachsüchtigen Prinzessin Eboli ihren charaktervollen Mezzo leiht, Roy Cornelius Smith als Carlo mit strahlend brillantem Heldentenor sowie Sung-Heon Ha, dessen markiger, aber wandlungsreicher Bass all die Gemütsschwankungen von König Philipp differenziert zum Klingen bringt.“   Darmstädter Echo, 6.2.13


 „Von den Sängern ist an erster Stelle Jorge Lagunes zu nennen, der sich mit seinem wunderbar klingenden, saft- und kraftvollen sowie farbenreichen Prachtbariton als Idealbesetzung für den Posa erwies. Recht beeindruckend auch Sung-Heon Ha, der einen sonoren und tiefgründigen Bass für Philipp II mitbrachte. Roy Cornelius Smith gab den Carlo mit kräftigem Tenor. Einen warm und gefühlvoll geführten Sopran brachte Galina Shesterneva in die Partie der Elisabetta ein. Mit prägnantem Stimmklang bewältigte Heike Wessels die Eboli. Trotz etwas hellen Timbres verströmte Thomas Jesatko in der Rolle des blinden Großinquisitors große vokale Autorität.

Alois Seidlmeier am Pult setzte auf ein entschlacktes, mehr lyrisches als dramatisches Klangbild und animierte das Orchester zu einem einfühlsamen und farbenreichen Spiel.“   Allgemeine Zeitung Mainz, 5.2.13


 „Er kommt halt vom Schauspiel, der Herzog, und das ist gut so. Denn er stößt in seiner Neuinszenierung durchaus mit dem Dolch in die Seelen. In mehreren historischen Zeiten verortet er Verdis Meisterwerk. Zwischen 16. Jahrhundert und – sagen wir – den 1960ern. Immer wieder kommen hinter den Fassaden von Mathis Neidhardt der Muff der Nachkriegszeit und die Abhöranlagen der DDR zum Vorschein – ein Hauch öd-schnödes Marthaler-Viebrock-Theater macht sich’s dann im prunkenden Palast gemütlich. Auch die Kostüme von Verena Polkowski sind nur vordergründig hübsch anzusehen – König Philipp, die wunderschöne Elisabeth und Don Carlo gehören historisch bekleidet noch zum alten System, während der Geist eines Posa mit offenem Hemd längst im Heute angekommen ist. Das ist gut gemacht. Herzog schenkt den Mannheimern große Historienoper, belässt es dabei aber mitnichten.

Denn große Momente seelischer Durchleuchtung zeigt er auch.“

  „So allerdings, wie Sung-Heon Ha die Arie ‚Ella giammai m’amò!‘ (Sie hat mich nie geliebt) singt, mächtig, gravitätisch und doch mit beseelten Nuancen, wiegt das manches auf. Überhaupt ist er, Ha, zusammen mit der Elisabetta von Galina Shesterneva und der Eboli Heike Wessels‘ der Beste auf den Brettern. Shesterneva klingt erhaben, überaus kultiviert und fein geführt, und ihr ‚Si, piango‘ (Ja! Ich weine) im Abschiedsduett (IV, 2) rührt an die Seele; auch wenn man sich dynamisch bisweilen mehr wünschte. Wessels‘ Eboli tönt in der gesamten Mittellage exzellent und – wie sich’s gehört – frivol; in hohen Lagen bricht eine Spur zu sehr das Hochdramatische aus ihr heraus.

Schließlich der Held: Der Don Carlo von Roy Cornelius Smith ist richtig gut, wenn er heftig, hoch und mit stark akzentuierter Italianità singt. […] Tamara Banjesevic (Tebaldo), Kyung-Rak Jeong (Lerma/Herold), Bryan Boyce (Mönch), Cornelia Ptassek (Stimme) und die Deputati sorgen für gute Nebenpartien. […]

Mannheim hat einen gelungenen ‚Don Carlo‘. Das wird zehn Minuten lang beklatscht.“   Mannheimer Morgen, 4.2.13


 „Sung-Heon Ha ist ein gravitätischer König Philipp mit kerniger, aber dennoch facettenreicher Stimme. Ein Ereignis ist die Eboli der Heike Wessels, deren Mezzosopran eine abgründige Tiefe (Szene nach dem Geständnis) aufweist und auch in der Höhe alle Klangmassen durchdringende Präsenz besitzt. Das bleibt stark im Gedächtnis. Galina Shesternevas Königin Elisabeth glänzte durch subtile Zwischentöne, was dem Charakter der Rolle bestens entsprach.

Der große Chor (Einstudierung: Tilman Michael) und das Nationaltheaterorchester unter der Leitung von Alois Seidlmeier waren gut disponiert und klanglich ausgewogen […].“    Rhein-Neckar-Zeitung, 4.2.13


 „Jens-Daniel Herzogs Inszenierung beginnt, den Vater-Sohn-Konflikt gradlinig nachzuerzählen und durch viele geschickte kleine Regiezüge zu intensivieren. Schon der Marquis zaudert nicht lange, singt dem Infanten auf Abhilfe und beide beschwören innig-emphatisch und doch eben in den hohen Tönen des Risorgimento Freundesliebe und –treue. Sie machen es vorzüglich – Roy Cornelius Smith und Jorge Lagunes erweisen sich stimmlich als das hohe Paar der Mannheimer ‚Don Carlo‘-Produktion. […]

Jens-Daniel Herzogs Inszenierung balanciert die Aufmerksamkeit für die Intrige der Prinzessin Eboli sorgfältig gegen die Fokussierung auf den Sohn-Vater-Konflikt aus – und Sung-Heon Ha verleiht dem brutal machtbewussten Alten souveräne Größe und eine profunde Stimme.“   Deutschlandradio Kultur, 4.2.13


 „Diese Oper lohnt sich immer. Der ‚Don Carlo‘, frei nach Schillers Schauspiel, enthält nicht nur einige der schönsten und tiefsten musikalischen Ideen Giuseppe Verdis, sondern steckt auch voller Doppelbödigkeiten. […] Weil sich der ‚Don Carlo‘ also immer lohnt, ist jetzt auch eine Reise ans Nationaltheater Mannheim zu empfehlen, wo die Oper in der zurzeit allgemein favorisierten vieraktigen Fassung gespielt wird. […]

Für viel gute Musik sorgen hingegen exzellente Sänger, darunter der ausdrucksstarke, helle Bariton Jorge Lagunes als Posa, der stabile Sung-Heon Ha als Philipp, die vor allem in der Mittellage enorm farbreiche Heike Wessels als Eboli und die sehr leicht und fein singende Galina Shesterneva als Elisabetta. Auch sie sind eine Reise nach Mannheim wert.“   Stuttgarter Nachrichten, 4.2.13

 

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Francis Poulen
LA VOIX HUMAINE, Premiere 25.01.2013
im Tanzhaus Käfertal
Musikalische Leitung und Begleitung: Lorenzo di Toro
Solistin: Marie-Belle Sandis
Inszenierung: Sebastian Bauer
Bühne und Kostüme: Nora Lau

LA VOIX HUMAINE<br />Premiere 25.01.2013<br />© Foto:NT<br />
LA VOIX HUMAINEPremiere 25.01.2013© Foto:NT


„Die Mannheimer Oper benutzte nun die nur mit besonderer Erlaubnis der Rechtsinhaber verfügbare Klavierfassung, und dies war die richtige Wahl für dieses intime Stück. Ebenso sicher war es richtig, die Produktion ins Tanzhaus Käfertal auszulagern; dort ist die räumlich bedingte mangelnde Distanz zwischen Spielfläche und Publikum ein Vorteil, der der Konzentration auf das extrem private Geschehen nur förderlich ist. […]

‚La Voix humaine‘ ist für einen jungen lyrischen Sopran geschrieben, der auch etwas zickig sein kann. Marie-Belle Sandis` belcantoerfahrener Mezzo scheint da nicht die ganz richtige Besetzung, aber dann ist es schon erstaunlich, wie sie sich in die eine gute Kondition erfordernde sängerdarstellerische Vielseitigkeitsprüfung wirft, wie sie sich nicht scheut, die sich steigernden Emotionen ins schwitzende Extrem zu treiben und den von gespielter Stärke, larmoyanter Beschwörung einer angeblich glücklichen Vergangenheit, Resignation, Aufbegehren, fintenreichen Drohgebärden und zarten lyrischen Passagen gespickten vokalen Parcours glaubhaft zu durchmessen.

Als französischer Muttersprachlerin ist Marie-Belle Sandis Poulencs extrem sprachorientierter Parlando-Tonfall natürlich auf die Stimme geschrieben, auch der große melodische Bogen stellt sich da fast von selbst her.“   Die Rheinpfalz, 29.1.13


 „[…] Cocteau und Poulenc haben der Thrill, der banal-profane Ahnungsdrang der Story, wohl kaum interessiert, sondern vielmehr die menschliche Stimme selbst als Mittel der Kommunikation. Poulencs raffinierter Tonsatz macht sie durchaus zum dramatischen Mittelpunkt dieses Psychothrillers mit Verständigungsstörungen.

Allein deshalb ist diese kleine eine feine Nationaltheater-Produktion im Tanzhaus Käfertal […]. Der noch recht unverschämt junge Regisseur und Achim-Freyer-Zögling Sebastian Bauer stürzt sich in seiner ersten Regiearbeit keineswegs auf den kriminalistischen Aspekt des Plots von der Frau, die mit ihrem Ex telefoniert (wobei der Beweis nie erbracht wird, dass nicht alles Parlieren doch gegen die Stille im Hörer angeht). Bauer – und natürlich hat die Mezzosopranistin Marie-Belle Sandis daran einen gehörigen Anteil – befragt die Seele und zeigt die Frau als zwischen Wahnsinn, Verzweiflung und Todessehnsucht wankendes Wesen. Da sind intensive Momente dabei. […]

Und wie Marie-Belle Sandis diesen Abend gestaltet – darstellerisch, pantomimisch, sängerisch sowieso – das ist schon phänomenal (wie auch die spannende Klavierbegleitung Lorenzo Di Toros). […] Welches Phantom auch immer am anderen Ende der Leitung zu vernehmen ist, es hört eine Sängerin, die mit warmem Mezzo bis in schiere Sopranhöhen immer kultiviert klingt und rezitativisch, konversierend, sprechend und spielend überzeugt. […]

Das Publikum ist überaus begeistert – und trampelt heftig.“   Mannheimer Morgen, 28.1.13

 

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FOA, 13.01.2013
EIN MASKENBALL – UN BALLO IN MASCHERA
Musikalische Leitung: Joseph Trafton
Inszenierung: Werner Schroeter
mit Marianne Cornetti, Ramon Vargas und Franco Vassallo

EIN MASKENBALL – UN BALO IN MASCHERA<br />FOA 13.01.2013<br />© Foto: CL<br />
EIN MASKENBALL – UN BALO IN MASCHERAFOA 13.01.2013© Foto: CL


„Vargas‘ kraftvoller Tenor verfügt über die Grazie für die elegante Fischer-Kanzone im ersten Akt und die Herzenstöne für die lyrischste seiner Arien ‚Ma se m’è forza perderti‘, in der er seinem Liebestraum entsagt. […]Ein wahrer Glücksfall, dass nach der kurzfristigen Absage von Dmitri Hvorostovsky ausgerechnet jener Franco Vassallo einspringen konnte, der vor Jahresfrist anstelle von Leo Nucci einen grandiosen Arienabend dargeboten und Mannheim im Sturm erobert hatte. Auch diesmal erwies sich Vassallo als Verdi-Bariton von Rang, der selbst die oft unerträglich larmoyante Schlussszene, gemeinsam mit dem souverän gestaltenden Ramón Vargas, zu einem vokalen Höhepunkt machte.
Die Dritte im Bunde, die Amerikanerin Marianne Cornetti, genießt ihren Weltruhm (Met, Scala, Wien usw.) noch nicht allzu lange. Aber was für ein Naturereignis, stimmlich wie darstellerisch, war ihre dämonische Ulrica! Im hoch über der Bühne hängenden ausgehöhlten Baumstamm durchlebte sie ihre virtuelle Vereinigung mit dem Satan so orgiastisch, dass man ihr nur sicheren Rückhalt durch einen soliden Karabinerhaken wünschen konnte. Und die in allen Registern prachtvolle Altstimme, gewiss ist sie auch ideal für Amneris bis Ortrud!
Dennoch nicht verwunderlich, dass sich ‚unsere‘ Amelia (Ludmila Slepneva) und Katharina Göres als reizender, koloratursicherer Page Oscar im Konzert der Großen auf Augenhöhe behaupten konnten. Slepnevas voluminöser, perfekt geführter Sopran und ihr glänzendes Spiel prädestinieren sie seit je für die großen Verdi-Rollen. Für ihre beiden anspruchsvollen Arien wurde sie zu Recht gefeiert.
Ohne Fehl die Vertreter der Nebenrollen (Møller, Boyce, Cojocariu), Chor, Extrachor und Statisterie (in Werner Schröters sehenswerter Inszenierung stark gefordert) und das von Joseph Trafton mit viel Gespür für dynamische Differenzierung geleitete Nationaltheater-Orchester. Sorgsam abgestufter, insgesamt wahrhaft festlicher Applaus.“
  Mannheimer Morgen, 15.1.13

 „Ein König hat Anspruch auf das erste Wort. In diesem Fall ist es Gustav III. von Schweden, Hauptgestalt der Oper und Opfer in Verdis musikalischem Drama über Liebe, Eifersucht, Verschwörung und Mord. Ihn verkörperte Ramón Vargas sehr überlegen und nahm durch ausgeprägte vokale Kultur für sich ein. Seine Stimme beeindruckte durch kompakte Kraft, tenoralen Wohllaut und Strahlglanz in dem nicht unbedingt leicht, aber sicher ansprechenden hohen Register. […]
Strahlender Held des Abends war Franco Vassallo in der Rolle des Königsmörders Graf Anckarström. Sein Bariton bestach durch erlesene Klangqualität bei einer Linienführung, die nur als vorbildlich bezeichnet werden kann; seine eleganten Tonabstufungen, Farbschattierungen und Nuancen der Artikulation sprachen für feines Detailgespür. Die erste Arie des Anckarström hätte man sich kaum in vollendeterer Aufführung vorstellen können. […]
Marianne Cornettis Wahrsagerin Ulrica imponierte (bis auf geringfügige Ungenauigkeiten) durch satten Mezzoklang. Ludmila Slepneva sang die Amelia mit leidenschaftlicher Hingabe und nahm durch subtile Herztöne für sich ein. […]
Das musikalische Geschehen koordinierte Dirigent Joseph Trafton mit sicherer Hand und feurigem Brio.“      Die Rheinpfalz, 15.1.13

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Wiederaufnahme
EUGEN ONEGIN, 09.01.2013
Musikalische Leitung: Joseph Trafton


 „[…] In Budapest hat Brickner an der Staatsoper den Lenski schon gegeben. Was in Mannheim keineswegs von Nachteil ist – sehr ausgereift wirkt seine Deutung eines (Dichter-)Theoretikers der Liebe, der zu oft in Zettelkästen kramt, um seine Olga dauerhaft zu fesseln. Der Tenor ist aber auch ein Praktiker des schönen Singens, mit sanft gleitenden Register-Übergängen (Klarinette hat er ebenfalls studiert). Berührend, wie er heilen Jugendjahren nachsinnt. Fesselnd, wie er sich zum tödlichen Duell hinreißen lässt, da kommt auch blitzendes Metall in seine Stimme. […]
Ansonsten hört man viel Bewährtes: In den Hauptrollen (Lars Møller als Onegin, Ira Bertman als Tatjana) großen Einsatzwillen […]. Im Orchestralen (unter Joseph Trafton) keinesfalls Tschaikowsky light. Im Szenischen (Regula Gerber) eine außerordentlich gelungene Verräumlichung der Emotionen.“
  Mannheimer Morgen, 11.1.13

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SIEGFRIED, B-Premiere 09.12.2012


„Regisseur Achim Freyer hat für den dritten Teil der Wagnerschen Tetralogie einen bunten Bilderbogen entworfen, unter dessen Oberfläche allerdings all die psychologisch chiffrierten Wagnerschen Bühnen-Helden und Mythen-Monster umso gefährlicher lauern. Der sichtbare Teil, obwohl üppig und wunderbar poetisch auch in der Bildsprache, ist nicht einmal die Hälfte dessen, was man am Mannheimer Nationaltheater zu sehen bekommt. […]


Man unterschätzt Freyer, wenn man sich mit dessen bildmächtiger Erzählebene zufrieden gibt. Man betrügt sich selbst um die psychologisch spielerisch erhellende Darstellungswelt Freyers, in der ja kaum etwas eindeutig ist. Siegfried ist ans Bett gefesselt, knallgrüngelbrot leuchtet sein Schopf, kindheitsverliebt überwölbt ihn die übergroße Strampelhose, blassweiß geschminkt und mit dickrotem Mund liegt er auf dem Rücken: als entwicklungsgestörtes Kind, als verrückt gewordener Held, als Hofnarr mit Burnout? Aus dem bleichgeschminkten Gesicht mit den dunklen Augenhöhlen und dem aufgerissenen Mund schaut auch der Tod, nicht nur das lustige Bürschchen, das sich Obergott Wotan ausgesucht hat, um seine zunehmend bedrohte Macht zu retten. […]


Siegfried durchschaut trotz seiner naiven Unerfahrenheit Wotans Pläne. Das macht ihn erwachsen. Er weiß, dass ihn Wotan braucht. Das macht ihn größenwahnsinnig.


Die Musik allein vermag das heute kaum noch in aller Schärfe auszudrücken. Die Sprache des Pathetischen, die der Tragik vorausgeht, spricht sich viel klarer und wirkungsmächtiger, wenn statt eines blonden Tarzans plötzlich ein hilfloser Komiker auf der weiten Bühne steht, über den das Posaunengeheul samt Streicherbässen und Pauken hereinbricht wie das Jüngste Gericht. Hier kann auch Dirigent Dan Ettinger punkten, der oft das Problem hat, dass sich das Orchester des Nationaltheaters in der trockenen Akustik klanglich gar nicht groß genug entfalten kann, um Wagners Wucht und Überwältigung zu erzeugen. Die kleingestrickten gehässigen Szenen zwischen Siegfried und seinem Zwergenziehvater Mime, der er ja auch noch erschlagen muss, die kann man auch in Mannheim differenziert und anschaulich erfahren.

Gleichwohl hängt der ganze ‚Siegfried‘ musikalisch an nämlicher Figur, trotz großer Auftritte des Wanderers Wotan (ausgezeichnet: Karsten Mewes), der abgeklärten Weltenmutter Erda (mit wunderbar dunklem Schmelz: Edna Prochnik), des hinterhältigen Betrügers Mime (Uwe Eikötter) und schließlich der den fünfeinhalb stündigen Abend groß abschließenden Brünnhilde der Judith Németh. Trotz all dieser grandiosen Einzelleistungen steht und fällt dieses Bühnenweihfestspiel mit dem Sänger des Siegfried, der die längste und schwierigste und inhaltlich tragendste Partie zu bewältigen hat. Dafür hat man sich den Magdeburger Jürgen Müller geholt, der schon vor zehn Jahren in Meiningen einen erfolgreichen Siegfried gab.


Auch in Mannheim geschah das Wunderbare: Jürgen Müller stemmte einen Siegfried auf die Bühne, der allen normalen Anforderungen an diese Figur mehr als gerecht wurde, aber auch die von Achim Freyer forcierte Zwiespältigkeit dieser Figur offenbarte.“


„Wagner hat ja gerade im ‚Ring‘ nicht nur die Götter und das Göttliche an sich, sondern auch die Geschlechterrollen in Frage gestellt. Der wahre Mensch sei Mann und Weib, schrieb er 1854. ‚Erst durch die Liebe wird der Mann wie das Weib – Mensch.‘


So ähnlich ist das auch bei Achim Freyer. Zwischen Theater und Musik muss etwas passieren, das ein Drittes Erhellendes schafft: das Spielen, das Herumdeuten, das Ausleuchten, das scheinbar zufällige Herumsuchen, das scharfe Denken und das instinktive Gestalten. Freyer legt sich selbst in den Mitteln nicht fest, so wie er Inhalte und Formen, staunenswerte Kostüme und famose Lichtregie bildmächtig zusammenwürfelt, so kindlich vertraut er auf Sänger und Orchester, die alles zu überwältigender Wirkung fügen. In Mannheim gelang dies großartig.“   (Süddeutsche Zeitung, 12. Dezember 2012)

 

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FOA, 08.12.2012
THOMAS HAMPSON
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
und Cornelia Ptassek im La Traviata Duett


Der Weltstar sang galant, mit einer markant-volltönenden herrlichen Stimme, dazu diese unglaublich präzise Aussprache, die das Zuhören zum Genuss machte. [ …] Besonders der zweite Teil des Mannheimer Abends, in dem Hampson Verdi-Arien vortrug, wurde zum Ereignis. Ein Höhepunkt war das „La Traviata“-Duett „Madamigella Valéry?“ mit Cornelia Ptassek aus dem Mannheimer Opernensemble.  Diese Sängerin kann sich – wie die Netrebko – neben ihrem Kollegen sehen und hören lassen! Ihre Stimme verfügt über eine Vielzahl von Nuancen, schmetterlingshaft zerbrechlich oder mächtig aufwallend. Und da gibt es diesen dunklen-schmerzlichen Ton, der in ihrem wunderbaren Sopran mitschwingt und ihn tief berührend macht. (Rhein-Neckar-Zeitung, 11. Dezember 2012)

Bei einem Festlichen Opernabend am Mannheimer Nationaltheater setzte der Bariton Thomas Hampson einmal mehr seine Vielschichtigkeit in Konzert und Oper unter Beweis. […]


[…] Und wie er die zwischen Romantik und heraufdämmernder Moderne stehenden „Alten Geschichten“ aus „Des Knaben Wunderhorn“ erzählt, das macht ihm ja wirklich keiner so rasch nach. Jedes Lied ein Juwel, ein mit erlesensten Nuancen und Zwischentönen, raffiniertesten Phrasierungskünsten und makellosen Kunstverstand gesegnetes, dabei ausgesprochen natürlich, ja selbstverständlich anmutender Solitär, der in Generalmusikdirektor Dan Ettinger und dem Nationaltheaterorchester differenziert mitgehender Begleiter fand. […]

[…] 2013 ist nicht nur Wagner-, es ist ebenso Verdi-Jahr, da kommt Jagos „Credo“ aus dem „Otello“ als Appetithappen gerade recht – Hampson hat es wunderbar differenziert aufgefasst, bot ein Paradestück an psychologischer Durchdringung eines in sich zwiespältigen Charakters. Und auch der von manchen Sänger nicht gerade geliebte Vater Germont aus der „Traviata“ kam als Charakterstudie eins seiner selbst sicheren Bourgeois in Szene und Duett „Madamigella Valéry“ gleichsam schlackenlos rüber, zumal auch Haus-Sopran Cornelia Ptassek die um ihr Lebensglück betrogene Violetta vokal ebenbürtig ins rechte Licht rückte; da blieb kein vernünftiger Wunsch offen. […]


[…]Tadellos die Beiträge des Orchesters („Traviata“-Vorspiel, Ouvertüre zur „Macht des Schicksals“), …[…]   (Die Rheinpfalz, 11. Dezember 2012)


[…]Mit enormen Ausdruck und seelenvoller Gestaltung bringt er gleichzeitig das hervor, was Musik aussagt, ohne es auszusprechen. Besonders die Lieder Mahlers haben es ihm angetan – wie kein Zweiter setzt er sich mit ihnen schon seit Jahrzehnten auseinander. […]

[…] Wie wandlungsfähig Hampson auch als Opernsänger ist, offenbart sich anschließend eindrucksvoll: Innerhalb von Minuten verwandelt er sich von einem furchterregend finsteren Bösewicht Jagi mit seinem düsteren Glaubensbekenntnis „Credo in un Dio crudel“ zu einem durchaus sympathischen Germont, der Violetta in Madamigella Valéry…“ ausdrucksstark zur Abkehr von ihrer Liebe bewegt.


Kongenial unterstützt wird er hierbei von Ensemblemitglied Cornelia Ptassek: Nur durch überwältigende Stimmen, pointiert eingesetzte Mimik und Gestik inszenieren die beiden ein hetzzerreißend dramatisches Gespräch, das dank einer grandios plastischen Interpretation die konzertante Anlage des Konzerts völlig vergessen und eine komplette Szene entstehen lässt. Mit einer hervorragenden Begleitung beweist Dan Ettinger dabei, wie schade es ist, dass man bei diesem Werk normalerweise Orchester und Dirigent im Graben versteckt. Es macht Spaß, Ettingers ausgefeiltem, agilem und vielseitigem Dirigat zuzuschauen. Und auch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Gemeinsam mit einem sensationellen Nationaltheaterorchester zaubert er eine unglaublich transparente, mitreißende Interpretation.   (Mannheimer Morgen, 10. Dezember 2012)

 

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Richard Wagner
SIEGFRIED, Premiere (A), 01.12.2012
Zweiter Tag des Bühnenfestspiels
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
Inszenierung, Bühne, Kostüme: Achim Freyer

SIEGFRIED<br />Premiere (A) 01.12.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
SIEGFRIEDPremiere (A) 01.12.2012© Foto: Hans Jörg Michel

Mitarbeit Regie: Sebastian Bauer / Tilman Hecker
Mitarbeit Bühne, Kostüme: Petra Weikert
Dramaturgie: Tilman Hecker / Klaus-Peter Kehr

„Wenn man das alles zusammenfassen will, könnte man sagen, es ist einerseits ein sehr abstrakter, fast maschinenhafter Raum, der aber doch mit einer ganz eigenwilligen Metaphysik zusammenläuft, und ist schlussendlich, denke ich, eine der spannendsten Ring- oder zumindest Siegfried-Deutungen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.“
(Jörn Florian Fuchs, im Gespräch mit Christoph Schmitz, Deutschlandradio, 3. Dezember 2012)

„Bei ‚Siegfried‘ arbeitet Freyer zwar wieder mit den für ihn typischen Mitteln: Schauspieler, Tänzer, Puppen und Magisches komplettieren das Sängerpersonal – ganz anders aber als in ‚Rheingold‘ und ‚Walküre‘ zieht er zwischen Werk und Zuschauer eine ironische Ebene ein. Mit ihr gelingt ihm eine spannende Gratwanderung zwischen Emotion, Distanz und Witz, die Wagner immer guttut: Wagner lieben: Ja! Sich Wagner ergeben: Nein!
In großen weißen oder schwarzen Räumen lässt Freyer spielen, starke, manchmal etwas plakative Farblichtspiele (Feuer=Rot, Wasser=Blau) versetzen uns in den Zustand ständig erlebter Verwandlung, der sich diesmal auch das Nationaltheater-Orchester (NTO) unter GMD Dan Ettinger mit einem großartig kultivierten Wagner-Sound anschließt. So gut klang das lange nicht mehr.“
„Eikötters Farben und Charakterisierungskunst überzeugen bis hin zu heldischen Spitzen. […]
Jürgen Müller spielt den ‚Clown‘ Siegfried faszinierend und spannend, und auch wenn er in der Höhe mitunter etwas eng und angestrengt klingt, gestaltet er die ‚Monsterpartie‘ mit einer Vielfalt, die in den letzten Jahren selten war: Müller packt nicht nur eine heldische Farbe aus, er bringt die gesamte Tragik seiner Figur zum Ausdruck: von hochemotionalen, zarten Momenten wie im E-Dur-Monolog ‚Aber – wie sah meine Mutter wohl aus?‘ (Bei Müllers ‚Sterben die Menschenmütter an ihren Söhnen alle dahin? Traurig wäre das, traun!‘ kommen einem die Tränen) bis hin zu den Schmiedeliedern, die er unbeschadet übersteht, obwohl das NTO und Ettinger packend und (be)rauschend aufdrehen.
Eine der großen Szenen findet zwischen Wotan und Alberich statt, die, während das Puppenspiel Siegfrieds und Mimes Gang zur Neidhöhle erzählt, immerzu um den Vorhang laufen und verbal den Streit um den ‚Ring‘ ausfechten. Auch die beiden Bass-Stimmen grenzen sich bestens ab. Thomas Jesatkos edler, warmer Wanderer und Jürgen Linns knorzig-mächtiger Alberich. Beide mit exzellenter Diktion. Ein Höhepunkt.
Überhaupt gewinnt der Abend ab Aufzug II deutlich an Spannung. Die Schlachtung Fafners, dem Sung-Heon Ha zu kolossaler Stimme verhilft, gelingt Freyer ebenso ohne die übliche Lächerlichkeit wie auch, die 45 Minuten währende Entdeckung von und Vereinigung mit der schwebenden Brünnhilde in traumhaft schönen Bildern hinauszuzögern, damit die Spannung nicht nachlässt. […]
Und der Star des Abends: das NTO mit seinem satten, wuchtigen, weichen Wagnerklang, der über weite Strecken transparent und kompakt klingt, aufbrausend und privat, zartbitter und süß.“ (Mannheimer Morgen, 3. Dezember 2012)
 

„Ein neues szenisches Element ist in den ersten beiden Akten eine Brecht-Gardine, die fast pausenlos zum Einsatz kommt: Mime will den gefesselten Siegfried vor dem Publikum verstecken, Wotan zieht den Vorhang jedoch beiseite. Im zweiten Akt treibt Wotan hier seinen Schabernack mit dem Hitler-Alberich, der sich vor Fafners Höhle hinter der Gardine versteckt und von Wotan bloßgestellt wird. Freyer gelingen diese Szenen sehr komödiantisch.“
„Sängerisch und musikalisch bewegt sich die Aufführung auf gutem Niveau. Hatte Mannheims Generalmusikdirektor Dan Ettinger in den ersten beiden Teilen das Orchester des Nationaltheaters oft zu polternd und undifferenziert spielen lassen, so wirkt der ‚Siegfried‘ in den Details sorgfältig erarbeitet und sängerfreundlich. Zudem gelingt es dem Orchester der Aufführung immer wieder zusätzlichen Schub zu verleihen.
In der Titelrolle verfügt Jürgen Müller über einen frischen und jugendlich klingenden Tenor. Die Strapazen der Rolle steht er gut durch. Uwe Eikötter gibt den Mime mit leicht grellen Farben und bringt auch die Boshaftigkeit der Figur gut in den Gesang ein. Kraftvoll und souverän singt Thomas Jesatko den Wanderer. […]
Linn, der an deutschen Bühnen sonst eher als Wotan zu hören ist, war ein kernig-kräftiger Schwarzalbe.
Sein Rollendebüt als Fafner gestaltete Sung-Heon Ha gut. Den Waldvogel sang Antje Bitterlich mit sicherer und kräftiger Höhe.“ (Der Opernfreund, 2. Dezember 2012)

„Siegfried scheint das bislang stimmigste Produkt seiner [A. Freyers] Bühnensprache im Mannheimer Ring-Projekt.“
„Dan Ettinger am Pult erreicht einen betörend intensiven Raumklang, die Balance der Orchestergruppen passt immer, der große Bogen integriert die fein gestuften Emotionen. Ganz einfach gut!
Und die Besetzung ist ausgezeichnet. Jürgen Müller in der Titelfigur muss anfangs im Liegen singen, sein Heldentenor hat Kraft, Ausdruck, Farben und Nuancen, Stemmen ist ihm fremd. Thomas Jesatko – der Bassbariton ist auch in Bayreuth präsent – argumentiert als Wanderer aus kultivierter Rundung mit geschmeidigen Phrasen. Jürgen Linn als Alberich und Sung-Heon Ha zeigen viel Charakter, Uwe Eikötter trumpft als Mime darstellerisch und sängerisch auf. Helle Koloraturen schenkt Antje Bitterlich dem Waldvogel, der bei Freyer aus der Erde herauswächst, schön ausgesteuerte Glut hat Edna Prochnik für Erda parat, die im Umkehrschluss von oben schwebt. Judith Németh gibt der Brünnhilde im Schlussbild viel dramatisches Profil, einige Spitzentöne wirken allerdings zu schrill.“ (www.Opernnetz.de, 4. Dezember 2012)

 
„Uwe Eikötter hingegen ist ein fantastischer Mime, köstlich buffonesk und berückend in der Phrasierung; Jürgen Linn singt den Alberich mit viel Quarz im Bariton; Thomas Jesatko läuft als herrlich sonorer Wanderer abermals zur Hochform auf, und auch die Übrigen – Edna Prochnik als Erda, Antje Bitterlich als Waldvogel und Sung-Heon Ha als Fafner – legen gelungene Porträts vor.
Dan Ettinger wählt für sein Dirigat den breiten Pinsel und huldigt dem romantischen Rausch. Selten hört man die Vor- und Zwischenspiele (Übergang von 2. zur 3. Szene, 3. Akt) so energiegeladen, das finale Liebesduett so farbintensiv, so schillernd, so ergreifend. Glücklich auch die Wahl der Tempi.“ (Kultur-Extra, 4. Dezember 2012)

„GMD Dan Ettinger setzte am Pult auf ziemlich rasche Tempi und animierte die Musiker zu einem packenden, gleichermaßen von dramatischen und kammermusikalischen Momenten geprägten Spiel, wobei er es den Sängern nicht schwer machte, sich gegenüber dem Orchesterapparat durchzusetzen. Jürgen Müller war ein stimmkräftiger, mit guter italienischer Technik und frisch singender Siegfried.“ (Allgemeine Zeitung Mainz, 4. Dezember 2012)

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Giuseppe Verdi
UN BALLO IN MASCHERA, WA 18.11.2012
Musikalische Leitung: Joseph Trafton

Mannheimer Morgen, 20.11.12:

 „Ein paar prächtige Rollendebüts: Katharina Göres als kapriziöser Page Oscar mit glitzernden Koloraturen, Edna Prochnik als dämonische Ulrica, Nikola Diskić als Cristiano mit edlem Bariton und Bryan Boyce als finsterer Verschwörer. Die Krone gebührt freilich Jorge Lagunes, der sich auch hier als Verdi-Bariton von hohen Gnaden erwies. Seine ‚Eri tu‘-Arie war der vokale Höhepunkt des Abends. Einwandfrei die Besetzung der Nebenrollen, Chor und Statisterie, die als Höflinge, Hexengefolge und in den stilisierten Schreittänzen des Schlussbildes stark gefordert sind. […] Viel Applaus des voll besetzten Hauses.“

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Arnold-Petersen-Preis Verleihung 16.11.2012
im Anschluss an DIE ZAUBERFLÖTE
Musikalische Leitung: Joseph Trafton

Mannheimer Morgen, 19.11.12:

 „Ist es nicht schön, wenn ein junger Künstler vor der Entgegennahme eines wichtigen Preises dem Auditorium ausgiebig demonstrieren kann, warum er den Preis bekommt? So geschehen im Mannheimer Nationaltheater nach einer Aufführung von Mozarts ‚Zauberflöte‘, in der Nikola Diskić als prächtiger Papageno Groß und Klein bezauberte und danach auf offener Bühne den begehrten Arnold-Petersen-Preis entgegennahm. […]

Inzwischen hat sich Diskić im ‚Barbiere‘ bis zur Hauptrolle ‚hinaufgesungen‘ und entzückt die Mannheimer mit seinem hinreißenden Papageno. So war er auch an seinem Ehrentag ein strahlender Stern in einem an Glanzlichtern reichen Ensemble. Vom Vogelfänger-Auftrittslied an bezauberte er sein Publikum mit dem Wohlklang seines perfekt geführten voluminösen Baritons und seiner Darstellungskunst. An seiner Seite debütierte Tamara Banjesevic als reizende Papagena. Ein rechtes Traumpaar waren Astrid Kessler (Pamina) und, als Gast, Mark Adler (Tamino), herausragend auch Antje Bitterlich als Königin der Nacht und Sung-Heon Ha als Sarastro, alle sicher geleitet von Joseph Trafton am Pult.“

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Giacomo Puccini
LA FANCIULLA DEL WEST, Premiere (B) 23.10.2012

LA FANCIULLA DEL WEST<br />Premiere (B) 23.10.2012<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
LA FANCIULLA DEL WESTPremiere (B) 23.10.2012© Foto: Christian Kleiner

Die Rheinpfalz, 25.10.12:
 
„Den exorbitanten vokalen Ansprüchen der Rolle der schönen Schankwirtin Minnie wurde Galina Shesterneva überlegen gerecht. Sowohl sängerisch als auch darstellerisch identifizierte sie sich mit leidenschaftlichem Einsatz mit der Gestalt der von der Männerwelt verehrten und begehrten unerschrockenen Amazone und Vertreterin von Moral und Humanität. Glaubhaft vertrat Shesterneva auch das von Tilman Knabes Inszenierung entworfene Rollenporträt der mexikanischen Freiheitskämpferin gegen die US-Eroberer.
Musikalisch nahm diese Minnie durch die Attitüde der Heroine, durch erlesene Sopranfarbe von silbernem Glanz, emotionsgeladene Intensität des Ausdrucks und Durchschlagskraft für sich ein.“
 
„Den Sheriff Rance, den Bösewicht des Stücks und Verwandten des Polizeichefs Scarpia aus ‚Tosca‘, sang und spielte Karsten Mewes mit klangvollem Heldenbariton, szenischer Präsenz und Autorität. In der Partie des Dick Johnson (alias Bandit Ramerrez) imponierte Roy Cornelius Smith, der sie auch bei der Premiere verkörpert hatte, durch ansprechende dramatische Tenorsubstanz, mitunter allerdings mit verengten, kehlig eingepressten Tönen.
Von den Neulingen im sehr geschlossen und spielfreudig agierenden Ensemble gefielen die Neulinge Anne-Theresa Møller, Nikola Diskić und Bryan Boyce. Besonders nachdrückliche Anerkennung gebührt dem Dirigenten Alois Seidlmeier und dem Nationaltheaterorchester für Feinschliff, Akribie und die dramatische Gewalt ihrer Wiedergabe.“
 
 
Capriccio-Kulturforum, 25.10.12:
 
„Knabe inszeniert temporeich und achtet sehr auf eine sinnhafte Personenführung, da gibt es keinen Leerlauf und kein verlegenes Herumstehen, das ist nicht wenig für einen gelungenen Opernabend.“
 
„Als Minnie bot die Sopranistin Galina Shesterneva vor allem bemerkenswert strahlkräftige Spitzentöne, die mit einer Souveränität platziert wurden, die beeindruckend war.“
 
 
Die Rheinpfalz, 31.10.12:
 
„Die erste Produktion der Spielzeit, Puccinis Western-Oper ‚la Fanciulla del West‘, darf als Erfolg verbucht werden, und das sowohl musikalisch als noch viel mehr szenisch.“
 
 
Darmstädter Echo, 2.11.12:
 
„Seine [Tilman Knabes] Inszenierung von Puccinis ‚La fanciulla del West‘ ist ein starkes Stück, dramatisch, bewegend und klug aktualisiert – ein früher Höhepunkt der noch jungen Opernsaison. […] Dabei hält der Regisseur die Szenerie ständig in Bewegung. Die zerlumpten US-Boys und Dorfbewohner komponiert er zu klassizistisch anmutenden Gruppenbildern, nutzt die ganze Breite der Bühne aus, lässt das Geschehen bis in die ersten Reihen wogen. Dann schafft er wieder Raum für intime Duette: Die inniglichen Schwüre von Minnie und Ramerrez zeigen Puccini auf der Höhe seiner Kunst. Zumal wenn man solche Sänger hat wie das Mannheimer Musiktheater.
Galina Shesterneva, die bei der B-Premiere sang, kostet die Dramatik, die innere Zerrissenheit ihrer Minnie mit kraftvollem, leicht dunkel gefärbtem Timbre aus. Ihrem Gangster-Lover Ramerrez leiht Roy Cornelius Smith seine biegsame Tenorstimme, sowohl der Puccini-Schmelz wie der Furor des Aufbegehrens kommen überzeugend herüber. Karsten Mewes singt den gebeutelten Gesetzeshüter Rance mit kraft- und ausdrucksvollem Bariton.
Der Herrenchor, einstudiert von Tilman Michael, meistert ebenso wie das glänzend aufgelegte Orchester (Leitung: Alois Seidlmeier) alle Stimmungswechsel, mit denen Puccini sein selten gespieltes Spätwerk erfindungsreich komponiert hat. Ein dynamisches Werk, übersetzt in eine ebenso drastisch-plastische wie gefühlvolle Inszenierung.“
 
 
Opernnetz.de, 5.11.12:
 
„In der Kneipe trifft sich eine verlorene, vom Krieg gezeichnete Generation, sie spielen und saufen und himmeln Minnie an. Die sieht natürlich im Westernkostüm verführerisch aus, wie überhaupt die real-marode, von Krieg und Existenznot gezeichnete, wüste Bühne von Johann Jörg und die das jeweilige Milieu bestens schildernden Kostüme von Kathi Maurer ein weiterer Pluspunkt dieser Produktion sind. Bei Minnie laufen die Fäden zusammen, aber sie ist Mexikanerin, von den Kriegswirren wohl eher versehentlich in die Kneipe im Siegerland geworfen. Genau deshalb und nur darum wird sie den Desperado Ramerrez, der sich als ‚Wanted‘-Flüchtling hinter dem Decknamen Johnson versteckt, lieben und beschützen, ja unmittelbar vor dem Galgen retten. Plötzlich erhält die Oper durch dieses genaue Hinsehen von Tilman Knabe einen tiefgründigen Sinn, den Puccini in seiner explosiven, einem sehr persönlichen Verismo verpflichteten Musik mit differenzierten Klängen beschrieben hat.“
 
„Karsten Mewes profiliert ihn [Sheriff Jack Rance] mit baritonalem Verve. Doch die Entdeckung des Abends ist Roy Cornelius Smith, neu am Haus verpflichtet, dessen Tenor mit überwältigender Wucht und Dinglichkeit [!] der Figur des Ramerrez Gestalt gibt. Minnie ist bei Galina Shesterneva die Handlung bestimmende Zentrale dieser Oper. Der dramatische Sopran leuchtet und verfällt in Schmerz, blüht sehnsuchtsvoll und zürnt in Eifersucht. Und macht mit silbernem Revolver oder in Kalaschnikow-Rächerpose gute Figur. Den Bösewicht gibt es auch, er heißt Ashby und vertritt Wells Fargo; in schwarzer Montur zeigt Alexander Vassiliev, wie es in Herrschaftswelten zugeht: fürs Grobe sind die anderen zuständig. Uwe Eikötter als Kneipenkellner überzeugt mit leicht geführtem Tenor ebenso wie Nikola Diskić mit elegantem Bariton als Sonora, der dem Mob Einhalt gebietet. Dazu vermeldet die Besetzungsliste noch etwa zehn weitere, kleinere Partien, alle vom Ensemblegeist beflügelt.
Das Nationaltheater-Orchester spielt unter seinem Dirigenten Alois Seidlmeier glänzend, denn all die Emotionen und illustrierenden Elemente der Partitur, aber auch ihr Pathos und ihre explosiven Evokationen klingen großartig. Bühne und Graben sind kongruent, der von Tilman Michael vorbereitete Chor leistet Großes. Kurzum, das Nationaltheater Mannheim hat einen glänzenden Saisonauftakt zu verzeichnen […]. Das Publikum dieser B-Premiere ist begeistert.“

 

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Jules Massenet
WERTHER, Wiederaufnahme am 28.10.12 (26. Vorstellung)
Inszenierung: David Mouchtar-Samorai
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier

WERTHER<br />Wiederaufnahme 28.10.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
WERTHERWiederaufnahme 28.10.2012© Foto: Hans Jörg Michel

Werther ist Massenets beliebteste Oper; nach der Fertigstellung blieb sie fünf Jahre lang liegen, ehe sie in Wien 1892 uraufgeführt wurde. Inspiriert wurde Massenet zu dieser Oper, die er auch selbst für seine beste hielt, auf der Rückfahrt von den Bayreuther Festspielen bei einem Besuch in Wetzlar. Allein diese Tatsache sagt über den kulturhistorischen Stellenwert des Werks viel aus.


Der Regisseur David Mouchtar-Samorai verfrachtet die Oper in die Jetztzeit in eine steife gesichtslose bigotte Gesellschaft, die als Statisterie mit Strumpfmasken auftritt. Dazu passt, dass der Amtmann seine Kinder schon im Sommer Weihnachtslieder üben lässt. Er selbst ist auch etwas hinter der Zeit zurückgeblieben. Während Albert und Charlotte  ihre Rauchwaren aus hübschen Zigarettenetuis nehmen, raucht er Pfeife vorseinem Haus und begibt sich mit einem schönen schwarzen Gehstock in Gesellschaft. Schwarz ist überhaupt die dominierende (Nicht-)Farbe der Inszenierung. Lediglich durch das bunte Spielzeug der Kinder, die goldene Kirchturmspitze und goldenes Hinterlicht werden farbliche Effekte auf die Bühne gebracht.


Diese ist sehr raffiniert von Heinz Hauser gebaut. Den Bühnenabschlussbilden drei halbrunde konzentrische halbtransparente Vorhangwände, auf denen schwarze Zeichnungen jeweils durch Beleuchtungseffekte anders betont werden können und die verschiedenen Spielorte der Szenen beglaubigen. Zudem können dazwischen schemenhaft sichtbare Personen bewegt werden, Akteure oder Statisten, die stets einen langsamen Bewegungsablauf vollziehen. Schwarze, kantige Architekturelemente kennzeichnen des Amtsmanns Haus und stehen schräg durch die ganze Bühne; im letzten Bild kommt ein große weiße Struktur herunter, wieder wie ein mächtiger Fachwerkrahmen; Werther wird sterbend von der böse schauenden Gesellschaft mit Pastor da hineingetragen, fast hingeworfen: Gefühle zählen nicht,  man bringt sich nicht um! Charlotte und Werther bringen einsam die Angelegenheit zu Ende.


Die passenden Kostüme sind von Urte Eicker, schwarz in zeitloser moderner Schlichtheit entworfen. Auf der Bühne selbst braucht Mouchtar-Samorai nicht viel, um in dieser schwarz-weißen Welt die Charaktere zu vertiefen und deren Interaktion zu zeichnen. Das gelingt in dieser taufrisch wirkenden Wiedereinstudierung hervorragend. Die Personenführung ist eindringlich. Es gelingt der Regie eine fortlaufende Steigerung der Spannung, die in dem großartigen Duett Werther-Charlotte im dritten Akt kulminiert, das zudem noch umwerfend gespielt wurde. Dann war das noch etwas. die von allen möglichen Regiemätzchen fast freie Produktion wies noch eine nicht im Libretto vorgesehene stumme Person auf; eine ältere weibliche Person mit langem weißem Haar und weiß gewandet: Charlottes verstorbene Mutter, die sich langsam durch fast alle Szenen bewegte und das Geschehen nicht zur beobachten, sondern gar zu arrangieren schien. Eine Unwohlsein hervorrufenden Gestalt, die durch ihre halb gespenstische Präsenz daran erinnerte, dass ja sie es war, die mit der Abnahme des überflüssigen Versprechens Auslöserin der Tragödie war.


Was das Nationaltheater-Orchester Mannheim unter der Stabführung von Alois Seidlmeier leistete, kann man gar nicht genug herausheben. Seidlmeier verzichtet vollständig auf das süßliche Gesülze, das man beim Werther bei den zurückgenommenen Passagen häufig geboten bekommt, und verlegte sich auch nicht auf den schwulstigen Wohlklang, den man vielerorts versucht ist, aus der Partitur zu generieren. Indessen schärfte er prägnant den Orchesterpart, der weit über eine reine Begleitung des vokalen Geschehens hinausgeht, erzeugte enorme emotionale Aufwallungen einerseits und schaffte andrerseits filigrane Feinheiten und zauberhafte Farbgebungen, wobei neben den wunderbaren Holzbläserpassagen auch die anderen Instrumentengruppen schön profiliert wurden. Das Orchester folgte ihm in nahezu stets perfekter Intonation. Ein Extra-Dank für diesen Genuss! Auch der Kinderchor (Anke-Christine Kober) leistete seinen Beitrag zum musikalischen Gelingen.


Nicht einmal zehn französische Opern haben es ins internationale Repertoire geschafft. Das ist wohl einer der Gründe, warum die Opernsänger kaum mit der Sprache vertraut sind. Warum liefert man dann aber die Sänger einem Kampf mit der französischen Sprache aus und fügt den zu bewältigenden Aufgaben eine weitere hinzu? Werther ist bei der Uraufführung 1892 in Wien in deutscher Sprache gegeben worden und wird bis heute in der lateinischen Welt hier und da in Italienisch gespielt; für letztere Sprache hat Massenet sogar eine eigene Fassung geschrieben. Da sollte es kein Tabubruch sein, das auch in Deutschland einmal auf Italienisch zu geben. Schließlich hat auch die Italianità der Musik stark auf die italienischen Veristen ausgestrahlt.


Wenn man aber von der überwiegend unverständlichen Aussprache (Farbgebung der Vokale und Nasale) absieht, konnte das Nationaltheater mit völlig überzeugenden Solisten aus dem eigenen Ensemble (!) aufwarten, die fast durchweg ihre gelungenen Debüts in ihren Rollen gaben. In der Titelpartie sang Szabolcs Brickner intonationssicher mit stimmschönem baritonalen Tenor sowohl kraftvoll wie auch einfühlsam; scheinbar mühelos bewältigte er die große Rolle. Anmutig in ihrer Bühnenerscheinung, überwältigend in den verinnerlichten Emotionen gab Anne-Theresa Møller die Charlotte mit wunderbar leuchtenden Höhen und betörenden Tiefen ihrer eleganten, sauber geführten Stimme. Brickner und Møller gestalteten ihren Auftritt im dritten Akt mit Werthers  „Pourquoi me réveiller, ô souffle du printemps?" zum bewegenden Höhepunkt der Oper, bei welchem sie auch ihre darstellerischen Fähigkeiten überzeugend zur Geltung brachten. Emotion pur - große Oper! Die Sophie der Eunju Kwon war gleichermaßen umjubelt, obwohl ihr schöner jugendlicher lyrischer Sopran in der Höhe etwas eng wurde. Mit der französischen Sprache hatte sie unter allen Beteiligten die geringsten Probleme. Lars Møller gab den Albert als unglücklich-unsympathische Figur mit kräftig-kernigem Bariton. Bryan Boyce's Bassbariton hätte in der Rolle des Amtmanns eine etwas dunklere Grundierung der Stimme gut gestanden. Eine Luxusbesetzung für den Johann war Radu Cojocariu mit weichem sonoren Bassbariton. Mit den vier Sängern der Hauptrollen standen dem Theater auch von der Bühnenerscheinung her idealtypische jugendliche Darsteller zur Verfügung.


Das Publikum im gut besuchten Opernhaus jubelte nach Ende der Vorstellung allen Beteiligten einhellig zu. Weitere Aufführungen dieser unbedingt sehens- und hörenswerten Produktion am 17. und 24. November, am 27. Dezember sowie am 11. und 31. Januar.  Der Opernfreund, Manfred Langer

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Giacomo Puccini
LA FANCIULLA DEL WEST, Premiere (A) 19.10.2012
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Tilman Knabe
Bühne: Johann Jörg
Kostüme: Kathi Maurer
Dramaturgie: Anselm Dalferth

LA FANCIULLA DEL WEST<br />Premiere (A) 19.10.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
LA FANCIULLA DEL WESTPremiere (A) 19.10.2012© Foto: Hans Jörg Michel

Alois Seidlmeier und das erfreulich versierte Orchester des Nationaltheaters arbeiten nicht nur die Nähe zum Impressionismus Debussys heraus, […] sondern auch das damals radikal fortschrittliche Prinzip der musikalischen Collage. […]

Dem Regisseur Tilman Knabe gelingt das Kunststück, die „Fanciulla“ jeder aufgesetzten Cowboy- und Western-Romantik zu entkleiden, ohne das Stück zu zerstören. […]

Auch mit der Goldgräber-Sentimentalität des Eröffnungsaktes hält sich Knabe nicht lange auf: Das leitmotivisch wiederkehrende Heimweh-Lied „Che faranno i vecchi miei“ deutet er zum letzten Gruß eines getöteten Soldaten an die Hinterbliebenen in der Ferne – ein aufwühlender früher Höhepunkt der Aufführung. […]

Knabe bewegt sich hier, wie häufig in seinen Inszenierungen; auf Messers Schneide zwischen genialischer Neudeutung und neuerlichen Klischees. Doch dank der intensiven, durch und durch glaubwürdigen Sopranistin Ludmila Slepneva in der Titelrolle kippt die Produktion nie aus der Balance.   (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Oktober 2012)


In der Mannheimer A-Premiere ist Ludmila Slepneva eine in allen Belangen überzeugende Minnie,fix mit dem Colt und mit warmem Timbre. Ramerrez verleiht Roy Cornelius Smith eine kräftige Statur und er hat mit „Ch´ella mi creda“ auch die stärkste Arie. […] 

Die Männerriege leistet im Chor vereint beachtliches (Einstudierung: Tilman Michael). Fein eingeflochten hat Puccini Minstrellsong und Folk und in der wohl schönsten Szene einen Walzer. Den summen die Boys den Liebenden zu, und das Orchester übernimmt elegant. Den Beifall hierfür hebt sich das Publikum auf und applaudiert dafür am Ende umso länger.  (Frankfurter Rundschau, 22. Oktober 2012)


Slepneva ist der große Star dieser Produktion. Sie begeistert darstellerisch und zeichnet Minnie als Charakter, der am Zweispalt von Moral, Sehnsucht und Realität zerbrochen ist. Sie betört stimmlich mit allen Facetten, die die Partei braucht: sinnliche Wärme, kämpferische Höhe und Dominanz sowie gute italienische Artikulation. Ein ganz großer Slepneva-Abend! Aber vielleicht ist der große Erfolg dieser Produktion, […]ohnehin darin begründet, dass Musik, Gesang und Bild auf ideale Weise ineinandergreifen. Puccinis Partitur ist kleinteilig, sie ist psychologisch und geht an harmonische Grenzen – und damit füllt sie die dramaturgische Schwachstelle, die der Happyend Plot aufweist. Ein Idealfall von Musiktheater. Alois Seidlmeier, das NTO und der Männerchor Tilman Michaels füllen sie spektakulär, kultiviert und expressiv. Seidlmeiers Puccini ist transparent, selten unbeherrscht und immer nah an der momentanen Stimmung. Das NTO spielt über weite Strecken traumhaft schön – und trägt die Sänger. Und die sind verdammt gut. Roy Cornelius Smiths Ramerrez ist beeindruckend in seiner virilen, aufbrausenden Art. Sein Tenor strahlt kräftig, sein Piano ist zart, … […] Auch das baritonale Timbre von Jorge Lagunes' scheiterndem Sheriff ist imposant, wie auch Uwe Eikötter dem Kellner Nick wieder seine charakteristischen Tenor- und Sung-Heon Ha dem geldgierigen Banker Ashby böse Basstöne verleiht. Die acht Goldgräber sind mit, Lars Möller, David Lee, Allan Evans, Caio Monteiro, Denis Yilmaz, Christoph Wittmann, Peter Maruhn und Sungwon Lee genauso gut besetzt wie die restlichen Rollen mit Magnus Piontek, Marie-Belle Sandis, Radu Cojocariu, Slawomir Czarnecki und Markus Graßmann. Diese "Fanciulla" könnte ein Publikumsrenner werden. […] Großes Musiktheater für großes Publikum.   Mannheimer Morgen, 22. Oktober 2012)


Zum Start in die neue Opernsaison gelingt dem Mannheimer Nationaltheater also eine Ehrenrettung dieses vielleicht bisweilen verkannten Puccini-Meisterwerks. Und der Coup gelingt nicht als übergestülptes szenisches Konzept, sondern als fein aus der Musik heraus gearbeiteter Regieansatz, der insgesamt absolut überzeugend ist – […]. Zum Erfolg dieser Produktion tragen auch das liebevoll detailreiche Bühnenbild von Johann Jörg und die sehr authentisch wirkenden Kostüme von Kathi Maurer bei. Aber nicht zuletzt ist die musikalische Seite mitverantwortlich für das Gelingen dieser Neueinstudierung. Dirigent Alois Seidlmeier lässt das Nationaltheaterorchester mit einer Geschmeidigkeit aufspielen, die bewundernswert ist. Dabei ist sein Forte stark, aber differenziert und sehr gut durchhörbar. […] der Orchesterklang war perfekt in sich stimmig undließ die häufig kammermusikalische Instrumentation wundervoll hervortreten. Ein rundum beglückendes Puccini-Vergnügen! […] Gesamteindruck: Rundweg empfehlenswert!   (Rhein-Neckar-Zeitung, 22. Oktober 202)

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THEATERFEST
23.09.2012, 14.00 – 19.00 Uhr

Die Rheinpfalz, 24.09.12:
 „Die Auswahl ließ dabei wirklich keine Wünsche offen: Egal ob Ausschnitte aus aktuellen Produktionen, Einblicke in die Arbeit hinter der Bühne oder eine Einführung in die Instrumentenkunde – die Zuschauer hatten immer wieder die Qual der Wahl.
Zum absoluten Besuchermagneten entwickelte sich der Erlebnisparcours auf der Opernbühne, denn fast jeder wollte mal auf den Brettern stehen, die für viele die Welt bedeuten. Dementsprechend lang waren auch die Warteschlangen, die sich vor dem Bühnenaufgang bildeten. Wer letztendlich die Bühne erobern konnte, wandelte zwischen Kulissen, hielt ein Pläuschchen mit einigen Darstellern oder suchte seine Familienangehörigen oder Freunde im Zuschauerraum. So winkte ein kleiner Junge ganz aufgeregt seiner Mama zu, die stolz von der Tribüne aus Erinnerungsfotos machte.“
 „Der Aktionsstand ‚Taschen für den Ring‘ ließ das Herz Wagner-Liebhaber und Taschenfans gleichermaßen höher schlagen, denn man konnte mit einem Kauf nicht nur die eigene Taschensammlung erweitern, sondern auch noch einen guten Zweck unterstützen. Der Erlös der Taschenaktion kommt dem Filmprojekt zum Mannheimer Ring zugute. Die Unikate, die aus den Transparenten, die normalerweise die Außenfassade schmücken, gefertigt und mit Knöpfen, Pailletten oder Nieten liebevoll gestaltet wurden, begeisterten nicht nur das weibliche Publikum, sondern auch einige Männer legten sich ein Exemplar dieser einzigartigen Umhängetasche zu.“
 
Mannheimer Morgen, 24.09.12:
 „Das Theaterfest zum Spielzeitauftakt des Nationaltheaters – es war wieder ein großer Besuchermagnet.“

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ERÖFFNUNGSKONZERT
16.09.2012
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier

ERÖFFNUNGSKONZERT<br />16.09.2012<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
ERÖFFNUNGSKONZERT16.09.2012© Foto: Hans Jörg Michel

Die Rheinpfalz, 19.09.12:
 „Marie-Belle Sandis gab eine gepflegte Margueriten-Arie, Thomas Berau stellte mit ‚Scintille diamant‘ (‚Hoffmanns Erzählungen‘) einmal mehr sein besonderes Händchen fürs französische Repertoire unter Beweis, wonach Onur Abaci mit der Arie des Pagen Urbain (aus Meyerbeers ‚Hugenotten‘) das Publikum fast von den Sitzen riss. […] Allenfalls getoppt von den ‚Ombre légère‘ (aus Meyerbeers so gut wie nie gespielter ‚Dinorah‘), mit denen Anke Bitterlich den ersten Teil  mit einer Sopran-Performance der Extraklasse beendete: Besser kann man das kaum singen.“
 „Im zweiten, dem italienischen Teil, gab die neu ans Haus engagierte Astrid Kessler mit der Kavatine der Elvira (aus ‚Ernai‘) eine eindrucksvolle Visitenkarte als genuiner Verdi-Sopran ab, Edna Prochnik vertrat das Mezzofach mit Santuzzas ‚Voi lo sapete‘ aus ‚Cavalleria rusticana‘. István Kovácsházi brachte Puccinis Sterne zum Leuchten, Einspringer Jaco Venter ließ sich mit dem Credo des Jago ebenso wenig die Butter vom Brot nehmen wie Neuzugang Roy Cornelius Smith, der mit Chéniers ‚Un dì all’azzuro spazio‘ noch die letzte Reihe wohlig erzittern ließ.“
 
Rhein-Neckar-Zeitung, 18.09.12:
 [Titel] „Zehn Könner in bester Stimmung“
 „Zehn hervorragende Sängerinnen und Sänger stellten sich vor. Aber ein Ranking war an diesem wundervollen Opernabend nahezu unmöglich. Die beliebten Mannheimer Künstler kann man ja getrost und voller Freude mit Edelpralinen vergleichen.“
 „Nach wenigen Minuten spürte man, dass die Musiker sich sehr wohl fühlten. Und vice versa. Seidlmeier ist ein Meister feinfühliger Dynamik und ein Verächter ruppiger Lautstärken und billiger Orchesterwalzen. Unter Seidlmeiers Regie konnte sich das Orchester geschmeidig an die Stimmen der Sänger anpassen. Außerdem funktionierten die Verständigungen zwischen Orchester, Dirigent und Sängern außerordentlich gut.“
 „Man kommt manchmal nicht umhin, die Leistungen des Orchesters in den Himmel zu loben. Hier aber haben es die Musiker verdient. Je besser das Orchester begleitet, desto intensiver und überzeugender arbeiten auch die Sänger. Und so geschah es an diesem Abend. Zehn Könner in bester Stimmung.
Heike Wessels (Mezzosopran) sang Beethovens Arie ‚Abscheulicher! Wo eilst du hin?‘ sehr innig und teilweise auch dramatisch. Die Arie ‚D’amour l’ardente flamme‘ aus Berlioz‘ ‚La Damnation de Faust‘ sang Marie-Belle Sandis (Mezzosopran) glühend, schön und mit einer Stimme, die man kaum vergessen kann.
Der Bariton Thomas Berau vergoldete die Arie ‚Scintille diamant‘ aus Offenbachs ‚Les Contes d’Hoffmann‘. In Meyerbeers Oper ‚Les Huguenots‘ suchte der zierliche Sopranist Onur Abaci Meyerbeers ‚Nobles Seigneurs‘. Er fand sie und sang mit ihnen herrlich hell wie ein singender Paradiesvogel. Vor der Pause begeisterte die Sopranistin Antje Bitterlich in Meyerbeers Arie ‚Ombre légère‘ aus ‚Dinorah‘ das Publikum noch mit grandiosen Koloraturen.
Und Verdi, ebenfalls Jubilar in 2013? Das Orchester spielte die Ouvertüre zur ‚Sizilianischen Vesper‘ schön und fetzig. Und gleich danach sang Astrid Kessler (Sopran) federflötenfein und locker die Kavatine der Elvira aus ‚Ernani involami‘. Dann kam der Hammer: Der Bariton Jaco Venter (als Gast) sang die Arie des Jago ‚Credo in un Dio crudel‘ aus ‚Otello‘. Teuflisch gut kann dieser Kehlenkünstler singen und auch herzhaft brüllen. Ebenso kräftig und überzeugend sein Kollege István Kovácsházi (Tenor), der die Arie des Cavaradossi ‚E lucevan le stelle‘ aus Puccinis ‚Tosca‘ hochdramatisch zelebrierte. Edna Prochnik (Mezzosopran) sang die Arie ‚Voi lo sapete‘ aus ‚Cavalleria‘ innig und rührend. Venters ‚Nemico della patria‘ aus ‚Andrea Chénier‘ folgte zum Schluss der Tenor Roy Cornelius Smith mit Chéniers ‚Un dì all‘azzuro spazio‘. Das war der absolute Gipfel.“
 
Mannheimer Morgen, 18.09.12:
 
„Jaco Venter, dessen kernige und mächtige Darstellungen des bösen Jago (‚Credo in un Dio crudel) aus Verdis ‚Otello‘ und Gérard (‚Nemico della patria‘) aus Giordanos ‚Andrea Chénier‘ zum Besten gehörten.“
 „Und dann waren da die anderen: […] Thomas Berau, der als Dapertutto (‚Hoffmanns Erzählungen‘) den ‚Scintille diamant‘ nicht nur stimmlich leuchten ließ und schließlich Antje Bitterlich, die als Meyerbeers ‚Dinorah‘ einen hinreißend eleganten ‚Ombre légère‘ samt (selbstredend nicht notiertem) dreigestrichenem ‚gis‘ locker und charmant ins Auditorium sang.
Gespannt war man aber vor allem auch auf die Neuen, die allesamt vollauf begeistern konnten. Zum einen hat das NTM nun einen der wenigen männlichen Sopranisten verpflichtet; und der türkischstämmige Onur Abaci war als Meyerbeers Urbain mit ‚Nobles Seigneurs, salut!‘ (aus den ‚Hugenotten‘) ein bejubelter Star, der mit sauberer Stimmführung, Höhe und schönem Timbre ebenso überzeugte wie mit Ausstrahlung […] Und zum anderen gelang sowohl der Sopranistin Astrid Kessler, die Elviras ‚Ernani involami‘ sang, eine überragend klare, feine und charakterstarke Darbietung als auch ihm: dem US-Amerikaner Roy Cornelius Smith, der Andrea Chéniers‘ ‚Un dì all’azzuro spazio‘ sang – mit warmer Mittellage und glänzenden Spitzentönen. Ja, die drei Neuen sind sehr vielversprechend.“
 „[…] wogegen Edna Prochnik mit ‚Voi lo sapete‘ aus Mascagnis ‚Cavalleria‘ ihren Weg als ernstzunehmende Größe im Ensemble hochgradig beseelt weiter ging.“
 „Die Saison ist eröffnet, das Theater tanzt, spielt, singt und begeistert wieder – und hat eine sympathische Leichtigkeit des Seins gefunden.“

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