Pressestimmen Akademiekonzerte Spielzeit 2013/2014


8. AKADEMIEKONZERT, 30.06.&01.07.2014
Dirigent: Axel Kober
Solistin: Beibei Wang

© Rheinpfalz, 02.07.2014, Gabor Halasz
Unverwechselbare Akzente hat Axel Kober, ehemaliger stellvertretender und später kommissarischer Generalmusikdirektor des Nationaltheaters, im achten und letzten Mannheimer Akademiekonzert der Saison gesetzt. Für den vorgesehenen Solisten des Abends im Rosengarten, den österreichischen Schlagzeuger Martin Grubinger, ist seine chinesische Kollegin Beibei Wang eingesprungen. Sie machte Furore mit dem Konzert für Wasser-Perkussion und Orchester ihres Landsmannes Tan Dun.
Klarheit der Abläufe und der Klangrede stand diesmal groß geschrieben. Seine entscheidende Prägung erhielt das Konzert durch hoch entwickelte Orchesterkultur, vorgeführt bei zwei Standardstücken romantischer deutscher Sinfonik: Mendelssohns Ouvertüre „Die Hebriden“ und Brahms dritter Sinfonie. Kober disponierte dabei mit eleganter, eloquenter Zeichengebung sehr überlegen und gezielt. Die Mendelsohn’schen sinfonischen Meeresstürme entfachte er überaus entschlossen und impulsiv, wobei er die Tonvisionen von Wind und Wellen eindringlich beschwor. Hinzu kamen subtile Piano-Klänge an den Ruhepunkten.
Bei Brahms präsentierte dann der Dirigent, der zurzeit Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf / Duisburg ist, eine mit letzter Konsequenz durchdachte Wiedergabe. Er las die Partitur der dritten Sinfonie sehr aufmerksam und legte mit dem kompakt, ebenso energisch wie sensibel und elastisch aufspielenden Nationaltheater-Orchesters die musikalische Architektur des Werks mit ihren vielschichtigen motivischen Zusammenhängen zwingend frei.
Es handelte sich um eine Lesart der musikalischen Vernunft, bei stets nahtloser sinfonischer Kontinuität und fließenden Übergängen. Bei den dramatischen Verdichtungen der Ecksätze fesselten Spannung und zwingender Nachdruck der Klangrede, in den Mittelsätzen die einfühlsam nachvollzogenen wehmütigen Lyrismen und der kammermusikalische Feinschliff des Zusammenspiels.
Zwischen Mendelssohn und Brahms hab es zeitgenössische, teils exotische Klänge zu vernehmen. Tan Duns „Wasserkonzert für Wasser-Schlagzeug und Orchester“ aus seiner Reihe „Organische Musik“ sich die Synthese zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen östlichem und westlichem Musikdenken. Im halb verdunkelten Saal standen mit Wasser gefüllte Schalen auf dem Podium. Deren Inhalt wurde mit Händen und Gerätschaften traktiert, wobei mit Hilfe von Kontaktmikrofonen die erstaunlichsten Tonkonstellationen entstanden. Die Akrobatik der – von Jens Knoop und Fumiko Nomura als solistische Partner unterstützten – Musikerin Beibei Wang wirkte dabei schlicht phänomenal.
Tan Duns Komposition lebt im Wesentlichen von der rhythmischen Gewalt ihrer hämmernden Motorik und ihren Klangwirkungen. Schier endlose Wiederholungen gehört ebenfalls zu ihren Prinzipien. Eine Straffung wäre dem Stück vermutlich zugute gekommen – allerdings zeigte sich das Publikum im Rosengarten hell begeistert.

© Mannheimer Morgen, 02.07.2014, Hans-Günter Fischer
Das Konzert beginnt mit einer Ansage, die in WM-Zeiten nicht wirklich überraschen kann: Akademie-Vorstand Johannes Dölger lässt "den exklusiven Kreis der Abonnenten" - und den noch ein bisschen exklusiveren der Einzelkartenkäufer - wissen, dass im Rosengarten diesmal nach dem offiziellen Ende keine "Musiker zum Anfassen" bereitstehen. Gegen die Fußballer im Fernsehen hätten sie keine Chance.
Doch Attraktionen gibt es vorher schon im Mozartsaal, obwohl es in der Hauptsache vier Wasserschüsseln sind: zwei für die Hauptsolistin Beibei Wang, je eine für die Assistenzkräfte Jens Knoop und Fumiko Nomura. Knoop ist Erster Schlagzeuger im Mannheimer Nationaltheater-Orchester, Nomura Stellvertretende Solo-Paukerin. Und Beibei Wang eine noch junge, aber bereits international erfolgreiche Percussion-Virtuosin, die aus China stammt.
Das ist die richtige Besetzung für ein Stück Tan Duns, der östliche und westliche Musik erfolgreich wie kein anderer zu manchmal glücklicher Symbiose und gelungenem Crossover führt.
Auch wenn ihm manchmal vorgeworfen wird, das Disparate allzu unbekümmert zu vermengen. Aber irgendwie liegt das in seinem Werdegang begründet, denn der Komponist suchte bereits als noch ganz junger Mann bei Maos Landverschickungsmaßnahmen zur Zeit der kommunistischen Kulturrevolution nicht nach dem Neuen Menschen, sondern vielmehr nach den alten Traditionen. Ehe er in Peking und Amerika studierte und von Toru Takemitsu oder auch Steve Reich beeinflusst wurde.
Sein im Rosengarten aufgeführtes "Water Concerto" zählt zur Werkgruppe "Organic Music" (sogar eine "Wasser-Matthäuspassion" hat er geschrieben). Wasser wird für diesen Komponisten zum Symbol für Harmonie und Gleichklang, das ihn an die Waschfrauen am Fluss aus seiner Jugendzeit erinnert.
"Waschfrau" Beibei Wang bearbeitet das feuchte Element in ihren Schüsseln manchmal mit den bloßen Händen, auch wenn Mikrofone dabei nicht nur Lautstärke-, sondern Geschmacksverstärker sind. Aber sie spielt auch "echte", freilich ungewohnte Instrumente: etwa einen Wassergong, mit dem durch zügiges Herausziehen und Eintauchen Glissando-Wirkungen entstehen; und das "Waterphone", das Wassertrommel, Nagelgeige und Lamellophon (ein Instrument aus Afrika) vereint.
Naturnah wie die Solo-Instrumente tönt auch das Orchester. Manchmal klingt es wie ein Hühnerstall, der ab und an vom Fuchs besucht wird; manchmal auch nach Peking-Oper. Die Musik Tan Duns hat durchaus ihre Reize. Ihre Längen, Vordergründigkeiten und Erwartbarkeiten freilich auch.
Das liegt nicht an den Interpreten. Die Musik vom Wasser wird im Übrigen ganz klassisch eingebettet. Oder vielmehr hoch- und spätromantisch: mit Musik von Mendelssohn und Brahms. In Mendelssohns "Hebriden"-Ouvertüre ist das Element des Wassers ebenfalls präsent. Hinzu könnte noch eine steife Brise kommen, wie sie Mendelssohn auf seiner Schottlandreise oft erlebte.
Eine Sturmwarnung kann bei den Nationaltheater-Musikern indessen ausbleiben: Hell, licht und zart, mit schönen Holzbläsern, zeichnet es die Hebriden.
Dirigent ist Axel Kober, der 2006 in Mannheim für ein Jahr die Position des Generalmusikdirektors kommissarisch ausfüllte und diese mittlerweile hauptamtlich in Düsseldorf und Duisburg innehat. Er gilt als Wagner-Fachmann mit Bayreuth-Erfahrung. Doch mit Wagners Antipode Brahms kommt er im Rosengarten ebenfalls zurecht, in dessen dritter Sinfonie hebt er nicht nur in den zwei Binnensätzen auf die kammermusikalischen Facetten ab.
Der Grundton ist sehr lyrisch, ruhig und kultiviert, im Allegretto stockend und doch sprechend. Eruptive Energien spart sich Kober weitgehend für das Finale auf, Feuer und Furor reißen dadurch nur noch mehr mit, ehe die Musik fast beiläufig verklingt. Das alles ist durchaus gelungen. Eine Zugabe wünscht diesmal trotzdem niemand, denn in zwei Minuten geht es los mit dem Algerien-Kick.


 

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VII. Akademiekonzert, 18./19.05.2014
Dirigent: Shao-Chia Lü
Sheng: Dong Ying
Guzheng: Su Chang

VII. Akademiekonzert<br />18./19.05.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />SU CHANG - die Guzheng-Solistin
VII. Akademiekonzert18./19.05.2014© Foto: Hans Jörg MichelSU CHANG - die Guzheng-Solistin
DONG YING die Sheng-Solistin
DONG YING die Sheng-Solistin
SHAO-CHIA LÜ der Dirigent
SHAO-CHIA LÜ der Dirigent
JIA GUOPING - der Komponist
JIA GUOPING - der Komponist

© Rheinpfalz vom 21.05.2014 von Gabor Halasz
West-östliche Begegnung im Akademiekonzert des Mannheimer Nationaltheater-Orchesters. Dessen jährlicher Kompositionsauftrag ging diesmal an den chinesischen Tonsetzer Jia Guoping, der in seinem Werk, „The Pine-Soughing Valleys“ (Täler der rauschenden Fichten). Dem modernen Sindonieorchester alte chinesische Instrumente gegenüberstellte. Am Pult stand Shao-Chia Lü, womit das chinesische Gipfeltreffen perfekt war.
Die (nicht sehr zahlreich erschienenen) Konzertbesucher machten also die Bekanntschaft mit dem durchschlagskräftigen hellen Ton des Sheng, einer Mundorgel, die sogar mehrstimmig bespielbar ist, und dem Saiteninstrument Zheng (oder Guzheng). Dabei handelt es sich um eine dem Zymbal und dem Hackbrett ähnliche Wölbbrettzither. Beim Kombinieren und Verschmelzen der archaischen Klänge der beiden – von Su Chang (Zheng) und Dong Ying (Sheng) überaus gewandt gehandhabt – Instrumente mit dem europäischen sinfonischen Sound ersann Guoping ausgesprochen aparte Konstellationen. Überhaupt weisen seine „raunenden Fichten“ den Komponisten als Klang-Zauberer aus. Der Reiz seiner fünf tönenden Naturgemälde beruht in erster Linie auf dem Farbenreichtum fantasievoll imaginierter Instrumentalwirkungen unter Einsatz einer Vielfalt unkonventioneller Spielpraktiken.
Spannung mit aggressiven Klangballungen, und Entspannung, mit zarten Pastelltönen gehören zu den wesentlichen dramaturgischen Faktoren der fünf Sätze. Hinzu kamen – von Lü und dem Nationaltheater-Orchester absolut sattelfest nachvollzogene – geschäfte Rythmen bei häufigem Taktwechsel. Vor den „Raunenden Fichten“ bei Smetanas sinfonischer Dichtung „Die Moldau“ (zweites Stück aus dem Zyklus „Mein Vaterland“) und nach der Pause in Sibelius` erster Sinfonie in e-moll (opus 39) feierten Dirigent und Musiker mit ausladendem Gestus großorchestralen Glanz. In beiden Stücken profilierte sich Lü als überlegener Orchesterleiter. Er setzte auf wirkungsvoll angelegte sinfonische Architektur mit Apotheosen und Klangeruptionen. Andererseits wurden verhaltene Lyrismen, poetisch verinnerlichte oder anmutige heitere Momente – wie etwa in der „Moldau“ das böhmisch folkloristische Thema des Dorffestes oder die klingenden Bilder der Flusses zu Beginn, plastisch dargestellt. Als Glanzpunkte des Abends mochten die beiden Mittelsätze der Sibelius-Sinfonie gelten. Die breit strömenden, exquisiten Melodien des langsamen zweiten und die düstere Pracht des Scherzos waren von großer Wirkung. Dabei legten die Holzbläser imponierende Virtuosität an den Tag.

© Mannheimer Morgen vom 21.05.2014 von Stefan M. Dettlinger
Die Uraufführung von Jia Guopings „The Pine-Soughing Valleys“ gerät zum Höhepunkt der Akademiekonzerte

Wenn dies hier zu Ende ist, dann wird viel Farbe verspritzt, gekleckst und verpinselt worden sein, es wird mächtige Explosionen gegeben haben, aber auch Dinge und Gestalten, die jäh in sich zusammenbrechen und implodieren, Nebel werden geflogen und Wasser plätschernd gefallen sein, Pinien werden geflüstert und geheult, Düfte geduftet und Gewitterwolken Berggipfel dramatisch bedroht haben - all dies klangmalerisch gesprochen. Natürlich!

Denn es geht hier ja um die Uraufführung eines großen Orchesterwerkes. Jia Guoping hat es für das Orchester des Nationaltheater Mannheim geschrieben. Der Titel: "The Pine-Soughing Valleys", was zu Deutsch in etwa heißen dürfte: Die Pinien-heulenden Täler. Und diese Täler haben im Rosengarten einen bleibenden, herzlich beklatschten Eindruck hinterlassen - und gehören zum Besten, was die Musikalische Akademie in den letzten zehn Jahren an selber Stelle uraufgeführt hat.
Jia ist Lachenmann-Schüler. Das hört man. Man hört es an der Zerrissenheit seiner musikalischen Ideen. Man hört es an deren Kleinteiligkeit. Man hört es - vielleicht dies sogar am meisten - an der Feinheit im Umgang mit der Klangsynthese aus unzähligen Mikrokosmen. Jia schichtet. Pentatonik, Ganztonleitern und diatonisches Material legt er so übereinander, dass quasi alles gleichberechtigt koexistiert und nichts konkret erkennbar wird. Es entstehen sphärische, bisweilen fast psychedelische Momente, die in einigen Augenblicken sogar wenige Millimeter an der Grenze zur Popkultur vorbeischrammen - sich immer wieder eruptiv aufstauend und unter Einsatz mächtiger Schlagzeug-Attacken entladend.
Explosiv ist das, kathartisch und energisch, und wie sich die breit und prall gefüllte Klangwelt des fünfteiligen Konzerts mit den beiden Soloinstrumenten einerseits mischt, dann wieder scharf kontrastiert - es beeindruckt. Wie zwei Wesen aus einer anderen Welt spielen da Dong Ying auf dem Sheng, einer Art Mundorgel, und Su Chang an der Guzheng, eine Wölbzither, die gezupft, bisweilen aber auch gestrichen wird. Eleganz und trotzdem spitz und auf den Punkt. Jia setzt die Instrumente nicht traditionell chinesisch ein. Die Mundorgel tremoliert viel und kreiert ihre eigenen, fremd wirkenden Klangflächen, die Zither spielt mit perkussiven Effekten genauso wie mit der Möglichkeit, die Intonation zu manipulieren.
Was entsteht, ist schon eine Art Programmmusik. Auch wenn Jia dies im Vorgespräch anders andeutete und die Bilder - alle beruhen auf einer rund 1000 Jahre alten Tuschemalerei aus der Song-Dynastie - nicht unbedingt eins zu eins im Klang nachzuspüren sind, wird die Gesamtstimmung des Bildes plastisch gemacht, erhält also gewissermaßen eine weitere Dimension.
So werden "The Pine-Soughing Valleys" zum Glücksfall zeitgenössischer Musik. In ihrer modernen Dekonstruktion und Vielfalt verweigern sie sich sowohl dem Begriff allzu spröder Avantgarde als auch einer postmodernen (oder neoromantischen) Klanglichkeit, die immer Gefahr läuft, den Kitsch zu streifen.
Der leichtfüßige, filigrane und höchst bewegliche taiwanesische Dirigent Shao-Chia Lü ist hierfür wie geschaffen. Durch Kleinteiligkeit, Akribie, und Wendigkeit gelingen ihm, den Solistinnen und dem bestens aufgelegten Nationaltheater-Orchester die Bilder Jias in spektraler Farbigkeit. Nicht so sehr eignet sich sein Dirigat für Smetanas "Moldau", die zwar brillant und knackig musiziert wurde, aber auch arg nüchtern und streng. Sibelius' 1. Sinfonie wiederum ist so komplex und changiert zwischen sperriger Strenge und pucciniesker Emphase und Gesanglichkeit, da hält Lü das Orchester gut zusammen, auch wenn - wie bei Smetana - es die großen Bögen sind, die man vermisst. Alles in allem ein aufregendes Konzert - mit einer exzellenten Uraufführung von Jia.

© Rhein-Neckar-Zeitung vom 24.05.2014 von Rainer Köhl
Von einer chinesischen Tuschezeichnung wurde Jia Guoping inspiriert zu seiner Auftragskomposition des Nationaltheaterorchesters Mannheim: „The Pine-Soughin Valley“ (Das säuselnde Pinien-Tal) ist der Titel.
Zwei traditionelle Instrumente aus seiner chinesischen Heimat hat der 51-jährige Komponist dem Orchester solistisch beigestellt: die Mundorgel Sheng und die Tischharfe Guzheng. Heftig tosend begann die Uraufführung beim 7. Mannheimer Akademiekonzert im Rosengarten, wurden die beiden Soloinstrumente aus Leibeskräften geblasen und gestrichen. Das Rumoren griff über auf das große Orchester und sein reich beschäftigtes Schlagzeug. Man hörte gleißende, stürzende Klangbänder, blinkende Töne und schäumende Gischt im zweiten Satz „Tosende Wasserfälle“.
Erregend moderne Klänge von großer Fantastik entwarf der Komponist auch im Folgenden des fünfsätzigen Werkes: Hochvirtuos musizierten die Musikerinnen Dong Ying (Sheng) und Su Chang (Guzheng), nicht minder große Verve und Farbenpracht brachte das Nationaltheaterorchester unter der Leitung von Shao-Chia Lü in die sehr freundlich aufgenommene Uraufführung.
Die 1. Sinfonie e-Moll von Jan Sibelius erklang nach der Pause: große Energien von körperhafter Wucht entlud das Orchester, zeigte der taiwanesische Dirigent keine Scheu vor üppigem Pathos. Neben dem klangsatt Rauschhaften, das gerne auch die kühne Klangarchitektur durchscheinen.
In Hochform musizierte das Nationaltheaterorchester, reaktionsstark umschaltend von lyrischer Verinnerlichung in virtuos auftrumpfende Verdichtungen. An der wunderbar homogen musizierenden Streichergruppe hatte man sich schon zu Beginn erfreuen können bei Smetanas Tondichtung „Die Moldau“, wo wahre Zauberstimmungen in delikat schattierten Klängen entstanden, von einem kraftvoll triumphalen Schluss gekrönt.

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BBC Music Magazine Awards 2014 winners announced classical-music.com (09.04.2014)

Alisa Weilerstein's recording of Elgar's Cello Concerto with Daniel Barenboim wins Recording of the Year
Alisa Weilerstein's recording of Elgar's Cello Concerto with Daniel Barenboim wins Recording of the Year

Alisa Weilerstein's recording of Elgar's Cello Concerto with Daniel Barenboim wins Recording of the Year
American cellist Alisa Weilerstein has won the BBC Music Magazine Recording of the Year Award with her debut concerto disc, the Elgar and Carter Cello Concertos, with the Berlin Staatskappelle and Daniel Barenboim, released on the Decca label.
Voted for by the public and BBC Music Magazine’s expert jury of critics, Weilerstein’s disc represents the very best of more than 1,500 reviewed by BBC Music Magazine throughout 2013.
The 2014 BBC Music Magazine Awards jury commented: 'Weilerstein avoids nostalgia and produces an account full of passion, grief and nobility of feeling…it's been years since a new recording of Elgar's great concerto made this kind of visceral impact. Significantly, it is the first time that Barenboim has chosen to conduct a recording of Elgar’s famous Cello Concerto since his legendary performances with Jacqueline du Pré.'
Other winners include two landmark recordings of works by Benjamin Britten: Peter Grimes was the recipient of the Opera Award for the centenary production staged on Aldeburgh beach last summer, while the War Requiem, recorded by Polish and English forces under the direction of Paul McCreesh, took the Choral Award. Pre-eminent Baroque violinist Rachel Podger won the Instrumental category for her solo recital Guardian Angel, while the acclaimed German tenor, Jonas Kaufmann, walked away with the Vocal Award for his disc of Wagner arias. Riccardo Chailly’s recent performances of Brahms’s symphonies with the Gewandhaus Orchestra drew rapturous reviews all over Europe, and won the Orchestral category, while the vivacious French Quatuor Ebène scored their second BBC Music Magazine Award in the Chamber category for quartets by Fanny and Felix Mendelssohn.
Jury awards went to pianist Igor Levit (Newcomer Award) for his breath-taking debut account of Beethoven’s late piano sonatas that, according to the jury, 'stands comparison with the greatest in the catalogue'. George Benjamin’s new opera Written on Skin, sung by Barbara Hannigan, Christopher Purves and Bejun Mehta, won the Premiere Award. The DVD Performance category was won by Jonathan Kent’s production of Puccini’s Tosca sung by Bryn Terfel, Jonas Kaufmann and Angela Gheorghiu with Antonio Pappano from the Royal Opera House, while The Genius of Cavaillé-Coll, an epic exploration of the legendary French organ builder, won the DVD Documentary Award.
A new App Award was launched this year, recognising the achievements and the potential of this exciting new format. BBC Music Magazine, which publishes digital editions for iPad, iPhone, Kindle Fire and Android, presented this inaugural award to the Touchpress/DG Beethoven’s Ninth Symphony app, which packs in a vast amount of content, film, music and interactive engagement.
The Awards were announced today at a ceremony that took place at Kings Place in London. It was hosted by Oliver Condy and Radio 3’s In Tune presenter Sean Rafferty, and attended by artists and representatives from across the classical music industry, as well as 100 BBC Music Magazine readers. Performers included Bryn Terfel, Rachel Podger and Igor Levit and presenters included soprano Dame Anne Evans, actor Sam West and pianist Pierre-Laurent Aimard.


 

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VI. Akademiekonzert, 07./08.04.2014
Dirigent: Marion Venzago, Solist: Alisa Weilerstein

VI. AKADEMIEKONZERT, 07./08.04.2014
VI. AKADEMIEKONZERT, 07./08.04.2014

© Mannheimer Morgen, 09.04.2014, Stefan M. Dettlinger
Diese Frau spielt nicht Cello. Sie und ihr Cello verschmelzen, vereinen sich und werden dann von irgendjemandem gespielt. Von Gott. Der Welt. Oder Robert Schumanns Geist. Egal. Alisa Weilerstein jedenfalls, jene junge US-Amerikanerin, die seit ihrer Kindheit an Diabetes leidet, wird mit ihrem Instrument (ein William Forster von 1790) zu einer Kraft, die Menschen mitreißt. Am Ende von Robert Schumanns a-Moll-Konzert jedenfalls schallt ein schnelles Bravo durch den gut gefüllten Mannheimer Rosengarten. Mit einem kräftigen, kernigen Ton intensiver Expressivität bedankt sich die New Yorkerin und spielt die beiden Bourrées aus - wie könnte es anders sein! - Bachs Cellosuite C-Dur.
Sie ist keine, die nur Schönklang und Perfektion sucht. Ihr Ton ist direkt und wild und driftet hin und wieder ins Unverblümte ab. Ausdruck ist ihr wichtiger als das saubere Ausspielen virtuoser Kaskaden. Und so sind die bemerkenswerten Momente auch nicht die Läufe, Doppelgriffe oder motivischen Spiralen des "sehr lebhaften" Finales. Es sind die, in denen Weilerstein Schumann zu glühender Lyrik und leidenschaftlichem Melodienreichtum verhilft - auch an jenen Stellen, an denen sich ihr Cello-Klang mit dem von Mannheims Solocellistin Dorothea Strasburger zu seligen Intervallen mischt.
Schumanns Cello-Konzert jedenfalls, das ja irgendwie auch eine "Cello-Sinfonie" ist, klingt mehr nach dem dunklen und mystischen 19. Jahrhundert als nach den polierten Hochglanzversionen seiner Werke auf vielen zeitgenössischen Tonträgern. Es rumort und arbeitet im Untergrund (im 1. Satz vielleicht eine Spur zu schnell). Diese vitale Organik aber macht es für den Dirigenten nicht einfach. Mario Venzago hat das Nationaltheaterorchester (NTO) fest im Griff, es geht recht geordnet und kompakt zu, und trotzdem verläuft die Koordination nicht ganz perfekt, klingt das Orchester nicht ganz so frei, federnd und filigran wie bei den anderen Werken.
Etwa bei Maurice Ravels zweiter "Daphnis et Chloé"-Suite. Natürlich ist hier schon die Partitur überaus raffiniert. Ravel eben. Aber so, wie das NTO hier unter Venzago agiert, so beweglich, dynamisch und mithin strahlend, das ist schon beeindruckend. Das anfängliche Blubbern, Brodeln und Zwitschern im "Lever du jour" (Tagesanbruch) mit seinen Flöten-, Klarinetten-, Harfen- und Celestaklängen duftet und dampft, die motivische Verdichtung, der glänzende Sonnenaufgang und strahlende Höhepunkt, der sich aber sensationell schnell entspannt - das ist schon sehr gut. Eine klangliche, aber auch virtuose Meisterleistung.
Auch César Francks Sinfonie d-Moll gelingt, im Prinzip jedenfalls, denn die Perfektion ist hier nicht so zum Greifen nah, wie man es sich vielleicht erwünscht. Manch Heikles (etwa die vielen Pizzicati im Allegretto oder auch einige Horneinsätze im Pianobereich) gelingt nicht ganz nach Wunsch, schadet damit zwar nicht nachhaltig dem guten Gesamteindruck, entspricht aber auch mitnichten dem Selbstverständnis des NTO als ein Spitzenklangkörper. Trotzdem entstehen unter Venzagos Leitung große Momente: Der spukhafte Lento-Beginn durch hochkonzentriertes Musizieren, die emphatischen Streicher, das federnde Blech, das munter erzählende Holz und die umwerfenden Stereoeffekte der Violinen I und II (im gedämpften Pianissimoteil des Allegretto) gehören hierzu genauso wie der Eindruck, ein großes spätromantisches Werk voller plastischer Ideen und ergreifender Aussagen zu erleben.
Immer wieder muss man sich klar werden darüber, dass wir es hier mit einem Opernorchester zu tun haben, das nur alle rund sechs Wochen aus dem Graben steigt und per Probenphase ein Sinfoniekonzert mit Werken gibt, die zwar zum Repertoire philharmonischer Orchester gehören, aber nicht zu dem eines Opernorchesters. Vor diesem Hintergrund ist immer wieder überraschend, welche Qualität das NTO bisweilen abliefert - auch in diesem guten Konzert. Langer Beifall.

©Rheinpfalz, 09.04.2014, Gabor Halasz
Ein französisch-deutsches Programm wurde enthusiastisch umjubelt beim sechsten Mannheimer Akademiekonzert. Gespielt wurde César Francks d-Moll-Sinfonie (FWV 48), Schumanns Cellokonzert (a-Moll, op. 129) und Ravels „Daphnis et Chloé“ (zweite Suite aus dem gleichnamigen Ballett). Höchst anregende künstlerische Akzente setzten Mario Venzago am Pult des Nationaltheater-Orchesters und die junge US-amerikanische Cellovirtuosin Alisa Weilerstein.
Äußerst lebendig ging es diesmal zu im Rosengarten. Mario Venzago – einigen Musikfreunden in unserer Region noch in Erinnerung geblieben aus seiner Zeit als Heidelberger Generalmusikdirektor (1986-89) – agierte ungemein dynamisch, mit leidenschaftlichem Impetus. Offenkundig bedeutete Ausdruck dem Schweizer Dirigenten alles, der inzwischen eine bedeutende internationale Laufbahn bestreitet. Animierte er doch unentwegt mit aufwändig ausladender, beredter Zeichengebung das wie entfesselt aufspielende Nationaltheater-Orchester zu energie – und emotionsgeladenem Musizieren.
Zustande kamen dabei vor Spannung geradezu berstende Wiedergaben. Bei der Franck-Sinfonie und „Daphnis und Chloé“ wurde mit empathischem Gestus spätromantischer beziehungsweise frühmoderner großorchestraler Glanz gefeiert. In beiden Werken gab es – extrem gezielt exponierte – grandiose Höhepunkte und tönende Apotheosen. In „Daphnis und Chloé“ hätte man sich den ekstatischen Klangrausch des dritten Satzes „Danse générale“, kaum überwältigender vorstellen können als er diesmal beschworen wurde.
All dies geschah im Zeichen betont zügiger, straffer Abläufe. Mit Sicherheit sind mäßigere Zeitmaße sowohl bei Francks Sindonie als auch bei „Daphnis und Chloé“ denkbar. Dessen ungeachtet vermochte Venzagos Version zu überzeugen und beeindrucken.
Der Dirigent erwies sich jedoch keineswegs lediglich als musikalischer Draufgänger. Vielmehr war er ein sehr überlegen disponierender Maestro und auch Sensibilissimus. Bei Franc stand er für feinsinnig ausmusizierte delikate Lyrismen ein, und die sehr flexible Begleitung, stellenweise in hauchzarten Pianissimo-Tönen des Schumannschen Cellokonzerts war ein dirigentisches Meisterstück.
Zuständig für die Flüstertöne des Soloparts war Alisa Weilerstein, eine Virtuosin in großem Stil und zugleich eine feinsinnige Künstlerin mit ausgeprägter gestalterischer Fantasie. Ihre traumwandlerische Sicherheit bei den über alle Maßen kniffligen Passagen des Schumann-Konzerts wirkten mehr als verblüffend. Andererseits spielte Weilerstein mit sanglich inspirierter schwärmerisch-romantischer Hingabe. Einige Glissandi hätte sie sich sparen können. Absolut vorbildlich in puncto Eleganz und Tonqualität aber geriet ihre Zugabe: die Bourée aus Bachs dritter Cello-Solosuite in C-Dur.
 

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V. AKADEMIEKONZERT, 24./25.02.2014
Dirigent: Dan Ettinger, Solist: Fazil Say
(Kopie 1)

© Mannheimer Morgen, 26.02.2014, Stefan M. Dettlinger
Also wenn dieser Mann am Klavier sitzt, dann weht doch mehr als nur ein Hauch von Freiheit, Revolution und Partystimmung durch den Saal. Fazil Say ist da - und mit ihm die Erleichterung, dass das Aufbrechen der starren Form in einem Klassikkonzert gelingen kann, ohne an Niveau zu verlieren. Der eigentliche Höhepunkt dieses fünften Akademiekonzerts sind dann konsequenterweise auch nicht mehr die hehren Werke der Meister: Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur oder Leonard Bernsteins 1. Sinfonie ("Jeremiah"); obwohl deren Wiedergabe dem Nationaltheater-Orchester (NTO) unter Dan Ettinger gut gelang. Nein, es sind Fazil Says Zugaben, oder besser gesagt: Fazil Say himself.
Ob das gut ist und der Musik dienlich, werden manche fragen. Sie bekommen als Antwort: Aber natürlich, und zwar dienlich nicht nur der Musik, sondern auch ihrer Lebendigkeit und dem Konzertbetrieb! Denn wenn der türkische Pianist bei seiner ersten Zugabe nach dem jazzig gespielten h-Moll-Thema aus George Gershwins "Summertime" mit der charakteristischen Anfangsterz eine verspielte impressionistische Diskantrakete steigen lässt, so tut er nichts anderes als jene Virtuosen im 19. Jahrhundert, die hübsche Frauen in Scharen ohnmächtig gespielt haben. Wenn Say spielt, leben die Werke, sie atmen und entstehen aus dem Moment heraus. Spontaneität ist das Zauberwort - da macht es auch nichts, wenn etwas nicht bis ins letzte Detail geschliffen ist wie damals bei Arturo Benedetti Michelangeli.
"Summertime" jedenfalls steigert Say in seiner typischen Art zu einem nervösen Pulsieren, zu einem Feuerwerk der Stile und Spielarten, streift Blues und Ragtime genauso wie die klanglichen Gefilde eines Rachmaninow oder Prokofjew. Auffällig ist sicherlich, dass er selten lange bei einer Ausdrucksart bleibt. Wie ein Tastenderwisch jagt der Mann mit zappelnden Beinen nervös und dirigierend durch Musik und Jahrhunderte.
Noch deutlicher wird sein Verfahren der Abwandlung und Beugung musikalischen Materials in Niccolò Paganinis Capriccio Nr. 24 a-Moll. Hier beginnt er - wie übrigens auch Rachmaninow in seinen berühmten Paganini-Variationen - nicht direkt mit dem Thema, sondern mit dessen Veränderung. Nicht sofort ist Paganini zu erkennen, anfangs klingt das wie eine Ballade aus der Bibel der Jazzer, dem Real Book. Doch es gehört zu Says Kunst, dass sich Paganini dann nach und nach mehr und mehr zeigt, dass er das prägnante, aber im Grunde einfache Kopfmotiv durch den Say-Wolf dreht, dabei Brahms' technische Errungenschaften genauso zur Anwendung bringt wie die des 20. Jahrhunderts. All das ist 13 Minuten lang Musik, die nicht auf dem Programm steht. Und doch ist sie es, die den Ereignischarakter des Konzertes ausmacht.
Von hinten betrachtet, also von Bernsteins Sinfonie Nr. 1 ("Jeremiah"), liefern auch das Nationaltheater-Orchester und Mezzosopranistin Edna Prochnik unter Generalmusikdirektor Dan Ettinger eine brillante Vorstellung ab. Was für ein Werk, diese "Jeremiah"-Sinfonie über die Prophezeiung von der Verwüstung Jerusalems, von ihrer Entweihung und der Klage darum, die Edna Prochnik so intensiv und beseelt, so mächtig und klangschön darbietet! Das Orchester spielt hier auf den Punkt. Zwischen höchster Dramatik und tiefster Empfindsamkeit wird Bernsteins Masterwork ausgelotet, kollageartig wie Strawinskys "Sacre" bisweilen, dann wieder - etwa im Streicherfinale des Largamente - zärtlich, samtig und todtraurig bis zur inneren Zerbrochenheit. Eine großartige Wiedergabe von Bernsteins vielleicht eindrucksvollstem Werk.
Begonnen hatte alles aber mit der kurzen und knackigen "Candide"-Ouvertüre und Ravels Klavierkonzert. Hier wählten Ettinger und Say in den Ecksätzen extrem hohe Tempi, was der Musik gut tun könnte - wenn die Deutlichkeit der musikalischen Aussage und der vielen solistischen Staccatopassagen der Bläser nicht darunter leiden würde. Doch das tat sie. Während Say sich frei von der Leber die Seele aus dem Leib spielte, wirkte der große Klangkörper immer wieder etwas träge, konnte der sprintenden Musik nur mit Mühe folgen.
Weggewischt wurde dieser anfängliche Eindruck durch das Beschriebene. Der fast voll besetzte Mozartsaal jubelte, tobte, die Menschen standen auf. Wir werden uns an dieses Konzert erinnern. Say sei Dank.


© Rheinpfalz, 26.06.2014, Markus Pacher
Wer Fazil Says spektakulären Auftritt im Rosengarten an der Seite des Nationaltheater-Orchesters Mannheim erleben durfte, wird bestätigen: Das Charisma des Pianisten ist umwerfend, seine Verführungskunst elektrisierend. Beim Akademiekonzert hinterließ er nach dem Klavierkonzert von Ravel in G-Dur und zwei Zugaben aus eigener Feder ein zunächst sprachloses, später völlig aus dem Häuschen geratendes Publikum.
Wie das geht? Wieder ist es wohl die emotionale Seite in der Musik jenseits erklärbarer Grundvoraussetzungen wie technische Souveränität, schlüssiger Phrasierungskunst und differenzierter Anschlagskultur. Zugegeben, es klingt kitschig: Doch im Spiel von Fazil Say geht jeder Ton direkt ins Herz. Das Merkwürdige daran: Er spielt, auch wenn er nicht spielt. In einem Moment wirft, nein, schleudert er die Töne ins Publikum, im nächsten wendet er sich von den Tasten ab und dem Orchester zu, versinkt in die Klänge seiner Partner, mutiert vom brillanten Tastenzauberer zum sensiblen Kammermusiker. Es sind entmaterialisierte Töne und Pausen, die er in einer geradezu verschwenderischen Fülle an das Publikum verschenkt – entmaterialisierte Musik in einer ansonsten so durchmaterialisierten Klassikwelt.
Fazil Say ist ständig in Aktion. Manchmal scheint es angebracht, die Augen zu schließen, um sich ganz auf die Musik konzentrieren zu können. Sonst läuft man möglicherweise Gefahr, über das Zappelphilipp-Syndrom zu grübeln. Denn sein Bewegungsdrang ist auffällig. Wenn die eine Hand pausiert, gestikuliert die andere unbeeindruckt weiter, kommentiert das Geschehen im Orchester, kommuniziert und flirtet mit dem Publikum. Niemand entkommt diesem hyperaktiven Energiebündel. Natürlich kommt ihm die nervöse musikalische Gestik, die turboschnell hämmernden Martellati und die flatterhafte Instrumentation in Ravels Klavierkonzert entgegen. Atemlos lauscht das Publikum dem rasanten Rankenwerk, den tosenden Tonrepetitionen. Dass seine Klavierkunst dabei niemals zum maschinenhaften Präzisionsbeweis gerät, das unterscheidet ihn von vielen anderen Pianisten. Darüber hinaus erinnert sein Spiel trotz der komplexen Ravel’schen Vorlage immer ein wenig an eine Improvisation: unprätentiös und spontan. Im langsamen Satz schließlich outet Fazil Say den Franzosen als schwärmerisch-sinnlichen Romantiker. Mit seinen musikalisch ungemein vielschichtigen und elektrisierend brillanten Variationen über Paganini (Caprice Nr. 24) und Gershwin (Summertime) überzeugt er die letzten Zweifler.
Um das Glück perfekt zu machen: Mit Fazil Say und Dan Ettinger hatten sich an diesem Abend zwei wesensverwandte Temperamentsbündel gesucht und gefunden. Als Vorspiel zum Auftritt des türkischen Tastenstars diente Bernsteins „Ouvertüre zu Candide“. Das Nationaltheater-Orchester machte aus der sich zwischen Jazz und Zwölftonmusik, Walzer, Marsch und Tango munter hin und her bewegenden Stilparodie eine lustige Zirkusnummer mit Dan Ettinger als Dompteur und großem Showmaster, der hier wie in Bernsteins 1. Sinfonie „Jeremiah“ die Fäden jederzeit sicher in der Hand behielt.
Das letzte i-Tüpfelchen auf einen grandiosen Konzertabend war die „hauseigene“ Mezzosopranistin und Wagner-Interpretin Edna Prochnik. Mühelos überstrahlt ihre große Stimme den gewaltigen Orchesterapparat, lässt den Instrumentalisten gleichzeitig genügend Raum zur Entfaltung der meditativ-hebräischen Elemente in der Musik Bernsteins.


©  Rhein-Neckar-Zeitung, 03.03.2014, Rainer Köhl
Von Leonard Bernstein hört man in unseren Konzertsälen meist die beliebten tänzerisch beschwingten Werke. Auch solche gab es beim 5. Mannheimer Akademiekonzert, aber daneben noch ein Werk, das einem selten im Konzertsaal begegnet: seine 1. Sinfonie „Jeremiah“, 1942 komponiert. Der Mannheimer GMD Dan Ettinger zeigt in seinem Interpretationsstil starke Parallelen zu Bernstein, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch mal ein Programm mit Werken, des großen amerikanischen Komponisten ertönt.
Hochgespannte, grüblerische Gesten und machtvoll pathetische Klänge erhoben sich im Kopfsatz dieser halbstündigen Sinfonie, der Prophezeiung über die Zerstörung Jerusalems. Und freilich gibt es auch hier in diesem ernsten sinfonischen Werk den schwungvollen Bernstein-Tonfall: im vitalen Mittelsatz, der Verwüstung Jerusalems. Dessen tänzerisch zündender Elan und ostinate Wendungen, die durch mitreißende Rhythmuswechsel, hymnische Themen und markante Blechbläsermotive das folkloristische Kolorit des Nahen Ostens malen, wurden vom Nationaltheater-Orchester ausgesprochen lustvoll umgesetzt. Der große Schlusssatz „Lamentation“ ist eine große Klage flammend und mit Emotionen gesungen von Edna Prochnik.
Begonnen wurde der Abend mit Bernsteins „Candide-Ouvertüre“: Dabei musizierte man lustvoll hedonistisch, saftig krachend und vital großstädtisch, wenn nicht lärmend. Und was passt zu Bernstein besser als das Klavierkonzert G-Dur von Ravel? Die amerikanische Sphäre dieses Werks, die Gershwin-Anklänge, das lustvoll Orgiastische wurde unter Dan Ettingers Leitung trefflich präpariert, und freilich war dies auch ein Stück, das dem Solisten Fazil Say bestens in den Fingern und der Seele lag. Die vitalen Rhythmen stampfte er mit dem Fuß, daneben tauchte er ein in die stille Lyrik und verträumte Poesie.
Und auch das Orchester hatte große Momente. Man hörte zauberische Harfenklänge und erlesen abgetönte mediterrane Klänge. Improvisatorischen Charakter gab der türkische Starpianist vor allem dem Finale, musizierte quirlig und pointiert, voll Witz und sprühender Laune.
Hochbegeistert war das Publikum vom Pianisten, der sich nicht lange bitten ließ und zwei Zugaben nachreichte: eine eigene Adaption von Gershwins „Summertime“, das er in rasanten Ragtime überführte, wo für pianistische Pirouetten reichlich Platz war. Gefolgt von einer eigenen Komposition, in welcher er an Oud und Kanun (mit entsprechender Saitendämpfung) in Beziehung brachte mit improvisierter Romantik.


 

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IV. AKADEMIEKONZERT, 20./21.01.2014, Rosengarten
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

IV. AKADEMIEKONZERT, 20./21.01.2014
IV. AKADEMIEKONZERT, 20./21.01.2014

Franz Schubert: 5. Sinfonie B-Dur D485
Anton Bruckner: 5. Sinfonie B-Dur

Pressestimmen

Mannheimer Morgen, 22.01.2014, Stefan M. Dettlinger
(...) So leichtfüßig, tänzelnd, mithin auch höchst elegant und fein ziseliert hinterlässt Schuberts Frühwerk mächtig Eindruck. Das Nationaltheater-Orchester spielt konzentriert und perfektionsnah, lässt die Streicher glänzen, mit fantastischen Holzbläser-Attacken die Farben leuchten und tanzt mit Schubert gekonnt durch den trüben Monat Januar.
Dass sich diese Stimmung mit der kolossalen, knapp 80 Minuten dauernden Fünften Anton Bruckners ändern würde, ist klar. Auffällig sind über den ganzen Bruckner die wie elektrisiert und homogen aufspielenden Streicher (als Gast-Konzertmeister fungiert Dimiter Ivanov vom Frankfurter Opernorchester), aber auch sonst wären viele Einzelleistungen - etwa die Solooboe - hervorzuheben.
(...) Die Blechbläser drücken und funkeln mächtig, die Streicher betören, und wenn es einen Gott gibt, so zeigt er im Adagio seine Gestalt. So erhaben und edel, wie dieser Satz vom NTO unter Ettinger musiziert wird - das geht nicht nur durch Mark und Bein, sondern wird tief spirituell, rührt fast zu Tränen. Ja, das kann Musik mit uns anstellen.
(...) Alles in allem aber ein Abend, der etwas in uns bewirkt hat. So sieht es wohl auch das begeisterte Publikum.“

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NEUJAHRSKONZERT am Nationaltheater, 01.01.2014
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 9 d-moll
Musikalische Leitung: Dan Ettinger

NEUJAHRSKONZERT am Nationaltheater<br />01.01.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
NEUJAHRSKONZERT am Nationaltheater01.01.2014© Foto: Hans Jörg Michel

„Das große menschheitsverbindende Opus also statt leichter Walzermelodien. Dass die Zuhörer auch davon beschwingt nach Hause gingen, dafür sorgten Dan Ettinger und das Nationaltheaterorchester im Verbund mit dem Chor und den Solisten.“
„Dan Ettinger legte eine im besten Sinne zeitgemäße Lesart von Beethovens Partitur vor: mit flotten, aber nie überzogenen oder verhetzten Tempi und rhythmisch ausgesprochen akzentuiert. Dazu war der Dirigent stets auf Durchhörbarkeit bedacht, legte die Strukturen der Partitur genau offen und zeigte so, dass auch die Neunte ein Teil des Beethovenschen Spätwerks mit komplexen satztechnischen Verästelungen ist.“
„Beim Finale war dann das Beethoven-Glück komplett. Hier wurde der Klang noch einmal feiner und runder, die dynamische Bandbreite noch einmal größer. Dies war der endgültige Garant für eine wirklich mitreißende Aufführung.“
„Rundherum großartig schließlich der von Tilman Michael einstudierte Chor des Nationaltheaters. Alle Beteiligten wurden vom Publikum enthusiastisch gefeiert.“    Die Rheinpfalz, 03.01.2014

(...) Wir hören Pathos ohne leere Rhetorik, herbe Schraffuren, manchmal in ein überraschend fahles Licht getaucht. Dazwischen einige harmonische Inseln, die von Schönheit erzählen, der melodischen Ausweitung verpflichtet, Ruhepunkte, die man sich hier und da in den beiden ersten Sätzen organischer eingebunden wünschte, um aus der druckvollen Dynamik den Kontrast, die weichere Gestimmtheit, nicht nur wirkungsvoll, sondern auch zwingend hervorgehen zu lassen.
Später, nach dem beglückend subtil phrasierten Adagio, im Finalsatz, im Wechsel von Chor und Orchester werden solche rissigen Reihungen sinnvoll. Denn hier wird in vitaler Auffächerung eine Komplexität erzeugt, die häufig in Bewegungsschübe zerfällt, in Klang- und Farbschichten (Kontrabässe!), die Dan Ettinger und das prächtig spielende Nationaltheaterorchester konsequent ausloten. Großartig mit welchem Elan sich Chor und Musiker, unterstützt von den fabelhaften Solisten Cornelia Ptassek, Evelyn Krahe, Martin Muehle und John In Eichen gegenseitig motivieren, um in diesem Satz die Grenzen einer traditionellen Musik-Ästhetik zu sprengen.
Wird doch die Heimat der Freude jetzt zum emphatisch gesungenen Wortbekenntnis, vollzogen als überwältigender Ausbruch ins Hymnische, eine Haltung, die dem Idealisten und Aufklärer Beethoven wohl einzig angemessen erschien, auf die realen Leiderfahrungen des Menschen, trotz des "lieben Vaters überm Sternenzelt" mit irdischen Glücksvorstellungen und dem Wunsch nach einem besseren Zeitalter zu antworten. Das Publikum war begeistert und feierte die Mitwirkenden mit rhythmischem Klatschen und Bravorufen.   Mannheimer Morgen, 03.01.2014


 

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16. & 17.12.2013
III. AKADEMIEKONZERT
Dirigent: Dan Ettinger
N.A. Rimski-Korsakow : Scheherazade op. 35
P.I. Tschaikowsky : 4. Sinfonie f-moll op. 36

III. AKADEMIEKONZERT, 16. und 17.12.2013
III. AKADEMIEKONZERT, 16. und 17.12.2013

Kleiner Luftsprung inklusive
Äußerliche Ähnlichkeiten sind zwar nicht zu konstatieren, doch ansonsten ist Konzertmeister Andrei Rosianu mit Scheherazade nahezu identisch. Rimski-Korsakow hat die betörende Erzählerin zur Titelheldin seines populärsten Werks gemacht (wenn wir den "Hummelflug" mal außen vor lassen). Die Sologeige schafft geschmeidig Übergänge zwischen den vier Sätzen, schmeichelt sich beim Hörer ein, besänftigt ihn oder befeuert ihn mit schierer Eloquenz. Das sind im Ganzen eher "feminine" Tugenden. Emotionale Klugheit ist gefordert. Und der Hüne Rosianu ist zu solcher durchaus fähig, was den Schluss des Stücks plausibel macht: Scheherazades süße Überredungskünste siegen.
Aber auch der böse Sultan aus dem Orient, der seine Ehefrauen sonst zu töten pflegt, nimmt in der Aufführung der Nationaltheater-Musiker im Mozartsaal des Rosengartens schon zu Anfang kantige Gestalt an. Plastisch, manchmal sogar drastisch werden literarische Gestalten zu Musik. Man spürt bei diesem dritten Akademiekonzert ein orchestrales Selbstbewusstsein, das nicht selbstverständlich ist. Und eine offensive Ausrichtung, die keine "Schlachtrösser" mehr fürchtet. Außerdem ein Spielniveau, das für ein Städtisches Orchester ungewöhnlich hoch ist. Woher mag das kommen? Eine Mutmaßung ist nicht ganz von der Hand zu weisen: Dass auch die erfolgreiche Beschäftigung mit Wagners "Ring des Nibelungen" zum neuen Selbstbewusstsein beigetragen haben mag - was dieses Großprojekt im Nachhinein schon deshalb rechtfertigen könnte.
Taktstock zur Verdeutlichung
Eine schöne Pointe ist, dass Rimski-Korsakow den "Ring" in jenen Jahren kennenlernte und zu seinem Leitstern machte, als er an "Scheherazade" schrieb. Natürlich komponiert er nicht so avanciert, und seine Leitmotivik gibt sich anders und bescheidener. Doch seine Instrumentation ist wie aus einem Lehrbuch (das er später auch geschrieben hat), und beim Konzert in Mannheim hört man wirklich alles. Sämtliche Schattierungen der großen Farbstudie sind eingefangen, dem spezifischen Aroma jedes Instruments wird fast gourmethaft nachgeschmeckt. Ohne zur Dekadenz zu neigen: An der harten, umrissscharfen Wand der Blechbläser prallt derlei einfach ab, und nicht einmal die Hörner wollen dabei patzen.
Dirigent Dan Ettinger hält das Geschehen fest in seinen Händen. Wenn die Linke fordernd zittert (was sie oft tut), heißt das: Noch mehr Espressivo! Nach der Pause, in Tschaikowskys vierter Sinfonie, schwingt er zudem, als Instrument zwar nicht der Züchtigung, aber der weiteren Verdeutlichung, den Taktstock, den er vorher nicht verwendet hatte. Und das deutet an, wohin die Reise gehen soll: Bei allem Pathos soll doch jene strenge Schule walten, der in Russland einst so legendäre Musiker wie der jahrzehntelang in Leningrad, heute Sankt Petersburg, wirkende Dirigent Jewgeni Mrawinski präsidierten. Ohne Seitenblicke auf romantisierende emotionale Drücker heißt das Motto schlicht: Orchesterdisziplin - und noch einmal Orchesterdisziplin.
Wie gut das auch in Mannheim funktioniert, macht staunen. Wiederum bestätigt sich: Die orchestrale Qualität der Nationaltheater-Musiker liegt eine halbe Stufe höher, als sie noch vor zwei, drei Jahren war. Das klingt nach wenig; aber eine halbe Stufe kann in der Musik bisweilen eine ganze Welt sein. In Tschaikowskys Vierter, seiner "Schicksalssinfonie", kann man dem Fatum in den Anfangstakten förmlich dabei zuschauen, wie es die Bläsergruppen abschreitet. Die Pizzicato-Perfektion der Streicher lässt das Scherzo über alle Maßen geistreich wirken (nur die Flöten tönen etwas spitz und übersteuert). Ehe uns ein großer Rumms ins überschäumende Finale führt, wo Ettinger gar, zwei Mal an der jeweils gleichen Stelle, einen kleinen Luftsprung hinlegt. Das ist kein Kontrollverlust. Entspannende Momente kurz vor Weihnachten, wie im Programmheft-Vorwort angekündigt, bietet dieser Abend zwar nur selten, dafür steckt einfach zu viel Dramatik in den Stücken und den Interpretationen. Doch das ist ein Glück. Der
Jubel spricht entsprechend groß aus.   (Hans-Günter Fischer, Mannheimer Morgen, 18.12.2013)

Ins spätromantische Russland führte die Reise im dritten Mannheimer Akademiekonzert im Rosengarten. Eine Reise voller klingender Abenteuer durch märchenhaft orientalische Gefilde und aufgewühlte Seelenlandschaften. Auf dem Programm standen Rimski-Korsakows sinfonische Suite „Scheherazade“ (op. 35) und Tschaikowskys „Schicksalssinfonie“ in f-Moll (op. 36). Ganz besonders bei letzterer stand Dan Ettinger am Pult für außerordentlich hohe Maßstäbe ein.
Die Werkfolge kam einer tönenden Lektion in Instrumentierungslehre für Kompositionsstudenten gleich. Waren doch sowohl Tschaikowsky als auch Rimski-Korsakow großartige Virtuosen, authentische Zauberer des Orchesterklangs. Der Zuhörer konnte sich diesmal genüsslich hingeben der Opulenz, dem ausladenden Gestus und der Ausdrucksgewalt spätromantischer Sinfonik.
Zumal sie ihm großzügigst serviert wurden von Ettinger und dem sehr kompakt, mit zündendem Elan aufspielenden Nationaltheater-Orchester. Mit entfesselter Spielfreude beschworen Dirigent und Musiker in raffinierten Schattierungen den sinfonischen Glanz, die schillernde, orientalisierende Pracht der „Scheherazade“-Musik. Wobei die raffinierten, exotischen Farben mit verfeinertem Gespür nachgezeichnet wurden und die großen Verdichtungen ihre volle sonore Wirkungsgewalt entfalteten.
Hohe Anerkennung gebührt freilich dem klangschönen, sensiblen Solo mit dem zarten, träumerischen Scheherazade-Thema des Konzertmeisters Andrei Rosianu, dessen Violine die Märchenerzählerin aus Tausendundeiner Nacht in exquisiten Tönen darstellte. Für das hohe Potenzial des Nationaltheaters sprachen auch die vorbildlichen Beiträge anderer Soloinstrumentalisten, der Cellistin, der Holzbläser, des Hornisten und des Trompeters.
Aus dem Vollen schöpften Dirigent und Orchester dann nach der Pause auch bei der Bekenntnismusik von Tschaikowskys vierter Sinfonie, in der seine Lebenskrise im Schicksalsjahr 1877 bewegenden tönenden Ausdruck gefunden hatte. Mit konzessionslosem, nachgerade ekstatischem Nachdruck wurden Trauer und Klage des ersten Satzes dargestellt, seine verwegenen Ausbrüche und verzweifelten Instrumentalaufschreie exponiert. Andererseits gelangen Ettinger und dem Orchester subtil verinnerlichte Piano und Pianissimo-Passagen und Übergänge von seltener Schönheit.
Anrührend erklang danach die folkloristisch angehauchte wehmütige Idylle des zweiten Satzes, und das Pizzicato-Scherzo geriet zum brillanten Virtuosenstreich. Virtuosität und großorchestrale Pracht wurden schließlich effektvoll zelebriert im vierten Satz, mit dessen triumphalistischer Rhetorik und plakativem Pathos man allerdings auch seine Schwierigkeiten haben mag. Sie erfüllen nämlich restlos das Kriterium des einst von der sowjetischen Kulturpolitik verordneten sozialistischen Realismus.   (Gabor Halasz, Rheinpfalz, 18.12.2013)


 

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11. & 12.11.2013
II. Akademiekonzert
Dirigent: Dan Ettinger
Solist: Alexander Gilman

II. AKADEMIEKONZERT, 11. und 12.11.2013
II. AKADEMIEKONZERT, 11. und 12.11.2013

Sie haben sich dramatisch reduziert, die Flugstunden von Mannheims Generalmusikdirektor (GMD) Dan Ettinger. Erinnern wir uns: Es war bei seinem Mannheim-Debüt am 26. Oktober 2009, da hob er stets ab, wenn die musikalischen Winde wuchtig und wild in einen Punkt der Entfesselung mündeten. Mindestens zehn Zentimeter über dem Erdboden war Ettinger da anzutreffen. Er flog - oder wurde geflogen. Er kam als junger Wilder und Überflieger in die Quadrate und entfesselte die Emotionen des Publikums. Sein Luftfahrzeug damals hieß "Auferstehungssinfonie" und wurde von Gustav Mahler gebaut. Etwa um 1894.
Auch in Mahlers Fünfter, die zehn Jahre jünger ist und Ettinger jetzt beim Akademiekonzert im Rosengarten dirigiert, ließe es sich gut und hoch schweben. Doch bei dem mittlerweile 42-jährigen Generalmusikdirektor hat sich etwas Wesentliches geändert. Aus dem jungen Wilden ist ein nicht mehr ganz so junger milder Wilder geworden, der sich mehr aufs Organisieren von Klängen und Entwicklungen konzentriert, der kontrolliert, analysiert und zusammenhält. Man könnte auch sagen: Das Dionysische ist etwas dem Apollinischen gewichen. Hat der Gott der Heilung, Reinheit und Mäßigung die Macht in Ettinger übernommen?
Doch: Der Mahler, der vom Nationaltheater-Orchester (NTO) erklingt, ist gut. Er klingt weitgehend rund, perfekt, kompakt und offenbart klare polyphone Strukturen (was schwer ist). Er ist auch beseelt, vor allem in den vielen betörend schönen Streicherpassagen, was gleich im zweiten Thema des Trauermarschs deutlich wird, aber natürlich auch im beliebten Adagietto. Doch etwas fehlt: Es ist das Äußerste, Extreme, Katastrophische, der Moment, wenn Musik physisch wird. Zudem wirkt einiges arg streng, fast schon durchgepeitscht.
Das kennt man durchaus anders. Bernstein, Solti, vor allem aber Sinopoli und Levine gaben Mahler mehr Luft zum Atmen. Sie ließen dieser zwischen Weltentrücktheit (Adagietto), Ironie (3. Satz) und tragischer Katastrophe (2. Satz) irisierenden Musik mehr Raum, durch zeitliche Verzögerungen (Tempo rubato) auch mehr Elastizität im Zeitmaß. Umso überraschender ist bei dieser Strenge dann vielleicht, dass der Anfang mit dem markanten zwölftaktigen Trompeten-Staccato unrhythmisch klingt. Es ist verrückt: Da, wo Mahler ausdrücklich "streng" hinschreibt, dehnt Ettinger das wichtigste Klopfmotiv des ersten Satzes bis zur Unkenntlichkeit. Das ist doch kein "gemessener Schritt" (Mahler). Das ist ein Schlendern. Es braucht also, bis der Kondukt (Trauerzug) sein Tempo hat, dann aber schreitet er. Die Sätze zwei und drei gelingen. Der zweite, das "Stürmisch bewegt", entwickelt enorme Dramatik, der dritte, das Scherzo, bei dem sich Solohornist Wilhelm Bruns an der Rampe solistisch gut schlägt, entwickelt auch die typisch Mahler'sche Mixtur aus keckem Augenzwinkern und sich anbahnendem Unheil.
Der Pawlow'sche Reflex, der uns beim Hören des Adagietto oft automatisch zu Luchino Viscontis (und Thomas Manns) Gustav Aschenbach, an die Lagune, den Lido und die von sexueller Begierde und fataler Krankheit geschwängerte Fin-de-siècle-Luft treibt, mag sich danach nicht so recht einstellen - obwohl die NTO-Streicher exzellent spielen! Hier ist wieder dieser Moment: Man wünscht sich mehr Freiheit (diesmal für den ja vielleicht erotischen Höhepunkt). Die strahlende D-Dur Apotheose im Finale, das Jubeln hingegen gelingen wieder. Ettingers Fünfte schließt, als sei eine Krankheit überwunden und die Frau des Lebens (Alma) gefunden. Vollkommen.
Dass es Mozarts Violinkonzert G-Dur (KV 216) und sein Solist Alexander Gilman vor den 70 schwerwiegenden Mahler-Minuten schwer haben würden, bleibenden Eindruck zu hinterlassen, war klar. Mozart gehört auch nicht unbedingt zu Ettingers Stärken, wobei schon Interessantes unter ihm entstanden ist; wir erinnern den Schwetzinger "Titus". Ettinger und Gilman machen das gut. Mozarts feine Strukturen sind da, das Vibrato aber stets auch. Das klingt fein, aber etwas altmodisch. Gilman (geschmeidige Bogenwechsel) kann trotzdem nicht ganz glänzen. Dazu fehlt es der Interpretation an Eleganz und Verve. Ein bisschen glatt kommt er halt daher, der Herr Mozart, und der zugegebene Bach (Adagio der G-Dur-Sonate) wackelt ein bisschen bei den Doppelgriffen und Arpeggien.
Alle Einwände auf hohem Niveau. Klar. Und wenn Ettinger künftig wieder mehr Dionysos zulässt, werden sich auch seine Flugstunden wieder erhöhen - und Bravos und Beifall noch rauschender ausfallen als hier.   Stefan M. Dettlinger, Mannheimer Morgen, 13.11.2013


Ein Ausrufezeichen hat das Mannheimer Nationaltheater-Orchester mit Mahlers fünfter Sinfonie in seinem zweiten Akademiekonzert gesetzt. Unter Dan Ettingers Leitung blieb die Aufführung den Ansprüchen des Werkes nichts schuldig. Dem sinfonischen Koloss stand vor der Pause Mozarts drittes Violinkonzert (G-Dur, KV 216) mit Alexander Gilmans Solo gegenüber.
Es ist, wie bekannt, der Klang, der die Musik macht: An diesem Abend im Rosengarten wurde (ganz besonders in der Streichersektion) ein Orchestersound von Seltenheitswert produziert. Er war homogen und vorbildlich durchsichtig. Dadurch wurde der komplexe Aufbau von Mahlers Fünfter mit ihren
kunstvollen mehrstimmigen Satzgebilden in zwingender Klarheit durchleuchtet. Wofür das imponierendste Beispiel die Fugen des Schlusssatzes bildeten. Andererseits, um weiter bei Mahler zu bleibe, ließen immer wieder erlesene Zwischentöne und Nuancen aufhorchen. So nahm den Zuhörer gleich beim ersten thematischen Streichereinsatz das gleichsam beklommene Pianissimo der Violinen. Violen und Celli unmittelbar gefangen.
Am erregendsten wirkte freilich der unbändige Wille zum Ausdruck, die schonungslose Intensität der Wiedergabe. In der Manier des überlegenen Pultstrategen stand Ettinger mit dem ihm willig folgenden Nationaltheater-Orchester für einen aufwühlend dramatischen, zugleich überaus facettenreichen Duktus ein. Es bestachen dabei die Konturenschärfe der musikalischen Gestalten, die plötzlichen Stimmungswechseln und die atmosphärische Dichte der Aufführung.
So teilten sich der bedrohliche Gestus der militärischen Trompetensignale, die Melancholie und die düsteren Töne des ersten Satzes – eigentlich ein Trauermarsch – ebenso suggestiv mit wie die grellen Akzente des zweiten mit seinen wilden Ausbrüchen und schmerzenden Instrumentalaufschreien oder die grotesken Eingebungen und walzerselige Nostalgie des dritten (mit vorzüglichem Hornsolo). Ein Kapitel für sich war schließlich der durch seinen Einsatz in Luchino Viscontis Verfilmung von Thomas Manns „Tod in Venedig“ populär gewordene vierte Satz (Adagietto). Da schwelgten Dirigent und Orchester hingebungsvoll in der todestrunkenen Schönheit dieser Musik. Im ersten Teil des Abends gab es einen eleganten, stilvollen Mozart zu hören. Der in Bamberg geborene, mehrfach preisgekrönte junge Geiger Alexander Gilman spielte, von Ettinger und dem Orchester trefflich begleitet, das Violinkonzert in G-Dur virtuos und kultiviert. Er gefiel durch geschmeidigen, schlackenfreien Ton und einige ansprechende gestalterische Impulse (zweiter Satz). Über leichte Intonationstrübungen im ersten Satz konnte man ebenso hinweghören wie den fast verunglückten ersten Trompetenton bei Mahler.    Gabor Halasz, Rheinpfalz, 13.11.2013

Am Trauermarsch-Gestus von Mahlers Kopfsatz aus der 5. Sinfonie cis-Moll ließ Dan Ettinger keinen Zweifel während des 2. Mannheimer Akademiekonzerts im Rosengarten. Schwer und mit klangsatter Wucht ließ der GMD das Nationaltheater-Orchester aufspielen, dazwischen den Trauergestus expressiv und tief ausgesungen. Streichergesänge, die zu Herzen gingen und völlig unverkitscht tönten. Große Tiefe erhielten ebenso die rezitativisch klagenden Celli; und starke Dynamik brachte der Dirigent in die Wechsel aus Ausbrüchen und erschütternden Zusammenbrüchen sowie der Trauer dazwischen. Großen Drive entwickelte das Orchester in den Anstürmen, militärischen Signalen und triumphalen Durchbrüchen. Eine Mahler-Sinfonie ist eine Weltenbühne. Katastrophen und abgrundtiefe Tragik erhielten eine ebenso große Wirkung wie die grandiosen Triumphgesten.
Gleichwohl ließ der Dirigent alle Nebenstimmten hörbar. Sehr flexibel in Tempo und Dynamik brachte er starke Kontraste in die Partitur, entwickelte eine wunderbare Idyllik im Scherzo, eine große Liebe zum Kreatürlichen, mit Naturlaut und schwungvollen Tanzweisen.
Das Scherzo wurde im Grunde zu einem Hornkonzert erklärt, wozu der Solohornist an die Rampe kam. Heiter konzertant und in wunderbar aufgeräumter Stimmung erfolgte dieser Satz, mit schön ausmusizierten Ländlern. Die Stimmen der Natur, die Signale der Hörner, all das wurde sehr gestenstark eingefangen.
Herrlich warmer Streicherklang und tiefe Inspiration kleideten das Adagietto aus, und hochgestimmt hedonistisch kam das Finale einher. Köstlich herausgearbeitet wurde zudem der Humor des Final-Rondos. Dass das Gemeine und Ordinäre bei Mahler gleichfalls einfach schön klingen kann, war der hohen Spielkultur des Nationaltheater-Orchesters zuzuschreiben.
Zuvor war Alexander Gilman der Solist in Mozarts Violinkonzert D-Dur. Wundersam verfeinert und traumhaft innig musizierte der Geiger auf seinem Guadagnini-Instrument. Dabei zeigte er eine große Liebe zu Mozart, was man sehr wohl hören konnte: in hingebungsvoll zarten Momenten ebenso wie im Lusterfüllten. Das Adagio aus Bachs 1. Solosonate musizierte Gilman als Zugabe: eine große Seelenmusik formte er daraus, von tiefem Ausdruck uns schmiegsamer Gesanglichkeit erfüllt.   Rainer Köhl, Rhein-Neckar-Zeitung, 13.11.2013

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7. & 8. Oktober 2013. 20.00 Uhr, Rosengarten
I. AKADEMIEKONZERT
Tore Takemitsu und Richard Strauss
Dirigent: Carl St. Clair
Schlagzeug: Stefan Rupp, Fumiko Nomura, Jens Knoop, Raphael Nick, Raphael Haeger

I. AKADEMIEKONZERT, 7. und 8.10.2013
I. AKADEMIEKONZERT, 7. und 8.10.2013

Bunte Bänder symbolisieren die Elemente, und wenn man daran zieht, erklingen feine Glockentöne. Szene von der Aufführung des Stücks "From Me Flows What You Call Time" beim Akademiekonzert im Mannheimer Rosengarten.
Eine lyrische Flötenmelodie bettet sich in sanfte Harfenglissandi, fünf Schlagzeuger kommen unter hellsilbrigen Schellenklängen auf die Bühne. So beginnt das Werk "From Me Flows What You Call Time" von Toru Takemitsu, das die Akademiekonzerte des Mannheimer Nationaltheaterorchesters eröffnet.
Die Komposition des 1996 verstorbenen Japaners integriert liturgische Bestandteile eines buddhistischen Rituals. Sie verweigert sich westeuropäischen Erwartungen an lineare Entwicklungen und logische Strukturen. Das Konzert als Teestunde für ein großes Orchester zu bezeichnen, wäre freilich despektierlich; tatsächlich bewegt es sich auf deutlich höherem Niveau.
Das Orchester des Nationaltheaters würdigt das farbenprächtige und aus der fernöstlichen Mythologie schöpfende Werk mit Hingabe. Das gilt vor allem für die Schlagzeuger Raphael Haeger, Jens Knoop, Raphael Nick, Fumiko Nomura und Stefan Rupp. An fünf Klangstationen erklingen Bambushölzer und Steeldrums, Glocken und Marimbaphon, Gongs und Celesta. Holz trifft auf Metall, und die fünf verschiedenfarbigen Bänder, mit denen glockenartige Windspiele am Bühnenhimmel in Bewegung gesetzt werden, verkörpern die Elemente.
Dazu breiten die Streicher einen spätimpressionistischen Klangteppich aus und lassen Harmonien neoromantisch aufblühen. Dirigent Carl St. Clair verordnet dem Orchester einen Yogakurs der besonderen Art: Bewusstseinsübungen durch Atemtechniken. Denn nichts weniger scheint der Stil dieser an kunstvolle Windspiele erinnernden Musik bewirken zu wollen als aus Luftströmen gewonnene Innerlichkeit und Kontemplation. Noch lange, nachdem der letzte Ton verklungen ist, verharrt der frühere GMD der Komischen Oper Berlin regungslos am Pult, bis auch die letzten Schwingungsfrequenzen abebben.

Der Sprung zu Richard Strauss' "Heldenleben" könnte nicht größer sein. Auch die Körpersprache St. Clairs ist nun eine ganz andere: vom sanften Klangbeschwörer zum Bändiger der Gewalten. Das Orchester nimmt den Schwung des triolisch aufsteigenden Heldenmotivs auf und verschafft der heroischen Es-Dur-Grundtonart ungeduldig drängend Raum. Wollte man die Stakkati in den Bläsern, die sich störend in die Klangfluten stürzen, tatsächlich als "Widersacher" des Helden deuten, würde man sie sich allerdings noch kecker und boshafter wünschen.
Aber das Becken zischelt durchaus bedrohlich und nimmt vorweg, was dem Helden blüht. Doch zunächst tritt die "Gefährtin" auf den Plan. Konzertmeister Andrei Rosianu führt ihre Stimme zart und empfindsam ein, wie um ihre Schüchternheit zu bezeugen. Schwellende Vibrati verheißen süße Verlockungen, doch kann Rosianu die Töne zugleich kokett hüpfen lassen. Die "Rolle" der Gefährtin gestaltet der Geiger mit fantasievollen Ausdrucksnuancen. Doppelgriffe und feurige chromatische Läufe bewältigt der Geiger virtuos.
Carl St. Clair lässt das Orchester stolz auftrumpfen und die symphonischen Wellen hoch aufschäumen, und doch verschafft er den sich solistisch einmischen wollenden Holzbläsern Gehör. Außerhalb der Bühne verkünden Trompetenfanfaren nahendes Ungemach, und tatsächlich vertreiben militärische Trommelsalven den Helden und seine Gefährtin aus ihrem Idyll.
Zwischen Krieg und Frieden verläuft bei Strauss ein tückischer Grat. Das Orchester bietet Ausblicke auf beide Sphären, die bis zum Schluss nicht zur Ruhe kommen wollen und, von dunklen Tuben-Quinten unterlegt, scheinbar ergebnislos miteinander ringen. Alles andere als buddhistische Gelassenheit also; und so bündelt St. Clair nach dem alarmierenden "Zarathustra"-Motiv nochmals alle Energien im aufbrandenden Fortissimo.
Kontinentale Tragik eben. Fernöstliche Meditationspraktiken lassen sich, wenn auch auf so ästhetische Weise wie in Mannheim vermittelt, offenbar nur im Ansatz antizipieren. Immerhin: Mit den letzten Takten klingt das "Heldenleben" erhaben und geradezu versöhnlich aus. Sonderbeifall für den Dirigenten und den Soloviolinisten.   Uwe Rauschelbach, Mannheimer Morgen, 09.10.2013

„From me flows what you call time“ nannte Toru Takemitsu 1990 seine Komposition für fünf Schlagzeuger und Orchester, geschrieben für das 100-jährige Bestehen der Carnegie-Hall in New York. Das „me“ bezieht sich auf den renommierten Konzertsaal, aus dem klanglich schon viel Großes geflossen ist. Zur Saisoneröffnung der Mannheimer Akademiekonzerte im Rosengarten war Takemitsus Werk eine wunderbare klangliche Einstimmung auf einen großen Abend, den Carl St. Clair als Gast leitete.
Der japanische Komponist eröffnete mit einem Werk einen zauberisch tönenden Klangraum, in dem die Zeit eine ganz eigene Rolle spielte: als ruhiger Fluss, wie dies in der fernöstlichen Philosophie verankert ist. Meditative Klänge in aparter, sparsamer Instrumentierung ertönten dabei, zarte Flöte, blinkende Harfen und Triangel, die wie vom Wind herbeigeweht wirkten.
Ein Windspiel gehörte ebenso zur Ausstattung der solistisch am Bühnenrand postierten Schlagzeuger wie die Klänge von Watergong, karibischer Stelldrum und weiterer exotischer Instrumente. Alte japanische Taiko-Trommelkunst wurde gleichfalls beschworen, mit den Holzknüppeln geschlagen und in einen großen Dialog mit einem weiteren Solisten an der Handtrommel geführt. Stefan Rupp, Fumiko Nomura, Jens Knoop, Raphael Haeger und Raphael Nick waren die Schlagzeugsolisten, die ebenso elastisch und frei wie fantasievoll ihre Rhythmen pulsieren ließen. Wunderbar sublime Klänge vereinte das Nationaltheater-Orchester unter der umsichtigen Leitung des Dirigenten
Zum großen Klangfest geriet die Wiedergabe von Richard Strauss‘  Tondichtung „Ein Heldenleben“ nach der Pause. Der Komponist feiert sein heldisch aufgelegtes Ego, der Dirigent ließ das Orchester sich selbst feiern: Emphatische Streicher und klangsatte Hörner begeisterten von Anfang an. Keck schnatterten die Holzbläser, um „Des Helden Widersacher“, die Kritiker, mit ihren spitzen Federn zu karikieren.
Ganz delikat ließ Konzertmeister Anderi Rosianu sein großes Violinsolo singen, um „Des Helden Gefährtin“ ins schönste Licht zu rücken. Lyrische Anmut gewann Pauline Strauss ebenso wie kapriziösen Elan und Temperament. Einen weiten Raum öffnete der Dirigent für eine hingebungsvoll ausmusizierte Lyrik. Man hört erlesen wich geformte, ruhig atmende Übergänge, samtige, edel tönende Farben, suggestiv eingedunkelte sowie sonor orgelnde Blechregister.
Klangsatt zündete es in §Des Helden Walstatt“; es wurden packende Kämpfe und große Leidenschaften ausgefochten. Man hörte orgiastische Verdichtungen, die der Dirigent nie ins Effekthascherische wendete, sondern immer in bezwingender Musikalität ausformte.
Ein hochgespannter Drive entstand dabei. Das Nationaltheater-Orchester musizierte in Hochform, klanglich rund und tonschön. Überaus virtuos geführt wurden die Kämpfe und Leidenschaften des Tutti. So ergab sich eine spannende Klangdramaturgie.
Ein Kampf, an dessen Ende es nur einen geben konnte: der Komponisten-Held als Sieger. Wundersame Momente eröffnete das Orchester in „Des Helden Weltflucht und Vollendung“, die Stille begann zu tönen in himmlisch schwebenden Klängen und irisierendem Farbenleuchten.   Rainer Köhl, Rhein-Neckar-Zeitung, 09.10.2013

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