Pressestimmen Schauspiel Spielzeit 2008/2009


Nach dem Roman von Dave Eggers
What ist the What (UA), Premiere
04.07.09

Der Schauspieler Peter Pearce hat die Geschichte des Valentino Achak Deng nun auf die kleine Lobby-Bühne im Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters gebracht. Keine aufwendige Bühnenadaption ist daraus geworden, sondern vielmehr eine intime und äußerst persönliche Annäherung an die Geschichte im Rahmen einer englischsprachigen "Lecture-Performance".   Mannheimer Morgen


Passagen aus dem Buch unterbrechen immer wieder die Spielszenen. Das macht Pearce sehr überzeugend, liest den Text einfühlsam, nüchtern und klar. Dengs glückliche Kindheit im heimatlichen Dorf wird ebenso lebendig wie sein Flüchtlingsmarsch in der endlosen Reihe der Jungen und das folgende Leben in den Flüchtlingslagern. Pearce liest mit einfühlsamer Distanz. Hier entstehen berührende Bezüge zwischen Darsteller und Thema, mehr davon hätte der Stunde gut getan. Dem Englisch von Dave Eggers können auch Nichtmuttersprachler gut folgen.
   Die Rheinpfalz

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Friedrich Schiller
Don Karlos, Eröffnungspremiere am 19.06.2009 zu den
15. Internationalen Schillertagen in der Inszenierung von Calixto Bieito, Teatre Romea Barcelona

Bieito, der sich als Operregisseur einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat, gab dieser Orgie der Erniedrigung einen Untertitel: er nennt sie eine "surrealistische Messe im Stile eines Pasodoble" und unterlegt viele Szenen mit Musik: das Lacrimosa aus Mozarts Requiem wechselt mit Pasodobleklängen. Das wirkt - gerade bei den philosophischen Monologen des Marquis de Posa - im klassischen Sinne melodramatisch, keineswegs platt illustrativ. Weil dieser Don Karlos in allen Details sinnfällig ist, funktioniert er in dieser kondensierten Fassung auch so gut. Das Publikum war begeistert.   Deutschlandradio


Eines muss man Calixto Bieito lassen - das Theater mit Emotionen aufladen, das kann der Regisseur aus Barcelona nun wirklich wie kein anderer. Er ist der Meister der Erregung, er legt und presst in seine Aufführungen, was kaum in einen Kopf passt, Musik, Bild, Spiel und Wort drängen aufgeladen von der Rampe ins Parkett wie der verwundete Stier an den Torero. Eine wilde Flut rast auf den Zuschauer zu, und wenn er manchmal nicht den Kopf einzieht, dann bringt ihn das momentweise ziemlich sicher um den Verstand.   Frankfurter Rundschau


Im Treibhaus der Ängste

Die Stadt Mannheim leuchtet heuer zwar auch nicht mehr als sonst, aber sie schillert. Und spielt. Das diesjährige Dichterwort über den bereits 15. Schillertagen – "Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt" – wird nämlich in der einstigen Klassikeruraufführungs-Stadt weniger philosophisch als marketing-wörtlich genommen.
Als Hingucker-Auftakt hat man sich die Schauspielversion des "Don Karlos" eingeladen, mit der Calixto Bieito in einer eigenen Version für sein "Teatro Romea" Schillers Stück sozusagen ins Land seiner Handlung, nach Spanien, geholt hat. Diese Art quasiauthentischer Verfremdung hat einen Reiz. Der Katalane, der längst in die Spitzengruppe der Regie-Stars der Oper aufgerückt ist, hatte den Stoff aber 2007 in Basel als Verdi-Oper sehr viel radikaler und vielschichtiger auf sein Gegenwartspotenzial hin befragt, als es ihm nun gelang.
Das gesprochene Spanisch, vor allem aber das für die Übertitel rückübersetzte Deutsch glüht nicht eben mit Schillerpathos. Die Verwicklungen zwischen den Protagonisten, denen sich jenseits von Freiheitskampf und Inquisition keine Perspektiven bieten, müssen ihre dramatische Sprengkraft vor einem deutschen Publikum über die Bilder, die Atmosphäre, das Charisma der Darsteller finden.
Die Sprache selbst wird dabei nur zum quasimusikalischen Sound: Das ist der Reiz, aber auch die Crux. Dabei gelingt die Atmosphäre vor und in dem riesigen Bühnen-Treibhaus, das nach und nach seine Plastikverkleidung und dann seine innere Ordnung verliert, noch am besten. Das aber ist kein Garten der Lüste, sondern ein Treibhaus der Ängste, die bis zu einer Art schwarzer Messe der Obsessionen und Überforderungen eskalieren.
Philipp II. gibt sich da als zynischer Friedhofsgärtner, dessen Leichen alsbald wie die Scheintoten herumgeistern. Auch sonst verlegt sich Bieito auf expressive Zuspitzungen, übersetzt Begehren in entblößte Königinnen-Brüste, macht aus dem jungen Karlos (Ruben Ochandiano) ein Kind, das sich, wenn’s ernst wird, zu seiner Spielzeugkiste zurückzieht. Klar, dass Karlos es am Ende dieser Inszenierung auch nicht packt, den Auslöser für die Sprengstoffladungen richtig zu bedienen, die ihm Elisabeth angelegt hat – sondern nach der Mutter ruft, bevor ihn der Kardinal eigenhändig mit seiner Schärpe erwürgt. Der reiht sich gleich wieder ins staatstragende Familienbild mit den Herrschern ein, die er beherrscht. Nun sind der freigeistige Posa und die Sache, für die er auch hier mit Philipp so heftig gestritten hat, endgültig tot.
Jubel für die sehr vitale Truppe in Mannheim.    Wiener Zeitung – Archiv


Surrealistische Messe mit Grünpflanzen


Mannheim, 19. Juni 2009. Man war ja auf alle Eventualitäten vorbereitet, im Parkett wie am Regiepult. Die einen witterten den Skandal des Jahres, die anderen glaubten zu wissen, dass der zwangserotisierte Katalane als Schauspielregisseur gar nicht so wüst sei, wie einen verschreckte Opernfreunde glauben machen. Calixto Bieito indes wünschte sich mit diversen Verlautbarungen Offenheit und Toleranz, auch bei denen, die musikvermischte Sprechopern und zeitgenössische Regie nicht mögen. Die Dramaturgie verkündete man streiche Text, um den Schillerfiguren näher zu kommen.
Am Ende, nach 105 Minuten "Don Karlos", konnte auch die merkwürdige Mischung aus höflichem Applaus und halbherzigen, wohl eher dem Mannheimer Schillertage-Fieber geschuldeten Standing Ovations nicht darüber hinwegtäuschen, dass keiner bekam, was er erwartete.
Treibhaus der Lüste
Bekanntlich sind Theaterabende, die mit Erwartungen brechen, die gelungensten. Doch das wagt man nach der Eröffnungspremiere der Schillertage nicht mehr zu behaupten. Calixto Bieito hat sich für seine Mannheimer Arbeit mit der von ihm geleiteten Companyia Teatre Romea zwar intensiv mit dem historischen wie dem Schillerschen Don Karlos beschäftigt, las Rüdiger Safranski und weilte in Weimar. Noch mehr hat er sich König Philipp gewidmet, der Gemüse züchtete und in dessen Schlafzimmer Hieronymus Boschs Triptychon Der Garten der Lüste gehangen haben soll. Das klingt spannend, liefert aber lediglich ein beeindruckendes Bühnen-Treibhaus, in dem zwei Statistenleichen den Humus für machtstaatliches Gedeihen liefern (Bühne: Rebecca Ringst).
Das Klima, das am Hofe des Mannes herrschte, in dessen Reich die Sonne nicht untergeht, ist das eigentliche Thema Bieitos. Kopfverbände, Blutpatronen und Gitter zeugen von Angst und Gewalt. Kälte und Liebe wie Schiller sie beschreibt, herrscht im Treibhaus der Lüste nicht. Ob Schillers Zusatz "Ein dramatisches Gedicht" oder des Regisseurs Neigung zur Oper den Ausschlag zu zwei weiteren Untertiteln gab, wissen wir nicht. "Eine surrealistische Messe im Stil eines Pasodoble" lautet  vollmundig der eine, "Die Sorgen und Nöte einer spanischen Familie, die von den Königswürden der Vergangenheit und dem Elend der Gegenwart träumt" der andere. Nur eingeweihte Tanzfreunde wissen, dass der vermeintlich heitere Pasodoble Fest und Blutopfer beim Stierkampf verbindet.
Hochamt der Opernästhetik 
Ein richtiger Blutrausch wird es trotz zahlreicher spanischer Rhythmen nicht, eine Messe schon eher. "Lacrimosa", "Exsultate" und andere emotionale Verzückungslaute – das Programmheft schweigt hierzu – klingen nach Purcell, Poulenc, Verdi und Ligeti. Große, durchaus skurrile, wenn auch gänzlich unsurrealistische Tableaus mit historischen Kostümen (Ingo Krügler) ergeben ein Hochamt der Opernästhetik, die doch "nur" ein Schauspielabend sein durfte.
Den Text hierfür klaubt man sich hier und da zusammen, findet zwar zu einer der Logik folgenden Erzählweise, aber nicht zu einer gelungenen Strichfassung, die Konflikte zuspitzt oder uns Schillers Figuren näher bringt. Wenn unbeschalltes Schauspiel stattfindet, meist in den Szenen mit König Philipp (Carlos Hipólito), dann leider so kreuzbieder hochdramatisch, dass es bei allem Respekt vor romanischem Feuereifer – Pardon – an der Schmiere nur knapp vorbeischrappt.
Die blanke Geschichte eben 
Zu sehen sind greinende oder auch prächtig singende Hofdamen (Begoña Alberdi, Àngels Bassas), ein donnernder Freiheitsheld (Rafa Castejón), eine ludernde Königin (Violeta Pérez) und ein neurotischer Karlos (Rubén Ochandiano), dem man weder den eigenen Autoschlüssel, geschweige denn die spanischen Heere in Flandern anvertrauen würde. Vom deutsch-idealistischen Blick Schillers auf ein historisch anderes Spanien war im Vorfeld ebenso die Rede wie vom heutigen Spanien und vom Katholizismus. Zu sehen war eine aufgeblasene aber deutungsfreie Mischung aus gängigen Mätzchen, emotionsersetzender Musik und einer Fundus-Orgie mit Längen.
Die blanke Geschichte eben, gespickt mit Theaternebel, Blut, einer Menge Grünpflanzen und Blumenerde. Übriggeblieben vom Heute sind in der Einlass-Situation auf Zeltplanen projizierte Mannheimer Straßenbahnen und ein tänzelnder Kronprinz im Jesus-T-Shirt mit MP3 Player; so spanisch kommt einem das nun auch wieder nicht vor.    nachtkritik

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William Shakespeare
Macbeth, Premiere
06.06.2009

 (...) Silke Bodenbender spielt diesen Wahnwitz (…) glänzend. Ein großer Auftritt zwischen Lust und Mordlust, fast so aufregend wie der Schwung ihrer wiegenden Hüften, wenn sie im Stil einer Verführerin den weiten Bühnenraum durchmisst. Vor so viel erotischer Ausstrahlung ist schon so mancher harte Mann weich geworden.    Mannheimer Morgen


Düsternis beherrscht (...) die karge schottische Felslandschaft, die von Tina Kitzing für diese Inszenierung entworfen worden ist. Rechts geborstene Betonpfeiler, links gebogene Strahlträger, die man angesichts des kriegerischen Geschehens mit Panzersperren assoziieren kann. Im Hintergrund gischtet auf einem bühnenhohen Transparent eine gigantische Woge auf, die alles zu verschlingen droht und die vom geschmackvollen Lichtdesign Andreas Rehfelds in magisch-dunklen Farben getaucht wird. Magisch und dunkel wirken auch die fast ununterbrochen zu hörenden Klangkaskaden, die von Simon Stockhausen über die fünf Akte des Dramas gekippt werden.    Rhein-Neckar-Zeitung


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Juliane Kann/Lorenz Langenegger/Philipp Löhe/Ewald Palmetshofer
4x4 (UA), Premiere
27.05.2009

"4x4" zeigte Stücke von Philipp Löhle, Lorenz Langenegger, Ewald Palmetshofer und Juliane Kann und ließ dabei auch gleich noch vier Nachwuchsregisseure ihr Können aufblitzen: Boris C. Motzki, Angela Hölzle, Torge Kübler und Konstanze Kappenstein. Ein langer Abend zwischen Kurzweil und Längen, feiner Pointierung und dramaturgischen Umwegen, großem Monolog und geschliffener Zwiesprache.   Mannheimer Morgen


Eine schwarz gekleidete schmale Frau lamentiert einsam vor sich hin -nörgelt, ätzt, spottet und meckert. Sie ist Kinderhasserin, meidet Kinder, stellt sich von, wie sie künftig noch mehr Kinder meiden kann. Kommt ihr doch einmal ein Kind in die Quere, rastet sie aus, dann wird sie selbst so kindlich und kindisch wie die, die sie hasst. Und damit richtet sich der Hass gegen andere eigentlich gegen das Kind in ihr. 
(...) Die Schauspielerin Ragna Pitoll spielt diese unbarmherzige Psychopathin in einem klirrenden Mantel voller Verachtung. Ihre überraschende Verwandlung von der Misanthropin zur Philanthropin vollzieht sie körperlich regungslos, allein als Wechsel im Sprachgewand. Sie gibt der von Ewald Palmetshöfer für sein Ein-Frau-Stück "Körpergewicht. 17%" erfundenen Figur jenes drastische Unbehagen, das Menschenverachtung sogar in der mildesten Form - der Ironie - so hässlich macht. Palmetshofers neuestes Stück "Körpergewicht. 17%", das nun am Nationaltheater in Mannheim uraufgeführt wurde, wird man sich darum kaum ohne Ragna Pitoll vorstellen können: Sie hat dem Stück, das nur unmerklich mit den schwierigen Bedingungen des Monologes kämpft, erst diese schwarze kalte Aura gegeben, die subtiler Hass so liebt. Regisseur Torge Kübler war mutig, weil er allein auf Pitoll setzte, ihre Sprache und ihre reduzierte Mimik.
Ewald Palmethofers neues Stück befand sich in guter Gesellschaft. Es wurde zusammen mit drei anderen neuen Werken von Janine Kann, Philipp Löhle und Lorenz Langenegger am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt und inszeniert von vier Regisseuren, die alle als "Nachwuchs" bezeichnet werden, und man wünscht ihnen, dass sie dieses Wohlwollen suggerierende Etikett bald ablegen könnten. Verdient hätten sie es, denn ihre Arbeiten waren mehr als Fingerübungen von solchen, die noch ihren Weg suchen. (...)
Philipp Löhle bewies dabei größtes erzählerisches und dramaturgisches Talent. Sein Zwei-Personen-Stück "Herr Weber und die Litotes" ist ein bedrückendes Kammerspiel, dessen zynische Pointe den Zuschauer so kalt erwischt, dass man schaudert. Boris C. Motzkis behutsame, auf die leisen Töne des Konversationstons setzende Regie hat die fiese Dramatik des Stückes leise kommen lassen.
Juliane Kanns Stück "Exit. Dinge bei Licht" über zwei vaterlose, schlaflose junge Menschen greift die psychopathologischen Themen ihrer Kollegen auf. Es ist ein dramaturgisch und erzählerisch reifes Stück, das mit Sentenzen wie "Es macht wahnsinnig müde, wenn man die ganze Zeit versucht, verlorene Zeit zurück zu holen", aufwartet. Die Regisseurin Konstanze Kappenstein führt vor allem die beiden Schauspieler Thorsten Danner und Dascha Trautwein in brillanter Weise durch eine hysterische Materialschlacht mit Sprühsahne, Wasser, Kunstschnee und Zigaretten.
 (...) "4x4": eine langer, aber gelungener Theaterabend.     Deutschlandradio


(...) Löhle liebt das Groteske. Seine Aus-der-Welt-Gefallenen sind immer auch Ausgefallene. Aber der große, stille Ernst, mit dem der junge Regisseur Boris C. Motzki jeder Wortnuance, jedem Sprachseufzer des Arbeitslosen nachgeht, der sein Tun und Lassen einer dementen Alten im Rollstuhl erklärt, die in Gestalt der Schauspielerin Gabriele Badura zwischen halb entschlafener Hexe und erinnerungsloser Hass-Parze changiert, macht aus der spielerisch satirischen Sozialproblemübertreibungszuspitzung, hinter der naturgemäß eine große Sozialfürsorge hervorflackert, ein wundersames Kinderkammerspiel. Und die Todespointe ereignet sich verzweifelt zärtlich und beiläufig. So, als habe Tschechow mit Ionescos Handschuhhänden der Alten den Atem weggewischt. Wie überhaupt auffällt, dass die junge Regie den jungen Dichtern nicht übers Maul fährt, sondern ihnen dadurch dient, dass sie mehr aus ihnen heraushört, als diese hineinzupacken wagten. (...)    Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Hafen- und Schifffahrtsprojekt
Von Gesine Danckwart
Und die Welt steht still (UA), Premiere 30.04.2009

"(.) Gesine Danckwart, die uns 2007 mit ihrem Mannheimer Straßenbahnprojekt "Müller fährt." verzauberte und dabei hochpoetisch den Blick für vermeintlich Bekanntes, nämlich die eigene Stadt und ihre Menschen schärfte, hat sich nun dem großen Unbekannten Mannheims gewidmet, dem Hafen mit seinen endlosen Straßen und Kanälen, gigantischen Hallen und Speditionsflächen.
Verzückt und auf eigene Faust, wandeln wir am Rheinufer an den riesenhaften, ehemaligen "Rhenania"-Speichern vorbei, fahren in die Chefetage der Hafengesellschaft, um vom Haus Oberrhein, den wohl schönsten Blick auf Mannheim zu haben. Nicht so hoch wie der Fernmeldeturm und näher an den Verkehrsnerven der City, hat man eine atemberaubende Abendsonnen-Sicht auf ein "Modell für Verkehrswege", eine "Kinderlandschaft", wie sie Ali Mitgutsch in einem Wimmelbuch gemalt haben könnte. Hafenkolorit zur Schwellenortbestimmung, Gesine Danckwart nennt sie "im Ungefähr sein", schlägt sich auch im Text nieder. Um Verortung, Warten, einen Übergangskosmos geht es. Noch ist Nadine Schwitter "nicht vom Warten vergiftet", sie wartet "noch sehnsuchtsvoll". Rheinschiffererinnerungen an Kinderschifferheim, einen schwimmenden, Tonnen fassenden Sandkasten, Abschiede und Gerüche haben auch Hans Fleischmann und Marcus Reinhardt.
Dann machen sich Besuchergruppen auf zur "Garage Gottes" wie zur christlichen Seefahrt. Von dort geht es mit dem evangelischen Pastoralboot "Wichern" oder auch einem historischen Polizeiboot zum "Pathoslager", das nichts weiter ist, als das effektvoll ausgeleuchtete und beschallte Requisitenlager des Nationaltheaters. Wir treffen dort auf "Hoffmanns Erzählungen", "Fidelio", "Kasimir und Karoline" - allerdings nicht auf die "Meistersinger": abgespielte Theatererinnerung aus alter Zeit als Mythenmaschine für zeitgenössische Projektarbeit. "Irgendwann", weiß Hans Fleischmann an Bord und Bauch des über 100-jährigen Péniche-Frachters "Willi", "will man doch, dass die Dinge nicht verloren gehen" und spricht wohl doch nur von Hausrat und über private Lagerprobleme von Rheinschiffern. (.)" Mannheimer Morgen

"(.) Vor dem großen Aufbruch stimmt das Ensemble in den Abend ein. Mit Blick aus der großen Fensterfront des Regattahauses hinaus auf Hafenbecken, Container und Kräne spinnen Nadine Schwitter vom Mannheimer Ensemble und ihre beiden Kollegen Hans Fleischmann und Marcus Reinhardt - Florian Scharnofske und Jörg Teichert spielen dazu noch Schifferklavier und Gitarre - ordentlich Seemannsgarn: von Meerwasser und Krabbenzuchten im Mühlauhafen, von wandernden Container-Wohnungen, von Schäferstündchen unter ungarischen Liebeseichen. Der Hafen als eigene Lebens- und Arbeitswelt wird vorgestellt, aber auch die großen emotionalen Hafenthemen aufgewirbelt. Unterwegssein. Warten. Fernweh. Sammeln. Festhalten. Sehnsucht. Abenteuerlust. Dann noch einmal Herzwärmen beim Schunkel-Song des Abends "...die Sehnsucht, die ist blau" bevor sich jeder in sein eigenes Hafenabenteuer stürzt. (.)" Die Rheinpfalz

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Nach Franz Kafka
Amerika, Premiere 25.04.2009

(…) Was tastend beginnt, nimmt plötzlich Fahrt auf. Einer der sieben Darsteller schmettert einen argentinischen Schlager, später gibt´s Broadway-Songs, augenzwinkernde Chorusline-Aufmärsche, dazu Texteinblendungen auf einer Lichtwand im Hintergrund. Kafkas düsterer Verschollenen-Text aber gerät so zur munteren Groteske, von Revue-Anmutung umweht und in Comicstrip-Manier herausgeschnipst. (…) Am Ende, wenn sich einer der Akteure mit einem Kafka-Tagebuchzitat auf den Lippen verschreckt in die Ecke eines viel zu großen Sessels drückt, beginnt der Zuschauer zu ahnen, dass dieser eigenartige Bilderbogen dem Geist des Romans möglicherweise näher kommt als manche aufwändige Verfilmung. Allgemeine Zeitung Mainz

(…) Für seine Schauspieler und auch für sich selbst hat Alejandro Tantanian einen ganz persönlichen Zugang zu Kafkas Amerika gesucht. Statt Theaterbildern für einen Prosatext bietet er uns Stimmungen, Gefühle, Erinnerungen, die etwas von dem transportieren, was auch Kafkas Held, der 16-jährige Karl Rossmann, auf seiner seltsamen Reise vom alten Europa in dieNeue Welt erlebt hat. Kafkas Text ist nur Ausgangspunkt für ein Theaterabenteuer, das tief eintaucht in eine märchenhaft-dunkle Vergangenheit, eine Robert-Wilson-Welt voller skurriler Gefahren und merkwürdiger Begegnungen. (…)  Die Rheinpfalz

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Nach dem Roman von Dietmar Dath
Waffenwetter (UA), 17.04.2009

„(…)Daths Fähigkeit, sich in Frauenfiguren hineinzudenken und mit quasi-wissenschaftlicher Akribie linke Verschwörungs-Theorien zu entwickeln, wird von Regisseur André Bücker (…) beeindruckend genutzt: die drei turnenden, tänzelnden, ordinär gicksenden und kreischenden Girlies auf der Bühne erzählen eine Menge über die Gefühlswelten heutiger Jugendlicher aus der linken Szene, über ihre Verzweiflung und Präpotenz, über ihre intellektuellen Möglichkeiten und emotionalen Leerstellen. Die verwaltete Welt der Erwachsenen ist kapitalistisch, also öde und feindlich; und auch der Sex ist ein Problem.“   Deutschlandradio


„Wie andere Teenager trägt Claudia schrille Anoraks und coole Pelzmützen, giggelt mit ihrer Freundin Steffi, hat Sex mit ihrem Lehrer und kennt alle Viva-Klingeltöne. Aber weil sie eine superkluge Abiturientin und Adoptivtochter aus linkem Hause ist, interessiert sie sich doch mehr für Technik und Dialektik der spätkapitalistischen Kulturindustrie als für Dieter Bohlen. „Im mündlichen Kommunismus bin ich spitze“, sagt die angehende Physikstudentin stolz, und das gilt auch für die Psychophysik von Betastrahlen und Schumann-Resonanz. (…) Dass die hyperaktive, schizophrene Claudia sich in drei Figuren aufspaltet und dabei - mit doppelter Kassenbrille und einem Stapel Bücher unterm Arm - auch die Rolle ihres Lear-Opas übernimmt, ist kein schlechter Schachzug. (…) Isabelle Barth, Ines Schiller und Dascha Trautwein schaffen solo und im Chor nicht nur riesige Textmassen weg (und stolpern nur ganz selten über Wörter wie „Phasensimulation durch externe Stimuli“): Rote Fähnchen schwenkend und Fäustchen ballend, beamen sie mit ekstatisch leuchtenden Augen, wissendem Kichern und rhythmischer Punk-Gymnastik einen kopflastigen Text in eine andere Dimension - die furiose konspirative Performance im Mädchenzimmer. (…)“    Frankfurter Allgemeine Zeitung


„Opa Konstantin ist über achtzig und kein bisschen weise. Als Altkommunist müsste er längst begriffen haben, dass der reale Sozialismus kläglich gescheitert ist. Doch verstockt, wie er nun mal zu sein scheint, glaubt er weiterhin an Wohlstand und Gerechtigkeit für alle. Während Soziologen, Philosophen und Psychologen hauptsächlich menschliches Unvermögen als Ursache dafür sehen, dass wir in keiner besseren Welt leben, verdächtigt Konstantin eine riesige Antennenanlage der Amerikaner. Sie steht in Alaska, heißt „HAARP“ und ist als ziviles Forschungsprojekt getarnt. Mit ihr, vermutet er, wird das Bewusstsein der Irdischen manipuliert. So einfach und plausibel klingt jedenfalls die Botschaft von Dietmar Dath in dem Roman „Waffenwetter“, den der Regisseur André Bücker und sein Dramaturg Ingoh Brux für die Studiobühne Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters bearbeitet haben. Eine Science-Fiction-Story mit Politthriller-Ambitionen. Denn zum bestandenen Abitur schenkt Konstantin seiner Enkelin Claudia eine Reise in den hohen Norden, um dort zu sabotieren, was offenbar die Freiheit der Weltbürger bedroht. Das hätte eine staubtrockene Studienfahrt zu den Freuden und Risiken des Kommunismus werden können, hätten nicht Dath und Bücker den thematisch doch eher schlichten Stoff virtuos den popkulturellen Gegebenheiten unserer Zeit angepasst. Bücker, der Claudias Text geschickt auf drei Schauspielerinnen verteilt, die auch Konstantins Passagen sprechen, bringt mit Hilfe der fantasievoll eingerichteten Drehbühne (Jan Steigert) und tollen Videos (Christian Schrills, Tobias Morell) immer wieder in Schwung, was gelegentlich unter physikalischen und technischen Daten zu ersticken droht. Dazu lässt er, unterstützt von den fabelhaften Schauspielerinnen Isabelle Barth, Ines Schiller und Dascha Trautwein, ein Feuerwerk an kessen Formulierungen abbrennen, die uns beweisen, dass die Generation der Zwanzigjährigen weitaus weniger schlapp ist, als es die kulturkritischen Orakel heutzutage in den Medien gern glauben machen. (…)    Stuttgarter Zeitung


„ (…) Neben einer dichten Bühnensituation und den besten Videos der Saison (Christian Schrills/Tobias Morell) hat André Bücker noch einen weiteren Coup gelandet: Auf kluge Weise hat der Regisseur den hochanstrengenden und komplexen Text auf drei Schauspielerinnen verteilt. Isabelle Barth, Ines Schiller und Dascha Trautwein kämpfen nur am Anfang und Ende des über zweistündigen Abends mit den physikalischen Termini, Genrewechseln, den Überlappungen und Personenverschränkungen, hauchen dem unwirtlichen Textbrocken aber mit furioser Spielfreude und Humor wahrlich theatralisches Leben ein.    Mannheimer Morgen

(...) Dath selbst hält in einer Grußadresse das Theater für die Veranschaulichung der möglicherweise in Waffenwetter steckenden Botschaft für ausnehmend gut geeignet. (...) In der Tat leisten die drei Schauspielerinnen hier Großes, indem sie nicht nur eine gewaltige Textmasse zu bändigen wissen, über zwei Stunden Dauerfeuer; sondern auch manche dann doch leicht intellektualistisch wirkende Passage charmant überspielen.    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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Jan Neumann
Königs Moment (UA), 05.03.2009

Prietz, Trautwein, Pearce, Dittrich, Barth<br />Foto: © Christian Kleiner<br />
Prietz, Trautwein, Pearce, Dittrich, BarthFoto: © Christian Kleiner

„Jan Neumann hat einen Blick für das Alltägliche, der noch im Banalen von hoher Poesie ist. Schulhöfe, Tankstellen, Hallenbäder: eine Welt, die man riechen und fühlen kann, in der man sich wiederfindet. Weltbewegende Reden, dramatische Gesten finden allenfalls in der Fantasie der Titelfigur statt, und historische Ausbrüche wie Wiedervereinigung und Finanzkrise erleben wir nur am Rande, fernab vom Brandenburger Tor oder in den stündlichen Nachrichtenschleifen. Dennoch sind wir Teil des Ganzen, die historische Dimension des vermeintlich unerheblichen Einzelnen gibt „Königs Moment“ dramatische Berechtigung. Es ist ein launiger und diskret hintersinniger Abend, der mit viel Gespür für die theatralische Umsetzung geschrieben wurde.“    Mannheimer Morgen


„Jan Neumann liefert Bühnenprosa, wahre Wortkaskaden, die mit Hilfe von Permutationen, Umstellungen und Wortverdrehungen immer wieder für satirisch-komische Effekte sorgen. Berge von Text, die in munteren Szenen und Dialogen zu Tal stürzen. Und mit genial einfachen Requisiten aufgepeppt werden. Wild gewedelte Fächer erwecken etwa das Schmetterlingshaus im Mannheimer Luisenpark zum Leben. Dort bei 32 Grad in heißer Schwüle stürzt der hässliche Siebtklässler Adolf in einen Teich und startet Ralf Dittrich als Herr König mit Fräulein Bauer eine Affäre. Königs Moment war ein work in progress. Ein spontaner Entschluss von Jan Neumann statt eines bereits fertigen Stückes etwas ganz anderes zu schreiben, um weltweite Wirtschaftskrise und individuelle Krisen miteinander zu verschränken: Die letzten Textstellen sind erst vor anderthalb Wochen fertig geworden. Ein hartes Stück Stückentwicklung ? aber es hat sich gelohnt. Am Ende vielleicht sogar für Herrn König. Denn er überlebt den Autounfall. Bekommt nach dem Urknall doch noch eine zweite Chance. Seine Chance. Königs Moment. Doch wird er ihn nutzen?“    SWR 2

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Albert Ostermaier
Fratzen (UA), 28.02.09

„Klaus Rodewald spielt (…) den Renè. Ein gescheiterter Hoffnungsträger, der auf seinem Weg von der Krankheit, die ihn hat korrput werden lassen, bis zum Tode eine bemerkenswerte Klarheit vermittelt, eine Gelassenheit, die auf feine, schmerzliche Untertöne keineswegs verzichtet. Übertroffen wird er freilich an Ausstrahlung und emotionaler Direktheit von hans Fleischmann (Günther), der als Renés Halbbruder dem Provinzhimmel längst gekündigt und den Weg durch die innere Hölle zum Teufel angetreten hat. (…)“    Stuttgarter Zeitung


(…) Das Stück ist bei Burkhard C. Kosminski und seinem beachtlichen Ensemble in guten Händen. Das fängt schon bei der Bühnenlösung an, die Florian Etti für die zwei Ebenen des Stücks gefunden hat: Die bayerische Zirbelstube mit ihren realistischen Details fährt immer wieder in die Versenkung, um den Raum für die Waldszenen weit zu öffnen. Wände aus schwankenden Holzlamellen deuten die Bäume an, suggestive Klopfrhythmen ersetzen die Schrammelmusik, und zu Renés Live-Monologen an der Rampe erscheint sein Konterfei als riesige, brüchige Videoprojektion auf der rückwärtigen Lamellenwand. Renés Mutter Ursula, die den Sohn abgöttisch liebte und dennoch sagt: „Gut, dass er tot ist“, hat bei Anke Schubert ein hochrealistisches, die Figur bei ihrem Schlaganfall wie bei ihren sonstigen Schicksalsschlägen ernst nehmendes Volkstheaterformat.Und Günther, ihr etwas tumber Sohn aus zweiter Ehe, rückt unverhofft sogar ins Zentrum der Inszenierung, so bayerisch saft- und kraftvoll spielt Hans Fleischmann in aller Schlichtheit dieNot und Wut dieses ewig zu kurz Gekommenen, der um die Liebe der Mutter buhlt und das „Politikergschwerl“ bei Tisch beschimpft. Selbst Luisa Stachowiak, die in der Rolle der Nichte Yvonne das Klischee einer Ossi-Schlampe mit Blow-Job-Qualitäten zu spielen hat, erobert sich einen starken Moment, wenn sie die Tischrunde in heller Verzweiflung verlässt. Man wird sie später erhängt im Wald auffinden Kosminski, das ehrt ihn als Uraufführungs-Regisseur, verrät keine der Figuren, treibt sie einmal zwar in eine alptraumartige Winke-Winke-Polonaise, aber nie in die Karikatur. Er hat viele Schlenker (…) vernünftigerweise gestrichen, aber er steht zu dem Stück (…) und überzeugt durch die Entschiedenheit, mit dem er sich das Geschehen zur Brust nimmt. (…)    Süddeutsche Zeitung

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Ewald Palmetshofer
hamlet ist tot. keine schwerkraft (DE), 20.01.2009

hamlet ist tot. <br />keine schwerkraft (DE)<br />Premiere 20. Januar 2009<br />Sprungala, Schwitter, Sahintürk, Egloff, Henkel<br />©Foto Christian Kleiner<br />
hamlet ist tot. keine schwerkraft (DE)20. Januar 2009Sprungala, Schwitter, Sahintürk, Egloff, Henkel©Foto Christian Kleiner

„(…) Herrlich ist Silja von Kriegstein, die die artifizielle Sprache trocken, von ihrer musikalischen Seite greift, und damit gleich zu Beginn zeigt, dass man so viel weiter kommt als mit Psychologisierungs- versuchen: Von Kriegstein spricht Danis Monolog über die Unendlichkeit, der Breite nach, nah an der Rampe, in ungeheurem Schnellsprech, rattert die Kaskaden dem Publikum vor den Latz, reißt die Arme hoch und wird von der Schauspielerin zur Leadsängerin – die prompt Szenenapplaus erhält."     www.nachtkritik.de


„(…) Cilli Drexel, die ingeniöse Regisseurin der Mannheimer Aufführung, hat aus diesem virtuosen Kauderwelsch nun einen ganzsprachorientierten Abend gemacht: das ist Poptheater, Diskurstheater, bisweilen monologischer Poetry-Slam. Eine schrillkomische Performance desillusionierter Sprechpuppen, harte, selbstbewusste, traurige Personen, Looser, die wie Planeten in einem Raum ohne Erdanziehung herumgeistern - "ohne schwerkraft" heißt ja der Untertitel. (…)“    Deutschlandfunk


„ (…) Was Palmetshofer, mitunter brillant formuliert, oft erbarmungslos herausschleudert, wirkt wie die Bestandsaufnahme einer jüngeren Generation, der das Leben, das sie angeblich will, immerzu wegläuft, weil sie ständig in ihrer  „Befindlichkeitsscheiße“ versackt. Cilli Drexel, die Regisseurin, hat auf diese hochartifiziellen Sprach- und Ekelwallungen mit verteilten Sprecherrollen witzig reagiert, sie einfallsreich garniert und mit einer extrem  dynamischen Spielweise dafür gesorgt, dass aus dem Unglück verfehlter Daseinsfreuden nicht der saure Kitsch  psychopathologischer Fallstudien wird. (…)“     Mannheimer Morgen

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Friedrich Schiller
Die Jungfrau von Orleans, 06.01.2009

Friedrich Schiller DIE JUNGFRAU VON ORLEANS<br />Premiere 06. Januar 2009<br />Bild: © Hans Jörg Michel
Friedrich Schiller DIE JUNGFRAU VON ORLEANSPremiere 06. Januar 2009Bild: © Hans Jörg Michel

(…) Dascha Trautwein kann sich auch ganz auf die Rolle der Jungfrau konzentrieren. Sie hat sich zum einen das Kindliche bewahrt, entspricht dem romantischen Klischee einer Schäferstochter, aber ihre Stimme trägt auch gut über turbulentes Geschehen. Wenn es ans Töten geht, stellt ihr Bühnenbildner Florian Pargs allerlei Bühnenmagie zur Verfügung: Mit einer Nebelmaschine in der Hand hüllt sie die Gegner ein, ein heftig pendelnder Scheinwerfer verstärkt das Chaos, hervorgerufen durch riesige Packpapierbahnen, durch die sich die Kämpfer durchwühlen müssen. Und als sie mit Montgomery den ersten Engländer umbringt, indem sie ihm das Genick bricht, erklingt ein ziemlich hässliches Knackgeräusch aus den Lautsprechern. (…)

Diese Johanna wird gefeiert: Im größten Moment ihres Triumphs, der zugleich ihren Untergang einleitet, ergießt sich ein Regen von goldenen Sternen und Papierschnipsel über sie und verwandelt die Bühne in eine Wunderlandschaft. Zuvor hat die junge Heldin mit sehr irdischen Problemen zu kämpfen: Sie soll verheiratet werden, und natürlich mangelt es nicht an Bewerbern. Doch sie fühlt sich zu Höherem berufen und muss sich da erst mal durchsetzen. Auch da ist der sprachliche Bezug auf unsere Gegenwart hilfreich: Idole werden in der Mediengesellschaft gemacht, um sie danach zu demontieren. Parallel dazu tauschen die siegreichen Männer ihre Jackets untereinander aus wie Fußballspieler ihre Trikots.

Schmiedleitner bietet beides: den klassisch zugespitzten Konflikt, vorgetragen mit angemessenem Pathos. Und er demonstriert einen lockeren Umgang damit. Als Raoul hat Thorsten Danner hehre Worte zu sagen, gleich darauf kehrt er als verletzter Herzog von Burgund auf die Bühne zurück, also schmiert er sich noch im Gehen etwas rote Farbe aufs Hemd. Jens Atzorn stirbt als Montgomery und steht danach als Du Chatel wieder auf. Matthias Thömmes bricht als Lionel das Herz der Jungfrau, macht sich als Dunois dagegen große Sorgen. Und Jacques Malan wechselt als La Hire immer wieder in die Erzählerposition. Das alles auf einer Bühne, die mal leergeräumt ist, um im nächsten Bild vollgemüllt zu werden - so kurzweilig haben die Feiern zu Schillers 250. Geburtstag auf der Bühne begonnen.   Stuttgarter Nachrichten, 08.01.09


(…) Dieser sehr souveräne Umgang mit dem großen Text beginnt auf der fast leeren Bühne, bis der Regisseur gemeinsam mit seinem Ausstatter Florian Parbs imaginäre Räume öffnet. Schlachtengetümmel als Kampf mit Packpapier-Bahnen, ein Scheinwerfer, der drohend vom Schnürboden pendelt, manchmal genügt eine Handvoll Konfetti, die Michael Fuchs in die Höhe wirft und mit Hackentrick verteilt, um die Sorglosigkeit dieses Königs zu zeigen. Mit weißer Maske und Ohrringen schlüpft er wenig später gespenstisch in die Rolle seiner Mutter Isabeau: Auch sie gehört zur Riege der Krieger, die fein unterschieden sind und doch von einer Sorte. Der größte Wunsch dieser Männertruppe ist es, dass Johanna, der sie nach dem Sieg vertraulich die Schenkel betatschen, sich endlich als Frau bekennt.

Aber das interessiert diese Johanna nicht. Schiller lässt sie einen „Donnerkeil im Munde“ führen, der bei Dascha Trautwein aus den Tiefen eines unverbildeten Charakters zu tönen scheint. Der jungen Schauspielerin gehört der größte Jubel nach der begeistert aufgenommenen Premiere am Dienstag. Trautwein meidet den hohen Ton und die visionäre Entrücktheit, die dieser jungen Kriegerin gerne gegeben werden. Mit ihrer starken Stimme und der sehr direkten Art könnte sie auch bei der Nachtschicht am Raststätten-Tresen bestehen. Hier aber hat sie höhere Aufgaben. Mit Lionel (Matthias Thömmes) tanzt sie für einen Augenblick den Schlachtfeld-Blues, Montgomery bricht sie mit lautem Knacken das Genick. Und auf dem Höhepunkt dieses Erfolgs stellt Schmiedleitner seine Heldin wie Sterntaler in einen blinkenden Goldregen, halb selig vom Erfolg, halb traurig, als ahnte sie, was kommen wird, während das Herren-Sextett im Hintergrund die Schlacht besingt, als seien die Comedian Harmonists aus dem Krieg zurückgekehrt.

Die zarten Töne halten aber nicht an, als Fahnenträgerin wird Johanna vor den Karren der lauten Siegeskapelle gespannt, den sie mühevoll zieht. Als Heldin gefeiert, als Hexe verbannt, als Feindin gefoltert: An der unerschütterlichen Selbstgewissheit, mit der Dascha Trautweins Johanna diesen wechselvollen Weg beschreitet, hat der Zuschauer bewegt Anteil.   Darmstädter Echo, 08.01.09

 

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Theresia Walser
Monsun im April (UA), 13.12.2008

(…) Ohne sich auf die Pointen draufzusetzen, gelingt es den Schauspielern , das zarte Sprachgespinst im Leben zu verankern, mal mit madamigem Witz wie bei Anke Schubert als mannstolle Büronudel Frau Gust, mal onkelhaft sonor wie bei Edgar M. Böhlke als liebeserpresserischer Herr Firm, dann wieder mit schön direktem Aplomb wie bei Gabriela Badura, die als Majas Mutter im Brautkleid durch die Flure des Altenheims geistert. Ragna Pitoll und Klaus Rodewald spielen das Stalker-Pärchen Petra und Udo in Pelzmänteln, die ihr teuflisches Wesen andeuten, und sind ein bestens aufeinander eingespieltes Team mit höllischer Menschenfresser-Routine. Und Isabelle Barth als Maja trägt den Reitdress der höheren Tochter, die vom hohen Ross ihrer Lebenserwartungen heruntergeholt wurde.   Süddeutsche Zeitung


[…] Die dramatische Kunst ist gerade mal wieder auf der Flucht vor dem Drama. Und erst wenn der letzte Dramaturg seine Hände an den letzten Bestseller und an das letzte Drehbuch gelegt hat, werden sie feststellen, dass sie in eine Sackgasse gerannt sind. Bis dahin führendie Wege des deutschen Gegenwartsdramas (demnächst noch mit Uraufführungen von Albert Ostermaier, Gesine Danckwart und Dietmar Dath) wieder mal dorthin, wo immerhin schon vor mehr als 200 Jahren ein anderer junger Autor mit seinem Erstlingswerk Die Räuber reüssierte: nach Mannheim.  Die Welt


Frau Firm ist verschwunden. Einfach so. Von heute auf morgen. Alle sprechen darüber. Doch bei näherem Hinhören zeigt sich: Die Verbleibenden reden gar nicht wirklich über die Abwesende, sondern weiter über sich selbst. Sie warten auch nicht auf die Verschwundene, sondern warten auf sich selbst. Und wieder sind wir mitten in einem typischen Theresia-Walser-Kosmos: Eine Runde wunderlicher, verlorener Figuren, denen nicht nur Frau Firm, sondern gleichsam eine generelle Mitte fehlt. Die Personen umkreisen sich und diese Leere. Die Zeit dreht sich um sich selbst. (…) Die Bühne ist leer, nur ein Kleiderständer mit gelbem Mantel und ein Arbeitssessel künden von der abhanden gekommenen Frau Firm. Wir sehen Menschen, die vereinzelt im Raum stehen, meist in größtmöglicher Entfernung voneinander. Und Kosminski ergänzt die Szene mit Versatzstücken aus dem Text: Am Rand steht ein altes Klavier, und aus dem Off klingen fahle Schubertlieder ("Fremd bin ich eingezogen"). Kurz, die Regie rückt das Personal deutlich weg von der Wirklichkeit, enttarnt das Ganze als pures Gedankenspiel, wodurch Walsers zartbittere Gesellschaftssatire in einer Art kippligem Schwebezustand vorüberzieht. Damit nicht alles vollends abhebt, sorgen Spurenelemente aus Boulevard, Krimi und Film für die gelegentliche Erdung der seltsamen Hinterbliebenen-Runde. Maja, bei Isabelle Barth eine resolute junge Business-Frau in strammen Reithosen, bereitet sich schon eifrig darauf vor, die Stelle ihrer verschollenen Vorgesetzten Frau Firm zu übernehmen. So hat sie kaum ein Ohr für ihre noch im Wegdämmern wortmächtige Mutter (Gabriela Badura), die hellsichtig böse Altersheim-Prognosen von sich gibt ("Ab jetzt geht’s wieder abwärts") und in weißer Abendrobe noch immer bedauert, dass Tochter Maja keine Sängerin geworden ist. Maja hat auch keinen Nerv für ihren langjährigen Geliebten und Indien-Rückkehrer Paul (Sven Prietz), der wie ein Weltanschauungs-Junkie ständig von seinen Erfahrungen und Utopien faseln muss. Frau Gust (Anke Schubert) schließlich, die Ex-Sekretärin der Verschwundenen, verteidigt den vakanten Platz ihrer Herrin mit ständigem Gerede von baldiger Rückkunft. Maja feilt bereits an einer Firm-Nachfolge-Rede und trainiert (in einer schrillen Pantomime zu fettem Big-Band-Jazz) schon mal aggressive Karrierefrau-Posen – eine starke Regiezutat -, als eine bizarres Paar die Aufstiegsfixierte bremst: Udo (Klaus Rodewald) und Petra (Ragna Pitoll), zwei schräge, laszive, erpresserische Outlaws, behaupten, sie hätten angeblich in einer gemeinsam durchzechten Nacht Frau Firm "abgeschlachtet" – auf Wunsch Majas. Mittlerweile bekennt auch Herr Firm, seine Frau "umgebracht" zu haben. Nur Maja, die Verdrängungskünstlerin, singt ein scheinheiliges Loblied aufs Glück des Verschwindens – als besonders raffinierte Form eines "gelungenen Lebens". Das alles inszeniert Kosminski nicht in somnambuler Schwere, sondern in einer plaudernden, ironiefreudigen, zuweilen auch witzig choreographierten Leichtigkeit. Die Welt wird hier nicht zerschreddert, sondern allenfalls verrätselt – scheinbar sichere Sichtweisen werden höchstens gekitzelt und irritiert. Und immer wenn der mit Merkwürdigkeits-Binsenweisheiten garnierte Tonfall in allzu harmlose Belanglosigkeit abzudriften droht, baut Theresia Walser kleine Stolpersteine und Brechungen ein. Etwa, wenn die Mutter sich an Majas Geburt erinnert – quasi im Vorgriff auf deren spätere Entwicklung: "Als du zur Welt kamst, ..., war es so kalt, dass den Kühen die Ohren abgebrochen sind." Zudem lässt Walser wieder typische Skurrilwortkonglomerate aufblitzen, wenn von "Weltuntergangsverdunkelungen" und "Menschheitsverbesserungsdeppen" die Rede ist. Was bleibt? Vielleicht die zeitkritische Anamnese einer Sozialgemeinschaft im Lähmungszustand. Aber auch ein eher heiteres kriminologisches Verwirrspiel, ein schwebeleichtes Panorama verdrängter Mordgelüste. Denn am Ende spaziert eine junge Frau über die Bühne, schnappt sich den gelben Mantel und stolziert von dannen. Und Regisseur Kosminski lässt die Verbliebenen zu schwarzen Silhouetten erstarren. Frau Firms Comeback? Möglich. Dann wäre sie, die Verschwundene, die einzig lebendige Person, die nur kurz mal weg war. Und die Verbliebenen wären samt ihrem Geplapper nur Figuren eines temporär aufblühenden, fantastischen Wunsch-Traum-Spiels, das wir eben gesehen haben.   www.nachtkritik.de

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William Shakespeare
Romeo und Julia
15.11.2008

Romeo und Julia<br />Premiere 15.November 2008<br />©Foto Christian Kleiner
Romeo und JuliaPremiere 15.November 2008©Foto Christian Kleiner

(…) Lobbes Versuch, Liebe und Hass, Krieg und Tod möglichst authentisch auf das Theater zu bringen, fordert vom Publikum viel Konzentration. Sie wird belohnt durch eine neue spannende Sicht auf die alte Geschichte. Am Ende schickt er die Zuschauer mit mehr Fragen als Antworten nach Hause – genau das, was man heute von einer Klassikerinszenierung erwartet.   Darmstädter Echo


Steht ein Schaukasten auf der Bühne, gelborange leuchtend. Darin der reinste Biedermeierkitsch, Polstermöbelsitzecken, ein Flügel, und im Kamin glüht ein falsches Feuer. Über dem Kasten aber meldet ein Schriftzug in schönster Magritte-Schreibschrift Zweifel daran an, dass man dem Augenschein trauen sollte: "Ce n'est pas un salon bourgeois." Denn dies ist nur eine Bühne auf der Bühne, die Seitenbühne und das Materiallager liegen offen.
Regisseur Marcus Lobbes und Bühnenbildner Christoph Ernst spielen an diesem Abend also mit offenen Karten. Und rücken gleich in den Blick, worum es ihnen geht bei Shakespeares "Romeo und Julia": um ein Spiel mit dem Theater selbst und um die Mikrostrukturen der Macht. Lobbes arbeitet hier erstmals in Mannheim, mit seiner Freiburger Inszenierung von Felicitas Zellers "Kaspar Häuser Meer" war er bei den Mülheimer Stücken zu Gast.
Aus dem Kasten brüllen die acht Schauspieler den Eröffnungschor heraus, der die Eckdaten der nächsten zwei Theaterstunden klärt: Liebe und alte Fehden, Tod und Frieden. Alles klar. Das Personal ist auf die wichtigsten Protagonisten zusammengestrichen, inklusive einer Dame "Capulet", die Texte von Julias Mutter, Amme und Vater spricht. In dem ausweglosen Arrangement aus Sitzgruppen und schweren Vorhängen gruppieren sie sich zu immer neuen Sitz- und Standbildern, denn hier kommt keiner raus. Wenn einer stirbt, dann hat er halt keinen Text mehr.
Was im Falle Mercutios besonders schade ist, denn Michael Fuchs spielt ihnals agilen, oberschlauer Plapperclown, dessen leichfüßigen Wortspiele und Altklugheiten man nach seinem frühen Tod etwas vermisst.  (...)
Es ist ein Spiel der Gabe und des Entzugs, das Lobbes und sein Ensemble mitdem Publikum spielen, sie schenken allerhand, sie halten aber ebensoviel zurück. Sie spielen gelegentlich große Gefühle aus, große Bilder aber sind in der Biedermeierstube eine Unmöglichkeit. Weil Lobbes seine Mittel gut kennt, geschieht eine Verzauberung bei allergrößter Transparenz, eine Verführung mitweit aufgesperrten Augen. Obgleich mitunter ironische Distanz zum Stoff entsteht, nimmt er seine Kernthemen ernst und stellt sie frei: Distanz und Nähe, Gewalt und Leidenschaft, Liebe und Hass. In diesem einsam-gemeinsamen Stillleben sind sich alle zu nah oder zu fern.
Da verlieben sich Romeo und Julia auf Distanz ineinander, sprechen vom Kuss und stehen meterweit entfernt, während Mercutio zu einer unhörbaren Musik die Beine schüttelt und Capulet ihre Gäste zum Feiern anfeuert. Da schmiegt sich Mercutio in der Balkonszene eng an Romeo, ihm die Wort nach dem Mund sprechend, während Julia im Hintergrund auf einer Sofakante kauert. Und bevor Lorenzo Romeo und Julia traut, türmen sie sich zum heiter-vorfreudigen Körperknäuel auf dem Flügel empor, wo Romeo sich auf Lorenzo und Julia sich auf beide wirft. In diesem Macht- und Liebesgestricke findet niemand eine angemessene Distanz, Entfernung kann zärtlich sein und Nähe brutal, wenn Julia harsch Capulets Kopf an ihre Brust reißt oder Paris sich auf Julia stürzt und an ihren Kleidern zerrt, bis Lorenzo ihn am Hosenbund davonträgt. 
Da verharrt die Inszenierung stets faszinierend dicht auf der Kippgrenze vom Heitern ins Ernste, von der Kunstreflexion zu den Gespinsten der Macht. Und sie geht ins Mark, etwa wenn Julia – klirrtrocken bis fieberzornig gespielt von Silja von Kriegstein – schließlich auf dem Flügel hockt und vom Misstrauen angefressen wird, von der Todesangst vor dem, was ihr da in der Gruft begegnen wird. Wie im Schaukasten werden große Gefühle und die bittere Schwäche kommentarlos hingestellt, bei aller Transparenz reichlich Sternen staubversprüht und dazwischen Shakespeare zum Klingen gebracht – nein, da mault man nicht mit seinem Glück.   nachtkritik.de

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Ad de Bont und GuusPonsioen
Die Ballade von Garuma
11.10.2008

Eine Produktion von Schauspiel und Schnawwl


[…] Garuma ist ein skurriler Vogel, der sich aus dem ärmlichen Drogen- und Rotlicht-Milieu der südamerikanischen Pappkarton-Slums in die Höhen einer Public-Viewing-Leinwand aufschwingt. […] Die Vogel-Metapher bestimmt die gesamte Produktion: Guus Ponsioens Bühnenmusik kann schreien und zwitschern wie eine Vogelschar, sie verarbeitet zuweilen südamerikanisches Samba- und Tango-Fieber, scheint aber stellenweise auch von Kurt Weill inspiriert zu sein. Und das Schauspieler-Quartett Uwe Topmann, Maike Wehmeier, Peter Pearce und Meridian Winterberg flattert versiert durch verschiedene Nebenrollen und pickt dabei nach Pointenfutter […]. [Die Vogelkostüme] sind so phantasievoll, dass man sich manchmal fühlt, als sei man mitten in den venezianischen Karneval geraten und nicht ins Fußballstadion. Rhein-Neckar-Zeitung


Almut Henkel als Amaranta singt souverän die anspruchsvollen Kompositionen von Guus Ponsioen. Auch szenisch gelingt es ihr, den Zwiespalt der Figur deutlich zu machen. Roman S. Pauls spielt Garuma als kraftvollen und skrupellosen Sonnenschein [so], dass man ihm seine Rücksichtslosigkeit schwer übel nehmen kann. Uwe Topmann zeigt in der Doppelrolle von Garumas herzensguter Mutter und dessen ehrgeizigem Trainer einleuchtende Figurenporträts. Garumas Freund und Wegbegleiter spielt Peter Pearce als treues Opfer dessen Karriere. Sein verzweifelter Kampf um die Anerkennung des schillernden Freundes seiner Kindertage hat tragische Dimensionen. Maike Wehmeier, neu im Schnawwl-Ensemble, stellt sich mit der Rolle von Garumas Ehefrau Evangelina dem Mannheimer Publikum vor. Die Entwicklung ihrer Figur von der minderjährigen Prositutierten zur umjubelten Samba-Königin und Ehefrau des Nationalhelden ist der Gegenentwurf zu Garuma […]. Die Rheinpfalz

 

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Tracy Letts
Eine Familie/August: Osage County (DSE)
31.10.2008

Eine Familie/August: Osage County (DSE)<br />Premiere 31. Oktober 2008<br />©Foto Hans Jörg Michel
Eine Familie/August: Osage County (DSE)Premiere 31. Oktober 2008©Foto Hans Jörg Michel

Das Stück ist perfekt gebaut, die Informationen sickern aus den Dialogen, man weiß genug, aber nie zu viel. Es sind, vielleicht mit ein oder zwei Ausnahmen, alle 13 Rollen großartige Rollen. […] Die Aufführung des Schauspielchefs Burkhard C. Kosminski lässt keinen Zweifel daran, dass Mannheim, ja Mannheim, dafür der ideale Ort ist. Das Timing ist großartig, die Boshaftigkeit beiläufig. Das Ensemble passt so perfekt auf diese Rollen, dass man denkt, es sei extra für dieses Stück zusammengestellt worden oder habe jahrelang darauf gewartet, dass jemand ihm dieses Stück schreibt. […] Frankfurter Rundschau


Ein Frauenstück: schwarze Weiber, aus der griechischen Tragödie in die US-Konsumgesellschaft verpflanzt. Besonders Irene Kugler als älteste Tochter bietet eine beeindruckende Studie verlebter, aggressiv trauernder Liebessehnsucht. Ragna Pitoll macht aus der intellektuellen Ivy eine notorisch Zukurzgekommene, und Gabriela Badura baut die Familienmutter Violet am Ende zur bösen Hexe auf. Deutschlandradio


Kosminski zeigt keine Scheu vor großen Gefühlen und den Krawall-Dialogen der Fernsehserien; seine Inszenierung bietet soliden psychologischen Realismus, der über fast vier Stunden hinweg die Spannung hält. […] es ist große Unterhaltung, das Ensemble so gut wie schon lange nicht mehr, und so gibt es Szenenapplaus und am Ende stehende Ovationen. Frankfurter Allgemeine Zeitung


Letts' Well-made Play funktioniert wie geschmiert, hat er es doch den Schauspielern der Chigagoer Steppenwolf Theatre Company auf den Leib geschrieben. Dass es auch bei den Mannheimern, zwischen alten Hasen, Neuzugängen, Rückkehrern und Jungschauspielern funktioniert, steht für dessen Qualität. […] Dass Bosheit lachen macht, im nächsten Moment dann furioser Aktionsrealismus feiner Psychologie folgt, Johlen und atemloses Stillschweigen über drei Akte derart Hand in Hand gehen, hat Burkhard C. Kosminski bewirkt. […] Mannheimer Morgen

 

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Jonas Hassen Khemiri
Invasion!
01.10.2008

Invasion!<br />Bild: Egloff, Höpfner, Danner<br />©Foto Christian Kleiner
Invasion!Bild: Egloff, Höpfner, Danner©Foto Christian Kleiner

 (...) Sven Prietz, Thorsten Danner, Isabelle Höpfner und ein gut aufgelegter Tim Egloff springen aus der Hose in den Rock und aus den Stiefeln in die Schuhe, treten wohlfrisiert und intellektuell-bebrillt zu Expertenrunden zusammen. Eine schön böse Medienkritik, wenn sie geballte Worthülsen von sich geben, deren Erkenntnisgewinn sich auf Null beläuft und stattdessen nur Paranoia schürt: Eine diffuse Bedrohung dräut am Horizont, der Abulkasem, der über Schweden gekommen und nun mitten unter uns ist.
www.nachtkritik.de

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