Pressestimmen Schauspiel Spielzeit 2009/2010


Layos Talamonti
Im Kreis der Besten. Leben im Quadrat (UA), 18.06.2010
Inszenierung: Layos Talamonti

Im Kreis der Besten. Leben im Quadrat (UA), 18.06.2010<br />
Im Kreis der Besten. Leben im Quadrat (UA), 18.06.2010

„Das in der Bürgerrolle immer wieder direkt angesprochene Publikum amüsiert sich, zumindest im ersten Teil des Abends, königlich, wobei der Witz der dramaturgisch gut gestalteten Textvorlage eine wichtige Grundlage für das Vergnügen an der unterhaltsamen Produktion liefert, diese aber entscheidend von der ansteckenden Spielfreude des vierköpfigen Ensembles getragen wird. Ernster wird es nach dem Umzug in die erste Etage, wenn stummes Warten auf den Fluren angesagt ist, ein rätselhaftes Kommen und Gehen zwischen den Büros einsetzt, Monitore nur unvollständige Bilder von den Vorgängen hinter geschlossenen Türen liefern und das Verhalten der hoch verunsichert wirkenden Verwaltungsleute hysterische Züge annimmt. Das böse Ende gut gemeinter Reformbestrebungen, wie es hoffentlich nie eintritt: die voll digitalisierte Verwaltung, deren Geist sich im computergenerierten „HAL“ verselbstständigt hat und jeden Schritt des nun perfekt erfassten Bürgers überwacht. 
– Übrigens: Zu den zahlreichen Besuchern, die am Premierenabend herzlich gelacht haben, zählte auch Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz …“ Rhein-Neckar-Zeitung, 21.6.2010   
 
„Lajos Talamonti kann sich auf ein stark spielendes Ensemble  verlassen, das immer wieder zu präzisen Sprüngen ansetzt.“
Mannheimer Morgen, 21.6.2010
 
„“Im Kreis der Besten. Leben im Quadrat“ ist eine gutwillige und unmittelbare Versuchsanordnung am Tatort. Ein Format, das sich nach Gesine Danckwarts Ausflügen in den öffentlichen Nahverkehr oder den Mannheimer Hafen, auf bestem Wege zur örtlichen Schauspieltradition befindet. Einen Monat lang haben Talamonti und sein Ensemble in Bürgerämtern, Kantinen und Rathäusern recherchiert und Interviews geführt. Ausgangspunkt für die Stückentwicklung bildet dabei die großangelegte Umbauaktion in der lokalen Stadtverwaltung, die Mannheims Administrationsapparat zu einem der modernsten seiner Art in der Republik machen soll. Es geht um Veränderung und Bewahrung, um Innovation und Verweigerung.“ Nachkritik, 18.6.2010

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William Shakespeare
Was Ihr wollt, Premiere 12.06.2010
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski

Was Ihr wollt, Premiere 12.06.2010<br />
Was Ihr wollt, Premiere 12.06.2010

"Tja, was es ist es nun, dieses Stück? In Mannheim, so kann man nach dem Jubel für alle unter der Regie von Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski an der Premiere Beteiligten sagen, ist es trotz anglistischer Forschung vor allem eines: „Was ihr wollt“ – nämlich ein Heidenspaß. [...] Halbweiße Gespenster (auffallend gute Maske: Harald Klute) sind diese Wesen, geisterhaft ins träumerische Licht Nicole Berrys gesetzt. Das Leben ein Traum. Wer wüsste es besser als der Narr, dem Shakespeare stets Weisheit zugesteht. Edgar M. Böhlke haucht sie diesem Abend – mit flatternden Rockschößen schaukelnd – bezaubernd, fast zärtlich ein. [...] Es sind bekanntlich die schlechtesten Früchte nicht, an denen Shakespeare-Regisseure nagen. Und Kosminski, der große Freund englischsprachigen Theaters, will den Mannheimern den freilich besser als die Übersetzung Rainer Iwersens klingenden Originaltext nicht vorenthalten. Ein zweisprachiger Stadttheaterabend ist mutig, bietet aber auch Chancen. Am meisten für den Muttersprachler Peter Pearce, der mit dem liebeskranken Herzog Orsino seine erste Hauptrolle am Nationaltheater glänzend meistert. Auch das Objekt der Begierde ist bei Dascha Trautwein in fingerfertigen Händen. Die vielseitige Schauspielerin beherrscht Komödienklaviatur vom Vamp bis zum liebestollen Schaf und wieder zurück zur Boulevard-Diva mühelos, nuancenreich und mit hohem Unterhaltungswert. Ihre Verwandtschaft (Reinhard Mahlberg) schnorrt sich mit Kumpanen (Klaus Rodewald (!), Matthias Thömmes, Gabriela Badura) und exzellentem, nach Tom Waits und John Dowland klingenden Gesang durch das von Hans Platzgumer elektroakustisch sphärisch beschallte Gemäuer und macht Haushofmeister Malvolio zum „Hofhund und Hausmeister“ – nicht ohne ein einfallsreiches Feuerwerk des Frohsinns zu zünden. Nur einem genialen Komiker wie Sven Prietz, der in Malvolio eine neue Paraderolle gefunden hat, gelingt es, selbst in gelben Strümpfen und im Kerker trippelnd angemessene Haltungen zu bewahren."
Mannheimer Morgen, 14.6.2010
 
"So bleibt alles an diesem wunderbaren Theaterabend immerfort auf der Kippe, küssen Frauen Frauen, die vorgeben Männer zu sein. [...] Vielleicht ist es ja sein sonderbarer Traum, dem wir hier zwei Stunden lang zusehen durften, dem Traum eines alten, weisen Narren über die Liebe und das Trugbild, das wir manchmal dafür halten."
Die Rheinpfalz, 14.6.2010
 
"Auf der großen Bühne des Mannheimer Schauspielhauses ist dieses 1601/02 entstandene Labyrinth des Liebe in einem sehr geometrischen Illyrien angesiedelt. Im knapp skizzierten Bühnenbild von Florian Etti regiert nicht nur der rechte Winkel, sondern durch die raffinierte Beweglichkeit von Rückwand, Boden und Decke wird zudem der Eindruck einer anonym, kalt und finster arbeitenden Gesellschaftsmaschinerie hervorgerufen. [...] Alles im allem bietet Kosminski Großraumtheater mit faszinierenden Bildlösungen [...]. So ist der Raum vielleicht der größte Star dieser Inszenierung. Zugleich lässt er große Distanzen zwischen den Personen, die zwar Vereinzelung bedeuten, aber auch viel Platz zur Entfaltung der Akteuere lassen. Und diese Chance wurde von den Schauspielern weidlich ausgenutzt, um mit viel Situationskomik und zur Musik von Hand Platzgumer dafür zu sorgen, dass diese eindrucksvolle Aufführung von "Was ihr wollt" auch unter dem Titel "2010: Odyssee im Weltraum der Liebe" hätte stehen können. Begeisterter Beifall."
Rhein-Neckar-Zeitung, 14.6.2010

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Gesine Danckwart
kill the katz (UA), Premiere 12.05.2010
Inszenierung: Gesine Dankwart

kill the katz (UA), Premiere 12.05.2010
kill the katz (UA), Premiere 12.05.2010


„kill the katz / kac“ durchforstet das Wurzelwerk zeitgenössischer Identitäten. In Zusammenarbeit mit dem Teatr Polski in Bydgoszcz und dem Mannheimer Nationaltheater entstand dabei eine knapp einstündige Reflektion über kulturelle Ost-West-Verschiebungen und ihren Einfluss auf die menschliche Identität. Danckwarts gewaltiger Wortfluss speist sich aus zahlreichen Interviews, die sie bei ihrer Recherchearbeit in Deutschland und Polen zusammengetragen hat und für ihr zweisprachiges Ensemble zum rasant geschnittenen biografischen Mosaik umgebaut hat. […] Ein kraftvolles Bild der Austauschbarkeit und haltlosen Zwischenstopps, das hier von einem starken Ensemble an der Grenze zur Performance gezeichnet wird.“     Mannheimer Morgen, 14. Mai 2010


„Die Porträtierten aus Deutschland und Polen sind sich fremd, haben aber vieles gemeinsam. Über die Grenzen hinweg opfern sie für den beruflichen Erfolg Heimat, Freunde, Nachtruhe sowie die Chance auf privates Glück. Das Ergebnis ist ein ständiger Kampf gegen die Einsamkeit, der mit Hilfe von Fernseher, Laptop und Handy letztlich erfolglos geführt wird. Die Wirkung des kurzen Stücks entfaltet sich dadurch, dass die Autorin die Zuschauer zwingt, in einen Spiegel zu blicken.“    Münsterländische Volkszeitung, 13. Mai 2010 

 

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Friedrich Schiller
Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, Premiere 24.04.2010
Inszenierung: Marcus Lobbes

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, Premiere 24.04.2010
Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, Premiere 24.04.2010

„Ein steifleinernes Staatsdrama aus den Lumpen der Theaterklassik zu schütteln, Sehgewohnheiten über den Haufen zu werfen, um so den Weg frei zu machen zur Kernfrage des republikanischen Trauerspiels: Woran scheitern Revolutionen und was wäre die Grundvoraussetzung dafür, dass sie gelingen könnten? Die große Bühne in der Tapete eines Renaissance-Saals. Viel Volk drängt sich darin. Doch es sind beim näheren Hinsehen nur Kleiderständer, behängt mit Kleidungsstücken bürgerlicher Existenzen von heute. Sie stehen dicht an dicht, ein Vogelscheuchenvolk. […] Und langsam, ganz langsam schiebt sich nach der ersten Hälfte des Stücks die hintere Kulissenwand nach vorn. Die Figurenattrappen und das ganze Inventar purzeln über den Bühnenrand und landen krachend im Zuschauerraum. Kongenial diese Bühnenidee von Christoph Ernst. Die Revolution frisst ihre Kinder. Das auf Entzauberung des Heldenmythos zielende Regiekonzept mit seinen ironischen Brechungen und szenischen Irritationen mag nicht jedermanns Sache sein. Eines aber leistet Marcus Lobbes mit seinen Darstellern am Mannheimer Nationaltheater ganz ohne Frage: Die sonst so leicht gestelzt daherkommende Schiller'sche Sprache ist in ein menschliches Maß transponiert, das man selten so natürlich – und das heißt auch verständlich und ohne Pathos – geboten bekommt.“
Nachkritik.de, 24. April 2010

„Für Marcus Lobbes besteht zwischen den rivalisierenden Gruppen, die Mitte des 16. Jahrhunderts in Genua um die Nachfolge des greisen Dogen Andreas Doria streiten, kaum einen Unterschied. Dorias despotischer Neffe Gianettino, der freiheitlich gesinnte Republikaner Verrina und dazwischen der zwielichtige Fiesco – alles eine Sorte von Heuchlern, die das Gemeinwohl im Munde führen und ihren Eigennutz im Sinn haben. Thorsten Danner, Reinhard Mahlberg, Klaus Rodewald und Ragna Pitoll lümmeln zu Beginn der Aufführung auf einem Sofa herum, teilen die zwölf wichtigsten Rollen untereinander auf und grinsen sich eins beim Verlesen von Schillers altertümlichen Charakterdefinitionen […] Die Kulisse (Bühne und Kostüme: Christoph Ernst), in der diese Öde Provinzposse spielt, ist allerdings bombastisch […]“
Rhein-Neckar-Zeitung, 26. April 2010

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Ulrike Syha
Fracht (Nautisches Denken I-IV), Premiere 10.4. 2010
Inszenierung: Torge Kübler

Fracht (Nautisches Denken I-IV), Premiere 10.4. 2010
Fracht (Nautisches Denken I-IV), Premiere 10.4. 2010

„Kunstvoll und mit launiger Abgeklärtheit lässt Syha berufliche und private Anekdoten ihrer Protagonisten am Unort Flughafen zusammenlaufen. In die monologischen Erzählungen springen die jeweils anderen Figuren rasant als multiple Spielpartner ein. Situativ untermalt wird das muntere Spiel in der Regie von Torge Kübler auf der langgestreckten Werkhausbühne mit einer riesigen Videoleinwand (Nils Gritz).“
Mannheimer Morgen, 12.4.2010

„Torge Kübler, der aus der Off-Theaterszene kommt und für das Nationaltheater zuletzt „Körpergewicht. 17%“ von Ewald Palmetshofer inszeniert hat, bemüht sich vor allem, den kabarettistischen Unterhaltungswert der Spielszenen des Stücks zu steigern, ohne allzu schrill zu werden, was ihm und seine, Vierer-Ensemble auch gut gelingt. […] Jacques Malan, Matthias Thömmes, Jenny König und Almut Henkel bewältigen bewundernswert die Riesenaufgabe, den über vierzig kurz angerissenen Rollen des Stücks so viel Substanz zu geben, dass sie zu Menschen aus Fleisch und Blut werden, deren tragikomische Alltagsbewältigung uns nicht unberührt lässt.“
Rhein-Neckar-Zeitung, 12.4.2010

„Die Rollen werden im fliegenden Wechsel getauscht, Dialogfragmente von erklärenden Anmerkungen unterbrochen oder durch ironische Schilderungen auf den neuesten Stand gebracht. […] Almut Henkel, Jenny König, Jacques Malan und Matthias Thömmes tun ihr Möglichstes, arbeiten sich professionell und weitgehend störungsfrei durch den Personen- und Textdschungel.“
Die Rheinpfalz, 12.4.2010

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Heinrich von Kleist
Amphitryon, Premiere 27.03.2010
Inszenierung: Cilly Drexel

Amphitryon, Premiere 27.03.2010
Amphitryon, Premiere 27.03.2010

„Drexel nutzt mit geschickt gestrafftem Text in gut anderthalb Stunden vor allem die Möglichkeiten der Komödie, die aus der Ahnungslosigkeit der von den Göttern gefoppten Menschen wächst. Die eher trockenen Debatten über die Zweifel am eigenen Ich bleiben da nur Episode. Aber ein munterer Abend mit Kleist gelingt der Mannheimer Hausregisseurin allemal.“
Darmstädter Echo, 3.4.2010

„Cilli Drexel und ihre Bühnenbildnerin Christina Mrosek haben Kleists Versuchsanordnung in Mannheim ganz wörtlich genommen und die Bühne als Experimentierfeld ausstaffiert. […] Tim Egloff und Sven Prietz dürfen dabei den meisten Komödienspaß verbreiten, geben als Sosias und Merkur bebrillt und im knappen Sakko ein nur optisch gleiches Brüderpaar. […] Sascha Tuxhorn als Amphitryon ist eher Banker als Krieger, ein wenig hilflos in seiner Eifersucht und natürlich auch deshalb heillos verwirrt, weil sein göttlicher Widersacher eine Frau ist. Cilli Drexel hatte nämlich den wunderbaren Einfall, Silja von Kriegenstein Jupiter spielen zu lassen.“
Die Rheinpfalz, 29.3.2010

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Bertolt Brecht/Musik: Kurt Weill
Dreigroschenoper, Premiere 27.02.2010
Iszenierung: Alejandro Tantanian

Dreigroschenoper, Premiere 27.02.2010
Dreigroschenoper, Premiere 27.02.2010

„Michael Fuchs’ Mackie Messer lässt die seelischen Abgründe hinter seiner Hochglanzfassade gekonnt aufflimmern, sein sängerisches Talent – brustiger, realer Ton – beeindruckt […]. Einmal mehr sticht auch Ragna Pitoll hervor. Als alkohol- und nikotinsüchtige Misses Peachum zerbricht sie keifend, schreiend und nuschelnd an Zuständen und Lügen, verkommt eindrucksvoll zur Verrückten, über die man lacht, obwohl sie einem leid tut. Das ist große schauspielerische Kunst […]. Joe Völkers Band spielt exzellent, nah an der Originalpartitur und trifft den Grat von Pomp und Archaik genau so wie den zwischen Kunst und Unterhaltung.“ Mannheimer Morgen, 3.3.2010

„In der Inszenierung des argentinischen Regisseurs Alejandro Tantanian drängt sich die Sozialkritik jedoch nie allzu plakativ und verbissen in den Vordergrund, sondern begleitet eher als witziger Kommentar das bunte Treiben auf der Bühne des Schauspielhauses. […] Wirkungsvoll unterstützt wird er dabei von seiner Ausstatterin Oria Puppo, die aus einer schlichten Bretterwand als Grundelement eine Fülle überraschender Raumlösungen herausholt, und deren phantasievolle, typgerechte Kostüm-Gestaltung eine echte Rollenbereicherung darstellt. Hinreißende Szenenabläufe und Songchoreografien zeitigt die Bewegungsregie von Diego Velázquez, der das Ensemble zu körperlichen Höchstleitungen angespornt hat.“ Rhein-Neckar-Zeitung, 1.3.2010

„[…] das Ensemble legt sich mit einem Engagement ins Zeug, dass es eine Freude ist. Vor allem aber: Es wird erlesen schön gesungen. Kein Ausfall – kein einziger. […] wie Ragna Pitoll in der Rolle der Mrs. Peachum ihren makellosen Sopran dabei ins rauchig Ordinäre absacken lässt, während Rainhard Mahlberg als ihr Gemahl auch stimmlich im Staatstragenden zu verharren versucht, das ist allerschönste Musik-Clownerie. […] Michael Fuchs ist ein geschniegelter Charmeur mit diesem aufgeschminkten Conférencier-Habitus, wie er für die Goldenen Zwanziger kennzeichnend war. Und Dasha Trautwein als seine Frau, die Peachum-Tochter, passt mit einer Mischung aus Blondchen-Betulichkeit und Raubkatzen-Verschlagenheit perfekt an seine Seite.“ Allgemeine Zeitung, 5.3. 2010

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Reto Finger
Norma (UA), Premiere 24.01.2010
Inszenierung: Cilli Drexel

Reto Finger, Norma, Premiere 24.01.2010
Reto Finger, Norma, Premiere 24.01.2010

„Die leichgewichtige Szenenfolge entpuppt sich in Cilli Drexels funkensprühender Umsetzung als wunderbare Spielvorlage, die auch das sechsköpfige Ensemble mit spürbarem Vergnügen zu nutzen weiß. Der höchst unterhaltsame Abend beweist einmal mehr, dass Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski gut beraten war, als er dieses Regietalent – am Nationaltheater hat sie zuletzt mit großem Erfolg Hauptmanns „Einsame Menschen“ und „hamlet ist tot. keine schwerkraft“ von Palmetshofer inszeniert – für die laufende Saison fest ans Haus holte.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 26.01.2010

„Zwischen Reality-Show als Satire und purer Fiktion, zwischen Aktion und Reflektion wird der Gang des Stücks in der Schwebe gehalten. Traum und Wirklichkeit fließen ineinander. Ist das wirklich passiert, was da geschehen sein soll? Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, die so schwer zu realisieren ist, wird wirkungsvoll auf die Bühne gebracht (karges Bühnenbild: Kathrin Younes, schrille Kostüme: Janine Werthmann).“   Nachtkritik.de, 26.01.2010

„Regisseurin Cilli Drexel lässt sich erst gar nicht ein auf die Schicksalsschwere, die dieses Stück in tragische Abgründe ziehen könnte. Als fröhlichen Haufen schräger Vorstadttypen schickt sie ihre Schauspieler auf die mit den nötigsten Requisiten ausstaffierte und mit flotter Musik beschallte Werkhausbühne.“   Die Rheinpfalz, 26.01.2010

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Henrik Ibsen
Peer Gynt, Premiere 09.01.2010
Inszenierung: Georg Schmiedtleitner

„Die Aufführung im Mannheimer Schauspielhaus beginnt angenehm locker. Drei Peers unterschiedlichen Alters treten vor den Vorhang, plaudern charmant über die soziale Technik des Lügens, bis der Jüngste (Taner Sahintürk) rücklings vor eine aggressiv wirkende Männerschar stürzt, die ihn lautstark des Lügens bezichtigt. Aase (Ragna Pitoll) eilt herbei, wirft sich schützend über ihn und rasch entspinnt sich zwischen Mutter und Sohn des vielleicht schönste Dialog des Abends.“
In: Mannheimer Morgen, 11.01.2010


„Um dieses starke Peer-Trio herum hat Schmiedleitner das Ensemble verknappt: Überhaupt nimmt seine dreistündige Aufführung ein paar Abkürzungen, ohne aber das Wesentliche zu verpassen. Ragna Pitoll ist als Mutter Ase so stark wie als Knopfgießer, der als Teufelsbote kommt, um Peers Seele einzuschmelzen, Sabine Fürst verliert auch als alte Solvejg, die ein Leben lang auf den Weltreisenden gewartet hat, nicht die tänzerische Eleganz ihres zarten Wesens, Dascha Trautwein ist unter anderem sehr witzig als schrill kichernde Trollprinzessin zu erleben. Alle weiteren Männer werden im beständigen Rollenwechsel von Thorsten Danner und Sascha Tuxhorn übernommen. Dass sie dabei ihren jeweils starken Typ bewahren, passt nicht schlecht zu Gynts Fantasiereise, auf der er die immergleichen Situationen absolviert.“
In: Darmstädter Echo, 11.01.2010

„Wie schon in seiner „Maria Stuart" hat Schmiedleitner einen Chor ins Zentrum des Geschehens gerückt. Die gut zwei Dutzend Männer sind Dorfgemeinschaft und Hochzeitsgesellschaft, Trollhorde und Wüstenscheichs, Insassen des Irrenhauses und Schiffsmannschaft, sind stille Beobachter und lautstarke Kommentatoren, hetzen den Brauträuber Peer fast zu Tode und bejubeln ihn später als zu Reichtum gekommenen Geschäftsmann.
   Die Rolle des Peer Gynt wurde dreifach besetzt. Taner Sahintürk spielt den jungen Peer als ungestümen Weiberhelden und Lügenbaron, angetrieben von der Kraft seiner Träume. Michael Fuchs ist der Peer der mittleren Jahre, ein gerissener Hochstapler und gieriger Spekulant, der lustvoll aufsteigt und abstürzt und neben seinem Geld auch beinahe den Verstand verliert. Edgar M. Böhlke ist als alter Peer erfüllt von bitterer Resignation, immer noch ein verzweifelter Glückssucher, mit dem Tode noch feilschend um einen Rest von erfülltem Leben.
   Das funktioniert alles ganz wunderbar. Wir sehen dem Existenzgezappel dieses Getriebenen zu, umrunden mit ihm beinahe den gesamten Erdball und bleiben doch in dieser Provinzstube, wo er all sein Glück hätte finden können, ohne auch nur den Fuß vor die Tür zu setzen.“
In: Die Rheinpfalz, 11.01.2010

„Was also tun mit dieser Weltreise durch den eigenen Kopf […]? Georg Schmiedleitner (der im Nationaltheater auch schon mit zwei großen Schiller-Dramen und Goethes „Faust“ reüssierte) hat mit seinem Bühnen- und Kostümbildner Florian Parbs die richtige Lösung gefunden: Die beiden eröffnen einen weiten Gedankenraum, in dem auch die Assoziationen des Publikums auf Reisen gehen können. Hier stehen der Motivreichtum und die Sprache des vorsichtig modernisierten Dramas im Vordergrund, nicht die bunte, märchenhafte Szene-Folge und die vordergründige Ablenkung. Mit einfachen Holzstühlen, dem vielseitig eingesetzten Chor und den Hubpodien, die sogar den Schiffsuntergang eindrucksvoll suggerieren, gelingt dem Inszenierungsteam ein großer, konzentrierter in vielen Szenen auch humorvoller und vom Publikum ausgiebig gefeierter Abend.“
In: Rhein-Neckar-Zeitung, 11.01.2010

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Theresia Walser
Herrenbestatter (UA), Premiere 18.12.09
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski

„Burkhard C. Kosminski, der „Herrenbestatter“ jetzt im Mannheimer Nationaltheater erstmals auf die Bühne bringt, setzt ganz auf die komischen Effekte des Stücks. […] Seine Entscheidung, aus „Herrenbestatter“ eine zeitgemäße Insolvenz-Burleske zu machen, ist verständlich und klug. […] Die Kunden des Kaufhauses haben kein Geld mehr, die Angestellten keine Würde, die Manager keine zündenden Ideen – und das Unternehmen keine Zukunft. Wenn alle dennoch so tun, als seien noch irgendwelche großartigen Ziele zu erreichen, wirkt das sowohl sehr komisch als auch sehr bitter. Dem Ensemble gelingt es, beides zugleich spüren zu lassen. Die Schauspieler denunzieren ihre Figuren nicht: Selbst hinter den grotesken Selbsttäuschungen und clownesken Hampeleien verstehen sie noch eine Portion Existenzangst zum Vorschein zu bringen.   Die Welt, 22.12.2009
 
„Kosminski macht aus der Kaufhaus-Untergangs-Komödie ein fröhliches Endspiel an der Kundenfront. Die 90 Minuten machen also viel Spaß. Sven Prietz gibt den Nachwuchsverkäufer Lenz als wuseligen Torero, der mit der Modefarbe Gelb die Kundschaft reizt. Anke Schubert spielt die Abteilungsleiterin Frau Irrwein als somnambule Umsatzstrategin und Rolltreppenbeschleunigerin. Reinhard Mahlberg ist ein bauernschlau abgebrühter Investoren-Romantiker. Gabriela Badura und Jacques Malan ein von Abhängigkeit, Hass und vielen Jahren ineinander verbissenes Mutter-Sohn-Gespann im fortgeschrittenen Alter. Auch die junge Frau (Jenny König) und Herr Sims (Hans Fleischmann) sind als Kundschaft keine leichten Fälle. […] Vielleicht könnte Herr Ellenbeck ja alle retten, aber der hat ja leider seinen letzten Tag. Peter Rühring spielt diesen Herrenbekleidungs-Ritter von der traurigen Gestalt so wunderbar, dass man ihm gern noch ein Weilchen gegönnt hätte.“   Die Rheinpfalz, 21.12.2009

„In „Herrenbestatter“ erweist sich Theresia Walser als Matadorin des gehobenen Boulevards, indem sie zeigt, dass Untergangsstimmung und Humor genauso miteinander verwandt sind wie Unglücksraben und Spaßvögel. Der Mannheimer Schauspiel-Chef Burkhard C. Kosminski sorgt in seiner weitgehend realistisch angelegten Inszenierung dafür, dass die schwarzhumorige Boulevard-Mechanik immer schön weiterrotiert – ganz so wie die Kaufhausdrehtür am linken Bühnenrand […]“   Rhein-Neckar-Zeitung, 21.12.2009

„Sprachpoesie, Humor und starke Schauspieler: Das neue Stück „Herrenbestatter“ der Dramatikerin Theresia Walser (42) ist am Freitagabend am Mannheimer Nationaltheater  mit großem Beifall aufgenommen worden.“   dpa, 21.12.2009

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Ewald Palmetshofer
„faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete“
Premiere 28.11.09, Inszenierung: Dieter Boyer

„Warum gibt es so wenig Mitgefühl?“
Der Dramatiker Ewald Palmetshofer zeigt uns die großen Katastrophen der kleinen Leute – Deutsche Erstaufführung seines neuen Stückes in Mannheim

Er gilt als eines der vielverspre­chendsten Talente im deutschspra­chigen Theater. Sein Stück „hamlet ist tot. keine schwerkraft“ machte Ewald Palmetshofer vor zwei Jah­ren bekannt. Der österreichische Dramatiker werde zum Nachwuchsautor des Jahres gewählt. Seine Tex­te muten uns einiges zu, handeln von kleinen Leuten und ihren gro­ßen Katastrophen, bieten aber statt sozialgetränktem Realismus uner­wartete Sprachgewalt. Palmetshofers neues Stück „faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete" hat heute in Mannheim Premiere.

Einen stillen, fast schüchternen Ein­druck macht dieser 31-jährige, be­dächtig sucht er nach der richtigen Formulierung, antwortet nie ohne kurz nachzudenken. Griffige Statements sind von so einem nicht zu ha­ben. Die Welt ist schließlich ein kom­plexes Ding, ganz besonders, wenn man sich dafür interessiert, was die­se in ihrem Innersten zusammenhält. Dass Ewald palmetshofer Theatertexte schreibt, in denen es bei aller existentialistischen Gedankenschwere überaus handfest und bisweilen sogar komisch zugeht, mag da überraschen.

„Meine Theaterfiguren sind nicht blöder als ich“, sagt Palmetshofer und bürdet ihnen damit ganz schön was auf. Schließlich hat der Mann nicht bloß (ansatzweise) Germanistik und Theaterwissenschaft studiert, sondern auch (erfolgreich) Philosophie, Psychologie und Theologie. Theoretisch könnte er Lehrer werden, belässt es aber erst mal beim Theaterautor. Den Fachwechsel von der Philologie zur Philosophie erklärt er mit seinem Interesse an den grundsätzlichen Fragen des Lebens, an so Dingen wie „Gerechtigkeit, Liebe, Leid, Tod“. Da konnte ihm die Literaturwissenschaft keinen Zugang bieten. Ein „Denkhandwerkszeug“ habe er gesucht, die direkte Auseinandersetzung mit den Themen, die ihn umtreiben.

Es kann nicht schaden, dies zu wissen, wenn man ein Theaterstück von Palmetshofer anschaut. Man ist dann vielleicht nicht mehr ganz so über­wältigt vom Sprachfuror seiner Figu­ren, der aggressiven Tiefgründigkeit ihrer Gedanken. Das Reden ist hier ein wildes assoziatives Fließen, mäandernde Stummelsätze und Stummelgedanken prägen sein Schreiben, vieles wird angedeutet, ausgelassen, abgebrochen. Ganz erstaunliche Ein­sichten purzeln da aus den Köpfen, während gleichzeitig eine kunstvolle dialektal-raue Umgangssprachlich­keit für Bodenhaftung sorgt. „Die Sprache benennt etwas Größeres, als der Figur auf Grund ihrer sozialen Verortung zuzutrauen wäre", sagt Palmetshofer.

Dieser stammt aus einem 800-Seelen-Dorf im oberösterreichischen Mühlviertel, ländliches Industriege­biet, zum Arbeiten und zum Leben fährt man woanders hin. Auch seine Figuren verortet der Autor in solch ländlich-kleinbürgerlichem Raum, in kleinen Verhältnissen, wo der Wel­tenlauf nicht halt macht und die Ka­tastrophen hausgemacht sind, in „hamlet ist tot. keine schwerkraft", dem Stück, mit dem ihm vor zwei Jahren der Durchbruch gelang und er zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen wurde, präsentiert er gleich eine ganze Katastrophen-Sipp­schaft: ein inzestuös verklammertes Geschwisterpaar, ein weiteres Pär­chen, mit dein die beiden mal kreuz­weise liiert waren und das sich nun in, fadem Beziehungsglück eingenis­tet hat, ein drogenkranker Jugend­freund, erschlagen vom eigenen Va­ter, und eine hasserfüllte Vater-Mut­ter-Oma-Konstellation, die mit dem gewaltsamen Tod der alten Dame en­det.

Im neuen, Anfang des Jahres in Wien uraufgeführten Stück mit dem ebenfalls klassikerumspielten Titel „faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete" geht es auch nicht ohne tödliche Katastrophen ab. Die Geschichte von Faust, der Grete verführt, schwängert und sitzen lässt, die ja schon Goethe interessier­te, ist hier Vergangenheit. Zu Beginn ist Faust schon wieder weg bei ir­gendeinem Hilfsprojekt in Afrika und Grete tot, suizidal verstorben in einer elenden Waldhütte, das Neuge­borene verscharrt ein paar Meter weiter. Drei Paare, von denen die bei­den ein wenig umsorgt und ein we­nig verkuppelt und am Ende nicht be­schützt wurden, spielen uns die Ge­schichte nach, übernehmen abwech­selnd die Rollen der Abwesenden. „Die Lücke, die der Tod reißt, bleibt sichtbar", sagt Palmetshofer, „es geht um diese Leerstelle, die das Stück umkreist". Thema ist also der Umgang mit dem Tod und mit der Schuld, die alle Beteiligten auf sich geladen haben.

Unschuldig davonkommen lässt dieser Autor nämlich keinen. „Wa­rum gibt es so wenig Mitgefühl?", fragt Palmetshofer. „Wie gehen wir um mit dem Wissen, dass das Leben von drei Viertel der Menschen kata­strophisch ist?" Nicht bloß die drei Paare in seinem neuen Stück müssen „viel Arbeit leisten", damit ihr Leben davon unbehelligt bleibt. Dietrich Wappler, Die Rheinpfalz am 28.11.2009

„Der originelle Titel „faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete“ klingt lustiger, als das, was wir auf Anke Niehammers suggestiver Bühne zu sehen und zu hören bekommen. Und das ist gut so, denn lustig aufgepeppte Befindlichkeitskomik gibt es zuhauf. Regisseur Dieter Boyer gelingt es dagegen, der sperrigen und mit Bezügen überfrachteten Kunstsprache, heitere, erkenntnisreiche und tief traurige Momente abzugewinnen.“
In: Mannheimer Morgen, 30.11.2009

„Dieter Boyer hat das Stück in Mannheim mit behutsamer Genauigkeit inszeniert, hat die manchmal etwas verrätselte Szenenfolge in einen stimmigen Ablauf gebracht, hat viel Komik eingestreut und doch die abgründige Wut der Figuren immer wieder aufblitzen lassen. Die drei Schauspielerinnen machen das noch einen Tick spannender als ihre männlichen Kollegen. Lisa Stachowiak, Wiltrud Schreiner und Almut Henkel können wahre Flammenwerfer aus Missgunst und Bosheit sein, die Gemeinheit gespeist aus einer aggressiven Verzweiflung tief drinnen in der entzündeten Provinzlerseele.“
In: Die Rheinpfalz, 30.11.2009

„In der kargen Bühne von Anke Niehammer verweisen von der Decke hängende Bäume auf Gretes proletarischen Provinzhintergrund. Einige Bierkisten schaffen Sitzgelegenheiten, ein aufgehängter Blumenkasten mit Petersilienpflanzen markiert den Balkon und bietet eine Gelegenheitsschaukel.
   Dieter Boyers Inszenierung gelingt es, Musikalität und Komplexität, aber auch die Komik der Palmetshoferschen Tiraden hörbar zu machen. Mit schaudernder Schaulust erzählen die drei Paare von Heinrich und Grete, lassen den Revoluzzerdrang der anderen Revue passieren. Klischees und Abgründe werden gegeneinandergestellt, und in der klammernden Normalitätsbehauptung der einen wird eine ebenso drängelnde Sehnsucht sichtbar wie im zornigen Aufbegehren der anderen. Die Diagnose aber scheint so klar wie vernichtend: es ist kein Ausweg aus dieser Sinn- und Kernlosigkeit, aus Waldhütte und Balkonidyll, Partnerlook und Einsamkeitsverzweiflung. Eine wahrlich düstere Gegenwartsanalyse. Die Erde ist dunkel, Zeitgenossen!“
In: Nachtkritik.de, 28.11.2009

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Astrid Lindgren
Ronja Räubertochter, Premiere 18.10.09

„Dass man für kritisches Kinder- und Jugendtheater stehen kann, aber auch in die vollen Töpfe des Theaterzaubers greifen kann, haben Schnawwl-Leiterin Andrea Gronemeyer und die beauftragte niederländische Regisseurin Inèz Derksen mit der bejubelten Premiere eindrucksvoll bewiesen.“   Mannheimer Morgen, 20.10.2009

„Die Mannheimer Koproduktion von Schnawwl und Schauspiel spielt die Verhaltensweisen der Väter und ihre schrittweise geistige Abrüstung dezent in den Vordergrund. Und die Kinder gehen mit, wenn die Chefräuber leiden und vernünftig werden, weil sie ihre Kinder nicht verlieren wollen. Und die Kinder im Publikum? Die gehen auch mit.“   Meier, das Stadtmagazin, Dezember 2009

„Ein starkes Stück erleben die Zuschauer, die „Ronja Räubertochter“ in Mannheim sehen. Das Ensemble – allen voran Isabelle Barth als Ronja, Reinhard Mahlberg als ihr Freund Mattis [sic! Birk] und Jule Kracht als Ronjas Mutter Lovis – setzt die Regievorgaben von Inèz Derksen aus den Niederlanden fesselnd um.“    LEO, 5.11.2009

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John Cassavetes
Ehemänner (UA), Premiere 08.10.09
Inszenierung: Egill Heidar Pállson


„Anke Niehammer hat [...] ein ebenso praktikables wie atmosphärisch dichtes Bühnenbild geschaffen, das mit Hilfe eines schimmernden Metallic-Vorhangs schnelle Umbauten ermöglicht und mit einer Spiegelschräge über der Hauptbühne den Bilck gleichermaßen auf Geld- wie auf die auffälligen Liebesspiele lenkt.
   Aus anfänglicher Beerdigungstristesse entwickelt sich hier ein gut getimetes Geflecht aus Saufen, Herumgealbere, Schuldeingeständnissen, Anklagen und Wutausbrüchen, in dem Thorsten Danners Archie die weinerlich-philosophisch-anklagende, Tim Egloffs Gus die aufgesetzt coole, zynische und Daniel Fries’ Harry die beleidigt-aggressive, hanswurstige Farbe beisteuern.
   Doch was wären die drei ohne die Frauen? Almut Henkel, Luisa Stschowiak und Dascha Trautwein bleiben zwar als Ehefrauen stumm, doch als Gespielinnen geben sie alles: ein bisschen Verruchtheit, ein wenig Kaltschnäuzigkeit, eine Prise Sanftmut, ein Quäntchen Zärtlichkeit, manch kurzes Glück – und eine große Portion Selbstbestimmtheit. Darin sind sie den ‚Ehemännern’ ganz weit voraus.“
In: Die Rheinpfalz, 10.10.2009

„In Mannheim adaptiert man gerne, doch im Fall der „Ehemänner“ ist deshalb alles anders, weil der 35-jährige Isländer Egill Heidar Pállson keine eigene Bühnenfassung erstellte, sondern das hervorragende Cassavetes-Drehbuch einfach nachspielt, siehe da: Fragt man sich sonst, was so eine Eins-zuEins-Übertragung bitteschön soll, hat man es hier schlicht mit einem guten Theaterstück und in Mannheim mit einem tiefgründigen Männer-Trio zu tun. [...]
   Pallson hat [die aasige Unverbindlichkeit dreier wohlhabender Mitvierziger] nun zusammen mit Thorsten Danner, Tim Egloff und Daniel Fries in eine Atmosphäre existenzieller Komik übersetzt. Da ist noch die Verspieltheit von Artie, Gus und Harry. Inzwischen hat man es aber mit drei Männern zu tun, die sich die Frage nach Treue, Lüge und Freundschaft ernsthafter stellen als damals. Bestechend sind vor allem die Szenen im Londoner Hotel, wenn die drei anstrengende Balz- und Beischlafritualemit ziemlich eigenwilligen Frauen durchleben. Gus etwa versucht es mit Mary, und Tim Egloff spielt mit Dascha Trautwein das fein ziselierte Klipp-Klapp-Spiel von Attraktion und Fremdheit, das ein One-Night-Stand nun mal so mit sich bringt.“
In: Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009

„Filmadaptionen sind oft Armutszeugnisse des Theaters. Nicht so hier: Das Drehbuch von Cassavetes, der pseudodokumentarische, spontane Gestus seines Films mit seinen verwackelten Bildern, Alltagsbanalitäten und kunstvoll geschliffenen Dialogen ist wie für die Bühne geschaffen. Pállson macht mit filmischen Mitteln wie Abblende, Großaufnahme und Cooljazz im Hintergrund einen authentisch verwackelten, atmosphärisch dichten Theaterabend, der über weite Strecken der Vorlage folgt und doch eigene Bilder für die Männerfreunde in der Midlife-Krise findet.“
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2009

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Marius von Mayenburg
Freie Sicht (DSE), Premiere 07.10.09
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski


„Im verkleinerten Schauspielhaus hat Florian Etti eine steril-elegante, zugleich leere Bühne geschaffen, die eine kühle Ästhetik ausstrahlt. Und in diesem Ambiente sind auch die Menschen kühl bis an das Herz, insbesondere wenn es darum geht, die erreichten Errungenschaften gegen – vermeintliche – Feinde zu verteidigen.
   Eindrucksvoll kommt dieser Zusammenprall der Welten in den Videosequenzen zum Ausdruck. In der Art eines überdimensionalen Computerspiels zeigen sie ein blutiges Massaker bei einem Amoklauf an einer Schule, während sich die Schauspieler scheinbar unbeteiligt in dieser hellfarbigen Projektion als schwarze Schattengestalten bewegen.“
In: Rhein-Neckar-Zeitung, 09.10.2009


„Gibt eine Gesellschaft sich generalisierter Angst hin, verschwinden individuelle Stimmen. Also lässt Mayenburg einen „Schwarm“ sprechen. Man kann diese Sprachpartitur frei verteilen. Burkhard C. Kosminski tat gut daran, das Elternpaar eindeutig mit Silja von Kriegstein und Klaus Rodewald zu besetzen und das allgemeine Geplapper zu personalisieren: Anke Schubert als die naiv Abwartende, Sven Prietz als der bürokratisch Lauernde und Peter Rühring als überfordert Staunender. [...]
   Kosminski platziert im klar strukturierten Bühnenbild von Florian Etti ein zurückhaltendes Angstspiel, unterfüttert mit Videos, in denen die fünf Panikspieler zum Opfer eines Ego-Shooters werden. Die Inszenierung macht nichts falsch, man fragt sich am Ende aber, ob „Freie Sicht“ nicht ein besseres Hörspiel wäre.“
In: Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009


„In Mannheim wird das geschlossene Gehäuse von Florian Ettis Bühne in das Parkett fortgesetzt: Der mit Stellwänden umbaute und verkleinerte Zuschauerraum nimmt das Publikum mit hinein in die klaustrophobische Stimmung, in der die grundlose Angst gedeiht, die das eigene Kind zum Monster macht. Das Dialog-Fugato des geschliffenen Textes wird vom Ensemble sehr pointiert realisiert, besonders stark sind Silja von Kriegstein und Klaus Rodewald als wortreich ratlose Elternfiguren. Die Inszenierung des Schauspieldirektors Burkhard C. Kosminski formt daraus in gerade mal 70 Minuten eine sinnfällige Dramaturgie. Sie wird zur hübschen Satire auf eine paranoide Gesellschaft, in der man von der Polizei als der „Beratungsstelle“ spricht.“
In: Darmstädter Echo, 20.10.2009

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Frank Wedekind
Lulu, Premiere 04.10.09
Inszenierung: Calixto Bieito

Lulu<br />Sabine Fürst, Michael Fuchs<br />Bild: © Hans Jörg Michel
LuluSabine Fürst, Michael FuchsBild: © Hans Jörg Michel

„Lulu ist  in drahtiger Gestalt der Sabine Fürst ein Girlie wie die junge Madonna. Zwischen ihren stets tödlichen Ehen und Affären treten Mädchen aus dem Kinderchor des Theaters in einer Mini-Playback-Show aus und zeigen singend mit Perücken und Bikinis die Erziehung zur Frühreife durch die Popindustrie: Die Lulu-Luder von heute sind Casting-Stars. Konnte Frank Wedekind (1864-1918) noch mit dem Tabubruch gegen die bürgerliche Scheinmoral seiner Zeit sticheln, ist dies längst die stumpfe Seele des Stücks. Was „Lulus“ Wirkung schwächen müsste, mach Bieito nun geschickt zum Thema und gewinnt daraus neue Stärke. Zusammengestrichen zu einem hormonrauschhaften Reigen aus Trieb und Tod, kommt Wedekinds „Monstretragödie“ mit der exzessiven Wucht eines blutigen Shakespearedramas in zwei pausenlosen Stunden daher wie ein Kommentar zum übersexualisierten Zeitgeist.“
In: Darmstädter Echo, 07.10.2009


„...Die Ziele der zeitgenössischen Frauenbewegung lehnte Wedekind im Übrigen als „naturwidrig“ ab, bekämpfte allerdings auch die naturalistischen Programme, besonders Gerhart Hauptmanns.
   Calixto Bieito tut dies nicht, sondern bebildert den frühexpressionistischen Naturalismusverweigerer auf einer kunstvoll abstrahierten und genial ausgeleuchteten Bühne (Nicole Berry) mehr oder minder mit Naheliegendem. Da wird viel gutes angeboten von vehement agierenden Schauspielern: etwa Ralf Dittrichs maliziös-tiefsinniger Schigolch, Taner Sahintürks gewohnt impulsiver Einsatz als Eheman Numero vier oder Ragna Pitolls bis zur hingebungsvollen Selbstaufgabe leidende Gräfin Geschwitz.“
In: Mannheimer Morgen, 05.10.2009

„Filigran, körperbeherrscht und konzentriert ludert sich die wunderbare Sabine Fürst in bewusst unterkühlter Erotik durch ihre Lulu, stets Täterin und Opfer zugleich. [...]
   Calixto Bieitos Mittel sind zwar drastisch, aber stimmig. Trotz nackter Haut, trotz der vielen Griffe unter die Gürtellinie, trotz des Theaterbluts, trotz der als Mordwerkzeug eingesetzten Cola, die bis in die ersten Reihen spritzt, und trotz des Tampons der erst aus Lulus Slip gefingert wird und dann ins Pakett fliegt – trotz all dieser Provokationen folgt das Premierenpublikum größtenteils gespannt den sprachlichen und inszenatorischen Exzessen. Drei, vier Besucher verlassen den Saal, das muss bei Bieito wohl so sein, der Rest beklatscht das Spektakel ausgiebig. Dass sich an der Inszenierung erneut die Debatte um das „Ekeltheater“ entzünden wird, ist kaum anzunehmen.“
In: Rhein-Neckar-Zeitung, 05.10.2009

 

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