Pressestimmen Schauspiel Spielzeit 2010/2011


Stadtprojekt (im Schauspielhaus)
Standbild Mannheim, 28.07.2011
Auftrag : Lorey

Das Regieduo Stefanie Lorey und Bjoern Auftrag holt die Stadt ins Nationaltheater. Es verschenkt jeweils eine Minute freie Redezeit auf der Bühne des Schauspielhauses: Ideen entwickeln, (Lügen-)Geschichten erzählen, Klagelieder anstimmen ... alles ist möglich ...

Presse folgt im September

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Pressestimme zu den 16. Internationalen Schillertagen am Nationaltheater Mannheim 2. - 6. Juni 2011

Maria Stuart
Gastspiel: Schauspiel Frankfurt
„Zuerst einmal ist ein Lobgesang auf die kongeniale Zusammenarbeit von Regie und Bühnenbild angebracht. Man sitzt gebannt vor dem Raum, den Olaf Altmann den beiden Königinnen zugedacht hat: rechts das Verlies der Maria, eine dunkle tiefe Halle, und links das nicht minder bedrohliche Reich der Elisabeth, während genau in der Mitte eine kosmische Klagemauer ragt, die federleicht wie ein galaktischer Wischmob über die Breite der Bühne schwenkt.“ MEIER, 06/2011
„Er hat exzellente Sprecher, Spieler, Typen, Verinnerlicher – kurz ein atemberaubendes Ensemble, in dessen Mitte Stephanie Eidt (Elisabeth) und Valery Tscheplanowa (Maria) dennoch umso brillanter glänzen.“ Mannheimer Morgen, 06.06.2011
Am Ende dieser verknappenden Inszenierung, die entschieden auf Sprache und Schauspielerleistungen setzt, bleibt Elisabeth einsam auf dem Kampfplatz zurück: das ernüchternde Ergebnis, wenn Frauen zu sehr hassen – und werden wie die Männer, die sonst zumeist an den Hebeln der Macht sitzen. Starker Applaus.“ Rhein-Neckar-Zeitung, 08.06.2011
 
Verrücktes Blut
Eine Koproduktion des Ballhaus Naunystrasse Berlin und Ruhrtriennale
„[…] so kippt der Abend erfolgreich und wirbelt auch unsere Vorstellungen von Aufklärung, Kopftuch und Minirock, von Freiheit und Beziehung kräftig durch die energiegeladene Theaterluft. Fazit: Wer bei den Schillertagen kneift, ist selbst schuld.“ Mannheimer Morgen, 16.05.2011
„Schiller hin, Brecht her, ein klassisches Lehrstück soll dies bloß nicht werden. Denn jede Botschaft hat Brüche. Nichts ist hier ganz falsch, aber weder das Böswillige noch das Gutgemeinte wollen sich fügen. Zu packen ist das nur mit wilder Wut und widerborstigem Witz, was den Berlinern großartig gelingt. Während die Klasse Klassiker für Dummies spielt, demonstriert sie stets auch Dialektik für Fortgeschrittene. Stresstest bestanden: Setzen, eins!“, Darmstädter Echo, 09.05.2011
„Klischees werden bedient und gleich darauf zerschlagen, Rollen werden angezogen, abgelegt und umgedreht – ein ironisch-rasanter Versuch über Projektion und Identität, hegemoniale Wertestrukturen und „Leitkultur“. Und ein kleines Theaterwunder.“ Mannheimer Morgen, 24.03.2011
 
Don Carlos
Gastspiel: Staatsschauspiel Dresden
„Die Besetzung könnte kaum besser sein: Sonja Beißwengers bezaubernde Königin vereint Charme und Esprit mit kämpferischem Elan. Christine Hoppes zuerst eher unscheinbare Prinzessin von Eboli überzeugt umso mehr im wilden Schmerz nach der Demütigung durch Carlos. In der Titelrolle ist Christian Friedel als leidenschaftlich liebender und verzweifelt Liebe suchender Sohn, dem die Braut zur Mutter, der Vater zum Nebenbuhler wurde, ebenso anrührend wie in seiner zunehmenden Zerrissenheit im Verhältnis zum Freund und großen Vorbild Posa, an dessen kühnen Entwurf von einem Carlos, der das unterdrückte Flandern befreit, dieser eher kleinmütige Infant nicht so recht zu glauben vermag.“ Rhein-Neckar-Zeitung, 09.06.2011
„Bei Roger Vontobel entspinnt sich um Burghardt Klaußner (König Philipp) und Christian Friedel (Don Carlos), also den Protagonisten aus Michael Hanekes Film „Das weiße Band“, zunehmend eine machtstrategische Raserei um Liebesleid und Hofintrige, die aller Ehren wert ist und die ein bestechendes Ensemble in äußerst intensive Szenen umsetzt.“ Mannheimer Morgen, 06.06.2011
 
Kabale und Liebe
Gastspiel: Düsseldorfer Schauspielhaus
„Es ist bei diesem Gastspiel absolut interessant und lädt zu vielerlei Überlegungen ein, dass Schillers Zeichnung des „ewigen“ Frauen-Männer-Konfliktes auch heute noch starke Wirkung zeigt. Nicht von ungefähr bezeichnet Kriegenburg den schwäbischen Klassiker im Programmheft als „Steven Spielberg der deutschen Feder“. Offenbar nicht zu Unrecht: Denn am Ende gab es für diesen wunderbar stimmungsvollen Theaterabend begeisterten Applaus.“ Rhein-Neckar-Zeitung, 06.06.2011
„Dennoch gelingt ihm ein Abend, der sich über vieles mokiert, ohne den Kern des Stückes zu denunzieren. Es bleibt eine tragische Liebesgeschichte, die uns anrührt und vor allem eines zeigt: „Feuerbrand in jungen Herzen“.“ Mannheimer Morgen, 06.06.2011
 
Schiller Thriller (UA) von Massimo Furlan,
Premiere 08.06.11
Eine Koproduktion mit Numéro23Prod., Arsenic Lausanne, La Bâtie Festival de Genève, Theâtre de la Cité Internationale Paris
„Und dabei wird mit großer Statisterie und allem, was ein theatralischer Bildersturm so braucht schlicht und ergreifend auf den Putz gehauen: von der wild wuchernden Schillerverehrung seiner Zeit, hier in einem herrlichen Ballspiel mit weiß gekleideten Musen verballhornt, bis zu einem schmerzhaften Zwischenspiel, das Schiller am Keyboard sitzend über die „Wilden“ Afrikas parlieren lässt. Sanft klimpert es „We are the World“ und lässt einem kalte Schauer über den Rücken laufen“. Nachtkritik.de, 09.06.2011
„Die Welt mag nicht wunderbar sein – Furlans spektakulärer Inszenierung aber ist dieses Attribut sehr angemessen.“ Mannheimer Morgen, 10.06.2011
 
X Wohnungen
Eine Koproduktion mit dem HAU Berlin
Premiere 04.06.11
„Mit der Fahrrad-Rikscha zur Straßenbahnhaltestelle, aber dort angekommen, wollen wir nur noch laufen, wie wir es in den drei Stunden zuvor auch gemacht haben. Wie es insgesamt so war? Großartig!“ Rhein-Neckar-Zeitung, 07.06.2011
„Allein die Tour durch die Straßen des Viertels, in denen sich Reihenhäuser, Sozialwohnungen und moderne Einfamilienhäuser auf engem Raum abwechseln, ist ungewöhnlich, da die hektische Geschäftigkeit der Innenstadtbereiche vollkommen fehlt. Doch gerade dieser Außenbezirk sei für das Experiment reizvoll, sagt einer der Teilnehmer auf dem Parcours. So könne man sich noch weniger als sowieso schon vorstellen, was einen hinter der Tür der nächsten Station erwarte. Das sei „ziemlich spannend“.“ T-online.de, 06.06.2011
„Das ganze scheint absurd und wirft Fragen auf. Doch die Zuschauer, die sich vor den einzelnen Wohnungen immer wieder begegnen und auch in Wohnzimmer- und Küchengesprächen interagieren müssen, geben nach einer Weile zu: Sie haben immer schon mal den Wunsch gehabt, in private Räume vorzudringen, um zu sehen, wie andere Menschen leben.“ IVZ Online, 05.06.2011
 
Der Geisterseher
Gastspiel: Maxim Gorki Theater Berlin in Koproduktion mit
der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin
„Ein Abend, der bei aller humoristischen Ausschweifung und allem Va
rieté-Zauber keine Gefahr läuft, in Comedy-Gefilde zu kippen – weil Zett und Schröder in changierenden Rollen und Gemüts-Aggregationen schlichtweg glänzend spielen, ebenso, weil auch die Schiller-fremden Textelemente fabelhaft geschrieben sind.“ Mannheimer Morgen, 06.06.2011
„Wenn sich die beiden über das Ende streiten, dann geht es nicht nur um den Sinn des Stücks, sondern um den Sinn des Lebens. Dienen wir einem höheren Zweck, wie es der Idealist Schiller unterstellt hat, oder ist unser Leben an sich sinnlos? Das Publikum dankt eine ausgezeichnete Vorstellung mit langanhaltendem, begeistertem Applaus.“ Die Rheinpfalz, 06.06.2011
 
Rumoren (UA)
Premiere 05.06.11
Sidewalk Theater nach Schillers Die Räuber
Creative Factory Jungbusch
„Die Theaterpädagogin vermag nicht nur die Probleme der Jugendlichen geschickt in das Stück einzugliedern, durch das Aufrechterhalten einschlägigen Gebarens – freilich nicht ohne Selbstironie – gelingt ihr ein geradezu authentisch anmutendes Spiel. Dabei kann sie sich auf das enorme Engagement und die Spielfreude ihres jungen Laien-Ensembles auch dieses Mal verlassen.“ Mannheimer Morgen, 07.06.2011
„Die Fassung der Creative Factory, von Lisa Massetti zusammen mit den Jugendlichen erarbeitet, ist ganz auf deren Probleme zugeschnitten. Karl Moor heißt jetzt Ahmed und wird gespielt von Hüseyin Yörük, sein intriganter Bruder Franz heißt Latif, gespielt von Burak Hossöz.“ Die Rheinpfalz, 08.06.2011
 
Rainha(s) (DSE)
Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts
„Doch schaffen es Teixeira und Fadel mit ihrem präzisen, starken Spiel der vielschichtigen Untersuchung einen festen Boden zu geben[…]“. Mannheimer Morgen, 11.06.2011
„Mir irrer Kraft und leidenschaftlichem Temperament ringen die Königinnen hier miteinander, unterstützt von dramatischen Klavierklängen – um sich dann kurz zu schütteln, an ihren Platz zurückzukehren und einen Schluck Wasser zu trinken.“ Die Rheinpfalz, 11.06.2011
 
The Field, the Mantel (UA) von Cupola Bobber
Premiere 07.06.11
„Es war ein Abend des totalen Wahnsinns. Und einer ganz wesentlichen Erkenntnis. „Die echte Welt geht so“, hatte eine Stimme vom Tonband angekündigt. Und dann kam einfach einen Moment lang: Nichts. Die Wahrheit, verpackt in zwei Sekunden Stille. Wow.“ Die Rheinpfalz, 10.06.2011
„Ein aufrüttelndes Spiel mit den Archiven in unserem Kopf und den Bildern, die wir uns von der Welt machen, und das den Zuschauer nach knapp zwei Stunden historischer und emotionaler Materialschlacht mit einer kleinen, aber gefährlich hintersinnigen Frage in den Abend entlässt: Wie würdest du die Zukunft in einem Wort beschreiben?“ Mannheimer Morgen, 09.06.2011
 
Don Karlos
Premiere 02.06.11
Nationaltheater Mannheim
„[…] Martin Aselmann öffnet mit seinem Don Karlos die Tür zum Menschen hinter der Kunstfigur. Mit autistischer Naivität und aufsässigem Welpencharme tollt hier ein lebendiger und glaubwürdiger Anti-Held über die Bühne, dessen Tod einen schwer verletzt zurück lässt.“ Nachtkritik.de, 03.06.2011
„Thomas Meinhardt (Philipp), Michael Fuchs (Alba), Thorsten Danner (Domingo) und Jacques Malan (Lerma) liefern die Typenpalette vom genervten Boss über den toughen Hardliner bis zu den smarten Mitläufern vorzüglich. Diesen sehr heutigen Topmanagern schickt Schmiedleitner nun Karlos und Posa als lässig nörgelige Systemkritiker auf den Hals. Wie zwei Greenpeace-Aktivisten in der Eon-Zentrale lümmeln sie sich in die Szene, träumen von Umsturz und Unsterblichkeit.“ Die Rheinpfalz, 04.06.2011
 
Ohne Anweisung
Ein Sprechstück mit Zuschauern (UA)
Premiere 02.06.11
„Von feuchten Reclam-Heften und Nachmittagen in der Badewanne wird erzählt, von pompösen Bühnen- und „super“ Sprachbildern geschwärmt. Aber auch besonders anstrengende Abende finden sich in den amüsanten Erinnerungsschnipseln, die bis zu einer Räuber-Inszenierung des Jahres 1934 zurückreichen.“ Mannheimer Morgen, 06.06.2011
„Immer wieder spielte Thömmes Szenen aus legendären Nationaltheater-Inszenierungen von Schillers Dramen nach: einen grimassenschneidenden, nachdenklichen Karl Moor, einen sehnsuchtsvollen Ferdinand, einen Fiesco voller Körperspannung. Dabei passierte etwas, was normalerweise unter allen Umständen zu vermeiden ist: Die Hinterbühne und die Vorderbühne trafen aufeinander, als Zuschauer sah man in die Kulissen. Dorthin, wo die Menschen der Maske und der Garderobe ihre Arbeit tun, wo der Versuch unternommen wird, eine andere Realität perfekt zu konstruiieren.“ Die Rheinpfalz, 04.06.2011
 
The House of our Fathers
Jan Lauwers & Needcompany mit Kunsthalle Mannheim
Premiere 03.06.11
„Die Mitglieder der Needcompany, eine verschworene, verspielte Gruppe, schlüpfen derweil in die unterschiedlichsten Rollen – Musik machen können sie zum Beispiel auch, und der elektronische Beat, der vom wabernden Clubsound zu Songs unterschiedlichster Stilrichtung bruchlos wechselt, schlägt als unsichtbares Herz inmitten dieses gastfreundlichen Hauses, dem jeder Gast seinen eigenen Sinn mitgeben darf – und muss.“ Rhein-Neckar-Zeitung, 06.06.2011
„Was ist das nun, Theater oder Kunst? Es ist irgendwie etwas Schräges dazwischen. Mann kann hier 7 Stunden zugucken oder 7 Minuten, völlig egal – Irgendwie erinnert es einen an eine barocke Kirche, voller Bilder, Erotik und Geschichten. Die Botschaft hier wie dort lautet: Niemand kann alles erfassen.“ SWR2 Journal, 08.06.2011

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Friedrich Schiller
Don Karlos, Premiere 02.06.11
Inszenierung: Georg Schmiedleitner

Don Karlos, Premiere 02.06.11<br />© Foto: Hans Jörg Michel
Don Karlos, Premiere 02.06.11© Foto: Hans Jörg Michel

„[…] Martin Aselmann öffnet mit seinem Don Karlos die Tür zum Menschen hinter der Kunstfigur. Mit autistischer Naivität und aufsässigem Welpencharme tollt hier ein lebendiger und glaubwürdiger Anti-Held über die Bühne, dessen Tod einen schwer verletzt zurück lässt.“    Nachtkritik.de, 03.06.2011

„Thomas Meinhardt (Philipp), Michael Fuchs (Alba), Thorsten Danner (Domingo) und Jacques Malan (Lerma) liefern die Typenpalette vom genervten Boss über den toughen Hardliner bis zu den smarten Mitläufern vorzüglich. Diesen sehr heutigen Topmanagern schickt Schmiedleitner nun Karlos und Posa als lässig nörgelige Systemkritiker auf den Hals. Wie zwei Greenpeace-Aktivisten in der Eon-Zentrale lümmeln sie sich in die Szene, träumen von Umsturz und Unsterblichkeit.“    Die Rheinpfalz, 04.06.2011

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Lukas Bärfuss
Malaga, Deutsche Erstaufführung 17.05.2011
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski

Malaga, Deutsche Erstaufführung 17.05.2011<br />© Foto: Florian Merdes
Malaga, Deutsche Erstaufführung 17.05.2011© Foto: Florian Merdes

Nun erleben wir ein von Regisseur Burkhard C. Kosminski souverän und fein ausbalanciertes verbales Gefecht, das den Zuschauer mit dem stärkenden und tröstenden Gefühl beglückt, sich aus der bergenden Distanz des Theaters wieder einmal gefahrlos und gemütlich am Höllenfeuer der anderen wärmen zu dürfen. Im Ping-Pong-Stil werden Gemeinheiten ausgetauscht. […] Rebekka, die siebenjährige Tochter, ist das Objekt der Zwistigkeiten. Eigentlich hätte Michael, von Klaus Rodewald mit entnervender Sturheit und der Pose eines zynischen Weltverächters herrlich in einem bizarr emotionalen Ungleichgewicht gehalten, sie am Wochenende turnusmäßig betreuen sollen. […]
Doch Vera, deren innere Unsicherheit Ragna Pitoll selbst noch als rigoroses Aufbegehren fabelhaft in ein ständiges körperbewusstes Changieren zwischen inständigem Erleiden und energischer Außenwirkung übersetzt, beweist fürsorgliche Umsicht.   Mannheimer Morgen, 19. Mai 2011

Wo Bärfuss schon kaum ein Wort zuviel verliert, gelingt Kosminski noch eine weitere Verdichtung des Textes, auch bezieht er eindeutig Stellung in dem, was Bärfuss in der Richtung vorgibt, ohne es festzulegen. […]
Es sind keine Rabeneltern, die da streiten, wer mehr Recht als der andere hat. Stärker als die Sorge um die Tochter ist die unerträglich Angst, ewiger Verlierer zu sein. Kleine Gesten, ein kurzes Entgleisen der Stimme, ein Ringen um Atem genügen Ragna Pitoll und Klaus Rodewald, um deutlich zu machen, wie viel Kraft es kostet, in der emotional aufgeladenen Situation nicht die selbst auferlegte Beherrschung zu verlieren.
Beeindruckend auch Peter Pearce in der Rolle des undurchsichtigen Filmfreaks Alex: Ein irrer Typ, halb linkisch, halb durchtrieben, liebenswürdig und unverschämt, gefällt er sich in vielen bizarren Posen und lässt nur in wenigen Momenten die Maske fallen […].   Rhein-Neckar-Zeitung, 20.05.2011

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Jan Neumann
CHIHUAHUA (UA), Premiere 30.04.2011
Inszenierung: Jan Neumann

CHIHUAHUA (UA), Premiere 30.04.2011<br />© Foto: Florian Merdes
CHIHUAHUA (UA), Premiere 30.04.2011© Foto: Florian Merdes

Neumann weitet sein Stück über die Suche nach Sinn und Authentizität zu einer stellenweise herrlich überdrehten Komödie aus. Natürlich ist es kein Zufall, dass er sein Bühnenpersonal und Handlungselemente aus dem Schauspielbusiness bezogen hat. Wo sonst ließe sich die Frage nach Schein und Sein besser stellen?
Dabei fährt der Regisseur die ganze Bandbreite auf, die das unterhaltende Genre zu bieten hat: Vom Sprachwitz über Slapstick bis hin zu klamaukigen Verkleidungsszenen hat der mitunter sehr temporeich erzählte, gut zweistündige Abend (mit einer Pause) etliche Lacher zu bieten. Andis Kampf mit einem störrischen Regenschirm gehört zu den komischsten Szenen.   Die Rheinpfalz, 2. Mai 2011

All das präsentiert Neumann in der boulevardesken Atemlosigkeit eines umfassenden Chaos-Crescendo und stellt seine Darsteller flott und leichtfüßig ein. […]
Neumann jedenfalls stellt sich in die lange Reihe Schauspiel-Dramatiker, denen das Possenhafte aus Instinkt leicht von der Hand geht, gegen einen multimedial-virtuell-postdramatischen Mainstream. Solcher Bühnenlust folgen auch Angermayers Kostüme, die mit gediegenem Friedhofsschwarz einsetzen, um Andi später mit Kniestrümpfen und Schnupftuch in groteskem Blutrot übers platte Land zu jagen und Bine im Bubu-Bienenkostüm hinterm Hitlerschrank lauschen zu lassen, ganz zu schweigen von Elmars weißem Blaumann oder Tante Margots generationell abgemeldetem Jägergrün.   nachtkritik.de, 2. Mai 2011

Man kann den Abend mit einigem Recht für albern halten und sich dennoch eines gelegentlichen Schmunzelns oder Lachens erfreuen. Das liegt zum einen daran, dass Neumann für seine Fingerübung konventioneller Komik deren Gesetze gründlich studierte, zum anderen an der komischen Begabung der eingesetzten Schauspieler.
Dascha Trautweins großstädtische Tirade über das ach so beschauliche Landleben ist ebenso aller Ehren wert wie Almut Henkels des Zuhörens unfähige und dabei doch ewig gutmütige Tante. Sven Prietz’ kulturpessimistischer Destruktivcharakter ist per se komisch und auch das Bild, das Reinhard Mahlberg vom „schlechten Schauspieler“, Ralf Dittrich vom pensionierten Regisseur und Matthias Thömmes vom ewig unterforderten Werbefilmer zeichnet, birgt heiteres Material.   Mannheimer Morgen, 2. Mai 2011

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Federico Garcia Lorca
Bernarda Albas Haus, Premiere 01.04.2011
Inszenierung: Calixto Bieto

Bernarda Albas Haus, Premiere 01.04.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel
Bernarda Albas Haus, Premiere 01.04.2011© Foto: Hans Jörg Michel

Calixto Bieto hat das Drama jetzt im Mannheimer Nationaltheater auf die Bühne gebracht, und seine Bearbeitung der sinistren Vorlage seines Landsmanns ist mehr als eine Offenbarung der Schauspielkunst. Eine Mutter, fünf Töchter, eine Magd – in der Addition mit dem glänzenden Ensemble erzeugt diese Konstellation einen Wirbelsturm der Eindringlichkeit. Ausgelöst hat ihn vor allem Nicole Heesters als Bernarda […].
Heesters verleiht ihrer Rolle eine Würde des Boshaften, eine Grandezza des Abgründigen, deren soghafter Rausch keinen Widerstand im Parkett duldet. […]
Die Überraschung des Abends ist aber Michaela Klamminger als Adela, Bernardas typologisches Gegenmodell und jüngste Tochter. Sie steht – das konnte, dürfte man nicht erwarten – der Heesters in nichts nach. Klamminger lotet alle Tiefen ihrer Figur aus, erklimmt ihre Höhen, und das mit einer Leichtigkeit, als stünde die 21jährige Schauspielstudentin aus Graz seit Jahrzehnten auf der Bühne.    Die Welt, 6. April 2011

Nicole Heesters spielt Bernarda Alba mit beklemmender Wucht. Sie brilliert im ganzen Sadismus ihrer Figur, der so oft als Metapher für den Faschismus des 21. Jahrhunderts gelesen wurde, und wird flankiert von einem hervorragenden Frauen-Ensemble, dessen Leistung lang anhaltenden Premierenapplaus erhält.
Mit einer Körperspannung bis in die Fingerspitzen, die kurzen zurückgekämmten Haare ein Helm, durchschreitet Heesters die Bühne wie ein General. Klatschend schneidet ihr Fächer durch die Luft, durch die verordnete Stille der Töchter. Tonlos, dann gellend hustet sie ihr verächtliches Lachen aus der Kehle. Ihr ganzer Körper ist Verachtung, wenn sie ihre Töchter bespuckt und mit dem Gürtel verdrischt.   Frankfurter Rundschau, 5. April 2011

Kein Buh, nirgends. Einem Regisseur wie Calixto Bieito wird es wahrscheinlichen mulmig, wenn der ganze Saal jubelt. Und das tut er, einhellig, heftig und ungewöhnlich lange. […]
Zu sehen gibt es aber einen handwerklich blitzsauberen, symbolträchtigen und für deutsche Stadttheaterverhältnisse nahezu anachronistischen Schauspielerinnenabend. Dass dies immer noch und wieder etwas Grandioses sein kann, wenn man über ein gutes Ensemble verfügt, beweist Bieito in Mannheim eindrücklich.
Heldin des Abends ist Anke Schubert in ihrer bisher stärksten Nationaltheaterrolle als Magd La Poncia, die mit draller bäuerlicher Bodenhaftung und sensationell feinnerviger Textdurchdringung gar die große Nicole Heesters an die Wand spielt.   Mannheimer Morgen, 4. April 2011

Fünf Frauen ohne Mann. Das ist alles! Aber wie Bieito diese konfliktreiche Situation in Bilder übersetzt, die Figuren immer wieder anders choreogafiert, den Zusammenprall der Leiber, den Mangel an geschwisterlicher Liebe, die wenigen zärtlichen Berührungen und die ekstatischen Körperhaltungen, wenn die Albas im Chor eine Dorfbewohnerin verdammen, weil sie ihr uneheliches Kind getötet hat – das ist schon großartig.   Stuttgarter Zeitung, 4. April 2011

Sechs ununterscheidbare verschleierte schwarze Witwen, reglos am Anfang – doch unter den Trauerschleiern brodeln explosive Gefühle: Frustration, Rivalität, Gehässigkeit, Verachtung, Neid, Hass. Wahrlich nicht bloß ein „Zickenkrieg“. Die Drastik, mit der Lähmung und Hassausbrüche in Mannheim dargestellt werden, besteht in einer minutiös körpersprachlichen Umsetzung der ins Unerträgliche gesteigerten Spannungen, der unvermuteten Gefühlsumbrüche und auch all des Nichtgesagten. Exzessiv ist das Stück selber durch seine radikale Anlage: alles dreht sich um Männer, nicht obwohl, sondern weil während der gesamten anderthalb Stunden nicht ein einziger Mann konkret in Erscheinung tritt. […]
Bieito exekutiert, ganz „werkgetreu“ und brillant, mit einem fantastischen Frauenensemble die Unzerstörbarkeit eines auf Zerstörung und Menschenvernichtung ausgerichteten Systems; zu dem auch wir als Beobachter, Voyeure, Mitmacher gehören – indem wir schweigen.   Deutschlandradio, 2.  April 2011

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BITCHFRESSE – Ich rappe also bin ich
Eine szenische Spurensuche, Premiere 19.03.2011
Inszenierung: Robert Teufel

BITCHFRESSE – Ich rappe also bin ich, Eine szenische Spurensuche, Premiere 19.03.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel
BITCHFRESSE – Ich rappe also bin ich, Eine szenische Spurensuche, Premiere 19.03.2011© Foto: Hans Jörg Michel

„Lutsch mein’ Schwanz!“ heißt der Refrain des titelgebenden Songs „Bitchfresse“, und dieser mit grammatischen Schwächen behaftete Imperativ gehört noch zu den poetischeren Zeilen. Warum es trotzdem einer der lustigsten Abende seit langem war? Weil Thömmes und Tuxhorn, die ihre „szenische Spurensuche“ zusammen mit dem Regieassistenten Robert Teufel entwickelt haben, nichts kommentierten oder analysierten, sondern sich der ganze „Alter-ich-fick-deine-Mutter-Mann“-Quatsch selbst entlarven durfte. […]
Zu jedem Verb gab es die typische Ghetto-Handbewegung, für die man den kleinen Finger und den Zeigefinger ausstrecken und nach vorne stoßen muss. Als Tuxhorn daraufhin mit geschlossenen Augen einen Betroffenheits-Gitarren-Popsong spielte und dazu die Discokugel über ihm glitzernd tanzte, tobte das Publikum zum ersten Mal.   Die Rheinpfalz vom 22. März 2011

Zwischen Verbrecher-Image und Maßanzug nähert sich Robert Teufels „Bitchfresse – Ich rappe also bin ich“ am Nationaltheater der Hip-Hop-Subkultur.
Im Grunde sind es gute Jungs. Freundliche lächelnd betreten Matthias Thömmes und Sascha Tuxhorn die kleine Casinobühne des Werkhauses. Ordentlich in Anzüge gehüllt (Bühne und Kostüm: Linda Johnke), begeben sie sich zunächst auf eine musikalische Ursachensuche. Mittels live aufgezeichneter Samples entspinnen die beiden, unterbrochen von kurzen Sprechpassagen, komplexe Klangstrukturen, die zu gefallen wissen – solange man nicht auf die Texte hört. Denn stilecht beschränken sie sich auf Synonyme von Begriffen wie „Prostituierte“ und „Geschlechtsverkehr“.    Mannheimer Morgen vom 21. März 2011

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Kathrin Röggla
Die Unvermeidlichen, Premiere 06.02.2011
Inszenierung: Marcus Lobbes

Die Unvermeidlichen, Premiere 06.02.2011<br />© Foto: Kleiner
Die Unvermeidlichen, Premiere 06.02.2011© Foto: Kleiner

„Es ist bemerkenswert und taugt als Anschauungsmaterial für manch bekannteren Jungdramatiker, was Röggla alles an Botschaften und Verweisen in ihrer Vorlage unterbringt, ohne dass die überfrachtet und unverdaulich würde. Regisseur Marcus Lobbes gebührt das Verdienst, dieses Potential erkannt und nicht durch eine Effekt heischende Bearbeitung gemindert zu haben.“   Die Welt vom  9. Februar 2011

„Was als Komödie begann, endet als Horrorfilm. […] Der politische Erkenntnis- und poetische Mehrwert von Rögglas Reality-Theater mag begrenzt sein. Aber sie lauscht der politischen Klasse ihr Kauderwelsch, ihre Sprachhülsen und ihre Grammatik des Versagens sehr genau ab und montiert alles zu einer intelligenten, witzigen Farce. Zum Tanzen bringt die rhythmisierten O-Töne freilich erst der Regisseur Markus Lobbes.“   FAZ vom 8. Februar 2011

„Die Uraufführung am Mannheimer Nationaltheater ist ein Glücksfall, weil Marcus Lobbes die Regiearbeit übertragen wurde. Er hat die Phantasie und die Sensibilität, aus der zum Komischen tendierenden Logorrhöe von Simultandolmetschern unaufdringlich, aber konsequent ein Drama der inneren Sprach- und Hilflosigkeit zu formen. Ich rede, also bin ich; auch wenn Schweigen Gold wäre. […] Marcus Lobbes hat in der vergangenen Spielzeit das Mannheimer Publikum mit seiner schräg-schrillen Fiesco-Produktion irritiert. Er tut es auch dieses Mal: mit einem teils spröden, teils durchgeknallten, aber stets hoch differenzierten Reportagestil. Damit kommt er der Intention der Autorin Kathrin Röggla kongenial entgegen. Starkes Theater ist es allemal, das hier geboten ist.“   Nachtkritik vom 7. Februar 2011

„Für den Regisseur Marcus Lobbes war Mannheim bislang kein Ort des Erfolgs. Schön, dass man am Nationaltheater an dem Regisseur festhielt. Seine Inszenierung von Kathrin Rögglas neuem Stück „die unvermeidlichen“ hat sich als Geniestreich entpuppt. […]
Bei Röggla ist die Gesellschaft eine Sprachgesellschaft, und in ihren Stücken können wir diesen Sprach- und Sprechkörper besichtigen. Marcus Lobbes und Bühnenbildner Christoph Ernst haben eine treffliche Form gefunden, diesen Sprachkörper auszustellen. Das Studio haben sie in einen trendigen Galerieraum verwandelt mit kühlem Neonlicht, weißem Fußboden und Sitzkissen zwischen Monitoren, die schon mal die Darsteller einzeln auf ihrer Bühne zeigen.“   Die Rheinpfalz vom 8. Februar 2011

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Tennessee Williams
Die Katze auf dem heißen Blechdach, Premiere 05.02.2011
Inszenierung: Nina Gühlstorff

Die Katze auf dem heißen Blechdach, Premiere 05.02.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel
Die Katze auf dem heißen Blechdach, Premiere 05.02.2011© Foto: Hans Jörg Michel

Opa ist krank und gemein, aber nicht blöd. Und deshalb hat sich Big Daddy seinen charakterfesten Sohn Brick zur Nachfolge erwählt, dem diese wiederum herzlich egal ist, denn er hat andere Sorgen. Nicht nur Alkohohl- und Eheprobleme. Brick säuft gegen Männergeschichte, Selbstekel und gegen die Verlogenheit der Welt an, aus gutem Grund. Taner Sahintürk versteht es, ihm jene zynische Rätselhaftigkeit einzuschreiben, die dem ehemaligen Sportler und späteren Sportreporter trotz Dauersaufens und Humpelns zu Jedermann Liebling macht. Er ist die dreckige Ehrlichkeit, die im Reich der goldglänzenden Lüge sonderbare Attraktivität besitzt.   Mannheimer Morgen vom 7. Februar 2011

Am 26. März wäre der amerikanische Dramatiker 100 Jahre alt geworden, doch im Nationaltheater Mannheim zündet man schon jetzt die Kerzen auf der Geburtstagstorte an und lässt von einem Kinderchor „Happy Birthday“ krähen. Beides gilt zwar Big Daddy, indirekt aber natürlich auch seinem literarischen Schöpfer Tennesse Williams, der mit seinem psychologisch ausgefeilten Stücken sogar Hollywood inspiriert hat. […]
Verantwortlich für das Geburtstagsfest in Mannheim ist die junge Regisseurin Nina Gühlstorff […]. Im Nationaltheater arbeitet sie diesmal im Cinemascope-Format. Auch das beherrscht die, unterstützt von Bühnenbildner Markus Karner, der die gesamte Breite des Raums ideenreich ausfüllt.   Rhein-Neckar-Zeitung vom 7. Februar 2011

Das Gespräch zwischen Brick und seinem Big Daddy, das zur Stunde der Wahrheit wird, gelingt Sahintürk und Reinhard Mahlberg richtig gut. Der autoritäre Vater und der unwillige Sohn kommen sich für einen Augenblick ganz nah. Die körperlichen Schmerzen der beiden, der krebszerfressende Magen des Alten und der lädierte Knöchel des Jungen, werden zum gegenseitigen Objekt der Belustigung. Wie gute Kumpel albern sie herum, hocken im Autowrack, das endlich mal eine Funktion bekommt, und sind bereit für endgültige Wahrheiten.   Die Rheinpfalz vom  7. Februar 2011

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Philipp Löhle
supernova (wie gold entsteht) UA
Premiere: 15.01.2011
Inszenierung: Cilli Drexel

supernova (wie gold entsteht) UA, Premiere: 15.01.2011<br />© Foto: Hans Jörg Michel
supernova (wie gold entsteht) UA, Premiere: 15.01.2011© Foto: Hans Jörg Michel

„[…] Es sieht also so aus, als habe Philipp Löhle mit ‚supernova (wie gold entsteht)’ das erste Wutbürger-Drama geschrieben, ein deutsches ‚Erhebt euch!’.
[…] In ‚supernova’ sind integrative Bestandteile der Handlung: ein lebensentscheidender Gedanke, […], nordbadische Regionalgeschichte aus dem 19. Jahrhundert, Auswanderung nach Amerika und ein Altersstudium. Das ist längst nicht alles, sondern lediglich eine Themenauswahl aus Teil zwei. Es soll, hat man den Eindruck, so abstrus sein, wie unsere Welt absurd ist.[…]
Es liegt an der gutgelaunten und sehr stilsicheren Regie von Cilli Drexel, der der Dramatiker und Juniordramaturg Ewald Palmetshofer (!) geholfen hat. Drexel inszeniert ‚supernova (wie gold entsteht)’ als Western im Nordschwarzwald und findet dabei mit den Schauspielern zwischen Kitsch und Trash, Erregung und Cowboyhut erstaunlicherweise eine eigene Tonlage. […]“  Frankfurter Rundschau vom 17.01.2011
 
„[…] Anke Schubert als Friedrichs Mutter Emma und Ralf Dittrich, der mehrere Rollen verkörpert- große Schauspielkunst. […]“   Die Welt vom 18.01.2011
 
 „[…]Philipp Löhle ist nämlich auch dramatisch auf eine ergiebige Mine gestoßen. […] Ralf Dittrich, Klaus Rodewald und Sven Fricke sorgen mit breitbeinigem John-Wayne-Slapstick für einige Heiterkeit. […]
Löhle macht sich über gierige Spekulanten und grüne Baumschützer lustig, persifliert das Bauer-sucht-Frau-Fernsehen, die Landlust-Romantik und kokettiert auch ein bisschen mit den alten Achtundvierzigern. […]“   FAZ vom 18.01.2011


 

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Anne Rabe
Als ob schon morgen wär
Premiere 18.12.2010
Inszenierung: Anna-Lena Kühner

Als ob schon morgen wär, Premiere 18.12.2010<br />© Foto: Florian Merdes
Als ob schon morgen wär, Premiere 18.12.2010© Foto: Florian Merdes

 „[…] Anne Raabe geht es nicht um den Blick von außen, sie interessiert sich für die Innenansicht des Geschehens, die Perspektive der Beteiligten.“[…]
„In ihrem zweiten Theaterstück ‚Als ob schon Morgen wär’ puzzelt die Berliner Autorin das Geschehen relativ komplex aus Gegenwart und Vergangenheit zusammen, aber die kurzen Szenen verdichten sich dann doch ganz organisch zu einer leicht nachvollziehbaren Geschichte, die Figuren erwachsen recht plastisch aus den knappen Dialogen“.[…]
„Anna-Lena Kühners Inszenierung auf der Studiobühne im Werkhaus vertraut ganz dem Text, verzichtet klug auf überbordende Regie-Einfälle,…. […]“   Rheinpfalz vom 20.12.2010
 
 „Anne Raabe […] erfasst ihre Figuren genau, weil sie gerade nicht versucht, Moral und Milieu zu packen, Naturalismus zu zeigen, Betroffenheit zu erzeugen. […]
Anna-Lena Kühner, Absolventin der Hessischen Theaterakademie, die in Darmstadt vor zwei Jahren das Familiendrama „Hotel Paraiso“ zeigte, nimmt die kluge Zurückhaltung der Vorlage nüchtern auf. […]
Zwischen Monologen und Rückblenden entsteht dabei ein soziales Psychogramm, das seine geistige Heimat im Osten der Republik so unaufdringlich dokumentiert, dass man es nicht gleich als Ossi-Drama abtun kann. Derart gelingt hier ein trauriges Kunststück: gerade weil sich alle Figuren im Stück vom Tod des Kindes distanzieren, weil keiner schuld sein will, kann sich der Zuschauer nicht so leicht zurückziehen.[…]“  Darmstädter Echo vom 21.12.2010

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Utopie Station (Folge 2)
Ein Salon mit Gästen aus der Zukunft von gestern und heute
08.12.2010

Utopie Station (Folge 2), Premiere 08.12.2010
Utopie Station (Folge 2), Premiere 08.12.2010

[…] Während Anja Lemke den „Zwang zur Selbstvermarktung und zum persönlichen Unternehmertum“ ins Zentrum der Arbeitskultur rücken sieht, beschäftigt sich Fritz Kuhn naturgemäß mit einer gerechteren Arbeitswelt. Angemessene Bezahlung, gleiche Löhne für Frauen und Männer, die „Entstressung“ von Arbeit: Punkte, die man sicherlich fast wortgetreu im Parteiprogramm nachlesen könnte.[…]

[…] Nicht jeder im interessierten und durchaus fachkundigen Publikum ist freilich mit solchen Gedankenspielen einverstanden. Moderatorin Adrienne Goehler und ihrer Gesprächspartner müssen denn auch etliche kritische Anmerkungen parieren, was die insgesamt etwas turbulente Diskussion zwar bereichert, sie letztlich aber doch kaum klarer macht.

Die zweite Episode der sechsteiligen Reihe „Utopie Station“ liefert zahlreiche Denkanstöße, stellt aber unterm Strich mehr Fragen, als sie Antworten gibt. […]   Mannheimer Morgen 15.12.2010

 

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Friedrich Dürrenmatt
Der Besuch der alten Dame
Premiere 04.12.2010
Inszenierung: André Bücker

Der Besuch der alten Dame, Premiere 04.12.2010
Der Besuch der alten Dame, Premiere 04.12.2010

[…] Es ist ein Stück über Geld und Moral – ein zeitloses Sujet, das Bücker mit behutsamen Eingriffen in die Gegenwart übersetzt […]   Mannheimer Morgen 2.12.2010
 
[…] In den letzten Jahren ist dieser 1956 uraufgeführte Klassiker der moderne zwar etwas aus dem Blickfeld der Theatermacher geraten, verloren hat er aber nichts von seiner klug konstruierten Wirkungsmacht. Mit ein paar satirischen Zutaten, die an unseren Zeitgeist appellieren, vor allem aber mit aufwändigen Massenszenen, phantasievolles Augenfutter und einer so einfachen wie genialen Bühnenbild – Idee von Jan Steigert serviert André Bücker dem Publikum ein Dürrenmatt – Update, das nach zwei pausenlosen Stunden rhythmisch beklatscht wird. […]   Rhein-Neckar-Zeitung 6.12.2010
 
[…] Im Mannheimer Nationaltheater sind die Bewohner von Friedrich Dürrenmatts Modellstädtchen arm aber, aber irgendwie auch sexy. Wo dem Publikum sonst nur noch szenische Stadtführung für Mittelstufenklassen geboten werden, fegt Regisseur André Bücker den Staub der Fünfziger mit kabarettistischem Schwung aus. […] Jubel nach zwei kurzweiligen Stunden für packende Auffrischung von Dürrenmatts mahnender Satire.[…]   Darmstädter Echo 7.12.2010

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Theresia Walser / Karlheinz Ott
Die ganze Welt (UA)
Premiere 20.11.2010
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski

Die ganze Welt (UA), Premiere 20.11.2010
Die ganze Welt (UA), Premiere 20.11.2010

"Theresia Walser ist Meisterin des abgründigen Alltags, ihre Stücke spielen ganz harmlos in Altenheimen, Büros oder Kaufhäusern, aber die Allerweltsszenarien haben doppelte Böden. Das Surreale ist da nicht weit, und das Reale kippt gern ins Komische. Walser-Figuren befinden sich in einer Art Schwebezustand, kämpfen kunstvoll zappelnd gegen die drohenden Katastrophen an. In ihrem neuen, gemeinsam mit Karl-Heinz Ott geschriebenen Stück ist die Bodenhaftung größer. Richard und Regina haben das Schweben schon lange verlernt, kleben nur noch schwer auf ihren Ehestühlen, stochern lustlos in ihrem aufgewärmten Beziehungseintopf."   Die Rheinpfalz, 22. November 2010


"Kosminski lässt die Paare im verbalen Schlagabtausch wirkungsvoll aufeinanderprallen und veranstaltet einen schmerzhaft-komischen Seelenstriptease, gespielt von den vorzüglichen Schauspielern Sabine Fürst, Sven Prietz, Ralf Dittrich und einer fulminanten Irene Kugler, die als Regina pralle Sinnlichkeit und bohrende Altersängste zu einer nachdrücklich berührenden Haltung vermischt, in der sie beiden offen legt: die unstillbare Sehnsucht nach dem Leben und den bereits beschlossenen Rückzug daraus."   Stuttgarter Zeitung, 23. November 2010


"Stühle als Requisiten, mehr braucht diese vom Publikum mit viel Beifall bedachte minimalistische Inszenierung nicht. Der Rest ist Symbolik - an den Seiten der Bühne ein hochgezogener Parkettstreifen, im Hintergrund ein schwarzer Aushänger mit einem wasserblauen Nebelboden. Die Paare sitzen oder stehen am Bühnenrand und eigentlich ist es so, dass Irene Kugler (Regina), Ralf Dittrich (Richard) Sabine Fürst (Tina) und Sven Prietz (Dolf), allesamt wunderbare und hochkonzentrierte Seelenarbeiter, ihre Worte ans Publikum richten. Auch das ist clever mit dem Plot des Stücks abgestimmt: Man redet miteinander, aber immer aneinander vorbei."   Südkurier, 22. November 2010

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Molière
Der Menschenfeind
Inszenierung: Cilli Drexel
Dramaturgie: Ingoh Brux

Der Menschenfeind
Der Menschenfeind

"[...] kein Zweifel, dass sich das Nationaltheater ein äußerst feines und leistungsfähiges Schauspielerensemble gruppiert hat. Fast könnte man meinen, in Mannheim würde eine neue Molière-Schule geboren."    Mannheimer Morgen, 6. November 2010 


"Timo Plaths mehrstufiges Bühnenbild vermittelt die technische Kälte eines Aufnahme-Studios, und in Nico Zielkes typgerechter Kostümierung könnte man sich das hier präsentierte schräge Volk gut als Gottschalks Gäste vorstellen."   Rhein-Neckar-Zeitung, 6. November 2010 


"Cilli Drexel, die ihr Talent für die komödiantischen Untiefen klassischer Stoffe zuletzt erfolgreich bei Kleists Amphitryon demonstrierte, verlegt Molières „Menschenfeind" vom absolutistischen Frankreich des Sonnenkönigs in die hedonistisch-aufgeklärte Medienwelt von heute."   Die Rheinpfalz, 6. November 2010

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Tracy Letts
Verwanzt (DSE)
Premiere 23.10.2010
Inszenierung: Egill Heidar Pálsson

Verwanzt (DSE),<br />Premiere 23.10.2010
Verwanzt (DSE),Premiere 23.10.2010

„Jedenfalls ist Peter psychisch schwer krank, ein paranoider Aussteiger. Immer dichter, enger und verzweifelter verwirrt sich sein Gedankengestrüpp, immer mehr zieht der zunächst sympathisch und scheu auftretende junge Mann (Taner Sahintürk) seine neue Freundin Agnes (Ragna Pitoll) in den Strudel seiner Ängste und absurden Behauptungen. Wenn beide abwechselnd in das Mikroskop starren, um entgeistert die vermeintlichen Wanzen zu beobachten, ist die Welt endgültig aus ihren Fugen. Ein Psychothriller auf der Drehbühne des Lebens. Regisseur Egill Heidar Pálsson hat diese Reise zu den Ufern des Todes mit Musik, Licht und überraschenden Perspektiven geschickt aufgeheizt“.  Mannheimer Morgen, 25.10.2010

„Dass […] von der ersten bis zur letzten Minute Hochspannung herrscht, verdankt der Abend vor allem dem effektvoll zum blutigen Exzess gesteigerten Handlungsablauf und der faszinierenden Leistung der Protagonisten, die den Löwenanteil am starken Premierenbeifall für sich beanspruchen dürfen“.  RNZ, 25.10.2010

„Kommt dieser Höllenschmerz im Zahn, der in Kuweit aufgebohrt wurde, wird Sahintürk zu einem Schmerztorpedo und man meint, ihn noch nie so überzeugend gesehen zu haben“.  Die Rheinpfalz, 25.10.2010

„Der US-Dramatiker Tracy Letts, dessen Familien-Saga Osage County-August’ 2008 in Mannheim ihre deutsche Erstaufführung erlebte, ist ein Meister des schleichenden Horrors. In seinem Vier-Personen-Stück Verwanzt, elf Jahre vor Osage-County geschrieben und jetzt im Studio des Nationaltheaters dem Erfolgstück nachgereicht, wird der Zuschauer nach bewährter amerikanischer Dramen-Rezeptur über einen harmlosen Dialog-Pingpong in ein wahres Katastrophen-Szenario gelockt. […]
[…] In Mannheim wird unter der Regie Egill Heidar Pálssons auf rotierender Bühne und mit schönster Westgitarren-Untermalung aus dieser Geschichte einer Besessenheit ein irrer zweistündiger Psycho-Krimi. Ragna Pitoll ist dabei eine coole, vom langen Alleinsein nach und nach mürbe gemachte Agnes – und Taner Sahintürk neben ihr ein zunächst unauffälliger, dann jedoch immer gefährlicher werdender Peter. So aber nimmt diese Chronik einer Talfahrt immer mehr Tempo auf – und steuert mit bedrängender Unausweichlichkeit dem bösen Ende zu.“   AZ Mainz 26.10.2010


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Ulrike Syha
Herr Schuster kauft eine Straße (UA)
Premiere 25.09.2010
Inszenierung: Mirja Biel in Zusammenarbeit
mit Joerg Zboralski

Herr Schuster kauft eine Straße (UA),<br />Premiere 25.09.2010
Herr Schuster kauft eine Straße (UA),Premiere 25.09.2010

„In ihrem Konversationsstück „Herr Schuster kauft eine Straße“ hat die junge Autorin Ulrike Syha eine hübsche Familienhölle eingerichtet, deren steigende Temperatur von geschliffenen Gemeinheiten befeuert wird.“
..Bei der Uraufführung im Studio Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters greift die Regie (Mirja Biel, Joerg Zboralski) den Comedy-Pointenton auf und arrangiert den Familienkampf als TV-Serie, eingespielte Lacher und Werbepausen inklusive.“
[…] während die Autorin den satirischen Ton allmählich eindunkelt, sprengt auch die Inszenierung ihren selbstgesteckten Rahmen [..] und während die Szenerie aus den Fugen gerät, kriecht erst die Verunsicherung in die Menschen, bis schließlich die inneren Verletzungen blutige Wirklichkeit werden, auch wenn das Massaker am Ende nur eine ausgereifte Fantasie ist.“   Darmstädter Echo, 28. September 2010

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Felicia Zeller
Gespräche mit Astronauten (UA)
Premiere 24.09.2010
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski

Gespräche mit Astronauten (UA), <br />Premiere 24.09.2010
Gespräche mit Astronauten (UA), Premiere 24.09.2010

Felicia Zeller sprudelt in ihrem Text, der Spaß macht, ja streckenweise sogar zum Brüllen komisch ist, Rollen und Sprachspiele wie schillernde Seifenblasen in schnell wechselnden Besetzungen auf den Bühnenraum von Florian Etti, der mit Stofftieren und Spielzeug ein riesiges Kinderzimmer ins Bühnenall gebracht hat.  Mannheimer Morgen 27.09.2010


Ein kräftiger beklatschter Spielzeitauftakt, wie man sich ihn nur wünschen kann: leicht wie ein Soufflé, aber dennoch tief wie die See (bzw. weit wie der Weltraum).
Isabelle Barth, Sabine Fürst, Silja von Kriegstein und Ines Schiller tänzeln im sexy Outfit von Lydia Kirchleitner wie Disco-Girls, die unversehens auf den Cat- Walk geraten sind. Sie plärren wie beleidigte Gören, sticheln wie süffisante Besserwisser und knutschen auch mal wie verliebte Teenager. Das ganze Kaleidoskop von Dur bis Moll bieten sie auf, und zwar im rasanten Stimmungswechsel. Ein gefundenes Fressen für die vier jungen Schauspielerinnen, die ihre Frauenpower zu satirischen Höchstleistungen treiben. Rhein- Neckar- Zeitung 27.09.2010


Der titelgebende Astronaut […] ist […] omnipräsent: Dass während die Mütter ihre kleinlichen To-do-Listen herunterrattern, er im Hintergrund friedlich und weltentrückt herumschwebt, gibt der Inszenierung von Burkhard C. Kosminski eine herrlich surreale Note.
Am Ende ist das sehr sehenswerte Stück aber […] vor allem eines: herrlich unversöhnlich. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 26.09.2010


Zeller schüttet wahre Sprachkaskaden aus, als wollte sie Elfriede Jelinek den Rang als sprachmächtigste Chorführerin deutscher Zunge streitig machen, sie persifliert, kalauert, ironisiert, sie reimt und alliteriert, da wird geschimpft, gebangt und verzweifelt. Sie hat genau zugehört, deswegen wirkt ihr sprachlich so hochgedrehtes Stück selbstverständlich der Gegenwart abgelauscht.  Frankfurter Rundschau 27.09.2010

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