Pressestimmen Schauspiel Spielzeit 2012/2013


Georg Büchner
DANTONS TOD, Premiere 17.07.2013
Inszenierung: Josef Teufel
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Nico Zielke
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

DANTONS TOD<br />Premiere 17.07.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DANTONS TODPremiere 17.07.2013© Foto: Hans Jörg Michel

„Umso schwerer wiegt die starke Leistung des Ensembles, allen voran das kontrastreich angelegte Quartett Danton, Desmoulins, Robespierre und St. Just. […] Danton ist bei Sascha Tuxhorn ein sterbensmüde gewordener Aussteiger, der in den Lastern, die ihm vorgeworfen werden, mehr die Betäubung als den Genuss sucht. […] Kaum hört er zu, wenn Ralf Dittrichs feinfühliger Camille Desmoulins zusammen mit den Gefährten Hérault-Séchelles (Jacques Malan) und Lacroix (Matthias Thömmes) mehr Einsatz für das Anliegen der Gemäßigten fordert. […]
Brillant die direkt ans Publikum gerichtete Rede im Jakobinerklub, mit der Robespierre die Notwendigkeit einer Schreckensherrschaft der Tugend begründet. Mit seiner besonderen Begabung für zwielichtige Charaktere gelingt Aselmann hier die Ideal-Verkörperung des Raubtier-Populisten: ein Wolf, der Kreide gefressen hat, mit einem Lächeln, das fürchten macht. Als Robespierre fanatischer Kettenhund St. Just gibt David Müller, noch Schauspielschüler in Hannover, seinen vielversprechenden Einstand in Mannheim. Eindringlich und anrührend, wie von ihr nicht anders gewohnt: Ragna Pitolls Lucile.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 19.7.13

 „In einem effektvollen Eröffnungsbild lässt das Ensemble das Luftschloss wie eine Seifenblase zerplatzen. Aus der Traum von einer besseren Welt, die (Französische) Revolution frisst längst ihre Kinder, auch wenn diese noch mit Legosteinen in Tricolore-Farben zunehmend hysterisch ‚Bau auf!‘ singen (geschickte Bühne: Florian Etti). […]
Danton sehnt sich nach Ruhe, ist revolutions- und auch lebensmüde, wie wir dem eindringlichen Paargespräch mit seiner Frau Julie (Anne-Marie Lux) entnehmen. […] Sanft ist der Einfluss von Fremdtexten an diesem Abend, der von anspielungs- und kenntnisreicher Dramaturgie (Katharina Blumenkamp) zeugt.
Sanft und klug, dann wieder kindisch auffahrend oder zynisch-cool ist auch Sascha Tuxhorns Danton, der sich mit dieser Rolle für das erste Fach empfiehlt.  Eine Marionette der Verhältnisse, ein Opfer seines einstigen Ehrgeizes und eigener Unzulänglichkeit, der er sich mit jeder Faser seines ihm fremd werdenden Körpers bewusst ist. Einen adäquaten Spielpartner hat er in Martin Aselmann, dessen Robespierre seinen Leib – freilich nur bildlich – als gekreuzigter Messias der Revolution hingibt. Aselmann stellt diesmal selbst das Dauerlächeln zur Disposition, um sich nicht nur in seiner glänzenden Rede im Jakobinerklub ganz der trickreichen Sprache Büchners hinzugeben. Wie sich diese beiden Revolutionäre einander nähern, ist große Schauspielkunst.
Diese wird auch bei Ralf Dittrich (Desmoulins), Jacques Malan (besonders als Herman) und dem erdig-zornigen Lacroix Matthias Thömmes‘ zum dichtesten Ensembleabend der Saison. Was heißen soll, dass selbst in die kleineren Rollen sehr viel Herzblut und Gespür für das Ganze fließt. David Müller erhält als St. Just Szenenapplaus für seine grausige geschichtsphilosophische Rede über die die Menschheit zerstückende und sie gleichsam verjüngende Kraft der Revolution. Rätselhafterweise spielt er auch die Grisette (Hure) Marion, während Ragna Pitoll eine Lucile gibt, deren Eindringlichkeit selbst beim finalen – fast beiläufig selbstverhängten Todesurteil – ‚Es lebe der König!‘ atemberaubend ist.“   Mannheimer Morgen, 19.7.13

 „Teufel lässt Büchners Figurenkonstellation und seine Sprachgewalt wirken. […]Danton und Robespierre im Business-Outfit, zwei alerte Manager. Glatte Yuppie-Gesichter, fitnessgestählte Körper. Dreck am Stecken haben sie beide. […]
Regisseur Teufel lässt die Stärken und Schwächen dieser beiden Charaktere sehr plastisch herausarbeiten, ihre suggestive Überzeugungskraft, aber auch ihre Ängste, ihr schlechtes Gewissen. Ihr freundschaftliches Gespräch, um vermeintliche Missverständnisse auszuräumen, wird zum Zusammenprall zweier Führungsphilosophien. Das hinterlässt Blessuren, persönliche Verletzungen gar.
Sascha Tuxhorn und Martin Aselmann geben dieser Szene etwas sehr Persönliches, ja Kameradschaftliches. Das Gefühl der Feindschaft wird erst danach zur Gewissheit. […]
Der Regisseur hat den Text mit seinen vielen Seitenaspekten sinnvoll gestrafft, auch mit kleinen Umstellungen. Acht Schauspieler agieren in Doppelbesetzungen. Jacques Malan, in der Hauptsache Dantonist Hèrault, brilliert als eine Art Zirkusdirektor mit Mantel und Zylinder in Rot. Er thront als bestochner Richter des Revolutionstribunals auf schwarzen Legosteinen und verbiegt das Recht, um Danton und seine Gesinnungsgenossen der Guillotine überantworten zu können. Anrührend die kreatürliche Trauer, mit der Lucile (Ragna Pitoll) Abschied von ihrem Geliebten Camille (Ralf Dittrich) nimmt.“  nachtkritik.de, 18.7.13

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Nach Hans Fallada
KLEINER MANN(HEIMER) – WAS NUN?, Premiere 11.07.2013a
Inszenierung: Catja Baumanna
Bühne und Kostüme: Linda Johnkea
Dramaturgie: Stefanie Buba

KLEINER MANN(HEIMER) – WAS NUN?<br />Premiere 11.07.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
KLEINER MANN(HEIMER) – WAS NUN?Premiere 11.07.2013© Foto: Hans Jörg Michel

„Geschickt verknüpft die Inszenierung Falladas Roman mit den Träumen und Ängsten der kleinen und mittleren Leute von heute.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 14. Juli 2013)
 
 „Die temporeiche und temperamentvoll gespielte Geschichte des sozialen Abstiegs eines kleinen Angestellten in Catja Baumanns Bearbeitung von Hans Falladas Roman sprüht nur so von guten Einfällen und Ideen. Die Aufführung im Studio mit Darstellern, die größtenteils zum ersten Mal auf der Bühne stehen, ist sehr sehenswert.“   (Die Rheinpfalz, 13. Juli 2013)

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Philip Löhle
DU (NORMEN) (UA), Premiere 01.06.2013
Inszenierung: Katrin Lindner
Bühne: Tobias Schunck
Kostüme: Birgitta Weiss
Dramaturgie: Tilman Neuffer

DU (NORMEN) (UA)<br />Premiere 01.06.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DU (NORMEN) (UA)Premiere 01.06.2013© Foto: Hans Jörg Michel


„Wie wird ein Mensch zu dem, der er ist? Und vor allem: Wie wird man zu einem kapitalistischen Ausbeuter? Diese Fragen beschäftigen Philipp Löhle in seinem neuen Stück „Du (Normen)“, das just in einer lustvollen Uraufführung, hervorragend inszeniert von Katrin Lindner, am Mannheimer Nationaltheater auf die Bühne gebracht wurde. […]

Vor allem der spitzfindige Text, der von der Karikatur bis zu dunkelster Abgründigkeit reicht, macht diese Aufführung zu einem Feuerwerk der Pointen. Philipp Löhles Gesellschaftskritik ist geladen mit Biss und Genialität. Damit gehört er ohne Zweifel, wie er es schon häufiger beweisen durfte, zu den exzellentesten Komödienschreibern unter den jungen, deutschen Dramatikern.“ (Die Deutsche Bühne, 4. Juni 2013)

 „Du (Normen)“ ist keine psychologische Feinstudie, eher eine Kriminalgeschichte, in der mancher Faden, den der Zuschauer rasch vergessen hat, vom Autor schlau wieder aufgenommen wird. […] Löhle erzählt in schmissigen Episoden, aus denen sich eine Art Normen-Lebenslauf zusammenfügt, und Regisseurin Katrin Lindner macht sich und dem Publikum in Mannheim einen leichtfüßigen Spaß daraus. […] Das Spiel ist beschwingt, dabei artifiziell. Man begreift, warum Löhle ein von Theatern gern gespielter und von Zuschauern gern gesehener Dramatiker ist. […]“ (Frankfurter Rundschau, 3. Juni 2013)


„Sven Prietz als durchgängiges „Du“ zeigt einen nun wirklich erschreckend durchschnittlichen Fiesling, der fast gegen seinen Willen von einem allgemein wirksamen Sog erfasst wird, der ihn unaufhaltsam weiter treibt. […] Als weitere Tragpfeiler der Aufführung zeichnen sich Thorsten Danner, Sabine Fürst, Reinhard Mahlberg, Klaus Rodewald, Anke Schubert und Dascha Trautwein in den vielerlei Rollen der „Anderen“ des Stücks durch nie erlahmende mitreißende Spielfreude aus.“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 3. Juni 2013)

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Robert Wilson/Tom Waits/Kathleen Brennan
Nach Georg Büchner
WOYZECK, Premiere 06.04.2013
Inszenierung: Georg Schmiedleitner
Bühne und Kostüme: Florian Parbs
Musikalische Leitung Joe Völker
Dramaturgie: Ingoh Brux

WOYZECK<br />Premiere 06.04.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
WOYZECKPremiere 06.04.2013© Foto: Hans Jörg Michel


„Die mit kleinen Mitteln ausdrucksstarke, auch gesanglich herausstechende Dascha Trautwein rückt [Marie] näher ans naive Büchner-Original. Vor allem als sie dem Drängen des Prachtkerls von Tambourmajor im – natürlich – knallroten Hemd nachgibt. Michael Fuchs spielt den verschwitzten Strahlemann effektvoll als komischen Macho-Mix aus Flamenco-Gockel, Elvis und „Blues Brother“ John Belushi. […] Die Leistung des Ensembles wird zu Recht mit langem, teilweise euphorischem Beifall gewürdigt – selbst die kleineren Rollen leisten Großes: Der auf einem Bein und zwei Krücken beeindruckend artistische Peter Pearce bringt als Woyzecks clownesker Freund Andres eine absurde Note ins Trauerspiel, und Thorsten Danners ungeheuer präziser Idiot Karl die Menschlichkeit – statt der ach so moralischen Biedermeier-Gesellschaft ist es dieser Außenseiter, der sich des verwaisten Kindes annimmt.“ (Mannheimer Morgen, 08.04.2013)


„Den mit Posaune, Banjo und Akkordeon angeschrägten Waits-Sound bekommt das von Joe Völker geleitete Septett ziemlich gut hin, und auch die Schauspieler, besonders die beiden weiblichen, schlagen sich auf musikalischem Gebiet bravourös.“ (Die Rheinpfalz, 08.04.2013)

„Ganz am Ende immerhin gelingt Schmiedleitner dann doch noch ein so einfaches wie eindringliches Bild. Da hat der von Arzt und Hauptmann missbrauchte, vom Tambourmajor gehörnte und gedemütigte Woyzeck in einem letzten Verzweiflungsakt seine Marie hinaus aus der Stadt unters nächtliche Himmelszelt gelockt. Selbst der romantische Mond ist ihm bloß noch ein „blutig Eisen“, bevor er seiner Geliebten die Kehle durchschneidet. Tuxhorn tut dies so unendlich sanft und melancholieverdrossen, dass der brutale Mord einer zärtlichen Umarmung gleicht. Selbst die von vielen umgekippten Wassereimern durchnässte und nun leicht gekippte Bühne scheint da zu weinen. Der beste Moment des Abends kam ganz ohne Musik aus.“ (Die Rheinpfalz, 08.04.2013)


„Dank der kongenialen Regie Georg Schmiedleitners ist daraus eine große, mitreißende Rockoper geworden, in der alle beteiligten ihr Bestes geben. Der österreichische Regisseur – seit Beginn von Kosminskis Schauspieldirektion Spezialist fürs Klassische – war hier offensichtlich ganz in seinem Element und hat es verstanden, sein Ensemble in das gemeinsame Brennen für die Produktion mit hineinzuziehen. Das Gleiche gilt für die musikalische Leitung durch Joe Völker, der an den Keyboards auch Mitglied der hervorragend aufspielenden, aber die Sänger nie übertrumpfenden, siebenköpfigen Band ist. […]Dascha Trautweins Marie ist ein liebes schönes Kind, das sich trotz Sündenfall mit dem Tambourmajor einen Rest Unschuld bewahrt. Den gibt Michael Fuchs einfach unwiderstehlich, ein echter Macho von Kopf bis Fuß, dem die Potenz aus allen Poren dampft. Sein Balz-Pas-de-deux mit Marie ist einer der vielen Höhepunkte des Abends, an dem durchweg nicht nur die sängerischen Leistungen der Darsteller(innen), sondern auch die perfekt einstudierte tänzerische Umsetzung der Songs imponiert. Peter Pearce als clownesker Andres, Ragna Pitoll als halbseidene Margreth und Thorsten Danners rührender Tölpel Karl ergänzen ganz wunderbar das insgesamt enorm intensiv agierende Ensemble. Großer Premierenjubel im voll besetzten Haus. Besuch höchst empfehlenswert!“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 08.04.2013)

 

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Heinrich von Kleist
DER ZERBROCHNE KRUG, Premiere 23.03.2013
Inszenierung: Nora Schlocker
Bühne: Steffi Wurster
Kostüme: Marie Lotta Roth
Musik: Paul Lemp
Dramaturgie: Tilman Neuffer

DER ZERBROCHNE KRUG<br />Premiere 23.03.2013<br />© Foto:NT<br />
DER ZERBROCHNE KRUGPremiere 23.03.2013© Foto:NT


Nachtkritik, 23.3.13:

 „Jemand ist in Evens Gemach eingedrungen, belästigte die Jungfer, und zerbrach auf der Flucht vor deren Zukünftigem Ruprecht den Krug der Mutter, Frau Marthe Rull. Im schmucklosen Plastikeimer schleppt Anke Schubert herrlich geifernd als ‚verwünschte  Vettel‘ das Corpus Delicti auf den Bühnen-Quader und ist sich eines Schuldigen längst gewiss: Ruprecht war’s. Dieser jedoch vermag als vermeintlich Gehörnter, den erhobenen Vorwurf nicht einzugestehen, und pocht seinerseits auf baldige Wahrheitsfindung. Haarscharf entlang der Grenze zum albernen Klamauk – aber selten darüber hinaus – wird geleugnet und gelogen, verschleiert und bezeugt, bis letzthin alle Finger auf Adam zeigen. […]

In einer an sakralen Elementen reichen Inszenierung scheint nicht nur Katharina Hauters Rolle, sondern auch ihr Spiel geradezu entfesselt. Eindringlich rekapituliert ihre nun entschlossen-fordernde Eve, die ihren eigenen Strick in Form von überdimensionierten Zöpfen stets mit sich trägt, das Geschehen und streut Verständnis für den Sündenbock. […]

Bei ihrem Mannheimer Regie-Debüt verzichtet Nora Schlocker auf überflüssige Aktualisierungen, und vor allem durch die Hinwendung zu der starken Frauenfigur gelingt ihr eine heutige, eine lohnenswerte Auseinandersetzung mit Kleists Komödie. Von Staatswegen aufrecht erhaltene Lügen und Halbwahrheiten, das Hinterfragen der Redlichkeit eines dem Volke verpflichteten Paragrafenungetüms sind Themen, die sie mit geschicktem Strich eng an Kleists herrlicher Sprache auszudeuten versteht. Das Publikum macht die gelungene Regiearbeit indes zu Geschworenen, ohne jedoch am Ende des kurzweilig verhandelten Klassikers einen eindeutig Schuldigen zu präsentieren.“


 Rhein-Neckar-Zeitung, 23.3.13:

 „Zerrissen, zerschnitten, zersprungen, zerhackt – so zeigen sich in Nora Schlockers Inszenierung von Heinrich von Kleists Lustspiel ‚Der zerbrochne Krug‘ am Nationaltheater Mannheim schließlich nicht nur das Titelobjekt und der Zusammenhalt in der Gesellschaft, sondern auch die gängigen Klischees in Bezug auf das Geschehen in diesem berühmten Bühnenwerk. Die ganz und gar unparadiesische Story um Adam und Eve mitsamt ihrer Rollenverteilung wird kräftig durcheinander gerührt. Dabei erscheinen der alte Adam, aber auch die altbekannte junge Eve in neuem Licht. […]

Alles in allem eine fesselnde und phasenweise mitreißende Aufführung […], welche die althergebrachten Vorstellungen von Kleists ‚Lustspiel‘ mit Nachdruck aufmischt und so neuen Überlegungen zu dem gut 200 Jahre alten Werk Tür und Tor öffnet. – Begeisterter Applaus.“


 Die Rheinpfalz, 25.3.13:

 „Ein Klassiker, witzig erzählt und aktuell zugespitzt: Die junge österreichische Regisseurin Nora Schlocker hat am Mannheimer Schauspielhaus Kleists ‚Zerbrochnen Krug‘ inszeniert. Ein böses Lustspiel ist es geworden, eine Gerichtsgroteske, die mitten unter uns spielt.“

 „Nora Schlocker lässt das alles locker und virtuos spielen, treibt die Geschichte ganz sacht dem Abgrund zu. Als der Verdacht gegen den Richter immer offensichtlicher wird, steigert sie das Tempo ins Groteske, lässt den entlarvten Richter in seiner Prachtrobe mit der hinderlichen Königsschleppe durchs ganze Schauspielhaus flüchten, nicht auf und davon wie bei Kleist, sondern zurück auf den Richtplatz.

Die Regisseurin belässt es hier nicht bei der Druckfassung des Stücks mit dem knappen, alles in ein fadenscheiniges Happy End drängenden Schluss. Stattdessen lässt sie den sogenannten Variant spielen, das Finale der Ursprungsfassung, die bei der Uraufführung 1808 in Goethes Weimar so gnadenlos durchfiel. […]

In Scherben liegt hier nicht bloß ein alter Krug, sondern eine ganze Welt. Und wenn Katharina Hauters Eve, trotzig entschlossen, den Glauben daran verweigert, dass alles irgendwie gut werden könnte, braucht es keine Filmeinspieler um an die krisengebeutelten Menschen in Spanien oder Griechenland zu denken.“


 Mannheimer Morgen, 25.3.13:

 „Katharina Hauter legt in der Langversion des Stückes, dem sogenannten ‚Variant‘, freilich an Format und Bedeutung zu und versteht die Welt nicht mehr. Eine große Leistung, die auch Klaus Rodewald vollbringt, wenngleich er sich im Mittelteil eine Spur zu wohlig auf den tradierten Komikangeboten räkelt. Als schwitzender Satan stülpt er sich zu Glockengeläut die buchstäblich staatstragende Richterrobe (treffliche Kostüme: Marie Roth) in Passionsviolett über – und wird zum Großinquisitor.

Ein kindliches Gemüt bewahren sich an diesem bisweilen anstrengend überzeichneten, aber stringent durchdachten und szenisch funktionierenden Abend alle Figuren. Marthe Rull ist keine Donnermähre, sondern trauert um ihren Krug so aufrichtig wie ein Kind um den Lieblingsball (zurückgenommen groß: Anke Schubert). So bleibt ‚die Erde ein umgestürzter Hafen‘, also Topf. Doch anders als bei Büchner setzt sich kein Kind zum Weinen nieder. Marthe Rull geht um Welt und Krug in die nächste Instanz. Die Botschaft vermittelt das Schlussbild der Statisterie: Einfach mal dem System die schiefen Zähne zeigen. Es ist nicht die schlechteste.“

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Gesine Danckwart
WUNDERLAND (UA), Premiere 25.01.2013
Inszenierung: Cilly Drexel
Bühne: Timo von Kriegstein
Kostüme: Marcela Snaselova
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

WUNDERLAND (UA)<br />Premiere 25.01.13<br />© Foto: Christian Kleiner
WUNDERLAND (UA)Premiere 25.01.13© Foto: Christian Kleiner


„[…] Regisseurin Drexel hat ein gutes Gespür für Timing für Pointenrhythmus – und mit Klaus Rodewald und Martin Aselmann auch zwei charmante Komikhochbegabungen im Team, die den Abend tragen. Aselmann rückt mit seiner Deichkind-Parodie in Nähe des deutschen Comedy-Preises und Rodewalds Skispringer-Einlage wird man wohl nie mehr vergessen. Bien joué!“    Mannheimer Morgen, 28.1.13



„‘WUNDERLAND‘ bietet keine festen Figuren und schon gar keinen Plot. Der Text mäandert in einem anarchischen Fluss aus Gedanken, Dialogen, kurzen Erzählungen, Perspektivwechseln. Erst im Kopf des Zuschauers entsteht daraus ein urbanes Panorama, Biografiesplitter verdichten sich zu Lebenslinien, ein flirrendes Nebeneinander von Aufbruchseuphorie, Enttäuschungsfrust, Gewohnheitslethargie. […]

Dass dies alles so wunderbar leicht und komisch voll beschwingter Melancholie ist, hat damit zu tun, dass Gesine Danckwart nicht bloß eine gnadenlos liebevolle Menschenbeobachterin ist, sondern auch eine Sprachveredlerin. Aus Alltagssound fertigt sie einen verknappten Kunstslang, lässt in der Damenrunde über die ‚Ingwerwellnessscheiße‘ jammern und beim Vertretertalk protzen, dass man sich ‚im vorderen Mittelfeld der mittleren Billiganbieter‘ tummle. Dann startet eine ‚traumglücklich in den Tag‘ und beschert uns schönste Poesie. Da macht es fast nichts, dass es bis zum Ende auch ‚nicht mehr so lange hin ist, wie es einmal war‘.

In Mannheim haben die Regisseurin Cilli Drexel und ihre vier großartigen Schauspieler dies alles mit einer Selbstverständlichkeit hingezaubert, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass es auch anders gehen könnte. Katharina Hauter, Michaela Klamminger, Klaus Rodewald und Martin Aselmann hüpfen beschwingt in Sekundenrollen und Minidramen, tummeln sich in Sprachcodes und Dialekten, verwandeln sich in Discotänzer, Skispringer und eine komplette Band ganz ohne Instrumente, sind dem Himmel ganz nah und immer fest auf dem Boden. Ein kleiner Theaterabend, der die ganze Welt umarmt.“    Die Rheinpfalz, 28.1.13



„In der Uraufführung von ‚WUNDERLAND‘ von Gesine Danckwart zeigt das Mannheimer Nationaltheater mit Humor und Wortwitz soziale Milieus.“

 „Im karg-schwarzen und minimalistischen Bühnenbild stellen die jeweils zwei weiblichen und männlichen Schauspieler fragmentarisch dargestellte Milieus und Einzelpersonen mit viel Humor und Wortwitz gelungen dar.“   Die Welt, 27.1.13


 

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Franz Kafka
DER PROCESS, Premiere 19.01.2013
Inszenierung: Dominic Friedel
Bühne: Maren Greinke
Kostüme: Katrin Wittig
Dramaturgie: Tilman Neuffer

DER PROCESS<br />Premiere 19.01.13<br />© Foto: Hans Jörg Michel
DER PROCESSPremiere 19.01.13© Foto: Hans Jörg Michel

Großartig, wie er (Thorsten Danner) im letzten Drittel der Aufführung seine monologische Denk- und Sprechspirale darstellerisch formt und zu dem wird, was Regisseur Friedel wohl von Beginn an in ihm sieht: ein zwischen Büroarbeit und Prozess hin- und hergerissenes Opfer moderner Lebensstrategien, ein vom ständigen Kämpfen ermüdetes Ich, das unter dem Lastenbündel von ungerechter Behandlung, Ehrgeiz, Verantwortung und sozialem Prestige zusammenbricht [...] Entsprechend gehören Neugierde, Bosheit und Neid untrennbar zu  jenen Figuren-Biografien, die Reinhard Mahlberg, Michael Fuchs, Jacques Malan, Ralf Dittrich und Sascha Tuxhorn, teils in mehreren Rollen, darstellerisch genau erkunden und empfindsam profilieren, häufig verbissen an lächerliche Bedeutsamkeiten geklammert, die offenbar über die innere Leere hinweghelfen sollen.     Mannheimer Morgen, 21. Januar 2013

Thorsten Danner gestaltet die Hauptrolle so eindrucksvoll wie beklemmend. [...] In Dominic Friedels zweistündiger Inszenierung wird auf jeden Fall Aktualität für das Hier und heute reklamiert. Die Menschen tragen mitunter uniform wirkende Kleidung der Gegenwart (Kostüm: Katrin Wittig). Sascha Tuxhorn, auch als Künstler Titorelli im Bühnengeschehen unterwegs, steuert mit der E-Gitarre fetzige Rythmen bei, und auf Maren Greinkes Gebäudefront transportieren bizarre visuelle Effekte modernes Lebensgefühl. [...] - Begeisterter Applaus. Rhein-Neckar-Zeitung, 21. Januar 2013
Stark [...] der letzte Teil, ein Solo für Thorsten Danner, der das Ende des Josef K. als verzweifeltes Finale hinausjammert, ein gebeutelter Schmerzensmann, der es Aktenblätter regnen lässt und sich im Bodysuit die Atemluft abschneidet.    Die Rheinpfalz, 21. Januar 2013  

Danner verleiht in den guten, weil klamaukfreien Momenten dieser Inszenierung seiner Figur eine Intensität, die zwischen Auflehnung und Rest-Vertrauen chargiert, aber von diesen beiden Polen nicht zerrieben wird. Und Dascha Trautwein ist nicht nur die einzige Frau auf der Bühne, sondern vor allem: eine Sensation. Wie alle verkörpert sie mehrere Rollen, und ihre präzise Sprachbehandlung macht bedarfsweise aus Silben klirrende Eispfeile oder feurige Netze, in denen sich nicht nur Josef verfängt. Beinah somnambul wirkt ihr Spiel, und ist doch ganz gegenwärtig.    Allgemeine Zeitung Mainz, 23. Januar 2013

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Theresia Walser
ICH BIN WIE IHR, ICH LIEBE ÄPFEL (UA), Premiere 12.01.13
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Ingoh Brux

ICH BIN WIE IHR, ICH LIEBE ÄPFEL (UA)<br />Premiere 12.01.13<br />© Foto: Christian Kleiner
ICH BIN WIE IHR, ICH LIEBE ÄPFEL (UA)Premiere 12.01.13© Foto: Christian Kleiner

nachtkritik.de, 14.1.13:
 „Die eiskalte Schönheit der Macht untersucht Theresia Walser in ihrem neuen Stück ‚Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel‘. Auf blutroten Ledersesseln warten drei Diktatorengattinnen auf eine Pressekonferenz. Vor 100 Journalisten soll enthüllt werden, wann und wie ihr Leben verfilmt wird. Aus dieser Situation entwickelt Walser einen sprachlich starken, dialogbetonten Zickenkrieg mit komischen Untertönen, die Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski bei seiner Uraufführung am Nationaltheater mit Nachdruck zum Klingen bringt.“
 „Nicht nur bei Imelda Marcos greift Ute Lindenberg (Kostüme) lustvoll in den Fundus der TV-Geschichte. Im lila Matronengewand fordert Anke Schubert unentwegt süße Makrönchen und Blumen ein. Daneben sitzt die schlicht-schwarz gekleidete Margot Honecker – für die leidenschaftlich strenge Ragna Pitoll eine Paraderolle.“
 „Den Kampf zwischen diesen drei entthronten Machtmenschen feuert der Übersetzer an. Sven Prietz genießt es, die Handlung zu steuern, indem er Sätze falsch übersetzt oder sie gar ganz weglässt.“
 
 
Badische Zeitung, 14.1.13:
 „Mit dem Dolmetscher hat die in der Nähe von Freiburg lebende Dramatikerin ihrem jüngstem Werk überdies geschickt eine zusätzliche Ebene eingezogen: Der von Sven Prietz furios gespielte junge Mann im korrekten Biedermannanzug, der alles andere tut, als korrekt zu übersetzen, sorgt für eine sprachliche Verwirrung, die das schwer erträgliche selbstgerechte Auftreten der drei Damen ad absurdum führt. Ohne ihn wäre das alles nichts – er ist nicht der Moderator, sondern der Katalysator des Äffinnentheaters, das in 90 bösen witzigen Minuten als eine Art pervertierte Talkshow abgespult wird.“
 „Theresia Walsers übermütige Lust an der zugespitzten maliziösen Formulierung, deren Ergebnisse man immer wieder zitieren möchte, hat sich an einem dankbaren Sujet ausgetobt. Die Gefahr, das blutige Mitwirken dieser Gattinnen an der Unterdrückung der Völker komödiantisch zu verharmlosen, entgeht die Autorin durch die stetige Brechung der schamlosen Suaden ihrer Figuren in den Kommentaren des Übersetzers: Er offenbart sich am Ende als jener Gottfried Saalmeister aus Jena, Knebelstraße 7, der seine Kindheit dem SED-Staat geopfert hat. Und natürlich sind diese satirischen Rollen ein gefundenes Fressen für Schauspielerinnen – allen voran Anke Schubert, die mit kunstvoller Turmfrisur und Sonnenbrille ihren famosen Auftritt einer von der Hässlichkeit der Welt von Grund auf beleidigten Grande Dame bis in die lackierten Fingerspitzen hinein genießt: eine Idealbesetzung. […]
Einen gemeinen, bösartigen, hintergründigen Spaß hat sich Theresia Walser erlaubt – auch mit dem Publikum. Das Lachen ist des Schrecklichen Bannung. Aber es schafft es keineswegs aus der Welt.“
 
 
Rhein-Neckar-Zeitung, 14.1.13:
 „Ein packender Plot, den sich Theresia Walser da für ihre wunderbare Farce ausgedacht hat. […] Ihre Sticheleien sitzen, so dass bei der bereits fünften Theresia-Walser-Uraufführung am Nationaltheater Mannheim eine Pointe auf die andere folgt. Auch diesmal wieder hat Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski die Regie übernommen, und für das Bühnenbild sorgte abermals Florian Etti. Ein eingespieltes Team, das Theresia Walsers Text und dem komödiantisch versierten Quartett auf der Bühne vortrefflich dient. […]
So assoziiert man angesichts der drei Diktatoren-Gattinnen mir nichts, dir nichts schuppige, nach Luft schnappenden und von einer Fisch-Seuche verunstaltete Karpfen. Sven Prietz, der den Part des Dolmetschers übernommen hat, angelt sich damit jede Menge Publikumssympathien.
Aber auch die drei Schauspielerinnen stehen hoch in der Zuschauergunst. Man amüsiert sich über die verbalen Gemeinheiten, die Anke Schubert als Frau Imelda vom Stapel lässt, lacht über Frau Margot, die nie in ihrem Leben von links nach rechts geht (Vorsicht: running gag), und hat seinen Spaß am Spiel Sabine Fürsts, die als Frau Leila beweist, dass Einbildung und Bildung zwei Seiten einer Medaille sind. […]
Nach 90 Minuten ist alles vorbei, und alle Beteiligten können für sich Pluspunkte verbuchen: die Autorin, der Regisseur, der Bühnenbildner und die Darsteller. Nicht zu vergessen die Kostümbildnerin Ute Lindenberg, die für die graumäusige Frau Margot ein genauso passendes Outfit schneidern ließ wie für die zum Pompösen neigende Imelda.“
 
 
Die Rheinpfalz, 14.1.13:
 „Dass das Böse ganz herrlich zur Komödie taugt, beweist einmal mehr Theresia Walser. In ‚Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel‘ macht die jüngste Tochter von Martin Walser drei Ehefrauen diktatorischer Machthaber zu Bühnenfiguren. […] Margot Honecker, Gattin des DDR-Staatsratsvorsitzenden und selbst im Ministerrang, ist dabei genauso schnell identifizierbar wie Imelda Marcos, philippinische Ex-Schönheitskönigin, Diktatorenwitwe und Besitzerin von 3000 Paar Schuhen. Die dritte kommt Leila Ben Ali am nächsten, der tunesischen Tyrannengattin, deren Clan das Land jahrzehntelang ausplünderte.
Trotz solch realer Bezüge und diverser authentischer Details hat die in Freiburg lebende Autorin mit ‚Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel‘ kein politisches Dokumentartheater im Sinn. In ihrer fünften Auftragsarbeit fürs Nationaltheater erweist sich Theresia Walser stattdessen wieder als dialogsichere Komödienschreiberin, bei der das Böse hinter dem Vordergründigen lauert und kritische Aufklärung durch die Hintertür des Komischen zu uns gelangt. Das Stück ist also zu allererst das Psychogramm dreier despotischer Diven, die mit geradezu pathologischer Renitenz auf ihren skurrilen Welterklärungsmodellen beharren. […]
Dass all dies in Mannheim auf der Bühne gut funktioniert, ist neben Kosminskis auf Tempo und beiläufige Komik setzenden Inszenierung drei Darstellerinnen zu danken, denen die Rollen sozusagen auf den Leib geschrieben wurden. Sabine Fürst stöckelt Frau Leila als arrogantes Dummchen aus tausendundeiner Nacht auf die Bühne, Anke Schubert gibt die abgebrühte Veteranin des autoritären Zeitalters, und Ragna Pitoll, wohl am weitesten weg von der historischen Vorlage, macht aus der grau-dumpfen Honecker-Gattin eine geistesblitzende, wenn auch zunehmend autistische Kriegerin der verlorenen Ideologie.
Und dann ist da noch Gottfried, Dolmetscher und Damendompteur, der das Trio ins Gespräch bringen und bei guter Laune halten soll, bis die Pressekonferenz beginnt. Sven Prietz macht dies mit leicht aufgesetzter Aufopferungsbereitschaft, wird dabei immer mehr zum semantischen Amokläufer, der dem aus dem Ruder laufenden Smalltalk seine eigene Wendung gibt.“
 
 
Mannheimer Morgen, 14.1.13:
„[…] ‚Wo kein Volk ist, muss auch nicht gewunken werden.‘ Aber wo ein Anfang ist und ein Ende, da muss es auch ein Dazwischen geben, und in ihm funkeln am Nationaltheater 90 Minuten Schlagfertigkeit, grausam komische Ausgeflipptheit, Katastrophen und Unbelehrbarkeiten. Jeder Satz ein zynisches Zitat von Niedertracht, das man festhalten möchte – und doch nicht kann, weil das Pointenfeuerwerk unweigerlich weiter feuert und ploppt. Ein Text wie ein langer, spritziger Witz (fast) ohne Längen.“
 „Ein irrsinnig heiterer Abend, teils mit schallendem Gelächter, das einem selten auch mal im Halse steckenbleibt.“
 „Die Dramen der Damen und des Herrn spielen sich im postdramatischen Theater also nicht auf der Bühne ab. Sie spielen – dem zurückhaltenden Regisseur Burkhard C. Kosminski sei Dank – in den Protagonistenseelen. Anke Schubert sticht da heraus. Sie sitzt und besitzt viel Leichtigkeit und Selbstverständnis, fast scheint es, die blau kostümierte und feingeistige Imelda mit Sonnenbrille spiele sie und nicht umgekehrt. Das ist Kult. Das ist großes Theater. Ragna Pitolls Margot hat den Pulloverfimmel, Haare auf den Zähnen und viel Berlin in der Schnauze. Sie sitzt nicht nur. Sie agiert, läuft eckig auf und ab (auch von links nach rechts) und bestätigt deutsche Tugenden: Ordnung! Disziplin! Das macht sie gut. […] Bei Sabine Fürst braucht es, bis sie richtig in Schauspielerinnenfahrt kommt, doch auch fauchend und in Rage bleibt die schöne ‚Königin von Karthago‘ die naive Friseurin Leila, die französische Literatur studiert haben, intellektueller wirken und mit einem Gedicht auftrumpfen will (das dem Stück den Titel gab). Bliebe Gottfried: Sven Prietz ist der alle Fäden in  Händen haltende Redegott. Mit Nuancen und Gefühl fürs Timing (er lässt sich mehr Zeit als die drei Despotinnen) schafft er es, omnipotenter Fast-alles-falsch-Übersetzer und Motor des Kammerspiels gleichzeitig zu sein.“
 
 
Frankfurter Rundschau, 15.1.13:
 „Bei Walser jedenfalls sind sie in Hochform: Ragna Pitoll nimmt man mühelos die ehemalige Oberlehrerin der DDR ab, Anke Schubert die gealterte Schönheitskönigin mit den 3000 Paar Schuhen, die querulatorisch ein ums andere Mal beklagt, dass es auf der Bühne keine Blumen gibt. ‚Frau Leila‘, Sabine Fürst mit Raubtierblick, möchte indessen gefälligst nach ihren Gedichten gefragt werden.
[…] Theresia Walsers Variation auf politische Raff- und Machtgier [funktioniert] nicht nur auf einer Bühne, ohne dass eine große Anstrengung des Regisseurs nötig ist, sondern sogar als Komödie. […] Walser, Hausautorin am Mannheimer Theater, beherrscht das schlagkräftige dialogische Pingpong – Leila: ‚Ich habe schon lange keinem Volk mehr zugewunken‘, Imelda: ‚Wo kein Volk ist, muss auch nicht gewunken werden‘ – und fügt einen guten Schuss Absurdität hinzu.
Dies vor allem durch die Figur des Dolmetschers, der den bezeichnenden Namen Gottfried trägt (von den Damen gern Gott!...fried gesprochen) und aus Jena stammt. Schnell macht der Übersetzer sich selbstständig, verharmlost oder lässt ganz raus, was die drei Diktatorengattinnen kränkend finden könnten, besonders für Frau Margot scheint er eine Schwäche zu haben. Dann wieder ist er ein kleiner Agent Provokateur, unklar, ob aus Versehen oder Rachlust. Sven Prietz macht einen wuseligen Diener dreier Herrinnen aus ihm, und er lässt geschickt offen, ob man einen Tollpatsch oder einen Hinterlistigen vor sich hat.“
 
 
Stuttgarter Zeitung, 15.1.13:
 „Ein komödiantischer, facettenreicher Text, den Burkhard C. Kosminski rasch und geschickt in die Gänge bringt. Sven Prietz, der quirlige, umtriebige als Dolmetscher liebenswert überforderte Gottfried, erwartet wie bei einer Talkshow seine Gäste.“
 „Drei Schauspielerinnen breiten ihre darstellerischen Reichtümer aus. Eine gut sortierte Schmuck-Schatulle.
Nirgendwo ein Hauch der Selbstkritik, alles hatte seine Richtigkeit, die Toten an der Berliner Mauer ebenso wie die Folteropfer in Tunesien oder den Philippinen. So beherrscht Theresia Walsers Stück nicht das trügerische, vermutlich auch langweilige Licht der Aufklärung, sondern jene banale oberflächliche Realität, die wir im Alltag nennen. Hier, wo aus Herzen Mördergruben werden, hat Theresia Walser den tieferen Sinn ihres Stückes angesiedelt: Tyrannei ist fast so grässlich wie die Dummheit, mit der sie verwaltet und verteidigt wird.
Im Reich des mangelnden Mitgefühls werden an diesem Abend, ausgenommen Gottfried, alle zu Giganten. Wie amüsant dieser Vorgang sein kann, beweist Kosminskis flotte, manchmal auch nur flinke Regie, die vor allem den zwischenmenschlichen Bosheiten und den viel belachten absichtsvollen Fehlübersetzungen Gottfrieds vertraut.“
 
 
Frankfurter Allgemeine, 16.1.13:
 „Wenn sich jetzt in ‚Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel‘ (ein Zitat aus einem Gaddafi-Gedicht) drei abgehalfterte Diktatorenmatronen vor einer Pressekonferenz treffen, ist das Setting nicht gerade neu, aber der Zickenkrieg herrlicher denn je.
[…] Es geht nicht um dokumentarisches Wiedererkennen oder gar politisch-moralische Urteile, sondern um eine Komödie der Eitelkeiten: Theater pur, Schauspielerfutter vom Feinsten.“

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Bertolt Brecht
MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER, Premiere 30.12.12
Inszenierung: André Bücker
Bühne und Kostüme: Jan Steigert
Musikalische Leitung: Joe Völker
mit Almut Henkel als Mutter Courage

„Handel ist Wandel. Wer wüsste das besser als Brechts Mutter Courage, die dort profitiert, wo andere sterben: auf den Feldern des Schlachtens. Krieg garantiert ihr Einkommen. Und längst hat sie ihr Lebensprogramm vom jenseitigen Glücksversprechen auf eine diesseitige Gewinnmaximierung verlagert. Ein moderner Gesichtspunkt, dem allein heilig ist, was man hat. Almut Henkel beherrscht diese praxisbezogene Religion im Mannheimer Nationaltheater so selbstverständlich, als wäre sie ihr angeboren.

Ihre Mutter Courage, die sie anlässlich ihres 25-jährigen Bühnenjubiläums nun endlich nach längerer Wartezeit spielen kann, weil sie just zur Premiere erkrankte und von Ragna Pitoll in sogenannten Voraufführungen vertreten werden musste, verfügt über ein sonniges, vitales Gemüt und einen gewitzten Zweckoptimismus […].“
 „Großartig ist Dascha Trautwein als stumme Kattrin. Sie zeigt, was es heißt, im psychisch fein abgestimmten Spiel mit Hilfe von Blicken, Bedrängungen und kleinen Gesten einfühlsam die Identität eines Menschen darzustellen. Jacques Malan als undurchsichtiger Koch, Karl Walter Sprungala in der Rolle des windigen Feldpredigers sowie Matthias Thömmes, Sascha Tuxhorn und Michaela Klamminger als zickige Obristenwitwe tragen auf sympathische Weise zu einem netten Brecht-Abend bei […].“    Mannheimer Morgen, 2.1.13

 „Anders als Brecht, dem schon bei der Züricher Uraufführung 1941 zuviel mitleidende Anteilnahme an seiner Titelfigur missfiel, sieht Bücker in der Courage ein eher schuldlos in tragische, weil unlösbare Konflikte getriebenes Opfer der Verhältnisse. Und so wird sie von Almut Henkel auch gespielt.
Unter dem harten Panzer der gerissenen Geschäftsfrau, der keine noch so martialisch auftrumpfende Soldateska den Schneid abkaufen kann, schlägt ein weiches Mutterherz. Die Angst um die Kinder steht ihr ins Gesicht geschrieben, und so rau die Schimpftiraden klingen, die jeden Versuch, sich ihrer rigorosen Fürsorge zu entziehen, schon im Ansatz scheitern lassen, so zärtlich zieht sie Söhne und Tochter immer wieder in die Arme, küsst und streichelt sie. […]
Immer mühsamer rappelt sich Almut Henkels Courage nach jedem Schlag, den ihr der Krieg versetzt, wieder auf. Herzzerreißend ihr Wiegenlied für die tote Kattrin, ein Abgesang auch auf das eigene Leben. Der Wagen, den sie bei Brecht noch einmal allein aus dem Dreck zu ziehen versucht, ist zerschlagen, alle Hoffnung dahin, doch ‚wieder in’n Handel zu kommen‘. Sterbensmüde rollt sie sich am Ende in eine der roten Vorhangbahnen ein.
Neben Almut Henkel imponiert vor allem Dascha Trautwein als stumme Kattrin, die keine Worte braucht, um sich ausdrucksstark verständlich zu machen.“   Rhein-Neckar-Zeitung, 2.1.13

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Autorentreff mit Felicia Zeller, 14.12.2012

Autorentreff mit Felicia Zeller, 14.12.2012<br />© Foto: CL
Autorentreff mit Felicia Zeller, 14.12.2012© Foto: CL


Felicia Zeller liest ihr neuestes Stück X-Freunde


Felicia Zeller ist Hausautorin am Nationaltheater in der Spielzeit 2012/13. Die Hausautorenschaft wird gesponsert von den Freunden und Förderern des Nationaltheaters Mannheim.


"Die Lesung hat Zeller aufwendig inszeniert: Ein Sprachverzerrer verleiht den drei Protagonisten unverwechselbare Stimmen. Mit bemerkenswertem Effekt. Zunächst klingt Anne so, als habe sie versehentlich zu viel Helium inhaliert. Doch mit zunehmender Gewohnheit lässt die piepsige, etwas nervtötende Stimme die unsympathische, überehrgeizige und in ihrer Arbeitswut völlig überdrehte Figur plastisch hervortreten. Holgers letztendlicher Suizid wird immer nachvollziehbarer." [...]


[...] Vortrag und Stil erinnern an Poetry Slams: Extrem unterhaltsame Wortkaskaden mit unendlich vielen Sprachspielen, ironischen Anspielungen und Wortwitzen prasseln in ausführlichen Monologen auf die Zuschauer nieder. Man darf sich auf ein weiteres temporeiches, sarkastisches und bissiges Stück freuen. © Mannheimer Morgen, 17.12.2012

 

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Martin Heckmanns
EINER UND EINE (UA), Premiere 15.11.2012
Inszenierung: Dominic Friedel

EINER UND EINE (UA)<br />Premiere 15.11.2012<br />© Foto: Christian Kleiner
EINER UND EINE (UA)Premiere 15.11.2012© Foto: Christian Kleiner

Frankfurter Rundschau, 17.11.12:

 „Das Unglaubliche geschieht: Zwei Menschen verlieben sich. Grete und Jakob fallen im Supermarkt sozusagen übereinander, und es passiert wirklich noch einmal. Vor dem Kühlregal erwischt beide doch tatsächlich die Liebe. Und auch noch die auf den ersten Blick. […] Wenn Martin Heckmanns in seinem kleinen Theaterstück ‚Einer und Eine‘ von diesem Moment erzählt, dann ist es, als sei das etwas Exotisches, Seltenes, vielleicht Skurriles: die Liebe, dieses Gefühl, das einmal die Welt zu regieren schien (und retten sollte). Jetzt ist sie ganz klein, ganz nebensächlich, ganz zerbrechlich. […]

Martin Heckmanns, der Feindramatiker und Sprachmechaniker unter den jüngeren Autoren (‚Vater, Mutter, Geisterbahn‘), hat so eine zerbrechliche Liebeskomödie geschrieben, ein flüchtiges Spiel über ein prekäres Gefühl. ‚Einer und Eine‘ ist ein kleines Stück, aber es ist auch eine sprachsensible, skurril-alltägliche Versuchsanordnung auf nur scheinbar vertrautem Terrain.“
 

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Bertolt Brecht
Mutter Courage
Voraufführung 03.11.2012 mit Ragna Pitoll als Mutter Courage
Inszenierung: André Bücker

Mutter Courage<br />Voraufführung 03.11.2012<br />© Foto: Christian Kleiner
Mutter CourageVoraufführung 03.11.2012© Foto: Christian Kleiner

Premiere am 30.12.2012 mit Almut Henkel als Mutter Courage


Rhein-Neckar-Zeitung, 5.11.12:
 „Nur drei Tage hatte sie [Ragna Pitoll] Zeit, um die große Rolle einzustudieren. Aber ‚die großartige Schauspielerin‘ (O-Ton des Schauspieldirektors Burkhard C. Kosminski) meisterte die schwierige Aufgabe tatsächlich großartig. Beim kräftigen Applaus holte sie in einer schönen Geste auch die Souffleuse auf die Bühne. Die bewältigte diesen besonderen Abend so gut, dass das Publikum fast nichts von ihrer Soufflage mitbekam, und das will was heißen. Auch die übrigen Ensemblemitglieder und die drei Bühnenmusiker taten alles, um Ragna Pitolls couragierten Auftritt in jeder Hinsicht zu unterstützen. Ein Sieg des Ensemblegeistes.“


Mannheimer Morgen, 5.11.12:
 „Der Einsatz von Ragna Pitoll als Vorstellungsretterin, Kollegin und Ensemblestütze kann daher gar nicht genug gewürdigt werden. Wenn eine solche schier unleistbare Herkulesaufgabe dann zudem ohne jeden Patzer bewältigt wird, kann man nur den Hut ziehen – und herzlich applaudieren. Schon bei ihrem ersten Auftritt erhält sie Szenenapplaus, den sie bescheiden, humorvoll und verständlicherweise auch nervös abwiegelt. Vorschusslorbeeren steigern den Druck, doch sie hält ihm stand. […]

Ihr zur Seite stehen interessante Figuren und Kollegen. Ihre drei Kinder, der hitzig-kämpferische Sohn Eilif (Sebastian Brummer), der gutmütig verspielte Schweizerkas (Peter Pearce) und vor allem eine grandiose Dascha Trautwein als stumme Kattrin belegen – ganz im Sinne des berühmten ‚Salomon-Songs‘ von Paul Dessau – , dass die Tugenden Weisheit, Kühnheit, Redlichkeit und Gottesfurcht eben leider nicht wirklich zum Leben taugen. […]

Matthias Thömmes und Sascha Tuxhorn nutzen die Facetten ihrer diversen Soldatenfiguren mit viel Fantasie und Spielfreude, während Karl Walter Sprungala als Feldprediger und Michaela Klamminger als Wanderhure Brechts Ensemble abrunden sowie seine Grundhaltung zu Krieg und Kapitalismus zuspitzen.“


Allgemeine Zeitung Mainz, 6.11.12:
 „Was auf der Habenseite vor allem zu Buche schlägt, sind aber die darstellerischen Leistungen. Ganz vorne steht da Ragna Pitoll in der Rolle der Courage […] – und sie spielt fabelhaft.

Im schwarzen Overall und mit mühsam gebändigter schwarzer Strubbelmähne, ist sie die sorgsame Beobachterin am Rande des Weltgeschehens – beileibe keine geldgierige ‚Hyäne des Schlachtfelds‘, wie es im Stück heißt, sondern ein charmanter, den kleinen Genüssen des Lebens keineswegs abholder Pfiffikus. Und singen kann sie auch – ein Traum!“


Darmstädter Echo, 8.11.12:
 „Ragna Pitoll spielt die Mutter mit männlicher Härte, und trotzdem zeigt sich hinter der harten Schale ab und zu ein weicher Kern.

Der emphatische Teil der Figur findet sich in vielen Liedern wieder, die Regisseur André Bücker wie eine zweite Ebene in die Inszenierung eingebaut hat. Diese musikalischen Passagen sind unter der Leitung von Joe Völker die stärksten Momente der zweistündigen Aufführung.“

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Molière
TARTUFFE, Premiere 20.10.2012
Schauspiel Stuttgart am Nationaltheater Mannheim
Inszenierung: Claudia Bauer
Bühne und Kostüme: Andreas Auerbach
Musik: Peer Baierlein
Dramaturgie: Christina Holtzhauer

TARTUFFE<br />Premiere 20.10.2012<br />© Foto: Christian Kleiner
TARTUFFEPremiere 20.10.2012© Foto: Christian Kleiner

„Darauf, dass eine klassische Komödie, wenn es eine gute ist, eine ordentliche Portion Klamauk verträgt, vertraut Bauer ebenso wie auf das burlesk-quirlige Erfolgsrezept des derzeitigen Komödienkönigs Herbert Fritsch. Das darf man, wenn man gutes Handwerkszeug und dafür geeignete Darsteller hat. Und sie hat beides. Jeder ihrer Figuren verordnet die Regisseurin eine ureigene, skurrile Körperlichkeit. Mariane und ihr Liebhaber Valère (Toni Jessen) sind blutleer eingeknickte Gothic-Emos aus der Addams Family. Dem verklemmten Söhnchen Damis geht gelegentlich der Burgtheater-Hamlet durch, während Luxusmutti Mariane [Elmire] zum hochfrisurgewordenen Hüftschwung mutierte.

Auf die Spitze treibt es Hausdame Dorine. Als Primaballerina tänzelt sich Catherine Stoyan famos in die Herzen der Zuschauer und setzt sich knapp darunter mit derbem Zofenwitz auf den Lachmuskeln fest. Bravo! Und Tartuffe? Der atemberaubende Benjamin Grüter ist weder windiger Schwätzer noch Schmeichler, sondern ähnelt dem Münsteraner Täufer Jan van Leyden. Er tobt als blutiger Fanatiker, als erotisierender Verführer zum Leiden wie zum Herrschen, durch das satte Reich der emotionalen Gleichgültigkeit.“ (Mannheimer Morgen, 23.10.12)


„Claudia Bauer hat ‚Tartuffe‘ als turbulent-kluge Farce inszeniert, gespielt wird sie bis auf weiteres nur am Nationaltheater.“ (Die Rheinpfalz, 23.10.12)


 „Für zwei Stunden glanzvolles Schauspielertheater in einer Aufführung voll Witz und Esprit gab es langen, überaus herzlichen Applaus.“

„Im goldenen, nach hinten trichterförmig verengten Guckkasten, den Ausstatter Andreas Auerbach auf die Bühne gestellt hat, ist unbeschwertes prallbuntes Komödiantentum angesagt. Das fantasievoll kostümierte Stuttgarter Ensemble spielt einander mit enormem körperlichem Einsatz virtuos die Bälle zu, bietet Slapstick-Einlagen auf hohem Niveau und lässt keine Minute Leerlauf zu. Eine wahre Wonne: die Rede-Duelle zwischen Konecznys Orgon und Catherine Stoyans hinreißend schnoddriger Dorine, die mangelnde Körpergröße wirkungsvoll mittels Ballett-Spitzentanz auszugleichen weiß. Kunstvoll zurechtstilisiert und marionettenhaft agierend: Sophie Basse als Elmire, das verliebte Punker-Pärchen Mariane (Britta Boehlke) und Valère (Toni Jessen), Lukas Rüppel als dauerempörter Damis und Stefan Kaminsky in der undankbar farblosen Rolle des ungehört zu Vernunft mahnenden Cléante. In scharfem Kontrast zu dieser Puppen-Gesellschaft der animalisch-wilde Tartuffe Benjamin Grüters […].“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 23.10.12)

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Mannheimer Bürgerbühne
SOULCITY (UA)
Premiere 28.09.2012
Inszenierung: Lajos Talamonti
Bühne und Kostüme: Anke Niehammer
Dramaturgie: Stefanie Bub / Tilman Neuffer

SOULCITY (UA)<br />Premiere 28.09.2012<br />© Foto: Christian Kleiner
SOULCITY (UA)Premiere 28.09.2012© Foto: Christian Kleiner

Mannheimer Morgen, 1.10.12:
„Mit ‚SoulCity‘ erlebt der Zuschauer Momente unterhaltender Tiefenforschung – viel mehr Lob geht nicht.“
„Natürlich werden hier nicht nur einfach Leben erzählt, sondern auf urkomische, tragische oder aufregende Art Seelen über uns ausgeschüttet. […] Lajos Talamonti, der ‚SoulCity‘ mit Stefanie Bub und Tilman Neuffer (Dramaturgie) komponiert und inszeniert hat, gelingt mit dieser Seelendurchleuchtung ein richtig eindrucksvolles Gesellschaftsbild.
Im schnellen Wechsel, aber dennoch sehr konzentriert werden wir als Zuschauer durch die erzählten Episoden geschleift, die Kurzfilme in unseren Köpfen entstehen lassen.“
 
Die Rheinpfalz, 1.10.12:

„Weil es ein Stück mit echten Menschen ist, ist es – die Idee ist ja auch sehr naheliegend – auch ein Stück über echte Menschen. Nicht jeder der 15 hat den Soul. Aber Seele, das definitiv.
Und deswegen begannen sie nach einer etwas abstrakten Einstimmungsphase mit dem Erzählen ihrer ganz konkreten, sehr privaten, oft intimen, fast immer traurigen Geschichten. […] Wenn diese Gruppe aus elf Frauen und vier Männern repräsentativ ist für die Bevölkerung, dann hat der Mannheimer ein schillerndes, tragisches, buntes, wildes, trauriges Leben.“
 

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Anna Jablonskaja
HEIDEN (DSE), 27.09.2012
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

HEIDEN (DSE)<br />27.09.2012<br />© Foto: Christian Kleiner
HEIDEN (DSE)27.09.2012© Foto: Christian Kleiner

Mannheimer Morgen, 29.9.12:
„Burkhard C. Kosminski hat diesmal zupackend inszeniert, was dem Abend gut tut.“
 
Rhein-Neckar-Zeitung, 29.9.12:
„Eine Entdeckung! Anna Jablonskajas Familienstück ‚Heiden‘ ist einerseits von Ibsen, Strindberg und Hauptmann inspiriert, andererseits spielt es mit symbolischen Untiefen auf die chaotische und von vielen Gefahren bestimmte Situation im Russland von heute an. Durch die Umbrüche in postsozialistischen Zeiten ist dort vieles aus den Fugen geraten, nicht zuletzt die Familienstrukturen. Mannheims Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski unterstreicht das in seiner Inszenierung der Deutschsprachigen Erstaufführung feinfühlig und geschickt.“
    „Der Figur des Vaters gibt Reinhard Mahlberg schöne Schattierungen zwischen Komik und Melancholie. Und Katharina Hauter ist als Kristina ein zutiefst verletzliches Wesen, das sich hinter einem Panzer aus Coolness und einem rotzig-vulgären Jargon versteckt. […]
    Ihre provokanten Sprüche kontrastieren aufs Schönste mit dem salbungsvollen Predigerton der nach jahrelanger Abwesenheit plötzlich zur Familie zurückgekehrten Großmutter [Gabriela Badura].“
 
Die Rheinpfalz, 29.9.12:

„Kosminski hat das Stück, wie er das bei neuen Theatertexten meistens tut, sehr behutsam, psychologisch genau und ohne Regiemätzchen inszeniert. Die mit naturalistischen Versatzstücken spielende Bühne von Florian Etti bietet ein paar Möbel, eine Duschkabine und viel Handwerkerchaos mitsamt einer riesigen Leiter, die auch beim Suizidversuch der Tochter Verwendung findet. Diese wird von Katharina Hauter gespielt, die ist neu im Mannheimer Ensemble und der heimliche Star dieser Aufführung. Die labile Kristina schlenkert sie anfangs mit trotziger Schlaksigkeit in die Szene, zeigt in der Begegnung mit ihrem nur an Sex interessierten Universitätslehrer das fassungslose Staunen eines aus allen Kinderträumen gerissenen Mädchens, hüllt sich am Ende vernünftig-tapfer in desillusionierten Zukunftspragmatismus.

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Pedro Calderón de la Barca
DAS LEBEN EIN TRAUM
Premiere: 21.09.2012
Inszenierung: Calixto Bieito
Bühne: Calixto Bieito /Carlos Pujol
Kostüme: Mercè Paloma
Dramaturgie: Ingoh Brux

DAS LEBEN EIN TRAUM<br />Premiere 21.09.12<br />© Foto: Christian Kleiner
DAS LEBEN EIN TRAUMPremiere 21.09.12© Foto: Christian Kleiner

Mannheimer Morgen, 24.09.12:
 „Auch wenn Ernst Alisch, jeder Zoll ein jovialer Souverän, manche Sätze im vertraut markanten Timbre nur abliefert, anstatt sie mit Leben zu erfüllen, ist er doch so etwas wie der gute Hirte des Abends, ein Sympathieträger. Vor allem als nackter König, zusammengekauert auf dem Thron, hat er eine anrührende Szene. Resigniert erwartet er seinen siegreichen Sohn und legt für wenige Momente alles Rollenspezifische ab, ist nur noch Mensch, schutzlos, einer, der weiß, dass in seinem Leben vieles falsch gelaufen ist.“
 „[…] Rosaura, die eine schöne Balance zwischen Ruhe und Überschwang zeigt […].“
 „Calderóns Stück spielt in Polen, doch Bieito blendet immer wieder Zitate ein, die an Spanien erinnern, an den Flamenco, an den Stierkampf, aber auch an die Musik, für die er zwei exzellente Sänger verpflichtet hat. Schöne Einfälle, die zunächst auch atmosphärisch unterstützen, was auf sandigem Boden fremd und unheimlich beginnt.“
 
Die Rheinpfalz, 24.09.12:
 „Calixto Bieito holt das Stück seines Landsmannes Calderón mit fast zärtlicher Behutsamkeit Richtung Gegenwart. Er bleibt nah am Text, setzt auf Sprache und Schauspieler und schafft ohne skandalträchtige Regieübergriffe einen wunderbar klugen Theaterabend.“
 „Wie bei seiner Mannheimer Inszenierung von ‚Bernarda Albas Haus‘ lässt Bieito auch diesmal die Provokationskiste des Skandalregisseurs geschlossen, erzählt konzentriert Calderóns Geschichte und treibt seine Schauspieler zu Höchstleistungen.“
 
Rhein-Neckar-Zeitung, 24.09.12:
 „Aber obwohl Bieito mit nur wenigen direkten Aktualisierungen einer Szenerie des Daseins voller Verwechslungen, Verstrickungen und Fallstricke entwarf, aus der kein roter Faden führt, so verwies er doch zugleich auf die irritierenden Unübersichtlichkeiten und verschmelzenden Parallelwelten unserer Gegenwart.“
 
Nachtkritik.de, 24.09.12:
 „Mit Pedro Calderón de la Barcas ‚Das Leben ein Traum‘  (1635) lieferte der Katalane erwartungsgemäß. […] Denn die Koproduktion mit dem Barcelona Internacional Teatre und dem Teatre Romea Barcelona bietet vor allem eines: grandioses Sprechtheater.“
 „Kess-burschikos gibt sie [Michaela Klamminger] Rosaura, die von Herzog Astolfo befleckte und verstoßene Braut, deren Schande ihre Gier nach Vergeltung nährt. Bieitos wohltuend zurückhaltende Einheitsbühnenbild-Manege aber gilt vornehmlich Clarin. Dem Tragikkomischen in Calderóns Text Rechnung tragend, erweist sich Thorsten Danner in der trottelig-clownesk überspitzten Rolle als Idealbesetzung und avanciert prompt zum Publikumsliebling.“
 
Darmstädter Echo, 24.09.12:
 „Das Premierenpublikum feiert Martin Aselmann für seinen energiegeladenen Auftritt. Noch mehr macht sich Thorsten Danner als ‚Lustige Person‘ mit Clownsnase und zerschlissenem Torero-Kostüm im Laufe der zwei Stunden um Tempo und Tragik verdient [...].

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