Pressestimmen Schauspiel Spielzeit 2013/2014


MENSCHEN IM NTM
EIN GESPRÄCH MIT GABRIELA BADURA und PETER W. RAGGE

MENSCHEN IM NTM<br />EIN GESPRÄCH MIT GABRIELA BADURA und PETER W. RAGGE<br />© Foto: Hans Jörg Michel
MENSCHEN IM NTMEIN GESPRÄCH MIT GABRIELA BADURA und PETER W. RAGGE© Foto: Hans Jörg Michel

(Mannheimer Morgen,26.07.2014)

„ ... Aber wenn das Nationaltheater derzeit Tschechows "Kirschgarten" zeigt, wie am heutigen Samstag, 26. Juli, zum letzten Mal in dieser Spielzeit, dann geht es nicht nur um den Abschied von den blühenden Kirschbäumen, sondern auch um den Abschied von Gabriela Badura, der dienstältesten Schauspielerin, im "Kirschgarten" als Diener "Firs" zu sehen.
"Ich lebe ja auch schon lang genug. Als ihr Herr Papa noch gar nicht auf der Welt war, da sollt' ich schon heiraten. Und wie die Bauernbefreiung kam, war ich schon erster Kammerdiener. Ich wollt' aber gar nicht frei werden, sondern blieb fein bei meiner Herrschaft", lässt Tschechow den greisen Lakai in dem Stück sagen. Und am Ende, als der Kirschgarten verkauft ist, seufzt "Firs": "Das Leben ist nun hin - als ob man gar nicht gelebt hätte! Will mich ein Weilchen hinlegen ... Es steckt keine Kraft mehr in dir", so der alte Diener resignierend.

Gabriele Badura spricht diese Sätze, als wären es ihre Sätze. Jetzt steht sie schon bald 40 Jahre auf dieser Bühne im Mannheimer Nationaltheater, 2008 erhielt sie den Bloomaulorden, vor einem Jahr wurde sie sogar zum Ehrenmitglied des Nationaltheaters ernannt. Und jetzt wirklich Abschiedsstimmung, resignativ-seufzend gar wie "Firs"?

Nein, davon kann gar keine Rede sein. Wenn man mit ihr spricht oder sie sieht, wie sie eher spurtend als gemächlich schlendernd im Luisenpark unterwegs ist, wirkt sie keinesfalls wie die 73 Jahre, die sich aus ihrem Ausweis ergeben. Den langsamen, tief gebückten Gang des greisen Dieners hat sie nur auf der Bühne im "Kirschgarten" - sonst läuft sie aufrecht und schnell.

Aber dennoch hat sich Badura genau diese Rolle gewünscht, ist die große Dame des Mannheimer Schauspiels damit erstmals als Mann zu erleben. Wobei sie den Gedanken daran, dass "Firs" ein Mann sein könnte, auch verwirft. "Eigentlich ist es ein gesichtsloser, geschlechtsloser Diener", beschreibt Badura ihre Rolle. Für die Herrschaften, die längst Pleite gegangenen, aber noch großkotzigen russischen Großgrundbesitzer sei es "völlig Wurst", wer und was ihr Diener sei. Der sei eben schon immer da, fertig.

Badura ist zwar irgendwie auch schon immer da am Nationaltheater - aber eben nicht als seelenlose Staffage, sondern als verehrter, geschätzter Publikumsliebling in über 120 Rollen, beliebt bei Kollegen, Bühnenarbeitern und Zuschauern gleichermaßen.

"Ich nutze die Zeit in der Maske, um mental in die Rolle einzusteigen" sagt Badura. Aber stark geschminkt oder frisiert werden müsse sie für die Rolle nicht. "Ich bin doch schon alt, meine Haare sind so und bleiben einfach so, und wenn ich mich anders bewege, reicht das", betont sie.

Und dann lässt sie eben auch erkennen, dass es ihr generell reicht. "Ich bin doch schon lange über der Pensionsgrenze", sagt sie lachend. Ganz zu Beginn ihrer Karriere habe sie, unter Schauspieldirektor Claus Leininger (1974-77), im "Kirschgarten" die 22 Jahre alte Pflegetochter Warja gespielt, nun eben den alten Diener. "Ich denke, da schließt sich ein Kreis. Viele Stücke laufen ja fünf Jahre oder mehr, da werde ich wohl keine neue Rolle mehr annehmen. Man muss auch mal aufhören. Ich will noch ein paar Jahre mit meinem Mann genießen und Freiheit haben", kündigt sie an. Sie sei jetzt eben alt, alt wie "Firs", auch wenn man es kaum glauben kann.“


 

Nach oben


HAMLET, Premiere 25.06.2014
nach William Shakespeare
Inszenierung: Krzysztof Minkowski
Bühne und Kostüme: Konrad Schaller
Licht: Björn Klaassen
Dramaturgie: Stefanie Bub

HAMLET<br />Premiere 25.06.2014<br />© Foto: Christian Kleiner
HAMLETPremiere 25.06.2014© Foto: Christian Kleiner

Eine Kooperation der Mannheimer Bürgerbühne, der Justizvollzugsanstalt Mannheim und des Justizvollzugssportclubs Rot-Weiß Mannheim

„In den zwiespältigen Gefühlen des Prinzen von Dänemark können die im Programm namenlos bleibenden Darsteller anonym die eigenen inneren Brüche spiegeln und so einen distanzierten Blick auf sich selbst gewinnen, zugleich den Zuschauern eine Ahnung dieser inneren Spannungszustände vermitteln.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 27.6.2014)

„Unter den unzähligen Inszenierungen des Hamlet-Stoffes dürfte dies eine der ungewöhnlichsten sein. Hart und heftig geht es her in einer Aufführung von Shakespeares Tragödie im Mannheimer Gefängnis.“
(Die Rheinpfalz, 27.6.2014)

„Die Forderung „Befreit alle Gefangenen!“ mag da noch humoresk klingen. Dass „das ganze verdammte System“ nicht stimme, dass wir alle Kriminelle seien, ist ebenso zu hören wie die Stammtischphilosophie, dass man „diese Tiere alle einsperren oder – weil billiger – besser gleich einschläfern“ sollte. Das ist scharf und zynisch, willkommen in einem Theater, das sich bis an die extremen Pole gesellschaftlicher Debatten wagt.“
„So spärlich hier mit Kostüm, Maske und Bühnenbild (Konrad Schaller) auch umgegangen wird, großes Theater gibt es gegen Ende der gut 45 Spielminuten dennoch.“
„Danach kann nichts mehr oder nur noch eines kommen: großer Applaus für die sechs Darsteller und das Regieteam. Und für eine Leistung, die aller Ehren wert ist und jeden Aufwand und jede Mühe lohnt.“
(Mannheimer Morgen, 27.6.2014)


 

Nach oben


MENSCHEN IM NTM
EIN INTERVIEW (23.06.2014) MIT PETER PEARCE
MITGLIED DES SCHAUSPIELENSEMBLES

Peter Pearce<br />Interviews<br />© Foto: CL
Peter PearceInterviews© Foto: CL

Peter, dies ist Deine letzte Spielzeit als Ensemblemitglied im Schauspiel des Nationaltheaters. Was nimmst Du aus den vergangenen acht Jahren mit?

Was ich mitnehme, werde ich, glaube ich, erst so richtig wissen, wenn ich weg bin. Ich habe so vieles am NTM erlebt, dass ich das Gefühl habe, das ganze Haus »mitzunehmen«. Aber noch bin ich hier und das ist schön. Von Anfang an habe ich das NTM als eine Art Familie gesehen und erlebt. Wie in jeder Familie hat man mal schöne und mal schwere Zeiten. Im Ensemble arbeitet man sehr intensiv miteinander, sowohl emotional als auch physisch, und jede Erfahrung macht einen reicher. Auch die deutsche Sprache ist ein Schatz, den ich mitnehmen werde. Am NTM durfte ich sowohl spannende zeitgenössische als auch klassische Werke von Goethe, Schiller und Brecht spielen. Das waren immer schöne Herausforderungen.

Deine Muttersprache ist Englisch. Wie ist es, Theater in einer fremden Sprache zu spielen?

Als US-Amerikaner Mitglied in einem deutschen Sprechtheaterensemble zu sein, ist für mich eine hart verdiente Ehre. Wenn man in einer fremden Sprache spielt, muss man mit den Betonungen sehr aufpassen. Sie sind oft ganz anders, als man es kennt. Manchmal benutze ich aber auch ganz bewusst Betonungen, die für deutsche Ohren eher ungewohnt sind. Das sorgt für Spannung auf der Bühne und zwingt die Kollegen, die Zuschauer und auch einen selbst dazu, wachsam zu bleiben. Man bleibt sozusagen im Moment. Meine intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache gehört oft zu den wesentlichen Elementen, von denen meine Charaktere geprägt werden. Ich spiele gerne mit der Sprache und da kommen oft spannende Sachen raus. Auch wenn es manche irritiert. Eine große sprachliche Herausforderung für mich war und ist meine Rolle als Duke Orsino in Shakespeares Was ihr wollt, das am 2. Juli wiederaufgenommen wird. Burkhard C. Kosminski wollte, dass ich in seiner Inszenierung sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch spiele. Auch wenn Englisch meine Muttersprache ist, ist es schwieriger als man denkt, zwischen den zwei Sprachen zu wechseln. Vor allem mitten im Versmaß. (lacht)

Was ihr wollt ist nicht das erste Shakespearestück, in dem Du mitspielst. Du warst vor Deiner Zeit am NTM Mitglied der Bremer Shakespeare Company. Was magst Du bei Shakespeare am meisten und was gefällt Dir an Deiner Rolle als Herzog Orsino besonders?

Für mich ist William Shakespeare der größte Dramatiker überhaupt. Ich liebe die Leidenschaft in seinen Werken. Egal, ob man groß oder klein, laut oder leise spielt, die Leidenschaft ist immer dabei. Bei Shakespeare kann das kleinste Wort die größten Gefühle enthalten. Natürlich tragen die Musik und der Rhythmus seiner Sprache viel dazu bei. »If music be the food of love, play on«, ist eine meiner Lieblingszeilen aus Was ihr wollt. Für Burkhard C. Kosminski und sein Team hat die Ästhetik bei der Inszenierung von Was ihr wollt eine sehr große Rolle gespielt. Das Bühnenbild, die Kostüme, die Maske und die große emotional inszenierte Spielweise führen zusammen zu einem Ergebnis, das man als reine poetische Kunst beschreiben kann. Die Inszenierung ist sehr dunkel, gleichzeitig aber auch komisch. Themen wie Sexualität, Genderspiel, Liebe und Rache bekommen viel Raum. Das Publikum wird irritiert und aus seiner Komfortzone herausgeholt. Und genau das ist ein Grund, warum man sich diese Inszenierung auf jeden Fall ansehen sollte. Als Duke Orsino darf ich leidenschaftlich an der und für die Liebe leiden. Um diese Rolle zu kreieren, musste ich sowohl körperlich als auch emotional und sprachlich an meine Grenzen gehen. Daran bin ich als Schauspieler gewachsen und konnte meine künstlerischen Grenzen erweitern. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich diene dem Charakter, nicht der Charakter mir. Diese Arbeitsweise ist ein Teil von mir, ebenso wie meine Zeit am NTM.

Das Gespräch führte Evangelia Tsogka.

Nach oben


Anton Tschechow
DER KIRSCHGARTEN, Premiere 20.06.2014
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Hans Platzgumer
Choreografie: Jean Laurent Sasportes

DER KIRSCHGARTEN<br />Premiere 20.06.2014<br />© Foto: Christian Kleiner
DER KIRSCHGARTENPremiere 20.06.2014© Foto: Christian Kleiner

„Nur selten glückt eine in so hohem Maße überzeugende Klassiker-Inszenierung wie sie jetzt bei der Premiere von Tschechows letztem großen Stück „Der Kirschgarten“ am Nationaltheater Mannheim zu sehen war. Die feinfühlige Regie des Schauspielintendanten Burkhard C. Kosminski eröffnet dem Stück ebenso wie den Schauspielern viel Raum zu nuancenreicher Entfaltung, und eine Besten-Auslese seines Ensembles weiß diese Chance eindrucksvoll zu nutzen.“
„Aus der Vielzahl hervorragender schauspielerischer Leistungen sei hier stellvertretend nur noch Klaus Rodewalds Lopachin hervorgehoben. Wie dieser scheinbar ganz auf gesellschaftliches Ansehen und materiellen Gewinn fixierte Mensch vom Rausch, durch den Verkauf des Kirschgartens endlich sein Traumziel erreicht zu haben, in den Daseinsschmerz über ein „elendes, klägliches Leben“ abstürzt, gehört zu den bewegendsten Momenten des Abends.“
„Wunderbar von Jean Sasportes in Florian Ettis Bühnenbild hineinchoreografiert: Die folkloristischen Tanzeinlagen des Ensembles (Musik: Hans Platzgumer). Da waren alle – auf der Bühne wir im Parkett – für kurze Zeit nah beieinander im Wunsch, das ganze Leben möge doch so ein Fest sein…“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 24.6.2014)

„Dascha Trautweins glänzend gespielte Anja ist ein hoffnungsfrohes Beispiel hierfür, und selbst der spröden, fleißigen Warja (beherzt: Katharina Hauter) wünschen wir alles Gute für die Zukunft.“
„Burkhard C. Kosminski setzt auf die irritierende Genrebezeichnung des Autors und lässt das Stück als pralle Komödie spielen. Mit viel Musik von Akkordeon bis Balkan-Polka (Ralf Dittrich und Hans Platzgumer), mit quirligen Choreografien und Polonaisen, mit Slapstick (exzellent: Sven Prietz und Michaela Klamminger) und hoher Geschwindigkeit.“
„Dennoch ist dem Hausherrn ein Ensemble-Abend gelungen, der durch große Mimen in kleinen Rollen (Badura, Dittrich, Malan) und – bei aller launigen Elendsheiterkeit – bewegende Momente in den Dialogen überzeugt, die auch in der Russendisko von hohem Ernst geprägt sind.“
„Es ist auch ein Abend für große Soli: Ralf Dittrichs chansoneske Erzählung, Ragna Pitolls einsame Tränen im Abendkleid (gelungene Kostüme: Lydia Kirchleitner) und Gabriela Baduras einsamer Auf- und Abtritt werden einem in Erinnerung bleiben.“
(Mannheimer Morgen, 23.6.2014)

„Das Mannheimer Ensemble spielt das alles mit großer Detailfreude und psychologischer Genauigkeit, es gelingen viele kleine Momente hoffnungsvollen Glücks und niederschmetternder Enttäuschung: […]“
(Die Rheinpfalz, 23.6.2014)

Nach oben


Philipp Löhle
WIR SIND KEINE BARBAREN! (DE), Premiere 19.06.2014
Inszenierung: Dominic Friedel
Bühne und Kostüme: Peter Schickart
Video: Regina Hess
Licht: Wolfgang Schade
Dramaturgie: Lea Gerschwitz

WIR SIND KEINE BARBAREN! (DE)<br />Premiere 19.06.2014<br />© Foto: Christian Kleiner
WIR SIND KEINE BARBAREN! (DE)Premiere 19.06.2014© Foto: Christian Kleiner

„Gesungen wird der Befindlichkeitsreigen von 25 Mannheimer Bürgern, für die der Regisseur und Chorleiterin Claudia Sendlinger beeindruckende Sprech-, Sing- und Spielmöglichkeiten ersonnen haben.“ (Mannheimer Morgen, 21.6.2014)

„Insgesamt ein flotter bis spritziger, auch vielschichtiger Theaterabend in der Ausstattung von Peter Schickart (Bühne und Kostüme) und mit Video-Einspielungen von Regina Hess, der jedoch auch die Zuschauer immer wieder aufs Glatteis der verbreiteten Selbstzufriedenheit führt, wo die vordergründige Ordnung dann rasch ins Rutschen gerät und die Darsteller schon mal mit  - eindrucksvollen – Affenmasken auftreten.“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 21.6.2014)

„Die Figurenkonstellation von Philipp Löhle ist klassisch modern, eine Versuchsanordnung wie bei Yasmina Reza oder Roland Schimmelpfennig: Zwei Paare aus dem Milieu der politisch korrekten Prosecco-Trinker, Milchaufschäumer und Mülltrenner, in herzlicher Abneigung miteinander verbunden, machen Smalltalk auf Teufel komm raus.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.6.2014)

„Philipp Löhle schreibt wie das Leben ist, […]. Er weiß, wie Gesellschaftskritik heute am besten verstanden wird, nämlich locker, fast komödiantisch. Und er versteht etwas von schrillen Paarbeziehungen, hervorragend gespielt von den Akteuren. Mit dem Regisseur Dominic Friedel hat der Dramatiker schon einige viel beachtete Inszenierungen gemacht und auch bei „Wir sind keine Barbaren!“ zeigt Friedel die ganze Palette der Möglichkeiten einer kleinen Studiobühne inklusive Zuschauerbeteiligung. Sehr schnell, sehr auf den Punkt gespielt und keine Minute langweilig.“ (SWR, 20.6.2014)

Nach oben


JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG 2014 des DEUTSCHEN
BÜHNENVEREINS in Mannheim am 13./14. Juni
Gastgeber ist das Nationaltheater Mannheim

Rund 250 Teilnehmer werden erwartet und diskutieren zu aktuellen Themen, auch dem Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Kunst. Die Jahrestagung ist bereits zum 5. Mal Gast in Mannheim. Ziel des 1846 gegründeten Bühnenvereins ist es, die Vielfalt der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Statistik des DBV weist auf: 143 Staatstheater, Stadttheater und Landesbühnen sowie 131 Orchester, 218 Privattheater und 73 Festspiele.

Klaus Zehelein, Präsident des Deutschen Bühnenvereins hat dem Mannheimer Morgen ein Interview gegeben, dass wir hier ungekürzt wiedergeben möchten. Die Fragen stellte Eckhard Britsch, Mannheimer Morgen vom 12.06.2014

Herr Zehelein, was bewegt Sie?
Klaus Zehelein: Zum Beispiel, was in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt, aber auch in einer Stadt wie Wuppertal passiert. Welche Tendenzen sind dort ablesbar, wenn Politiker, die mit jenen, die verantwortlich sind für die kulturellen Institutionen, nicht mehr reden, sondern einfach nur noch entscheiden, auch Fehlentscheidungen treffen? Wuppertal hat kein Opernensemble mehr und das Schauspiel wurde radikal abgeschmolzen. Das ist skandalös.

Was sind die Folgen?
Zehelein: Dabei wird eine Tendenz deutlich: Dass die Ensembles kleiner oder gar abgebaut werden, dass es immer mehr Gastverträge gibt. Damit nimmt die Diskursfähigkeit der Häuser für die Stadtkultur ab. Weiterhin: Es werden immer mehr Produktionen mit schrumpfenden Probenzeiten herausgebracht. Das sind problematische Entwicklungen.

Vielen Kommunen geht es - rechnerisch - wieder besser. Spüren das die Theater?
Zehelein: Grundsätzlich: Vermehrtes Steueraufkommen schlägt nicht direkt durch. Kommunen und Länder haben Tariferhöhungen für den öffentlichen Dienst ausgehandelt, doch in grober Schätzung bekommt ungefähr ein Drittel der Künstlerinnen und Künstler in den Häusern diese Erhöhung nicht, ein Drittel teilweise und ein Drittel ganz. Die regionalen Unterschiede sind allerdings beträchtlich. Dennoch: Man kann sagen, dass das Niveau der Kunst- und Kulturfinanzierung in Deutschland so ist, dass Theater und Orchester, mit Ausnahme regionaler Brennpunkte, ihren öffentlichen Auftrag wahrnehmen können.

Seit Jahrzehnten stimmen die Intendanten das Klagelied an, Tariferhöhungen gingen zu Lasten des Künstleretats; hochgerechnet gäbe es jetzt keine Künstler mehr.
Zehelein: Nein, so ist es nicht. Auch beim nicht-künstlerischen Personal wurden viele Stellen abgebaut und es hat sich in der Politik doch ein anderes Bewusstsein entwickelt dafür, dass die Etats der Häuser zwischen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und den Künstlern im Lot sein müssen, dass die Theater diese notwendigen, an den öffentlichen Dienst angebundenen Gagen nicht mehr als Eigenleistung erbringen können.

Sind die Theater Getriebene oder reagieren sie aus freien Stücken?
Zehelein: Das ist dialektisch zu sehen: Natürlich reagiert Theater auf gesellschaftliche, soziale und politische Bewegungen, das heißt aber nicht, dass wir Getriebene wären, denn die Spannung zwischen Notwendigkeit und Freiheit muss immer wieder neu ausgelotet werden.

Der Bereich "Kulturwirtschaft" wird ebenfalls angesprochen?
Zehelein: Ja, uns macht große Sorgen, dass selbst das europäische Kulturförderungsprogramm "Kreatives Europa 2014 - 2020" nicht mehr zwischen profitorientierten Unternehmungen und künstlerischer Praxis trennt. Das ist verhängnisvoll.

Macht Ihnen die zunehmende Quotenmentalität Sorgen?
Zehelein: Theaterleute denken - auch - ökonomisch. Wenn wir aber nur noch Dinge betreiben, die unsere Besucher, unser Publikum als Kunden, als Konsumenten behandeln, dann wären wir wieder im verhängnisvollen Bereich der Dienstleistung. Die Priorisierung der Quote ist eine verhängnisvolle Entwicklung, die uns das Fernsehen beschert hat. Das Schauspiel, der Tanz und die Musik stellen Öffentlichkeit nicht um ihrer selbst willen her, sondern weil sie ein künstlerisches Wollen antreibt und damit den kulturellen Auftrag unserer Gesellschaft wahrnehmen, und dies, wenn möglich, vor vollen Häusern.
Welche Assoziationen haben Sie zum Nationaltheater in Mannheim?
Zehelein: Wunderbar, das erste Theater, das vom Hoftheater zum Theater der Bürger wurde. Ich habe mich öffentlich für die neue Leitungsstruktur ausgesprochen. Ich finde sie überzeugend, wir haben diese Struktur in Stuttgart ausprobiert und gelebt. Die Intendanten sind künstlerisch eigenverantwortlich und es kommt dadurch zu mehr Zusammenarbeit der Sparten. Ich beglückwünsche Mannheim dazu.


 

Nach oben


OFFENER BRIEF von Burkhard C. Kosminski
Intendant Schauspiel am Nationaltheater Mannheim
11.06.2014

"Die Kultur erlebt einen Bedeutungsschwund in erschreckendem Ausmaß"

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Wanka,
sehr geehrte Frau Staatsministerin Grütters,
sehr geehrte Frau Ministerin Bauer,
sehr geehrter Herr Minister Stoch,

Das Nationaltheater Mannheim wurde 1839 von einem Hoftheater in die städtische Trägerschaft überführt. Es ist heute das älteste kommunale Theater der Welt.

Das Nationaltheater war in diesen 175 Jahren immer ein Zentrum der Öffentlichkeit und Ort des Austauschs unter Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft, vor allem aber war es Ausdruck selbstbestimmter Bürgerlichkeit und selbstbestimmten Lebens. Die Sorge darüber, dass Kultur und Bildung in absehbarer Zukunft diesen Stellenwert in unserer Gesellschaft verlieren, veranlasst mich Ihnen diesen Offenen Brief zu schreiben. Ganz herzlich möchte ich Sie alle für den Herbst 2014 nach Mannheim einladen, um darüber nachzudenken, ob das bisherige Modell Kultur und Bildung von einander zu trennen, noch zeitgemäß ist, oder ob es nicht notwendig ist, gemeinsam eine neue Vision für die Zukunft zu entwickeln.

Die Kultur erlebt einen Bedeutungsschwund in erschreckendem Ausmaß; die öffentlichen Diskussionen sind von Fatalismus geprägt; die Demokratie scheint auf diese Herausforderungen nur schleppend zu reagieren. Die Schuldenbremse, die Bund und Ländern zwingend vorschreibt, von 2020 an keine Schulden mehr zu machen, wird die fatalen Konsequenzen der jetzigen Entwicklung schlagend deutlich machen: Es gibt keine Ziele mehr jenseits des Sparzwangs. Es gibt keine verbindenden Werte jenseits der Ökonomie. Ich möchte nicht, dass unsere Kinder von Schulden erdrückt werden, ich will aber auch nicht, dass sie in einer orientierungs- und wertlosen Welt aufwachsen müssen. Deshalb halte ich es für eine gute Idee, den bislang für andere - und weitgehend erfüllte - Zwecke genutzten Solidaritätszuschlag der deutschen Steuerzahler umzuwidmen und zukünftig für Kultur und Bildung zu verwenden.

Warum dieser dramatische Appell? Die Situation ist nicht nur für viele Theater lebensbedrohlich. Laut Schuldenbremse muss der Bund sein strukturelles Defizit bis 2016 zurückführen. Die Länder dürfen ab 2020 keine Schulden mehr machen. Es ist schon heute absehbar, dass die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse für die Kultur einen radikalen Kahlschlag bedeuten wird. Wenn die Schuldenbremse greift, ist zu befürchten, dass ein Großteil der deutschen Stadttheater und damit ein großer Teil der Kultur von der Landkarte verschwinden wird, denn wo sonst könnten die Kommunen streichen als bei den "freiwilligen Ausgaben" für Kultur? Für die schon heute unterfinanzierten Städte droht eine Ungleichheit nicht nur ökonomisch sondern auch kulturell. Schon jetzt findet innerhalb der kulturellen Eigenbetriebe der Kommunen, wenn es zu Tariferhöhungen kommt, ein brutaler Verteilungskampf statt. Da viele Kommunen hier nicht wie in allen anderen städtischen Bereichen Tarifsteigerungen ausgleichen, stehen viele Theater seit Jahren unter einer dauernden Sparkuratel. Wohl in keiner anderen öffentlichen Institution wurde so viel gespart wie in den Theatern.

Ich frage mich, ob es zulässig ist, von Zuschüssen zu sprechen - Universitäten und Krankenhäuser bekommen ja auch keine Zuschüsse, sondern sind gesetzlich vorgeschriebene Grundversorgung.

Auch Kultur und Bildung sind elementare Bestandteile einer Gesellschaft - wenn dieser Begriff "Gesellschaft" denn noch eine Bedeutung hat. Was passiert, wenn das nicht der Fall ist, kann man in vielen europäischen Ländern sehen. In Griechenland und in Italien wurden zahlreiche Theater und andere Kultureinrichtungen finanziell zugrunde gerichtet. Worum es - auch im größeren Zusammenhang - geht, zeigt sich am altehrwürdigen Teatro Valle in Rom. Ähnlich wie das Nationaltheater Mannheim war das Valle im Jahr 1822 eines der ersten Theater Europas, das Vorstellungen für die generelle Öffentlichkeit anbot. Dieses Theater, in dem einst Mozart, Rossini und später Pirandello arbeiteten, wurde im Juni 2011 von Schauspielern, Theaterangehörigen aber auch anderen Bürgern besetzt, nachdem die kommunale Politik es an private Bieter verhökern wollte. Die Besetzung fand nur Tage nach einem öffentlichen Referendum in Italien statt, bei dem über 95 Prozent der Wähler dafür gestimmt hatten, Wasser als "bene comune", als Gemeingut zu sehen und die kommerzielle Privatisierung zu verbieten. Die Besetzer des Teatro Valle verlangten, dass Kultur wie Wasser auch ein Gemeingut ist, das gesetzlich garantiert werden soll. Mit der Unterstützung namhafter Anwälte schaffte es das Teatro Valle tatsächlich vor Gericht, seinen Status als Gemeingut zu verteidigen - und die Besetzung zu legalisieren. Wollen wir solche Auseinandersetzungen schon bald auch in Deutschland?

Es macht mich traurig und verzweifelt, dass Kultur heute nur über Subventionen definiert und ausschließlich ökonomisch diskutiert wird. Ich wünsche mir, gemeinsam mit Ihnen eine neue Wertedebatte zu führen, jenseits der zynischen Finanz- und Rentabilitätsdiskussion!
Warum sollten wir Angst haben vor einer solchen Auseinandersetzung? Warum können wir die Diskussion, wie wir selbst und unsere Kinder leben sollen und wollen, nicht offen führen?

Zeitgleich mit dem Theatersterben erleben wir eine dramatische Krise der Printmedien. Das Zeitungssterben droht viel umfassender zu werden, als wir uns im Moment noch vormachen. Laut der Bundesagentur für Arbeit gab es in den vergangenen Jahren die größte Entlassungswelle in der Presse seit Kriegsende. Millionenverluste selbst bei den überregionalen Leitmedien haben zu Massenentlassungen, Einstellungsstopps oder zur Insolvenz wie bei der "Frankfurter Rundschau" geführt.

Theater, Kunst und Zeitung sind Refugien kritischer Selbstreflexion, ohne die es keine Meinungs- und Willensbildung geben kann, ohne die die Demokratie selbst ihren Wert verliert. Es macht mir Angst, dass gleichzeitig Theater und Zeitungen in dieser Weise bedroht sind. Wo werden wir künftig unsere Meinung sagen dürfen?

Wir brauchen gemeinsame Werte, die in jeder Stadt offen und öffentlich diskutiert werden sollten. Solche Streiträume sind gelebte Demokratie und verhindern radikale Strömungen, Intoleranz und rechtsextreme Tendenzen. Wenn wir es mit Demokratie ernst meinen, dann muss etwas geschehen.

Ich wünsche mir, dass in dieser besorgniserregenden Situation die Politik ihrer Verantwortung gerecht wird. Wie soll die Welt aussehen, in der unsere Kinder zu Erwachsenen werden? Wie wollen wir alle in Zukunft leben? Die Fragen sind einfach, aber man muss sie stellen. Es geht nicht um komplizierte Sachverhalte, es geht um Haltung. Es geht darum, dass wir alle gemeinsam, aber auch Sie als Politiker im Besonderen, diese Verantwortung übernehmen.

In einer Wertedebatte sind Kultur und Bildung nicht länger voneinander zu trennen. Der Rückzug der Schulen in den Achtzigerjahren aus dem musischen und kulturellen Fächerkanon schlägt jetzt als kulturelles Defizit in diesen Generationen zurück. Die immense Bedeutung der kulturellen Bildung für die persönliche Entwicklung zeigt die Berliner Langzeitstudie von Hans-Günther Bastian (2000). Föderalistische Bildungspolitik muss sich, wenn von kultureller Bildung gesprochen wird, neu aufstellen. Die Förderstruktur von Bund und Land muss neu diskutiert werden.

Ich halte es für einen guten Vorschlag, in dieser dramatischen Situation den Solidaritätszuschlag umzuwidmen und zukünftig für Kultur und Bildung zu verwenden.
Mit der Nutzung dieser Abgabe für Kultur- und Bildungszwecke kann die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft erhalten werden und könnten auch die drängendsten bildungspolitischen Aufgaben erfüllt werden.

Und warum denken wir nicht auch darüber nach, ob der Rundfunkbeitrag auch den Printmedien zugutekommen könnte? Diese Steuer sollte kritischem Journalismus und der Medienvielfalt nutzen und nicht nur den Sendeanstalten und ihren Rentenempfängern.

Ich fordere außerdem gemeinsam mit vielen anderen die Vertreter der Bundesregierung auf, alles dafür zu tun, damit die Kultur aus dem derzeit diskutierten Freihandelsabkommen mit den USA herausgelöst wird. Kultur ist keine Handelsware.

Ich bitte Sie, als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Baden-Württemberg, diese Debatte gemeinsam mit uns zu führen und lade Sie dazu ganz herzlich nach Mannheim ein, wo wir im Herbst das 175-jährige Jubiläum unseres Nationaltheaters in kommunaler Trägerschaft und damit im ältesten kommunalen Theater der Welt feiern.
Ich möchte gern gemeinsam mit Ihnen eine Vision zur Sicherung der Kulturnation Deutschland entwickeln und dieses Signal als Botschaft in die deutsche Kulturlandschaft senden.

Mit freundlichen Grüßen,

Burkhard C. Kosminski
Intendant Schauspiel Nationaltheater Mannheim

Nach oben


„Theater der Welt 2014“ zu Gast in Mannheim
23. Mai bis 8. Juni

„Theater der Welt 2014“ zu Gast in Mannheim<br />23. Mai bis 8. Juni<br />
„Theater der Welt 2014“ zu Gast in Mannheim23. Mai bis 8. Juni

11.03.2014 – der Vorverkauf hat begonnen. www.theaterderwelt.de
Kurator des Festivals ist Matthias Lilienthal, früherer Leiter des HAU in Berlin, designierter Intendant der Münchner Kammerspiele und zwischenzeitlich Professor in Beirut.

„Theater der Welt“ ist eines der bedeutendsten internationalen Theaterfestivals in Deutschland und präsentiert alle drei Jahre in einer anderen Stadt oder Region die innovativsten Entwicklungen des Theaters aus aller Welt. Vom 23. Mai bis 8. Juni ist „Theater der Welt 2014“ in Mannheim zu Gast und wird vom Nationaltheater Mannheim ausgerichtet. Das Festival bringt nicht nur internationales Theater nach Mannheim, sondern lädt mit großen Projekten im Stadtraum auch zu einer Verkehrung der Perspektive auf die eigene Stadt ein, die plötzlich fremd und unbekannt wird.

Im Rahmen des Projekts „HOTEL shabbyshabby“, das wir gemeinsam mit raumlaborberlin realisieren, errichten wir an verschiedenen Orten der Stadt temporäre Hotelzimmer. Die Bewohner Mannheims sind eingeladen, in ihrer eigenen Stadt zu Gast zu sein und z.B. am Neckarufer oder auf dem Dach eines Kaufhauses am Paradeplatz zu übernachten.
Mit dem Projekt „X Firmen“ nähern wir uns mit vielen verschiedenen künstlerischen Ansätzen der Schnittstelle zwischen Privatem und Öffentlichem – der Arbeitswelt. Indem künstlerische und industrielle Produktion aufeinander treffen, stellen wir gleichzeitig die Frage, wie weit sich Mannheim – und damit eine industriell geprägte Stadt – zu einer kulturellen und „kreativen“ Stadt umbauen lässt.

Neben diesen Stadtprojekten präsentiert „Theater der Welt 2014“ in Mannheim vier Inszenierungen, die eigens für das Festival entstehen: Philippe Quesne, Toshiki Okada, Nicolas Stemann und Markus Öhrn produzieren Auftragsarbeiten, die in Mannheim ihre Uraufführung erleben.
Bei „Theater der Welt 2014“ fehlen neben den Neuproduktionen und der Vorstellung von jungen Positionen nicht die Größen der internationalen Festivalszene, z.B. Anne Teresa de Keersmaekers Arbeit „Vortex Temporum“ mit dem Ictus Ensemble. Sie bringt in ihrer Choreografie Musiker und Tänzer gleichermaßen in Bewegung und liefert ihre stärkste Arbeit seit langem ab. Der brasilianische Choreograf Bruno Beltrão zeigt mit seiner Grupo de Rua die Arbeit „CRACKz“, die die Bewegungen des Streetdance und HipHop zu einer dynamischen Tanzperformance verdichtet.

Wir laden Sie herzlich ein zu neuen theatralen Erlebnissen in der Stadt und auf der Bühne und freuen uns auf die 17 Tage dauernde Party mit Ihnen!

Theater der Welt 2014 ist ein Festival des Internationalen Theaterinstituts (ITI), ausgerichtet vom Nationaltheater Mannheim, gefördert durch die Stadt Mannheim, die Baden-Württemberg Stiftung und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck.


 

Nach oben


Schillerpreis 2014
Verleihung an Georg Stefan Troller am 11.05.2014
Würdigung durch Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz

im Anschluss:
ein Gespräch mit Gero von Boehm und Georg Stefan Troller
im Anschluss:
Georg Stefan Troller liest aus seinem neuen Buch „Mit meiner Schreibmaschine“

„Das Preisgericht unter dem Vorsitz des Mannheimer Oberbürgermeisters Peter Kurz hatte im vergangenen November über die Vergabe an Troller beraten und seine Entscheidung damit begründet, dass der 92-jährige gebürtige Wiener der, der seit etwa 50 Jahren in Paris lebt, mit seiner Biografie ein Stück europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts verkörpere.“ (Die Rheinpfalz, 12.5.2014)
„Eine Preisverleihung wurde zu zwei unvergesslichen Stunden voll Klugheit, ja Weisheit und Menschlichkeit. Im Nationaltheater nahm Georg Troller nicht nur den renommierten Schillerpreis der Stadt Mannheim aus der Hand von Oberbürgermeister Peter Kurz entgegen, samt allen lobenden Ehrungen. Sondern der 92-Jährige gestaltete auch eine spannende wie anrührende Matinee über einen erfüllten Lebensweg im 20. Jahrhundert. Ein unvergessliches Erlebnis für alle, die dabei waren.“    (Rhein-Neckar-Zeitung, 13.5.2014)

„‘Eine Personenbeschreibung in Form eines Gesprächs‘, kündigte Oberbürgermeister Peter Kurz in seiner Ansprache vor der eigentlichen Preisverleihung an, konzipiert in Anlehnung an die subjektiv gefärbten, einfühlsamen Porträts und Interviews des Geehrten, mit denen er Fernsehgeschichte schrieb und insgesamt ‚zur kulturellen Entwicklung in hervorragender Weise beigetragen hat‘, wie es das Selbstverständnis der bedeutendsten Auszeichnung der Stadt vorsieht.“    (Mannheimer Morgen, 12.5.2014)

„Seine betont subjektive Befragungsweise, seine einfühlsame wie kritische Methode der Personenbefragung sei zum Vorbild für viele Journalisten geworden, betonte Kurz in seiner Ansprache.“
„‘Für mich ist Troller einer der letzten großen Literaten. Einer der ganz Großen. Einer, der Literatur mit anderen Mitteln, nämlich dem Mittel des Dokumentarfilms erzählt. Dieses beherrscht er wie kaum ein anderer. Er ist einer der letzten großen Erzähler‘, urteilte von Boehm über Trollers Lebenswerk.“    (Rheinneckarblog, 13.5.2014)


 

Nach oben


NThusiasten - JUBILÄUM 05.05.2014

NThusiasten - JUBILÄUM 05.05.2014<br />© Foto: NThusiasten<br />
NThusiasten - JUBILÄUM 05.05.2014© Foto: NThusiasten

5 Jahre NThusiasten, das sind über 100 einzelne Veranstaltungen mit weit mehr als 1000 jungen Gästen – und die wollten würdig begangen werden. Und so hieß es am Montag, den 5. Mai im Studio Werkhaus: High Five!
Über 100 Jubiläums-Gäste durften wir zu diesem besonderen Abend begrüßen, an dem sich neben dem Geschäftsführenden Intendanten, Dr. Ralf Klöter, auch der 1. Vorsitzende der Freunde und Förderer, Prof. Dr. Achim Weizel und seine Stellvertreterin Christina Limbourg die Zeit für Worte des großen Lobes nahmen. Und so war einem Abend, der allen in Erinnerung bleiben sollte, auch schon der Weg bereitet. Nach einer begeistert beklatschten und einer um drei Zugaben verlängerten Vorstellung von „BITCHFRESSE – ich rappe also bin ich“ genossen unsere Gäste Buffet und Sekt, erlebten die Ernennung zweier Ehren-NThusiasten, nahmen an Foto-Aktion und Jubiläums-Quiz teil und tanzten im Casino Werkhaus durch bis um 2 Uhr morgens. Dann läutete die letzte Runde auch für die angeregtesten Gespräche das Finale ein und ein engagiertes Team, das sich wochenlang auf diesen Geburtstag vorbereitet hatte, strich die Segel – um die vergangenen Stunden im Geiste noch lange mit sich zu tragen!

http://www.nthusiasten-mannheim.de/1307.html

Nach oben


Nachruf
Klaus Schultz (1947- 2014)
Ehrenmitglied der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e.V.
Generalintendant des Nationaltheaters Mannheim 1992 - 1996

Klaus Schultz (1947- 2014)<br />© Foto: MM
Klaus Schultz (1947- 2014)© Foto: MM

Unser Ehrenmitglied Klaus Schultz, ehemaliger Generalintendant des Nationaltheaters Mannheim (1992 -1996), ist verstorben. Mit großer Bestürzung und Trauer haben die Freunde und Förderer auf diese Nachricht reagiert. Klaus Schultz hat das Nationaltheater Mannheim in einer außerordentlich schwierigen Zeit übernommen. Unter seiner Leitung fand die Generalsanierung des Hauses mit kompletter Schließung des Spielbetriebes statt. Klaus Schultz und seine Mannschaft haben dieses aufwendige logistische Problem in bewundernswerter Weise bewältigt. Viele Theaterbesucher erinnern sich noch an auf- und anregende Aufführungen auf dem Maimarkt, in Neckarau, im Rosengarten und in   Schwetzingen. Klaus Schultz war ein strenger Verfechter des Ensembletheaters, er hat zahlreiche Talente an das Haus geholt und gebunden. Als Generalintendant fühlte er sich für alle Sparten verantwortlich, er hat die Interessen des Theaters diplomatisch aber konsequent in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik vertreten. Er war für das Mannheimer Publikum ein Intendant „zum Anfassen“, der jede Gelegenheit der Diskussion mit den Theaterbesuchern gesucht und geschätzt hat. Sein Spielplan war gekennzeichnet von einem hohen Qualitätsstreben, immer mit Blick auf die Akzeptanz des Publikums. Durch seine guten Kontakte zu Loriot und Heinz Rühmann hat er den Mannheimern unvergessliche Abende beschert, beispielhaft seien die Aufführungen vom „Ring an einem Abend“ mit Loriot und die Weihnachtslesung mit Heinz Rühmann genannt. Klaus Schultz war ein umfassend gebildeter Mann von bestechender Eloquenz. Sein fast altmodisch vornehmes Wesen, sein feiner Witz und seine Ironie haben manche Diskussion bereichert. Wer ihm nahestand hat seine menschliche Wärme und sein Interesse an der Person des Gegenübers  gekannt und geschätzt.
Die Freunde und Förderer verdanken Klaus Schultz unglaublich viel. In der Aufbauphase, Anfang der neunziger Jahre, hat er sich mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit hinter die Anliegen des Vereins gestellt, er hat persönlich für uns und unsere Anliegen geworben, durch seine Unterstützung wurden zum Beispiel die „Begegnungen“ erst möglich. Im Jahre 1996 wurde er zum  Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Klaus Schultz hat sich auch von München aus regelmäßig für die Aktivitäten des Vereins interessiert und ist so immer einer von uns geblieben.
Sein Tod ist ein äußerst schmerzlicher Verlust, wir haben einen guten und besonders liebenswerten Freund verloren.


 

Nach oben


Henrik Ibsen
DIE WILDENTE, Premiere 22.03.2014
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Inszenierung: Elmar Goerden
Bühne: Silvia Merlo / Ulf Stengl
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Helena Daehler

DIE WILDENTE<br />Premiere 22.03.2014<br />© Foto: Christian Kleiner
DIE WILDENTEPremiere 22.03.2014© Foto: Christian Kleiner

„Elmar Goerden hat das Zusammenleben der vier Personen mit liebevollen und freundlichen Szenen bedacht und allerlei fröhliche Turbulenzen ersonnen, um dieses zärtliche Einverständnis gegen Gregers geradezu furchterregende Idealismus abzugrenzen, mit der er die Welt nach seinen eigenen Maßstäben moralisch verändern will.“
„Kluges und Herzbewegendes bietet Anne-Marie Lux in der Rolle der Hedvig. Ein aufgewecktes quirliges Mädchen, das die Schwächen der Erwachsenen durchschaut, dessen unbeschwerte Ausstrahlung selbst einen so gewieften Geschäftsmann wie ihren leiblichen Vater, den Großhändler Werle (Edgar M. Böhlke), nachdrücklich zu beeindrucken versteht.“    (Mannheimer Morgen, 24.3.2014)

„Goerden zeigt uns diese armen Teufel ohne jede moralische Besserwisserei, dafür aber mit komödiantischer Leichtigkeit und viel verständnisvoller Menschenliebe.“
„Anke Schubert spielt diese Gina ganz lebenspraktisch und mit cooler Süffisanz, Anne-Marie Lux die Tochter Hedvig als siebengescheites Brillenmonster im Minirock, das die titelgebende Wildente in einem Karton mit sich herumschleppt. Ihre Versuche, das Familienglück mit kindlichen Verzweiflungsgesten zu retten, bevor sie sich selber sinnlos opfert, geben dem ansonsten eher boshaft grundierten Abend seine anrührenden Momente.“
„Und mitten drin im Lebenslügengetümmel die Musikerin Helena Daehler mit Gitarrengriffs, Basslinien und ein paar bitter-süßen Songs, die anderen antreibend, kommentierend, unterstützend und manchmal von diesen auch angeraunzt: „jetzt hör mal endlich auf!“. Der Einfall funktionierte so herrlich wie der ganze Abend. Am Ende Applaus wie lange nicht im Mannheimer Schauspiel.“    (Die Rheinpfalz, 24.3.2014)

„Elmar Goerden […] lässt die Familienkatastrophe in einem schlichten Einheitsbühnenbild von Silvia Merlo und Ulf Stengl spielen. Das rautenförmige Fotoatelier der Ekdals ist komplett weiß gehalten, lässt sich aber wirkungsvoll ausleuchten (Licht: Robby Schumann).“
„Mit Edgar M. Böhlke (als alter Werle), Reinhard Mahlberg (als Gregers Werle), Ralf Dittrich (als alter Ekdal) sowie der bereits erwähnten Anke Schubert und dem Hjalmar-Darsteller Klaus Rodewald sind lauter Profis am Werk – dies jedoch allein zu dem Zweck, dem jüngsten Ensemblemitglied Anne-Marie Lux im übertragenen Sinne einen roten Teppich auszurollen. […] Anne-Marie Lux spielt preisverdächtig gut, sie kann wunderbar affektiert sein, kann fantastisch schmollen und schön verdutzt durch ihre dicken Brillengläser schauen. Das Publikum hängt ihr zwei Stunden lang an den Lippen und lauscht zwischendurch den Gitarrengriffs, mit denen Helena Daehler den Seelenblues musikalisch akzentuiert.“   (Rhein-Neckar-Zeitung, 24.3.2014)

„So eine intelligente und ohne billige Mätzchen aktualisierte Aufführung eines Ibsen-Stücks wie die am Mannheimer Nationaltheater bekommt man höchst selten zu sehen. Erhellt wird die Dialektik zwischen Wahrheit und Lüge, leicht und elegant in der Form der Analyse und damit umso eindringlicher. Eine wunderbare Gesamtleistung, die das Premierenpublikum begeisterte.“
„Regisseur Elmar Goerden und seine Truppe haben die von Ibsen angelegte Balance zwischen Tragik und Situationskomik mit sicherer Hand herausgearbeitet. Dazu nehmen sie dieses ineinander verclinchte Figurenpanoptikum sehr ernst. Sie bringen trotz phasenweiser Ironisierung komplexe, widersprüchliche Charaktere auf die Bühne.“
„Die Unbeschwertheit des Mädchens, aber auch das vom bösen Spiel der Erwachsenen verunsicherte Kind wird von Anne-Marie Lux anrührend verkörpert: naiv, spielerisch, ein bisschen altklug, aufsässig, traurig, am Ende bereit, sich zu opfern für etwas, für das sie am wenigsten Verantwortung trägt.“    (nachtkritik.de, 23. März 2014)


 

Nach oben


Alistair McDowall
BRILLIANT ADVENTURES (DSE), 15.03.2014
Inszenierung: Robert Teufel
Bühne und Kostüme: Frederike Meisel
Video: Regine Hess
Licht: Damian Chmielarz
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

BRILLIANT ADVENTURES (DSE)<br />15.03.2014<br />© Foto: Christian Kleiner
BRILLIANT ADVENTURES (DSE)15.03.2014© Foto: Christian Kleiner

„Zwei grundunterschiedliche Menschen, die doch eine Geschichte teilen und tief unter dem Alltag und ihren Unterschieden eine enge Verbindung haben, die Martin Aselmann und Matthias Thömmes leise und warm zu zeichnen wissen. David Müller zeigt einen nervenaufreibenden Quälgeist von Greg, der als Speilball der anderen unter dem ständigen Verlorensein im Nichtdazugehören leidet.“
„Robert Teufel hört in seiner Regie auf die leisen Zwischentöne in McDowalls Text und hält den Finger zielsicher auf die Bruchstellen im Leben seiner beiden Hauptfiguren.“    (Mannheimer Morgen, 17.3.2014)

„[…] überzeugt das Stück von Alistair McDowall bei seiner Deutschlandpremiere am Nationaltheater in Mannheim mit glänzenden Schauspielern und jeder Menge Humor.“
„“Jetzt werden schon Häuser zu Waffen, eyh!“ klagt der hypernervöse Nerd (von David Müller wahrhaftig zum Leben erweckt.)“
„Eineinhalb Stunden lang bekommen die Zuschauer im Studio Werkhaus eine geballte Ladung an Schauspielkunst verpasst – mal roh und kraftvoll, mal ganz zart und liebevoll. Aber immer voller Energie.“
„Michael Fuchs spielt diesen Lebensverlierer mit überragender Ausdrucksstärke.“    (regioactive.de, 18.3.2014)


 

Nach oben


Rainer Werner Fassbinder, Peter Märthesheimer, Pea Fröhlich / Wolfgang Borchert
DIE EHE DER MARIA BRAUN / DRAUSSEN VOR DER TÜR, Premiere 08.03.2014
Inszenierung: Dominic Friedel
Bühne: Maren Greinke
Kostüme: Karoline Bierner

DIE EHE DER MARIA BRAUN / DRAUSSEN VOR DER TÜR<br />Premiere 08.03.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel
DIE EHE DER MARIA BRAUN / DRAUSSEN VOR DER TÜRPremiere 08.03.2014© Foto: Hans Jörg Michel

„[…] gehört zu den bemerkenswerten Begleiterscheinungen der Regie Friedels, dem hier, im Unterschied zu zur Borchert-Inszenierung, entschieden mehr individuelle Facetten zu verdanken sind. Besonderheiten und Entwicklungen, von denen auch Almut Henkel als gewitzte Mutter Marias und Ragna Pitoll profitieren.“    (Mannheimer Morgen, 10.3.2014)

„Ein Borchert/Fassbinder-Doppelabend , wie er jetzt in Dominic Friedels Inszenierung am Nationaltheater Mannheim vom Premierenpublikum mit viel Beifall bedacht wurde, macht daher schon vom Inhalt beider Teile her Sinn.“
„Hinter dem klug durchdachten und konsequent durchgesetzten Konzept stehen die Fragen, wie weit kann es gelingen, die Wahrheit von Erfahrungen unverfälscht weiterzugeben und wieweit dürfen wir uns folglich anmaßen, aus zeitlich immer größerem Abstand ein Urteil über das Vergangene zu fällen.“
„Dass die dreistündige Aufführung […] quicklebendig über die Rampe kommt, ist vor allem dem intensiven Spiel des zehnköpfigen Ensembles zu verdanken, das fast immer vollständig präsent ist und die häufig anfallenden raschen Rollenwechsel ebenso mühelos bewältigt […].“
„Die auf homogenes Zusammenwirken abgestimmte Inszenierung gibt den Schauspielern nur wenig Gelegenheit zur Einzelprofilierung, wie sie Sabine Fürst beeindruckend in der Rolle der Maria Braun gelingt.“
„Herausragend auch die Leistung von Peter Pearce als anrührender verletzlicher schwarzer Besatzungssoldat Bill.“    (Rhein-Neckar-Zeitung, 10.2.2014)


 

Nach oben


Erstes Mannheimer Intendantengespräch
Theatercafé, 02.03.2014, 11.00 Uhr

Das erste Mannheimer Intendantengespräch verlief in einer entspannten, freundlichen Atmosphäre und diente einem fruchtbaren Austausch von Informationen.[…]
[…] Die Intendanten wechselten hin und wieder ihre Plätze an den drei Tisch-Inseln, so dass nach Klöter Schauspielchef Burkhard C. Kosminski aus seiner Sicht schildern konnte, welche zahllosen Versuche sein Bereich unternimmt, um Mannheims Bevölkerung zu erreichen. Die Aktivitäten reichten bis zum Auftritt in einem türkischen Geschäft für Brautkleider. Das Problem „zu wenig Jugend“ kennt er nicht; er nannte eindrucksvolle zahlen, wie viele Studenten dank einer Kooperation mit der Universität Vorstellungen des Schauspiels und das begleitende Programm besuchen.
Die Freunde und Förderer des Nationaltheaters waren durch ein wohlwollendes Trio vertreten, das einerseits Wünsche formulierte, aber andererseits auch Lob verteilte, etwa für den „vielseitigen“ Opernspielplan des Intendanten Klaus-Peter Kehr, der Gelegenheit bekam, seine positiven Erkenntnisse aus der Arbeit der Jungen Oper darzulegen. Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass die Sparte ohne Sponsoren-Finanzierung nicht existieren könne.    (Mannheimer Morgen, 3. März 2014)


 

Nach oben


William Shakespeare / Henry Purcell
DER STURM, Premiere 18.01.2014
Ein musikalisches Poem für Sänger, Schauspieler und Orchester
Eine Produktion von Schauspiel und Oper
Inszenierung: Calixto Bieito

DER STURM<br />Premiere 18.01.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DER STURMPremiere 18.01.2014© Foto: Hans Jörg Michel

Musikalische Leitung: Mauro Barbierato
Arrangements und Musikalische Einrichtung: Fredrik Zeller
Bühne: Kathrin Younes
Kostüme: Rebekka Zimlich
Licht: Nicole Berry
Dramaturgie: Ingoh Brux


„Eine gelungene Überraschung ist das Wiedersehen mit dem einstigen Nationaltheatermimen Ernst Alisch, der von seiner konzentrierten Wortkunst nichts eingebüßt hat. Per Fingerzeig lässt er „am öden Strand“ (Bühne: Kathrin Younes) Stürme losbrechen und schläft sie mit wehendem Haar in Bann. Groß sind seine Schlussworte, klein, aber fein seine Gesten.“
„Es regnet und bläst und wabert, aus der Erde fährt das Orchesterpodest, aus der Höhe schwebt Katharina Hauter, eben noch zartes Töchterlein, als furioser Luftgeist Ariel ein. Über mangelnden Theaterzauber kann an diesem Abend nicht geklagt werden.“    (Mannheimer Morgen, 20.01.2014)
 
„Ernst Alisch, […] spielt diesen Prospero mit schierer körperlicher Präsenz.“    (Die Rheinpfalz, 20.01.2014)
 
„Der spanische Theatermacher Calixto Bieito ist ein Meister der Präzision, ein Guru der Sprachschönheit und musikalischen Intensität. […] Shakespeares literarisches Vermächtnis (von 1611) und Purcells Spätwerk (von 1695) als spartenübergreifendes Projekt des Mannheimer Schauspiels und der Oper in nur 80 Minuten – kann das funktionieren? Ja, es kann!“
„Zusammen mit seiner Bühnenbildnerin Kathrin Younes, dem musikalischen Leiter Mauro Barbierato und dem Arrangeur Fredrik Zeller setzt er klare Akzente, um dieser schönen Utopie […] zu neuer Wirkungsmacht zu verhelfen.“
„Die Mezzosopranistin Sirin Kilic und der Bariton Georg Gädker überhöhen das Geschehen mit ihren zauberhaften Stimmen.“
„[…] das achtköpfige Barockorchester, das hinter Prosperos Nacken aus der Versenkung auftaucht, setzt der intellektuellen Poesie der Worte die suggestive Macht der Klänge entgegen.“   (Rhein-Neckar-Zeitung, 20.01.2014)
 
„Der Freiheitskampf des Luftgeistes Ariel geht einher mit der Emanzipation der Tochter, weshalb Katharina Hauter beide Rollen raffiniert ineinander verwebt.“
“[…] am Ende ist auch Prospero gezähmt und wird vom angeblich wilden Caliban davon geführt: eine von vielen kleinen Pointen, die Bieito in starken Bildern erzählt: eine abgekürzte, aber nicht vergröberte Fassung dieses Stoffes, für die es nach der Premiere am Samstag großen Beifall gab.“    (Allgemeine Zeitung Mainz, 20.01.2014)
 
„Die Insel sei voller Klänge und Melodien, behauptet Caliban. Dafür ist in Bieitos Inszenierung der Komponist Henry Purcell zuständig. Dessen „Sturm“-Vertonung, vorzüglich gespielt von einem kleinen Ensemble unter der Leitung Mauro Barbieratos, unterbricht, begleitet und ergänzt die Handlung.“  (Stuttgarter Zeitung, 20.01.2014)

Nach oben


Marianna Salzmann
Hurenkinder Schusterjungen (UA), Premiere 05.01.2014
Inszenierung: Tarik Goetzke
Bühne und Kostüme: Wen Kann
Licht: Ronny Bergmann
Dramaturgie: Lea Gerschwitz

Hurenkinder Schusterjungen (UA)<br />Premiere 05.01.2014<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Hurenkinder Schusterjungen (UA)Premiere 05.01.2014© Foto: Hans Jörg Michel

„Liest man ihr Stück „Hurenkinder Schusterjungen“, das als Auftragsarbeit für das Nationaltheater Mannheim jetzt im Studio Werkhaus Premiere hatte, in dramaturgischen und journalistischen Zusammenfassungen, klingt das nach einer gehaltvollen Fertigmahlzeit zum Thema politische Umwälzungen und deren Referenzen im Privaten.“    Mannheimer Morgen, 07.01.2014

„Der Mut zu neuen Stücken wird am Mannheimer Nationaltheater durchaus belohnt. Neben unvermeidlichen Flops finden sich da immer wieder Perlen des Gegenwartstheaters. Dazu gehört „Hurenkinder Schusterjungen“ der jungen, in Berlin lebenden Dramatikerin Marianna Salzmann.“
„Um politischen Realismus geht es aber nicht, sondern um behutsame Seelenerkundung. So hat auch Tarik Goetzke, Regieassistent am Nationaltheater, seine Inszenierung angelegt, als eher abstrakte Versuchsanordnung und psychologisches Experimentierfeld. Als Spielstätte dient ein aus Eisengittern zusammengefügtes Dreieck, gleichermaßen Schutzgatter, Käfig und Boxring (Bühnenbild: Wen Kan). […] Die Inszenierung spielt mit der Gewaltmetapher […]. Dies macht die Schutzschicht der Figuren noch dünner, legt ihre Verletztheiten und Ängste bloß.“
„Anne-Marie Lux als Ali zeigt dies am eindringlichsten, ist aggressives Opfer und verzweifelte Täterin, eine, die am Boden liegen muss, um wieder aufstehen zu können.“    Die Rheinpfalz, 07.01.2014

„Geradezu preisverdächtig agiert Anne-Marie Lux, ein Springteufel, der die ganze Palette zwischen gespielter Tristesse und akrobatischem Klamauk beherrscht. Sie ist das größte Pfund, mit dem Regisseur Tarik Goetzke wuchern kann.“    Rhein-Neckar-Zeitung, 07.01.2014

„Wen Kan hat diese Bühne für das Studio des Mannheimer Nationaltheaters entworfen, eine junge Künstlerin wie der Regisseur Tarik Goetzke, der mit dieser Arbeit sein Studium an der Hessischen Theaterakademie abschließt. Das sieht man seiner Inszenierung auch an, die eine Mange zeigen will und aus dem andeutungsreichen Text einen grimmigen Spielwitz hervorzaubert. Mannheim stellt für diesen Abschluss ein starkes Ensemble: Thorsten Danner […], Anne-Marie Lux […] Martin Aselmann […] Den drei Schauspielern wird eine Menge abgefordert in dem eindreiviertelstündigen Abend, der seine drastischen Effekte mit schwarzem Humor paart.“    Darmstädter Echo, 07.01.2014

„Woran sich die Unruhen entzünden, bleibt im Unklaren und ist für die Inszenierung von Regisseur Tarik Goetzke auch nicht von Belang. Ihn interessiert, wie die Figuren mit dem Umbruch im die Ecke umgehen. In größerem Zusammenhang: Wohin mit dem nebulösen Gefühl, dass sich was ändern muss? Wohin mit der diffusen Wut über die Verhältnisse?“
„Dass der Abend alles in allem dennoch gelungen ist, liegt auch an den tollen Schauspielern. Und insbesondere an Anne-Marie Lux. Ihre Rolle als Ali hätte leicht ins Hysterische abgleiten können. Doch die Crux des „Man könnte  so vieles sein“ übersetzt sie phänomenal gut. Sie ist irre, sie ist zärtlich, sie ist wütend, sie ist depressiv, sie weiß nicht, was sie ist – egal: Lux‘ Ali ist so glaubhaft, dass der progressive Spießer in einem ihr zurufen will: Jetzt hab halt ne Dreierkiste mit den beiden Typen, ist doch auch ne schöne Utopie. […] Hervorragend unterstützt wird sie von Thorsten Danner und Martin Aselmann als Männer, die bei der von ihr herbeigesehnten Umwälzung etwas zu verlieren haben (Tschech) bzw. gerne etwas zu verlieren hätten (Buchs). Als Schauspieler harmonieren sie prächtig.“   nachtkritik.de, 07.01.2014

„In ihrem in Mannheim uraufgeführten Stück „Hurenkinder Schusterjungen“ zeichnet die junge Autorin Marianna Salzmann das Bild einer Generation ohne Ziele und Mumm. Dabei gelingt ihr ein gewitztes, erfreulich komplexes Psychoprogramm, das ohne Zeigefinger und Lehrformel auskommt.“
„In „Hurenkinder Schusterjungen“ entwickelt die 1985 geborene Autorin, die an der Berliner Universität der Künste Szenisches Schreiben studiert hat, pointierte, temporeiche Dialoge.“
„Die Figuren sind bei Salzmann keine überzeichneten Karikaturen, sondern skizzenhafte Jedermanns. Trotzdem vermag die Inszenierung unter der Regie von Tarik Goetzke ihnen Tiefe zu verleihen – besonders Ali, die im Stück eine starke Veränderung erlebt. Das ist nicht zuletzt der Schaupielerin Anne-Marie Lux zu verdanken, die mit der Aufführung in Mannheim ein überzeugendes Bühnendebüt gibt: Mal räkelt sie sich ergeben-lasziv vor Buchs, mal rennt sie wie ein gehetztes Reh über die Bühne […], mal rebelliert sie gegen Tschech und mimt mit überdrehter Stimme die tollgewordene Insassin […].“    die tageszeitung, 09.01.2014

„In der Figurenzeichnung zeigt sich Salzmanns scharfer Blick dafür, wie Gesellschaft funktioniert und wie sie Menschen prägt. Als Mitbegründerin des Magazins „freitext“ und Hausautorin am Maxim Gorki Theater steht sie für eine Szene junger, oft als postmigrantisch bezeichneter Kulturschaffender, die klar politisch und unverblümt gegen den Ist-Zustand anschreibt und Kategorien wie Nation, Ethnie oder Geschlecht offensiv in Frage stellt. […] Offenbar ist es endlich an der Zeit, dass Autorinnen wie Marianna Salzmann die Bühnen erobern.“    Süddeutsche Zeitung, 08.01.2014


 

Nach oben


Calixto Bieitos Produktion „Bernarda Albas Haus“ zum „Fadjr International Theater Festival – 16.01. - 01.02.2014“ in Teheran eingeladen
21. und 22. Januar 2014

Calixto Bieitos Produktion „Bernarda Albas Haus“ zum „Fadjr International Theater Festival – 16.01. - 01.02.2014“ in Teheran eingeladen<br />21. und 22. Januar 2014<br />
Calixto Bieitos Produktion „Bernarda Albas Haus“ zum  „Fadjr International Theater Festival – 16.01. - 01.02.2014“ in Teheran eingeladen21. und 22. Januar 2014

Aufregende Neuigkeiten sind von Mannheims Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski zu erfahren: Die Nationaltheater-Produktion "Bernarda Albas Haus" ist zum renommiertesten Festival des Nahen und Mittleren Ostens in den Iran eingeladen. Das jährlich stattfindende "Fadjr International Theater Festival" zählt zu den wichtigsten Theater-Events der gesamten arabischen Welt, und die 32. Ausgabe des Festivals findet vom 16. Januar bis zum 1. Februar statt.
Das Wort Fadjr bedeutet Morgenröte und bezeichnet eigentlich den 1. Februar 1979, den Tag, als Ayatollah Chomeini aus dem französischen Exil zurück in das ehemalige Persien kam. Ursprungsgedanke war es, mit einem Festival die Geburtsstunde der Islamischen Republik zu feiern. Längst hat sich das Festival entwickelt: Schon vor Anbruch des sich aktuell abzeichnenden Tauwetters hatten sich die Festspiele künstlerisch trotz rigider Verhältnisse erstaunlich weit geöffnet.
Neben iranischen Theatergruppen zeigen dort auch ausgewählte internationale Gruppen und Theater ihre Inszenierungen. Zusätzlich werden Workshops von teilnehmenden Künstlern angeboten, die zum interkulturellen Austausch anregen. Eingeladene Inszenierungen aus der deutschen Theaterlandschaft waren bisher etwa Brechts "Mutter Courage" vom Berliner Ensemble in der Regie von Claus Peymann. Auf internationalem Parkett in solche Fußstapfen zu treten, ist durchaus eine besondere Ehre für die Inszenierung des Katalanen Calixto Bieito, das Mannheimer Schauspielensemble und dessen Intendanten.

Die Idee zu dem Gastspielbesuch entstand während der 17. Internationalen Schillertage im vergangenen Jahr, als das NTM die Deutsche Erstaufführung der iranischen Inszenierung von Friedrich Schillers "Die Räuber" in die Uraufführungsstadt lud. In der Alten Feuerwache spielten sechs junge iranische Frauen Schillers Räuberbande, eine Aufführung, die allein schon deshalb auch überregional für Aufsehen sorgte.

Unterstützer und Förderer
Die zwei NTM-Auftritte finden am 21. und 22. Januar in der Teheraner Vahdat Hall, einem 1967 erbauten Opernhaus mit 600 Plätzen und 20 Metern Deckenhöhe, statt. Dass diese außergewöhnliche Einladung auch angenommen werden konnte, ist freilich einer Reihe großzügiger Unterstützer und Förderer zu verdanken: auf kulturpolitischer Ebene etwa dem Goethe-Institut München, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, dem Kulturbüro der Metropolregion Rhein-Neckar sowie dem Stadtmarketing Mannheim.
Von unternehmerischer Seite wird der Teheraner Gastauftritt unterstützt von Roche Diagnostics und dem Unternehmer-Ehepaar Bettina Schies und Klaus Korte der Firma Korte Bauteile aus Heidelberg. Wir dürfen gespannt sein - und werden berichten ...
Ralf-Carl Langhals, Mannheimer Morgen, 13.01.2014


 

Nach oben


NTM-Schauspieler Martin Aselmann im Porträt
Eine Gespräch mit MM Redakteur Bernd Mand, MM 14.01 2014

NTM-Schauspieler Martin Aselmann im Porträt<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
NTM-Schauspieler Martin Aselmann im Porträt© Foto: Hans Jörg Michel

„Man muss Risiken eingehen“
Am Anfang standen David und Goliath. Martin Aselmann lacht, wenn er über die ersten Schritte in Richtung Theater redet. Das war in der Schule. Und am Tag der Premiere fiel plötzlich der Goliath aus. "Und dann bekam ich einen Anruf", sagt Aselmann mit einem breiten Grinsen. Der Goliath lief gut. Ebenso der Sancho Panza in der achten Klasse. Und nach einem weiteren Theatererfolg kurz vor dem Abitur war Martin Aselmann endgültig klar, dass Schauspieler der künftige Beruf sein sollte.
"Ich habe gemerkt, dass ich da meine Energie wirklich gut reinstecken kann, ich viel Engagement aufbringe und dabei auch noch so einiges rumkommt." Und da grinst er auch schon wieder.
Im Alter von 20 Jahren kam er dann an die Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Und die Ausbildung hat an dem früh gefassten Entschluss auch nichts ändern können. Klar, so räumt Aselmann ein, merkt man an der Schauspielschule zum ersten Mal, dass Schauspielen nicht immer nur Spaß machen kann, sondern ein Beruf ist, der wie jeder andere auch seine anstrengenden Seiten hat. "Aber man kann auch nicht alles an der Schule lernen", sagt Aselmann. Einiges an Handwerkzeug wird einem beigebracht, auch viel Technik, aber das eigentliche Lernen beginnt erst im regulären Theaterbetrieb, so der Endzwanziger. "Auf der großen Bühne zu stehen, oder was es heißt, Repertoire mit manchmal bis zu fünf verschiedenen Stücken in der Woche zu spielen, das lernt man erst am Theater selbst."
Faible für Klassiker
Martin Aselmann kam direkt von der Schauspielschule nach Mannheim und spielt jetzt seit drei Jahren im Ensemble am Nationaltheater. Vom "Don Karlos" in Georg Schmiedleitners Inszenierung bei den Schillertagen 2011 bis zur jüngsten Werkhausproduktion von Marianna Salzmanns Stück "Hurenkinder Schusterjungen" steht hier mittlerweile schon ein vielteiliger Stückkatalog auf dem Laufzettel des Schauspielers. Die Spielerfahrung am Haus habe ihm vor allem eine gewisse Gelassenheit gebracht, die ihn mit mehr Ruhe in die Produktionen gehen lässt als noch vor ein paar Jahren.
Er habe schon ein Faible für Klassiker, sagt Aselmann über seiner Tasse Kaffee in der Theaterkantine, für große Figuren, die mit viel Kraft in ihre Geschichten gehen. Aber auch zeitgenössische Texte reizen ihn. "Und was ich sehr mag, ist, wenn man nach einem Goethe dann auch mal wieder normal sprechen darf", sagt Aselmann und lacht. "Also wenn man wieder in eine eher filmische Sprache und ins Jetzt eintaucht." Genau dieses Spannungsfeld zwischen erprobten Texten und neuen, auch experimentellen Stückversuchen, der Welt und ihren Geschichten näher zu kommen, ist die große Faszination des Theaters für den in Kassel aufgewachsenen Schauspieler. Für die Arbeit an seinen Rollen benutzt er immer seinen persönlichen Blick auf die jeweilige Figur als Ausgangspunkt; stellt sich die Frage, wie er denn in bestimmten Situationen entscheiden würde und ob sich das von der Rolle im Text unterscheidet. "Ich versuche, die Figuren und ihre Handlungen nachzuvollziehen und herauszufinden, an welchen Stellen ich persönlich genauso handeln würde."
Berührungsängste bei der Arbeit mit neuen Figuren hat Martin Aselmann nicht, und viel Persönliches nimmt er bei seinen Produktionen für die Rollen mit auf die Bühne und ins Spiel. Er wehrt sich damit ein Stück weit auch gegen die Abstraktheit von Bühnenfiguren.
"Ich muss immer auch persönlich sein auf der Bühne, sonst, so finde ich, wird das uninteressant", sagt Martin Aselmann. "Wenn man sich als Schauspieler davor scheut, Risiken einzugehen, dann wird das schnell zur Routine und ziemlich flach." Die Gefahr, sich zurückzuhalten und aus dem Spiel herauszunehmen, sei recht groß, weil es natürlich einfacher ist, die Rollen nicht an sich heranzulassen, sagt er, nur erreiche man dann auch nicht die Tiefe und Hintergründigkeit, die Figuren im Theater lebendig machen. "Es sollte schon der Anspruch sein, dass man sich als Schauspieler auf etwas einlässt."

Martin Aselmann
Der Schauspieler: Martin Aselmann wurde 1986 in Ostercappeln geboren und wuchs in Kassel auf. 2007 begann er sein Studium an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Seit drei Jahren ist er Mitglied im Schauspielensemble am Mannheimer Nationaltheater.
Die Produktionen: Seine erste Produktion am Nationaltheater war Georg Schmiedleitners "Don Karlos"-Inszenierung für die Schillertage 2011.
Weitere Produktionen waren unter anderem Büchners "Dantons Tod", "Der zerbrochene Krug", "Einer und Eine" und "Hurenkinder Schusterjungen". Außerdem spielte er auch in Sönke Wortmanns Film "Das Hochzeitsvideo". bema

Nach oben


Ulrike Syha
MAO UND ICH (UA), Premiere 07.12.2013
Inszenierung: Ali M. Abdullah
Bühne und Kostüme: Christoph Ernst
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

MAO UND ICH (UA)<br />Premiere 07.12.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
MAO UND ICH (UA)Premiere 07.12.2013© Foto: Hans Jörg Michel

[…] Ulrike Syha tänzelt in ihrem neuen, schon beim bloßen Lesen höchst vergnüglichen stück Mao und ich souverän an der Klippe zu Klamotte und Melodram entlang: leichtfüßig, locker, zirzensisch. […]
[…] Abdullah hat aber mit seiner hinreißenden Inszenierung den Sprachwitz nicht etwa 1:1 in Situationskomik übersetzt. Meisterlich beherrscht er die Gratwanderung, die durchaus karikierten Reisenden nicht auch zu denunzieren. […]
[…] Dieser 100 Minuten kurze Abend ist der seltene Glücksfall einer herausragenden Uraufführung.    (DLF, Kultur heute, 9. Dezember 2013)

„Und was daran gefiel nun besonders? […] Eher schon die provozierende Krassheit, mit der der kulturelle Einheitsbrei des Globalisierungszeitalters dargeboten wird.“    (Rhein-Neckar-Zeitung, 9. Dezember 2013)

„Die Journalistin Ruth, eine Freundin (und unerfüllte Liebe) aus Studienzeiten, begleitet ihn. Allerdings mit ihrer eigene Mission, denn sie ist auf der Suche nach den Leerstellen in der Geschichte ihres Ehemannes, die sie hier in Asien hofft füllen zu können. Dascha Trautwein gibt ihr eine starke und überzeugende Erdung dabei.“     (nachtkritik.de, 8. Dezember 2013)

Nach oben


Thomas Arzt
IN DEN WESTEN (UA), Premiere 23.11.2013
Inszenierung: Cilly Drexel
Bühne: Maren Greinke
Kostüme: Janine Werthmann
Musik: Till Rölle / Jörg Teichert
Video: Philipp Contaq-Lada
Licht: Robby Schumann

IN DEN WESTEN (UA)<br />Premiere 23.11.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
IN DEN WESTEN (UA)Premiere 23.11.2013© Foto: Hans Jörg Michel

„Flankiert von Blechbläsern, das wilde Quintett in geschmackvoll verlebter Ganovenrobe (Kostüme: Janine Werthmann) als Tableau vivant dazwischen, trällert eine idealbesetzte und verdient mit reichlich Szenenapplaus bedachte Anke Schubert ihre alpenländisch-folkloristischen Weisen. Gewiss mit das stärkste Bild eines Abends, dem die solide gearbeitete Regie in den Auftritten des musikalischen Waldgeistes verlässlich wiederkehrende Höhepunkte beschert.“
„Der gebürtige Österreicher und Neu-Ensemblemitglied David Müller überzeugt als Outlaw auf dem selbigen Grad zwischen Naivität, jugendlichem Übermut und gerade genug Charisma, um von der Bande aus dem Gefängnis befreit zu werden.“
„Michaela Klamminger glänzt als gnadenlose Hure auf Maren Greinkes gefälliger Jutesack-Bühne und führt die allgemein herrschende  Verzweiflung zu neuen Hochständen.“    (Mannheimer Morgen, 25.11.2013)
 
„Ins allzu Naturalistische rutscht die Sache also nicht ab, dafür sorgen neben solch mythologischem Überbau auch die bei Brechts epischem Theater abgeschauten Zwischentitel und ein poetisch-abstrahierender Umgang mit dem Dialektalen, mit dem sich Arzt in eine lange Ahnengalerie von Horvath bis Kroetz einreiht.“
„Cilli Drexels Inszenierung verstärkt auf einleuchtende Weise diese flirrende Unschärfe des Textes.“
„David Müllers Sam ähnelt in Kostüm und nervösem Habitus dem Weißbier-Anarchisten Herbert Achternbusch, besitzt auch dessen Wissen um die Vergeblichkeit aller Auflehnung. Katharina Hauter gibt der Valli trotzige Kampfeslust, Michaela Klamminger der Marie verschlagenen Sex-Appeal. Konstantin Lindhorsts Luis ist der treudoofe Mitmacher, Sascha Tuxhorns Pavel ebenfalls eher mit handwerklichen als intellektuellen Gaben gesegnet.“    (Die Rheinpfalz, 25.11.2013)
 
 „Das gilt einmal für das nur vordergründig „arme“ Bühnenbild von Maren Greinke, das zwar nicht in Sack und Asche daher kommt, aber eben doch vor allem aus braunen Säcken besteht, die zumeist leer auf dem Boden liegen. Anzeichen dafür, dass hier nicht nur tote Hose, sondern auch toter Sack – also tote Wirtschaft – herrscht.“
„Allerdings erweist sich die schlichte Sacklandschaft als erstaunlich wandlungsfähig, sie wird Projektionsfläche für die raffinierten Video- beziehungsweise Lichteffekte (Phillip Contag-Lada und Robby Schumann), Tarnunterschlupf der Pseudo-Wildwestpartisanen oder notwendiger Schutz in diesen kalten Novembertagen vor dem Einbruch des Winters, dem nahen Tod in der Natur.“
„Wie eine Mutter Courage zieht die alte Rose (Anke Schubert) mit einer Begleitband durch die Szenerie und berichtet mit toller Stimme im bluesigen Bänkellied-Stil von ihrem „Baby“, dem Sohn, der voller Taten- und Erwartungsdrang westwärts zieht und schließlich von Gendarmen erschossen wird (Musik: Till Rölle und Jörg Teichert).“    (Rhein-Neckar-Zeitung, 25.11.2013)
 
 „Das neue Stück von Thomas Arzt, das im Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wurde, wirft einen kritischen Blick auf das, was die Menschen Heimat nennen, lässt aber zugleich die mit einem Neuanfang in der Fremde verbundenen Hoffnungen an der harschen Realität zersplittern.“
„Da ist Sam (David Müller), von allen „Baby“ gerufen, der den Traum von einem besseren Leben im Westen längst aufgegeben hat. Müller verkörpert ihn als jähzornigen Mann, dessen Gefühlsleben nahezu erkaltet ist, und als aus dem Gefängnis Befreiter nur noch an Ort und Stelle kämpfend untergehen will. Die übrigen Rollen sind ebenfalls mit jungen, natürlich agierenden Schauspielern besetzt: Sascha Tuxhorn gibt den Pavel, der bis zuletzt an seiner Hoffnung festhält, Michaela Klamminger die Marie, eine Prostituierte, die sich aus Berechnung an ihm festklammert, um der Provinz entfliehen zu können. Luis (Konstantin Lindhorst) und Valli (Katharina Hauter) komplettieren die Gang, in der man sich gegenseitig an die Gurgel geht, obwohl alle sich als Teil einer Familie sehen.“    (Allgemeine Zeitung Mainz, 25.11.2013)
 
 „Die durchaus grotesk-humorvollen Episoden des sehenswerten Stücks hätten mit mehr Mut zum Dialekt noch verstärkt werden können. Doch der mehr aufs Hochdeutsche setzende Thomas Arzt will mit dem Schauspiel eher den für ihn völlig rätselhaften Tod eines 20 Jahren alten Landarbeiters in der Steiermark im November 1953 aufarbeiten.“    (dpa, 24.11.2013)

Nach oben


Lesung von und mit Martin Walser
09.11.2013 Schauspielhaus

Lesung von und mit Martin Walser<br />09.11.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
Lesung von und mit Martin Walser09.11.2013© Foto: Hans Jörg Michel

„Einen Erzähler gebe es hier nicht mehr, erklärt Walser zu Beginn der Lesung: ‚Die Figuren haben sich zu Wort gemeldet – und ich habe mitgeschrieben.‘ Und: ‚Ich mache immer das, was sich ergibt.‘ Das muss jetzt aber als Erklärung ausreichen, von nun an wird nur noch von einem hohen Vortragspult heruntervorgelesen. Ohne jede Inszenierung. Walsers Augen werden dabei von seinen gewaltigen und undomestizierten Brauen überwölbt. Und weiter unten wölbt sich seine Stimme mit der altvertrauten Alemannisch-Einfärbung. Ein melodiöser Singsang, der den Dialogen Leben einhaucht.“   Mannheimer Morgen, 11.11.2013

„Dabei ist die Vitalität, mit der der 86-Jährige die einstündige Lesung im Nationaltheater absolviert, bewundernswert. An einem Pult stehend und ohne einen einzigen Schluck Wasser zu trinken, trägt er geschliffene Sätze vor. […] am Ende winkt der Dichter dem applaudierenden Publikum noch freundlich zu, dann verschwindet er wortlos hinter dem Vorhang, um Bücher zu signieren.“    Die Rheinpfalz, 11.11.2013

Nach oben


LEBEN STATT GELEBT WERDEN
Eine Benefizveranstaltung mit Tiki Küstenmacher und Prof. Dr. Lothar Seiwert zugunsten der Jungen Oper
06.11.2013, 20.00, Opernhaus

Auf Einladung des Rotarischen Metropolstammtischs Rhein-Neckar und der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim kamen die beiden Welt-Bestseller-Autoren (u.a. simplify your life und simplify your time) Werner Tiki Küstenmacher und Prof. Dr. Lothar Seiwert ins Opernhaus des Nationaltheaters. Exklusiv erstmals gemeinsam auf der Bühne führten sie ein in ihre Philosophien zu Lebensführung und Zeitmanagement.

In zwei interessanten Präsentationen wurden allgemeinverständliche Vorschläge zur besseren Ausnutzung der vorgegebenen Zeit gemacht. Die Redner schilderten anschaulich, teils von spontanen Zeichnungen „untermalt“ oder durch eindrucksvolle Experimente illustriert, wie sich ihre Ratschläge praktisch umsetzen lassen. In einer angeregten Fragerunde erfolgte ein lebhafter Austausch mit dem Publikum.
Im Anschluss an den Abend kam es im Foyer des Opernhauses zu weiteren lebhaften Diskussionen mit den Referenten, die zusätzlich ihre Bücher signierten.
Dieser Abend, der vom üblichen Programm der Freunde und Förderer abwich, war insgesamt gesehen nicht nur sehr unterhaltsam, sondern zusätzlich ein finanzieller Erfolg (€12.639) zugunsten der Jungen Oper.

Ein herzliches Dankeschön an die Initiatoren und Organisatoren der Veranstaltung, Folker Zöller, Französischer Honorarkonsul und Beiratsmitglied der Freunde und Förderer, sowie Michel Maugé.


 

Nach oben


Tenessee Williams
DIE GLASMENAGERIE, Premiere 31.10.2013
Inszenierung: Sebastian Schug
Bühne: Christian Kiehl
Kostüme: Nico Zielke
Musik: Johannes Winde
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

DIE GLASMENAGERIE<br />Premiere 31.10.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DIE GLASMENAGERIEPremiere 31.10.2013© Foto: Hans Jörg Michel

„Von nicht alltäglicher Zartheit ist der Umgang des 34-jährigen Regisseurs Sebastian Schug mit dem 1944 uraufgeführten Stück „Die Glasmenagerie“ des damals 32-jährigen Tennessee Williams.  […] Wir die Dinge liegen, sind das 110 pausenlose Minuten, die das Stück und das Schicksal dahinter im Nationaltheater Mannheim nach allen Regeln der Erinnerungskunst und der Kunst lebendig machen.“
„Anne-Marie Lux ist eine hinreißende Laura, nicht ätherisch, sondern trotz Beinschiene stabil, wenngleich fremd auf dieser Welt.“
„Es gibt eine glänzend einstudierte Szene aus Gilbert & Sullivans „Piraten-Operette“, als süße Erinnerung an eine triumphale Schulaufführung, in der das hoffnungsvolle Glück von einst und der Unsinn, den alles hoffnungsvolle Glück zugleich darstellt, durchschlagen.“   (Frankfurter Rundschau, 2.11.2013)

„Sebastian Schug macht aus dieser Begegnung eine höchst amüsante Verlegenheitsorgie, in der Anne-Marie Lux als Laura und Martin Aselmann in der Rolle des Jim O’Conner eine kurze, aber intensive emotionale Beziehung durchleben.“
„Sebastian Schug ist es trefflich gelungen, all diese Träumer und Versager behutsam in ihrem Scheitern auszuloten und sie zwischen Schein und Sein zu überzeugenden darstellerischen Leistungen zu führen.“    (Mannheimer Morgen, 2.11.2013)

„Sebastian Schug […] zaubert […] ein nebelumflortes Traumspiel auf die Bühne.“
„Wunderbar überzeugend gelingt dieser Moment liebenden Erkennens zwischen diesen auf ganz unterschiedliche Weise am Leben scheiternden Menschen, wie überhaupt der knapp zweistündige Theaterabend stimmig funktioniert. Dazu gehören auch die melancholietrunkenen Songs, die von den Darstellern herzzerreißend interpretiert und von dem Musiker Johannes Winde auf der Bühne begleitet werden.“    (Die Rheinpfalz, 2.11.2013)

„Nicht in der vom Kopf gesteuerten Analyse, sondern in der intuitiv gelenkten Fähigkeit zur Empathie liegt die besondere Regie-Begabung von Sebastian Schug.“
„Christian Kiehls stark in die Breite gezogenes Bühnenbild für das Mannheimer Schauspielhaus wird von einer Rückbank dominiert, die Wartesaal-Assoziationen weckt. Dass sich in diesem nüchternen Ambiente dennoch dichte Atmosphäre und zarte Poesie entfalten können, ist dem geschickten Einsatz von Licht (Wolfgang Schade) und Musik (höchst wirkungsvoll in seiner Präsenz am Keyboard: Johannes Winde) zu verdanken.“
„Matthias Thömmes hat in der durchgängigen Erzählerrolle des Tom nur kurze Spieleinschübe, in denen er mehr zeigen kann als die elegische Pose des bitter-süßen Erinnerungen Nachhängenden, die er in Haltung und Ton sehr glaubwürdig trifft. Ebenso überzeugend Ragna Pitoll als vitale Steh-auf-Mutter Amanda, die immer noch mit ihren längst verblühten Reizen kokettieren muss, sobald ein junger Mann in Sicht ist und sei es der heiß ersehnte Schwiegersohn.“
„Im Mittelpunkt von Schugs Inszenierung steht aber vor allem die lebensuntüchtige Laura, anrührend verkörpert von Anne-Marie Lux, die neu im Ensemble ist und hier auf ein großes Entwicklungspotential hoffen lässt. Zusammen mit Martin Aselmann, der als Sunnyboy Jim glänzt, gehören ihr die Höhepunkte des Abends.“   (Rhein-Neckar-Zeitung, 2.11.2013)

Nach oben


Felicia Zeller
DIE WELT VON HINTEN WIE VON VORNE (UA), 05.10.2013
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

DIE WELT VON HINTEN WIE VON VORNE (UA)<br />05.10.2013<br />© Foto: Hans Jörg Michel<br />
DIE WELT VON HINTEN WIE VON VORNE (UA)05.10.2013© Foto: Hans Jörg Michel

„Man ist in Bewegung. Auf bewundernswerte Weise auch auf dem Klettergerüst von Bühnenbildner Florian Etti. Kosminski hat sich, wie schon bei Zellers »Gespräche mit Astronauten« für die frontale Lösung entschieden.“

„[… ] Sabine Fürst brilliert tänzerisch und mit Spagat, Dascha Trautwein räkelt sich lasziv kunstvoll wie eine Schlange um die Stäbe, Klaus Rodewald läuft launig wie ein 3-D-animiertes Cybermännchen.“     (Mannheimer Morgen, 7. Oktober 2013)


„Das Quintett der Agentur ‚Mover und Shaker und Partner‘ ist besetzt mit lauter Hipstern, die klobige Brillen tragen, mit extrem künstlich wirkenden Perücken ausstaffiert sind und in eng anliegenden Ganzkörperkondomen stecken, die halb Sportdress sein können, halb Comic-Outfit (Kostüme: Ute Lindenberg). Sie veranstalten ‚Meetings‘, treffen sich in der ‚Chillzone‘, sondern schillernde Sprechblasen ab, und wenn sie besonders sportiv durch das vom Bühnenbildner Florian Etti entworfene Büroturm-Klettergerüst turnen, leuchten bunte Streifen an ihren Kostümen, sodass sie wie Piktogramme auf einer dreidimensionalen Excel-Tabelle aussehen. Optisch macht der Abend also viel her. Akustisch auch, weil der Perkussionist und DJ Hans Platzgumer für perfekt wummernde Beats sorgt.“     (Rhein-Neckar-Zeitung, 7. Oktober 2013)


„[…] Burkhard C. Kosminski (Regie) und Florian Etti (Bühne) lassen die beiden Schauspielerinnen und drei Schauspieler in einem Stangengerüst herum- und auch weit nach oben klettern. Einsatzfreude ist dabei keine Floskel und Höhenangst ein Ausschlusskriterium. An ein Spielgerät für Große ließe sich denken, an die ewige Baustelle Marketing, aber auch an ein stählernes Bürogebäude. Ein solches hat die erfolgreiche Agentur Mover und Shaker und Partner inzwischen für sich allein. Ihr Mitarbeiter aus allen Ebenen eine Bürohierarchie sehen hier allerdings aus wie Designer-bebrillte Superhelden in den berufsüblichen glänzenden Einteilern (Kostüme: Ute Lindenberg).“

„Zeller will das Artifizielle und sicher auch das Überzogene. Von Schauspielern  dargestellte Power-Point-Präsentationen schweben ihr vor, für die in Mannheim auf den Satin-Strampelanzügen Lichterreihen aufleuchten und aus Menschen Strichmännchen machen.“     (Frankfurter Rundschau, 7. Oktober 2013)


„Das Repertoire an eingängigen Lerrformeln ist endlich; dafür sind die Gefahren, dass bei den Kampagnen etwas schiefgeht, endlos. Permanente Kontrolle aller Partner ist also angesagt – und der Verzicht auf Privatheit, die Auflösung der Individualität. Und weil es ja nie um Inhalte oder Haltungen geht und uns dieser Wahnsinn aus Weltbild-Dilettantismus, Beliebigkeit und Größenwahn so vertraut ist, lässt Zeller die branchenüblichen Worthülsen samt Strichlisten-Stakkato lawinenartig auf die Zuschauer einprasseln. Regisseur Burkhard Kosminski hat diesen Sog laut und poppig durch-rhythmisiert – und bedient ihn.“     (DeutschlandRadio, 6. Oktober 2013)



„Ein stählernes, bühnenhohes Klettgerüst ist dem Ensemble gleichsam Spielfläche und Ordnungsraster. Elementen einer PowerpointPräsentation gleich sollen die PR-Berater agieren. Sie tanzen und turnen in schwindelerregender Höhe oder lassen sich trocken protokollarisch referierend an der Front des Gitterkäfigs hängen, als hätte sie jemand an die Wand geworfen. Das ist beeindruckend, bisweilen auch spektakulär. Besonders Dascha Trautwein glänzt als abgebrühte Teamleiterin Sandra Ardnas mit artistischem Geschick.“     (Nachtkritik.de, 7. Oktober2013)


 

Nach oben


Mannheimer Bürgerbühne
LUST FOR LIFE (UA), Premiere A 03.10.2013
Inszenierung: Lajos Talamonti
Bühne und Kostüme: Linda Johnke
Dramaturgie: Stefanie Bub

LUST FOR LIFE (UA)<br />Premiere A 03.10.2013<br />© Foto: Christian Kleiner
LUST FOR LIFE (UA)Premiere A 03.10.2013© Foto: Christian Kleiner

„Die Anfangsszenen aus dem wirklichen Leben haben eine Intensität, die dem Zuschauer manchmal das Blut in den Aderns gefrieren lässt. Die einzelnen Rollen sind sorgfältig ausgearbeitet. Allen voran glänzen vier Alte durch anrührende Charakterdarstellung, in der Pausen und Blicke oft noch mehr aussagen als bärbeißige Worte, die zum Teil in Kurpfälzer Mundart gestaltet sind.“

„Die Jüngsten im Darstellerteam manschen als Ärzte in einem Hirn zur Chip-Implantation. In einer ekligen Videoprojektion lässt das Horrorgenre grüßen, Edler kommt dieses im Stil von Edgar Allen Poe daher, wenn eine eingefrorene Frau sich mit ihrem Ehemann unterhält. Eine attraktive Androidin weckt Filmreminiszenzen. Die Szenen sind turbulent und unterhaltsam. Alle hüpfen ausgelassen durcheinander.“     (Die Rheinpfalz, 7. Oktober 2013)


 „Lajos Talamontis Truppe hat sichtlich Spaß am Laienspiel und zeigt einmal mehr, dass es eine Illusion ist, an das (vor allem von der Popindustrie und der Werbebranche) gepredigte Prinzip „forever young“ zu glauben.“     (Rhein-Neckar-Zeitung, 5. Oktober 2013)


„Ein eleganter, von weißgefärbten Tarnnetzen umgebener Jungbrunnen steht im Zentrum der Bühne von Linda Johnke. In und um ihn herum wird manches geboten, das vielen etwas bringen soll. »Wissenschaft, Sciene Fiction und das wahre Leben remixed« hat Lajos Talamonti, Theatermacher mit Bürgererfahrung, im Programmheft in Klammer hinter seinem Namen stehen. Das ist ehrgeizig und verspricht viel.“„Bis dahin läuft es also (altersgemäß) für ein Laienprojekttheater ganz gut. Bis eine als Zuschauerin getarnte (und gut spielende) Akteurin als dramaturgischer Störer befindet, dass man das so nicht machen könne.“     (Mannheimer Morgen, 5. Oktober 2013)

Nach oben


Peter Stamm
AGNES, Premiere 19.09.2013
Inszenierung: Birgit Bauer
Bühne und Kostüme: Marcela Snaselova
Musik: Udo Knauer
Dramturgie: Lea Gerschwitz

AGNES<br />Premiere 19.09.2013<br />© Foto: Christian Kleiner<br />
AGNESPremiere 19.09.2013© Foto: Christian Kleiner

„Im Ganzen ein stimmungsvoller, poetischer und in der Dichte seiner Zwischentöne nachdenklich machender Theaterabend. Was am Anfang zunächst viel gedankliche Konzeption vermuten lässt, entfaltet sich dann als gelungene Symbiose mit überzeugenden Schauspielerleistungen sowie Elementen aus Architektur, Kunst, Literatur, Wissenschaft und Musik (Udo Knauer). Für die sehenswerte, 90-minütige Aufführung zum Saisonstart gab es starken Applaus.“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 21. September 2013)

„Über Liebe wird zwar gesprochen, aber spürbar ist sie weder bei Stamm noch in der Bearbeitung von Lea Gerschwitz (Dramaturgie) und der Regisseurin Birgit Bauer, die Agnes in ein neunzigminütiges Kunstwerk der kleinen Wahrheiten über das heutige Menschsein verwandelt, das sich in Single-Haushalten nach einer Zweisamkeit sehnt, die offenbar nicht zu leben ist.“
„Was Stamm beschreibt und Bauer behutsam inszeniert, ist eine Beziehung in modernen Zeiten, die zaghafte Suche nach Verbindlichkeiten in einer Welt, die wenig Stabilität und Zuverlässigkeit bietet.“
„Weit weg vom Zauber der Liebe erfahren wir eher ihre bestürzend langweiligen Schrecken, weil Birgit Bauer auf dem Prüfstand der Gefühle intelligent und einsehbar erklärt, weshalb die nüchterne Wahrheit gepaart mit Vorsicht und Misstrauen, immer wieder über die reinen Empfindungen triumphiert. Für solche Lektionen stehen der Regisseurin zwei bemerkenswerte Schauspieler zur Verfügung. In Michaela Klammingers Agnes dürfen wir eine Frau sehen, die sich nach liebender Zuwendung sehnt, diesen Gang in Ungewisse persönlicher Auslieferung aber nicht wagt.“ (Mannheimer Morgen, 21. September 2013)

 „Michaela Klamminger spielt Agnes anfangs als eine Frau von geheimnisumflorter Verletzlichkeit, die sich dann zunehmend entschlossen auf diese Liebeschance einlässt [...] Michael Fuchs macht aus dem Erzähler einen intellektuellen Zauderer, einen jungenhaften Wuschelkopf, der die Hände nicht aus den Taschen und den Fuß nicht ins Leben kriegt.[…]“
„Erwähnt werden muss noch das spielerisch-kluge Bühnenbild von Marcela Snaselova. Die hat dem Unglückspärchen einen großen weißen Zauberwürfel hingestellt, anfangs eine perfekte Form wie die symmetrischen Kristalle, über die Agnes ihre Doktorarbeit schreibt. Aber dann verwandeln sich immer mehr Würfelteile in Sitzgelegenheiten, Treppen und Liegeflächen, bis alles so herrlich durcheinander ist, wie die Welt des Erzählers und seiner Agnes. Die beiden versuchen erst gar nicht, das Ding wieder zusammenzubekommen.“   (Die Rheinpfalz, 21.09.2013)

Nach oben



Folge den Freunden auf facebook

Osteria Vineria bietet gehobene italienische Küche, stets saisonal und frisch, 2/3 gängiges Mittagsmenue oder nach dem Theater das Theatermenü (bitte reservieren).

HomeKontakteImpressumDatenschutz