Pressestimmen Schauspiel Spielzeit 2015/2016


Stiftung Nationaltheater: Dr. Georg Müller übernimmt den Vorsitz in Nachfolge auf Dr. Marcus Kremer

© Bericht im MM vom 13.07.2016, Peter W. Ragge, O-Ton

„Der Mozartsommer, der am Samstag beginnt - er wäre ohne sie undenkbar: die Stiftung Nationaltheater. "Wir wollen besondere Dinge ermöglichen, damit das Haus überregional wahrgenommen wird", beschreibt Georg Müller die Aufgabe der Stiftung. Der MVV-Vorstandschef hat jetzt, als Nachfolger von Marcus Kremer, den Vorsitz dieser Stiftung übernommen.“





(...) „Die Arena, die Kunsthalle und die Reiss-Engelhorn-Museen und eben das Nationaltheater - für Müller sind das "auch die Ankerpunkte, die von Mannheim überregional beachtet werden. Wenn hier etwas Besonderes läuft, nimmt man das woanders wahr, das macht die Region attraktiv", weiß Müller. Das wiederum sei wichtig im Wettbewerb der Regionen untereinander, ob um Investoren oder Fachkräfte.“
„Das ist für ihn der "ganz rationale Grund", warum sich die Wirtschaft generell und die von ihm geführte MVV Energie AG für Kultur generell und das Nationaltheater engagieren. So ist die MVV schon seit Beginn an Förderer der Jungen Oper, hat sie überhaupt erst möglich gemacht. Aber auch persönlich ist Müller ein großer Freund von Kunst und Kultur. Rund zehn bis zwölf Abende im Jahr schafft er es ins Nationaltheater, zu Premieren ebenso wie spontan zu Repertoirevorstellungen. (...)
„Bislang stand Marcus Kremer an der Spitze der Stiftung Nationaltheater. Der frühere Vorstandschef der Mannheimer Versicherung führt aber inzwischen die Krankenversicherungssparte des Mannheimer-Mutterkonzerns Continentale in Dortmund. Als sich nun die Frage stellte, wer seine Aufgabe übernimmt, war Müller gerne bereit - aus beruflicher wie persönlicher Überzeugung. "Das Nationaltheater ist für Mannheim ein wichtiger Leuchtturm, und als Teil der Stadtgesellschaft sollte man sich dafür engagieren, dass das so bleibt", meint er. Dabei spannt er einen großen historischen Bogen. Als Kurfürst Carl Theodor 1777 sein bayerisches Erbe antreten, der Hof Mannheim verlassen musste, beließ er das Nationaltheater in der Stadt - und überantwortete es der Bürgerschaft. "Wir sind ein bürgerschaftliches Theater, das merkt man schon am Anspruch der Leute, mitzureden, das bedingt manchmal ein Spannungsverhältnis, aber erzeugt auch hohe Bereitschaft, sich zu engagieren, sich einzubringen", so Müller. Das bedeute freilich nicht, dass Stadt und Land nicht in der Pflicht seien, den Betrieb zu ermöglichen.“
„Die Stiftung Nationaltheater will dies bewusst nicht. "Wir zahlen nichts für den laufenden Betrieb", stellt Müller klar. Wer sich für eine Zustiftung für die Stiftung entscheide oder ihr seinen Nachlass vermache, lege - anders als mit einer einmaligen Spende - ein langfristiges Fundament für große Kunst. Der Stiftung gehe es allein darum, aus ihren Erträgen besondere Projekte zu fördern, die entweder dem künstlerischen Nachwuchs neue Perspektiven eröffnen oder der überregionalen Wahrnehmung des Hauses dienen. Daher unterstützte die Stiftung die "Golem"-Uraufführung, daher ermöglicht sie im November das Festival zum zehnjährigen Bestehen der Jungen Oper und den am Samstag beginnenden Mozartsommer.“

DIE STIFTUNG
„Die "Stiftung Nationaltheater" wurde 2001 mit Startkapital vom Verein "Freunde und Förderer des Nationaltheaters" gegründet.
Inzwischen zählt der Kreis der Stifter 31 Privatpersonen und 17 Firmen, die auf der Stiftertafel im Foyer aufgeführt sind und in Programmheften genannt werden. Sie brachten bisher 1,6 Millionen Euro auf. Ausgeschüttet wird stets nur, was das Kapital an Zinsen abwirft - nur für Projekte, die über den normalen Spielbetrieb hinausgehen.
Infos unter www.stiftung-nationaltheater-mannheim.de
Den Vorstand bilden Georg Müller, Vorstandschef der MVV Energie AG, und als Stellvertreter Rechtsanwalt Christof Hettich.“


 

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STAFFELÜBERGABE von THOMAS KÖCK, Hausautor der Spielzeit 2015/16 an AKIN E. SIPAL, Hausautor der Spielzeit 2016/17

STAFFELÜBERGABE von THOMAS KÖCK an AKIN E. SIPAL ©Foto: Andreas Neumann MM
STAFFELÜBERGABE von THOMAS KÖCK an AKIN E. SIPAL ©Foto: Andreas Neumann MM

Die Institution des Hausautoren wird von den Freunden und Förderern des Nationaltheaters finanziert.

"Herzlich willkommen und viel Spaß" - es waren keine großen Worte, mit denen Thomas Köck die Staffel des Hausautoren an seinen Nachfolger Akin E. Sipal weiterreichte. Was sollte er auch einem Dramatiker mit auf den Weg geben, der in Mannheim und am Nationaltheater kein Unbekannter mehr ist, dessen Stück "Santa Monica" noch bis Mitte Juli auf dem Spielplan steht. Eher ließ sich der Ideenfinder des monatlichen Salons "Statisten, Geister, Geliebte" in der Werkhaus-Lobby auf ein Podiumsgespräch über seine Eigenproduktionen ein und tauschte sich mit dem filmerfahrenen Akin E. Sipal ... über die Freiheit des Schreibens und den unterschiedlichen Umgang mit Sprache aus.“
(...) „Und wer als Stückeschreiber und Drehbuchautor über seine Arbeit spricht, reflektiert unweigerlich die differenzierte Umsetzung des geschriebenen Wortes auf der Bühne oder im Film. "Letztendlich liegt es am Regisseur, was von der Buchvorlage realisiert, was gestrichen oder verändert wird", so waren sich beide einig. Medienübergreifend zu schreiben, ist für Sipal, den Absolventen eines Filmstudiums, eine spannende Angelegenheit: "Ich versuche eine spezielle Sprache für Theater und Film zu finden", meint Sipal, der zur Zeit ... an einem Dokumentarfilm arbeitet.“
"Die Freiheit des Schreibens ist abhängig von dem, was die Medien zulassen", sagt der studierte Philosoph und Literaturwissenschaftler Thomas Köck. In Berlin macht er derzeit den Master im Szenischen Schreiben und in Österreich wartet mit dem Audio-Walk "Strotter" eine interessante Herausforderung. Zusammen mit dem Regisseur Tomas Schweigen vom Wiener Schauspielhaus arbeitet er eine Stückentwicklung im öffentlichen Raum aus; "das bringt völlig neue Aspekte", begeistert sich Köck und schildert die Suche nach Spielorten, die Proben zu Textfragmenten, die Einbeziehung des Publikums. Die Vielseitigkeit des 30-jährigen Österreichers zeigt sich in den unterschiedlichen Genres seiner durchweg preisgekrönten Theaterstücke. Neben der Wiener Zukunftsvision "Strotter" und der Bauernoper "Kudlich" glänzt er mit seiner Klimatrilogie "Paradies Fluten", der zweite Teil "Paradies Hungern" wird im Oktober in Marburg uraufgeführt. Mit "Jenseits von Fukuyama", das im Mai 2015 Premiere am NTM feierte, gewann er den 1. Osnabrücker Theaterpreis und für "Isabelle H." den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis. Wie geht es weiter mit Thomas Köck? Noch pendelt er zwischen Wien und Berlin hin und her, will den stets hinausgeschobenen Master beenden. Dann aber zieht es ihn hinaus in die Welt, wie er gesteht, möchte er vielfache Theatererfahrung machen, neue Teams kennenlernen und dem Plan nachgehen, in Zusammenarbeit mit dem Ballett einen Dialog zwischen Körpersprache und gesprochenem Wort zu finden.

Akin E. Sipal ist der nunmehr 20.  Dramatiker, der seit der Gründung dieser deutschlandweit einzigartigen Institution des Hausautoren am NTM eingeladen wurde, um für eine Spielzeit vor Ort zu arbeiten. Seine Begeisterung und sein Wissensdrang sind phänomenal, er freut sich auf die Theaterleute und auf die Mannheimer, die er mit einbeziehen möchte in seine Pläne. So denkt er an ein Episodenstück, das gemeinsam mit den Bürgern über eine längere Zeit entwickelt wird. Auch Themenabende schweben ihm vor, ähnlich dem Salon von Köck, aber verbunden mit szenischen Lesungen. Zunächst jedoch zieht es ihn in die Ruhe und wunderbare Natur am Rande von Adana, wo seine Eltern ein Haus besitzen. Hier an der anatolischen Südküste am Fuße des Taurusgebirges verdichten sich Kultur und Geschichte. Hier liegt die fünfheiligste Stadt des Landes: Urfa ist ein Wallfahrtsort, an dem sich derzeit zahllose syrischen Flüchtlinge aufhalten. Die Atmosphäre sei dementsprechend aufgeladen, doch bei aller existenzieller Not leben die Flüchtenden hier frei und versorgt.“
© Christina Altmann, Mannheimer Morgen, Montag, 04.07.2016


 

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Dr. Ralf Klöter wechselt zur Spielzeit 2017/2018 an die Hamburgische Staatsoper

Der Geschäftsführende Intendant am Nationaltheater Mannheim (NTM), Dr. Ralf Klöter, wird zur Spielzeit 2017/2018 die Position des Geschäftsführenden Direktors an der Hamburgischen Staatsoper übernehmen. „Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Herr Klöter für weitere fünf Jahre hier an zentraler Position am Nationaltheater gewirkt hätte, gratuliere ihm aber zu seiner Berufung nach Hamburg. Der Wechsel an die Hamburgische Staatsoper ist auch eine Wertschätzung für das NTM“, betont Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz. Klöter war seit November 2011 am Nationaltheater erfolgreich tätig, zunächst als Kaufmännischer Direktor und seit März 2013 dann als Geschäftsführender Intendant und erster Eigenbetriebsleiter.

Kulturbürgermeister Michael Grötsch dankt dem gebürtigen Wuppertaler mit beruflichen Stationen in Nürnberg und Kiel für sein Engagement beim Aufbau des neuen Leitungsmodells am Nationaltheater Mannheim: „Durch seine vertrauensvolle Mitwirkung an der Neukonzeption der Führungsaufgaben des Hauses konnte die spezifisch Mannheimer Variante des Mehrintendanten-Modells auf eine solide und nachhaltig funktionsfähige Basis gestellt werden. Ich hätte gerne die Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Klöter fortgesetzt, habe aber großes Verständnis für diesen Karrieresprung.“

„Das NTM ist ein Haus, das einen auch nach heutigem Maßstab effizienten Theaterbetrieb ermöglicht und durch seine architektonische Eleganz und Schönheit zu faszinieren weiß“, so Klöter. Bevor er das NTM zum Ende der Spielzeit 2016/17 verlässt, werden seine Arbeitsschwerpunkte die weitere Planung und Vorbereitung der Generalsanierung sowie das 60jährige Jubiläum des Theaters am Goetheplatz sein. Im Rahmen von „Hausbesuchen“ gibt er ab Herbst 2016 interessierten Besucherinnen und Besuchern Einblick in diese Themen.

Pressemitteilung des Nationaltheaters vom 28.06.2016


 

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27.06.2016
Schauspielintendant BURKHARD C. KOSMINSKI verlängert bis 2022

Der Gemeinderat der Stadt Mannheim ist in einer Sondersitzung der einstimmigen Empfehlung des Kulturausschusses gefolgt und hat den Vertrag des Schauspielintendanten Burkhard C. Kosminski um weitere fünf Jahre bis zum Sommer 2022 verlängert. Der bisherige Vertrag war bis Sommer 2017 befristet.

Burkhard C. Kosminski kam 2006 als Schauspieldirektor ans Nationaltheater Mannheim. Seit 2013 ist er Schauspielintendant und Eigenbetriebsleiter und leitet in einem fünfköpfigen Intendantenteam das Vierspartenhaus, das als eines der größten und ältesten kommunalen Theater Deutschlands gilt.
Burkhard C. Kosminskis wichtige künstlerische Leitlinie am Nationaltheater Mannheim ist neben der Klassiker-Pflege das zeitgenössische Autorentheater. Seit seiner Leitung  sind Stücke von renommierten Autoren wie u.a. Theresia Walser, Ewald Palmetshofer, Ulrike Syha, Felicia Zeller, Marianna Salzmann, Martin Heckmanns,  Roland Schimmelpfennig, Tracy Letts, Tony Kushner, Philipp Löhle, Simon Stephens am NTM ur- oder erstaufgeführt worden. Daneben führt er die Tradition eines jährlich wechselnden Hausautors fort, der für das NTM ein neues Stück entwickelt.

Burkhard C. Kosminski ist Künstlerischer Leiter der Internationalen Schillertage, die am Nationaltheater Mannheim biennal veranstaltet werden und vom 15.-23. Juni 2017 zum 19. Mal stattfinden. 2012 wurde auf seine Initiative die Mannheimer Bürgerbühne gegründet. 2015 fand unter seiner Künstlerischen Leitung das 2. Bürgerbühnenfestival am NTM statt. Zusammen mit Matthias Lilienthal kuratierte er 2014 das Festival Theater der Welt.
Burkhard C. Kosminski konnte unter seiner Intendanz die Zuschauerzahlen am Schauspiel kontinuierlich steigern. In der Spielzeit 2013/2014 verbuchte das Schauspiel die besten Zuschauerzahlen seit 20 Jahren. Zudem erreichte er mit Projekten wie z.B. „Integration durch kulturelle Teilhabe“ eine weitere Öffnung des Theaters in die Stadt und damit auch eine breite Vernetzung in die Mannheimer Stadtgesellschaft.


 

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Gastspiel der Schaubühne Berlin, 20.06.2016
Milo Rau
MITLEID. DIE GESCHICHTE DES MASCHINENGEWEHRS
mit den Schauspielerinnen
Consolate Sipérius und Ursina Lardi

MITLEID. DIE GESCHICHTE DES MASCHINENGEWEHRS, Gastspiel der Schaubühne Berlin, 20.06.2016 ©Foto: Daniel Seiffert
MITLEID. DIE GESCHICHTE DES MASCHINENGEWEHRS, Gastspiel der Schaubühne Berlin, 20.06.2016 ©Foto: Daniel Seiffert
MITLEID. DIE GESCHICHTE DES MASCHINENGEWEHRS, Gastspiel der Schaubühne Berlin, 20.06.2016 ©Foto: Daniel Seiffert
MITLEID. DIE GESCHICHTE DES MASCHINENGEWEHRS, Gastspiel der Schaubühne Berlin, 20.06.2016 ©Foto: Daniel Seiffert

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 22.06.2016, Alfred Huber

„Alles verwüstet. Umgestürzte Plastikstühle, dürres Geäst, ein halb verkohltes Sofa. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Überall Zeichen des Krieges. In dem Zwei-Personen-Stück "Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs" von Milo Rau erfährt man viel über den Menschen, über seine Schuldfähigkeit, aber auch über seine Ohnmacht, wenn es gilt, anderen zu helfen. Jedenfalls lässt das Gastspiel der Berliner Schaubühne im Nationaltheater befürchten, dass der Neurowissenschaftler Gerhard Roth gar nicht so falsch liegt, wenn er Begriffe wie "Würde" oder "Seele" als Hirngespinste bezeichnet, mit denen wir uns selbst belügen, um den letzten Rest unserer Bedeutung zu retten.

Inmitten von Chaos und Zerstörung auf der Bühne des Schauspielhauses steht eine Frau im kurzen blauen Kleid. Es ist Ursina Lardi. Später hält sie das Foto von Ailan Kurdi vor die Videokamera. Der Tod des dreijährigen Jungen aus Syrien, ertrunken auf der Flucht und vor der türkischen Küste angeschwemmt, hat weltweit für Entsetzen und Erschütterung gesorgt.
Ursina Lardi spielt gewissermaßen sich selbst, eine Schauspielerin, die angeblich früher als Entwicklungshelferin im Kongo gearbeitet hat und nun zu Recherchezwecken hierher zurückkehrt. Zuvor hat sie gemeinsam mit Milo Rau ein Flüchtlingslager an der mazedonischen Grenze besucht. Was sie dort sieht, eine bestens organisierte Versorgung, beschreibt sie mit leichtem Spott und schlägt auf diese Weise einen provokanten Bogen zur heutigen Situation in Zentral-Afrika.
Das Stück beginnt mit einem Prolog der dunkelhäutigen Consolate Sipérius. Die in Burundi geborene belgische Schauspielerin, deren Eltern 1993 vor ihren Augen bei einem Genozid mit Maschinengewehren ermordet wurden, erzählt eindringlich und sympathisch distanziert aus ihrem Leben. Sie nennt sich "Zeugin", sitzt hinter einem Tisch, ihr Gesicht erscheint groß auf jener Leinwand, die anschließend von der ausdrucksstarken Mimik Ursina Lardis beherrscht wird.
Wir sehen der ehemaligen Entwicklungshelferin beim Nachdenken zu, begreifen, wie sich die mitunter stockend vorgetragenen Fragmente des Erinnerns allmählich, nicht frei von Ironie und Zynismus, zu fest gefügten Bildern des Grauens formen.
Neu sind solche Berichte nicht. Dennoch erschrickt man immer wieder, wie konsequent brutal das sogenannte Böse mit der menschlichen Existenz verstrickt sein kann. Bestürzend ist vor allem, mit welch souveräner Selbstverständlichkeit Ursina Lardi das alles vorträgt, wie genau sie zu dosieren weiß, was wir uns auf dem Weg zu einer vermeintlich humaneren Welt gerne erspart hätten. Doch Milo Rau zitiert in seinen Texten nicht nur das Furchtbare, sondern stellt auch die Frage nach den Ursachen, nach dem fehlenden Mitleid, das allerdings schon Arthur Schopenhauer nur für kurzfristige emotionale Zuwendungen als tauglich befand.
Man kann den Menschen auf Hass, Missgunst, Egoismus oder Aggressivität reduzieren und so die verantwortlichen Impulse für die bestialischen Hinrichtungen und Vergewaltigungen benennen, die es ja nicht nur beim Völkermord in Ruanda gab, sondern auch während des Balkankonflikts in den neunziger Jahren. Restlos erklären lassen sich diese Vorgänge trotzdem nicht. Zwar polarisiert Rau geschickt, doch wie man dem Rätsel Mensch begegnen könnte, lässt er offen. Hoffentlich nicht mit Hilfe jener Rache-Fantasien, die er mit den Filmen "Dogville" und "Inglourious Basterds" in Verbindung bringt.
Die Menschheit hat ihre Unschuld, falls sie je eine besaß, schon lange verloren. Nicht nur Kolonialismus und Imperialismus haben unauslöschliche Spuren hinterlassen. Doch was an diesem Abend verstört, sind nicht allein die geschilderten Grausamkeiten, sondern, dass er uns zwingt, die eigene oft folgenlose Betroffenheit zu hinterfragen und den persönlichen Zynismus dort einzugestehen, wo wir beginnen, uns im Verdrängungsprozess phrasenreich und selbstgerecht mit der Unausweichlichkeit des Leides abzufinden.“


 

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BURKHARD C. KOSMINSKI, Mannheims Schauspielintendant im Gespräch mit Stefan M. Dettlinger

©Mannheimer Morgen, 20.06.2016 im O-Ton

„Die zehn Jahre sind nach dieser Saison voll, dann bleibt Mannheims Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski noch fünf weitere im Nationaltheater (NTM) am Goetheplatz tätig - so lang wie vor ihm kein Schauspielchef. Hat Kosminski einen Kurswechsel vor? Wird er mal wieder einen Klassiker inszenieren, einen Schiller auf der Schillerbühne gar? Darüber und über vieles mehr spricht er im Interview.

Herr Kosminski, gerade hat der Gemeinderat Ihrer Vertragsverlängerung zugestimmt. Gratulation. Vor Jahren glaubte man ja, Sie würden weggehen wollen, ja, Sie selbst haben sogar davon gesprochen. Nun bleiben Sie für weitere fünf Jahre. Was hält Sie?
Burkhard C. Kosminski: Herzlichen Dank, ich freue mich wirklich sehr über das große Vertrauen des Mannheimer Gemeinderats, das, so wie ich es verstehe, sich natürlich auf die Arbeit des ganzen Teams bezieht. Von meiner Seite aus gab es bisher nie ersthafte Überlegungen, von Mannheim wegzugehen, obwohl es in den letzten zehn Jahren zwei interessante Angebote gab. In Mannheim Theater zu machen, ist einzigartig. Wir haben ein fantastisches, interessiertes und neugieriges Publikum und auf Seiten der politischen Entscheidungsträger extrem verlässliche Partner, die es wirklich ernst meinen mit ihrem Bekenntnis zu Kunst und Kultur. Außerdem möchte ich die Zusammenarbeit mit diesem wunderbaren Ensemble fortführen.

Sie werden, jedenfalls unseren Recherchen nach, 2022 der am längsten amtierende Schauspielchef in der NTM-Geschichte sein. Sind Sie sich der Verantwortung bewusst?
Kosminski: Natürlich bin ich mir dessen bewusst. Aber es ist auch nicht ungewöhnlich, dass regieführende Intendanten sich bewusst für eine Stadt entscheiden und kontinuierlich arbeiten. Dem widerspricht nicht, dass Theater davon lebt, sich künstlerisch weiterzuentwickeln.

Gehen Sie Ihren bisherigen Weg mit viel junger und amerikanischer Dramatik weiter? Oder was haben Sie sich vorgenommen für die kommenden fünf Jahre?
Kosminski: Wir werden weiterhin zeitgenössisches Autorentheater machen und an gesellschaftlichen Debatten teilhaben, wie beispielsweise mit unserer neuen Reihe "Mannheimer Reden" in Kooperation mit Christof Hettich und der SRH Heidelberg. Im Moment sind wir dabei, ein Netzwerk mit Künstlern, Autoren und Theatern aufzubauen, um das Nationaltheater auch stärker international zu positionieren.

Inwiefern nutzt nationales und internationales Renommee vor Ort?
Kosminski: In einer globalisierten Welt sind europäische Themen zeitversetzt häufig regionale Krisen, wie wir es derzeit in der sogenannten Flüchtlingskrise ja wahrnehmen. Der fremde Blick kann inhaltlich und künstlerisch sehr wertvoll sein.

In Mannheim haben Sie mit "Was ihr wollt" 2010 einen Klassiker inszeniert. Kommt da noch mal einer nach auf der Schillerbühne?
Kosminski: Es ist interessant, dass Sie danach fragen. Ich habe natürlich schon einige Klassiker inszeniert und denke gerade ernsthaft über eine Schiller-Inszenierung nach.

Und Sie dürfen noch nicht sagen, welcher Schiller, stimmt's?
Kosminski: Natürlich, da haben Sie vollkommen recht.

Unserer Information nach haben Sie auch den algerischen Autor Boualem Sansal mit einem Stück beauftragt. Geht es um seine Orwell-Utopie "2084" über einen religionsfanatischen Staat?
Kosminski: Wir haben uns mit Boualem Sansal getroffen und eine Zusammenarbeit vereinbart.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Intendantenwechsel beim Tanz und in der Oper?
Kosminski: Im Moment habe ich noch etwas Wehmut beim Abschied von meinen beiden Kollegen Klaus-Peter Kehr und Kevin O'Day. Für uns fünf Intendanten war es eine ganz besondere Zeit, dieses neue Intendantenmodell gemeinsam mit Leben zu füllen. Aber natürlich freue ich mich auch auf die Begegnung und Zusammenarbeit mit Albrecht Puhlmann und Stephan Thoss, mit denen wir künstlerisch neue Wege suchen.

Spartenübergreifendes Arbeiten ist jetzt plötzlich möglich. Oper kooperiert mit Schauspiel und Tanz. Das ist toll. Warum geht das erst jetzt?
Kosminski: In der Vergangenheit hatten wir bereits mit der Oper kooperiert, und zwar bei Calixto Bieitos "Sturm"-Inszenierung. Für eine sinnvolle Kooperation braucht es immer eine zwingende Idee. Im Fall von Roland Schimmelpfennigs neuem Stück "Das große Feuer", das im Januar 2017 uraufgeführt wird, hat es sich einfach angeboten, spartenübergreifend mit der Oper zusammenzuarbeiten. Hinzu kommt, dass Albrecht Puhlmann auch ein großes Interesse an zeitgenössischen Autoren hat, was mich sehr freut.

Puhlmann liebt ja auch Bieito. Wann kommt er wieder?
Kosminski: Wir beide schätzen Calixto Bieito. Man darf gespannt sein, ob und wann er als Nächstes in Mannheim inszeniert.“


 

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DAVID MÜLLER erhält den ARNOLD-PETERSEN-PREIS 2016
07.06.2016

David Müller ©Foto: Hans Jörg Michel
David Müller ©Foto: Hans Jörg Michel

Der mit 5.000 Euro dotierte Arnold-Petersen-Preis geht in diesem Jahr an den Schauspieler David Müller. Der Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses wurde 1992 von dem Unternehmer Roland Ernst und einem Freundeskreis gegründet. Die Roland-Ernst-Stiftung verleiht den Preis inzwischen zum 22. Mal. Benannt ist der Preis nach dem langjährigen und 2013 verstorbenen Mannheimer Generalintendanten Arnold Petersen. Der Preis wird für eine herausragende künstlerische Nachwuchsleistung an ein Ensemblemitglied des Nationaltheaters Mannheim vergeben.

David Müller ist seit der Spielzeit 2013/2014 festes Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim, wo er u.a. in Schillers Die Räuber, Das schwarze Wasser (UA) von Roland Schimmelpfennig, In den Westen (UA) von Thomas Arzt oder Brilliant Adventures (DSE) von Alistair McDowell zu sehen war. In der laufenden Spielzeit steht David Müller u.a. in Santa Monica (UA) von Akin Sipal, Die heilige Johanna der Schlachthöfe von Bertolt Brecht, Leonce und Lena von Georg Büchner und Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben auf der Bühne.
              
Die Preisverleihung findet zu Beginn der kommenden Spielzeit statt. Ein genauer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.


 

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Kurt Wilhelm nach einer Geschichte von Franz von Kobell
DER BRANDNER KASPAR UND DAS EWIG’ LEBEN, Premiere 04.06.2016
Inszenierung: Susanne Lietzow

DER BRANDNER KASPAR UND DAS EWIG’ LEBEN, Premiere 04.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER BRANDNER KASPAR UND DAS EWIG’ LEBEN, Premiere 04.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER BRANDNER KASPAR UND DAS EWIG’ LEBEN, Premiere 04.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER BRANDNER KASPAR UND DAS EWIG’ LEBEN, Premiere 04.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER BRANDNER KASPAR UND DAS EWIG’ LEBEN, Premiere 04.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DER BRANDNER KASPAR UND DAS EWIG’ LEBEN, Premiere 04.06.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Aurel Lenfert
Kostüme: Marie Luise Lichtenthal
Video: Petra Zöpnek
Musik: Gilbert Handler
Licht: Damian Chmielarz
Dramaturgie: Tilman Neuffer

       
››Und es gelingt dem sympathischen Filou (in Idealbesetzung: Reinhard Mahlberg) tatsächlich, mittels herzoglichem Kirschschnaps und Kartenspiel Gevatter Tod, dem bajuwarischen ›Boandlkramer‹, ein Schnippchen zu schlagen. […] In München ist die Inszenierung des Oberammergauer Regisseurs Christian Stückl seit über zehn Jahren eine stets ausverkaufte Kult-Veranstaltung. Das könnte nun auch Mannheim bevorstehen, wo Susanne Lietzow mit viel Gespür – und grandioserer Bühne – für pralle Komik sorgt. […]. Dabei ist nichts so schwierig wie Komödie. Doch Susanne Lietzow ist ihr meist gewachsen und setzt auf pralles Typen-Spiel, etwa mit einer grandios sing-jodelnden Almut Henkel oder mit Stefan Reck, der einen Petrus gibt, der dem ›Königlich-bayerischen Amtsgericht‹ zur Ehre gereichen würde. Sven Prietz, ohnehin ein verlässliches Komik-Talent, überzeugt als trauriger Jäger ohne Zielwasser ebenso wie Katharina Hauter als patente Brandner Enkelin Marei. Die Regie steckt ihre honorigen Alm-Helden in die üppigen wie gelungenen Kostüme Marie-Luise Lichtenthals […]. Diese bergige Bühne (effektvoll-illustrativ [...] von Petra Zöpnek) ist eine Herausforderung und gleichsam glänzend genutzte Chance für das kraxelnde, schwebende und rutschende Ensemble. Wie ein spitzknochiger Flummi turnt hier der agil-humorige Boris Koneczny als trinkfreudiger Boandlkramer und Publikumsliebling durch sein Reich zwischen Himmel, Erde und Hölle. Die menschliche Hölle auf Erden aus Not, Elend und Trauer kommt trotz Lachen nicht zu kurz. Dafür sorgt nicht nur der wahrhafte Ton von Reinhard Mahlberg, sondern auch Lietzows Ansatz, den Humor-Abend nicht im schrillen Trash à la ›Geierwally‹ untergehen zu lassen. Sie denunziert das Volkstheater nicht. Dies ist vielleicht die größte Leistung dieses kuriosen NTM-Ausnahmeabends. Brausender Applaus.‹‹
(Mannheimer Morgen, 6. Juni 2016) 

››In Bayern ist Kurt Wilhelms ›Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben‹ Kult. Dass sich mit dem tiefgründigen Mundartklamauk auch außerhalb der Landesgrenzen etwas anfangen lässt, hat nun in Mannheim Susanne Lietzow bewiesen. […]Susanne Lietzow hat den Mundarttext für Mannheim in einem Kunstdialekt gezähmt, ist ansonsten mit ihrer Inszenierung aber nah dran an der volkstümlichen Vorlage, lässt sich ein auf die Sentimentalitäten der Arme-Leute-Geschichte, persifliert die soziale Hierarchie des Dorflebens und treibt mit dem Himmel ihren klamaukigen Spaß. Aurel Lenfert hat dafür ein Trumm von einem Berg gebaut, auf dem sich viel herumklettern und herunterrutschen lässt. […]  Star des Abends ist Boris Koneczny, der aus dem Boandlkramer, wie man den Tod in Bayern leutselig nennt, eine herrliche Mischung aus Gründgens Faust, Nosferatu und Rumpelstilzchen macht, eine fröstelnde Kalamitätenexistenz im altmodischen Gehrock.‹‹
(Die Rheinpfalz, 6. Juni 2016)
 
››Gilbert Handlers Bühnenmusik mit ihren eingängigen Glockenspiel-Klingklang und den elektropop-Rhythmen ergänzt die Musikalität des Dialekts auf stimmige Weise. […] Die Produktion kommt deshalb so gut an, weil die Regisseurin mit beiden Händen in die Register der Parodie greift, ohne dabei den Stoff zu denunzieren. Außerdem wird dem Publikum jede Menge Augenfutter geboten […]. Reinhard Mahlberg zieht in der Titelrolle bajuwarisch derb vom Leder. Boris Koneczny ist als tänzelnder, scharwenzelnder Tod der Star des Abends. […] Alle anderen kommen ebenfalls gut an, darunter auch Jaques Malan gespielte fette Engel […]. Ein Abend zum Schwelgen über eine bierernste Angelegenheit.‹‹ (Rhein-Neckar-Zeitung, 6. Juni 2016)


 

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Anne Lepper
MÄDCHEN IN NOT (UA), Premiere 26.05.2016
Inszenierung: Dominic Friedel
Bühne und Kostüme: Peter Schickart
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

MÄDCHEN IN NOT (UA), Premiere 26.05.2016 ©Foto: Christian Kleiner
MÄDCHEN IN NOT (UA), Premiere 26.05.2016 ©Foto: Christian Kleiner
MÄDCHEN IN NOT (UA), Premiere 26.05.2016 ©Foto: Christian Kleiner
MÄDCHEN IN NOT (UA), Premiere 26.05.2016 ©Foto: Christian Kleiner
MÄDCHEN IN NOT (UA), Premiere 26.05.2016 ©Foto: Christian Kleiner
MÄDCHEN IN NOT (UA), Premiere 26.05.2016 ©Foto: Christian Kleiner

››Regisseur Dominic Friedel hat Erfahrung mit dem ganz speziellen Lepper-Sound. In Bern hat er ihr viel beachtetes Stück Seymour in Szene gesetzt. Er versteht es auch in Mannheim, seine Schauspieler*innen Subtexte rüberbringen zu lassen. Kongenial ist die Regie-Idee, die komplizierte Komposition der Geschichte als Marionettenaufführung mit naiver ballettöser Choreographie spielen zu lassen. Sein Team bewältigt diese Aufgabe mit bewundernswerter Intensität. Der Fluch der Suche nach dem idealen Glück wird als perfider Businessplan für ein letztlich scheiterndes Leben eindringlich vorgeführt. Alles ist zu kaufen, wenn man selbst käuflich ist. Die Magie der schönen neuen Welt, everything goes, ein grandioses Missverständnis. Ein faszinierendes und zugleich verstörendes Theatererlebnis ist in Mannheim geboten, nicht zuletzt wegen der phantasievollen Kostüme Peter Schickarts und der fulminanten Lichtregie von Wolfgang Schüle.‹‹
(nachtkritik.de, 26. Mai 2016)

››Am Nationaltheater Mannheim findet Dominic Friedel, erfahrener Lepper-Regisseur, schillernde Bilder für eine schillernde Situation. […] Effektvolle Bilder (Ausstattung: Peter Schickart) ergeben sich […], nicht zuletzt durch den Einsatz von Licht und Theaternebel, der die Chorauftritte begleitet – teils als trippelnde, trappelnde Zylinderträger, teils als Geisterlein in Ganzkörperanzügen auf leisen Sohlen. Anne-Marie Lux und Sabine Fürst als Baby und Dolly tragen Riesenpappköpfe auf ihren Körperchen, ebenso nach Bedarf Julius Forster und Hannah Müller als echte Männer und Duran-Duran. Michael Fuchs steht als Mutter rum und redet mit (›was werden die Leute sagen‹). Eine Freude, wie Fuchs nicht ins Parodieren gerät, sondern minimalistisch Komik produziert. Nur Müller als Duran-Duran wird spät ein wenig ertragreiches Sich-Ereifern abverlangt – Leppers Worte sprechen ja glasklar für sich –, ansonsten ist der Ton scharf, aber gedämpft.‹‹
(Frankfurter Rundschau, 28. Mai 2016)

››Baby (engagiert vielseitig: Anne-Marie Lux) träumt davon, ihr eigenes Leben zu führen. […] Neben Baby stößt Freundin Dolly (brillant: Sabine Fürst) ins gleiche Horn, nur ist ihr Klagelied trauriger: […] Dominic Friedel tut das einzig Richtige: Er zieht das bisschen Frauenfrust buchstäblich künstlich in die Länge. Dem umgekehrten Olympia-, Pygmalion-, Lulu-Stoff zuliebe verordnet er seinen Darstellern Automaten- und Puppenspiel. Melodramatik, Pathos, umhüllt ihn mit einer Wolke von artifizieller Spielastik, die […] zauberisches Kolorit belässt.‹‹ (Mannheimer Morgen, 28.Mai 2016)

››Man könnte die Uraufführung im Mannheimer Nationaltheater-Studio getrost in die Schublade der bemühten Dutzendware stecken und rasch vergessen, wäre da nicht die atmosphärische dichte Regie Dominic Friedels mit all ihren postbrechtianischen Verfremdungseffekten, mit den Stimm-Modulationen des spielfreudigen Ensembles, den grotesken Pappmasken, den puppenhaften Bewegungsmustern sowie den magischen Licht- und Projektionseffekten des Gespanns Regina Hess und Wolfgang Schüle.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 28. Mai 2016)


 

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DIE SCHUTZFLEHENDEN, Premiere 21.05.2016, Schauspielhaus
Aischylos / Aktivist*innen, Anwält*innen, Dolmetscher*innen, Entscheider*innen, Flüchtlingshelfer*innen, Geflüchtete, Politiker*innen, Polizist*innen, Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen

DIE SCHUTZFLEHENDEN, Premiere 21.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE SCHUTZFLEHENDEN, Premiere 21.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE SCHUTZFLEHENDEN, Premiere 21.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE SCHUTZFLEHENDEN, Premiere 21.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE SCHUTZFLEHENDEN, Premiere 21.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE SCHUTZFLEHENDEN, Premiere 21.05.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

In Zusammenarbeit mit der Mannheimer Bürgerbühne
Inszenierung: Volker Lösch
Bühne und Kostüme: Carola Reuther
Mitarbeit: Kostüme: Carla Friedrich
Chorleitung: Christoph Jöde
Licht: Damian Chmielarz
Dramaturgie: Christoph Lepschy / Stefanie Bub


„Theater ist nicht dazu da, staatstragende Botschaften zu transportieren, sondern den Finger in die Wunde zu legen und Freiräume für alternative Denkweisen zu eröffnen. Und dies gelingt Volker Lösch eindrucksvoll. […] Ins Rutschen kommt Löschs Regiekonzept an diesem Abend nie. Vielmehr wirkt seine Verbindung der Aischylos-Tragödie aus dem Jahr 463 v. Chr. mit den heutigen Verhältnissen – knapp 2500 Jahre später – durchaus stimmig. […] Absolut überzeugend, ja klasse sind die für Lösch so typischen Bildlösungen des choreographierten Agierens sowie des Chorischen Sprechens. Dabei erhält das elementare humane Anliegen eine sanfte Wucht und große Dynamik, wodurch das Gewissen des Zuschauers voll getroffen wird. Dem 17-köpfigen Chor der weiblichen Schutzflehenden mit seiner Chorführerin (Sandra Bezler) gelingt diese Attacke wunderbar.“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 23. Mai 2016)
„Chorisch gearbeitet wurde unter Christoph Jöde bestens und Löschs Gebärdenrepertoire und Textbelebungsideen für gemischtes Ensemble sind auch diesmal aller Ehren wert. […]Fabian Raabe hat als ägyptischer Herold indes einen spielstarken Auftritt, der zeigt, wie es den Frauen bei einer Rückkehr in die Heimat ergehen könnte ... […]. Den Darstellern, auch den semiprofessionellen, perlt Beamtendeutsch ebenso leicht aus der trainierten Kehle wie antike Verse oder die anonymisierten Einzelschicksale aus Bosnien, dem Iran, Afghanistan oder Mazedonien. Ja, das macht auch beim 100. Theaterflüchtlingsprojekt betroffen.“ (Mannheimer Morgen, 23. Mai 2016)

„Dieser spannungsvolle Wechsel zwischen dem Text von Aischylos, der vom religiösen Recht auf Schutz spricht, und den Berichten über die Behandlung von Geflüchteten heute bestimmt die Aufführung. Dramaturgisch ist das geschickt und überzeugend verzahnt. Mit einem tollen Frauenchor, der nicht mit Elendskitsch oder dem Aufsagen von schlimmen individuellen Schicksalen auftrumpft, sondern mit sachlicher Empörung und Emotion berichtet. […]Volker Lösch arbeitet mit starker, überdeutlicher, schöner Bildhaftigkeit. […]Die Inszenierung setzt die unterschiedlichsten Haltungen sehr bewusst gegeneinander.“ (Die deutsche Bühne, Mai 2016)
„Der Chor der Schutzflehenden ist die Hauptperson, knapp zwanzig Amateur-Darstellerinnen der Mannheimer Bürgerbühne, glänzend trainiert für das chorische, im strengen Versmaß organisierte Sprechen. […]In so starke Bilder fasst der Regisseur Volker Lösch seine engagierte Erzählung, die an die Wurzeln der abendländischen Kultur geht und sehr selbstverständlich den Bogen in die Gegenwart schlägt: ein packender und konzentrierter Theaterabend, der nach der Premiere am Samstag mit großem Beifall gefeiert wurde. […] das Theater bezieht an diesem Abend Position für die konkrete Arbeit an einer Vision, und Lösch wirbt dafür mit einprägsamen Bildern und einer starken Choreografie, die über eindreiviertel Stunden das von Carola Reuther entworfene Bühnenkonzept sehr fantasievoll bespielt.“ (Darmstädter Echo, 23. Mai 2016)

„Volker Lösch hält, was man sich von ihm verspricht: sinnliches Spektakel. […]Der Chor unter der Leitung von Christoph Jöde leistet ganze Arbeit und artikuliert auch dann noch verständlich, wenn sich zungenbrecherische Paragrafenprosa mit Aischylos’ gottesfürchtiger Poesie im Reißverschlussverfahren abwechseln.“ (Stuttgarter Zeitung, 24. Mai 2016)


 

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BURKHARD C. KOSMINSKI (SCHAUSPIEL) und ANDREA GRONEMEYER (JTM) stellen den Spielplan 2016/17 vor

„Ganze sieben Uraufführungen und dazu zwei Deutschsprachige Erstaufführungen (DSE) bietet Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski Mannheims Sprechtheaterfreunden für die kommende Saison. Damit übertrifft er im elften Jahr seiner Spartenleitung sein eigenes pflegerisches Engagement für zeitgenössische Dramatik ein weiteres Mal.
Ein neuer Schimmelpfenning ("Das große Feuer") in eigener Regie - unter der höchst erfreulichen Mitwirkung von Gastschauspielerin Nicole Heesters - steht dabei ebenso traditionell auf dem Spielplan wie je eine weitere Uraufführung von Anja Hilling und dem neuen Hausautor Akin E. Sipal. Statt nach Amerika wendet der erneut um fünf Jahre verlängerte Schauspielintendant seinen Blick in Sachen englischsprachiger Dramatik nun nach Großbritannien. Das jahrelange Bemühen, eine Arbeit des erfolgreichen Autors Simone Stephens ans NTM zu bekommen, wird nun mit dem Zuschlag für die DSE von "Birdland" belohnt. Als solche kommt auch eine weitere Arbeit von Alistair Mc Dowall auf die Bühne - erneut in der Regie von Robert Teufel. Auch mit dem einstigen Hausautor Philipp Löhle gibt es ein Wiedersehen: Er hat sein hier uraufgeführtes Stück "DU (Normen)" mit einer weiblichen Protagonistin fortgeschrieben, die als "Du (Norma)" in der Regie des Bayreuther "Holländer"-Regisseurs Jan Philipp Gloger nun ebenfalls hier das Bühnenlicht erblickt.
Drei "Klassiker" wird es geben: Kleists "Amphitryon", Lessings "Minna von Barnhelm" und Shakespeares "Wie es euch gefällt", wobei - ebenfalls als Wiederholungstäter - Elmar Goerden, Cilli Drexel und Susanne Lietzow Regie führen. Das Schauspiel stärkt seine Position als moralische Anstalt und soziales Gewissen der Kunst mit einem weiteren Projekt von Peter Michalzik: "Spiel ohne Grenzen" geht als "Theater des Gerüchts" im Showformat und in Zusammenarbeit mit dem städtischen Fachbereich Arbeit und Soziales nahe an den Bürger, der sich in Mannheim auf der nach ihm benannten Bürgerbühne besonders wohlzufühlen scheint. Um Spiele, die Leute unterschiedlicher Ethnien mit- und gegeneinander spielen geht es in "Games People Play" oder auch - in Kooperation mit der Jungen Bürgerbühne - bei "Überzeugungstäter".

Die Zusammenarbeit von Schauspiel und Schnawwl zeigt sich für Kinder ab acht Jahren dann auch im traditionellen, vorweihnachtlichen Familienstück "Rico, Oskar und die Tieferschatten" von Andreas Steinhöfel, das Rüdiger Pape mit Musik von Sebastian Herzfeld im Schauspielhaus inszenieren wird. Premiere ist am 27. November.
Auf- und anregend sind sicher die Schillertage, die im Juni 2017 wieder turnusgemäß anstehen und mit der hauseigenen, zweisprachigen Produktion "Second Exile" des aufstrebenden kroatischen Autors und Regisseur Oliver Frljic eröffnet werden, der in der Region auch schon bei Ludwigshafens "Offener Welt" und auf dem Heidelberger Stückemarkt für Festival-Aufsehen sorgte.
All das Miteinander von Kindern, Teenagern, jungen Bürgern, Laien, Spielclubs und Jungdramatikern mündet dann zum Abschied von Schnawwl-Intendantin Andrea Gronemeyer im Juli im Festival "Play - Jugend spielt Theater". In Mannheim spielt die Jugend generell eine erfreulich große Rolle.“
Mannheimer Morgen, 13.05.2016, Ralf-Carl Langhals, O-Ton

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Der neue Hausautor der Spielzeit 2016/17 Akin E. Sipal
Pressevorstellung im Theatercafé, 02.05.2016

Akin E. Sipal ©Foto: Christian Kleiner
Akin E. Sipal ©Foto: Christian Kleiner

Mannheimer Morgen, 03.05.2016, Bernd Mand

„Pressetermin im Theatercafé. Gemeinsam mit Vertretern des Vereins der Freunde und Förderer des Nationaltheaters und Chefdramaturg Ingoh Brux stellt Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski den neuen Hausautor für die Spielzeit 2016/17 vor. "Wir sind sehr froh und dankbar, dass Akin E. Sipal unsere Einladung nach Mannheim angenommen hat" - mit diesen Worten begrüßt Kosminski den 25-jährigen Autor in der kleinen Gesprächsrunde. Sipal ist damit der 20. Dramatiker, der seit der Neubegründung der Institution des Hausautoren 1996 am Nationaltheater eingeladen ist für eine Spielzeit vor Ort zu arbeiten.

Akin E. Sipal wurde 1991 in Essen geboren, wuchs in Gelsenkirchen und Istanbul auf und studiert derzeit Film an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Mit seinem ersten Theaterstück "Vor Wien" erzielte er den ersten Platz im Literaturwettbewerb "In Zukunft" für AutorInnen mit Migrationshintergrund am Westfälischen Landestheater. Für "Santa Monica", das seine Uraufführung am Nationaltheater unter der Regie von Tarik Goetzke hatte, erhielt er 2013 den Förderpreis für Literatur der Hamburger Kulturbehörde. Neben seiner Autorenschaft fürs Theater schreibt Sipal Drehbücher für Kurz- und Langfilme, die auch bereist auf zahlreichen Festivals wie den Internationalen Hofer Filmtagen oder dem Festival des Films du Monde in Montreal gezeigt worden sind. In der kommenden Spielzeit wird dann sein drittes Stück "Kalami Beach", eine Auftragsarbeit für das Nationaltheater, im Studio seine Premiere haben.

"Zwei Dinge sind für mich bei der Arbeit an einem Stück wichtig", erzählt Sipal über sein Schreiben, "zum einen eine literarische Dichte und sprachliche Stimmigkeit. Und natürlich, dass es fließt." Für seine Arbeit als Hausautor wird er auf jeden Fall nach Mannheim ziehen, führt er weiter aus. Und, so hofft Sipal, er werde eng mit den Menschen in der Stadt (und ihren Geschichten) zusammenarbeiten.“

Zur Info: WA Santa Monica (UA) 07.05.2016, weitere Aufführungen 17.05., 09.06., 21.06., 28.06

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Rolf Hochhuth und das Mannheimer Nationaltheater
Eine Rückschau zum 85. Geburtstag 01.04.2016

Mannheimer Morgen 01.04.2016, Ralf-Carl Langhals
(...) „ ...doch scheint es, als sei der Skandal seine stete Muse. ... Berühmt war Hochhuth 1963 mit seinem "christlichen Trauerspiel" "Der Stellvertreter" geworden, das Papst Pius XII. beschuldigte, sich durch Schweigen am Holocaust mitschuldig gemacht zu haben. Der Großskandal erschütterte die Bundesrepublik - und auch Mannheim: Noch Intendant Hans Schüler wollte Hochhuths "Stellvertreter" am Nationaltheater aufführen, nach seinem plötzlichen Tod setzte sich sein schon zuvor bestellter Nachfolger Ernst Dietz (auch als Regisseur) für das Stück ein. In der Stadt regte sich - besonders aus katholischen Kreisen - heftiger Widerstand. Man verwies (wie immer, wenn einem am Theater etwas nichts passt) auf die hohen städtischen Subventionen und leitete daraus eine Verpflichtung der Intendanz ab, "die Bürger nicht zu verärgern". Niedlich, denkt man da rückblickend, doch fand Dietz eine kurios-salomonische Lösung: Das Stück wurde nicht von Mitgliedern des NT-Ensembles und nicht vor "Stamm-Mietern" gespielt. Stattdessen lud man die Uraufführungsproduktion der West-Berliner Freien Volksbühne (mit Dieter Borsche als Papst Pius XII) im April 1964 zu einem zehntägigen Gastspiel nach Mannheim ein.“
„Regie führte kein Geringerer als Erwin Piscator, der seit 1951 - und über seine das Kleine Haus des neuen Nationaltheaters einweihende "Räuber"-Inszenierung hinaus - durch Hans Schüler eng mit dem Nationaltheater verbunden war.“
„Die Musik zum Berliner "Stellvertreter" stammte übrigens (wie schon bei den 1957er "Räubern") von der Mannheimer Komponistin Aleida Montijn. 1980 gab es unter Jürgen Bosse dann sogar eine (ursprünglich zum 200. NTM-Jubiläum in Auftrag gegebene) Hochhuth-Uraufführung: "Ärztinnen". Am 13. Januar 1982, zum 200. Mannheimer "Räuber"-Uraufführungsjubiläum, hält Hochhuth eine Rede im Kleinen Haus: "Räuber Rede '82 - Die Schaubühne als moralische Anstalt". Diesem Anspruch ist der "angry old man" des deutschen Polittheaters bis heute treu geblieben.“

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Gedenktag: Vor 50 Jahren starb der Regisseur und Theatertheoretiker Erwin Piscator, der auch am Mannheimer Nationaltheater tiefe Spuren hinterließ

Mannheimer Morgen 30.03.2016, Ralf-Carl Langhals
Original-Text - ungekürzt


„Gerade sind sie verblasst, die 59 Jahre alten, mittlerweile hochverehrten "Parsifal"-Bühnenbilder Paul Walters und Hans Schülers, die heute als Tradition und zeitlos gelten. Das war nicht immer so: Die szenischen und gestalterischen Raffinessen von Hans Schüler, Generalintendant am Nationaltheater von 1951 bis 1963, und Bühnenzauberer Paul Walter kamen noch 1953 bei den Mannheimern gar nicht gut an. Ihre szenische Uraufführung von Boris Blachers "Abstrakter Oper Nr.1" führte zum ersten Mannheimer Theaterskandal der Nachkriegszeit: "Pfui, Raus, Feuerwehr!", berichten Zeitzeugen, habe man geschrien. Einige Bravos waren auch dabei. Auch hernach schriftlich vorgebrachte, wie etwa das des Heidelberger Philosophen Hans-Georg Gadamer, der Schüler von einer "meisterhaften Inszenierung" und seiner "ungeteilten Zustimmung" schrieb. Auch Erwin Piscator, der heute vor 50 Jahren in Starnberg starb und seinerzeit schon als "großer Altmeister des deutschen Theaters" galt, teilte Schüler mit, dass die Inszenierung "tatsächlich den besten Ansprüchen genüge".“
„Der 1893 in Mittelhessen geborene Kaufmannssohn musste es wissen, hatte der Philosoph und Kunsthistoriker doch schon in der Weimarer Republik mit Theatergründungen und Arbeitertheater Bühnengeschichte geschrieben. Gemeinsam mit Walter Gropius hatte er 1928 ein "Totaltheater" als "Licht- und Raumklavier für den universellen Spielleiter" konzipiert, nach seiner Emigration in New York Schüler wie Tennessee Williams und Arthur Miller unterrichtet. All das gefiel Hans Schüler, dem es gelang, den 1951 nach Deutschland zurückkehrenden Tausendsassa an sein noch in der Schauburg und anderen Spielorten untergebrachtes Nationaltheater zu binden. 1954 inszenierte Piscator zunächst Arthur Millers "Hexenjagd" im Mozartsaal des Rosengartens, wo 1955 Levis "Der Fall Pinedus" mit Ernst Ronnecker in der Titelrolle folgte.“
„Piscator war von Schüler längst vorgesehen als Regisseur der festlichen Eröffnung des "Kleinen Hauses", dem 1957 eingeweihten Schauspielhaus des neu entstandenen Nationaltheaters: Piscator nahm Einfluss. Als Befürworter der Publikumseinbeziehung gab er der Raumbühne gegenüber der Guckkastenbühne den Vorzug. Über die gesamte Decke des Raums hingen Dekorations- und Beleuchtungsbrücken, auf Bühnenturm, Eisernen Vorhang und Portalbrücke hatte man verzichtet, die seitlichen Treppen sollten ins Spielgeschehen einbezogen werden, weshalb die Stühle im Schauspielhaus eigentlich auch einmal drehbar waren, heute aber nur noch wackeln. Am 13. Januar 1957, exakt 175 Jahre nach der Mannheimer Uraufführung, sorgte Picator am Nationaltheater mit den "Räubern" für eine Raumbühnensensation. 1958 irritierte er in "Wilhelm Tell" mit einem von unten beleuchteten Gitterboden, dem legendären "Piscator-Rost". Als extreme Arenabühne mit Zuschauern auf vier Seiten ist das Zukunftstheater selten genutzt worden: von Piscator nach den "Räubern" auch für seine Regie von Frischs "Biedermann und die Brandstifter" (1959), von Ernst Dietz für Schillers "Fiesco" und von Alois Heigl für Horváths "Kasimir und Karoline". Schnell zeigten sich Probleme mit Textverständlichkeit, Umbau- und Personalaufwand - was letztlich 1992 mit dem Aufbau des zweiten Bühnenturms - zu einer Rückführung des Zukunftstheaters zum biederen Guckkasten führte.“

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Händl Klaus
DUNKEL LOCKENDE WELT, Premiere 18.03.2016
Inszenierung: Greta Schmidt

DUNKEL LOCKENDE WELT, Premiere 18.03.2016 ©Foto: Christian Kleiner
DUNKEL LOCKENDE WELT, Premiere 18.03.2016 ©Foto: Christian Kleiner

Bühne und Kostüme: Linda Johnke
Licht: Björn Klaassen
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

[…] Ragna Pitoll, Sabine Fürst und Fabian Raabe füllen das bunt aufgehübschte Vakuum der Inszenierung mit viel physischem Einsatz und geben sich selbst angesichts der losen Textflut unerschrocken. Drei sympathische Spieler beim Kampf gegen die schiere Bedeutungslosigkeit. […] 
(Mannheimer Morgen, 21. März 2016)

[…] Greta Schmidt bietet mit ihrem Debüt als Regisseurin am Nationaltheater eine temperament- und humorvolle Inszenierung. Die knapp anderthalb Stunden, die das Drei-Personen-Stück dauert, vergehen wie im Fluge und machen viel Spaß. […]
[…] Da wird lustig aneinander vorbeigeredet, Phrasen gedroschen, parliert und schwadroniert, dass es eine Freude ist. […]
[…] Greta Schmidt hat das Stück flott inszeniert, und die drei Schauspieler tragen durch übertriebene Gestik und Mimik noch zu der Komik der Reden bei. […]  (Die Rheinpfalz, 21. März 2016)


 

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Bertolt Brecht
DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE, Premiere 12.03.2016
Inszenierung: Georg Schmiedleitner

DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE, Premiere 12.03.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE, Premiere 12.03.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE, Premiere 12.03.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE, Premiere 12.03.2016 ©Foto: Hans Jörg Michel

Bühne und Kostüme: Florian Parbs
Video: Stephan Komitsch / Roman Kuskowski
Licht: Robby Schumann
Dramaturgie: Tilman Neuffer


››Die Schauspieler Boris Koneczny (Mauler), Jacques Malan (Cridle) und Reinhard Mahlberg (Graham) setzen sie über Selbstmitleid und forsches Unternehmertum bemerkenswert konturenreich um. Hinreißend unterstützt von David Müller als Makler Slift im blauen Anzug mit knallroten Schuhen. Ein rasanter Grenzgänger, ein geschmeidiger Mephisto der Schlachthöfe, der als virtuoser Führer und Verführer kundig durch die Hölle begleitet. Virtuos knüpft er im Hintergrund jene Fallstricke, über die manchmal auch Mächtige stolpern können. Schmiedleitner meidet Klischees. […] [W]ie der Regisseur zwischen Einfachheit und emotionalen Effekten zu vermitteln weiß, wie er die Ereignisse kühl auf Distanz hält und dann doch minutenlang jene Seelenwärme erzeugt, ohne die der Mensch wohl nicht existieren kann, ist schon bewundernswert. […] Anne-Marie Lux wächst […] in ihre Rolle hinein, ein bemerkenswerter Befreiungsakt aus zunächst selbstgewisser Kindlichkeit. […]Entsprechend hat ihr Spiel trotz aller Tatkraft im Unterschied zur Arbeiterführerin Smith, die Almut Henkel mit packender Vitalität gestaltet, auch immer etwas Gebrochenes und leicht Verwirrtes. Was Schmiedleitner in weniger als zwei Stunden von Brechts ›Johanna‹ übriggelassen hat, reduziert das Geschehen auf den Kern des Kapitals. […]. Klare Verhältnisse also, zu denen weitere Ensemble-Mitglieder wie Michael Fuchs (Paulus Snyder), Carmen Witt oder Hannah Müller Beachtliches beigetragen haben‹‹
(Mannheimer Morgen, 14. März 2016)

››Anne-Marie Lux spielt die Titelrolle schön klar und konzentriert. Ein zierliches Persönchen von eindrucksvoller Bühnenpräsenz. Ganz wie von Brecht gewünscht, identifiziert sie sich nicht mit ihrer Rolle, sondern zeigt, dass sich Johanna auch ganz anders hätte entscheiden können. […] Sonderapplaus gibt es für David Müller, der sich als Maulers Helfershelfer Slift so gekonnt mit Dandy-Allüren dreht und wendet, als wäre er bei einem Bandwurm in die Lehre gegangen. Galant schlängelt er sich durch den Spekulanten -Scheiß. Dabei signalisiert er sein Dresscode – stylische Brille, blauer Anzug, rote Schuhe –, dass er als willfähriges Werkzeug des Schlachthöfe-Königs ein ganz patentes Jüngelchen sei. Wie Müller diesen smarten Fiesling spielt, sollte man sich nicht entgehen lassen.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 14. März 2016)

››Die sozialen Gegensätze bilden in Schmiedleitners Brecht-Inszenierung […] eher einen Randaspekt, auch wenn immer wieder Massenszenen in Eisenstein-Ästhetik über die Leinwand flimmern. Viel spannender ist hier der Gegensatz der beiden Hauptfiguren, des von Moralattacken heimgesuchten Fleischerkönigs und dem von Machtvisionen getriebenen Mädchen von der Heilsarmee. Boris Koneczny spielt den Mauler als sensiblen Gierschlund, der nicht bloß als blutiger Sieger vom Börsenplatz heimkehren will, sondern dafür auch noch geliebt werden. […]. Koneczny vermittelt eine Art treuherziger Grausamkeit, im Zweifel geht ihm natürlich Gewinn vor Mitgefühl. Anne-Marie Lux bringt ihre Johanna in gefährliche Nähe zu diesem Wirtschaftsabsolutisten. Getrieben von der Erfolgswut einer Aufsteigerin will auch sie ganz nach oben, wo man Gott und den Hebeln weltlicher Macht gleichermaßen nahe kommt.‹‹
(Die Rheinpfalz, 14. März 2016)


 

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Ein Interview mit Georg Schmiedleitner, dem Regisseur von „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ (Premiere 12.03.2016), die Fragen stellte Redaktionsmitglied Birgit Müller, Mannheimer Morgen 10.03.2016 - Originalton -

„Herr Schmiedleitner, brauchen wir 2016 noch Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe"?
Schmiedleitner: Ja, weil es ein erstaunlich aktuelles Stück ist. Es spricht das Problem an, von dem wir heute täglich lesen: Die große Macht der Banken und Wirtschaftskonzerne, die über die Menschheit drüber fährt und Mitschuld trägt an einer immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich. Das ist so absurd, macht die Menschen zornig, lässt sie sich ohnmächtig fühlen und ist mitverantwortlich für manche überraschende Wahlergebnisse. Und das hat Brecht damals erkannt.

Doch die Menschheit hat mal wieder nichts daraus gelernt.
Schmiedleitner: Es ist erschütternd, dass wir nichts dazu gelernt haben, dass die Menschheit nach wie vor so funktioniert, dass die Mächtigen in Krisen profitieren und über den naiven Ansatz zur Kritik drübergewalzt wird. Das ist auch der Befund dieses Stückes. Das soll den Zuschauer emotionalisieren und vielleicht auch zum Zorn reizen.

Wie stark hat Sie die Tagespolitik bei der Inszenierung beeinflusst?
Schmiedleitner: Eigentlich könnte man während der Inszenierung dauernd unterbrechen. Jeder Satz ist überprüfbar an heutigen Wirtschaftsmeldungen. Das Stück ist so heutig, dass man es gar nicht mehr zusätzlich aktualisieren muss.

Sie haben schon Schillers "Jungfrau von Orleans" inszeniert. Brechts Johanna ist konträr. Welche Johanna brauchen wir heute?
Schmiedleitner: Ich glaube, es würde noch einen dritten Johanna-Versuch brauchen, von einem modernen Autor. Eine heutige Johanna würde eine Aktivistengruppe gründen, eine Internetplattform oder eine Zeitung.

Für Brecht ist Theater eine Institution zur Veränderung der Gesellschaft. Für Schiller ist es eine moralische Anstalt. Was kann Theater Ihrer Meinung nach?
Schmiedleitner: Das Theater kann die Welt nicht verändern. Ich würde sagen, Theater braucht man heute als Anstalt, um nachsehen zu können, welche Ängste die Menschen haben, wie die Machtverhältnisse sind. Und das verändert schon den Menschen. Zumindest für einige Stunden. Wir sind aber weder ein Institut für die Weltveränderung noch eine moralische Anstalt. Theater kann anhalten, staunen, belustigen. Mehr ist nicht drinnen. Theater ist eine Kassandra, die warnt, die ständig ruft, seit 2000 Jahren.

Kassandra bleibt aber ungehört...
Schmiedleitner: Ja, manchmal hört gar niemand zu, manche Häuser sind sehr schlecht besucht. Doch letztlich kommen die Leute doch, denn die große Stärke des Theaters ist, Geschichten zu erzählen. Wir sind heute ausgehungert, wollen ganz simpel eine einzige Geschichte erzählt bekommen - in der wir oft mehr verstehen als bei tausenden Geschichten.

Brechts Theater zielt auf eine subtile Belehrung ab, Schiller will erziehen. Was liegt Ihnen näher'?
Schmiedleitner: Wir haben heute einen hochinformierten Zuschauer. Trotzdem muss man ihm Dinge zeigen, die ihn erschüttern. Ich brauche Energie im Theater. Das stärkste, was Theater liefern kann, ist ein energetischer Zustand, in dem der Zuschauer staunt, provoziert wird, vielleicht auch protestiert. In dem er in eine Bilderwelt abtauchen kann, die er sonst nicht erlebt. Dort, wo der Mensch müde ist, nicht weiter denken will, bleibt das Theater dran.

Ein großes Ziel in einer multimedialen Welt
Schmiedleitner: Das stimmt. Man muss sich also immer verändern. Meine Inszenierung spielt in einem Kino - der Illusionsmaschine der heutigen Zeit.

Damit holen Sie - ganz nach Brecht - das Publikum an einer Stelle ab, die es gut kennt.
Schmiedleitner: Genau. Kino ist ja voller Emotionen, es wird zur Bühne und zeigt damit die Kernaussage des Stückes: Die großen Illusionen sind nicht kompatibel mit der Realität. Johannas Operationalisierung ihrer Ideen haut nicht hin. Und da ist sie natürlich ähnlich wie viele politische Führer, die mehr im Theoretischen schwelgen und in der Praxis oft scheitern.

Gibt es heute also noch Johannas?
Schmiedleitner: Es gibt heute viele Formen von Johannas. Die neuen Online-Plattformen finde ich toll. Dass man eine Botschaft als Team verschickt und nicht unbedingt einen braucht, der an der Spitze steht, das finde ich sympathisch. Heute ist ein Team viel spannender als eine Führerfigur.

Also können uns diese Plattformen heute davor bewahren, als Johannas für unsere moralischen Überzeugungen sterben zu müssen.
Schmiedleitner: Genau. Letztlich ist die Kontrolle eines Teams stärker und lässt eine alte Johanna nicht mehr zu. Das ist erfrischend und eine große Hoffnung.“


 

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Nach William Shakespeare in der Fassung von Elmar Goerden
HAMLET, Premiere 26.02.2016
Text und Regie: Elmar Goerden

HAMLET, Premiere 26.02.2016 ©Foto: Christian Kleiner
HAMLET, Premiere 26.02.2016 ©Foto: Christian Kleiner

Bühne: Silvia Merlo / Ulf Stengl
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Helena Daehler
Licht: Robby Schumann
Dramaturgie: Ingoh Brux


››Julius Forster hat in der Titelrolle (endlich) einen großen Auftritt und kommt hier als gleichwohl zarter wie verschrobener ›angry young man‹ bestens zur Geltung. Als kongeniale Sparringspartnerin jugendlicher Beziehungsdiskussionen steht ihm in altersgemäß anstrengenden Liebesdingen als depressive Ophelia Katharina Hauter glaubwürdig zur Seite, während mit dem fulminant aufspielenden Klaus Rodewald als Geist des ermordeten Vaters vielschichtig über Anerkennung verhandelt.‹‹
(Mannheimer Morgen, 29. Februar 2016)

››Die vom Autor Goerden verfasste Spielvorlage ist stark, glänzend mit einer Fülle schöner, szenischer Einfälle in ihrer Umsetzung durch den Regisseur Goerden und hinreißend in ihrer Darstellung durch das höchst inspiriert agierende achtköpfige Ensemble, in das sich – wie oft in Goerdens Inszenierungen – auch Helena Daehler als wieder als Stimmungen aufgreifende Musikantin wirkungsvoll einreiht. […] Julius Forster, erst 23 Jahre alt und hochbegabt, liefert in der Titelrolle eine erstaunlich reife Talentprobe. […] Das machtgierige Mörderpaar in der Chefetage des Familienunternehmens, Hamlets Mutter Gertrud und Onkel Claudius, sind mit der matronenhaft auftrumpfenden Anke Schubert und dem von so viel weiblicher Wucht schier überrollten Stefan Reck kongenial schräg besetzt. […] Als Rosencrantz und Guildenstern sind Matthias Thömmes und Sven Prietz auch am Rande noch eine echte Bereicherung des fast dreistündigen Aufführung, die wie im Flug vergeht.‹‹ (Rhein-Neckar-Zeitung, 29. Februar 2016)

››Elmar Goerdens Fassung von Hamlet ist wirklich gelungen – voller Witz, parodierender Elemente und bissigem Humor. Es wimmelt an Details, zahlreichen, gut durchdachten Kleinigkeiten, die den Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln bringen. […] Besonders glänzt das Stück aber durch die tolle Besetzung – Julius Forster ist ein großartiger, moderner Hamlet und wirkt unglaublich authentisch. Vieles scheint leicht, spontan und gar nicht einstudiert – so wie im echten Leben.‹‹
(rhein-neckar-blog.de, 29. Februar 2016)

„Julius Forsters Hamlet ist ein ernster, junger Mann, manisch-depressiv, kühl bis aufs Blut, wütend, verzweifelt, einfallsreich mit seinen pubertären Streichen. Er trägt Papas Hochzeitsanzug zur Beerdigung und brät für Onkel Klaus Fischstäbchen. Er reizt Polonius zur Weißglut und nennt Guildenstern und Rosencrantz, in Mannheim zwei zänkische Schwule mit Snowboard und tollen Geschäftsideen, „grenzdebile Schwuchteln“. Nicht einmal die stark suizidgefährdete Ophelia ist vor seinem verletzenden Witz sicher.“ ... „Goerdens „Hamlet“ ist manchmal nur Jugendtheater für Erwachsene, Pubertätsdrama, Comedy. Aber ist es auch Blödsinn, so hat es doch Methode. Ja, Goerden reduziert großen Schmerz auf „kleine Pipimannprobleme“, ein Weltdrama auf eine neudeutsche Patchworkfamilienaufstellung. Aber immerhin, sein Hamlet lebt: Lieber eine unterhaltsame Nacherzählung in eigenen Worten als noch eine Dekonstruktion.“
(Frankfurter Allgemeine, 1. März 2016)

››Goerdens Kern: das Drama des Erwachsenwerdens, der verzweifelte Versuch, den Einfluss der verfluchten Erzeuger loszuwerden. Sein Hamlet heißt Julius Forster, ist 22 Jahre alt, groß, schlank, schön und von enormer Klugheit. Forster wirkt, bei allem Suchen seiner Figur, gleichermaßen zerrissen und überlegen.‹‹
››[Goerden] erzählt […] eine alte Geschichte ruppig, spannend und psychologisch aufregend neu.‹‹
(Süddeutsche Zeitung, 2. März 2016)


 

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Noah Haidle
GÖTTERSPEISE (UA). Premiere 20.01.2016
Inszenierung: Zino Wey

GÖTTERSPEISE (UA). Premiere 20.01.2016 ©Foto: Christian Kleiner
GÖTTERSPEISE (UA). Premiere 20.01.2016 ©Foto: Christian Kleiner
GÖTTERSPEISE (UA). Premiere 20.01.2016 ©Foto: Christian Kleiner
GÖTTERSPEISE (UA). Premiere 20.01.2016 ©Foto: Christian Kleiner

Ausstattung: Davy van Gerven
Licht: Björn Klaassen
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp/Tilman Neuffer


››Sabine Fürst hat die alles andere als einfache Aufgabe, trotz ihrer dauer-grinsenden Mimik einen differenzierten Charakter zu spielen. Das gelingt ihr deshalb so gut, weil sie in den vielen stummen Augenblicken, die ihr der Regisseur gönnt, in seelische und menschliche Abgründe blicken kann. Das sind die starken Momente dieser Inszenierung. In Boris Koneczny, Michael Fuchs, Carmen Witt, Almut Henkel und Baris Tangobay hat die Hauptdarstellerin versierte Kollegen, von denen zahlreiche andere Rollen übernommen werden.‹‹ (Rhein-Neckar-Zeitung, 22. Januar 2016)

››Lakonisch knappe Dialoge bewahren diese Geschichte vor dem Abdriften in die Kolportage. Recht clever ist bei Haidle alles Naturalistische von überzogener Typisierung und Beckett'schem Witz untergraben. Der junge Schweizer Regisseur Zino Wey, der an den Münchner Kammerspielen bei Johan Simons, Armin Petras und Andreas Kriegenburg assistierte, belässt das Stück in genau dieser fragilen Balance zwischen realistischem Sozialdrama und surrealem Traumspiel.‹‹
(Die Rheinpfalz, 22. Januar 2016)
 
››Der Reiz dieses quasi im amerikanischen Oberflächenton eines Well-made-Plays dahinschnurrenden Dramas liegt buchstäblich zwischen den Schubladen: Haidle rührt den Teig zu einem tragikomischen Soufflé […]. Die passenden Zutaten sind alle da: ein Bund anrührende Momente, ein ordentliches Stück Kitsch, ein Pfund Kälte, eine Handvoll Realismus, eine Prise Wunderlichkeit und ein wenig sakraler Zuckerguss. […]Gleich wohl kommt Sabine Fürst (ein großer Abend für sie) mit dieser Rezeptur […] bestens zurecht. Wie sie als Fleischwerdung menschlicher Güte mit ängstlich angezogenen Schultern und unsicherem Lächeln alleingelassen auf der Insel ihrer überirdischen Glückseligkeit steht, ist aller Ehren wert. […] Ihr Abschiedsmonolog an ihr vom Jugendamt eingezogenes Kind mag Kitsch sein, entwaffnend menschlich ist er allemal. Almut Henkel tritt indes den Beweis an, dass auch mit kleinen Auftritten großes Spiel möglich ist, Boris Koneczny belegt erneut Wandlungsfähigkeit und Baris Tangobay führt sich als Gast charmant ein.‹‹
(Mannheimer Morgen, 22. Januar 2016)

››Sabine Fürst spielt die Mutter Teresa der Liebeshungrigen grandios. […]So geht die Regie nicht auf Distanz zu der Geschichte, aber sie zeigt ihre Modellhaftigkeit der Rolle. Überhaupt hat die Inszenierung von Zino Wey Mut zur melodramatischen Zuspitzung, kitzelt die grotesken Situationen heraus, lädt den Text nicht auf mit übertriebenen Botschaften, wo Haidle doch nur eines erzählt: was Menschen einander geben könnten, wenn sie einen warmen und empathischen Blick für ihre Mitmenschen hätten.‹‹
(Darmstädter Echo, 22. Januar 2016)


 

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EIN BLICK VON DER BRÜCKE / MANNHEIM ARRIVAL
19.01.2016, 19.00 Uhr Schauspielhaus
Gast: ANDREA BÜRGIN

Andrea Bürgin
Andrea Bürgin
Axel Milberg ©Foto: Marion von Mehden
Axel Milberg ©Foto: Marion von Mehden

20.01.2016, 10.00 Uhr Schauspielhaus (Zusatzvorstellung mit Nachgespräch im Zuschauerraum)
30.01.2016, 18.30 Uhr Schauspielhaus
Gast: AXEL MILBERG mit Einführungsvortrag von LUKAS BÄRFUß


Zusammen mit Flüchtlingen ist am NTM ein Doppelabend entstanden, der den 1955 entstandenen amerikanischen Klassiker Ein Blick von der Brücke von Arthur Miller mit dem Rechercheprojekt Mannheim Arrival von Peter Michalzik verbindet.
 
In Mannheim Arrival werden Geschichten von Flüchtlingen auf der Bühne erzählt – aus ihrem Leben, von ihrer Flucht und ihrer Ankunft in Deutschland. Jede Vorstellung von Ein Blick von der Brücke / Mannheim Arrival (UA) wird von einem Gastschauspieler begleitet, der einem der Flüchtlinge im zweiten Teil des Abends seine Stimme leiht. Bei den nächsten Vorstellungen im Januar werden dies Andrea Bürgin und Axel Milberg tun.

Andrea Bürgin (*in Wengen/Schweiz) absolvierte eine Schauspielausbildung an der Schauspielakademie in Zürich. Von 1977 bis 1985 und von 1988 bis 1992 war sie festes Ensemblemitglied am Hamburger Schauspielhaus. Dazwischen hatte sie von 1985 bis 1988 ein Festengagement am Staatstheater Stuttgart. Gast-Engagements führten Andrea Bürgin unter anderem an das Thalia-Theater in Hamburg, an die Münchner Kammerspiele, an das Düsseldorfer Schauspielhaus und an das Residenztheater München. Von 2006 bis 2008 spielte Andrea Bürgin als Gast auch am Nationaltheater Mannheim. Ihr Debüt im deutschen Fernsehen gab Bürgin 1983 im TV-Mehrteiler "Der Mann, der keine Autos mochte“. Damit begann auch ihre dauerhafte Karriere im deutschen Fernsehen. Bekanntheit im TV erlangte Andrea Bürgin insbesondere durch ihre durchgehende Serienrolle in der ZDF-Fernsehserie "girl friends - Freundschaft mit Herz". Für ihre schauspielerischen Leistungen erhielt Andrea Bürgin 1984 den Boy-Gobert-Preis.

Axel Milberg ist in Kiel zur Welt gekommen und aufgewachsen. Seine Mutter, in Rio de Janeiro geboren, war Ärztin, sein Vater, Sohn eines Landwirts aus der Nähe Kiels, Anwalt. Axel Milberg hat einen Bruder und eine Schwester.
Früh war für ihn klar, ich werde Schauspieler. Er schrieb mit 13 Jahren ein Theaterstück über den wilden Westen, spielte in der Kieler Gelehrtenschule Theater und studierte dennoch nach dem Abitur zunächst Literatur und Philosophie. 1979 wurde er schließlich in München auf der legendären Otto-Falckenberg-Schule aufgenommen. Es folgten viele Jahre an den Münchner Kammerspielen (1981-1998), Lesungen und zum Teil preisgekrönte Hörbuchaufnahmen sowie Film -und Fernsehrollen. Beispiele seiner umfangreichen Arbeit sind die Fernsehfilme „Es geschah am hellichten Tag“ (1997, Regie: Nico Hofmann), „Stauffenberg“ (2004, Regie: Jo Baier), „Das Feuerschiff“ (2008, Regie: Florian Gärtner), „Die Hebamme“ (2013, Regie: Hannu Salonen), der Zweiteiler „Pfeiler der Macht“ (2014, Regie: Christian Schwochow), „Liebling des Himmels“  (2014, Regie: Dany Levy) und „Meister des Todes (2015, Regie: Daniel Harrich). Darüber hinaus spielt Axel Milberg seit 2003 Kommissar Borowski im Kieler Tatort. Zu seinen Arbeiten fürs Kino zählen u.a. „Rossini“ (1997, Regie: Helmut Dietl), „Der Campus“ (1998, Regie: Sönke Wortmann), „The International“ (2009, Regie: Tom Tykwer), „Almanya – Willkommen in Deutschland“ (2011, Regie: Yasemin Samdereli), „Hannah Arendt“ (2012, Regie: Margarethe von Trotta), „Feuchtgebiete“ (2013, Regie: David Wnendt) sowie „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“ (2013, Regie: Bill Condon). Axel Milberg wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. der Kunstakademien in München und Berlin, mit dem Grimme Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und dem Norddeutschen Filmpreis.
 
Bisher haben Ulrike Folkerts (Premiere am 3.10.), Peter Rühring (8.10.), André Jung (17.10.), Walter Sittler (30.10.) Alexander Khuon (7.11.), Nicole Heesters (27.12.) und Ulrich Matthes (06.01.16) den Flüchtlingen eine Stimme verliehen.

Am 30. Januar wird der Doppelabend mit Axel Milberg um einen langen Abend der Begegnung mit einem einführenden Vortrag von Lukas Bärfuß mit dem Titel Das Fremde zum Austausch mit Flüchtlingen, Organisationen,Vereinen, die sich im Bereich der Flüchtlingshilfe engagieren, und den Zuschauern erweitert.

Am 20. Januar gibt es um 10.00 Uhr eine Zusatzvorstellung von Mannheim Arrival mit anschließendem Nachgespräch im Zuschauerraum.

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HAUSAUTOR THOMAS KÖCK erhält KLEIST-FÖRDERPREIS

Thomas Köck, Hausautor Spielzeit 2015/16, ©Foto: Andreas Neumann
Thomas Köck, Hausautor Spielzeit 2015/16, ©Foto: Andreas Neumann

Thomas Köck, der in der laufenden Spielzeit als Hausautor am NTM engagiert ist, ist mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker ausgezeichnet worden. Mit der Vergabe würdigte die Jury das Stück paradies fluten.

Die Stadt Frankfurt (Oder) vergab den mit 7.500 Euro dotierten Preis zusammen mit dem Kleist Forum, den Ruhrfestspielen Recklinghausen und der Dramaturgischen Gesellschaft. Die Auszeichnung ist für junge deutschsprachige Autoren gedacht. Insgesamt hatten sich 127 Autoren beworben.
Die Preisverleihung findet am 6. Oktober in Frankfurt (Oder) im Rahmen der Kleist-Festtage statt. Am gleichen Tag wird auch die Inszenierung des Stückes paradies fluten (Premiere im Juni bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen) gezeigt.

paradies fluten ist der erste Teil einer Klimatrilogie, deren zweiter Teil paradies hungern im Herbst am Landestheater Marburg uraufgeführt wurde. Der dritte Teil ist gerade in Arbeit.

Mit jenseits von fukuyama  gewann Thomas Köck den Osnabrücker Dramatikerpreis 2013. Das Stück feierte im Mai 2015 in der Inszenierung des Hausregisseurs Dominic Friedel im Studio des Nationaltheaters Premiere. Im Februar 2015 erhielt Köck für sein Stück Isabelle Huppert (geopfert wird immer) den Stückepreis des Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreises.
In der laufenden Spielzeit veranstaltet Thomas Köck in der Lobby Werkhaus des Nationaltheaters einen monatlichen Salon mit dem Titel Statisten, Geister und Geliebte.

Anlässlich des Themenschwerpunkts Klima, Natur und Mensch im Rahmen der Klimatage (21.01. - 23.01.2016) am NTM hat er in seinem Salon am 22. Januar PD Dr. Oliver Müller sowie den renommierten Wissenschaftsjournalisten Christian Schwägerl zu Gast, Autor der Bücher "Menschenzeit", "11 drohende Kriege" und "Die analoge Revolution". Im Anschluss wird Thomas Köck gemeinsam mit SchauspielerInnen aus seiner noch nicht uraufgeführten Klima-Trilogie lesen.
 
 
die nächste Vorstellung jenseits von fukuyama am NTM: 9. Februar, 20.00 Uhr, Studio

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Roland Schimmelpfennig
AN UNS AUS (DSE), Premiere 09.01.2016
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski

AN UNS AUS (DSE), Premiere 09.01.2016, ©Foto: Christian Kleiner
AN UNS AUS (DSE), Premiere 09.01.2016, ©Foto: Christian Kleiner

Bühne: Florian Etti
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Hans Pltzgumer
Licht: Nicole Berry
Dramaturgie: Ingoh Brux


››Regisseur Burkhard Kosminski […] hat das Puzzle aus kleinen und kleinsten Szenensplittern zu einem flott-ballettösen Ganzen zusammengeführt. Das Schwere so leicht, so poetisch. Selten erlebt man eine so rundum stimmige Meisterleistung, ein Teamwork aus Regie, Bühnenbild, schauspielerischer Differenziertheit voll praller Spiellust, Musik und Licht. Großes und Kleines, Lautes und Leises. Elementes des Nô-Theaters mit übergroßen Schattenfiguren und der Manga-Kultur, der japanischen Comic-Novellen, fügen sich nahtlos ein. Am Klavier interpretiert Anne-Marie Lux (zusätzlich zu ihrer Rolle) das Bühnengeschehen einfühlsam mit der Musik von Hans Platzgumer. […] Schimmelpfennigs Stück und die großartige Mannheimer Realisierung geben die Erwartung nicht auf: Es könnte doch noch alles gut werden, selbst in der Ödnis der mutwillig zerstörten Welt ist noch ein Krümelchen Optimismus zu finden. Die Hoffnung stirbt auch im Theater zuletzt. Was bleibt, ist das Glücksgefühl, diesen Theaterabend erlebt zu haben.‹‹
(nachtkritik.de, 10. Januar 2016)

››Für dieses anspielungsreiche, zwischen Komödie und Tragödie, modernem Märchen und altmodischer Erzählung, Tiefgang und Smalltalk lavierende, dabei mehr Fragen als Antworten aufwerfende Theater haben der Mannheimer Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski und sein Bühnenbildner Florian Etti eine geniale szenische Lösung gefunden. Die kreisrunde, weiße Spielfläche wird links begrenzt von einer raumhohen Papierwand, die später zur anderen Seite hin aufklappt. Auf die Papierwand werden die Hotelzimmer gemalt, Fenster und Durchgänge hineingeschnitten, auch die übrigen Requisiten sind wie im Bilderbuch aufgezeichnet und ausgeschnitten. Später stürzen die riesigen Papierwände zu Boden, begraben die Darsteller unter sich und werden zu raschelnden Wellen, während es von oben schwarze Papierschnipsel regnet, als wäre atomarer Niederschlag ein poetisch-stilles Naturereignis. […] Bis dahin dürfen die acht Akteure in einer sanft fließenden Choreografie zwischen Nô-Theater und Boulevard alle Facetten ihres Könnens zeigen. […] Das alles wie dieser ganze Abend so verblüffend einfach und hinreißend schön.‹‹
(Die Rheinpfalz, 11. Januar 2016)

››Es ist äußerst begreiflich, dass Autoren ihm Ihre Stücke anvertrauen, vor einem Jahr konnte er am Nationaltheater bereits Schimmelpfennigs ›Das schwarze Wasser‹ uraufführen. ›An und Aus‹ entwickelt er vollständig aus dem Wort und dem Zeichen heraus. […] Schwarzer Regen fällt, Papierschnitze, Blättchen um Blättchen bis zum Schluss. Auch das ist eindrucksvoll und einleuchtend, gleichwohl eigentlich doch eine Nuance routinierter als der Text. Ihn aber kennenzulernen, dazu bietet das Nationaltheater eine würdige, bei der Premiere mit starkem Beifall bedachte Gelegenheit.‹‹
(Frankfurter Rundschau, 11. Januar 2016)

››Schimmelpfennig bietet mit ›An und Aus‹ keine simplen Deutungsmuster an. Alles ist in Auflösung, sogar die Dialoge, die immer fragmentarischer zu werden scheinen. Als Zuschauer wird man durch die poetischen Sprachbilder regelrecht verstrahlt. Das wirkt nicht sofort, aber am Tag danach fühlt man sich wie kontaminiert. Eine beachtliche Leistung.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 11.1.2016)

››Der international renommierte Autor reiste also 2013 nach Japan und er verfasste „An und Aus“. Seine düster groteske Reflexion über Technikbegeisterung, Tod und das Ausblenden der Realität ist nun erstmals in Deutschland zu sehen, in der präzisen Regie von Intendant Burkhard C. Kosminski am Nationaltheater Mannheim. […] Schimmelpfennig zeichnet eine Gesellschaft im Trotz, und Bühnenbildner Florian Etti findet bedrückende Bilder für die seltsam poetisierte, fast märchenhafte Erzählung über die Hybris dieser – und wohl auch unserer – technikgläubigen Gesellschaft. Das papierne Bühnenbild fällt in sich zusammen, am Ende ist alles von stetig herabschwebenden schwarzen Blütenblättern überdeckt. Bis dahin aber wird herumgetobt, romantisiert und verklärt was das Zeug hält. Wer dann irgendwann verstanden hat, was wirklich geschehen ist, geht ab, schweigend, ohne Pathos.‹‹
(Süddeutsche Zeitung, 11. Januar 2016)

››Weiße Papierbahnen, kunstvoll ausgeleuchtet (Licht: Nicole Berry), beschriftet, zerschnitten, bespielt und zerknüllt bilden einen der Bezüge zum Land der Papierkunst, die dem Reimport deutscher Dramatik im Schauspielhaus kunstvoll verordnet wurden. Seine besondere Erzähltechnik, auf monologische Beschreibungen statt auf Dialoge zu setzen und Regieanweisungen szenisch zu beleben, hat Schimmelpfennig beibehalten, seinen Hang zu poetischen Bildern allerdings zum besonders dick ausgemalten Bilderbuch gebunden: […] Katharina Hauter versteht es, die Unglaubwürdigkeit ihres Schicksals mit der glänzenden Scham der Realistin darzustellen. […]In der Inszenierung Kosminskis, die dieser Bilderflut mal zart, mal heiter mit Schattenspiel, Komik und Musik begegnet, bleibt der Abend […] ein szenisches Poem.‹‹
(Mannheimer Morgen, 11.Januar 2016)

››Schimmelpfennigs Bilderreigen ist japanisch karg und schlicht, ein Bühnen-Haiku mit diskreten Anspielungen auf Hokusai, Toyota und Godzilla, aber ohne jede soziale, politische oder psychologische Kontur. Die furchtbare Botschaft ist glasklar: So, wie es ist, kann und wird es nicht bleiben. Eine Gesellschaft, die Monstrositäten wie Seitensprung nach Zahlen und Liebe am Telefon hervorbringt, ist dem Untergang geweiht. ›Die Welt ist verschwunden‹, resümiert Anne-Marie Lux als klavierspielende Biene am Ende, ›aber die Sterne sind so klar wie nie zuvor‹. […] Florian Ettis Bühnenbild ist Origami für Fortgeschrittene: Kulissen, Requisiten und Figuren werden aus weißem Papier herausgeschnitten, auf Papier gefaltet, gestaltet, gezeichnet; selbst die Flutwelle ist in Mannheim eine Papierlawine. Das ist klug gedacht und hübsch gemacht‹‹
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2016)

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Georg Büchner
LEONCE UND LENA, Premiere 05.12.2015
Inszenierung: Sebastian Schug

LEONCE UND LENA, Premiere 05.12.2015 ©Foto: Christian Kleiner
LEONCE UND LENA, Premiere 05.12.2015 ©Foto: Christian Kleiner
LEONCE UND LENA, Premiere 05.12.2015 ©Foto: Christian Kleiner

Bühne: Christian Kiehl
Kostüme: Nico Zielke
Musik: Johannes Winde
Licht: Wolfgang Schüle
Dramaturgie: Stefanie Gottfried


››Was die Regie an Witz und Phantasie in die Aufführung einbringt, findet eine adäquate Entsprechung in der vielfarbigen Ausstattung durch Christian Kiehl (Bühne) und Nico Zielke (Kostüme). Als enorm wirkungssteigernde r Bestandteil der Inszenierung erweisen sich zudem die musikalische n Arrangements, für die Johannes Winde sorgte […]. Geradezu bemerkenswert stürzt sich David Müller als Leonce in die Rolle des Rebellen gegen jede Art von Zurichtung, […]. Eine komödiantische Glanzleistung gelingt Carmen Witt als entzückende Prinzessin Lena […]. Mit ›Cryin‹ von Aerosmith und Chet Fakers ›Gold‹ stellt auch Julius Forster beachtliches sängerisches Talent unter Beweis, gefällt jedoch ebenso in der Rolle der abgelegten Mätresse Rosetta wie in diversen anderen Verkleidungen oder der Band am Schlagzeug. Dritter im Musikerbunde ist Boris Koneczny, der Cello spielt und nichtssagende Höflingsfiguren vielsagend zu verkörpern versteht.  Unübertrefflich: Jaques Malan (König Peter/Gouvernante) und Matthias Thömmes (Valerio), die allein schon einen Besuch der Aufführung wert sind.‹‹
(Rhein-Neckar-Zeitung, 8. Dezember 2015)

››In Mannheim spüren sie mit Leonce und Lena vielmehr dem Lebensgefühl einer Jugend nach, die gegen die Regeln der Alten aufbegehrt. Und so betrachtet, wird aus Büchners Schicksalsfarce lebenssatter Melancholiker ein junger, wilder Spaß. […] Groß ist der Klamauk mit den Klassikern, doch bei allem Klimbim findet die Regie immer auch ein wenig Wahrhaftigkeit im Spiel. Am schönsten gelingt das ausgerechnet in jenem Moment, als der Kitsch am größten ist.‹‹
(Darmstädter Echo, 7. Dezember 2015)

››Unterhaltsam ist das allemal, denn dieser Schauspieler [David Müller] ist nicht bloß ein begnadeter Dauerquassler und charmanter Traurigkeitsapostel, sondern auch ein hyperaktives Stehaufmännchen.‹‹
(Die Rheinpfalz, 8. Dezember 2015)


 

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ADOLF HITLER: MEIN KAMPF BAND 1&2, 13.11.2015
Rimini Protokoll
Konzept, Regie und Text: Helgard Haug/ Daniel Wetzel
Dramaturgie und Recherche: Sebastian Brünger

ADOLF HITLER: MEIN KAMPF BAND 1&2, 13.11.2015 ©Foto: Candy Welz
ADOLF HITLER: MEIN KAMPF BAND 1&2, 13.11.2015 ©Foto: Candy Welz

Bühne und Video: Marc Jungreithmeier/ Grit Schuster
Musik: Volkan Terror
Technische Koordination und Licht: Andreas Mihan


››Sich hiermit in künstlerischer Form auseinanderzusetzen, birgt erhebliche Sprengkraft. Aber diese kritische Masse fliegt dem Regie- und Autoren-Team Helgard Haug und Daniel Wetzel nicht um die Ohren, es ist kein Skandalon, das die Zuschauer am Mannheimer Nationaltheater erleben. Sondern verblüffend unaufgeregtes, umsichtig und gedankenvoll in Wort und Szene gesetztes, und Achtung: immer wieder auch von Witz durchwirktes Dokumentartheater. […] es zeigt in aufschlussreicher Eindrücklichkeit, dass es nicht damit getan ist, toxisches Gefahrengut einfach ins Dunkel zu verbannen. Man muss sich zwingend damit auseinandersetzen.‹‹ (Mannheimer Morgen, 16. November 2015)

››Das Buch selbst verführt nicht. Es strotzt vor Stilblüten, Irrtümern und dumpfen Hass. Es taugt weder zur Legendenbildung noch zu schillernder Dämonie. Genau diese Erkenntnisse machen den eigentlichen Wert des Abends aus ‹‹ (Rhein-Neckar-Zeitung, 16. November 2015)


 

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HIGH VOLTAGE (UA), Premiere 09.10.2015
Tobias Rausch
Ein Projekt über Energie, Ressourcen und Blackouts
Mannheimer Bürgerbühne

HIGH VOLTAGE (UA), Premiere 09.10.2015 ©Foto: Christian Kleiner
HIGH VOLTAGE (UA), Premiere 09.10.2015 ©Foto: Christian Kleiner
HIGH VOLTAGE (UA), Premiere 09.10.2015 ©Foto: Christian Kleiner
HIGH VOLTAGE (UA), Premiere 09.10.2015 ©Foto: Christian Kleiner

Inszenierung: Tobias Rausch
Ausstattung: Annegret Riediger
Musik: Flo Huth
Video: finkefilm
Licht: Ronny Bergmann
Dramaturgie: Stefanie Bub


„Es ist ein multiprofessionelles Ensemble, das sich aus unterschiedlichen, differenzierten Blickwinkeln und in persönlichen Geschichten mit der Bedeutung von Energie auseinandersetzt – in einer buchstäblich spannungsgeladenen, dynamischen und ausdrucksstark gespielten Melange aus Erzähltexten, Schauspiel und Performance.“
(Mannheimer Morgen, 12. Oktober 2015)

„So hat die Bürgerbühne ein bedrohlich ernstes Thema mit viel Phantasie und augenzwinkerndem Humor angepackt. Die Aufführung, der nicht vorzuwerfen ist, dass sie unter zu wenig Energie litte, hat Regisseur Tobias Rausch revueartig mit Tanz- und Gesangseinlagen aufgepeppt.“
(Die Rheinpfalz, 12. Oktober 2015)


 

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EIN BLICK VON DER BRÜCKE / MANNHEIM ARRIVAL
Arthur Miller / Peter Michalzik (Mitarbeit Lea Gerschwitz)
Premiere 03.10.2015 (ein langer Abend)
In Zusammenarbeit mit der Mannheimer Bürgerbühne
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski

EIN BLICK VON DER BRÜCKE / MANNHEIM ARRIVAL, Premiere 03.10.2015 ©Foto: Christian Kleiner
EIN BLICK VON DER BRÜCKE / MANNHEIM ARRIVAL, Premiere 03.10.2015 ©Foto: Christian Kleiner
EIN BLICK VON DER BRÜCKE / MANNHEIM ARRIVAL, Premiere 03.10.2015 ©Foto: Christian Kleiner
EIN BLICK VON DER BRÜCKE / MANNHEIM ARRIVAL, Premiere 03.10.2015 ©Foto: Christian Kleiner

Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Musikalische Leitung: Markus Sprengler
Video: Nils Blumenkamp
Licht: Nicole Berry
Dramaturgie: Lea Gerschwitz (a.G.) / Tilman Neuffer (a.G.)


 „Theater leistet mehr als Fernsehen. Das wird teils so konkret, dass man es kaum aushalten kann. Und ja, man darf auch überfordert sein, wie es die zahlreichen Helfer, Organisationen, städtische Mitarbeiter und Politiker derzeit sind. Die schiere Masse der Einzelschicksale ist an diesem gut vierstündigen Abend kaum zu ertragen. Und man darf vermuten, dass die Spieldauer pure Absicht und hohe Dramaturgie ist.“
(Mannheimer Morgen, 5. Oktober 2015)

„Und wie, diese Frage schwebte jenseits aller anderen die ganze lange Nacht über der Bühne, soll man diesen Geschichten gerecht werden – wo beginnt und wo endet eigentlich politisches Asyl? Darauf hatte auch das Theater in Mannheim keine Antwort. Aber es hat zumindest in die Richtung gewiesen, in die sich künftige Debatten werden wenden müssen.“
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Oktober 2015)

„Es sind ganz unterschiedliche und sehr persönliche Fluchtgeschichten, vordergründig geht es um privates Unglück, aber dahinter stehen die großen Probleme unserer Zeit: Krieg, Terror, religiöser Fanatismus, wirtschaftliche Not. „Mannheim Arrival“ zeigt die Folgen, die Menschen, die solche Katastrophen aushalten müssen und die, wenn sie Glück haben, in einem Flüchtlingslager in Mannheim landen. „Mannheim Arrival“ ist das berührende Zentrum dieses vielschichtigen Theaterprojekts.“
(Rheinpfalz, 5. Oktober 2015)

„Ein Schicksal wirkt erschütternder als das andere, aber der Ton bleibt sachlich und klar, heischt nie weinerlich um Mitleid. Eine enorme Leistung, durch die sich dieses Bürgerbühnen-Projekt auszeichnet.“ 
(Rhein-Neckar-Zeitung, 5. Oktober 2015)

„Eine verbindende Konstante der beiden unterschiedlichen Teile sind die Schauspieler. Sie leihen in „Mannheim Arrival“ den Geschichten der Geflüchteten ihre Stimme und lesen meist in deren Beisein deren persönliche Fluchtgeschichte. Das wirkt trotz des Schreckens, den diese unterschiedlichen Erzählungen bergen, sehr harmonisch. Als wäre diese Bühne der Ort, an dem Flucht und Unsicherheit über die Anerkennung als Flüchtling enden.“
(taz.de, 6. Oktober 2015)

„Die Geschichten brauchen keine inszenatorische Aufbauschung, sie sprechen tatsächlich für sich. […] Es ist ein unspektakulärer, aber dichter Abend. Seine Kraft kommt aus der Tatsache, dass er sagt, wie’s ist, Flüchtling zu sein.“ (Frankfurter Rundschau, 9. Oktober 2015)

„Schauen wir einfach mal nach, was das für Menschen sind, über die wir andauernd politisch debattieren – das ist der Ansatz. Woher sie kommen, was sie erlebt haben, warum sie bleiben wollen. Das Ganze ist von Burkhard Kosminski ein bisschen sakral inszeniert, wie in der Kirche, aber es braucht vielleicht einfach diese Ruhe und Feierlichkeit, um diesen Menschen einmal zuzuhören.“
(Deutschlandfunk, 5. Oktober 2015)

„Und gespielt wird gut: Eddie, der gütige Onkel auf Irrwegen – bei Klaus Rodewald ist er der Spielverderber von Dienst, dem seine Aversionen gegen jeden männlichen Mitbewerber um Nichte Catherine bis in die Zehenspitze anzusehen sind. Anne-Marie Lux als die hingebungsvoll Umworbene ist ein nettes Girlie in hochhackigen Schuhe; Alexej Ekimov als ihr zugereister Verehrer Rodolfo ein ebenso lebenslustiger wie argloser Bursche mit Fünf-Tage-Bart – und auch Onkel Marco, der am Ende zur Pistole greifen, um Eddie zu erledigen, ist bei Jacques Malan genauso, wie er sein soll: maulfaul, aber aufrecht.“
(Allgemeine Zeitung Rhein Main Presse, 10. Oktober 2015)


 

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Ewals Palmetshofer
DIE UNVERHEIRATETE, Premiere 25.09.2015
Inszenierung: Florian Fischer
Bühne und Kostüme: Susanne Scheerer
Musik: Ludwig Berger
Licht: Damian Chmielarz
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

DIE UNVERHEIRATETE, Premiere 25.09.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE UNVERHEIRATETE, Premiere 25.09.2015 ©Foto: Hans Jörg Michel

„Wie stark die Tat sich prägend durch die Generationen zieht, macht Regisseur Fischer […] durch klug gewählte Beiläufigkeiten deutlich. […] Die eigentliche Frage richtet die Inszenierung ohnehin an die Zuschauer. Will man es überhaupt noch so genau wissen? Regisseur Fischer hält die Konfrontation mit der Tat bewusst kurz und schafft ein Setting, dass man der Jungen zurufen will: Warum quälst du die alte Frau, warum muss sie sich wegkauern vor deinen Fragen, welch unwürdigen, mitleiderregenden Anblick zwingst du uns auf? Das ist beunruhigend – und zutiefst menschlich.“
(nachtkritik.de, 25.September 2015)

„Palmetshofer interessiert sich mehr für die Frage, wie umgegangen wird mit solcher Schuld, wieviel Wahrheit in so ein durch Krieg und Gefängnis durcheinandergewirbeltes Leben eingelassen wird, wie sich die moralische Schieflage der schweigsamen Großmutter auswirkt auf die Biografien von Tochter und Enkelin. […] Die Sprache ist wie immer bei Palmetshofer von kunstvoller Einfachheit, kürzelhaft poetisch durch abgebrochene Sätze und ungewohnte Wortstellungen, ein jambisches Stakkato, zögerlich und dringlich zugleich, eine Getriebenheit auch beim Unausgesprochenen.“
(Die Rheinpfalz, 28.September 2015)

„Erfreulich Mannheims Neuzugang Hannah Müller. […] [W]enn sie fast übermütig, sprachsuggestiv beschreibt, wie sie die entblößten Körperteile ihrer zahlreichen Liebhaber im Bett fotografiert und als Trophäen-Sammlung auf ihrem Handy speichert, dann verwandelt sie den Abend […] für kurze Momente in jenes absurde Wahnsystem, das wir Leben nennen.“
(Mannheimer Morgen, 28.September 2015)


 

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Lutz Hübner, Sarah Nemitz
PHANTOM (EIN SPIEL) (UA), Premiere 17.09.2015
Inszenierung Tim Egloff
Bühne und Kostüme Thea Hoffmann-Axthelm
Licht Damian Chmielarz
Dramaturgie Tilman Neuffer

PHANTOM (EIN SPIEL) (UA), Premiere 17.09.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel
PHANTOM (EIN SPIEL) (UA), Premiere 17.09.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel

„Auf jeden Fall war das Mannheimer Publikum Zeuge der Uraufführung eines intelligent gebauten, phantasievoll inszenierten und mit Verve gespielten Stücks. […] Das "Phantom" wird noch durch viele deutsche Bühnen spuken. Hoffentlich so lustvoll in Szene gesetzt und gespielt, wie es Tim Egloff mit seiner Truppe gelungen ist.“
(nachtkritik.de, 17.09.2015)

„Wesentlich lebt „Phantom (Ein Spiel)“ - wie immer bei Hübner/ Nemitz - vom Spiel der Schauspieler. Wenn auch die Spiel-Dramaturgie immer wieder Distanzierung ermöglicht, gelingt es Carmen Fürst als „Blanca“, berührende Momente herzustellen. In ihrer Darstellung formen sich weiche Durchlässigkeit und das Pochen auf Würde zu einer optimistischen Haltung, die von sehnsuchtsvoller Träumerei nicht weit ist. Sabine Fürst spielt als Annika eine Frau voller Ängste und Komplexe, eine, die sich nicht zu helfen weiß und sich doch egoistisch zu behaupten versucht. Stark wie sie diese widerstreitenden Gefühle und Haltungen auszustellen vermag. Almut Henkel hat insbesondere als bulgarische Großmutter große Momente. Julius Forster und Boris Koneczny haben die meisten Rollenwechsel zu meistern, sie tun das mit einem Gefühl für präzises Timing und Rhythmus.“
(die deutsche Bühne, 18.09.2015)

„"Phantom" ist eine starke Hommage an eine mutige junge Frau geworden, die ganz allein eine Brücke nach Deutschland baut, für ihre gesamte Familie. Mit viel Witz und Spielfreude wird die Geschichte in Mannheim auf die Bühne gebracht, in authentischer Alltagssprache. Nur wenige Utensilien genügen. Regisseur Tim Egloff setzt das Stück so in Szene, dass es fast wie Improvisationstheater wirkt. Die Schauspieler probieren mal diese oder jene Szene, verwerfen manches und wechseln ständig ihre Rollen: Sehr unterhaltsam das Ganze!“
(swr2.de, 18.09.2015)

„Mithin sagt dieses von Egloff mit reichlich Witz, praller Verve und Farce-artigen Überzeichnungen samt Exkursen auf die theatrale Metaebene fabelhaft inszenierte Stück zwar durchaus allerhand zum Thema Zuwanderung aus. Aber mehr noch verhandelt es unsere eigene, oft genug mindestens fragwürdige Haltung allem Fremden gegenüber. Die hierbei an den Tag gelegte Chuzpe, gleichermaßen zu berühren und spielerisch zu unterhalten, verdient hohe Anerkennung.“
(Mannheimer Morgen, 19.09.2015)

„Hübners Erfolg hat natürlich auch mit der Machart seiner Dramen zu tun, denen eine clevere Balance aus schwieriger Thematik, spannender Handlung und pointierten Dialogen gelingt. Ohne ihren Inhalt zu verraten, bieten Hübners Texte gute Unterhaltung. Das lässt sich heutzutage nicht von allzu vielen Theaterabenden behaupten.“
(Die Rheinpfalz, 19.09.2015)


 

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