Pressestimmen 18. Internationale Schillertage 2015

KOMMENTAR
„Eines zeigen die Schillertage 2015 ganz deutlich, nämlich, dass die Beschäftigung mit Schiller immer wieder und immer noch lohnenswert ist.“
(Mannheimer Morgen, 22. Juni 2015)


BILANZ DER 18. INTERNATIONALEN SCHILLERTAGE 2015

(eine Veröffentlichung des Nationaltheaters Mannheim zum Abschluss des Festivals)

Mit den 18. Internationalen Schillertagen 2015, die am Samstag, 20. Juni zu Ende gingen, zeigte das Nationaltheater Mannheim unter dem Motto »Geschlossene Gesellschaft« erneut, wie aktuell und anregend die Beschäftigung mit Schiller ist.
Mit rund 21.000 Besuchern, einer Auslastung von 90,2% und meist ausverkauften Vorstellungen konnte das Festival das Niveau des Jahres 2013 halten, in dem 22.000 Besucher kamen, die zugleich zwei Vorstellungen mehr im Schauspielhaus sahen.
An neun Tagen standen bei den 18. Internationalen Schillertagen an den Spielstätten des Nationaltheater Mannheim, der Alten Feuerwache, dem TiG7 und der Benjamin Franklin Village insgesamt 10 Gastspiele, zwei Auftragsproduktionen, fünf Deutsche Erstaufführungen, zwei Eigenproduktionen und insgesamt über 100 Einzelveranstaltungen auf dem Programm.

Eröffnet wurde das Festival am 12. Juni durch Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, Staatssekretär Jürgen Walter sowie Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski. Den Auftakt machte die Eigenproduktion des NTM, Schillers Räuber in der Inszenierung von Calixto Bieito.
»Bieito interessiert der zeitlose Terror des Zwischenmenschlichen. Die Geflechte von Hingabe, Zurückweisung, Begierde und Rache legt er mit Schauspielern bloß, denen es gelingt, im Karacho der stark gerafften Fassung die Vielschichtigkeit ihrer Rollen zu zeigen«, so auf nachtkritik.de. Die Produktion wird Bestandteil des Repertoires am Nationaltheater und im Juni und Juli an fünf weiteren Terminen im Schauspielhaus zu sehen sein.

Die eingeladenen Gastspiele wie u.a. Common Ground (Maxim Gorki Theater), Die Verschwörung des Fiesko zu Genua (Staatsschauspiel Dresden) oder Wallenstein (Deutsches Nationaltheater Weimar) fanden ebenso ein breites und begeistertes Publikum wie das Musikprogramm mit regional und überregional bekannten Bands. Aufgrund einer plötzlichen Erkrankung im Ensemble konnte die Vorstellung Don Carlos vom Deutschen Theater Berlin nicht originalgetreu gezeigt werden. »So etwas kann natürlich passieren. Ich bin froh, dass wir die Vorstellung nicht absagen mussten. Regisseur Stephan Kimmig übernahm mit Textbuch die Rolle des Marquis von Posa, und die Berliner Kollegen fanden eine adäquate Übersetzung in dieser Ausnahmesituation«, so Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski.

In diesem Jahr präsentierte das Festival insgesamt fünf deutsche Erstaufführungen aus dem afrikanischen Raum, die in Bezug auf das Festivalmotto ihre ganz eigene Fragestellung entwickelten haben. Auf dem sonst für Publikum nicht zugänglichen Gelände der Benjamin Franklin Village waren zeitgenössische afrikanische Performance-, Tanz-, Theater- und Filmkunst zu sehen.

Zu Gast waren in diesem Jahr außerdem der Produzent, Autor und Regisseur Nico Hofmann und die Schauspieler Walter Sittler, Christoph Maria Herbst und Corinna Harfouch, die in White Rabbit Red Rabbit mit einem ihnen vorher unbekannten Text die Zuschauer durch Improvisation unterhielten sowie Ulrich Matthes, der mit einer Lesung von Schiller-Balladen nach nur wenigen Minuten die Zuschauer in seinen Bann zog und lang anhaltenden Applaus erntete.

Die 18. Internationalen Schillertage wurden ermöglicht und gefördert durch die Stadt Mannheim, das Ministerium für Forschung, Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Wir danken unseren Förderern: dem Amt für Kulturelle Stadtentwicklung, der Geschäftsstelle Konversion und der MWS Projektentwicklungsgesellschaft der Stadt Mannheim, den Freunden und Förderern des Nationaltheaters Mannheim e.V., der Stiftung Nationaltheater Mannheim, der Heinrich-Vetter-Stiftung sowie dem Goethe-Institut.

Ein herzlicher Dank geht auch an unsere Hauptsponsoren BASF SE, Roche Diagnostics und John Deere sowie an unsere zahlreichen Kooperationspartner.
Die 18. Internationalen Schillertage sind eines der 15 Top-Festivals der Metropolregion Rhein-Neckar.

Nach oben


DON CARLOS
20.06.2015 Schauspielhaus
Gastspiel Deutsches Theater Berlin
Inszenierung: Stephan Kimmig

„Keine Inszenierung wurde geboten, sondern eine szenische Lesung in hochklassiger Besetzung. […]
Andererseits liegt in der minimalistischen Inszenierung […] ein verdichteter Reiz, der dem Gehalt des Stückes gerecht wird. Geht es doch auch um den Verfall von Macht, der sich in den zerfallenden Beziehungen offenbart. Dem korrespondiert ein von Katja Haß entworfenes Bühnenbild mit grau-weißen Räumen voller Spiegel. […]
 Es wird aber nicht gelesen, sondern im Sitzen gespielt, und zwar weiterhin großes Theater. […] Darauf agiert Matthes mit unnachahmlicher körperlicher Präsenz, die sich gerade am Handicap, sitzen zu müssen, entfacht. Der Zuschauer wird Ohrenzeuge großartiger Sprachgewalt.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 22. Juni 2015)

„Für Mannheims Schillerfreunde hielt sich das Ausmaß der Katastrophe allerdings in Grenzen, gab es doch große Schillerworte von glänzenden Schauspielern, in einer Situation, die irgendwann auch Theatergeschichte schreiben könnte… […]
Als König Philipp ist [Matthes] selbst auf einem Stuhl sitzend noch fraglos eine Idealbesetzung: Seine Stimme, Präsenz, Phrasierung, Betonung und Mimik würden selbst die Verlesung der Lottozahlen zum literarischen Ereignis machen. […]
Regisseur Kimmig und die verbleibenden sieben Darsteller […] entschieden sich gegen einen Ersatz, gegen das Einsprechen des Textes aus der Seitengasse und beschlossen, den Abend auf acht Stühlen an der Rampe zu bestreiten – als Vortrag on Kostümen (Anja Rabes) und Maske, während Katja Haß´ Drehbühne einer in die Jahre gekommenen Büromachtzentrale mit Feldbetten sich im Hintergrund nahezu meditativ drehte. […]
Der maliziöse Herzog Alba Henning Vogts etwa, die empathische Elisabeth Katrin Wiechmanns, der ratlos unorientierte Carlos Alexander Khuons sind ebenso präsent wie Kathleen Morgeneyers Prinzessin Eboli.“
(Mannheimer Morgen, 22. Juni 2015)

„Der Mut der in Kostüm und Maske erschienenen Schauspieler und ihres mitdilettierenden Regisseurs wurde ebenso belohnt wie die Geduld des Publikums […]. Obwohl nur Sprache, Mimik und ein paar angedeutete Gesten zur Verfügung standen, brachte das Ensemble nicht nur den Text, sondern das ganze Stück vor das Auge der Betrachter. Man entdeckte acht Figuren im Netz eines auf Unabänderlichkeit gründenden Staatssystems, von den Repräsentanten der Macht bis zu ihren jugendlichen Herausforderern hat jeder seinen festgefügten Platz. Selbst das Aufbegehren, ob aus Liebe oder Rebellion, ist hier ein unabänderliches Ritual, an dessen Ende die Katastrophe steht.“
(Die Rheinpfalz, 22. Juni 2015)

„Ganz stark Henning Vogt als durchtriebener, schleimiger Herzog von Alba. Den euphorisch aufbegehrenden Sohn Don Carlos […] spricht Alexander Khuon. Er hat ebensolche emotional berauschende Passagen und verzweifelte Gefühlsausbrüche wie sich Kathleen Morgeneyer leidenschaftlich verliebt in Carlos zeigen und ihm mit glühenden Wangen schmachtende Blicke zuwerfen darf, um dann abgewiesen hasserfüllt Rachepläne zu schmieden.“ (Schifferstadter Tagblatt, 22. Juni 2015)


 

Nach oben


WALLSTONE IV: EIN LIVE CUT-UP NACH SCHILLERS
WALLENSTEIN-TRILOLOGIE
19.&20.06.2015, Alte Feuerwache
Clemens Meyer
Eine Auftragskomposition des NTM für die 18.I.Sch.

WALLSTONE IV: EIN LIVE CUT-UP NACH SCHILLERS WALLENSTEIN-TRILOLOGIE, 19.&20.06.2015, ©Foto: Christian Kleiner
WALLSTONE IV: EIN LIVE CUT-UP NACH SCHILLERS WALLENSTEIN-TRILOLOGIE, 19.&20.06.2015, ©Foto: Christian Kleiner

„Clemens Meyers Auftragsarbeit für die Schillertage […] sucht die Reibung mit seiner klassischen Vorlage. […]
Als geplanter Hybrid aus Gesprächsrunde, Performance und Theater bringt der Abend neben Autor Clemens Meyer und Dramaturg Johannes Kirsten noch Schauspieler Manuel Harder, Maler Liam Scully, DJ Enrico Meyer, den Wirtschaftshistoriker Thomas Kuczynski und den Oberleutnant Florian Kling unter die Scheinwerfer.“
(Mannheimer Morgen, 22. Juni 2015)

„‘Wallstone IV‘ bewegte sich zwischen Klamauk und ernsthaften Analysen zur weltpolitischen Lage.“
(Die Rheinpfalz, 22. Juni 2015)


 

Nach oben


WALLENSTEIN : WALLENSTEINS LAGER
/ DIE PICCOLOMINI / WALLENSTEINS TOD
19.06.2015 Schauspielhaus
Gastspiel Deutsches Nationaltheater Weimar
Inszenierung: Hasko Weber

WALLENSTEIN : WALLENSTEINS LAGER / DIE PICCOLOMINI / WALLENSTEINS TOD, 19.06.2015, ©Foto: Matthias Horn
WALLENSTEIN : WALLENSTEINS LAGER / DIE PICCOLOMINI / WALLENSTEINS TOD, 19.06.2015, ©Foto: Matthias Horn

„Dominique Horwitz spielt den Feldherrn wie einen zergrübelten zweiten Hamlet. Besonders eindrucksvoll wirkt er, wenn er den dunklen Bühnenschlund ganz für sich allein hat. […]
Dass sich Weber in seiner konzentrierten, werkgetreuen Inszenierung auch ein paar Gags erlaubt, […], tut der Wirkung des Mammutunternehmens keinen Abbruch. Das Schillertage-Publikum klatsch lange und kräftig, rund 50 Besucher erheben sich im Opernhaus des Nationaltheaters sogar zu stehenden Ovationen.“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 22. Juni 2015)

„Weber vertraut ganz auf die Brisanz des Textes, verzichtet weitgehend auf aktuelle Anspielungen, bringt das Intrigenspiel um Macht und Loyalität in oftmals sehr statischen Arrangements auf die Bühne, die von einem riesigen, auf Kriegsschutt lagernden Kreuz dominiert wird. […]
Dieser Wallenstein ist ein Lame Duck, ein Herrscher, dem der Glaube an den Erfolg abhandengekommen ist, der zögert, taktiert, auf Chancen wartet und dabei letzte Aktionen verpasst.“
(Die Rheinpfalz, 22. Juni 2015)

„[Hasko Weber] zeichnet den Weg Wallensteins vom unbedeutenden Herzog, zum vielbeachteten, bewunderten Feldherrn, der dem Kaiser aufgrund seines Erfolgs und Machtstrebens ein Dorn im Auge geworden ist mit kurzen Strichen nach. […]
Zwischentöne wurden gut herausgearbeitet und Dominique Horwitz bestach durch die Interpretation des Emporkömmlings, der genießt, dass er […] bewundert und geliebt wird von seinen Soldaten, der die Macht aber missbraucht, nicht nur weil er selbstüberschätzend keine Grenzen mehr kennt, sondern auch, weil bei ihm Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen. Das war gute Unterhaltung, modern gestrickt und wenn Gräfin Terzky in Merkel-Manier die Hände hält, ist das auch ein deutlicher Hinweis dafür.“
(Schifferstadter Tagblatt, 22. Juni 2015)


 

Nach oben


ULRICH MATTHES LIEST SCHILLERBALLADEN
18.06.2015, Schauspielhaus

ULRICH MATTHES LIEST SCHILLERBALLADEN, 18.06.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel
ULRICH MATTHES LIEST SCHILLERBALLADEN, 18.06.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel

„Was Ulrich Matthes daraus im Mannheimer Schauspielhaus […] liest, verrät, wie nahe sich Sprache und Emotionalität einst gewesen sind, damals, als das Herz noch ganz erfüllet war von den Schönheiten der Welt. Eine überschwängliche Aufwallung des Gemüts, die wenig später als Zylinder schwenkendes Säkulum in die Geschichte eingehen wird. [..]
Ulrich Matthes […] fasziniert die Zuhörer mit seiner wunderbaren Vortragskunst. Ob ‚Handschuh‘, ‚Bürgschaft‘‚ Taucher‘, ‚Glocke‘, oder ‚Kraniche des Ibykus‘ – immer verwandelt sich der Text in eine fließende, dramatische Bewegung, die von der Sprachgewalt und Sprachvirtuosität Schillers berichtet. […]
 [...] lässt aus dem dynamischen Beziehungsgeflecht der Zeichen und Wörter übergreifende Zusammenhänge entstehen, eine empathische Rhetorik, die ein heißer Atem konsequent zusammenhält. In solchen Momenten verwandelt sich die Magie der Sprache in eine höchst schattierungsreiche Kunst […].“ (Mannheimer Morgen, 20. Juni 2015)

„In einem Schiller-Best-of präsentierte der Schauspieler die großen Balladen-Hits […]. Matthes stellte sich dabei ganz in den Dienst des Dichters, versagte sich selbst bei biedermeierlichsten Gesellschaftsentwürfen jegliche Ironie. Aus altem Text wurde Kopfkino für heute.“
(Die Rheinpfalz, 22. Juni 2015)


 

Nach oben


ANTI-OEDIPUS OR: KADDISH TO SHULAMIT,
Premiere 17.06.2015, Schauspielhaus
Text und Inszenierung: Udi Aloni
Auftragsproduktion des NTM für die 18. I.Sch.

ANTI-OEDIPUS OR: KADDISH TO SHULAMIT, Premiere 17.06.2015, Schauspielhaus, ©Foto: Christian Kleiner
ANTI-OEDIPUS OR: KADDISH TO SHULAMIT, Premiere 17.06.2015, Schauspielhaus, ©Foto: Christian Kleiner

„Eingebettet in die narrative Klammer der Erzählung über die schwere Demenz-Erkrankung seiner Mutter […] und deren Tod im vergangenen Jahr entwickelt Udi Aloni eines Diskurs über den Freundschaftsbegriff in Schillers Arbeiten, zwischenmenschliche Verantwortung und die Wichtigkeit der Kunst. […]
Gemeinsam mit dem Schauspieler Itay Tiran und dem Hip-Hop-Künstler Tamer Nafar baut der israelische Regisseur und Autor […] ein behutsam zusammengesetztes Versatzspiel, das auf der offenen Bühne von Florian Etti eindrücklich und mit viel menschlicher Wärme seine Fragen formuliert und den Zuschauer dabei nie aus den Augen verliert.
In knappen achtzig Minuten verbinden sich dokumentarische Filmeinspielungen, Musik und Text im ersten Teil des Abends zu einem fordernden Stück Theater und einer vielschichtigen künstlerischen Forschungseinrichtung, die im Anschluss an den performativen Part mit einem […] Miniatur-Symposium, mit Udi Aloni und dem Philosophen und Kulturkritiker Slavoj Zizek ganz bewusst den klassischen, theatralen Raum verlässt und als moderierter Vortag seine Fäden weiterspinnt […].
Zusammen gesehen und erlebt, passiert hier ein aufrichtiger und bewegender Theaterabend, der klar und klug Fragen stellt […], der seinen autobiografischen Ausgangspunkt nicht ausstellt oder ausbeutet, sondern zu einer relevanten performativen Abhandlung nutzt.“
(Mannheimer Morgen,19. Juni 2015)


 

Nach oben


AFRIKA (DE), 16.&17.06.2015
Benjamin Franklin Village
Gastspiel Ntsoana Contemporary Dance Theatre
Kreiert von Sello Pesa
In Kooperation mit dem Büro für Kulturelle Stadtentwicklung und MWSP

AFRIKA (DE), 16.&17.06.2015, ©Foto: privat
AFRIKA (DE), 16.&17.06.2015, ©Foto: privat

„In ihrer provokativen Performance […] greift das Ntsoana Contemporary Dance Theatre aus Johannesburg zu krasser Symbolik. Die Darsteller scheuen nicht vor schwer verdaulicher Kost zurück und machen sich im wahrsten Sinne des Wortes zum Affen. Das Stück ist ein starker Kommentar zu Stereotypen und südafrikanischer Identität. […]
Um Gesellschaftskritik zu üben, ist Sello Pesa zu vielem bereit. […]Die Mannheimer jedenfalls reagierten auf sein ‚Afrika‘ neugierig, nachdenklich, und ein paar bedankten sich per Handschlag bei den Künstlern.“
(Die Rheinpfalz, 18. Juni 2015)

„Seine Performance […] setzt im Kopf eine Fülle an Assoziationen frei. Darunter tummeln sich auch jene Bilder oder Denkmuster, die der Künstler im Bund mit den Tänzern Humphrey Maleka und Brian Mtembu untersucht. […]
Immer den Rhythmus im Körper. Bis einer ihn laut mit den Füßen aufstampfend stärker akzentuiert, seine rhythmische Folge dabei leicht versetzt und selbst dabei aus der Reihe tanz. Jene Szenengehören zu den stärksten Eindrücken […], denn sie werden allein aus dem Verhältnis des Körpers zum Rhythmus, seinem Gleichschritt oder seiner Widersetzung geschaffen.“
(Mannheimer Morgen, 18. Juni 2015)


 

Nach oben


SCHILLERS RÄUBER. EIN ABEND FÜR FÜNF SPIELER UND EINEN GERÄUSCHEMACHER, 16.&17.06.2015
Gastspiel Junges Schauspiel Hannover
Inszenierung: Ruth Messing

SCHILLERS RÄUBER. EIN ABEND FÜR FÜNF SPIELER UND EINEN GERÄUSCHEMACHER, 16.&17.06.2015, ©Foto: Katrin Ribbe
SCHILLERS RÄUBER. EIN ABEND FÜR FÜNF SPIELER UND EINEN GERÄUSCHEMACHER, 16.&17.06.2015, ©Foto: Katrin Ribbe

„Regisseurin Ruth Messing hat ‚Schillers Räuber‘ […] unter völligem Verzicht auf das gesprochene Wort inszeniert – mit den Mitteln und der Expressivität des Stummfilms. […] Das Ensemble des Jungen Schauspiel Hannover […] chargiert lust- und kunstvoll drängend, stürmend, augenrollend (wunderbar: Olivo als latent dauergenervter Franz) durch rund 80 Spielminuten im Studio des Mannheimer Nationaltheaters. Sparsam werden Textauszüge eingeblendet, reicht ist die Soundkulisse, für die Musiker Martin Engelbach an Flügel, Schlagwerk und allem, was ihm sonst noch klangerzeugend unter die versierten Finger kommt, verantwortlich zeichnet.
Schön und wirkungsvoll: Andrea Wagners Bühne, ein großer Kubus, der sich erklimmen, drehen und aufklappen lässt – wodurch auch Schattenspiele ermöglicht werden […]
Diese ‚Räuber […] schreiten mit beredtem Witz und Aplomb zur Tat - und fangen dabei erstaunlich pointiert Inhalt und Wesensmerkmale des Schiller´schen Dramas ein.“
(Mannheimer Morgen, 18. Juni 2015)

„Schillers ‚Räuber‘ ohne Schillers Text, geht das? Ganz wunderbar, wenn man so viel Spiellust und komisches Talent hat wie die Truppe vom jungen Schauspiel Hannover. […]
 […] der knapp 90-Minütige, von Ruth Messing inszenierte Abend zielte eher aufs Große und Ganze, bot eine herrliche Mischung aus Murnau´schem Augenrollen, Monty-Python-Slapstick und dem rasenden Bühnenchaos eines Herbert Fritsch. […]
Der Star des Abends ist aber Martin Engelbach, der Klavier, Schlagzeug, Geige und hundert weitere Instrumente und Krachmacher bedient und dem ansonsten stummen Geschehen eine grandiose Tonspur verpasst. Das Finale […] gibt es in Zeitlupe und mit donnernden Akkorden: ‚die Räuber‘ als tolle Räuberpistole, Theater als großes Kino.“
(Die Rheinpfalz, 19. Juni 2015)


 

Nach oben


WHITE RABBIT RED RABBIT
Text und Konzept: Nassim Soleimanpour
An verschiedenen Spielstätten mit Walter Sittler, Corinna Harfouch, Christoph Maria Herbst, Nico Hofmann

„Mit einer energischen Bewegung reißt der Schauspieler Walter Sittler jenes versiegelte Kuvert auf, das ihm kurz zuvor Burkhard C. Kosminski […] im Ochsenpferchbunker überreicht hat. […] Jede Aufführung, […] wird so ohne Probe, Regie und Bühnenbild zu einer Premiere, in der sich Publikum und Schauspieler gemeinsam auf etwas Ungewisses einlassen. […]
Ein Theaterexperiment, an dem das Publikum, von Walter Sittler souverän und sympathisch angeleitet, gestaltend mitwirkt, gleichgültig, ob man nun als Kaninchen die Zähne zeigen darf oder als Bär im Zirkus die Ticket-Kontroller übernimmt.“
(Mannheimer Morgen, 16. Juni 2015)

„Die Fabel des Persers ist wahrlich passend zum Schillertage-Motto ‚Geschlossene Gesellschaft‘, spielt der Autor doch auf vielen Ebenen mit Insidern und Ausgeschlossenen, mit Grenzen und deren Überschreitungen. Komiktalent Herbst setzt nicht auf Zote, sondern beweist praktischen Humor für ein ungewöhnliches Format, das trotz geringer Überlänge für einen launigen und doch auch hintergründigen Spätabend sorgt.“
(Mannheimer Morgen, 17. Juni 2015)

„Der Autor verwickelt den moderierenden Schauspieler und das Publikum in ein raffiniertes Spiel mit Gehorsam, Konformität und Widerstand, mit Anonymität in der Masse und Identität als Individuum, mit Echtheit und Täuschung, mit Anwesenheit und Abwesenheit und mit den Zeitdimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nicht zuletzt aber geht es um Leben und Tod, und am Ende führt der Autor sein Publikum zur Erkenntnis der eigenen Mitleidlosigkeit und Teilnahmslosigkeit am Schicksal anderer. Bis es soweit ist, gibt es allerdings viel zu lachen. […]
Wie sehr der jeweilige prominente Hauptdarsteller, aber auch sein zufällig zusammengewürfeltes Publikum dem Stück eine eigene Note geben, führte ein Vergleich der Inszenierungen […] vor Augen. […] Sittlers Publikum machte bereitwillig mit und ließ mehr Mitgefühl erkennen als das von Herbst. Dafür fanden sich in Herbsts Publikum die gewitzteren Laiendarsteller. So bildet auch eine Masse ein charakteristisches Individuum.“
(Die Rheinpfalz, 17. Juni 2015)

„So ist das Leben und so steht es in dem Text, den Corinna Harfouch […] liest und szenisch umsetzt. Erst zupft sie zögernd an dem Umschlag herum […]. Doch dann scheint sie sich darauf zu besinnen, dass Schauspieler auch Entdecker sind, geübte Wanderer durch die Gebirge des Ungewissen. Also forciert sie das Tempo und holt sich mutig ihre Kaninchen-Mitspieler sogar auf den hinteren Reihen. Beim Straußentanz der Geparde vollführt sie einen Kopfstand mit ausgestrecktem Bein, den jede Ballett-Jury bejubeln würde.“
(Mannheimer Morgen, 18. Juni 2015)

„Corinna Harfouch spielt ganz locker und ganz toll. Die Schillertage wahren ihren Ruf als Inszenierungsstätte des Ungewöhnlichen. Gefiel allen gut.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 18. Juni 2015)


 

Nach oben


COMMON GROUND, 15.06.2015
Gastspiel Maxim Gorki Theater
Inszenierung: Yael Ronen & Ensemble

COMMON GROUND, 15.06.2015, ©Foto: Thomas Aurin
COMMON GROUND, 15.06.2015, ©Foto: Thomas Aurin

„‘Common Ground‘ heißt der Festival-Hit des Jahres. […] Und nun wurde die Inszenierung auch bei den Internationalen Schillertagen in Mannheim lautstark vom Publikum gefeiert. […] Denn [es] werden […] Fragen nach Kriegsschuld, Verrat, Vertrauensverlust und dem ganz persönlichen Umgang damit gestellt. Die israelische Regisseurin interessiert sich dafür, wie das Denken und Fühlen von Menschen auch noch in der zweiten oder dritten Generation danach durch Kriege und Katastrophen verändert wird. […]
In rasantem Tempo berichten die Schauspieler von sich und den jeweils anderen. Sie denken sich in die Rollen der verfeindeten Väter, vermitteln das Schauern an Orten, wo Kriegsverbrecher ihr Unwesen trieben […].
Eingeleitet wird diese bewegende Aufführung durch ein Stakkato über andere Katastrophen und Kriege, aber auch über popkulturelle Ereignisse, von denen das Weltgeschehen in den 1990er Jahren geprägt war. Ein Abend, der einen noch lange beschäftigen wird.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 17. Juni 2015)

„Yael Ronen recherchiert ihr Material zwar in der Gegenwart und jüngeren Geschichte, holt aber ihre Schauspieler als emotional betroffene Zeitzeugen mit ins Boot. Das bringt viel Subjektivität und Perspektivenvielfalt, die Auseinandersetzung über den dargestellten Konflikt wird unmittelbar auf die Bühne geholt, das Spiel entwickelt eine Art von therapeutischer Energie. […]
Seine stärksten Momente hat dieser tief berührende, hochpolitische Theaterabend, wenn all die Fragen, die dieser kaum lösbare Konflikt aufwirft, unmittelbar auf die Bühne kommen, wenn gestritten wird, wie denn nun umzugehen sei mit Kriegsverbrechern, wenn Unrecht aufgerechnet wird und politische Lösungen erwogen.“
(Die Rheinpfalz, 17. Juni 2015)

„Eine […] Sturmflut aus Bildern, Nachrichten-Fragmenten und biografischen Erinnerungen der Schauspieler […] bricht in dieser Theaterproduktion über den Zuschauer herein. […]
Dieser Theaterabend verlangt seinem Ensemble vieles ab und mutet auch seinen Zuschauern vieles zu. Es tut weh, es kann einen nahezu verzweifeln lassen, wenn die Darsteller ihre Reise rekapitulieren […].
‚Common Ground‘ lässt seine Protagonisten über Verantwortung und Sühne streiten, aber die Produktion ergeht sich nicht in Schuldzuweisungen und versucht ebenso wenig, ihr Publikum in die Rolle von Richtern zu drängen. Damit gelingt der Regisseurin und ihrem Ensemble eine herausragende Inszenierung – nicht ohne Pathos, aber mit ungemeiner Kraft und Intensität – die uns zugleich den Funken Zuversicht mit auf den Weg gibt, dass wir hier im Theater eine Generation erleben, die zu etwas nachgerade Revolutionärem fähig ist: zur Versöhnung.“
(Mannheimer Morgen, 17. Juni 2015)

„Sie beginnen nun ihre Geschichten zu erzählen, sanft, behutsam, Untermalungen irgendwelcher Art bedarf es nicht, das Gesprochene ist eindringlich, erschütternd genug. Und es geht tief unter die Haut.“ (Schifferstadter Tagblatt,18. Juni 2015)


 

Nach oben


DIE VERSCHWÖRUNG DES FIESKO ZU GENUA, 14.06.2015
Gastspiel Staatsschauspiel Dresden
Inszenierung: Jan Philipp Gloger

DIE VERSCHWÖRUNG DES FIESKO ZU GENUA, 14.06.2015, ©Foto: David Baltzer
DIE VERSCHWÖRUNG DES FIESKO ZU GENUA, 14.06.2015, ©Foto: David Baltzer

„Sehenswert ist […], was Christian Erdmann aus der Titelrolle macht: Sein Fiesko ist eine ungemein smarte Verkörperung des Spitzenmannes, der für alles begabt und zu allem fähig ist. Die Fäden in der Hand zu halten, die Kontrolle über andere zu haben, sie nach Belieben manipulieren zu können, ist die Lebensdroge, an der er sich berauscht.“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 16. Juni 2015)

„Christian Erdmann ist Fiesko, ein begnadeter Entertainer und politischer Verführer. […] Unbestreitbar gehört er zu jenen, die sich an ihren Machtgedanken berauschen können und dabei dennoch den schmalen Grat zwischen Selbsterhöhung und Selbstzweifel nicht scheuen. Ein Spieler und Narziss, der sich in elegante Kleidung hüllt. Fabelhaft aber auch Thomas Braungardt als Muley Hassan. […] Anrührend Ines Marie Westernströer als Leonore. Sie deckt Schillers Reichtum an Gefühlen auch dort auf, wo eigentlich der schnöde Realismus das Handeln diktiert.“
(Mannheimer Morgen, 16. Juni 2015)

„Christian Erdmann hat riesige Freude an seinem Fiesko, man nimmt ihm den Zweifler, den Verschwörer ebenso ab wie den Jetsetler, der nur im Jetzt lebt und nicht nach dem Morgen fragt, den ein schnelles amouröses Abenteuer eher interessiert als das Volk draußen vor der Tür. […]
Karina Plachetka zeigte eine erfrischende Julia, frivol, lüstern, ganz im Gegensatz zu der eher nörgelnden, weinerlichen Leonore, der Ines Marie Westernströer viel Leben und Überzeugungskraft einhaucht. […]
Tobias Krüger als Gianettinos Vertrauter Lomellino, Jan Maak als Kronprinz Doria vervollständigten die Truppe, die zweieinhalb Stunden exquisit unterhielt.“ (Schifferstadter Tagblatt, 16. Juni 2015)

„Dass ein Schiller-Drama auch unterhaltsam sein kann, […] bewies der junge Regisseur Jan Philipp Gloger mit seiner turbulent-mitreißenden Inszenierung der ‚Verschwörung des Fiesko zu Genua‘ vom Staatsschauspiel Dresden. Dies war fast im Alleingang dem Schauspieler Christian Erdmann zu verdanken. Der lässt seinen Fiesko als hyperaktiven Hedonisten durch die Genueser Partymeile taumeln und verführt Frauen und Volksvertreter mit demselben Überwältigungsgestus.“
(Die Rheinpfalz, 19. Juni 2015)


 

Nach oben


ANALOGUE EYE. Drive-In Theatre (DE)
Benjamin Franklin Village
Brent Meistre
In Koproduktion mit dem Büro für Kulturelle
Stadtentwicklung und MWSP

ANALOGUE EYE. Drive-In Theatre (DE), ©Foto: privat
ANALOGUE EYE. Drive-In Theatre (DE), ©Foto: privat

„‘Analogue Eye‘ versammelt am Premierenabend Blicke junger Künstler afrikanischer Herkunft auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen auf ihrem Heimatkontinenten in einem knapp einstündigen Filmprogramm, das unter dem Titel ‚The Stone Kraal‘ insgesamt 13 Filmpositionen beinhaltete. […]
 […] mit der sozialkritischen Neo-Fabel ‚Cape Mongo‘ von Francois Knoetze und Amirah Tajdins nüchtern poetischen Diskurs über das Fremd- und Anderssein in ‚Fluorescent Sin‘ […] zwei wirklich eindrückliche Momente […]. Begleitet wir das von Meistre kuratierte Filmprogramm von der Ausstellung ‚Now You See Me, Now You Don´t!‘, die Arbeiten von sechs jungen Fotografen aus Johannesburg zeigt, die das migrantische Leben in den Fokus ihrer Beobachtungen stellen.“ (Mannheimer Morgen, 15. Juni 2015)

„Brent Meistre ist ein südafrikanischer Experte für zeitgenössischen Film, er […] entnimmt Galerien, Internetplattformen und Videotauschbörsen cineastische Kunstwerke. Gezielt setzt er diese an einen unerwarteten Ort: Die Fahrt dorthin und dessen Entdeckung, der Blick durch die Autoscheibe, der Ton aus dem Radio, das Fahrzeug als Zuschauerraum, das ferne Aufscheinen eines Panoramas afrikanischer Filmpositionen sind Komponenten des Werks. Meistre hat vom Art-Video über das handy-Movie bis zum 16mm-Film thematische Abende für die Schillertage zusammengestellt.“
(Mannheimer Morgen, 16. Juni 2015)


 

Nach oben


BURN MUKWEREKWERE BURN (DE)
Gastspiel 13.&14.06.2015
Benjamin Franklin Village
Giles Ramsay / Blessing Hungwe

BURN MUKWEREKWERE BURN (DE), Gastspiel 13.&14.06.2015 ©Foto: Christian Kleiner
BURN MUKWEREKWERE BURN (DE), Gastspiel 13.&14.06.2015 ©Foto: Christian Kleiner

In Koproduktion mit dem Büro für Kulturelle
Stadtentwicklung und MWSP

„Mit einfachsten Mitteln wie Getränkekästen zaubern fünf Schauspieler in Straßenkleidung ein sehr lebendiges Stück auf die Bühne. Die Darsteller […] des Njabulo und Farai wechseln sich als das Bühnengeschehen kommentierende Erzähler ab, was eine gewisse Distanz zu der grausigen Handlung schafft. Ein schwuler südafrikanischer Mafiose bringt außerdem eine humorvolle Note in das ansonsten ernste Stück. Insgesamt legt dieses aber das immer gleiche Muster von Pogromen und deren Folge offen: Die Arroganz der schwarzen Südafrikaner […] wird als Motiv für das Morden der Flüchtlinge aus Simbabwe erkannt. Und am Ende sind die Opfer so hasserfüllt wie die Täter.“
(Die Rheinpfalz, 16. Juni 2015)


 

Nach oben


MARIA STUART
Gastspiel Theater Bremen, 13.06.2015
Schauspielhaus
Inszenierung: Anne Sophie Domenz

MARIA STUART, Gastspiel Theater Bremen, 13.06.2015, ©Foto: Jörg Landsberg
MARIA STUART, Gastspiel Theater Bremen, 13.06.2015, ©Foto: Jörg Landsberg

„Ganz andere Fragen hat sich […] die junge, schon viel gepriesene Regisseurin Anne Sophie Domenz gestellt. Was sind das für Frauenbilder, die uns mit Maria Stuart und Königin Elisabeth entgegentreten? Welche Rollen in der Gesellschaft spielen die beiden?“
(Die Rheinpfalz, 15. Juni 2015)

„Da beginnt Schillers Ansatz von Freiheit, die Freiheit Entscheidungen zu treffen oder von Volk und Regierung zu einem Entschluss getrieben zu werden […]. Nadine Geyersbach zeigt eine Elisabeth, für die es kein Entkommen aus ihrer Machtposition gibt, die um Entscheidungsfreiheit ringt, aber einsehen muss, dass es kein Entrinnen gibt. Sie zeigt eindringlich den Zweispalt der Regentin, den inneren Kampf und so ist auch sie Gefangene. […]
Trotz allem Schnickschnack und abstrusen Regieeinfällen, der Text zieht den Betrachter in den Bann […]. Besonders eindringlich die Verzweiflungsmonologe von Betty Freudenberg als Maria Stuart und der Elisabeth von Nadine Greyersbach.“
(Schifferstadter Tagblatt, 15. Juni 2015)

„Wie brutal und komisch, wie lüstern und machtlüstern diese Menschen tatsächlich sind, unterschlägt die Regie. Stattdessen bietet sie im weiten Bühnenraum häufig ästhetische Zeremonien, mit denen sich die furchterregende Alltäglichkeit der Figuren jedoch nicht begründen lässt.“
(Mannheimer Morgen,15. Juni 2015)


 

Nach oben


FISHERS OF HOPE. TAWERET (DE), 13.06.& 14.06.2015
Probenzentrum Neckarau
Lara Foot, Baxter Theatre Centre at the University of Cape Town and Mopo Productions, Kapstadt

FISHERS OF HOPE. TAWERET (DE), 13.06.& 14.06.2015, ©Foto: Oscar 'O Ryan
FISHERS OF HOPE. TAWERET (DE), 13.06.& 14.06.2015, ©Foto: Oscar 'O Ryan

„Jede der Figuren schaut in dem Stück über Alltägliches und die Not hinaus und spricht von Hoffnung als verbindender Kraft der Gemeinschaft. Die archaische Form afrikanischen Geschichtenerzählens erweitert Foot um Tanz, Musik und Videoprojektionen. Mit poetischer Bildkraft entwirft sie nicht nur ein Familiendrama, sondern die Tragödie eines ganzen Kontinents, auf dem sich nach und nach alle Hoffnungen verbrauchen.“
(Mannheimer Morgen, 11. Juni 2015)

„‘Fishers of Hope‘ ist pralles, mitreißendes Theater und trotz des Themas, ein Theater mit viel Humor. […]
Alle fünf Schauspieler strahlen eine ganz eigene, besondere Präsenz und Glaubwürdigkeit aus. […]
Lara Foot hat ‘Fishers of Hope‘ geschrieben und in Szene gesetzt, mit witzigen Dialogen, voller Emotionen. Wunderbar hat sie die Rolle der Frau als Ernährerin, als Sorgerin, als unermüdliche Überlebens-Kämpferin heraus gearbeitet und damit den Frauen Afrikas eine Art Denkmal gesetzt. […] Lara Foot zeigt Probleme der Globalisierung auf, der Umweltzerstörung, Korruption, Ausbeutung der Menschen in der Fischindustrie und der Frauenunterdrückung.“
(SWR2, 16. Juni 2015)

„Um das englischsprachige Gastspiel des Baxter Theater Centers Kapstadt zu erleben, müssen sich die Zuschauer via Shuttlebussen auf den Weg ins Probenzentrum Neckarau machen. Aber der Weg lohnt sich. Das Bühnenbild mit knöchelhohem Wasser, einem Steg, gespannten Fischernetzen, die auch als Projektionsfläche und Schattenspiel dienen, […] entführt die Theatergäste nach Kenia an den Viktoriasee. […]
In dem vermeintlich kleinen Familiendrama werden so viele Abgründe freigelegt – zwischen Männern und Frauen, zwischen den Generationen, […] dem neuen Europa und Afrika, zwischen der Natur und dem Eingriff des Menschen […]. Was als Familiengeschichte beginnt, hat paradigmatische Bedeutung. Ruths Emanzipationsgeschichte ist die eines ganzen Landes, das nach Kolonialisierung und Versklavung, nach Demokratisierung und der Ausbeutung von Bodenschätzen und Fischgründen nun den Ausbau des Tourismus erlebt. […]
Der Autorin und Regisseurin Lara Foot und ihrem Ensemble ist ein vieldeutiger, berührender und sehr sinnlicher Theaterabend gelungen.“
(Die Rheinpfalz, 15. Juni 2015)


 

Nach oben


KRIEGERINNEN, Premiere 13.06.2015
Mannheimer Bürgerbühne, Studio
Inszenierung: Miriam Tscholl

KRIEGERINNEN, Premiere 13.06.2015, ©Foto: Christian Kleiner
KRIEGERINNEN, Premiere 13.06.2015, ©Foto: Christian Kleiner

„In diesen Zweigesprächen über ausgeübte und erlittene Gewalt bekommt Krieg eine konkret verortete und persönlich gefärbte, als auch eine universale, Länder übergreifende Dimension. Das biografische Material wird geschickt mit Textpassagen aus Schillers „Jungfrau von Orleans“ konterkariert, gesungen von einem Knabenchor in Matrosenanzügen sowie von Clara Schwinning, die mit Helm, Schwert und Fahne in Heldenposen Schillers Johanna darstellt. […]
Miriam Tscholls Kollage zum Thema „Denn wo der Krieg ist, muss Johanna sein“ erzählt, was Frauen dazu bringt, im Krieg selbst Hand anzulegen und Teil der Vernichtung zu werden. Ein diskussionswürdiger und textzentrierter Bürgerbühnenabend.“
(Die Rheinpfalz, 15. Juni 2015)

„Stilistisch und gestisch ist sie [Clara Schwinning] (und später auch ihre fünf Mitspielerinnen Julia Biereth, Elena Schilling, Shulamit Rom, Dirau Schamal und Cansu Güler) ganz nah bei Schillers mädchenhafter Heldin. […]“
(Mannheimer Morgen, 15. Juni 2015)

„Clara Schwimming kommt in ihrer schon erstaunlich profihaften Johanna-Darstellung noch mehrmals zu Wort und bleibt darüber hinaus stets stumm präsent. Ebenso bühnenreif: Ein Knabenchor, der nicht nur sehr schön Schillertexte singt, sondern in weißen Matrosenanzügen auch ein echter Hingucker ist. […]“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 16. Juni 2015)


 

Nach oben


DIE RÄUBER, Premiere 12.06.2015
Nationaltheater Mannheim
Inszenierung : Calixto Bieito ie Räuber

DIE RÄUBER, Premiere 12.06.2015, ©Foto: Christian Kleiner
DIE RÄUBER, Premiere 12.06.2015, ©Foto: Christian Kleiner

„Bieito präsentiert zwei pausenlose, intensive Stunden lang das letzte Kapitel des Niedergangs einer Familie. Amalia spielt eingangs Cello und gedenkt des geliebten Karl. Katharina Hauter, eine wirkungsvoll wie von innen leuchtende, dabei vernünftige Unbeirrbare, rückt durch Bieitos Konzeption vom anrührenden Rand ins Zentrum des Geschehens. […]
Wie ohnehin das gute, klare Sprechen Richtung Publikum die Plausibilität des Geschehens (und die Genialität des Dramatikers) vor Augen führt. Auf eine bescheidene, fundamentale Art.“
(Frankfurter Rundschau, 15. Juni 2015)

„Calixto Bieito […] verzichtet fast völlig auf Schillers revolutionäre Freiheits-ideologie. Stattdessen forscht der spanische Regisseur nach den Ursachen der existenziellen Misere und entdeckt sie im inneren der Menschen, dort, wo in der Regel die Entscheidungen zwischen Gut und Böse fallen. […]
Zu den wunderschönen Schwarz-Weiß-Impressionen ‚böhmischer Wälder‘, die Sarah Derendinger immer wieder über die Leinwand flimmern lässt, hat die Bühnenbildnerin Kathrin Younes ein kleines, sprossengegliedertes weißes Häuschen bauen lassen. Es erinnert an ein Gewächshaus, erfüllt mitunter aber auch die Funktion eines Käfigs, in dem die starren Weltanschauungen des alten Moors symbolisch ein Zuhause finden. Bieito ordnet der Natur in seiner Inszenierung eine leitmotivische Bedeutung zu.“
(Stuttgarter Zeitung, 15. Juni 2015)

„Der spanische Bühnen-Berserker Calixto Bieito geht in seiner Inszenierung behutsam mit dem schweren Stoff um und setzt auf die Wirkung des großen Themas statt auf Effekthascherei. […]
Er verlässt sich auf die Wirkung des Schiller´schen Stoffs: Verrat, Verachtung, Liebe. Enttäuschung. Sie ziehen auch heute noch. […]
Die Bühne (Kathrin Younes) ist minimalistisch gestaltet […], um eine bedrückende Atmosphäre zu bauen, die durch wenig Licht und punktuelle Beleuchtung noch gesteigert wird. In ihr trägt die intensive Darstellung des alten Moor (Jaques Malan) und seines Konflikts zwischen Vaterliebe und Enttäuschung, und auch Amalia (Katharina Hauter) vermag mit ihren langen Monologen zu fesseln, die das Drama um den Bruderkonflikt einrahmen. Langanhaltender Applaus ist der Lohn des Ensembles, aus dem wieder einmal Sascha Tuxhorn hervorsticht, der die Seelenqualen des Franz eindrücklich, dabei oft mit kleinsten Regungen darstellt.“
(Wiesbadener Kurier, 15. Juni 2015)
„Sascha Tuxhorn lädt Gram auf das kahle Haupt von Franz, und die Regie gewinnt einen neuen Helden.“
(Darmstädter Echo, 15. Juni 2015)

„[…] Sascha Tuxhorn in der Rolle des Franz Moor. Kahlköpfig wie sein Vater […] buhlt er um dessen Zuneigung, hochgeschlossen und machtbewusst geht er vor der angebeteten Amalia […] auf die Knie, mit unwiderstehlicher Körperpräsenz und bewundernswertem Gespür für den richtigen Tonfall jedes Halbsatzes zeigt er, wie der unbegrenzte Machthunger aus dem Geltungsdrang des vernachlässigten Kindes entsteht. [….] Mit jedem Detail seiner Darstellung fügt Tuxhorn seiner Figur eine Facette hinzu.“
(Die Deutsche Bühne, 15. Juni 2015)

„Ihn [Bieito] interessiert der zeitlose Terror des Zwischenmenschlichen. Die Geflechte von Hingabe, Zurückweisung, Begierde und Rache legt er mit Schauspielern bloß, denen es gelingt, im Karacho der stark gerafften Fassung die Vielschichtigkeit ihrer Rollen zu zeigen.“
(nachtkritik.de, 13. Juni 2015)

„Bieito hat das Figurenarsenal von Schiller sehr reduziert, konzentriert sich auf sechs Schauspieler. Aber es ist immer noch Schiller, den wir da sehen – zugespitzt, gekürzt, radikaler gedacht, vom Sturm und Drang Pathos befreit und auf konsequente Art in die Gegenwart gebracht.“
(hr2, 16. Juni 2015)

„Die Stärken der Inszenierung lagen in der eindrucksvollen visuellen Aufbereitung voller Symbolbilder. […]
„Die Dissonanzen, die das Zusammenspiel von enttäuschter Erwartung, unerfüllter Sehnsucht und gefühltem Unrecht nun mal in Menschenseelen erzeugt, weiß Calixto Bieito zur Konzertreife zu bringen. Kathrin Younes hat hierzu einen atmosphärischen Klang- und Bühnenraum entworfen, finster wie die Abgründe, die es dort (in sinniger Ergänzung mit Schwarz-weiß-Videos von Sarah Derendinger) abzubilden gilt. […]
[…] Sascha Tuxhorns Rollengestaltung schmälert das keineswegs. Hin- und hergeworfen zwischen Unrecht und Verzweiflung, klischee- und mätzchenfrei, gespannt wie ein Flitzebogen, der die Schussrichtung nicht kennt: die beste Schauspielleistung des Abends.“
(Mannheimer Morgen, 15. Juni 2015)

„Großartiger Beginn: Calixto Bieito reduzierte Schillers ‚Räuber‘ klug und mitreißend auf ein dem Tode entgegentaumelndes Familiendrama. […]
[…] Bieito will das Geheimnis dieser hoffnungslos in ihren Untergang stürzenden Familie ergründen.
[…] Diese auf spannende zwei Stunden verdichtete Geschichte wird vom Mannheimer Ensemble großartig erzählt. Jaques Malan spielt den alten Moor als in stiller Verzweiflung erstarrten Patriarchen, Sascha Tuxhorn den Franz als komplexbeladenen, um den Redefluss wie um das eigenständige Leben ringenden Unglücksmenschen, David Müller den Karl als lebensbegierigen Amokläufer, dessen Liebesenergie keine Chance hat gegen die Betonmauern seiner malträtierten Seele. Mittendrin zwischen den Männern Katharina Hauters Amalia, eine Liebesmärtyrerin im regennassen Kleidchen.
Den Untergang dieser Menschen will auch Bieito nicht aufhalten, aber er gönnt ihnen doch eine Art Opferritual und damit so etwas wie Erlösung.“
(Die Rheinpfalz, 15. Juni 2015)

„Das war ein Auftakt nach Maß für die 18. Auflage der Internationalen Schillertage am Nationaltheater Mannheim! Calixto Bieitos mit Spannung erwartete ‚Räuber‘-Inszenierung überzeugte in ihrer neuen Sicht auf die Vater-Söhne-Konstellation des Dramas ebenso wie durch deren eindrucksvolle Umsetzung in starke Bilder. […]
[…] Bieito erkannte und nutzte die im Text angelegte, bis in die Nebenrollen reichende Komplexität fast aller Charaktere in Schillers Stücken. Ungewöhnlich auch, wie er und das von ihm hervorragend geführte Mannheimer Ensemble sich völlig frei von Ironie und ohne Scheu vor Leidenschaft, Pathos und überschießendem Sentiment auf die Sprache des Dichters einlassen […].“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 15. Juni 2015)


 

Nach oben


Frei nach Schillers „Jungfrau von Orleans“ mit Texten von Frauen im Krieg (Fassung Hajo Kurzenberger und Miriam Tscholl)
KRIEGERINNEN, Premiere 13.06.2015
Inszenierung: Miriam Tscholl

KRIEGERINNEN, Premiere 13.06.2015, ©Foto: Christian Kleiner
KRIEGERINNEN, Premiere 13.06.2015, ©Foto: Christian Kleiner

Bühne und Kostüme: Katja Turtj
Video: Wanja Saatkamp
Musik: Till Rölle
Licht: Björn Klaassen
Dramaturgie: Hajo Kurzenberger

„Clara Schwinning kommt in ihrer schon erstaunlich profihaften Johanna-Darstellung noch mehrmals zu Wort und bleibt darüber hinaus stets stumm präsent. Ebenso bühnenreif: Ein Knabenchor, der nicht nur sehr schön Schillertexte singt, sondern in weißen Matrosenanzügen auch ein echter Hingucker ist. […]“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 16. Juni 2015)

„In diesen Zweigesprächen über ausgeübte und erlittene Gewalt bekommt Krieg eine konkret verortete und persönlich gefärbte, als auch eine universale, Länder übergreifende Dimension. Das biografische Material wird geschickt mit Textpassagen aus Schillers „Jungfrau von Orleans“ konterkariert, gesungen von einem Knabenchor in Matrosenanzügen sowie von Clara Schwinning, die mit Helm, Schwert und Fahne in Heldenposen Schillers Johanna darstellt. […]
Miriam Tscholls Kollage zum Thema „Denn wo der Krieg ist, muss Johanna sein“ erzählt, was Frauen dazu bringt, im Krieg selbst Hand anzulegen und Teil der Vernichtung zu werden. Ein diskussionswürdiger und textzentrierter Bürgerbühnenabend.“
(Die Rheinpfalz, 15. Juni 2015)

„Stilistisch und gestisch ist sie [Clara Schwinning] (und später auch ihre fünf Mitspielerinnen Julia Biereth, Elena Schilling, Shulamit Rom, Dirau Schamal und Cansu Güler) ganz nah bei Schillers mädchenhafter Heldin. […]“
(Mannheimer Morgen, 15. Juni 2015)


 

Nach oben


Friedrich Schiller
DIE RÄUBER, Premiere 12.06.2015
Inszenierung: Calixto Bieito

DIE RÄUBER, Premiere 12.06.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE RÄUBER, Premiere 12.06.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE RÄUBER, Premiere 12.06.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel
DIE RÄUBER, Premiere 12.06.2015, ©Foto: Hans Jörg Michel

Bühne: Kathrin Younes
Kostüme: Rebekka Zimlich
Video: Sarah Derendinger
Licht: Nicole Berry
Dramaturgie: Ingoh Brux


„Bieito präsentiert zwei pausenlose, intensive Stunden lang das letzte Kapitel des Niedergangs einer Familie. Amalia spielt eingangs Cello und gedenkt des geliebten Karl. Katharina Hauter, eine wirkungsvoll wie von innen leuchtende, dabei vernünftige Unbeirrbare, rückt durch Bieitos Konzeption vom anrührenden Rand ins Zentrum des Geschehens. […]
 […] Wie ohnehin das gute, klare Sprechen Richtung Publikum die Plausibilität des Geschehens (und die Genialität des Dramatikers) vor Augen führt. Auf eine bescheidene, fundamentale Art.“
(Frankfurter Rundschau, 15. Juni 2015)

„Calixto Bieito […] verzichtet fast völlig auf Schillers revolutionäre Freiheits-ideologie. Stattdessen forscht der spanische Regisseur nach den Ursachen der existenziellen Misere und entdeckt sie im inneren der Menschen, dort, wo in der Regel die Entscheidungen zwischen Gut und Böse fallen. […]
 […] Zu den wunderschönen Schwarz-Weiß-Impressionen ‚böhmischer Wälder‘, die Sarah Derendinger immer wieder über die Leinwand flimmern lässt, hat die Bühnenbildnerin Kathrin Younes ein kleines, sprossengegliedertes weißes Häuschen bauen lassen. Es erinnert an ein Gewächshaus, erfüllt mitunter aber auch die Funktion eines Käfigs, in dem die starren Weltanschauungen des alten Moors symbolisch ein Zuhause finden. Bieito ordnet der Natur in seiner Inszenierung eine leitmotivische Bedeutung zu.“
(Stuttgarter Zeitung, 15. Juni 2015)

„Der spanische Bühnen-Berserker Calixto Bieito geht in seiner Inszenierung behutsam mit dem schweren Stoff um und setzt auf die Wirkung des großen Themas statt auf Effekthascherei. […]
[…] Die Bühne (Kathrin Younes) ist minimalistisch gestaltet […], um eine bedrückende Atmosphäre zu bauen, die durch wenig Licht und punktuelle Beleuchtung noch gesteigert wird. In ihr trägt die intensive Darstellung des alten Moor (Jaques Malan) und seines Konflikts zwischen Vaterliebe und Enttäuschung, und auch Amalia (Katharina Hauter) vermag mit ihren langen Monologen zu fesseln, die das Drama um den Bruderkonflikt einrahmen. Langanhaltender Applaus ist der Lohn des Ensembles, aus dem wieder einmal Sascha Tuxhorn hervorsticht, der die Seelenqualen des Franz eindrücklich, dabei oft mit kleinsten Regungen darstellt.“
(Wiesbadener Kurier, 15. Juni 2015)

„Sascha Tuxhorn lädt Gram auf das kahle Haupt von Franz, und die Regie gewinnt einen neuen Helden.“
(Darmstädter Echo, 15. Juni 2015)

„[…] Sascha Tuxhorn in der Rolle des Franz Moor. Kahlköpfig wie sein Vater […] buhlt er um dessen Zuneigung, hochgeschlossen und machtbewusst geht er vor der angebeteten Amalia […] auf die Knie, mit unwiderstehlicher Körperpräsenz und bewundernswertem Gespür für den richtigen Tonfall jedes Halbsatzes zeigt er, wie der unbegrenzte Machthunger aus dem Geltungsdrang des vernachlässigten Kindes entsteht. [….] Mit jedem Detail seiner Darstellung fügt Tuxhorn seiner Figur eine Facette hinzu.“
(Die Deutsche Bühne, 15. Juni 2015)

„Ihn [Bieito] interessiert der zeitlose Terror des Zwischenmenschlichen. Die Geflechte von Hingabe, Zurückweisung, Begierde und Rache legt er mit Schauspielern bloß, denen es gelingt, im Karacho der stark gerafften Fassung die Vielschichtigkeit ihrer Rollen zu zeigen.“
(nachtkritik.de, 13. Juni 2015)

„Bieito hat das Figurenarsenal von Schiller sehr reduziert, konzentriert sich auf sechs Schauspieler. Aber es ist immer noch Schiller, den wir da sehen – zugespitzt, gekürzt, radikaler gedacht, vom Sturm und Drang Pathos befreit und auf konsequente Art in die Gegenwart gebracht.“
(hr2, 16. Juni 2015)

„Die Stärken der Inszenierung lagen in der eindrucksvollen visuellen Aufbereitung voller Symbolbilder. […]
„Die Dissonanzen, die das Zusammenspiel von enttäuschter Erwartung, unerfüllter Sehnsucht und gefühltem Unrecht nun mal in Menschenseelen erzeugt, weiß Calixto Bieito zur Konzertreife zu bringen. Kathrin Younes hat hierzu einen atmosphärischen Klang- und Bühnenraum entworfen, finster wie die Abgründe, die es dort (in sinniger Ergänzung mit Schwarz-weiß-Videos von Sarah Derendinger) abzubilden gilt. […]
 […] Sascha Tuxhorns Rollengestaltung schmälert das keineswegs. Hin- und hergeworfen zwischen Unrecht und Verzweiflung, klischee- und mätzchenfrei, gespannt wie ein Flitzebogen, der die Schussrichtung nicht kennt: die beste Schauspielleistung des Abends.“
(Mannheimer Morgen, 15. Juni 2015)

„Großartiger Beginn: Calixto Bieito reduzierte Schillers ‚Räuber‘ klug und mitreißend auf ein dem Tode entgegentaumelndes Familiendrama. […]
 […] Bieito will das Geheimnis dieser hoffnungslos in ihren Untergang stürzenden Familie ergründen. […]
 […] Diese auf spannende zwei Stunden verdichtete Geschichte wird vom Mannheimer Ensemble großartig erzählt. Jaques Malan spielt den alten Moor als in stiller Verzweiflung erstarrten Patriarchen, Sascha Tuxhorn den Franz als komplexbeladenen, um den Redefluss wie um das eigenständige Leben ringenden Unglücksmenschen, David Müller den Karl als lebensbegierigen Amokläufer, dessen Liebesenergie keine Chance hat gegen die Betonmauern seiner malträtierten Seele. Mittendrin zwischen den Männern Katharina Hauters  Amalia, eine Liebesmärtyrerin im regennassen Kleidchen.
Den Untergang dieser Menschen will auch Bieito nicht aufhalten, aber er gönnt ihnen doch eine Art Opferritual und damit so etwas wie Erlösung.“
(Rheinpfalz, 15. Juni 2015)

„Das war ein Auftakt nach Maß für die 18. Auflage der Internationalen Schillertage am Nationaltheater Mannheim! Calixto Bieitos mit Spannung erwartete ‚Räuber‘-Inszenierung überzeugte in ihrer neuen Sicht auf die Vater-Söhne-Konstellation des Dramas ebenso wie durch deren eindrucksvolle Umsetzung in starke Bilder. […]
 […] Bieito erkannte und nutzte die im Text angelegte, bis in die Nebenrollen reichende Komplexität fast aller Charaktere in Schillers Stücken. Ungewöhnlich auch, wie er und das von ihm hervorragend geführte Mannheimer Ensemble sich völlig frei von Ironie und ohne Scheu vor Leidenschaft, Pathos und überschießendem Sentiment auf die Sprache des Dichters einlassen […].“
(Rhein-Neckar-Zeitung, 15. Juni 2015)


 

Nach oben


Ein Gespräch mit Calixto Bieito, dem Regisseur von „Die Räuber“, der Eröffnungspremiere der 18. Internationalen Schillertage und MM-Mitarbeiter Alfred Huber, MM vom 12.06.2015

Calixto Bieito, ©Foto: Rinderspacher
Calixto Bieito, ©Foto: Rinderspacher

Weil der strenge alte Moor einen Sohn mehr liebt als den anderen, stürzt er die Seinen ins Unglück. Für den spanischen Regisseur Calixto Bieito sind die "Räuber", die er zum Auftakt der Internationalen Schillertage für das Mannheimer Nationaltheater inszeniert, aus heutiger Sicht kein Revolutionsdrama mehr. Eher vollzieht sich darin die Apokalypse einer Familie. Die Menschen in den "Räubern" sind Bieito jedenfalls wichtiger als die Politik. Ihn interessiert das "krankhafte Verhalten" der Figuren, die alle falsche Entscheidungen treffen, jener "neurologische" Befund einer Gesellschaft, den er als destruktive Form in seiner Inszenierung beschreiben und untersuchen möchte. Schillers Bühnenpersonal bestehe aus isolierten Figuren, alle bildeten kleine, beziehungslose Inseln, erklärt der Regisseur in einem Gespräch, an dem sich auch die Regieassistenten Jennifer Regnet beteiligt

Was bringt den Menschen dazu, sich für das Gute oder Böse zu entscheiden? Eine Frage, die Bieitos Regie leitmotivisch bestimmt. Dass er als Ursache (unter anderem) für die Dominanz des Bösen einen Mangel an Verständnis und zwischenmenschlicher Freundlichkeit verantwortlich macht, ist kaum zu überhören. Schließlich: Wer nach einem anstrengenden Arbeitstag, nach beruflichem Ärger und Verkehrsstau seine Wut an der vielleicht noch mehr gestressten Kassiererin im Supermarkt auslässt, der trage wenig zu einer positiven Grundstimmung bei, in der sich Gutes angemessen entfalten könne.

Bieito geht es eindeutig um den Menschen. Nicht um die mehr oder weniger gründliche Erfüllung vorgefertigter Muster dramaturgischer Abläufe. Beinahe beiläufig erwähnt er Büchners "Woyzeck", hinter dessen Menschennatur sich eine gehetzte, unglückliche, erniedrigte Seele verbirgt. Ihr mörderisches Handeln am Ende ist für Bieito das Ergebnis einer sozial einengenden Gegebenheit, die das einzelne Individuum erbarmungslos in einen anscheinend unausweichlichen Prozess zwingt. Hier setzt Bieito auch mit seiner Stückdeutung an. In Karl sieht er keinen edlen Räuber, keinen Robin Hood der Walt-Disney-Welt, sondern einen Killer und Mörder, ein Monster. Damit folgt er nicht nur Schillers Selbstrezension, die der Dichter wenige Wochen nach der Mannheimer Uraufführung verfasste und anonym veröffentlichte, sondern er problematisiert zugleich die Weltanschauung eines Menschen, der behauptet, gegen die allgemeine Ungerechtigkeit zu kämpfen und dazu terroristische Mittel benutzt.

In gewisser Weise sind wir alle Räuber, betont Bieito, so wie der Bankangestellte, der sein "Leben satt" hat, seinen Frust nach außen trägt und auf dem Parkplatz etliche Autos anzündet. Was Thomas Mann als das "höhere Indianerspiel" der "Räuber" bezeichnete, jene sich selbst feiernde fast knäbische Trutz- und Trotzhaltung, berauscht sich bei Bieito, wie er sagt, aus egoistischen Gründen am Kriminellen, ohne Rücksicht auf die Schwächeren. Fast naheliegend, dass er, der die Vorgänge und Handlungszwänge in Schillers "Räubern" realistisch auf moderne Zeiten überträgt und gesellschaftskritisch analysiert, auch der Liebe in dem Stück als erlösendem Element wenig Vertrauen schenkt. Würde Karl seine Amalia wirklich lieben, könnte er sie zum Schluss nicht ermorden, erklärt er kurz und bündig. Und bei Franz sei sowie alles klar, der giere allein nach dem Körper der Braut seines Bruders.

Ein "poetisches Oratorium" möchte Bieito dem Publikum bieten und sichtbar werden lassen, was zwischen den Zeilen steht. Schillers Text, den er mit körperlichen Bewegungen vergleicht, besitze im Sprachfluss eine Unmittelbarkeit, die man in den "grammatischen Strukturen" seiner späteren Stücke nicht mehr entdecken könne. Auf gar keinen Fall wolle er mit seiner Inszenierung eine Botschaft verkünden. Davon halte er nichts. Schon deshalb nicht, weil er selbst, die Welt im Blick, zu sehr zwischen Optimismus und Pessimismus schwanke, wie er abschließend lachend bekennt.


18. Internationale Schillertage

Die 18. Internationalen Schillertage thematisieren "die Ambivalenz, das traum- wie alptraumhafte Potenzial geschlossener Gesellschaften heute". "Geschlossene Gesellschaft" - so heißt schließlich auch das Motto des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals, das sich seinem ersten Hausautor Friedrich Schiller widmet. Europa, so meinen die Schillertage, werde einerseits selbst als ein Bilderbuch der Freiheit dargestellt, andererseits würden "seine Grenzen nach innen wie nach außen strikter gezogen". Mit Schiller will man dem entgegenwirken.
Bis Samstag, 20. Juni, stehen insgesamt rund 55 Veranstaltungen auf dem Programm - vom klassischen Schauspiel über experimentelle Formate bis hin zu den sogenannten Schill-Outs im Foyer des NTM.

Die "Räuber"-Premiere, heute, 19 Uhr, ist ausverkauft. Am 28.6., 4., 7., 12. und 26.7. werden sie wieder gespielt (Info/Karten: 0621/1680 150).


 

Nach oben



Die 18. Internationalen Schillertage – „Ein Festival für alle Mannheimer“
Interview mit Holger Schulz und Ingoh Brux – im Gespräch mit Ralf-Carl Langhals
© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 03.06.2015

Ingoh Brux und Holger Schulz, ©Foto: Tröster
Ingoh Brux und Holger Schulz, ©Foto: Tröster

Ab 12. Juni ist es wieder soweit: Mannheim feiert neun Tage lang die Internationalen Schillertage am Nationaltheater. Es ist das größte Schauspielfestival um einen einzelnen Dichter. Die Traditionsbühne ehrt damit seit 1978 ihren ersten Hausautor: Friedrich Schiller, dessen dramatischer Erstling "Die Räuber" 1782 in Mannheim uraufgeführt wurde. Mit einer Inszenierung des katalanischen Regisseurs Calixto Bieito steht das Frühwerk auch am Anfang des renommierten Festivals, das diesmal unter dem provokanten Motto "Geschlossene Gesellschaft" steht und dennoch weit über die Grenzen blickt. Über das Programm sprachen wir mit dem organisatorischen Festivalleiter Holger Schulz und Chefdramaturg Ingoh Brux. Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski, der auch diesmal die Künstlerische Leitung innehat, musste sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen lassen.

Herr Schulz, es sind bereits die fünften Schillertage des Trios Kosminski/Schulz/Brux. Wie sieht es kurz vor Festivalstart aus? Alles lässige Routine oder droht das Burn-out?

Holger Schulz: Weder noch. Ich verantworte jetzt zum 5. Mal Organisation, Finanzen, Logistik und das Musikprogramm der Schill-Out-Reihe. Natürlich hat man Übung, und der lange Vorlauf der alle zwei Jahre stattfindenden Schillertage ist Fluch und Segen des Festivals für ein tolles Team, das bestens erprobt ist. Von Gästen bekommen wir immer das Feedback, dass wir gute Gastgeber sind. Jedes Mal steht man eben vor anderen Herausforderungen. . .

Welche sind es diesmal?
Schulz: Mit X-Wohnungen drangen wir 2011 in die Wohnstuben der Stadt, das war natürlich ein enormer, kleinteiliger Aufwand. Dieses Jahr öffnen wir das riesige ehemalige US-Militärgelände des Benjamin Franklin Village in Käfertal für unseren Afrika-Schwerpunkt, wo es wieder ganz andere planerische Herausforderungen zu meistern gilt, woraus aber letztlich der Spaß bei der Organisation resultiert.

Das Programm scheint diesmal weiter geöffnet für ungewöhnliche freie Theaterprojekte. Ist das eine Folge des letzten Mannheimer Theaterfestivals "Theater der Welt 2014"?
Ingoh Brux: Konkret beeinflusst hat "Theater der Welt" das Schillertage-Programm nicht. Vielleicht ist es zu früh, zu sagen, was "Theater der Welt" mit uns und der Stadt gemacht hat. Ich glaube, es war für alle eine tolle Inspiration. Wir haben die Mannheimer schon immer als sehr neugieriges Publikum erlebt, das sich auf offene Theaterformen einlässt. Aber gezielt offener haben wir die Schillertage nicht gemacht. Die Anzahl der "klassischen" Gastspiele ist gleich geblieben. Freie Projekte gibt es ebenfalls seit vielen Jahren etwa bei "Kritische Masse" (2013) und "Macht Geschichte!" (2011) und auch Auftragsproduktionen wie diesmal z. B. "Anti-Oedipus" mit dem Starphilosophen Slavoj Zizek.

Wie kam es zum Afrika-Schwerpunkt?
Brux: Wir haben immer wieder über einen Länderschwerpunkt nachgedacht und ihn bei "Bestie Mensch" (2007) mit einem Südamerika-Akzent ja auch schon verwirklicht. Zum 2015er Motto "Geschlossene Gesellschaft" ist ein Blick nach Afrika derzeit naheliegend.

Sie meinen wegen der Flüchtlingsströme vor Lampedusa?
Brux: Nicht nur, es ist weit mehr als ein Schwarz-Weiß-Problem. Wenn man in der Zeitung liest, dass im prosperierenden Südafrika, das Arme aus afrikanischen Nachbarländern anzieht, Schwarze gegen Schwarze auf die Straße gehen, bekommt das eine andere Dimension. Es geht nicht nur um Stammes- oder Einwanderungskonflikte, es sagt etwas über gesellschaftliche Ausschlussverfahren.
Schulz: Für uns war das eine Art Initialzündung und ein Weg, auch jenseits des eurozentrischen Blickwinkels über Konfliktlösungen nachzudenken.

Und danach haben Sie die Produktionen ausgesucht?
Brux: Genau. Natürlich sagen wir nicht, wir repräsentieren hier das afrikanische Theater, aber zu unserem Schillertage-Thema "Geschlossene Gesellschaft" funktioniert die Auswahl, die wir getroffen haben und bis auf Lara Foots "Fishers of hope" alle im Franklyn Village zeigen, ganz sicher.

Warum gerade dort?
Brux: Wer das leerstehende gigantische und abgeriegelte Gelände betritt, was er sonst ja nicht darf, kommt in eine ganz eigene Welt. Die aufgegebene Stadt in der Stadt macht es geradezu sinnlich erfahrbar, wie eine geschlossene Gesellschaft oder eine Parallelgesellschaft auf einen wirken kann. Das macht die Sache noch spannender.
Schulz: Wir haben die Produktionen bewusst dorthin gesetzt, die Orte werden theatralisiert, auch in so coolen und sexy Formaten wie Autokino.

Sie meinen "Analog Eye. Drive-in theatre" des Südafrikaners Brent Mestre?
Schulz: Genau. Er zeigt dort in zwei Formaten "The Stone Kraal" und "Lost in the waves" cineastische Filmstücke aus afrikanischen Ländern im Autokinoformat. Es gibt eine Fotoausstellung, Erfrischungen, Catering und den Ton übers Autoradio.

Gäbe es nicht auch von europäischen Ausgrenzungen genug zu berichten?
Brux: Das ist fraglos ein relevantes Thema, ob in Afrika, Südosteuropa oder in Mannheim. Wir machen Stadttheater und ein Festival für Mannheim. Den afrikanischen Blickwinkel haben wir hier noch nicht gezeigt. Und natürlich schauen wir auch auf Europa. Als Gastspiel des Berliner Maxim Gorki Theaters ist etwa Yael Ronens "Common Ground" zu sehen (15. Juni, 20 Uhr). Sie hat hier lebende Schauspieler aus Ex-Jugoslawien nach Bosnien gebracht, die ihre Erfahrungen zu einer Art theatralischer Dokumentation, einer gedoppelten Migrationsgeschichte auf der Suche nach Schuldfragen machte.

Es geht auch ins Bootcamp zu Radikalisierungszwecken?
Brux: Ja, in ein multimediales zu Antiislamismus und Jihadismus (20.6., 20 Uhr). Das Kollektiv Internil geht höchst ironisch damit um, und durch die Zuspitzung entlarven sich Frustrationen und Übermensch-Fantasien von selbst. Wir blicken aber auch echten Fachleuten für europäische Rechtsfragen über die Schulter.
Wie geht das?
Schulz: Daniel Kötter und Hannes Seidel haben auf einer Moselinsel vor Schengen für "Recht. Ökonomien des Handelns" ein Wochenende lang internationale Rechtsexperten zusammengebracht, die über ein neues, transnationales Recht nachdenken sollten. Also nicht etwa eine für den Mars, sondern auf Basis hier geltender Rechtsordnungen. Das Ganze wurde aufgezeichnet und wird als Musiktheater am 18. Juni zu sehen sein.

Und was hat all das mit Schiller zu tun?
Brux: Schiller gilt als Dichter der Freiheit und Menschenrechte. "Seid umschlungen Millionen..." heißt es bei ihm. In unserer "Festung Europa" stehen wir heute vor ziemlich unlösbaren Problemen. Wir haben die Schillertage immer als ein Theaterfestival begriffen, das auch über neue Formen nachdenkt. Das heißt, wir wollen mehr als Schilller-Inszenierungen zeigen, nämlich über die Auseinandersetzung mit seiner Philosophie und Ästhetik auch aus aktueller Sicht Ansätze zeigen, wie Theater heute die Welt begreift. Das muss unser Anspruch sein.

Welche Rolle spielt Friedrich Schiller am Theater noch?
Brux: Betrachtet man den Raum, den er im Spielplan einnimmt, eine sehr große. Er ist "unser" Dramatiker, darüber hinaus fast unser deutscher Shakespeare, ein Repertoire-Anker, an dem Regiehandschriften gemessen werden. Für ein Festival reicht das aber nicht aus, die Beschäftigung mit ihm muss darüber hinausgehen.
Schulz: Außerdem greifen wir dabei ja nichts aus der Luft, sondern nach Themen, die aus Schillers Gedankenwelt kommen. Sein Geschichts- oder Freiheitsbegriff war bisher ebenso dabei wie seine Überzeugung, dass der Mensch nur da ganz Mensch ist, wo er spielt. Und das wurde sowohl im jeweiligen Festivalmotto als auch in den eingeladenen Produktionen abgebildet.

Haben Sie alle Produktionen bekommen, die Sie gerne hier gezeigt hätten?
Schulz: Manche Einladungen und Gastspiele scheitern leider manchmal einfach auch an ganz profanen Dingen Logistik-, Transport- oder Terminproblemen. So war Andrea Breths Wiener "Don Karlos" schlicht zu groß zum Reisen oder Andreas Kriegenburgs "Maria Stuart" einfach terminlich nicht zu bekommen. So was passiert, aber dennoch können wir erfolgreich tolle Arbeiten aus Bremen, Dresden, Weimar oder Berlin in Mannheim zeigen, die auch schon fast komplett ausverkauft sind.

Und die abendlichen Schill-Outs sorgen wieder für die charakteristische Party-Atmosphäre?
Schulz: Ja das Musikprogramm ist wichtig, weil die Schillertage ein Festival sind, das sich an alle Mannheimer richtet. Im Idealfall mischt sich das Theater- und das Musikpublikum. Die Auftritte von Bands und DJs sind eine Ergänzung zum Theaterprogramm, die ins Festival passt und es in großen Teilen auch inhaltlich fasst.

Wie zum Beispiel?
Schulz: Gleich am ersten Abend spielt die österreichische Band Ja, Panik, deren Song "Libertatia" einen anarchistischen Ort vor Madagaskar beschreibt. Dann gibt es (am 15.6.) "exklusiv für alle" einen intimen Konzert-Parcours an Orten in Theaternähe. Welche Künstler an welchem Ort spielen, geben wir erst am Tag zuvor auf der Schillertage-Homepage bekannt. Nur etwa zehn bis 15 Leute kommen pro Spielort zum Zug. Hier spielen wir ironisch mit der Exklusivität einer kleinen "geschlossenen Gesellschaft".


 

Nach oben


18. INTERNATIONALE SCHILLERTAGE NATIONALTHEATER MANNHEIM 12.06. – 20.06.2015

18. INTERNATIONALE SCHILLERTAGE<br />NATIONALTHEATER MANNHEIM<br />12.06. – 20.06.2015<br />
18. INTERNATIONALE SCHILLERTAGENATIONALTHEATER MANNHEIM12.06. – 20.06.2015





Folge den Freunden auf facebook

Osteria Vineria bietet gehobene italienische Küche, stets saisonal und frisch, 2/3 gängiges Mittagsmenue oder nach dem Theater das Theatermenü (bitte reservieren).

HomeKontakteImpressumDatenschutz