Begegnung vom 18.04.2007 mit Reto Finger und Isabel Höpfner
Nutzt es einem jungen Autor, wenn er ein Jahr in unmittelbarer Tuchfühlung mit einem Theater verbringen kann? Ja und tausendmal Ja, sagte Reto Finger, zurzeit Hausautor des Mannheimer Nationaltheaters. Seit rund zehn Jahren unterstützen die „Freunde und Förderer des Nationaltheaters“ diese Einrichtung, bei der junge Schriftsteller und Dramatiker, die Theaterstücke schreiben, oftmals zum ersten Mal im Leben mit dem Theateralltag in Berührung kommen. Nicht wenige von ihnen haben seither ihren Weg gemacht, ihre Stücke stehen auf den Spielplänen renommierter Theater, und sie denken oft und gerne an das Lehrjahr in Mannheim zurück, in dem sie erstmals erlebt haben, wie Theater funktioniert.
Bei der jüngsten „Begegnung mit…“ der Freunde und Förderer des Nationaltheaters las Reto Finger - begleitet von der Schauspielerin Isabel Höpfner und moderiert vom Schauspieldramaturgen Volker Bürger - einige Fragmente aus einem neuen Stück vor. Es geht um Paare, die sich kennen, und um Paare, die sich nicht kennen, um einen Kapitän, dessen Schiff auf dem Trockenen liegt, um das Leben an Bord bei einer Kreuzfahrt, um Tiefsinn und subtilen Humor. Wird es „Die Suche nach dem Glück“ heißen? Reto Fingers Zuhörer im Anna Reiss-Saal würden jedenfalls sehr gerne wissen, wie das alles weiter geht.
Reto Finger, der im schweizerischen Emmental aufwuchs als Sohn einer Musikerfamilie, die es in dieses Dorf verschlagen hatte, sprach von seiner Hassliebe zu diesem Ort, an dem er nie heimisch geworden sei. Mit 16 verließ er Emmental, wurde Stadtschreiber an einem anderen schweizerischen Platz, schrieb sich die Emmentaler Enge in einem Stück „Das kalte Land“ von der Seele. Dieses Stück steht derzeit auf dem Spielplan des Nationaltheaters. Weil er sich frei schwimmen musste, weil er auch einmal Ordnung erleben wollte nach den unsteten Verhältnissen seiner Kindheit, studierte er Jura und arbeitete eine Zeitlang als Referent für bestimmte Straf- und Zivilsachen am Züricher Amtsgericht. Was er als Jurist zu ordnen hatte, erlebte er auch als Schriftsteller: Augenblicke von hoher menschlicher Dramatik, die ihn tief berührten. Man wird diesen Momenten in seinen Stücken wieder begegnen, wenn er nach vielen, vielen Fassungen endlich mit einer Endfassung zufrieden ist.
Isabel Höpfner, Mannheims „Emilia Galotti“, ist auch in Reto Fingers „Kaltem Land“, in „Max und Moritz“ und in dem Straßenbahnprojekt „Müller fährt“ zu sehen. Sie hat an der Berliner Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ studiert und zunächst im Fernsehen gearbeitet. Mannheim ist ihr erstes festes Theaterengagement. Sie könne nicht sagen, was sie lieber mache, Theater oder Film, meinte sie nachdenklich. Das Mannheimer Publikum ist sich sicher: Nach einiger Zeit am Nationaltheater wird sie es genau wissen – am Theater natürlich. 
|