Begegnung vom 25.01.2012 mit Thorsten Danner und Michael Fuchs
Das Mannheimer Publikum kennt sie aus zahlreichen gemeinsamen Auftritten – nun waren sie gemeinsam Gäste der Freunde und Förderer des Nationaltheaters bei der jüngsten „Begegnung mit ...“ im Anna Reiss-Saal: Thorsten Danner und Michael Fuchs. In der laufenden Spielzeit stehen sich die beiden Schauspieler im „Sommernachtstraum“ als Puck (Thorsten Danner) und Oberon (Michael Fuchs) gegenüber, in der „Dreigroschenoper“ brilliert Michael Fuchs als Mackie Messer, Thorsten Danner feiert als Tessmann in „Nora“ Erfolge.
„Anfangs konnten wir nicht viel miteinander anfangen“, erinnert sich Thorsten Danner, „obwohl wir in der gleichen Garderobe sitzen. Aber jetzt sind wir ein Herz und eine Seele!“ Das spürte man auch an diesem Abend, bei dem sich Beide unter der Moderation der Dramaturgin Stefanie Gottfried die Bälle nur so zuwarfen. Wie kamen sie zu ihrem Beruf? Thorsten Danner gestand, dass er noch in der Schule die Theatergruppe gehasst habe. Die Musik war ihm viel näher, ein Musikkabarett wurde von ihm gegründet, Musik wollte er studieren – aber dann sah er in den Frankfurter Kammerspielen das Schauspiel „Dekadenz“ und war fasziniert von der Bühne. Michael Fuchs hatte sich in seiner Jugend dem Fußball verschrieben und kam als Fußballer bis in die hessische Landesliga. Dann bremste ihn eine schwere Verletzung. Er fand den Weg zum Theater, als er Artisten auf der Bühne erlebt hatte. Doch die Träume ihrer Jugend begleiten diese beiden Künstler weiter. Thorsten Danner lässt auch Shakespeares Puck singen und macht Musik in einer kleinen Band mit Kollegen – Michael Fuchs weiß um die Bedeutung der Körpersprache. Seitdem er in der Schauspielschule auch gesungen hat, findet sich sein Name auch in den Musical-Karteien: Mackie Messer lässt grüßen.
Beide Schauspieler schätzen die Stärke des anderen: „Je stärker der Partner ist, desto besser ist man selbst“. Dabei habe die Theaterstadt Mannheim ein „freundliches Ensemble“, in dem man kollegial und freundschaftlich miteinander umgehe. Das ist offenbar nicht überall der Fall. Das Publikum dürfe getrost auch einmal die rote Karte zeigen, wenn etwas nicht gefalle – genauso, wie der Schauspieler auch dem Regisseur notfalls einmal ein Nein entgegenschleudern müsse. Tut Kritik weh? Ja, räumen Beide ein, aber die Kritik eines Kollegen zähle mehr als die Zeitungskritik. Immer wieder überrascht die Gedächtnisleistung des Schauspielers. Wie viele Rollen hat ein Schauspieler aktuell parat? „Sieben, vielleicht sieben bis zehn“, wird geantwortet. Die Texte sitzen im Kurzzeitgedächtnis und verlöschen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Kraft, Frische, Offenheit müssen immer wieder gefunden werden – auch durch einen sehr disziplinierten Tagesablauf. In jedem Beruf gibt es beglückende und belastende Momente. Dass man beim Wechsel in eine andere Stadt die (wenigen) Freunde zurücklassen muss, dass man immer wieder ein Stück Heimat verliert, gehört zum Leben des Schauspielers.
Mannheimer Morgen, 27.01.2012
Begegnung: Danner und Fuchs bei Freunden des Nationaltheaters
Die schwere Bürde eines Traumberufs
Von unserem Mitarbeiter Dennis Baranski
Wir zitieren:
„Hintergründiges über den Theaterbetrieb gab es neuerlich bei der von den Freunden und Förderern des Nationaltheaters ins Leben gerufenen Gesprächsreihe "Begegnung" zu erfahren. Im Anna-Reiß-Saal der Reiss-Engelhorn-Museen begegnete man den NTM-Schauspielern Thorsten Danner und Michael Fuchs, die keine Scheu kannten, ihren bisweilen überbewerteten Berufsstand etwas zu entzaubern.
Sicher, da ist diese "Coolness", wie Fuchs das Lebensgefühl des Künstlers beschreibt, der scheinbar von bürgerlichen Konventionen weitgehend unbehelligt an einer zweifellos geachteten Flanke der Gesellschaft existiert. Tatsächlich aber ist auch der Alltag des Mimen vornehmlich von Arbeit geprägt, gerade dann, wenn er mitten in den Proben zu Simon Solbergs Sicht auf Kleists "Michael Kohlhaas" steckt.
Dabei wurde der Traumberuf bei beiden erst spät zur Berufung. Während Danner zunächst dem Studium der Sonderpädagogik nachging und erste Bühnenerfahrung mit einer Musikkabarettgruppe sammelte, sah sich Fuchs auf bestem Wege in den Profifußball - womit neben der Musik eine weitere gemeinsame Leidenschaft der beiden gebürtigen Hessen benannt wäre. Man gibt sich einmütig, findet das Mannheimer Ensemble bemerkenswert "homogen" - im Sinne voneinander "freundlich" gesinnt. Da hätten sie schon anderes erlebt, etwa in Kaiserslautern oder Düsseldorf.
Aus gröberem Holz
Moderiert von Nationaltheater-Dramaturgin Stefanie Gottfried, plaudern Danner und Fuchs ungezwungen von Reizen und Entbehrungen ihres Broterwerbs, freuen sich über die vielfältigen Herausforderungen des vermehrt auf zeitgenössische Texte setzenden Spielplans und beklagen in ihrer Sicht weniger gelungene Produktionen wie Schmiedleitners "Don Karlos" oder einen "Sommernachtstraum", der aus "gröberem Holz geschnitzt" sei. Derlei erfrischende Offenherzigkeiten machten diese "Begegnung" zu einer der besonderen Art.“
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