Pressestimmen zu den Verabschiedungen


VERABSCHIEDUNG DER SCHEIDENDEN INTENDANTEN KLAUS-PETER KEHR (OPER) und KEVIN O’DAY (BALLETT), IHRER STELLVERTRETER DOMINIQUE DUMAIS (BALLETT) und LUTZ WENGLER (OPER) sowie von GMD DAN ETTINGER
24.07.2016, 11.oo im Schauspielhaus

Peter W. Ragge © Mannheimer Morgen, Montag, 25.07.2016
„Es lag Wehmut, ja sogar Trauer in der Luft, sehr viel Dankbarkeit und Respekt. Dazu gab es lange, rhythmisch und am Ende stehend dargebotenen Applaus: Im nahezu vollbesetzten Schauspielhaus des Nationaltheaters wurden gestern bei einer Matinee ein Generalmusikdirektor, zwei Intendanten und zwei stellvertretende Intendanten verabschiedet - ein Novum in der Geschichte des Hauses, das erst seit 2013 statt dem Generalintendanten mehrere gleichberechtigte Spartenchefs hat.“
"Es gehen heute fünf große Künstlerpersönlichkeiten, die das Nationaltheater lange geprägt haben", machte der Geschäftsführende Intendant Ralf Klöter die Bedeutung des Tages deutlich. Aber die zeigte sich auch daran, dass trotz teilweise sonnigem Wetter so viel Prominenz wie auch Publikum gekommen war, um Reden wie auch Videobeiträge zu verfolgen.“

„Mit dem Tag, so betonte Oberbürgermeister Peter Kurz auch im Namen von Kulturbürgermeister Michael Grötsch und der vier Fraktionsvorsitzenden, ende am Nationaltheater eine Ära. Im Ballett seien unter Kevin O'Day "Maßstäbe gesetzt" und durch "hervorragende Arbeit" viele neue Zuschauer gewonnen worden. Hans Peter Kehr sei als Opernchef zwar niemand gewesen, "der durch charmante Plaudereien die Herzen des Publikums im Sturm erobert", wie der OB ironisch sagte.
Dafür sei Kehr konsequent seiner Vision gefolgt: "Keine andere Opernleitung arbeitete erfolgreicher als Sie", verwies er auf die Auszeichnungen "Opernhaus des Jahres" (2015) und zwei mal "Uraufführung des Jahres". "Ihre Vorgänger sagten immer, es sei in Mannheim strukturell nicht möglich, solche Auszeichnungen zu erreichen", hob der OB hervor. Lutz Wengler bescheinigte der OB eine "großartige Leistung in der schwierigen Übergangszeit", nach deren Abschluss er sich dann in der Oper "unvermindert engagiert" habe. Bei Generalmusikdirektor Dan Ettinger bedankte sich Kurz schließlich, dass er nicht nur das Mannheimer Publikum "im Sturm erobert" habe. Obwohl zunehmend zwischen New York und Stuttgart gefragt, habe dies "seiner musikalischen Leidenschaft für Mannheim keinen Abbruch getan", meinte er.“

„Ein wehmütiges "Alla dann, machts gut" rief Achim Weizel, Vorsitzender der Freunde und Förderer des Nationaltheaters, den scheidenden Intendanten im Namen von jährlich rund 350 000 Besuchern zu. Zwar habe Kehr nicht immer alle Erwartungen der Zuschauer erfüllt, doch ihnen ein breites Spektrum von Barockopern bis zu modernen Komponisten nahegebracht, den "Ring" und den Mozartsommer beschert.
Besonders ging Weizel auf Lutz Wengler und dessen Verdienste als kommissarischer Generalintendant ein, wo er "ins kalte Wasser geworfen" und dann dieses Amt "überzeugend und erfolgreich ausgefüllt" habe. Dabei sei Wengler durch sympathisches Auftreten ein hervorragender Repräsentant des Hauses und "ein geschätzter Kommunikator" gegenüber Publikum, Sponsoren und den kulturellen Fördervereinen gewesen, wie Weizel auch im Namen des Richard-Wagner-Verbandes ausdrücklich lobte.“

„Sehr persönlich-herzliche Worte fand schließlich "Ring"-Regisseur Achim Freyer für Kehr, mit dem er bereits seit den 1970er Jahren künstlerisch eng verbunden ist und dem er zum Abschluss ein an die "Ring"-Ästhetik anknüpfendes Gemälde schenkte.
Kehr habe, auch wenn er es manchmal verberge, ein starkes, verletzliches Herz, meinte Freyer.“

„Im Foyer gab es schließlich noch ein Abschiedsständchen und Dankesworte vom Chor - sowie am Rande bedauernde Sätze vom Ensemble, dass die Regie keinerlei Dankesworte für die Mitarbeiter vorgesehen hatte.“
Peter W. Ragge © Mannheimer Morgen, Montag, 25.07.2016


Klaus-Peter Kehr kam 2005 als Operndirektor ans Nationaltheater und wurde 2013 Opernintendant.
Kevin O'Day, der 2002 als Ballettdirektor kam, leitete die Sparte mit seiner Partnerin Dominique Dumais als Stellvertreterin. 2013 erhielt er den Titel Ballettintendant, sie wurde stellvertretende Intendantin.
Lutz Wengler kam 2006 als Assistent der Operndirektion sowie Produktionsleiter des Mozartsommers. Ab Januar 2010 war Lutz Wengler Stellvertreter der Generalintendantin und ab Juli 2012 Kommissarischer Generalintendant. Nach der Einführung des neuen Leitungsmodells wurde er stellvertretender Opernintendant und Operndirektor.
Dan Ettinger ist seit der Spielzeit 2009/2010 Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim. (pwr)

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ORIGINAL-REDEBEITRAG OBERBÜRGERMEISTER DR. PETER KURZ

(OB Dr. Kurz hat uns den Beitrag freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt)

„Die Verabschiedung heute ist ein Novum, wir verabschieden erstmals zwei Intendanten, zwei stellvertretende Intendanten und den Generalmusikdirektor und dennoch ist die Kontinuität am Haus fast ebenso groß wie der Wandel, den diese Verabschiedung markiert.

Der heutige Vormittag wird darüber hinaus aber auch zeigen, dass die Sichtbarkeit und die Bedeutung der Spartenleitungen durch das neue Leitungsmodell nicht nur protokollarisch gestiegen sind.

Über den Anfang sagen wir gemeinhin mit Hermann Hesse, dass ihm ein Zauber innewohnt. Der Begriff, den wir am stärksten mit dem Abschied verbinden, ist der der Wehmut. Sie stellt sich ein, wenn der gemeinsame Weg erfolgreich, glückhaft war. Und dass sie erfolgreich waren, kann gesagt werden über alle Wege, die wir heute betrachten, unabhängig aufgrund wessen und welcher Erwägungen der gemeinsame Weg nun endet.
Wir verabschieden fünf Persönlichkeiten, die für die Entwicklung des Nationaltheaters prägend und wichtig waren. Schon jetzt sprechen wir jeweils von einer Ära. Das ist in wenigen Minuten natürlich kaum angemessen zu würdigen, ich will es dennoch versuchen.

Beginnen will ich mit Kevin O’ Day, der – zusammen mit Dominique Dumais - auf 14 Jahre am Nationaltheater zurückschauen kann.

Ich kann mich noch gut an die erste Begegnung 2001 – während der Schillertage – erinnern und den Ort: symbolhaft auf einer waghalsigen Konstruktion in mehreren Metern Höhe im alten Werkhaus. Die Hoffnungen von damals haben sich realisiert. Kevin O’Day übernahm in schwierigster Situation das Ballett. Was ihm gelang, war mehr als eine künstlerische Neuausrichtung der Sparte. Man kann von Neubegründung sprechen. Kevin O‘Day gewann ein neues Ballett-Publikum. Seine erfolgreiche Suche nach starken Tänzerpersönlichkeiten für sein Ensemble führte zu einem tänzerischen Niveau in der Breite, dass wir so bis dato nicht kannten. Er hat damit für das Mannheimer Ballett Maßstäbe gesetzt, die neben der Erinnerung an die einzelnen Produktionen bleiben werden.
Kevin O’Day gewann sein Publikum für seine avancierte Tanzspache, wobei er sich auch selbst diesem Publikum mehr und mehr öffnete. Dabei bekenne ich mich gerne auch als Fan seiner von manchen so genannten „spröden“ Arbeiten.
Zu erwähnen sind auch die neuen Spielorte, die er erschloss, und seine Kooperationen mit neuen Partnern außerhalb des Hauses. Denkbar große Wertschätzung und Anerkennung wie Zutrauen in die Kraft seiner Arbeit spricht aus der Benennung des Nationaltheater-Balletts als „Kevin O‘Day Ballett“ seit dem Jahr 2005.

Die zweite prägende Persönlichkeit des Balletts über die letzten 14 Jahre war Dominique Dumais – als Choreographin, Direktorin und Intendantin. Beide arbeiteten in Mannheim auf Augenhöhe zusammen - mit derselben Compagnie, aber stets am eigenen Werk, das sich - so hatte es den Anschein - zunehmend aufeinander bezog. Schließlich wurden beide – wie sie es selbst sagten – „Mannheimer“.
Auf der Landkarte des zeitgenössischen modernen Balletts verbanden sie Mannheim durch tragfähige Achsen mit dem internationalen Tanzgeschehen.
So wurden beide für die bedeutenden kanadischen Tanzpreise Dora Mavor Moore Award sowie den Koerner Award nominiert bzw. ausgezeichnet.
Wir sagen „Danke Kevin O‘Day und Dominique Dumais".

Mit Klaus-Peter Kehr verabschieden wir einen Denker und Gestalter, dessen dramaturgische Handschrift nicht nur in Mannheim, den Opernbetrieb in Deutschland maßgebend beeinflusst hat. Dass er in Mannheim schließlich Intendant wurde, darf uns auch ein wenig stolz machen. Und diese Intendanz bewies, dass Zukunftsfähigkeit und Jugendlichkeit im Denken keine Frage des Alters ist.
Was ist das Geheimrezept einer solchen langen und sich zudem noch immer steigernden Karriere? Vielleicht hören wir dazu noch mehr von Achim Freyer.
Wir können jedenfalls sagen, dass es nicht Teil seiner Strategie war, die „Herzen des Publikums im Sturm mit charmanten Plaudereien zu erobern“. Sein Erfolg fußt auf etwas anderem: Kehr hat eine eigene Vision für seine Arbeit, und verfolgt diese konsequent. Seine Suche galt interessanten Werken, geeigneten, der Sache verpflichteten Regisseuren und Musikschaffenden mit einem weiten Horizont, um seine Überzeugungen im Bereich der neuen Musik für die Oper und seine Vorstellungen einer Bühnenästhetik durchzusetzen.
Dabei schrieb er nebenbei die Tradition eines herausragenden Sängerensembles in Mannheim überzeugend fort.
Vergab er andernorts Kompositionsaufträge an Philip Glass, Steve Reich und Mauricio Kagel, lagen in den letzten Jahren ihm die Etablierung Salvatore Sciarrinos sowie die Mannheimer Uraufführungen der Werke bedeutender Komponistinnen am Herzen.
Auf die Ernennung zum Intendanten der Oper des Nationaltheaters folgte eine Kaskade von Auszeichnungen für seine entschiedene und zugleich sensible Arbeit:
• 2013: Der Idiot von Mieczyslaw Weinberg als „Uraufführung des Jahres“ in der Regie von Regula Gerber
• 2013: Platz 2 bei der Wahl zum „Opernhaus des Jahres“
• 2014: Böse Geister von Adriana Hölzky als „Uraufführung des Jahres“
• 2014: Opernchor des Jahres
• 2015: Esame di Mezzanotte von Lucia Ronchetti als „Uraufführung des
 Jahres“

Im Jahr 2015, dem 10. Jahr seiner Tätigkeit für das Nationaltheater, wurde die Mannheimer Oper,  zu dem, wie er selbst sagte, „was es seit langem verdient hatte“: zum „Opernhaus des Jahres“.

Für mich ist diese Auszeichnung, umso bemerkenswerter, weil ich mich noch gut an Gespräche und Diskussionen mit früheren Operdirektoren und dem verehrten Adam Fischer erinnern kann, die mir überzeugend erklärten, wieso Mannheim strukturell nicht in der Lage sei, eine solche Auszeichnung zu erreichen.
Sie, Herr Kehr, haben damit das „strukturell Unmögliche“ möglich gemacht.
Keine Operdirektion vor Ihnen war erfolgreicher als Sie.
Lieber Professor Kehr, wir sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet.

Was man über den Opernbetrieb des NTM positives sagen kann, gilt nicht wenig auch für Lutz Wengler.
Er kam 2006 als Assistent der Operndirektion und des GMD ans Nationaltheater, wurde bald Referent der Operndirektion und 2010 Stellvertreter der Generalintendantin.
In dieser Zeit formte er als Produktions- und Projektleiter aus der vorgefundenen „Mozartwoche“ den Internationalen „Mozartsommer“, der zu einem bedeutenden und sympathischen Festival in der Metropolregion geworden ist.
Eine besondere Leistung war die besonnene Leitung der Hauses während der krankheitsbedingten Abwesenheit der damaligen Generalintendantin Regula Gerber. Lutz Wengler wurde in dieser Zeit, 2012, zum Kommissarischen Betriebsleiter des Eigenbetriebs Nationaltheater bestellt.
Er bestellte das Haus gut und arbeitete unvermindert engagiert nach der Umstrukturierung der Theaterleitung ab 2013 als Stellvertretender Intendant der Oper und Operndirektor am Nationaltheater weiter.
Wir danken ihm herzlich für seine Leistung.

Kommen wir nun - last not least, was auch selbstverständlich ist! - zu
Dan Ettinger.

Beiderseitig groß war die Freude, als ihn Regula Gerber für die Spielzeit 2009/2010 als Generalmusikdirektor ans Nationaltheater geholt hatte.
Dan Ettinger ist ein Mitreißer, ein genuiner Operndirigent – vielleicht aufgrund seiner sängerischen Ausbildung, wie es selten ist. Wo er war, elektrisierte und bewegte er. Er verstand es Synergien zu bilden, die aus der Lust, Teil eines Projekts zu werden, entstehen, und Spannung zu nutzen, die sich aus der Dynamik ergibt.
Synergie und Spannung ist ebenso eine Überschrift für seine Konzertgestaltung im Rahmen der Musikalischen Akademie.
Sein Potenzial haben inzwischen viele Orchester auf der ganzen Welt zwischen Stuttgart und New York erkannt.

Entsprechend begehrt ein Orchester und einen musikalischen Betrieb zu führen ist nicht einfach. Seiner musikalischen Leidenschaft für die Mannheimer Projekte tat dies keinen Abbruch. Davon zeugt sein großer Schlusspunkt für Mannheim: Wagners Ring des Nibelungen. Die alles aber nicht konventionell zu nennende Inszenierungsästhetik Achim Freyers hat er, der musikalisch Konservative, nicht nur zugelassen, sondern zunehmend in seine musikalische Interpretation aufgenommen.
[Wir werden davon gleich noch einen Eindruck durch den nachfolgenden Film gewinnen können.]  

Unsere besten Wünsche begleiten Dan Ettinger auf seiner zukünftigen Karriere-Reise, bei der er hoffentlich noch so manches Mal auf einen berühmten  „Ex-Mannheimer“ oder „Ex-Mannheimerin“ treffen wird.
Wir freuen uns aber auch, wenn wir ihm wiederbegegnen, sei es auf der Bühne oder in einem Mannheimer Cafe.
Danke Dan Ettinger!

Wie eingangs erwähnt schwingt bei jedem Abschied Wehmut mit.
Über die Wehmut befindet Wikipedia, auf das wir uns heutzutage ja alle beziehen, dass im Gegensatz zur Melancholie die Wehmut als Vergangenheitsreflexion auch von Erheiterung und Zufriedenheit begleitet werden kann.
So wollen wir diesen Vormittag verstehen.“

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ORIGINAL-REDEBEITRAG PROF. DR. ACHIM WEIZEL
1. Vorsitzender der Freunde und Förderer des Nationaltheaters

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Grötsch,
Werte Intendantin, werte Intendanten,
Meine sehr geehrten Damen und Herren

„Wenn man bei einer Gelegenheit wie heute von den Veranstaltern angefragt wird, als Redner nach OB Dr. Kurz zu sprechen, dessen intellektuelle Brillianz bei solchen Gelegenheiten voll zum Tragen kommt, und hinterher spricht Achim Freyer - wenn man also in der Sandwichposition zwischen diesen beiden Rednern hier steht, dann gibt es nur eines: Augen zu und durch:
Deshalb zunächst herzlichen Dank für die Einladung, die ich stellvertretend für die Mannheimer Theaterbesucher wahrnehme, und in deren Namen ich mich bei den scheidenden Intendanten für ihre Arbeit bedanke möchte.
Jedes Jahr kommen mehr als 350 000 Besucher in dieses Haus, entgegen dem Bundestrend hat diese Zahl nicht abgenommen, durch neue Formate werden auch jüngere Besucherschichten angezogen, das Theater öffnet sich nach außen, das Theater lebt, was sich nicht zuletzt jedes Jahr an dem großen Zuspruch zum Theaterfest zeigt
Es ist eine große Verantwortung, die die Leitung dieses Hauses trägt, denn der Betrieb eines Theaters, insbesondere eines Vielsparten-Theaters, ist aufwendig und teuer.
Von Seiten des Gemeinderats der Stadt Mannheim und vom Land Baden- Württemberg wird hier seit langem großes Vertrauen investiert, das Theater kann dankbar sein für die konstante Unterstützung, die vor Ort durch Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Kultur BM Michael Grötsch wahrgenommen wird, eine Situation und eine Konstellation, um die uns viele andere Städte beneiden.  
Die uneingeschränkte Unterstützung der Kultur ist heute nicht selbstverständlich, in vielen Kommunen hat die Kultur weitaus nicht mehr den Stellenwert, den sie, erfreulicherweise, aber auch nicht unumstritten, in Mannheim genießt.
Die besonderen Leistungen dieses Hauses rechtfertigen auch die Sonderstellung des Nationaltheaters im Land neben den beiden Staatstheatern Stuttgart und Karlsruhe, vor 2 Tagen war der CDU Landesvorsitzende und MdB Strobel hier in Mannheim und wir konnten ihm in einem offenen Gespräch die Faktoren darlegen, die das Mannheimer Theater auszeichnen. Der Eindruck aller Beteiligten war, dass diese Botschaft angekommen ist, was wichtig ist im Hinblick auf die bevorstehende Sanierung.
Die Intendanten die wir heute verabschieden, haben alles getan, um den guten Ruf dieses Hauses zu wahren und weiter zu befördern.

Der von Prof. Klaus-Peter Kehr verantwortete Opernspielplan hat sich unter seiner Leitung wesentlich gewandelt. Das Repertoire reicht von der Barockoper bis zu Werken von lebenden und teilweise quicklebendigen Komponisten und vor allem Komponistinnen. Über seine größte Leistung „den Mannheimer Ring“, wird ein anderer Achim (Freyer) im Anschluss sprechen.
Was den Zuschauern in der Oper geboten wurde war nicht immer leichte Kost. Es ging Peter Kehr nicht darum, immer die Erwartungen zu erfüllen. Durch die Wahl der Stücke und durch neue Formen wurden den Besuchern teilweise behutsam, teilweise sehr deutlich, neue Ansichten und Sehweisen vermittelt. Es spricht für das Mannheimer Publikum, dass es die neuen Tendenzen erkannt, akzeptiert und durch großen Zuspruch bei den Vorstellungen gewürdigt hat. Prof. Kehr hat auch den Brückenschlag zu den anderen Intendanzen vollzogen, die Gründung der Jungen Oper ist mit sein Verdienst.
Zusätzlich sprechen die nationalen Auszeichnungen (Opernhaus des Jahres, Uraufführung des Jahres, Opernchor des Jahres) hier eine eindeutige Sprache und sind eine Bestätigung der künstlerischen Linie von Prof. Kehr, der sich immer treu geblieben ist. Wenn heute große überregionale Zeitungen (FAZ, Süddeutsche) ihre Mitarbeiter regelmäßig zu Premieren / Aufführungen nach Mannheim schicken, so ist dies die Anerkennung einer hohen künstlerischen Leistung des Hauses und eine Anerkennung der persönlichen Arbeit Peter Kehrs und seines Teams.
Und ganz zum Schluss, lieber Peter Kehr, hast Du Dir und uns noch einen phänomenalen Abschied mit den großartigen Aufführungen des Mozartsommers geschenkt, allein diese Veranstaltung ist meines Erachtens einen Beifall wert.

GMD Dan Ettinger, den wir heute auch verabschieden, hatte als gefühlter Nachfolger von Adam Fischer große Schuhe zu füllen. Dass er durch seine Art  des Musizierens und durch sein Charisma das Publikum erobert und gehalten hat, wissen wir alle. Er hat uns in zahlreichen Neuinszenierungen und Wiederaufnahmen durch das gesamte Opernrepertoire geführt. Wir werden ganz besonders mit seiner Amtszeit die Mammutaufgabe der Neuinszenierung des Rings verbinden, der durch die Zusammenarbeit mit Achim Freyer eine nationale, wenn nicht übernationale Bedeutung bekommen hat und auf einer DVD sozusagen für die Ewigkeit bewahrt ist, ein ganz großer Erfolg.
Neben seiner Aufgabe im Theater hat sich Dan Ettinger im Rahmen der Akademiekonzerte auch um das Konzertleben Mannheims verdient gemacht, die sogenannten Chefkonzerte der Musikalischen Akademie waren immer die Publikumsrenner. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass das Orchester, das aus Einzelkönnern besteht und damit ein hochsensibler Partner ist, dass also die Musiker dieses Orchesters auch nach all den Jahren noch begeistert von ihrem GMD reden, dies spricht für die menschlichen und musikalischen Qualitäten von Dan Ettinger, seine  Musik und seine charakteristische Silhouette werden uns fehlen.

Der Tanz hat es immer schwerer als zum Beispiel die Oper, im Tanz prägt in der Regel ein Leiter das Programm. Dass dies hier nicht so war, lag an der Konstruktion der Leitung, denn der besondere Reiz der vergangenen Periode lag vor allem darin, dass mit Kevin O´Day und Dominique Dumais zwei unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten am Werk waren, die sich auch in ihrer choreographischen Handschrift unterschieden und so dem Publikum durchaus verschiedene Aspekte des Tanzes boten. Nach den Turbulenzen vor ihrer Zeit, haben es Kevin O´Day und Dominique Dumais geschafft, die  abgewanderten Ballettomanen wieder an das Haus zurück zu holen. Sie haben sich eine treue Gemeinde geschaffen. Mit einer Mischung von Handlungsballetten einerseits und purem Tanz andererseits haben sie offensichtlich den Geschmack des Publikums getroffen, die ausverkauften Vorstellungen der letzten Wochen sprechen hier eine eindeutige Sprache und werden in unserer Erinnerung weiter leben.

Die größte Krise in der Amtszeit der scheidenden Intendanten war zweifellos der unerwartete Abschied von GI Regula Gerber. Dass das Theater in dieser Phase Kurs gehalten hat, war nicht selbstverständlich und ist dem bedingungslosen Einsatz der Personen in der Leitung zu verdanken.  
An dieser Stelle muss jetzt Lutz Wengler erwähnt werden. Er wurde buchstäblich und ohne Vorwarnung ins kalte Wasser geworfen und hat das Amt des kommissarischen Generalintendanten übernommen
Und … das kann man im nachhinein sagen ... er hat es überzeugend und erfolgreich ausgefüllt.
Basis seines Erfolgs war der Umstand, dass sich Lutz Wengler ohne wenn und aber darauf verlassen konnte, dass seine Intendantenkollegen die künstlerische Kontinuität in ihren Sparten sicherten. Dr Klöter hat ohne großes Aufheben die dramatisch aus dem Ruder gelaufenen internen Prozesse wieder auf Vordermann gebracht, so dass das Haus auch hier wieder in ein ruhiges Fahrwasser kam, eine Leistung, die man nicht hoch genug einschätzen kann. Um so mehr bedauern wir seinen bevorstehenden Weggang.
Die  Aufgabe von Lutz Wengler bestand somit vor allem darin, den Kollegen den Rücken frei zu halten, so dass sie sich ihren eigentlichen Aufgaben widmen konnten. Und dies hat Lutz Wengler in bemerkenswerter Art und Weise geschafft.  
Nach außen war er der geniale Kommunikator. Durch sein sympathisches Wesen, sein überzeugendes Auftreten und seine rhetorische Begabung hat er das Theater in überzeugender Weise repräsentiert. Seine Kontaktfreudigkeit und sein offenes Wesen haben ihm viel Sympathie eingetragen und ihn in der ganzen Stadt bekannt gemacht.  
Er war auch ein geschätzter Kontaktmann zu den kulturell tätigen Vereinen. Den Freunden und Förderern sowie der Stiftung Nationaltheater war er immer ein verlässlicher Partner. Frau Kulczinski, die Vorsitzende des Wagnerverbands, hat mich ausdrücklich gebeten, Lutz Wengler auch im Namen des Wagnerverbands heute herzlich zu danken.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss kommen : Im Zusammenhang mit dem Theater wird häufig das Cliché der großen Familie verwendet. In der Tat ist es heute so, dass wir uns von Menschen verabschieden, mit denen wir zusammen auch eine Strecke unseres gemeinsamen Lebensweges gegangen sind. Viele Erinnerungen verbinden sich mit ihnen, viele persönliche Begegnungen haben stattgefunden, viele Freundschaften sind entstanden. Wir haben gute und schwierige Zeiten miteinander durchgemacht.
Liebe scheidende Intendanten: Ihr könnt stolz sein auf das, was Ihr für das Nationaltheater geschaffen habt, Eure Namen werden für immer mit der Geschichte dieses traditionsreichen Hauses verbunden sein.
Wir wünschen Euch alles Gute für die Zukunft und wie man am Theater sagt: ToiToiToi oder wie man in Mannheim sagt „ALLA DANN, MACHT’S GUT!“

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